Gerhild Steinbuch entdeckt den Weltraum

Januar 11, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

„Finsternis“: Uraufführung im brut

6285659015_b17b4bf8eb_bAb 15. Jänner zeigt das Kollektiv Freundliche Mitte – Gerhild Steinbuch, Philine Rinnert und Sebastian Straub – ihre jüngste Zusammenarbeit als Uraufführung im brut. „Finsternis“ handelt von einer Entdeckerreise in den Weltraum und in den Kongo und erzählt Geschichten über Pioniergeist und Eroberung. Drei Experten – eine für Raum, eine für Text und einer für Performance – treten in einen Wettstreit um die Herrschaft über eine Geschichte: Im Mai 1978 hebt die „Otrag 2“ von einer Startrampe im Südosten des Kongo ab. Die Rakete ist das Vorzeigeprodukt einer deutschen Firma, die einen Coup der afrikanischen Raumfahrt plant und das Testgebiet wie eine Kolonialmacht verwaltet. Aber nach dreißig Metern Höhe ist der große Traum Geschichte. Oder doch nicht?

In der neuen Arbeit von Rinnert, Steinbuch und Straub vermischt sich das Macht-Spiel und das Entdecken wird zum Einnehmen. Wer bestimmt, in welche Winkel des Weltraums man gemeinsam aufbricht? So entwickelt sich eine Reise ins finstere Herz der Performer, die die eigenen blinden Flecken erkundet – und sie vielleicht gemeinsam neu erzählt.

Über das Kollektiv: Freundliche Mitte wurde 2011 von der Bühnenbildnerin Philine Rinnert, dem Schauspieler Sebastian Straub und der Autorin Gerhild Steinbuch gegründet. Das Kollektiv aus Spiel, Raum und Text arbeitet bewusst ohne die Instanz Regie. Gemeinsame Arbeiten: „Am Schönsten ist das was bereits verschwunden ist“ (steirischer herbst, 2011), „Previously On“ (Garage X, 2014).

brut-wien.at

Wien, 11. 1. 2016

Garage X: Previously on

März 27, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGEr

Das Leben des Herrn P. wird zur Wunderkammer.

p5-1_449Am 2. April wird in der Garage X eine Koproduktion mit Freundliche Mitte uraufgeführt.

In ihrer zweiten gemeinsamen Arbeit Previously on  untersuchen Philine Rinnert / Gerhild Steinbuch / Sebastian Straub Prozesse des (kollektiven) Erinnerns. Dazu schicken sie eine Figur ins Spiel: Herr P. Aber wer ist Herr P. und vor allem wie viele? Welche Geschichte wird hier eigentlich erzählt? Ein Experte für Spiel, eine Expertin für Raum und eine für Text pokern ohne die schlichtende Instanz des Regisseurs um eine Biographie. Das Leben des Herrn P. wird zur Wunderkammer, Herr P zum Speicher, der mit immer neuen Informationen befüllt wird. Damit die Geschichte endlich die richtige Stimme erhält – oder endlich die falsche.

Ein Experte für Spiel, eine Expertin für Raum und Licht und eine Expertin für Sprache erzählen gemeinsam eine Lebensgeschichte: Previously on – Was bisher geschah. Sie untersuchen den Prozess des (kollektiven) Erinnerns, erforschen Gehirne und digitale Speichermedien, sammeln Objekte und laden sie mit Geschichte(n) auf. Ihre Materialien ergänzen sich oder fallen sich ins Wort, sie erzählen dasselbe Ereignis zweimal oder schließen einander aus, spulen vor – und immer wieder zurück, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: das an diesem Abend miteinander Erlebte. Aber ihre Lebensgeschichte wächst ins Unendliche, wird zum Kuriositätenkabinett, zur Wunderkammer, in der die Expert_innen verschwinden. Drei Menschen im Kuratoren-Wettstreit um eine Biographie: Wer führt hier wen? Und wessen Geschichte wird hier eigentlich erzählt? Die Expert_innen greifen live in den Verlauf des Abends ein und fördern immer neues Material zutage: Die Wunderkammer als Installation ist nicht nur Relikt, sondern auch Neuinterpretation moderner Archive und digitaler Speichermedien, eine offene Theaterkulisse, die verwandelt und umgekehrt werden kann. Damit die Geschichte endlich die richtige Stimme erhält – oder endlich die falsche.

www.garage-x.at

Wien, 27. 3. 2014