Festspielhaus St. Pölten streamt: Cirque Éloize

April 10, 2021 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Cirkopolis – von wegen grauer Büroalltag!

Cirque Eloize: Cirkopolis. Bild: Fotocollage. © 2012 Productions Neuvart/Valérie Remise

Waghalsige Sprünge, versierter Seiltanz und verblüffende Reifenakrobatik … Seit gestern streamt das Festspielhaus St. Pölten eine Filmaufzeichnung des multimedialen Zirkus-Klassikers „Cirkopolis“. Bis 16. April ist die Produktion der renommierten kanadischen Compagnie Cirque Éloize auf www.festspielhaus.at kostenlos zu sehen. Für die Performances der Compagnie vereint deren künstlerischer Leiter Jeannot Painchaud die Welt des Zirkus stets

geschickt mit Kunstformen wie Film und Theater und schafft Raum für innovative Kreationen, die sich atmo- sphärisch zwischen Fantasie und Realität ansiedeln. Für „Cirkopolis“ engagierte Painchaud das Enfant Terrible des zeitgenössischen kanadischen Tanzes, Dave St-Pierre, der bereits 2008 die Choreografie für die Éloize-Show „iD“ erarbeitete. Nun zeichnet er erstmals bei einer Zirkusproduktion auch für die Inszenierung verantwortlich. Und so mischen sich in dieser 9. Show des Cirque Éloize einmal mehr Tanz, Körpertheater und Artistik.

Inspiriert von Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis“ entsteht mithilfe von Videoprojektionen und den Bühnenbildern von Robert Massicotte ein futuristisch anmutender Großstadtmoloch, eine außergewöhnliche Szenerie für die akrobatischen Höchstleistungen der Artistinnen und Artisten, die die Grenzen des Menschenmöglichen immer wieder aufs Neue ausloten. Die kalte, graue Stadt bildet die Bühne für zwölf multitalentierte Künstlerinnen und Künstler, die mit ihren Bällen, Reifen, Diabolos und ihrer Poesie diese drohende Kulisse zurückzudrängen versuchen.

Samuel Charlton, Reuben Hosler. Bild: © 2012 Prod. Neuvart/Valérie Remise

Angelica Bongiovonni. Bild: © 2012 Productions Neuvart/Valérie Remise

Myriam Deraîche und Ensemble. Bild: © 2012 Prod. Neuvart/Valérie Remise

Bald entsteht eine Gegenwelt, die das Publikum aufs Hochseil der Hoffnung befördert. Doch bis es soweit ist, sieht man Clown und Teeterboarder Ashley Carr durch den Unterbauch einer Fabrik hetzen, hinein in ein Kontrollzimmer voller Schalttafeln – wo er von Müdigkeit übermannt einschläft. Das Leben ein Traum. Unschwer lassen sich gewisse Lang’sche Charaktere ausmachen, Carr albträumt sich ins Halbdunkel, er sitzt an einem mit Aktenbergen überfüllten Schreibtisch, hinter ihm fällt der Blick auf die Fassaden der Maschinenstadt. Schon scheint er der „Mittler“ zwischen den Gesellschaften, der Freder …

Cirque Éloize, das ist mehr als aneinandergereihte Zirkusnummern, das ist eine erzählte Geschichte, und mutmaßlich seit Charly Chaplins „Modern Times“ wurde der Begriff Tretmühle nicht mehr so anschaulich dargestellt. Carr ist ganz klar das schwarze Schaf, der Minderleister, während rund um ihn die martialische Männlichkeit tobt. Samuel Charlton und Reuben Hosler, deren Hand-auf-Hand-Akrobatik im Heben und Schleudern des kleineren Hosler etwas Gewaltsames, Grausames, doch auch für Charlton einen Master-Blaster-Moment des sich gegenseitig Ausgeliefertseins hat.

Aerialist Ugo Laffolay, der an den Strapaten dem Wärter der Herzmaschine Grot gleicht, der von schwindelnder Hochhaushöhe Richtung Katakomben saust, und sich erst kurz vor Aufprall fängt. Schließlich Frédéric Lemieux-Cormier, ein Éloize-Urgestein, seit Geburt ein Zirkuskind, weil seine Mutter Kostümdesignerin beim Cirque du Soleil war, hier die personifizierte Industrialisierung, der Eisenfresser mit dem Rhönrad, sein Auftritt quasi ein Sinnbild dafür, dass der Mensch längst für die Maschine arbeitet, nicht umgekehrt – doch bei der kraftvollen Darbietung und bei dem Bizeps sind die Schreibfräuleins hin und weg, und freilich will jede mal anfassen.

Frédéric Lemieux-Cormier und Ensemble. Bild: © 2012 Productions Neuvart/Valérie Remise

Clown Ashley Carr hat ein Rendezvous mit Marias Kleid. Bild: © 2012 Productions Neuvart/Valérie Remise

Ashley Carr und Ensemble bei der Aktenjonglage. Bild: © 2012 Productions Neuvart/Valérie Remise

Lauren Herley, Yann Leblanc und Angelica Bongiovonni. Bild: © 2012 Productions Neuvart/Valérie Remise

Da vergessen die Kolleginnen und Kollegen sogar kurz auf die Bürobattle, das ganze Ensemble zum Chitterbug in einer Aktenjonglage, die den armen Ashley Carr aus der Fasson bringt, der Tanz so 1930er-Jahre wie die knappen Trikots à la Zwickelerlass der Damen – Cirque Éloize, das ist stets ein Gesamtkunstwerk, jede Show nach einem einmaligen Konzept, und in der Aufzeichnung der Applaus eines Live-Publikums zu hören.

Zu den grauen Herren gesellt sich eine Frau im purpurroten Kleid, nicht Momo, sondern wenn man’s so sehen will Maria, Angelica Bongiovonni, seit dem Alter von sieben Jahren, und damit war sie damals die jüngste, auf dem Trapez, nun eine Tänzerin mit dem Cyr-Rad, ihr Erscheinen ein verspielter Augenblick der Sehnsucht. Liebe liegt in der Luft, Romantik über den Werkshallen, und wieder eine lyrische Szene, Maria, diesmal Kontorsionistin und Trapeztänzerin Myriam Deraîche als Engel der Arbeiter.

Betörend schön, in jeder Bedeutung des Wortes fantastisch ist das alles. Von wegen langweiliger Büroalltag! Und nach kurzer Einkehr mit einem melancholischen Ashley Carr, der sich ein Rendezvous mit Maria, heißt: mit ihrem an einer Kleiderstange hängenden Kleid, imaginiert, wird’s wieder dynamisch und athletisch. Zwar verhilft das Diabolische, das Diabolo im Gegensatz zu Fritz Lang hier ausschließlich Dominique Bouchard zur Meisterschaft, doch wo die gute, da auch die Maschinen-Maria:

Lauren Herley, Maude Arseneault. Bild: © 2012 Prod. Neuvart/Valérie Remise

Lauren Herley. Bild: © 2012 Productions Neuvart/Valérie Remise

Maude Arseneault und Mikaël Bruyère-L’Abbé. Bild: © 2012 Productions Neuvart/Valérie Remise

Am Cord lisse, am „glatten Seil“ schlängelt sich Lauren Herley als Versuchung schlechthin im grauumwölkten Himmel, wem fiele da nicht der Tanz der sieben Todsünden ein; Maude Arseneault zeigt an der Mât chinois Mikaël Bruyère-L’Abbé sein Ende der Fahnenstange – samt feministischem Kick in die Kronjuwelen. Jahaha, Humor ist für den mitgenommenen Mikaël, wenn man trotzdem lacht, im ausgelassenen Spiel des Éloize-Ensembles kommt der Spaß keinesfalls zu kurz – nun aber kommt es zur Konfrontation der Marias, will die einzig wirkliche doch Joh Fredersens dunkles Herz mit ihrer unbändigen Lebenslust bezwingen.

Als Lohn materialisiert sich eine verwandte Seele, „Freder“ Yann Leblanc auf dem Cyr-Rad, und zu zweit, welch ein Kunststück, man kann sich nicht entsinnen schon einmal zwei Artisten auf dem Gerät gesehen zu haben, kreiseln sie glückselig in den Sonnenuntergang. Der Mensch emanzipiert sich und behauptet seinen Zauber und seine Freiheit … Zum Grande Finale erwacht Ashley Carr zwischen Aktenschrank und Stempel, ein böses Erwachen?, nein!, denn die Crew ist mit Champagner da, und endlich kann der Clown am Schleuderbrett beweisen, dass er kein Schreibstubenhocker mehr ist.

Mit „Cirkopolis“ stellt Cirque Éloize einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis, dass sich Zirkus zu einer wahrhaftigen Kunstform entwickelt hat. Unter den zahlreichen Online- und Streaming-Angeboten, die dieser Tage erhältlich sind, ist „Cirkopolis“ auf der Wunschliste der Produktionen, die man noch einmal live sehen möchte ganz oben. Bis das möglich ist: Schalten Sie den Bildschirm ein, sehen und staunen Sie!

Trailer: www.youtube.com/watch?v=mfvFgab5oPA&t=9s        www.cirque-eloize.com      www.festspielhaus.at        Zur Filmaufzeichnung: www.festspielhaus.at/de/stories/stream_cirque-eloize-cirkopolis           www.youtube.com/watch?v=Sll-EzzNc7g

  1. 4. 2021

Theater an der Wien im 3sat-Stream: Platée

April 4, 2021 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Gott Lagerfeld, Choupette und die neue Plus-Size-Muse

Eine Gurkenmaske für die künftige Göttergattin: Der brillante Marcel Beekman als Platée und der Arnold Schoenberg Chor. Bild: © Werner Kmetitsch

Das Theater an der Wien zeigt via 3sat Robert Carsens bejubelte Inszenierung von „Platée“. Gestern Abend war TV-Premiere, in der Mediathek ist die Produktion noch bis 10. April kostenlos zu streamen: www.3sat.de/kultur/musik/platee-118.html – und gesagt werden kann, dass Rameaus Ballet bouffon unter der musikalischen Leitung von William Christie, der sein Ensemble Les Arts Florissants mit Verve dirigiert, einem Live-Erlebnis in kaum etwas nachsteht.

Da sich die Kamera immer wieder ans turbulente Treiben zoomt, sind die bestens aufgelegten Solistinnen und Solisten in Großaufnahme zu erleben, dies ein Positivum, das man den Kulturlockdown-bedingt auf den Bild- schirm verlegten Aufführungen abgewinnen mag – allen voran kommt’s hier dem brillanten Marcel Beekman als Platée zugute, der Tenor als selbstverliebte Sumpfnymphe auch was die Tontreffsicherheit betrifft herrlich neben der Spur und in diesem Käfig voller Opernnarren nicht nur punkto Exaltierheit eine ernsthafte Konkurrenz für Zaza.

„Nicht alle Tage lässt sich auf so hohem Niveau Musiktheater als Gesamtkunstwerk erleben“, stand an dieser Stelle anlässlich der Bühnen-Premiere. Robert Carsen hat das barocke Prachtstück mit einem Kunstgriff in die Gegenwart geholt: Das satirische Satyrspiel ereignet sich nun in der mondänen Modewelt. Rameaus Werk, 1745 zur Hochzeit von Louis, Dauphin von Viennois, in Versailles uraufgeführt, wird mitten in der Pariser Fashion Week wiedererweckt, ein Zerrbild der Reichen und Schönen einst und jetzt – von Ausstatter Gideon Davey allüberall mit spiegelnden, spiegelglatten Oberfläch(lichkeit)en verstärkt.

Die laut dem griechischen Dichter Pausanias wahrlich nicht mit Anmut gesegnete Platée hält sich also für ein unwiderstehliches Objekt der Begierden aller Männer, und setzt derart dem Berggott Cithéron zu, während eine vor Eifersucht rasende Junon die Menschen mit von Les Arts Florissants gewaltig-gewittrig umgesetzten Wetterkapriolen plagt. Da fassen Cithéron und Spezi Mercure einen Plan.

Jupiter höchstselbst soll vorgeben, die eitle Nymphe als neue Gattin auserkoren zu haben, Juno in die gefakte Hochzeitszeremonie platzen, und ob der Hässlichkeit ihrer Nebenbuhlerin erkennen, dass ihr notorischer Fremdgeher zur Untreue gar nicht fähig wäre. Es gibt ein On-dit, wonach die Frischvermählte des Dauphins, Infantin Maria Theresia, ebenfalls keine Augenweide gewesen sein soll …

Edwin Crossley-Mercer als Jupiter. Bild: © Werner Kmetitsch

Jeanine de Bique als La Folie. Bild: © Werner Kmetitsch

Cyril Auvity als Mercure und Marc Mauillon als „Garçon“ Cithéron. Bild: © Werner Kmetitsch

Nach dem oligaten Prolog (nicht ganz geglückt, durchtauchen!), währenddessen sich die von einem Bacchanal bezechten Thalie, Momus und Thespis aus ihren Chiton- und Chlamys-Leintüchern winden – Lagerfeld, über den noch zu sprechen sein wird, hätte ihnen in der Aufmachung längst den Kontrollverlust übers eigene Leben attestiert – und sie gegen gewagteste Haute-Couture-Kreationen tauschen, trippelt in Spa-Aufmachung und naja! Schönheitsmaske die Kreatur aus dem Teich herein – zum Gaudium der vornehmen Gesellschaft, die nach ihrer Orgie im angesagtesten Club des Olymp nun zum unfeinen Sturm auf die besten Pätze im Luxustempel bläst.

Ein Gewimmel und ein Gewusel ist das auf der Bühne, im Gerangel des Arnold Schoenberg Chors – geleitet von Erwin Ortner – sind Lookalikes von Anna Wintour bis Suzy Menkes auszumachen. Jede Figur eine Type, das trifft auch aufs Tanzensemble Anna Possarnig, Anna Konopska, Amanda Mitrevski, Felix Schnabel, Nikola Majtanova, Thomas Riess und Johann Ebert zu, für das Nicolas Paul Choreografien entwickelt hat, mit denen er seine Tänzervergangenheit bei Pina Bausch und John Neumeier nicht leugnen kann, die Herren mal als BDSM-Ballet, mal als Travestie-Grazien, die Damen affektiert beim Contredanse française, als Models auf dem Catwalk.

Marc Mauillon als „Garçon“ Cithéron und Cyril Auvity als des Göttervaters Faktotum Mercure sind nicht die einzigen, die’s im Rezitativ spöttisch und in den Arien stimmgewaltig können, die gesamte ausgesucht wohlklingende Besetzung harmoniert perfekt und ist auch schauspielerisch für jeden Jux zu haben. Mit fast frivolem Vergnügen delektiert sich Marcel Beekman an den von Rameau und seinem Librettisten Adrien-Joseph Le Valois d’Orville eingefügten Quaklauten für ihre Froschkönigin, jedes „Dis-donc!, Pourquoi? Quoi? Quoi?“ ein amphibischer Klagelaut. Die deutschsprachigen Untertitel der Fernsehaufzeichnung erleichtern den Zugang zu den französischen Textpointen und Doppeldeutigkeiten.

Und alldieweil die Handy-Hautevolee, die Smartphone-High-Society unterm Zentralgestirn der Discokugel prahlt und prunkt, steigt vom Modeolymp der Mode-Schöpfer herab, Edwin Crossley-Mercer als Jupiter im Lagerfeld-Style, eine lebendige Choupette im Arm, dem Model- und Medienhofstaat schon von der Showtreppe aus huldvoll zuwinkend. Für Platée gibt’s ein Geschenk im Chanel-Sackerl, was Wunder, dass Emilie Renard als Junon später Madame Coco im berühmten Bouclé-Kostüm gleichen wird, was Wunder, dass aber zunächst Platée von Jupiters Entourage hingerissen ist. Die Eitle in der Welt der Eitelkeiten …

Vom Gott ins Kameravisier genommen: Edwin Crossley-Mercer und Marcel Beekman. Bild: © Werner Kmetitsch

Paparazzo Auvity, Beekman, Crossley-Mercer, Mauillon und Padraic Rowan als Mommus. Bild: © Werner Kmetitsch

Fifty Shades of Platée: Beekman, das TänzerInnenensemble und der Arnold Schoenberg Chor. Bild: © Werner Kmetitsch

BDSM-Ballett: Beekman mit den Tänzern Johann Ebert, Jean-François Martin, Pavel Strasil und Joni Österlund. Bild: © Werner Kmetitsch

Beekman gestaltet das glamourös peinlich, Platée, die so gern eine glutäugige Kokette sein will und doch nur eine glubschäugige Tölpelin ist, deren geziertes Kieren allzu schnell in gewöhnliches Keifen wechselt. Mit welcher Lust Beekman Platée frohlocken, rumstöckeln, Junon verhöhnen lässt, nein, die Titelantiheldin ist keine Gute und von Beekman dazu mit ausreichend Testosteron im Timbre ausgerüstet. Mit wogendem Busen wirft sie sich Jupiter zu Füßen, der daraufhin eine Lagerfeld’sche Fotosession mit seiner Plus-Size-Muse beginnt – alles originalgetreu. Der supersympathische Marcel Beekman erobert die Herzen des Publikums mit einem Wimpernschlag, man wünscht Platée das Happy End, zu dem es nicht kommen wird.

Jeanine de Bique ist als La Folie in diesem Setting folgerichtig eine Lady Gaga, zu deren buchstäblicher Wahnsinnsarie – de Bique erhält von William Christie exzessiv Gelegenheit, den hypervirtuosen Koloraturen-Wirbel vorzuführen – das Ballett bei einem Bad-Romance-Tanz eindeutig Positionen probt, ebenso wie bei den amourösen Verrenkungen vor dem im Wortsinn Himmelbett im dritten Akt, eine Sinnlichkeit, die den Schabernack der Götter konterkariert.

Der Schlusspunkt jeder Modeschau ist bekanntlich das Hochzeitskleid, das flugs von Mannequin-Maß auf Curvy Model ausgelassen werden muss, Platée – ein Bild von einer Braut, doch das dicke Ende naht mit Spott und Hohn, Body Shaming und keine Shape Wear, nirgendwo. Der allmächtige Männerbund hat das Mannweib besiegt. Der zuvor von Thespis mittels Rotwein ausgeknockte Amour, Emmanuelle de Negri, will ihr zu Hilfe eilen, da besinnt sich Platée darauf, dass Amours Pfeil auch eine Waffe ist … das ist berührend. Das macht die Inszenierung besonders. Beekman avancierte damit auf der Bühne zum akklamierten Liebling aller.

Fazit: Robert Carsens witzig-spritzige Regie besticht mit 1001 detailverliebt umgesetzten Einfällen zum Werk, das er in bravouröser Weise und in Verbindung mit der raffinierten Ausstattung Gideon Daveys neudeutet. Mit seiner präzisen Beobachtungsgabe und einem Händchen für Personenführung macht Carsen die Gesellschaftssatire in „Platée“ heutigen Zuschauerinnen und Zuschauern begreiflich – in modernem, aber absolut schlüssigem Ambiente, in dem der Text auch manch herrlich aktuell-komischen Doppelsinn erhält. Musikalisch ist ohnedies alles vom Feinsten. Les Arts Florissants machen ihrem Namen alle Ehre, sie lassen die „Platée“ zur Sumpfdotterblume erblühen, die Nymphe, für die’s keine Seerosen, lat.: Nymphaea, regnet.

Auf 3sat bis 10. April kostenlos zu streamen: www.3sat.de/kultur/musik/platee-118.html         Trailer: www.youtube.com/watch?v=OLUJaDis850           www.theater-wien.at

4. 4. 2021

Theater an der Wien auf ORF III: Le Nozze di Figaro

Dezember 1, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Nur die Commedia ist Alfred Dorfer abhandengekommen

Johannes Bamberger, Maurizio Muraro, Enkelejda Shkosa, Cristina Pasaroiu, F. Boesch, Giulia Semenzato, Robert Gleadow, Patricia Nolz, Ekin Su Paker, Ivan Zinoview. Bild: © Moritz Schell

In seinem aktuellen Programm „und …“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=26914), für das er dieser Tage schon Spieltermine im kommenden März/April ausgibt, diagnostiziert Alfred Dorfer die Herzenszartheit eines jeden Zynikers, wie auch die seine. Nun hat der Kabarettist seine erste Operninszenierung absolviert, „Le Nozze di Figaro“ am Theater an der Wien, die Premiere #Corona-bedingt allerdings nicht im Haus, sondern als ORF III

Liveübertragung aus ebendiesem und weiterhin in der ORF-Mediathek und auf der Klassikplattform fidelio abzurufen. Was Dorfer aus dem Werk destilliert, ist eher Beaumarchais als da Ponte, klar, dass einer wie er, das Politische im Privaten betont. Seine Interpretation ist ein Mozart der subtil düsteren Zwischentöne, ist Dorfer doch auch mit seinen eigenen Texten und bei Auftritten nicht als Abfackler greller Comedy-Pointen bekannt. Sein Schmäh feuert vielmehr aus dem Hinterhalt, lässt sich Zeit, bis er weiß, dass er ins Ziel trifft, dann aber: Bumm!

Ein Understatement, für das er bei dieser Arbeit kongeniale Partner vom Concentus Musicus Wien unter der Leitung von Stefan Gottfried über Co-Regisseurin Kateryna Sokolova und Ausstatter Christian Tabakoff bis zur erlesenen Besetzung zur Seite hat. Kurz, diese en détail durchdachte „Hochzeit“ und ihre rundum exzellente musikalische Deutung sind gelungen, allein, der Commedia per musica ist erstere abhandengekommen. Die flotte Verwechslungskomödie mit ihren Liebesirrungen und -wirrungen hat bei Dorfer keinen doppelten Boden dunkler Andeutungen, nein, da tun sich wahre Abgründe auf.

Und so, wie die auf der Bühne nichts zu lachen haben, kommt einem auch vor dem Bildschirm kaum ein Lächeln aus. So viel zur Zartheit von Zynismus, Dorfer bevölkert das Schloss des Grafen Almaviva mit Sehnsüchtlern, Eifersüchtlern, denen auch die Laster Hab- und Selbstsucht eigen sind. Das nicht vollständig möblierte Zimmer des ersten Aktes bleibt ein solches, als wolle Tabakoff mit der Leere die Einsamkeit dieser Menschen bebildern, Aguasfrescas als „Hotel Sevilla“ für geschundene Herzen – und allein im weiten Flur, so beginnt das Ganze, Florian Boesch als Conte.

Boesch, dem Dorfer jede figurenzeichnerische Komfortzone verwehrt, optisch weniger lustig als Luising’erisch, von Gutsherrenrock bis Haartracht einem bekannten Lobbyisten verwandt, und längst kein Schürzen-Jäger mehr. Sondern ein alternder, gefährlicher, weil seine Hilflosigkeit in Aggression auslebender, wie Susanna singt, „Wüterich“, der von seinen Dämonen gejagt wird. Den Namen „Cherubino“ hat jemand wie zum Hohn und wie den Teufel an die Wand gemalt, schlagartig wird’s finster, im Hintergrund ein sich umschlingendes Liebespaar, doch wer ist’s?, ein Fenster zur Seele des paranoiden Grafen.

Giulia Semenzato und Robert Gleadow. Bild: © Moritz Schell

Robert Gleadow. Bild: © Moritz Schell

Giulia Semenzato und Robert Gleadow. Bild: © Moritz Schell

Ein Schattenspiel, ein angstvoller, apathischer Moment, wie ihn Dorfer des Öfteren einsetzen wird. Etwa in jener Albtraumsequenz, in der Almaviva die anderen wie Schachfiguren und Susanna, dies Sinnbild seiner mannhafterer Tage, auf seinem Schoß arrangiert, doch auch, wenn die Rollen von Macht und Ohnmacht getauscht werden. Ein Innehalten, in dem Mozarts Töne wie zum Trotz tanzen. Dass die Feudalherrschaft wie ihr Herrensitz hier zum schäbigen Abglanz ihrer selbst verfallen sind, beweist niemand besser als der Hipster-Figaro des Robert Gleadow und dessen frühemanzipierte Susanna von Giulia Semenzato. Beide, wie selbstverständlich Boesch, sängerisch makellos, und Gleadow im gewohnt spielfreudigen Ensemble, an dem man via Fernsehen Operngucker-nah dran ist, das hochenergetische Zentrum.

Wie sich Dorfer der Tändelei und etwaigem Slapstick, bis auf ein Eisbärenfell-Versteck und Maurizio Muraros im Aufzug steckenbleibenden Bartolo, verweigert – wiewohl die Drei-Räume-Drehbühne den Klipp-Klapp hergegeben hätte, so hat Gleadows aufsässiger Figaro nichts Schelmisches mehr an sich. Er ist ein stürmischer Liebhaber, dessen Sturm im Zorn zum Orkan wird, sein Man-Bun dann in Auflösung begriffen, was den Rebellen gegens Recht primae noctis windstärkenmäßig dem Wüterich Almaviva ebenbürtig macht. Verabschiedet er Cherubino, Non più andrai, farfallone amoroso, trieft ihm der Sarkasmus sichtlich aus den schiefen Wundwinkeln. Und siehe: Gleadow kann sogar Apfelessen beim Singen.

Fast scheint’s, als hätte Tabakoff mit seinem Peter-Brook’schen Empty Space Platz für Dorfers hervorragende Personenführung schaffen wollen, denn die Solistinnen und Solisten füllen die Bühne mit ihren vielschichtig changierenden Charakteren und einer Präsenz, die sich bis aufs Wohnzimmersofa überträgt, nichts außer des Ambientes ist hier schwarz-weiß, gut oder böse, Schurke oder Seelchen. Und, apropos: Cristina Pasaroiu singt ihre Contessa Almaviva berückend schön, das warme, samtige Timbre der Hausdebütantin nimmt einen in gleicher Weise ein, wie ihre mädchenhafte Erscheinung.

Da hat eine blutjunge Rosina sich einem angegrauten, griesgrämigen Blaublut angetraut, dies der erste Höhepunkt: Terzett Graf, Gräfin, Susanna, or via, sortite, gerade noch rotiert Almaviva vor der Tür der Gattin, als treibe ihn eine noch nicht erloschene Zuneigung im Kreis, da verpasst ihm die Gräfin eine schallende Ohrfeige, und er fordert mit einer beinah Vergewaltigung seine ehelichen Rechte ein, die Pasaroiu mit Boesch im Infight auf nacktem Boden – Szenen einer scheiternden Ehe. Was Wunder willigt die Gräfin in die Kabale und Liebe ein.

Der Aufzug steckt fest: Enkelejda Shkosa als Marcellina und Maurizio Muraro als Bartolo. Bild: © Moritz Schell

Arrangierter Albtraum: Boesch, Semenzato, Andrew Owens, Gleadow, Muraro und Shkosa: Bild: © Moritz Schell

Aufritt des betrunkenen Antonio: Semenzato, Ivan Zinoviev, Pasaroiu, Gleadow und Boesch. Bild: © Moritz Schell

Die beiden Hausdebütantinnen Cristina Pasaroiu als Gräfin und Patricia Nolz als Cherubino. Bild: © Moritz Schell

Die erst 25-jährige niederösterreichische Mezzosopranistin Patricia Nolz, seit der aktuellen Saison Mitglied des Opernstudios der Wiener Staatsoper, debütiert an der Wien als Cherubino mit frischem, frechem Maturantencharme und in Hochwasserhose, als wäre der Knabe zu schnell in die Höhe geschossen – und wie sie singt: Voi che sapete che cosa è amor, strahlend, brillant, betörend! Patricia Nolz ist ein Name, eine Stimme, den zu merken sich lohnen wird.

Der bereits erwähnte Maurizio Muraro als Rollator bewehrter Bartolo samt Enkelejda Shkosa als Marcellina im rosafarbenen „Chanel“-Kostüm, La vendetta, oh, la vendetta / Via, resti servita, Madama brillante, Andrew Owens als intrigant-schmieriger Basilio, Johannes Bamberger als tölpeliger Don Curzio, Ekin Su Paker als neckische Barbarina und Ivan Zinoviev als vom Wein illuminierter Antonio geben ihr Bestes, um auch dem Begriff Opera buffa alle Ehre zu machen.

Mit allem Drum und Dran macht der TV-Abend Vorfreude auf ein mögliches künftiges Vorort-Erlebnis, dem man am Theater noch ein Mehr an Differenzierung zutrauen darf, den Solistinnen und Solisten wie dem Concentus Musicus, dessen präzise Begleitung, manch unheilvolles Donnergrollen, die drängende Spiellust und die Hand in Hand mit der Regie ausgelotete Partitur durchaus Erinnerungen an den großen Nikolaus Harnoncourt wachrufen, dessen Nachfolger Stefan Gottfried sich einmal mehr als umsichtiger Mann am Pult erweist.

Mit einer #Lockdown-Premiere hat Alfred Dorfer kein leichter Start im Operngenre ereilt. Dass ihn dies nicht abschreckt, ist zu hoffen. Denn es gibt genug Stoffe, bei denen Dorfers Talent zur eleganten Satire eine Wohltat wäre. Das spürt man vielleicht am stärksten am Ende. Nachdem alle Verkleidungen, Verstellungen und ein Witz von Entschuldigung gefallen sind, rockt man mitsammen in einer alten Straßenbahnremise ab, Endstation! also, und in grotesker Ausgelassenheit Almaviva, der sich hüpfend und die Arme in Siegerpose hochgerissen aus der Schlussbild-Idylle verabschiedet. Womöglich fantasiert er wieder, womöglich hegt er schon neue Verführungspläne? Ah! Tutti contenti!? Das Publikum auf alle Fälle!

Die TV-Premiere von „Le nozze di Figaro“ ist noch bis 5. Dezember in der ORF-Mediathek und bis Dezember 2021 auf der Klassikplattform fidelio abrufbar.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=CbWXaEdRBxw           www.theater-wien.at

  1. 11. 2020

Theater in der Josefstadt: Der deutsche Mittagstisch

Oktober 29, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

In Höchstgeschwindigkeit durchs Jauchefass

Das Dramolette „Freispruch“: Traute Hoess, Bernhard Schir, Michael König, Lore Stefanek, Sandra Cervik und André Pohl. Bild: Philine Hofmann

Der Vergleich mit dem Vaudeville ist zulässig. Nicht nur, was das Bühnenbild von Achim Freyer betrifft, Prospekte, wie von Hand gemalt, Rampenlicht aus Muschelleuchten, und über allem schwebend des Gutbürgers Gottseibeiuns mit teuflisch blinkenden Rotaugen und zwei Putten blutig quetschend. Gottseibeiuns, doch, denn noch immer raunt’s im Publikum: Naja, das ist halt typisch Thomas Bernhard. Des Autors unter dem Titel „Der deutsche Mittagstisch“

zusammengefasste Dramolette hat Claus Peymann zum Saisonauftakt des Theaters in der Josefstadt inszeniert. Jenem Haus, dessen Publikum er, als noch Burgherr und lange vor #Corona, eine Staubmaske empfahl. Jenem Haus, dem Bernhard via „Heldenplatz“ ausrichten ließ, dass dort selbst die allerernstesten Tragödien als Operetten gespielt“ würden. Und durchaus …

… passt Bernhards Mittagstisch-Revue und Peymanns Schaubuden-Inszenierung, apropos: Vaudeville, ins Bild. Im Programmheft wird der Wienerinnen und Wiener ehemalige Hassliebe zum „Piefke“ genussvoll ausgewalzt, nun applaudiert man angetan und artig, ach, waren das noch Zeiten, als am Burgtheater … und der Skandal damals, das hatte seither keine/r mehr zu bieten … und wie leicht überhört es sich dabei, dass die – © bisher erschienene Rezensionen – „Praterkasperlszenen gegens Nazikrokodil“ zwar weiland zwischen 1977 und 1981 aus tagesaktuellem Anlass geschrieben wurden.

Doch die Wiedergänger der „aus grobem Puppenholz geschnitzten“ Spukgestalten immer noch und schon wieder und längst nicht mehr nächstens, sondern von der selbst ernannten Mitte der Gesellschaft abgenickt bei grellem Tageslicht unterwegs sind. Ihr ewiggestriger Widerhall dröhnt von den Wänden der Republik retour als gäb’s keine Morgenröte. Eine in die Jahre gekommene Mentalität kommt grad wieder auf, das merkt vielleicht besser, wer aus einer Jugendzeit stammt, in der „bis zur Vergasung“ noch ein geflügeltes Wort war, und einer Studentenbude, deren Nachbar, wenn besoffen, per Schallplatte durch den ganzen Gemeindebau ungestraft das Horst-Wessel-Lied erschallen ließ.

Die Liederbücher sind längst nicht leergesungen. Bei Bernhard wird „Die Fahne hoch“ am Ende der Szene „Freispruch“ angestimmt, einer von sieben, in denen er Künstler- und Großbürgergrotesken ebenso virtuos entwirft wie die politische Farce oder die Volksstück-Parodie. Peymann weiß Bernhard auf diesem Weg naturgemäß zu folgen – bis hin zur Clownerie als die er die Szene „Alles oder Nichts“ enttarnt. Peymann zelebriert ein höllisch hämisches Thomas-Bernhard-Hochamt, dessen liturgische Litaneien er ohne Punkt und Komma ausspielen lässt.

Dies eine Anmerkung, weil ab und an ein Strich gut getan hätte, doch das zehnköpfige Ensemble, wie wunderbar das Wiedersehen mit der sehr vermissten Traute Hoess und der von Peymann aus Berlin mitgebrachten Lore Stepanek, wirft sich mit Verve in die Schlacht um Bernards Suder-Suaden. Wobei das Ressentiment-Räsonieren, das Banalitäten-Palaver vom Feinsten gelingt, wenn die Damen Hoess und Stefanek in Verbund mit Ulli Maier auf Freyers in politische Schieflage geratener Weltenscheibe stehen.

A Doda: Lore Stefanek und Ulli Maier. Bild: Philine Hofmann

Eis: Maier, Bartl, König und Hoess. Bild: Philine Hofmann

Thomas Bernhard schau oba: Freispruch. Bild: Philine Hofmann

Peymann hat ein Händchen, heißt: eine Regiepratzn, für die Nieder-Tracht. In „A Doda“ finden Ulli Maier und Lore Stefanek in Steirermontur ein Bündel, das sie für einen in Packpapier eingeschlagenen Leichnam halten. Ein herrliches Stück Mundarttheater, in dem zwei skurrile Schreckschrauben mit bigotter Bäuerinnenschläue à la „Landkrimi“ ermitteln, die Maier eine furios kombinierende Detektivin unter deren Fuchtel Assistenz-Angsthäsin Stefanek sichtbar steht – bis sich herausstellt, in der Rolle sind die dem Ehemann vom Moped gefallenen Hakenkreuzplakate.

Mehr noch verbeißt sich Maier ins Bernhard’sche Bitterböse mit Traute Hoess in „Maiandacht“. Dirndlbewehrt, die Kostüme sind von Margit Koppendorfer, beweinen sie auf dem Friedhof das Ableben eines Dorfhonoratioren, der in einen tödlichen Verkehrsunfall mit einem Türken verwickelt ward. Großartig sind diese beiden Tratschtanten, die Tod und Teufel fürchten, und beim Anblick des Pfarrers nicht nur feuchte Augen bekommen. Wie gern die Leut‘ über Krankheit und Sterben anderer reden, und wie Maier und Hoess diese Stammtisch-Sätze sagen.

Von Neid und Enttäuschung geht’s zu Frustration und Hass, gleich Grabkerzen blinkt auf, dass der niedergeführte Wohltäter ein übler Geschäftemacher und wohl auch Spendenbetrüger war, wie nah am Heute das ist, und dass der „Ausländer“ mit dem Fahrrad unterwegs war, in das der Verstorbene blindlings gelaufen ist. Und dennoch befindet der Untersuchungsausschuss der Nachbarinnen „Vagast ghörns alle!“, die Gastarbeiter, nunmehr „Migranten“ genannt. Wenn die Hoess mit tobender Inbrunst in die Blutgesinnung entgleist, schaudert’s einen vor Bernhards Sprachwitz.

Um nichts weniger bei Sandra Cervik in „Match“, in dem die Gemeinplätze der Intoleranz, der Xenophobie, des Ekels vor allem „Linken“ und des faschistoiden Gedankenguts ebenso ihre giftigen Blüten treiben, Cervik als Polizistengattin, Robert Joseph Bartl, der vor Röhrender-Hirsch-Tapete in Ruhe ein Fußballspiel sehen möchte. Während sein Heimchen am Herd ob eines ihm bei einer Demonstration geschehenen Risses in der Uniformjacke zur schießwütigen Amokläuferin mutiert – „Da schiaßad i eine“, „Gsindl“, „Unterm Hitler hätt’s des ned gebn“, „Arbeiten solln’s ned Demonstrieren“ –, bevor sie ihn im Wortsinn übermannt. Cerviks Figur dabei in den Bernhard’schen Wortwiederholungen wie in ihrem Leben gefangen, gackernd wie das Huhn auf dessen Denkschleifen-Möbiusband.

Maiandacht: Robert Joseph Bartl, Ulli Maier, Traute Hoess und André Pohl. Bild: Philine Hofmann

Match: Sandra Cervik als rabiate Polizistinnengattin und Robert Joseph Bartl. Bild: Philine Hofmann

Alles oder Nichts: André Pohl, Sandra Cervik, Marcus Bluhm, Raphael von Bargen und Bernhard Schir. Bild: Philine Hofmann

Der deutsche Mittagstisch: „Bernhard“ Michael König und Traute Hoess am Nazi-Suppentopf. Bild: Philine Hofmann

Weitere Dramolette wenden sich den Machenschaften von Justiz und Politik zu, am erschreckendsten „Freispruch“, ein Abendessen in affektierter Großbürgerlichkeit, bei der NS-Massenmörder nebst Ehefrauen bei Kriegs- und KZ-Anekdoten ihre Nichtverurteilung feiern. Michael König, Bernhard Schir, André Pohl mit Stefanek, Hoess und Cervik mittels abgestorben schwarzer Lippen als die Untoten klassifiziert, die sie sind. Beim Champagnisieren sehen sich die Täter als Opfer der linken, landesverräterischen Lügenpresse und deren Fake News. Ein „Sketch“, der einem Unwohlsein verursacht, wenn nach dem „O Freunde, nicht diese Töne“ „die Reihen dicht geschlossen“ werden. Und zwar nicht als Zitat, sondern Strophe für Strophe ausgesungen: „Die Straße frei / Den braunen Bataillonen …“

Als kabarettistische Einlage präsentieren König, ein zweites Mal als zur beinah Unkenntlichkeit maskierter Popanz, Hoess, Bartl und Maier das Dramolette „Eis“, zwei ebenfalls NS-angepatzte Ehepaare am Nordseestrand, die Maier als Sonnenschutz-Gespenst, konsumsüchtige Globetrotter, die die Menschen in den Ländern, die sie bereisen, allerdings zutiefst verachten, und über die Sinnlosigkeit von Entwicklungshilfe/Hilfe vor Ort und übers „politisch wieder so hart durchgreifen wie damals“ schwadronieren, bis ihnen ein Eisverkäufer-Attentäter, Raphael von Bargen mit schnauzbärtigem Migrationshintergrund, den Garaus macht.

Einen Zirkus mit Politclowns macht Peymann schließlich aus „Alles oder Nichts“, Premiere seiner Arbeit war ja vor der Wien-Wahl, in dem sich von Bargen, Pohl und Marcus Bluhm als Staatsspitzen in einer von Bernhard Schir geleiteten Show für eine WählerInnenstimme jeder Demütigung unterwerfen. Das alles entrollt sich nach der Pause enervierend langsam, was hier als Kalkül gedeutet wird, von Bargen die am besten stammelnde Knallcharge in dieser schwächsten Versuchsanordnung, die schon Siegfried Unseld „zu billig“ zum Drucken war – aber lachen muss man doch, wenn die Herren Politiker in Höchstgeschwindigkeit durchs Jauchefass kriechen.

Zum Schluss die absurde titelgebende „Mittagstisch“-Miniatur, Familie Bernhard vollzählig versammelt, Michael König ein Lookalike des Öbersten Konterfeis, alle anderen per ebenfalls charakteristischer Nase als seine Nachkommen ausgewiesen, Traute Hoess, die diesen nun statt jedweder Weisheit den Nationalsozialismus mit dem Löffel eingeben muss, weil kein Nahrungsmittel aus Deutschland „nazifrei“ sei. Aus dem Topf quillt statt Nudeln Hakenkreuz-Pasta. Basta, brüllt König Bernhard: „Nazisuppe! In jeder Suppe findet ihr die Nazis!“

Welch ein abschließendes Bild – und selbstverständlich lassen sich die 1940-Jahre mit den späten Siebzigern mit 2020 nicht vergleichen. Doch ist sich der „Freispruch“-Diagnose des Standard anzuschließen, wenn dort über die Rechtsschaffenden steht, sie reichten „ihren schauerlichen Gesinnungskitsch sauber abgeschmeckt an die heutige Generation Slim Fit weiter.“ Oder um es mit Brecht zu sagen: „Der Schoß ist fruchtbar noch …“ Ui!

Video: www.youtube.com/watch?v=gx9B4rfS2R8           www.josefstadt.org

  1. 10. 2020

Volksoper: Robert Meyer präsentiert die Saison 2020/21

Mai 27, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Wir lassen uns von #Corona nicht entmutigen“

Bild: © Volksoper Wien

„Am 10. März um 11 Uhr Vormittag haben wir noch ,My Fair Lady‘ vor einem begeisterten jungen Publikum gespielt. Doch während der Vorstellung erreichte uns die Nachricht, dass ab sofort sämtliche Veranstaltungen mit mehr als einhundert Personen untersagt sind. Es war ein

Schock für uns alle – Solistinnen, Solisten, Chor, Orchester und Bühnenarbeiter waren wie gelähmt. Aber niemand hätte geglaubt, dass diese Vorstellung die letzte der Spielzeit sein würde“. Mit diesen Worten beginnt Volksopern-Direktor Robert Meyer seine Präsentation der Saison 2020/21. Fest entschlossen, sich von Ungewissheiten nicht entmutigen zu lassen, ist Meyer bereit, das Haus „zum ehestmöglichen Zeitpunkt“ wieder zu öffnen. Vorgesehen ist dafür fürs Erste der 6. September – mit Volksopernfest und Eröffnungskonzert.

„Müssten wir unsere Produktionen für 2020/21 unter ein Motto stellen, würde dieses wohl lauten: ,Die Hoffnung stirbt zuletzt'“, so Meyer weiter. „Es ist fast beängstigend, zeugt aber von der dauernden Gültigkeit großer Bühnenwerke, wie der Reigen unserer Premieren Antworten auf die gegenwärtige Krisensituation gibt, ohne dass wir diese zum Zeitpunkt der Planungen voraussehen konnten.“ Worauf sich Meyer bezieht, sind die Highlights des vielfältigen Programms: „Dort irgendwo draußen wartet die Welt …“, so träumt das Mädchen Charity Hope Valentine, in deren Namen sich Mitgefühl, Hoffnung und Liebe vereinen, in dem Musical „Sweet Charity“.

Am 13. September soll Broadway-Ikone Bob Fosses Vision nach Federico Fellinis Film „Die Nächte der Cabiria“ Premiere haben, ein Projekt, für das Fosse einerseits keinen Geringeren als den populären Dramatiker Neil Simon, andererseits den bis dahin relativ unbeachteten Komponisten Cy Coleman gewann. Dessen farbenreich-mitreißende Partitur, die zwischen klassischem Broadway-Sound, Jazz, Gospel und frühem Pop oszilliert, attestiert der Legende Fosse bis heute ein glückliches Händchen. Cy Colemans größter Hit dieses Musicals „Big Spender“ führt in jenes New Yorker Halbwelt-Milieu, dem die Titelheldin Charity Hope Valentine entspringt – eine junge Frau, die trotz herber Enttäuschungen den Glauben an das Gute im Menschen nie aufgibt.

Mit „Sweet Charity“ begeht die Volksoper ihre Saisoneröffnung 2020 und gleichzeitig die Erstaufführung des Werks am Haus. Mit Lorenz C. Aichner am Pult und in der Regie von Johannes von Matuschka schlüpft Lisa Habermann in die Rolle der süßen Charity. Pamina und Tamino stellen sich in Mozarts Meisterwerk „Die Zauberflöte“ gemeinsam allen Prüfungen. Nun laden zur Premiere am 17. Oktober Henry Masons Neuinszenierung und die musikalische Neueinstudierung durch Anja Bihlmaier zu einem frischen Blick auf diesen Fixstern des Volksopern-Repertoires ein. In der Verdi-Oper, die konzertant in Franz Werfels deutschsprachiger Nachdichtung präsentiert wird, unterliegen die Hauptpersonen hingegen in tragischer Weise der „Macht des Schicksals“.

Werfel hat nicht nur eine höchst poetische Übertragung geschaffen – Alvaros große Arie, „La vita è inferno all’infelice“, beginnt hier mit den Worten „Die Welt ist nur ein Traum der Hölle“ -, sondern auch wirkungsvoll in den Ablauf eingegriffen: So erklingt die berühmte Ouvertüre erst nach dem schicksalhaften Pistolenschuss, der Leonores Vater tötet und sie von ihrem Liebsten trennt. Von ihrem rachsüchtigen Bruder Carlos gehetzt, flüchtet Leonore in ein Kloster und wird erst im Sterben wieder mit Alvaro vereint sein. Premiere wird am 7. November, der Dirigent Jac van Steen sein. Die Leonore singt Melba Ramos.

Die Macht des Schicksals: Melba Ramos. Bild: © Johannes Ifkovits

Sweet Charity: Lisa Habermann. Bild: © Andrea Peller

Into the Woods: Juliette Khalil. Bild: © Johannes Ifkovits

Kaum eine menschliche Gabe ist zur Bewältigung schwieriger Zeiten wichtiger als der Humor – und der wird in Franz von Suppés Operette „Der Teufel auf Erden“ großgeschrieben. Als Nachtrag zu den Feierlichkeiten von Suppés 200. Geburtstag bietet das Haus nun ab 5. Dezember diese reizvolle Rarität: Der Teufel ist aus der Hölle verschwunden! Höllenknecht Ruprecht wird beauftragt, ihn auf Erden zu suchen. Dort gesellt sich mit dem Engel Rupert ein ungleicher Weggefährte zu ihm. Ein Nonnenkloster im 17. Jahrhundert, eine Kaserne im 19. Jahrhundert und eine Tanzschule im Heute sind die Stationen der atemlosen Fahndung nach dem Höllenfürsten.

Um dem, wie Suppé-Biograf Hans-Dieter Roser schreibt, „fröhlichen, musikalisch-anspruchsvollen Ganzen“ neue Prägnanz zu verleihen, hat Alexander Kuchinka den ursprünglichen aktuell-zeitkritischen Ansatz pointiert ins Heute übertragen. Der mit fantasievollen Produktionen mehrfach Volksopern-bewährte Ausstatter-Regisseur Hinrich Horstkotte inszeniert, am Pult Alfred Eschwé, als Ruprecht und Rupert sind Robert Meyer und Christian Graf zu sehen. Stephen Sondheims Musical „Into the Woods“ erzählt von Mut und Zusammenhalt in der Grenzsituation des gefahrenreichen dunklen Waldes, von Urängsten, verkörpert in Hexen und Riesen. Im März 2020 vollendete Stephen Sondheim sein 90. Lebensjahr. Nach „Die spinnen, die Römer!“ und „Sweeney Todd“ nimmt die Volksoper nun am 13. März zum dritten Mal ein Musical des Giganten in den Spielplan.

Auch in dem 1987 uraufgeführten „Into the Woods“ vereinen sich Klugheit, Witz und musikalische Eleganz in ganz besonderer Weise. Es sind Großteils wohlbekannte Figuren, die man in den Märchenwald begleitet: Rotkäppchen begegnet auf dem Weg zur Großmutter dem Wolf, Aschenputtel verliert den Schuh und findet ihren Prinzen. Der Bäcker und seine Frau kämpfen gegen den Fluch der bösen Hexe an, um ihren Herzenswunsch nach einem Kind zu erfüllen. Die Geschichten verschränken sich, allgemeine Zufriedenheit führt … in die Pause. Doch was passiert mit Märchengestalten eigentlich nach dem Happy End? Das erfahren die Zuschauer im zweiten Teil dieses modernen Meisterwerks, … denn auch Erwachsene brauchen Märchen! Dirigent ist James Holmes, die Regie von Olivier Tambosi, Robert Meyer tritt als Erzähler/Geheimnisvoller Mann auf – und DrewSarich als böser Wolf.

Das Thema von Brittens letzter Oper, „Death in Venice“, das Über/Leben in Zeiten einer Cholera-Epidemie, muss nicht weiter auf Aktualität untersucht werden. Thomas Manns 1912 erschienene Novelle, dieser Erzählung von Genie und ästhetischem Empfinden, Obsession, Homoerotik und Tabu faszinierte nicht nur Luchino Visconti, der den Stoff 1971 verfilmte, sondern auch Benjamin Britten, der 1973 mit seiner letzten Oper eines seiner dichtesten und abgründigsten Werke schuf. In einer Inszenierung des schottischen Regisseurs David McVicar, die in atemberaubender Weise die Atmosphäre Thomas Manns aufnimmt und meisterhaft widerspiegelt, wird das Werk nun erstmals an der Volksoper aufgeführt. Am Pult wird Gerrit Prießnitz stehen, den Gustav von Aschenbach singt Rainer Trost. Premiere ist am 17. April

Auch das Wiener Staatsballett, ab sofort unter der Leitung von Martin Schläpfer, präsentiert drei Premieren an der Volksoper, von denen Meyer eine besonders herausgreift: „In Brahms’ ,Ein Deutsches Requiem‘ singt die Solistin Worte, die uns Mut geben: ,Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.'“ Johannes Brahms schuf mit seinem op. 45 eine der ungewöhnlichsten Versionen der Totenmesse: Über alle Grenzen von Religionen, Konfessionen und Nationen wollte er sich erheben und hätte im Titel entsprechend „recht gern auch das ‚deutsch‘“ fortgelassen und „einfach den ‚Menschen‘ gesetzt“. Mit Martin Schläpfers Ballett kommt eines der international erfolgreichsten Werke des neuen Wiener Staatsballett-Direktors am 30. Jänner an die Volksoper.

Hollands Meister: Fitzka, Pokorný, Severi und Yuko Kato. Bild: © Tillmann Franzen

Der Teufel auf Erden: Robert Meyer und Christian Graf. Bild: © Johannes Ifkovits

Promethean Fire: Yuko Kato und Calogero Failla. Bild: © Tillmann Franzen

Davor vereint unter dem Titel „Hollands Meister“ die erste Premiere des Wiener Staatsballetts am 20. September drei Werke der ehemaligen Leiter des Nederlands Dans Theaters, mit dessen Gründung 1959 in der Geschichte des Balletts ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde. „Skew-Whiff “ bedeutet so viel wie „windschief“ und setzt der Fantasie, verschiedenste Fortbewegungen spielerisch auszuprobieren oder aus unsanften Stürzen erhebend komische Situationen zu machen, keine Grenzen: ein großer Spaß des Choreographenduos Sol León & Paul Lightfoot. Hans van Manens Beethoven-Ballett „Adagio Hammerklavier“ ist dagegen in seiner Konzentration und Klarheit ein sublimes Meisterstück. Und Jiří Kylián schuf mit seiner „Symphony of Psalms“ zu Strawinskis gleichnamiger Komposition ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts. In seiner charakteristischen temporeich-fließenden Bewegungssprache entfaltet er eine faszinierende spirituelle Architektur.

Mit der Premiere „Promethean Fire“ präsentiert das Wiener Staatsballett am 15. Mai zwei herausragende Künstler des American Modern Dance: Paul Taylor und Mark Morris. Taylors „Promethean Fire“ soll als direkte Reaktion auf die Anschläge von Nine-Eleven entstanden sein. Und wenn der Choreograph diese konkrete Assoziation später auch wieder zurückzog, so liegt doch eine katastrophische Grundstimmung im Raum: Konflikte brechen aus, Emotionen stoßen aufeinander – am Ende siegt jedoch die Hoffnung in diesem bewegenden Tanzdrama.

Mark Morris bringt dagegen mit seinem wunderbaren Humor neun Beaux auf die Bühne: schöne Männer, echte Kerle, aber auch Kumpel, Kavaliere und unschuldige Engel. Zugleich ist „Beaux“ aber auch ein in seiner Leichtigkeit höchst anspruchsvolles, luzides „Musizieren mit dem Körper“. Der kräftigen Modern Dance-Sprache der beiden Amerikaner antwortet Martin Schläpfer mit zwei Miniaturen: subtile, in feinen Farben leuchtende Bewegungsstudien, ein Programm, das an den äußeren Rändern des Prometheus-Motivs angesiedelt ist, zwischen Hybris und Menschlichkeit, Katastrophe und Schönheit, Schöpfung und Vergänglichkeit.

Im Kasino am Schwarzenbergplatz zeigt die Volksoper am 14. Juni die Österreichische Erstaufführung der berühmtesten Liebesgeschichte der klassischen arabischen Literatur: „Leyla und Medjnun“ in einer Inszenierung von Ruth Brauer-Kvam. Leyla liebt den melancholischen Dichter Medjnun, doch dieser liebt die Liebe an sich. Trennung, Verbannung, eine erzwungene Heirat und ewige Sehnsucht sind ihr Los. Und so ahnt Leyla, dass sie als Geliebte in der Welt von Medjnuns Versen keinen Platz haben wird … Detlev Glanerts Oper wurde 1988 bei der Münchner Biennale für zeitgenössisches Musiktheater uraufgeführt.

Die Komposition besticht – inspiriert von ihrem Sujet – durch ihre lustvolle Synthese von Orient und Okzident, ergänzt sie doch ein klassisches Kammerorchester durch das orientalische Saiteninstrument Ud. Literarische Basis des Werkes ist die gleichnamige Erzählung des persischen Autors Nizami aus dem 12. Jahrhundert. Sagt Glanert: „Es hat einmal jemand behauptet, die Musik ließe sich unterscheiden in Kopf-, Herz- und Bauchmusik. Darf ich in Anspruch nehmen, alle drei zu wollen?“, und Robert Meyer abschließend: „Liebe, Hoffnung, Zusammenhalt – das sind, ohne übermäßiges Pathos zu bemühen, die Botschaften unseres Spielplans.“ Seine Herzensangelegenheit für diese so nahe-ferne Zukunft: „Möge das Publikum, das ist mein inständiger Wunsch, in den Genuss dieses Spielplans kommen!“

Direktor Robert Meyer. Bild: © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

TIPP: Heute Abend stellt Volksopern-Chef Robert Meyer auf ORF III, 19.45 Uhr, in „Kultur Heute Spezial“ der Spielplan der Saison 2020/21 vor. Statements zu den geplanten Produktionen geben Regisseurin Ruth Brauer-Kvam und Regisseur Henry Mason, Chefdramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz, Dirigent Alfred Eschwé sowie der künftige Leiter des Wiener Staatsballetts Martin Schläpfer. Lisa Habermann, Julia Koci und Caroline Frank singen außerdem „There’s gotta be something better than this“ aus der Eröffnungspremiere „Sweet Charity“.

www.volksoper.at           Video: www.youtube.com/watch?v=WgFINKhqJ78

27. 5. 2020