Das Bronski & Grünberg hat „Sehnsucht“

Juni 6, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine theatrale Reise durch drei Stationen

Das Bronski & Grünberg startet am 13. Juni wieder durch. Der Abend „Sehnsucht – nach allen möglichen Sachen“ führt das Publikum durch drei Räume, die daran erinnern sollen, wie laut oder leise, wie wichtig oder banal, rührend oder auch komisch Träume und Wünsche sein können. Kyrre Kvam, Julia Edtmeier & Jakob Semotan und Benjamin Vanyek alias Jacques Brel mit Band Nikolaus Messer und Alexander Jost geben unter der Leitung von Ruth Brauer-Kvam diesen Abend an den beiden Wochenenden 13./14. Juni und 20./21. Juni.

Pro Vorstellung gibt es 30 Tickets, das Publikum wird in Gruppen à 10 Personen geteilt, die dann durchs Theater von Station zu Station geführt werden. Schreibt das Bronski & Grünberg: „Unsere Sehnsucht nach dem Theater war groß, so groß wie die von Winnie Puh nach Honig oder Biene Maja nach Willie oder auch andere Beispiele, die nichts mit Honig zu tun haben … naja. Nach dem ersten Eis im Sommer zum Beispiel. Und jetzt hat der Eissalon endlich wieder offen. Kommen Sie! Wir freuen uns – sehr!“

www.bronski-gruenberg.at

6. 6. 2020

Stadtsaal: Gunkl, großartig

September 5, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

So Sachen – ein Stapel Anmerkungen

Bild: Robert Peres

Bild: Robert Peres

Wenn man am Tag nach der Gunkl-Premiere im Stadtsaal in einem Autobus zur Frohner-Fahrt (weshalb dieser Text erst heute erscheint), gefragt wird: Sind alle da?, kann man nicht anders als lachen und verwunderte Blicke wegstecken. Günther Paal geht in seinem neuen Programm „So Sachen – ein Stapel Anmerkungen“ nämlich den Ja-Schreiern nach. Von Kasperltheaters „Seid ihr alle da?“ bis zu „Wollt ihr den totalen Krieg?“. Wobei das ungefähr zwei Prozent des Dargebotenen darstellt. Gunkl widmet sich diesmal ungewohnt verständlich dem Unverständlichen: dem Menschsein. Sich selbst „ab Werk passend“ sehend scheitert er an seinen Kinderfragen und hinterfragt das Konzept Sprache. Der Berufszyniker und Diktionsjongleur hat einen bunten Strauß gesellschaftlicher Unsinnigkeiten wortzerpflückt und neu gebunden. Dass er schwierig ist, hat er schon in jungen Jahren erkannt, aber es ist ihm lieber als lustig oder wurscht, weil man für diese Einstellung ja große Teile des eigenen Lebens streichen müsste. Dann lieber eben – schwierig. Nachsatz: „Nicht jeder, der nicht verstanden wird, ist gleich ein Genie.“

Ein Glück. Man versteht. Dass man mit dem Älterwerden immer mehr Widersprüche herstellt. Die zu lösen unlösbar ist, weshalb man – Motivationstrainern und Religionen sei Dank – vor allem im Umgang mit Vorgesetzten/Gott für die gute Laune auf die bessere Logik verzichtet. Gunkl hirnakrobatet sich direkt ins Juhu-Zentrum, dieses Potemkinsche Kuschelland, trotz seines inneren Kampfes von Glauben (ein „Stockholmsyndrom mit selbsterfundenen Geiselnehmern“) vs Annehmen, sucht einen treffenderen Ausdruck für Wollen-Sollen und erst recht für Können. Und hinterfragt, ob, wenn man für jemanden Leidenschaft empfindet, der andere dann in Mitleidenschaft gezogen ist. Und gerade als einem der Quer(ulant)denker Erkenntnis als lustvolles Erlebnis schildert, weil das Hirn lernen will und der Mensch Draufkommen besser kann, als jede andere Spezies, geht’s in die Pause. Und der Sitznachbar erzählt einem, dass die Erde jetzt eine Adresse im Universum hätte, nämlich Sonnensystem, dritter Planet rechts, lokale Gruppe Andromedagalaxie/Dreiecksnebel/Milchstraße … Galaxiensupercluster, neu entdeckt mit dem hawaiianischen Namen Laniakea …

Gunkl, bitte melden!

Und da ist er auch schon wieder. Mit dem g’scheiten Satz, dass aus einem Aha! keinesfalls ein Ah so! werden dürfe. Ah eh. Aber: Gunkl lässt Hoffnung keimen. Die Menschheit analysierend verortet er sie maximal in der Pubertät, was viele Blödheiten nicht nur erkläre, sondern viel mehr auch als schiache Wimmerl ausdrücke. Diese Wahrheit ist dem Menschen nicht nur zumutbar, sie hat auch einen langen Atem, der den Leuten – wir werden’s allerdings nicht mehr erleben – vielleicht doch noch das Erwachsensein einhauche. Was Professor Paal an dieser Stelle nicht bedenkt, ist, ob die Natur Erscheinungen wie ihn oder den Sitznachbarn überhaupt vorgesehen habe. Ob sie nicht eine Homo-sapiens-Nebenlinie sind, ob nicht statt dem mit Köpfchen der mit Keule und Chuzpe der Weiterleber, Weitergeber sein wird. In Chefetagen und anderen religiös-fanatischen Verbindungen häuft sich dieses Phänomen. Aber das ist eine andere Geschichte, die vielleicht ein andermal erzählt wird. Arbeitstitel: Intelligenz – ein Irrtum.

www.gunkl.at

http://stadtsaal.com/

Wien, 5. 9. 2014