Volkstheater: Der Theatermacher

Mai 27, 2021 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Thomas. Bernhard. Dekonstruktion

Der Theater-Blutwursttag war manchem im Publikum nicht Blunzn: Uwe Rohbeck, Nick Romeo Reimann, Anna Rieser und Anke Zillich. Bild: © Nikolaus Ostermann / Volkstheater

„Was hier / in dieser muffigen Atmosphäre“, das ist seit 35 Jahren des Publikums liebstes Thomas-Bernhard-En­t­rée, in launiger Runde längst zum Zitat geworden, und man erinnert sich: Traugott Buhre, Kirsten Dene, Josefin Platt, Martin Schwab, Bibiana Zeller, der sprachlos seine Hängebäckchen schwabbeln lassende Hugo Lindinger. „Als ob ich es geahnt hätte“, brachte der neue Volkstheaterdirektor Kay Voges, wie’s alle antretenden Intendanten tun, seine

bühnenerprobte Inszenierung vom „Theatermacher“ mit nach Wien. Gestern Dortmund, heute V°T, übermorgen …? … Fotzbach. Hatte man auch schon überlegt, diese Rezension zu titeln. Oder: Thomas. Bernhard. Auslöschung. Ein Zerfall. Doch das ist ja aus dessen Prosa, und mit seinem „Mein Gott / nicht einmal zum Wasserlassen / habe ich diese Art von (Gast-)Häusern betreten“, fährt Andreas Beck den ersten Lacher ein, denn – Text-Bild-Schere – das Volkstheater glänzt derart in seiner frischrenovierten Pracht, dass es eine Freude ist. Von wegen Utzbach wie Butzbach, die zum House Warming angetretene Truppe wird sich damit arrangieren müssen, dass Wien sich für den Theaternabel der Welt hält.

Immerhin: Voges und Team wurden freundlicher empfangen, als ihre VorgängerInnen, bis auf ein paar vehemente Buh-Rufer gab’s viel Applaus, vor allem absolut verdient für die Darstellerinnen und Darsteller. Der Rest wird die Geister scheiden, in jene, die jedes Bernhard’sche Wort für sakrosankt halten, und jene, die dem postmodernen Dekonstrukteur und notorischen Theatertechnikinnovator Kay Voges bereit sind, auf seinem Weg zu folgen. Die zuletzt verloren gegebene Schlacht ums Stammpublikum – tja, man wird sehen. Leicht konsumierbar ist, was zu erwarten war, jedenfalls nicht.

Zum Atemanhalten also die Frage, ob’s und wie’s den – schon wieder – deutschen Theatermachern gelingen wird, den urösterreichischen Nestbeschmutzer über die Rampe zu bringen. Und die erste Dreiviertelstunde wird man tatsächlich im Alles-Roger-Glauben gehalten. Die Bühne von Daniel Roskampf ist eine Baustelle, wie‘s das Dortmunder Schauspielhaus weiland war. Sichtbeton, Staub, eine Sprinkleranlage, zwei Rolltore, vier Feuermelder, fünf Notbeleuchtungen, neun Feuerlöscher. Alles sehr vorschriftsmäßig.

Auch Andreas Beck, ein Bär (den’s später aus der Requisite geben wird) von einem Mann, der den Bruscon ohne die üblichen Mimen-Mätzchen anlegt, mit funkelnder Sprache und glasklaren Schimpftiraden, hinter denen die Gefährlichkeit der Verzweiflung lauert. Kongenial an seiner Seite Uwe Rohbeck als wieselflinker, spindeldürrer Wirt des „Goldenen Hirschen“, in dessen Tanzsaal der Staatsschauspieler mit seiner Sippschaft seine selbstverfasste Menschheitskomödie „Das Rad der Geschichte“ aufführen will.

Jeder darf Bruscon sein: N. R. Reimann. Bild: © N. Ostermann / Volkstheater

Anke Zillich, hi.: Uwe Rohbeck. Bild: © Nikolaus Ostermann / Volkstheater

und Punk Anna Rieser. Bild: © Nikolaus Ostermann / Volkstheater

Beck ist ein mächtiger Bruscon, der sich dessen überschnappende Suada auf der Zunge zergehen lässt. Zu den Schwerfälligkeitsmenschen, den Inkompetenzschmierern, der hustenden Gattin, den untalentierten Kindern, dem Machtmenschen Feuerwehrhauptmann Attwenger, im Saal sitzend, „seltsam verwachsene Menschen, hässlich, mit Masken, wahrscheinlich eine Seuche, Schweinepest“, fügt er andere hinzu: „Intendantenpipi, Intendanten- pimmel“, „Ist doch alles zu, nur bis 22 Uhr offen“, „Die nächsten 14 Tage werden entscheidend sein“. Und etwas stutzig macht hier der queere Wirt und wie er seinen enormen Gast studiert, ihn kopiert. Warum das alles?

Weil sich hier das Rad der Geschichte unablässig dreht, nach ein wenig Verdi beginnt alles von vorne, die Theaterwiederholungsqual, die lebenslängliche Theaterkerkerhaft. Oben am Portal leuchtet von neunen nun die Zahl zwei auf, jahaha, so oft wird’s revolviert werden, „Was hier / in dieser muffigen Atmosphäre“. Runde zwei ist schneller, härter, schnoddriger. Beck spielt mit verschärftem Tempo, gelockerter Zunge und würzt den Text mit mehr und mehr improvisiert-aktuellen Anspielungen.

Ein Eisbär, dessen Augen rot glühen, wird auf die Bühne geschoben und schließlich, um deutlich zu machen, wer der wichtigste Theatermacher im Lande ist: eine Hakenkreuz-Parodie. Die eingegipsten Arme von Sohn Ferruccio, Nick Romeo Reimann, verdoppeln sich von eins auf zwei. Wieder bei der Frittatensuppe angekommen, geht’s zur #3, Beck und Rohbeck tauschen die Rollen, die beiden ein grandioses Komödiantenduo und der spillerige Rohbeck im Nadelstreif eindeutig ein Kay-Voges-Lookalike. Wohingegen Beck nun der denkbar schlechteste Stichwortgeber ist, körperlich ein Rohbeck hoch3, der dem hippelig hampelnden Hochkulturgenius hinterherhinkt.

Das beiläufige „Heute ist Blutwursttag“ wird zum Minimelodram, nicht jeder auf den Rängen goutierte die dazu servierten Hakenkreuz-Tutus. Wie auch immer, Beck und Rohbeck werden dem Wiener Prädikat Publikumsliebling wohl nicht mehr entgehen. Und weiter geht’s zur Leuchtziffer vier unterm Castorf’schen Räuberrad. Nun wird Sohnemann Reimann zum hellblau-gestreiften Theatermacher und singt den Bruscon-Text im grausigen Musicalton, während Andreas Beck als voll vergipster Sohn im Elektrorollstuhl herumfährt. Das Tempo beschleunigt sich weiter, die Späße werden gröber.

Tauschen alsbald die Rollen: Andreas Beck und Uwe Rohbeck. Bild: © Birgit Hupfeld / Volkstheater

So stellt man sich den Theatermacher vor: Uwe Rohbeck. Bild: © Birgit Hupfeld / Volkstheater

Andreas Beck, Anna Rieser, Nick Romeo Reimann und Eisbär. Bild: © Nikolaus Ostermann / Volkstheater

Nick Romeo Reimann und im Ganzkörpergips Andreas Beck. Bild: © Nikolaus Ostermann / Volkstheater

Danach rast das Ensemble bei den Nummern 5 bis 8 in die Abgründe eines Albtraums, in dem die Mutter, Anke Zillich, die Theaterhölle dirigiert. Sie und Tochter Sarah, die herrlich koboldhafte Anna Rieser als Macho-Punk, den Busen mit schwarzen Klebestreifen ausgeixt und die Schrift „Fickt die Väter“ auf dem Jackett tobt sie durch die Zuschauerreihen, sind jetzt die Theatermacherinnen und verkehren alle Machosprüche in ihr Gegenteil: „Mit Männern Theater zu machen ist eine Katastrophe.“ Das ist das ultimative Gendern der Kunst. So manche freut’s, so mancher, der Herr hinter einem etwa, reagiert, als hätte es wer gewagt, die Bibel umzuschreiben.

Theaterblut fließt am Blutwursttag, die Spielregeln zwischen dies- und jenseits der Bühnenrampe, diese „jahrtausendealte Perversität, in die die Menschheit vernarrt ist“, löst sich auf in chaotische Effekte. Die Theatertechnik zieht ein Register nach dem anderen. Harte Beats, rotierende Scheinwerfer, wirbelnde Schriftprojektionen von Schimpfwörtern, verzerrte Stimmen. Nebel und horrorbunte Farben fluten die Bühne, an den Wänden schlängeln sich grandiose halluzinogene Videos von Mario Simon.

Dass die Echoräume des Bernhard’schen Stücks sich verschoben hätten, wo heute doch jede und jeder seine Rants und rückkoppelnden Empörungsschleifen in den Social Media loswerden könne, beschreibt Kay Voges seine Arbeit. Sein Performance-Parforceritt ist eine Tiefenbohrung sowohl in Text als auch zeitgenössische Theatergeschichte, von Apostel Peymann zu Zertrümmerer Castorf, von Musical-Kitsch zu aktionistischem Feminismus, von Diskurstheater zu toxischer Männlichkeit. Ein Horror. Ein Horror, der nicht ohne sich stetig schneller drehenden Empörungsspirale, theatraler Selbstironie und kritischer Selbstbefragung abgeht. Wie noch Schauspiel, wie Volkstheater machen im post-post-post-Zeitalter?

Voges fördert zutage, was Bernhard heute und für alle Zeiten ausmacht. Eine Aktualität, die in den Eingeweiden der Theaterhäuser rumort, und Voges sticht mitten hinein ins Schweizerhaus-Stelzenfett* der hiesigen Bernhard-Verehrung. Nun heißt es gespannt sein auf Lucia Bihlers, sie die Hausregisseurin der Berliner Volksbühne, Version der „Jagdgesellschaft“ am Akademietheater. Prognose: So frisch, provokant und kontroversiell wie im Jahr seines 90. Geburtstages hat man den mittlerweile Salonklassiker Thomas Bernhard auf heimischen Bühnen lang nicht mehr gesehen.

[Anm.: www.youtube.com/watch?v=hh4haKOmm68]

www.volkstheater.at

  1. 5. 2021

Burgtheater: Dies Irae – Tag des Zorns

Dezember 20, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Pulp Fiction Apocalypse

Vor der Apokalypse ist postapokalyptisch: Markus Meyer, Elma Stefanía Ágústsdóttir und Florian Teichtmeister. Bild: Matthias Horn/Burgtheater

Dies ist die Geschichte von einem Mann, der aus dem 50. Stock von einem Hochhaus fällt. Und während er fällt, wiederholt er, wie um sich zu beruhigen, immer wieder: ‚Bis hierher lief’s ganz gut, bis hierher lief’s ganz gut, jusqu’ici tout va bien, so far so good …“ So beginnt der französische Spielfilm „La Haine“ von Mathieu Kassovitz, so begann gestern die Endzeit-Oper „Dies Irae – Tag des Zorns“ am Burgtheater. Felix Rech, brillant als Pentheus in den „Bakchen“ (Rezension:

www.mottingers-meinung.at/?p=34408), saust entlang einer Fensterfassade steil bergab und zählt die Sekunden bis zu seinem Aufschlag, sein Gesichtsausdruck dabei gelassen, denn wie gesagt … Der Sturzflug des Schauspielers via Vidiwall ist nur einer der Wow-schau!-Effekte, den die Materialschlacht zum Thema Weltuntergang in knackigen zwei Stunden zeigt.

Kay Voges, designierter Volkstheaterdirektor, der sich mit dieser Arbeit erstmals dem Wiener Publikum präsentiert, Komponist und Tastenvirtuose Paul Wallfisch, Volkstheater-Voges‘ zukünftiges musikalisches Mastermind, und Dramaturg Alexander Kerlin sind angetreten, um der Eschatologie das von ihr erzeugte Entsetzen wie einen maroden Zahn zu ziehen. Dies mittels einer Pulp Fiction Apocalypse. Als würde der Sterbensschreck grundlos überbewertet, als wäre der Totentanz ein Rock’n’Roll samt Sex & Drugs, und auch Rech darf später, statt auf dem Erdboden sein Ende zu finden, mit Andrea Wenzl Liebe machen, und zwischen diesen Bezugspunkten kleiner Tod, Todestrieb, Todesangst changiert der ganze Abend.

Honi soit, der angesichts dieser Uraufführung denkt, Hausherr Martin Kušej klammere sich einmal mehr an sein Konzept vom männlich-martialisch-dunkelmetallischen Maschinentheater, wiewohl die Bühne von Daniel Roskamp derlei Bildern ähnelt. Anarchie, Kakophonie, das Chaos der Schöpfung sind bei dieser freien Assoziation Programm. Vom Labyrinth der Schauplätze, das über schmale Treppen und Durchgänge ins Innere eines Flugzeugrumpfes, einen Operationssaal, einen Love-Room und ein mit Zivilisationsresten zugemülltes Schlachtfeld reicht. Vom Samplen von Klassik, Rock und Pop, Schubert, Strauss, Britten, Prince – bis zu Carole Kings „I Feel the Earth Move“ als einer Art Leitmotiv.

Katharina Pichler und Mavie Hörbiger. Bild: Matthias Horn/Burgtheater

Felix Rech und Andrea Wenzl. Bild: Matthias Horn/Burgtheater

Felix Rech fällt und fällt und … Bild: Matthias Horn/Burgtheater

Mit Zitaten von – selbstverständlich und mit Quellenangabe versehen – der Offenbarung des Johannes und des Buchs Hesekiel über Friedrich Nietzsche und Karl Kraus bis Kassandra und Greta Thunberg – Sinnsprüche unzähliger Weltuntergangspropheten entlarvt, ernstgenommen, als Erheiterung gedacht. Die „Rede des toten Christus“ von Jean Paul gibt dem Nihilismusgedanken gehörig Zunder, Hugo von Hofmannsthals „Die Zeit ist ein sonderbar Ding“ aus dem Rosenkavalier passt auch perfekt, all die gesungenen und gesprochenen Brocken aus dem literarischen Steinbruch. Erzählt werden keine einzelnen Geschichten, vorhanden sind weder Plot noch Protagonisten, vielmehr ereignet sich ein Knäuel an Dramen gleichzeitig. Kaleidoskopisch dreht sich ein Panoptikum, dreht sich die Bühne, Voges‘ und Wallfischs Doomsday-Loop gilt für alles und jeden. Man wolle, so Voges im Programmheft, so den „Moment vor dem Ende“ porträtieren, ohne dass der Moment selbst ein Ende finde. Mission accomplished!

Florian Teichtmeister kündigt als Flugkapitän der Air Mageddon den Flight to Gomorra an, schaltet dann allerdings auf Autopilot, um über Gottes Willen zu sinnieren, ergo: Panik bei Passagierin Dörte Lyssewski, nicht nur, weil etliche Mitreisende auf rätselhafte Weise spurlos verschwunden sind, siehe Stephen Kings „Langoliers“, sondern auch, weil die Maschine dabei ist, abzuschmieren. In einer Absteige namens Eden/Ende jagt ein Höhepunkt den nächsten, Live-Koitus mit Darstellern aus der heimischen Sex-Positive-Szene war vor der Premiere ja vollmundig angekündigt worden und natürlich kein Aufreger, und sind Wenzl und Resch wie Romeo und Julia Akt I, so Barbara Petritsch und Martin Schwab dieselben Akt V.

Er auf dem Sterbebett sehnlichst auf eine komödiantische, keinesfalls bitte tragödische Erlösung wartend, sie immer noch unterwegs mit Brautkranz, beide sich ihrem Ende entgegen neigend. Exitus ist, wenn man trotzdem lacht. Markus Meyer macht einen versifften Hotelpagen-Riff-Raff, Sopranistin Kaoko Amano singt, dem Aussehen nach eine yūrei aus der Edo jidai, zum Steinerweichen schön, Elma Stefanía Ágústsdóttir, schon in der „Edda“ ein Gesamtkunstwerk (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=35418), ist eine weitere von Voges‘ stolz-aufrechten Frauengestalten und schreitet als solche bedeutungsschwanger wispernd die Spielflächen ab. Mavie Hörbiger und Katharina Pichler agieren als untote Wladimir und Estragon, die ihr Warten auf … wiedergängerisch treppauf, treppab staksen lässt.

Runa Schymanski, Markus Meyer, Elma Stefanía Ágústsdóttir, Felix Rech und Andrea Wenzl. Bild: Matthias Horn/Burgtheater

Martin Schwab, Barbara Petritsch, Elma Stefanía Ágústsdóttir und Felix Rech. Bild: Matthias Horn/Burgtheater

Materialschlacht auf dem Gräberfeld: Kaoko Amano, Andrea Wenzl und Felix Rech. Bild: Matthias Horn/Burgtheater

Runa Schymanski, Elma Stefanía Ágústsdóttir und Yana Ermilova. Bild: Matthias Horn/Burgtheater

Die beiden haben den besten, weil clownesken Part, jedenfalls das großartigste Zwiegespräch: „Letzte Nacht bin ich dem Heiland begegnet.“ – „Und was hat er gesagt?“ – „Nichts.“ – „Immerhin.“ Wie aus dem Zauberfüllhorn träufeln Voges und Wallfisch immer wieder Neues, Skurriles, Albtraumhaftes in die Augen und Ohren des Publikums, ihr Multimediaspektakel gleichsam ein Absurdes Theater, in dem die Melancholia die Euphoria, erstere nach Lars von Trier, zweitere laut Sam Levinson, umarmt, die Live-Musik von Wallfisch, Percussionist Larry Mullins aka Toby Dammit und Violinist Simon Goff ein ebenso wichtiger Kitt der Collage, wie die Video-Art von Robi Voigt und die Video- und Lichtgestaltung von Voxi Bärenklau und die Castorf’schen Live-Kameras, heißt: innen spielen, nach außen projizieren – ein Teamwork, das dem A und Ω immerhin etwas Burlesque verleiht.

Führt doch der Weg die Figuren weder Richtung Himmel noch Hölle, sie stolpern vielmehr die Möbiusschleife entlang oder stecken zum Schluss wie Happy-Days-Winnie im Dreckshügel fest. Die Wenzl muss lautstark gebären, Lyssewski trägt als Schwarze Witwe den Seherinnen-Monolog aus der Orestie vor, Weihrauchduft wabert durch den Saal, es gibt Krieg und ein eigentlich längst postapokalyptisches Gräberfeld, Hesekiel 37, 1-14, in dem Runa Schymanski mit Space-Odyssey-Affenmaske nach Knochen wühlt, und die einzig weißgewandete Ágústsdóttir unter den von Mona Ulrich krähenschwarz Eingekleideten lädt zur Black Mass. Teichtmeister fragt via Leinwand den Vater nach dessen Verbleib, Schwab lebt Castellucci-gleich ab, Rech, von der Schubumkehr erfasst, fliegt nun hinan. Ob sich so das Volkstheater füllen lässt?

Fazit: „Dies Irae“ ist mehr Ausstattungs- als Sonstwas-Oper, Schauwert schlägt Story, weshalb sich Sinnsucher sinnlos im Hightech-Dickicht verirren. Die Technikabteilungen des Burgtheaters liefern eine Leistungsschau vom Feinsten, sie halten das Perpetuum mobile gekonnt in Bewegung, und aus dem Off kommt „Was ist los?“ – „Das Ende kommt.“ – „Das Ende?“ – „Vermutlich.“ Und wenn sie nicht gestorben sind, querverweisen sie noch heute.

www.burgtheater.at

  1. 12. 2019