Volksoper: Der Zigeunerbaron

März 1, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Strudelteig aus Temesvár

Eine Wandertruppe spielt die Moritat vom Zigeunerbaron: Kristiane Kaiser, Lucian Krasznec, Boris Eder, Martina Mikelić und Kurt Rydl. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Tatsächlich, Regisseur Peter Lund hat alle vorab getätigten Ansagen eingehalten. „Der Zigeunerbaron“, den er gestern an der Volksoper zur Premiere brachte, ist eine bis ins Detail durchdachte Auseinander- setzung mit rassistischem Klischeekitsch, martialischem Hurrapatriotismus und sogar dem k.k. Kolonialismus. Sein Studium der Novelle „Sáffi“ von Mór Jókai sowie Lunds historisches Interesse an den Johann-Strauß’schen Bezugspunkten sind deutlich miterleb- und nachvollziehbar.

Zeitgeschichte und Zeitgeist sind ebenfalls berücksichtigt, subtile Korrekturen an der einen oder anderen Stelle machen vieles drastischer, dramatischer, dramaturgisch ausgefeilter. Dem Zsupán wird, wie’s bei Jókai mit Sáffis „Hexen“-Mutter ja geschieht und wie es die Völkermordstrategie der NS-Vernichtungsmaschinerie war, der Halbsatz in den Mund gelegt, man solle alle Zigeuner verbrennen. Czipra und Saffi sprechen miteinander auf Romani, was ob des männlichen Nichtverstehens Absprachen zwischen den beiden Frauen möglich macht. Mirabella ist nicht die lang verschollene Carnero-Gattin, sondern Zsupáns Langzeitpantscherl.

Ottokar folglich der in höchst dubioser Situation gezeugte Sohn eines türkischen Paschas, dies wiederum eine Ohrfeige für die xenophobe Arsena. Im Wilde-Ehe-Duett wird der Dompfaff zur Spottdrossel. Die fliegt anfangs Laterna-magica-animiert durch die Ouvertüre, ein sinister dreinblickender Sinti-und-Roma-Chor singt mittendrein sein „Habet acht vor den Kindern der Nacht!“, über die abbruchreife Apsis/Schlossruine von Bühnenbildnerin Ulrike Reinhard ziehen Schattenspiel-Türken und Prinz-Eugen-Silhouette, Belagerung, Befreiung von Wien.

Der Doppeladler verformt sich zu zwei Todeskrähen, das fahrende Volk wird zur Wandertheatertruppe. Als deren Impresario kündet Boris Eder an, ein Stück über eines gewissen Zigeunerbarons Schicksal aufführen zu wollen, bevor er seine Tragöden samt ihren Rollen vorstellt. Einen „Kniff“ nennt Lund im Programmheftinterview diesen Thespiskarren, der „das Moritatenhafte der Handlung“ transportieren soll, und apropos: geleierte Melodie, moralische Belehrung, Lund ist letztlich so sehr mit P.C.-Sein beschäftigt, dass er auf die Operette vergisst.

Liebespaar I: Rydl und Regula Rosin. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Liebespaar II: Krasznec und Kaiser. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Liebespaar III: Anita Götz,  David Sitka. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Er hat das Rot-Gelb-Grün des Banat zu Grauschattierungen entfärbt, buchstäblich und sinnbildlich, die heitere Melancholie des Schnitzer-Librettos in ein bleiern schweres Melodram verwandelt, und wirklich schlimm ist: Alfred Eschwé, sonst steter Garant für schwungvolles Operettendirigat, wirkt wie von der Temesvárer Elegie entmutigt. Statt beschwingtem Walzer und feurigem Csárdás klingt’s, als wäre das Orchester picken geblieben, nein, pardon, falscher Strudelteig, besser passt das Wienerische Bonmot vom sich ziehenden zur Aufführung.

An dieser Stelle nun den satirischen Text einer 1885-Karikatur über des Komponisten Opernhaushoffnungen für sein Werk wiederzugeben, ist selbstverständlich ein schlechter Scherz – Strauß und eine Waage in einem Fesselballon über Wien, unten Schnitzer und Jókai vor der Staatsoper, sagt er eine zu anderen: „Vor lauter Hin- und Her-Balancieren ist der Waag‘ schon ganz schlecht. Jetzt bin ich nur neugierig, auf welcher Seite wir durchfallen werden …“

Aber leicht macht es einem Kostümbildnerin Daria Kornysheva mit ihrem Stilblütenstrauß aus Modern Gipsy, Lumpenfashion und schwarzem Leder nicht, dazu – Achtung: Uraufführungsdatum – Spätbiedermeierfolklore und das Buffo-Paar mummenverschanzt als verschmockte gagerlgelbe Knallchargen. Nicht nur muss Anita Götz als Arsena dazu in Schweinsklauen-Schuhe mündende ferkelrosa Strümpfe tragen, und der Chor in der Zsupán’schen Fleischfabrik Rüssel, selbst eine Ansonsten-Auskenner-Befragung konnte das Geheimnis nicht lüften, warum die Saffi in ein Herrennachthemd verdammt wurde.

Unter all den Schweineschnauzen gibt Kurt Rydl als blutig geschürzter Borstentierzüchter ein spätes Operettendebüt, sein Kálmán Zsupán dabei weniger Bauer als Wurst- und Speckerzeuger, ein landräuberischer Gutsherr, dessen gierigen Opportunismus Rydl routiniert herausarbeitet. Doch bleibt auch sein Charakter, was das Komödiantische betrifft und trotz Rydls Rampensau-Bemühungen zu Zsupáns Gesülze, ein getragen vortragender Spätzünder.

Die unfreiwillige Braut: Lucian Krasznec, Anita Götz, Kurt Rydl, Boris Eder und Chor. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Begeisterung für den Krieg: Marco Di Sapia als Graf Homonay und Kurt Rydl (re.). Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Die Schrecken des Krieges: Lucian Krasznec, Marco Di Sapia und David Sitka (M.). Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Wer zuletzt lacht …  das ist die famose Martina Mikelić als Czipra. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Lucian Krasznec, übrigens im rumänischen Banat geboren, ist ein sympathischer Sándor Bárinkay mit angenehmem Tenor. Als seine Saffi ist Kristiane Kaiser mit dessen sicheren Höhen mitunter überfordert, Kaiser kann auch – verständlicherweise, siehe Kostüm – kaum berühren. Immerhin, so sagte der Sitznachbar, muss sie sich weder vor noch nach der Hochzeitsnacht umziehen. Regula Rosins Mirabella hat im Böse-Gouvernanten-Look ihre Momente, wenn sie den säumigen Zsupán zum Ringetauschen zwingen will. Und da’s bereits um schrill geht: Anita Götz‘ Arsena toppt diesbezüglich alles.

Marco Di Sapia holt aus seinem Kurzauftritt als Graf Homonay, hier ein sehr stimmiger Husaren-Haudrauf mit Skelettpferd, was geht. Und um beim Erfreulichen zu bleiben, da ist David Sitka als in ständiger Angst vor der eigenen Courage lebender Ottokar zu nennen, Boris Eder, der als verklemmter, sexbefreiter, korrupter Sittenkommissär die ihm laut Regie verbleibenden Register zieht, sein Conte Carnero fast eine Nestroy-Figur – und vor allem Martina Mikelić als Czipra. Ihr ominös okkultes Erscheinen macht sie – pah, Baron! – zur Zigeunerkönigin, zur Spielmacherin, die beim sichtlichen Handlese-Schwindel einzig ihre Sache verfolgt und den feschen und mit ihrer Hilfe bald reichen Bárinkay von Saffi bis zum Schatz manipuliert. Dieser samt einer Art Stephanskrone einer, der den der Nibelungen zu Tand degradiert.

Doppelt passt hier, dass Czipra dem Conte nichts wahrsagt, weil sie’s erstens nicht kann und der zweitens mit einem Eheweib nichts anzufangen wüsste. Es kommen die Soldatenwerber, in einem großartigen Bild der Krieg und dessen Untote-kriechen-aus-einem-unterirdischen-Mordskarussell-Ende. Womit man wieder am Anfang landet, nämlich bei den Brettln, die Theaterkarren bedeuten, wo Impresario Eder Ottokar und Bárinkay unter die vielen gefallenen Helden zählt. Die Bühnenzuschauer buhen, nur Feigling Zsupán hat es „Von des Tajo Strand“ nach Hause geschafft, so etwas will das Publikum nicht sehen.

Also zieht Eder den Vorhang auf zum Happy End. Es fügt sich, was zusammengehört, die als Paschatochter enttarnte Saffi schwebt in Maria-Theresia-Aufmachung unters jubelnde Volk. „Heiraten! Vivat!“ Zu einer derart ausbremsten Operette war der Schlussapplaus dennoch entsprechend schaumgebremst.

Einführung: www.youtube.com/watch?v=E2jQKhn4PMs           www.youtube.com/watch?v=A6IrtLPpXvI             Kurt Rydl und Lucian Krasznec im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=hsE7kmqnSyc                                Peter Lund und Alfred Eschwé im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=H6tUNKAACjM             Probeneinblicke: www.youtube.com/watch?v=A75D7yD6Hmw             www.volksoper.at

1. 3. 2020

Volksoper: Die Räuber

Oktober 15, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Zurücklehnen und genießen

Die dunkle Seite der Macht – Karl inmitten seiner Räuber: Vincent Schirrmacher mit dem Chor. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

An der Volksoper gibt es zum zweiten Mal seit 1963 eine Inszenierung von Verdis „Die Räuber“ zu erleben – und die Inszenierung krankt vornehmlich an zwei Dingen: An der immer noch verwendeten deutschen Fassung von Hans Hartleb, die so hanebüchen Reim‘-dich-oder-ich-fress‘-dich daherkommt, dass es einem ein Graus ist. Und an dem vollkommen fehlenden Willen zur szenischen Gestaltung des Abends.

Regisseur Alexander Schulin dachte sich offenbar „Zurücklehnen und genießen“, denn dieses kann man mit Dirigent Jac van Steen wunderbar tun. Augen zu und durch! Verdi komponierte „Die Räuber“ 1847 nach Friedrich Schillers gleichnamigen Sturm-und-Drang-Drama für das Haymarket Theatre in London. Bei einem Kuraufenthalt im Veneto fasste er den Entschluss, sich des Stoffes anzunehmen; die Idee dazu entstand wohl in Gesprächen mit seinem Freund Andrea Maffei, der sein Kurgenosse war und Schillers Stück ins Italienische übersetzt hatte. Verdi, der eine Vorliebe für explosive Vater-Kind-Beziehungen hatte, fand Gefallen an der Geschichte rund um den Konflikt des ungleichen Brüderpaars Karl und Franz Moor. Bei der Uraufführung am 22. Juli des Jahres stand der Komponist selbst am Dirigentenpult, die Aufführung wurde zum Triumph.

Das „Melodramma tragico“ des Meisters ist noch ganz dem Belcanto verpflichtet, dies der ausdrückliche Wunsch der britischen Auftraggeber, lässt aber bereits seine späteren Werke erahnen. Entsprechend verbreitet das Orchester der Volksoper unter van Steen keinerlei Italianitá. Man setzt auf Heftigkeit und Kraft, und beides tut der Theatralik der Oper gut. Van Steen versteht Verdis Theaterinstinkt und dessen Abzielen auf größtmögliche Wirkung. Er spannt die Rezitative wie eine Feder für den folgenden Gefühlsausbruch.

Maximilian, Graf von Moor, ist erschüttert über die Intrigen seines Sohnes Franz: Kurt Rydl und Boaz Daniel mit David Sitka als Herrmann. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Amalia leidet unter dem Treiben im Schloss: Sofia Soloviy und Boaz Daniel mit dem Chor. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Er versteht die Vaterfigur des Maximilian, Graf von Moor, gleich wie in „Rigoletto“ oder „Don Carlo“ als den Kern der Melodieschöpfung, und ergo das Duett Amalia/Franz als erotisch und leidenschaftlich, das von Amalia und Karl aber als keusch und bereits himmelwärts gewandt. Verdis Oper endet lapidar mit Amalias Tod von Karls Hand und mit dessen Ausruf: „Und nun zum Schafott!“ Der Chor, Einstudierung: Holger Kristen, ist van Steen die dunkle Seite der Macht – und wie immer an der Volksoper grandios. Das Brüderpaar verkörpern Vincent Schirrmacher als Karl und Boaz Daniel als Franz.

Schirrmacher ist ein Sänger und Schauspieler, wie ihn sich jedes Opernhaus nur wünschen kann. Der Tenor, dessen Stimme sich früher für das italienische Fach als bedingt geeignet erwies, „dreht voll auf“, wenn man’s so flapsig sagen darf, setzt ganz auf die dramatische Verzweiflung seiner Partie – und überzeugt kraftvoll und verwegen gesanglich auf ganzer Linie. Boaz Daniel, seinerseits in der Staatsoper so was wie der „Mann für alle Fälle“, liefert einen korrekten Franz ab. Sein Bösewicht besticht durch seine Trockenheit; Gefühle sind diesem Teufel fremd. Kurt Rydl hat als Maximilian einen „dunklen Abend“.

Er fokussiert seine Stimme auf das Leid seiner Figur, und mit rauem Timbre und merklichem Vibrato gestaltete er einen Vater, der einsehen muss, mehr als eine falsche Lebensentscheidung getroffen zu haben. Die beste Leistung bietet die ukrainische Sopranistin und Hausdebütantin Sofia Soloviy als Amalia, der gefürchteten Jenny-Lind-Partie, von Verdi der „schwedischen Nachtigall“ auf den Leib geschrieben – und angeblich der Grund für die seltene Aufführung der Oper. Soloviy geht durch diesen Mythos ohne Schaden zu nehmen. Sie hat italienisches Timbre, versteht es, klar zu phrasieren und kann ihre Stimme in höchste Höhen schrauben. Als Hermann und Roller ergänzten David Sitka und Christian Drescher achtbar die Riege der Solistin und der Solisten.

Karl will seinen von Franz in den Tod getriebenen Vater rächen: Kurt Rydl und Vincent Schirrmacher. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Was nun die Optik betrifft, hatte Alexander Schulin wenig Einfälle. Nichts ist hier so effektvoll wie die Musik. Das Vorspiel wird ihm zum Celloabend von Roland Lindenthal im Hause Moor. Danach bestimmt ein schwarzer Kubus von Bettina Meyer die Bühne. Er kann sich um die eigene Achse drehen und stellt – siehe Interview im Programmheft – die Innenwelten dar. Die im Schloss und die seelischen. So viel zum Raumkonzept, ah ja, die Bäume im Wald sind Neonröhren. Dazu passen die historisierenden Kostüme von Bettina Walter nicht.

Personenführung gibt es de facto keine. Sämtliche Bewegungen der Solisten und des sonst so spiel- und rollengestaltungsfreudigen Chores sind vorhersehbar (furchtbar, wie Franz mit in der Luft zappelnden Beinchen stirbt); dass Rydls alter Moor auch der Pfarrer Moser ist, fällt nicht weiter auf, man denkt, ein Greis im Nachtgewand … Alle Gesten wirken wie aus den anno-anno-Jahren, als man Opernsängern vorwarf, gerade mal drei Handbewegungen zu beherrschen. Wie Stewardessen beim Erklären des Befindens der Notausgänge.

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  1. 10. 2017

Volksoper: La Wally

März 26, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Und die Lawine ist Mensch geworden

Auf Strommingers Fest geraten Freund und Feind erstmals aneinander: Vincent Schirrmacher als Giuseppe Hagenbach, Kari Postma als Wally, Kurt Rydl als Stromminger, Bernd Valentin als Vincenzo Gellner und der Volksopern-Chor Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

An der Volksoper wird erstmals Alfredo Catalanis „La Wally“ gezeigt, und zumindest was das Musikalische betrifft, ist die Aufführung eine einzige Beglückung. Sowohl die Solisten als auch der wie immer souveräne Chor der Volksoper wurden nach der Premiere mit großem Applaus und vielen Bravi bejubelt, Hausdebütantin Kari Postma für ihre Sangesleistung als Titelheldin gar mit Bravissima-Rufen gefeiert. Dieser Erfolg ist durchaus als Verdienst von Dirigent Marc Piollet zu erachten.

Der das Orchester mit so sensibler wie sicherer Hand in lichte Höhen führte, und mit seiner einfühlsamen Art die Sänger auf diesem Wege folgen ließ. So wie die norwegische Sopranistin mit ihrer tadellosen, stimmgewaltigen Leistung konnten auch die Darsteller der männlichen Protagonisten überzeugen: Vincent Schirrmacher lässt als Hagenbach seinen hellen Tenor erklingen, ihm gelingen Spitzentöne, so klar wie ein Gebirgsbach. Mit jugendlicher Heldenstimme trägt er die lyrischen Momente in Catalanis Musik ebenso gekonnt vor wie ihre dramatischen Höhepunkte. Er korrespondiert gesanglich perfekt mit Postma; die beiden geben ein unwiderstehlich tragisches Liebespaar ab.

Als Dritter in diesem Amour-fou-Bunde ist Bernd Valentin mit seinem schön geführten Bariton ein überzeugender Gellner, the one and only Kurt Rydl brilliert als herrischer Stromminger. Annely Peebo und Elisabeth Schwarz gefallen als Wirtin Afra und Wallys Freund Walter. Und Paradebösewicht Daniel Ohlenschläger überzeugt als Infanterist. Einer Rolle, eingesetzt als allegorische Figur, als spielmachender, todbringender Schicksalsschmied, dem am Ende eine ganz besondere Bedeutung zukommen wird …

Arturo Toscanini und Gustav Mahler gelten als Verehrer von Catalanis 1892 uraufgeführtem Werk. Der Komponist ließ sich von Wilhelmine von Hillerns Roman „Die Geier-Wally“ inspirieren, schuf sein famoses Frauenporträt allerdings unter Verzicht auf den Geier, der eigentlich ein Adler ist, und unter Verzicht auf das von der Autorin vorgesehene Happy End. Dies schien ihm wohl zu wenig operntauglich und so handelt seine Story ausschließlich von der desaströsen Liebesgeschichte. Der tyrannische Gutsherr Stromminger will seine Tochter Wally mit seinem Gutsverwalter Gellner verheiraten. Doch das sturschädelige Mädchen schmachtet heimlich nach dem draufgängerischen Jäger Hagenbach. Als sie, die reiche Tochter aus besserem Bauernhause, die arme Wirtin Afra verspottet, tritt Hagenbach zu deren Ehrenrettung an.

Der Vater unterdrückt seine Tochter: Kurt Rydl und Kari Postma. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Gellner wirbt um Wally: Bernd Valentin und Kari Postma … Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

… doch die liebt nur Hagenbach: Kari Postma und Vincent Schirrmacher. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Wally demütigt Afra: Kari Postma und Annely Peebo. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Er stiehlt Wally beim Tanz den Kuss, den sie niemals einem Mann geben wollte. Die Brüskierte erbittet von Gellner Hagenbachs Tod, der greift zur Flinte, und zu spät erkennen die Figuren wer hier wen wirklich liebt. Wally flieht in die Berge, Hagenbach aber hat das Attentat überlebt und eilt ihr nach, doch eine Lawine gibt den beiden den Rest. Ein Ende unter Schneemassen, das bühnentauglich und unpeinlich kaum umzusetzen ist … Catalani zeigt einen hartleibigen Menschenschlag, und seine Hauptfigur darunter als die härteste und kratzbürstigste; die Charaktere sind so karstig gezeichnet, wie die Tiroler Berge, die sie umgeben. Die Musik ist mal hochdramatisch, mal lakonisch knapp, mal setzt Catalani mit ihr sarkastische Akzente, mal lässt er sie ganz zart – in allen Augenblicken aber ist sie aufwühlend und vorwärtstreibend. Der Verismo lässt grüßen!

Während nun Marc Piollet diese Vielschichtigkeit am Pult einwandfrei umzusetzen vermag, gelingt Aron Stiehl mit seiner Inszenierung wenig bis gar keine Nuancierung. Der Regisseur störte die Sänger nicht beim Singen, ist dazu ein passendes Bonmot, es heißt aber auch, dass Stiehl, der mit „La Wally“ erstmals eine Arbeit an der Volksoper vorlegt, sein Ensemble darstellerisch sehr allein gelassen hat. Er hat das Personal nicht ausreichend psychologisiert, um die Rollen als individualisierte Charaktere neu zu formen. Da singen sich herausragende Kräfte im Wortsinn die Seele aus dem Leib, aber ihre Figuren bleiben davon völlig ungerührt; man weiß szenisch einfach nichts mit sich anzufangen.

Je nach Temperament retten die Sänger sich in eine Art Schreckstarre, agieren hingegeben an die Hybris der von ihrem Stolz zerfressenen Protagonisten oder irren auf der Bühne plan- und ziellos umher. Manche Momente wirken so hilflos, man weiß nicht, ob lachen oder weinen. Zwar hat Frank Philipp Schlößmann ein abstraktes, geröllgraues, jeder Kitschfalle entgehendes Bühnenbildmassiv erschaffen, das immer wieder überraschende Ein- und Durchblicke in seine klaustrophobischen Räume freigibt, doch eine auf Dauerrotation geschaltete Drehbühne bringt noch keine Bewegung ins Geschehen. Der Einfälle sind also wenige, dafür manche Ideen ziemlich abstrus. Etwa, wenn sich Gellner, nachdem Wally sich ihm ergeben hat, mitten auf dem Dorffest sein Hosentürl aufreißt, sich über das Weib beugt und – Blackout. Das Schlussbild allerdings gelingt Aron Stiehl beeindruckend gut. Denn, apropos: Kitschfalle, der Regisseur hat sich für den Schneetod etwas Spezielles einfallen lassen:

Hinten die Mensch gewordene Schneelawine, vorne der Infanterist: Daniel Ohlenschläger, Kari Postma und Vincent Schirrmacher. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Auftritt Schirrmachers Hagenbach im weißen Anzug. Er bittet Wally zu sich. „Komm mit mir in ein neues Leben …“ heißen die Zeilen, die Stiehl elegant neu interpretiert. So nämlich, als wäre Hagenbach durch Gellners Schuss doch gestorben und würde nun als quasi Mensch gewordene Lawine die geliebte Wally nachholen wollen. Die streckt ihre Arme dem Infanteristen entgegen, der aber hat ihr Geschick gesiegelt. Und das ist so stark, dass es einen die Schwächen davor milder sehen lässt …

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Wien, 26. 3. 2017

Volksoper: Kurt Rydl in „Anatevka“

Mai 15, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Opernstar singt zum ersten Mal Musical

Kurt Rydl, Steffi Kalab, Paloma Siblik, Juliette Khalil, Elisabeth Schwarz, Julia Koci, Dagmar Hellberg, Franz Suhrada, Stefan Bischoff, Susanne Litschauer, Toni Slama, Chor der Volksoper Wien. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Kurt Rydl, Steffi Kalab, Paloma Siblik, Juliette Khalil, Elisabeth Schwarz, Julia Koci, Dagmar Hellberg, Franz Suhrada, Stefan Bischoff, Susanne Litschauer, Toni Slama, Chor der Volksoper Wien. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Wer Kurt Rydl tanzen sehen möchte, kann dieser Tage in die Volksoper gehen. Rydl hat sich den Tevje seit Langem gewünscht, und Hausherr Robert Meyer ihm diesen Wunsch gern erfüllt. Nun singt der Opernstar zum ersten Mal in seiner Karriere Musical – „Anatevka“, in der Wiederaufnahme der Inszenierung von Matthias Davids aus dem Jahr 2003.

Rydl wirft sich mit überbordender Spielfreude in seine neue Rolle. Er gestaltet den Milchmann als einen Schalk, dem auch das schlimmste Schicksal nicht sein großes Herz aus dem Leib schütteln kann; er zeigt sich als geborener Komödiant, der mit dem Publikum schäkert und es auf seine Seite zu ziehen weiß, er macht sich zum Mitglied des Balletts (!), und lässt in all diesen humorvollen Einlagen dennoch die Tragödie des jüdischen Volkes erkennen. Dem heiter-melancholischen Grundton seiner Darbietung folgt das Bühnenbild von Mathias Fischer-Dieskau, Wohnbaracken unter einem düsteren Himmel, als wär’s ein Blick in die politische Zukunft. Guido Mancusi am Pult ist ein präsenter, prägnanter Unterstützer von Rydls Intentionen, ob beim Musicalhit „Wenn ich einmal reich wär'“ oder beim lyrisch-leisen „Ist es Liebe?“ und natürlich beim gruseligen Traum über Oma Zeitel.

Rydl überzeugt mit nuancierungsfähiger Klarheit und fein dosierter, wunderbar eindringlicher Stimmführung. Ganz großartig harmoniert er diesbezüglich mit seiner Golde, Dagmar Hellberg, sie ebenfalls erstmals in ihrer Rolle; den beiden kauft man das alte Ehepaar gern ab, wie sie mit viel Witz und Warmherzigkeit miteinander umgehen und sich gegenseitig zu nehmen wissen. Diese Golde ist mindestens so ausgefuchst wie ihr Tevje. Hellberg spielt sie als Typ hantige Mutter, rauhe Schale, umso weicherer Kern, das ist eine schöne Interpretation dieser Figur. Über allen Einzelleistungen aber steht die des Volksopernchors, der einmal mehr sowohl sängerisch als auch schauspielerisch aufs Feinste agiert, das hat bei diesem harmonischen Klangkörper ja „Tradition“.

Kurt Rydl alsTevje. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Kurt Rydl alsTevje. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Stefan Moser, Juliette Khalil, Kurt Rydl, Steffi Kalab, Paloma Siblik und Dagmar Hellberg. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Stefan Moser, Juliette Khalil, Kurt Rydl, Steffi Kalab, Paloma Siblik und Dagmar Hellberg. Bild: Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Frisch und neu wirkt die zuletzt 2008 auf dem Spielplan gewesene Aufführung auch deshalb, weil beinah alle Solisten hier ihr Rollendebüt geben. Julia Koci, Elisabeth Schwarz und Juliette Khalil sind als Tevjes Töchter Zeitel, Hodel und Chava ein quirrliges Mädchentrio, das die Köpfe durchzusetzen weiß. Stimmlich gefallen sie alle drei, Koci noch zusätzlich in einer kleinen Jente-, heißt: Guggi-Löwinger-Parodie. Jeffrey Treganza ist ein schüchterner Schneider Mottel, Peter Lesiak fällt als leidenschaftlicher Student Perchik mit seiner temperamentvollen Art auf, Stefan Moser, zum ersten Mal an der Volksoper zu sehen, ist ein feiner Fedja.

Guggi Löwinger, die die Heiratsvermittlerin Jente zu einer kauzigen Klatschtante macht, Toni Slama als erst beleidigter, dann doch gutmütiger Fleischer Lazar Wolf, und Franz Suhrada als Rabbi runden den fabelhaften Cast ab. Und natürlich Gregory Rogers als der Fiedler auf dem Dach. JunHo You gibt als Fedjas Freund Sacha eine beeindruckende Kostprobe seines gesanglichen Könnens. Nicolaus Hagg gestaltet einen ehrbaren Wachtmeister.

Er sagt den vielleicht wichtigsten Satz im Stück: „Ich persönlich halte nichts davon, dass zwischen Menschen Unruhe gestiftet werden muss.“ Am Ende, wenn er die Dorfbewohner aus ihrem Schtetl vertreiben muss, wenn die Diaspora weitergeht, ist es je nach Fluchtort grauenhaft zu wissen, wer überlebt haben wird und wer … Der Volksoper ist in diesem Sinne zum Saisonschluss ein schöner, durchaus nachdenklich machender Ensembleabend gelungen. Das Haus glänzt – mit einem Star an der Spitze.

Trailer – Kurt Rydl im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=IjG5ALoMQ28

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Wien, 15. 5. 2016

Salzburger Festspiele: „Die Entführung aus dem Serail“

August 22, 2013 in Film, Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Live aus dem Hangar-7  und auf ServusTV

Tobias Moretti, Desiree Rancatore Bild: Servus TV

Tobias Moretti, Desiree Rancatore
Bild: Servus TV

So wie nun am 26. August hat man Oper wohl noch selten erlebt: Eine Weltklassebesetzung, Haute-Couture-Kleider, die spektakuläre Kulisse im Hangar-7 mit mehr als  Spielorten. Erstmals wird Oper auf einem Flughafen inszeniert! Die Flugzeuge werden in die Inszenierung eingebunden. Die  Neuinszenierung von Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“  soll zu einem DER  Highlights der diesjährigen Salzburger Festspiele werden. In der  Inszenierung von Adrian Marthaler bildet der gesamte Hangar-7 die Kulisse für diesen Abend. Während das Publikum mit den Sängern von Szene zu Szene wandert und so Teil der Aufführung wird, entsteht für die Zuseher daheim ein Live-Schnitt. Die Besetzung: Die Sprechrolle des Bassa Selims übernimmt  Tobias Moretti. Der mexikanische Tenor und Javier Camarena verkörpert Belmonte, Kammersänger Kurt Rydl singt den Osmin. Als Blondchen, die in Marthalers Inszenierung zur Stylistin wird, ist die Sopranistin Rebecca Nelsen zu erleben. Die musikalische Leitung der Camerata Salzburg und des Salzburger Bachchors übernimmt einer der besten Mozart-Kenner:  Dirigent Hans Graf. Stimmliche Unterstützung leistet ein Quartett junger  Sänger des Young Singers Project der Salzburger Festspiele. Während sich die Darsteller durch den Hangar-7 bewegen, werden Orchester und Chor im Hangar-8 musizieren. Die Übertragung der Musik und des Dirigats findet über modernste In-Ear-Technik, Monitore und Subdirigenten statt.

Adrian Marthaler (der etwa „La Traviata im Hauptbahnhof Zürich“ machte) verlegt die Handlung des 1782 entstandenen Singspiels in unsere Zeit. Die „Entführung“ wird zur „Verführung“ durch eine Mode-und Jetset-Welt.  Constanze (Desiree Rancatore) ist hin und her gerissen zwischen ihrem bürgerlichen Leben mit  Belmonte (Javier Camarena) und der rauschenden Welt des Modezaren Selim (Tobias Moretti). Dazu verwandelt sich der gesamte Hangar-7 in ein Modeimperium mit Laufsteg, Schneiderwerkstätten und Fotoshooting-Sets. In dieser Modewelt spielen Kleider und Styling eine Hauptrolle. Deshalb entwirft die Wiener Modedesignerin Lena Hoschek exklusive Kostüme für die Aufführung, darunter auch zehn Haute-Couture-Roben. Hoschek, die seit 2005 mit ihrem eigenen Label Erfolge feiert, arbeitete bereits für Vivienne Westwood. Ihr Stil, ein Mix aus urbanem Retro-Chic und ländlicher Trachtenmode, verbindet Tradition mit Moderne. Die technische Umsetzung des Opern-Events stellt das gesamte Team vor ganz besondere Herausforderungen. Bei einer insgesamt bespielten Fläche von etwa 14.000 qm werden 16 unterschiedlichste Kameras (unter anderem Seil-und Krankameras) für das perfekte Bild sorgen. Zusätzlich kommen „Arbeitskameras“ zum Einsatz, die Bilder des Dirigenten aus dem Hangar-8 an Subdirigenten im Hangar-7 übertragen. So ist, zusätzlich zu individuell für die Sänger angepassten InEar-Steckern, ein reibungsloser Kontakt zwischen Sängern und Dirigent möglich.

Tobias Moretti über …

… das Projekt:  „So etwas wie die „Entführung aus dem Serail“ als Oper hier zu machen, ist natürlich gleichermaßen problematisch wie spannend. Zunächst weiß man gar nicht, wohin die Reise geht, und dann soll es ja auch so sein: das Ambiente als eine Erfindung, eine Idee, die in irgendeiner Weise darauf schließen lässt, wo spielt das, was soll das bedeuten – jetzt im oberflächlichen Kontext. Das heßt, das hier zu spielen dass man überhaupt eine andere Interpretation als die im Libretto vorgegebene erstellt, also erfindet. Das hat der Marthaler  mit seinem Konzept interessant für mich herübergebracht, dass mich das genug provoziert hat, das gerne zu machen, diesen Bassa Selim zu spielen. Aber wo’s lang geht, weiß man noch nicht. Der Bassa Selim, der ja der Inbegriff des Fremden ist, der der Inbegriff des archaischen Menschen, der noch nicht sozusagen geknechtet ist von dem westlichen Bildungsbürger-Begriff , weil er in seiner brutalen, aber für sich stimmigen Welt herrscht. Bei uns ist es wahrscheinlich ein Modezar oder so etwas. Jedenfalls ein Mensch, der Macht und Sinnlichkeit vereint und der auch Obsessionen vereint. Alles was er will, alles was er glaubt zu brauchen, kauf ich mir, kann ich haben. Es ist eine Art Krieg, eine Art moderne Expansion. Ich nehme alles, ich erweitere alles, meine Empfindung, meine materiellen Werte, alles erweitere ich. Aber, weil ich es so gewöhnt bin. Und jetzt trifft der, zum ersten Mal, auf diese Frau, die ihn völlig ausangelt, enthebt, aus aller Vorstellung die er bisher kannte. Hat aber als Mittel nur seine zur Verfügung. Und das ist der Konflikt.“

 … Parallelen zu Sarastro: „Dass es Parallelen zu Sarastro gibt, glaube ich nicht. Ich glaube nicht, dass der Bassa Selim eine Sarastro-Figur ist. Man weiß auch immer noch nicht, wer der Sarastro ist. Natürlich sind das alles Statuen, Ikonen in ihrem Machtgefüge, die dann am Schluss für die Toleranz, für den Humanismus stehen, die ihrerseits wieder stehen für das bevorstehende Enlightenment, also für die Zeichen der Zeit damals. Oder Josef II. Aber das glaube ich gar nicht. Ich glaube einfach, dass es den kalt erwischt hat. Den hat´s kalt erwischt. Und deshalb ist dieser erste Haarriss der Schock, dass ihn da etwas berührt. Und die Kluft, die dann daraus erwächst, ist dann die Ohnmacht und vielleicht gar noch nicht die Erkenntnis. Ich glaube gar nicht an die Erkenntnis bei solchen Figuren. Man weiß ja auch nicht, in welchem Zusammenhang das Mozart so gesehen hat. Natürlich, in der damaligen Zeit sollte das ja dem Weltbild widersprechen, das damals geherrscht hat. Aber in dieser Welt, in unserer Welt. Und die Urangst der damaligen westlichen Kultur war das fremde, war der Orient, waren die Muslime, war diese orientalische Welt. Alles noch sehr wund und offen von den Türkenkriegen, klarerweise, der der Inbegriff von Angst war. Und dem ist er entgegengetreten in dieser Weise, und lässt denn dann am Schluss human handeln. Und lässt den dann sagen, „Die Rache an sich benütze ich gar nicht. Das ist eure Vorstellung. Ihr quatscht drum herum, dann rächt ihr euch doch. Und ich lasse einfach gewähren. Ich bin einfach barmherzig sozusagen.“ Aber was das bedeuten soll weiß man ja auch nie. Das ist immer Interpretation.“

… die Fantasien von 1001 Nacht zu den Fantasien der heutigen Glamourwelt: „ Es ist eine Industrie. Und Industrie ist Macht. Über den Transport der Fantasien der Glamourwelt: „Wie das funktionieren wird? Keine Ahnung. Das wird sehr multipel funktionieren, und da werden verschiedene Standpunkte da sein. Das Ganze ist natürlich auch eine Fabrik, aber auch eine hermetisch abgeschlossene Welt. Man kann es auch Gefängnis nennen, ein Glasgefängnis. Gleichermaßen als eine eigene Welt. Und das ist natürlich insofern interessant, als es der Geschichte dann sehr entgegen kommt. Aber klarerweise wir die Umsetzung in erster Linie mit Bühnenbild und optischen Eindrücken funktionieren. So wird man da versuchen diese Welt herzustellen. Aber ich glaube, es ist nochmal was anderes. Es geht auch in ein Abenteuer hinein. Denn es muss diese Welt nicht nur diese uns vertraute Fashion, diese Mode sein, diese oberflächlichste aller Welten, die als Behauptung funktioniert. Im Prinzip ist ja auch Mode das Gegenteil von Kunst. Es ist im höchsten Fall Kunsthandwerk. Kunst ist es nicht. Und trotzdem ist es aber Kunst geworden, weil sich so viele angehängt haben. Es gibt so viele Schnittmengen wo sich die Kunst mit dieser künstlichen oder mit dieser behaupteten Welt dann verbindet, vereinigt, vermengt. Und es wurde ja anfänglich sicher viel Kunstraub begangen. Wo Geld ist, da wird alles was Innovation betrifft, was Ideen, was Kreativität betrifft, wird aufgesogen.“

ServusTV: „Die Entführung aus dem Serail – Live aus dem Hangar-7“, Montag, 26. August, ab 20:15 Uhr
„Die Entstehung einer TV-Oper – Die Entführung aus dem Serail“, Dokumentation, Montag, 26. August, ab 22:45 Uhr

Liveübertragung auf den Salzburger Kapitelplatz, den Wiener Rathausplatz und den Deep Space im Ars Electronia Center Linz.

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Salzburg, 22. 8. 2013