Thomas Arzt: Uraufführung in Linz

Mai 9, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

„Werther lieben“ im Theater Phönix

David Fuchs, Markus Hamele, Felix Rank, Isabella Szendzielorz und Katharina von Harsdorf. Bild: © Christian Herzenberger

David Fuchs, Markus Hamele, Felix Rank, Isabella Szendzielorz und Katharina von Harsdorf. Bild: © Christian Herzenberger

Am 12. Mai wird im Linzer Theater Phönix das neue Stück von Thomas Arzt uraufgeführt. Titel: „Werther lieben“. Ausgehend von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ erzählt Arzt mit der Sprache und den Mitteln der Gegenwart von den Ängsten und Sehnsüchten einer Generation, die gelernt hat, ihren eigenen Mittelschichtsträumen zu misstrauen.

Charlotte findet sich in emotionalem Aufruhr zwischen zwei Männern wieder. Ihr Verlobter Max ist selbstbewusst, karriereorientiert, heimatverbunden und dennoch weltgewandt. Seine Souveränität geht so weit, dass er Charlottes Leben genauso mitbestimmt, wie er die immer neuen Umbauten an ihrem gemeinsamen Haus plant. Verlockend anders scheint da der neue Nachbar Ulrich, der sich gegen zu viel Sicherheit in seinem Leben sträubt, gerade eine verfallene Mühle auf dem Land gekauft hat, die Umbauarbeiten aber neben seiner Dissertation nur halbherzig vorantreibt und lieber mit dem Gedanken spielt, sich für internationale Entwicklungsarbeit zu bewerben. Plötzlich scheint Charlottes ganzes Leben auf dem Prüfstand zu stehen … „Ich find ja, sie verleitet zur Hysterie. Die Liebe. Immer alle nur hysterisch.“

Es inszeniert Johannes Maile, es spielen David Fuchs, Markus Hamele, Felix Rank, Isabella Szendzielorz und Katharina von Harsdorf.

Autor Thomas Arzt. Bild: © Nina Grünberger

Autor Thomas Arzt. Bild: © Nina Grünberger

Zum Autor:

Geboren 1983 in Schlierbach, Oberösterreich. Lebt als freier Autor mit seiner Frau in Wien und in Flensburg an der Ostsee. 2008 entstand sein erstes Theaterstück „Grillenparz“ im Rahmen des Autorenprojekts „stück/für/stück“ am Schauspielhaus Wien. Es wurde mit dem von der Literar-Mechana gestifteten Hans-Gratzer-Stipendium ausgezeichnet und im April 2011 am Schauspielhaus Wien uraufgeführt, wo Thomas Arzt in der Spielzeit 2010/2011 als Hausautor arbeitete. Für sein zweites Stück „Alpenvorland“ erhielt er im selben Jahr den Autorenpreis am Heidelberger Stückemarkt. Nach Aufführungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz wird das Stück 2016 am 2. Internationalen Autorenfestival in Buenos Aires gezeigt. Weitere Arbeiten entstanden in den vergangenen Jahren u. a. für die Wiener Festwochen, das Volkstheater, das Schauspielhaus Graz und das Landestheater Linz. Zuletzt war 2014 am Schauspielhaus Wien „Johnny Breitwieser“ zu sehen, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=12355, und im Jänner diesen Jahres „Totes Gebirge“ am Theater in der Josefstadt, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=17064.

www.theater-phoenix.at

www.thomasarzt.at

Wien, 9. 5. 2016

Theater Phönix: Er ist wieder da

November 23, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Harald Gebhartl holt Adolf Hitler wieder nach Linz

Markus Hamele, Simon Jaritz, David Fuchs, Felix Rank und Emese Fáy Bild: © Christian Herzenberge

Markus Hamele, Simon Jaritz, David Fuchs, Felix Rank und Emese Fáy
Bild: © Christian Herzenberger

In den heimischen Kinos ist Burgschauspieler Oliver Masucci zurzeit als untoter „Führer“ zu sehen www.constantinfilm.at/kino/er-ist-wieder-da.html, ab 26. November heißt es auch am Linzer Theater Phönix „Er ist wieder da“. Linz übernimmt die österreichische Bühnen-Erstaufführung nach dem gleichnamigen Debütroman von Timur Vermes. Dieser ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte, das seit seinem Erscheinen die Bestsellerlisten stürmt. Phönix-Chef Harald Gebhartl hat die Fassung geschrieben und führt Regie.

Gezeigt wird der unaufhaltsame „Aufstieg des vermeintlichen Comedians Adolf Hitler“: Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Aber unter Tausenden von Ausländern. Eine gefühlte Ewigkeit nach seinem vermeintlichen Ende strandet er in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten der Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? Oder plant Hitler seine Rückkehr an die Macht? Ist er wieder da?

In Gebhartls Inszenierung führt der Siegeszug natürlich nach Linz, in die „fünfte Führerstadt“. Hier entschloss sich Hitler den „Anschluss“ vollständig zu vollziehen, er übernahm sogar die „Patenschaft“ für die Stadt. Hitler, der in Linz die Schule besucht hatte, beabsichtigte, dort einmal seinen Ruhestand zu verbringen. Es folgten Ausbaupläne von Albert Speer und der „Sonderauftrag Linz“, heißt: die Sammlung geraubter Kunstwerke an diesem einen Ort. Gebhartls Dramatisierung hat Timur Vermes offenbar so gefallen, dass der Theatermacher „schon nach zwei Stunden“ eine retourgemailtes Ja bekam, nachdem er dem Autor seine Idee vorgestellt hatte. „Phönix-Dramaturgin Sigrid Blauensteiner und ich sind überzeugt, dass es ein starker Theater-Stoff ist und auch sehr aktuell, was Medien und deren Oberflächlichkeit betrifft. ‚Er ist wieder da‘ ist auch eine Medien-Satire“, sagt Gebhartl im Gespräch mit den Oberösterreichischen Nachrichten.

Es spielen Simon Jaritz (Hitler), das Phönix-Ensemble David Fuchs, Felix Rank, Rebecca Döltl und Markus Hamele und als Gäste Sina Heiss, Sabrina Rupp und Emese Fáy.

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Wien, 23. 11. 2015

Susanne Lietzow inszeniert in Linz und Feldkirch

September 8, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Theater Phönix: Leonce und Lena

Projekttheater: Foxfinder

Julia Jelinek, Felix Rank, Rebecca Döltl Bild: © Marie Luise Lichtenthal

Julia Jelinek, Felix Rank, Rebecca Döltl
Bild: © Marie Luise Lichtenthal

Susanne Lietzow ist zurzeit in Oberösterreich und in Vorarlberg als Regisseurin zugange. Am Linzer Theater Phönix bringt sie am 10. September Georg Büchners virtuoses Spiel „Leonce und Lena“ auf die Bühne. Sein 1836 verfasstes einziges Lustspiel ist ein absurd-romantisches Märchen, eine bitterböse Satire über die politischen und sozialen Verhältnisse seiner Zeit. Eine Persiflage auf die Weltfremdheit und Dekadenz eines elitären Standes, der es sich leisten kann, sich Langeweile zum Problem zu machen, während das Volk schuften muss, um zu überleben. Das Theater Phönix sieht in Büchners Kritik an der Ausbeutung des Menschen durch den Staat und das Feudalsystem durchaus Parallelen zu den Zuständen unserer Zeit. Es gehe um eine „No-Way-Out-Generation, die sich in einer ausweglosen Situation befindet“, so die Regisseurin. Das Stück habe „sowohl eine romantische als auch eine politische Seite in einer einzigartigen Sprache, die direkt unter die Haut geht.“

Julia Jelinek, die gleichzeitig in den österreichischen Kinos im Film „Der Blunzenkönig“ an der Seite von Karl Merkatz zu sehen ist, wird die Prinzessin Lena verkörpern, die vor der arrangierten Ehe mit Prinz Leonce flüchtet und sich inkognito dennoch in ihn verliebt. Phönix-Stammspieler David Fuchs wird den Prinzen Leonce spielen. Außerdem zu sehen: Rebecca Döltl, Tänzer und Choreograf Daniel Feik, neu im Phönix-Team: Markus Hamele, Klaus Huhle („Ihm laufe ich schon seit vier Jahren nach!“, sagt Lietzow), Sebastian Pass und Felix Rank. „Leonce und Lena“ spielt diesmal auf Kunsteis – und das Schauspielteam auf Eislaufschuhen. Dafür gab es Unterricht vom Linzer Eiskunstlaufverein.

Am 17. September folgt am Projekttheater Susanne Lietzows Inszenierung von Dawn Kings „Foxfinder – Zeit der Füchse“. In ihrem preisgekrönten Stück zeichnet die britische Autorin eine raffiniert-groteske Parabel auf den Überwachungsstaat. Eine aberwitzige Ausgangssituation, überzeichnete Figuren und pointierte Stakkato-Dialoge machen „Foxfinder“ zu einem Stück wie gemacht für das Ensemble des Projekttheaters. Den Menschen geht es schlecht. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Missernte sorgen für Unmut und Verzweiflung in einer ländlichen Gegend irgendwo in England. Ein Feindbild muss her. Der Fuchs. Er verseucht die Bauernhöfe, beeinflusst das Wetter, manipuliert Träume und Verstand und tötet unschuldige Kinder – predigt der staatliche beauftragte „Foxfinder“ William Bloor, gespielt von Rafael Schuchter. Er platzt in die Welt des Ehepaars Samuel (Marc Fischer) und Judith Covey (Martina Spitzer) und der Nachbarin Sarah (Maria Hofstätter). Das Ehepaar Covey, geschockt vom plötzlichen Tod des Sohnes und verzweifelt wegen der schlechten Ernte, wird zur Zielscheibe des Foxfinders. Gespielt wird am magischen Ort der Johanniterkirche Feldkirch.

Im Februar/März 2016 kommt die Produktion als Gastspiel ins Theater Nestroyhof Hamakom.

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Wien, 8. 9. 2015

Theater Phönix Linz: The Lyons

Februar 18, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Hakon Hirzenberger inszeniert Nicky Silver

Bild: Christian Herzenberger

Bild: Christian Herzenberger

Am 20. Februar hat am Theater Phönix in Linz „The Lyons“ von Nicky Silver Premiere. Hakon Hirzenberger inszeniert die schwarze Komödie. Inhalt: Ben Lyons liegt im Sterben, den Krebs wird er nicht mehr besiegen. Nun ist seine Familie noch einmal zusammengekommen, um dem Patriarchen Adieu zu sagen. Aber von Abschiedsschmerz kann keine Rede sein, dem baldigen Ableben des Familienoberhaupts sieht man eher mit Gleichgültigkeit, Bitterkeit und Wut entgegen. Nach einer langen lieblosen Ehe freut sich Rita Lyons nun darauf, die alten Möbel aus dem Haus zu werfen und es neu zu dekorieren. Sohn Curtis’ Verhältnis zum Vater ist sowieso schon lange zerrüttet, er ist homosexuell und erfolglos und damit eine einzige Zumutung für Ben. Dass Tochter Lisas Ehe am Alkohol und an häuslicher Gewalt gescheitert ist, würde man da lieber nicht auch noch erwähnen. Aber so einfach geht Ben Lyons nicht ab. Einmal noch werden die alten Kämpfe ausgefochten, offene Rechnungen aufgemacht und Lebenslügen entlarvt –, erst dann ist Ben Lyons Leben zu Ende. Doch für die anderen geht die ewige Suche nach Liebe jetzt erst richtig los. Mit „The Lyons“ schaffte Nicky Silver, einer der wichtigsten amerikanischen Dramatiker seit den 90er Jahren, 2012 erstmals den Sprung an den Broadway.

1960 in Philadelphia geboren, zählt der Autor Nicky Silver heute zu den bekanntesten und erfolgreichsten Vertretern des amerikanischen Boulevardtheaters. Seine pointenreichen, häufig überzeichneten Stücke beziehen sich auf chaotische Familienverhältnisse, Inzest, homosexuelle Beziehungsdramen und andere Katastrophen. Prägend wirkte nach eigenen Aussagen Silvers Herkunft aus einer jüdischen Familie, der Vater Finanzmakler, die Mutter sozialengagierte Pharmareferentin. Durch seine jüdische Herkunft und seine Homosexualität erlebte er sich immer wieder in belastenden Außenseiterpositionen. 1977 ging Silver nach New York, wo er sich in den Studiengang Experimentelles Theater einschrieb, zahlreiche Stücke verfasste und an kleinen Bühnen selbst inszenierte. Seit 1988 werden seine Stücke gespielt, seit 1993 hat er sich endgültig am Off-Broadway durchgesetzt. Die New York Times bezeichnete ihn als „New York’s newest wunderkind, fast-talking 35 year old Nicky Silver – a cause to celebrate“. 1994 erhielt er für „Pterodactylus“ den Kesselring – sowie den Oppenheimer Preis. Nicky Silver lebt als freischaffender Dramatiker in New York. In der Regie von Hirzenberger spielen: Clemens Aap Lindenberg, Ingrid Höller, Judith Richter, Felix Rank, Betty Schwarz und David Fuchs.

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Wien, 18. 2. 2014

Theater Phönix Linz: „Höllenangst“

Oktober 22, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine herrliche Nestroy-Posse

Foto: Christian Herzenberger

Foto: Christian Herzenberger

Am Linzer Theater Phönix ist derzeit Nestroys „Höllenangst“ zu sehen. In einer großartigen Inszenierung von Susanne Lietzow. Inhalt: Wie einfach es die Reichen haben und wie schwer das Leben der Armen ist, darüber könnten sich Wendelin und sein alter Vater Pfrim stundenlang echauffieren. Sie leben in bitterer Armut, während der geldgierige Herr von Stromberg „Goldstickereien am Frack“ trägt. Seit Stromberg den gütigen Herrn von Reichthal, der die arme Schusterfamilie unterstützt hatte, verleumdet und ins Gefängnis gebracht hat, ist alles noch schwieriger geworden. Und nun hat Wendelin auch seinen Job als Gefangenenwärtergehilfe verloren, weil er dem unschuldigen Reichthal zur Flucht verholfen hat. Als Wendelin und sein Vater sich heute so richtig in Rage reden über die Ungerechtigkeit dieser Welt, geht es mit Wendelin durch: er beschwört den Teufel zu erscheinen. Denn „der Teufel is überhaupt nicht das Schlechteste, ich lass‘ mich lieber mit ihm als mit manchem Menschen ein.“ Und: „Satan, Teufel, Mephisto … erschein‘! Erschein‘!!!“ Da schwingt mit einem Donnerschlag eine dunkle Gestalt im langen Mantel herein, drückt Wendelin einen Stapel Geldscheine in die Hand und fordert ihn zum Kleidertausch auf. Der Preis sei „das Seelenheil eines Menschen“. Tatsächlich ist der Fremde nicht der Teufel, sondern nur Oberrichter von Thurming, der sich vom Dach seiner heimlichen Geliebten Adele, der Nichte von Stromberg und Reichthal, davonstahl. Auch wenn Wendelin keine Ahnung von dessen wahrer Identität hat – er hat ab jetzt einen sehr mächtigen Freund …  „Höllenangst“ ist eine dunkle Komödie voller unbändiger Energie und archaischem Witz. Geschrieben im nahen Eindruck der Revolution von 1848 zeigt sie, wie schwer es ist, eine neue gesellschaftliche Ordnung zu etablieren. Endlich setzt sich ein bisschen Gerechtigkeit durch, schon wächst die Paranoia, es mit dem Teufel zu tun zu haben.

Es spielen: Peter Badstübner, David Fuchs, Lisa Fuchs, Matthias Hack, Sebastian Pass, Felix Rank, Judith Richter und Gilbert Handler.

Eine Empfehlung!

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Trailer: www.youtube.com/watch?v=kGh-D1Za2yE&feature=player_embedded

Wien, 22. 10. 2013