Dora Deliyska: Mit ihren „Danzas“ im Porgy & Bess

April 29, 2016 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Tänze von Bizet und Piazzolla bis Breinschmid

 Dora Deliyska. Bild: Nancy Horovitz

Dora Deliyska. Bild: Nancy Horovitz

Bisher lagen vor allem die Partituren großer Romantiker auf Dora Deliyskas Konzertflügel: Schumann, Schubert, vor allem Franz Liszt. Doch es war zu erwarten, dass sich eine energie- und emotionsgeladene Pianistin wie sie früher oder später der Tanzmusik widmen würde. Das Ergebnis liegt nun vor, in Form der CD „Danzas“, erschienen bei Gramola und vorgestellt beim Konzert „Dora & Friends“ am 4. Mai im Porgy & Bess.

Deliyska hat exquisite und im Konzertsaal selten zu hörende Stücke zusammengestellt, musikalische Schätze, die bislang oft im Verborgenen geblieben waren. Dazu zählen das spanische Tanzkolorit eines Georges Bizets, verarbeitet von Greg Anderson in seiner „Carmen Fantasy“ für zwei Klaviere, „Le grand Tango“ von Astor Piazzolla in einer Fassung für Viola und Klavier, Béla Bartóks „Tänze im Bulgarischen Rhythmus“ oder die drei Danzas argentinas von Alberto Ginastera. Deliyska, die bekennende musikalische Grenzgängerin, schickt den Zuhörer leidenschaftlich und hochvirtuos auf eine Entdeckungsreise durch die temperamentvolle Welt des Tanzes. Nicht zuletzt stehen der Tango von Igor Stravinsky, hier in einer Bearbeitung für Violine und Klavier, und „Balkandrom“ von Georg Breinschmid auf dem Programm.

cover1Damit bei letzterem der Groove stimmt, ansonsten so lyrisch zart wie an anderer Stelle kraftvoll musiziert wird, hat sich Dora Deliyska ein paar besondere Tanzpartner für ihr Projekt auserkoren: Luca Monti am Klavier, Yury Revich und Florian Willeitner mit den Violinen, Nora Schwarzberg mit der Viola, und Georg Breinschmid am Bass begleiten sie. Das Klassik-Magazin „Pizzicato“ kürte „Danzas“ übrigens bereits zu „einer der spektakulärsten Klavierplatten, die in letzter Zeit produziert wurden“. Das Live-Konzert dazu am kommenden Mittwoch sollte man keineswegs versäumen! Vor allem Stravinsky arrangiert von Samuel Dushkin ist ein höchster Genuss.

Danzas: Dora and friends. Anderson / Bartók / Piazzolla / Stravinsky / Ginastera Deliyska / Monti / Schwarzberg / Revich / Breinschmid. Erschienen bei Gramola.

Zur Künstlerin:

Geboren und aufgewachsen ist Dora Deliyska in der nordbulgarischen Stadt Pleven. Von ihrer Mutter, einer Opernsängerin, hat sie die Musikalität und die Liebe zur Bühne geerbt. Mit fünf Jahren bekommt Deliyska ihren ersten Klavierunterricht, später probiert sie sich an der Geige, singt im Chor, tanzt Ballett und spielt Theater. Mit Zwanzig zieht es die Künstlerin nach Wien, wo sie an der Musikuniversität studiert. 2008 erscheint das erste Soloalbum der Pianistin mit Werken von Franz Liszt, drei Jahre später folgt das umjubelte Debüt im Wiener Musikverein. Längst zählt Deliyska zu den wichtigsten Liszt- und Schubertinterpretinnen ihrer Generation und gastiert regelmäßig in den großen Konzertsälen Europas und Asiens.

doradeliyska.net

www.gramola.at

www.porgy.at

Wien, 29. 4. 2016

wennessoweitist: Ganymed goes Europe

Februar 27, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Rückkehr ins Kunsthistorische Museum

Péter Esterházy Bild: khm

Péter Esterházy
Bild: khm

Mit ihren Produktionen „Die Reise“ (über Migranten-) und „Das Kind“ (über Kinderschicksale) am Volkstheater haben Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf alias „wennessoweitist“ berührt. Ebenso mit dem Kinderschlepperdrama „fly ganymed“. Der größte bisherige Erfolg des Theaterpaares war aber „Ganymed Boarding“ im Kunsthistorischen Museum. Nun wird das Projekt ab 12. März mit Kornmüllers neuer Inszenierung „Ganymed goes Europe“ fortgesetzt. 14 AutorInnen – darunter Péter Esterházy, Maja Haderlap und Josef Winkler – wurden eingeladen, Texte über Meisterwerke der Gemäldegalerie zu schreiben, um neue Sichtweisen auf Alte Meister zu eröffnen. Ein Ensemble aus 23 SchauspielerInnen, TänzerInnen und Musikern erweckt Bild und Betrachtung zu neuem Leben. Die BesucherInnen werden beim Rundgang durch das Museum in ein theatrales Zwischenreich gezogen und entscheiden selbst, wie lang sie wo verweilen. An jedem der Abende werden alle Stücke zeitgleich und mehrmals hintereinander aufgeführt. Partnerländer der Produktion sind Polen und Ungarn.

Die AutorInnen: Lajos Parti-Nagy, Milena Michiko Flasar, Klemens Lendl, Anna Kim, Maja Haderlap, Peter Esterhazy, Doron Rabinovici, Martin Pollack, Josef Winkler, Johanna von Doderer und Franz Schuh.

Die SchauspielerInnen, MusikerInnen, TänzerInnen: Mercedes Echerer, Nicole Heesters, Judith Aguilar, Frieda Lovisa Hamann, Hans Dieter Knebel, Katharina Stemberger, Janos Kulka, Bert Oberdorfer, Peter Wolf, Nicola Djoric, David Oberkogler, Die Strottern, Nicola Djoric, Yury Revich und Pál Szepesi.

www.wennessoweitist.com

www.khm.at/ganymed/

„Die Reise“: www.mottingers-meinung.at/kein-theater-die-wirklichkeit/

Interview mit Jacqueline Kornmüller: www.mottingers-meinung.at/urauffuhrung-von-das-kind-am-wiener-volkstheater/

„Das Kind“: www.mottingers-meinung.at/das-kind-am-volkstheater/

„fly ganymed“: www.mottingers-meinung.at/bedruckendes-stuck-uber-kinderschlepperbanden/

Wien, 27. 2. 2014