Achtung, Spoiler!

Mai 10, 2013 in Film

Nicht jeder, der glaubt, er Khan – kann.

Chefmaschinist Scotty (kauzig-komisch: Simon Pegg) hat Recht. Er verlässt die Enterprise nach wenigen Minuten. Samt seinem außerirdischen Gnom. Man sei doch ein Forscherraumschiff, der Weltraum, unendliche Weiten  und so  – und jetzt würden ihm Raketen mit Sprengköpfen im Warp-Heiligtum deponiert, ohne, dass er sie scannen dürfe. So nicht. Genau.

Benedict Cumberbatch als john Harrison alias Bösewicht Khan Bild: Paramount Pictures

Benedict Cumberbatch als John Harrison alias Bösewicht Khan
Bild: Paramount Pictures

„Star Trek Into Darkness“ läuft seit Christi Himmelfahrt in den Kinos und ist … ja eh … in 3D. Gerüchten zufolge soll J. J. Abrams, oberster Sternenflottler und zurzeit amtierender Regisseur, aber ab Teil drei nur noch als Produzent tätig, als Kind die TV-Serie mit Kirk und Co. gehasst haben. Zugegeben, das musste man mögen, wenn William Shatner mit eingezogenem Bauch und vorgeschobenen Schultern über die Plastikbrücke wankte, aber: Die wirklich guten Schauspieler Chris Pine (Kirk), Zachary Quinto (Spock), Karl Urban (Dr. McCoy) oder Zoe Saldana (Uhura) als junge, neue Crew haben es sich nicht verdient, dass ihr zweites Abenteuer nicht mehr als ein müder Abklatsch von „Der Zorn des Khans“ (1982) ist. Da setzt man wohl darauf, dass die junge, neue Generation an Sci-Fi-Fans Ricardo Montalbán – wunderbar mit blonder Camilla-Parker-Bowles-Frisur und hellbrauner, die durchtrainierte Brust betonende Strick-Leder-Weste – ohnedies nicht mehr kennt. Schwache Vorstellung, Mr. Abrams!

Was an Ideen punkto Handlung fehlt, macht man mit Action wett. Materialschlacht folgt auf Weltraumschießerei folgt auf Prügelei folgt auf … Computeranimation kann heute wirklich ALLES. Die Föderation ist militärischer geworden, in chicen grauen Uniformen mit Kappe, für Gene Roddenberry selig, der in seinem Universum die Botschaft von Völkerverbindung und möglichem Frieden verbreiten wollte, wahrscheinlich eine Dystopie. Kein Wunder, dass das Schiff, auf das Spock kurzfristig strafversetzt werden soll, U.S.S. Bradbury heißt (vom US-Fantasten Ray Bradbury stammen die berühmten „Mars-Chronken“, ein sozialkritisches Werk darüber, wie die Menschen durch die Kolonialisierung des Mars die dortigen friedlichen „Ureinwohner“ erst in Reservate sperren, dann ganz auslöschen. Sein mit Oskar Werner verfilmter Roman „Fahrenheit 451“  gehört zu den pessimistischten Zukunftsbildern des 20. Jahrhunderts).

Aber „Star Trek Into Darkness“ hat auch seine guten Seiten. Zum Beispiel, dass Abrams die Mischung aus Weltraumwestern und Buddie-Movie beibehalten hat. Am Ende nennt Spock seinen Captain erstmals Jim. Die Selbstironie von Charakteren wie „Pille“ oder Scotty. Die Tatsache, dass die Lovestory zwischen Uhura und Spock nicht nur vertieft wird, sondern Frau Lieutenant Uhura selbstverständlich Crewmitglied bei einem Außenkommando ist und sehr forsch-emanzipiert mit den Klingonen verhandelt. Zum Beispiel, dass Nebenrollen aus Shatner-Zeiten, wie die Navigatoren Mr. Chekov und Mr. Sulu, aufgewertet wurden. Und ihre Darsteller Anton Yelchin und John Cho dieser Aufgabe mehr als gerecht werden. Und natürlich den großartigen, reptiliengleichen, manipulativen Terroristen John Harrison alias Khan alias Benedict Cumberbatch. Der BBC-Sherlock-Holmes spielt seinen Part mit einer Kälte, einer Emotionslosigkeit, einer Logik, dass selbst Spock die Ohren spitzt. Klar, dass der Bösewicht am Schluss den Kürzeren zieht, aber Auskenner wissen:  Khan, diesen durch Gentechnik optimierten Supermenschen, wird man nicht das letzte Mal begegnet sein.

Star Trek neu ist ja noch in der Genesis (ein Insidergag, bei Nichtverstehen bitte nachfragen!). Also kann man ruhig auf Buch drei warten. Vielleicht schwebt dann der Geist über dem All. Diesmal nämlich demoliert nicht Spock, sondern Held Kirk zur Rettung der Enterprise den Reaktorkern. Und während weiland Leonard Nimoy einen grauenhaften – weil radioaktiv verseucht – Tod starb, vor dem er „Pille“ per Gedankenverschmelzung noch über seine Wiedergeburtspläne informierte, liegt Kirki anno 2013 vom Khan-Blut gerettet im Krankenbettchen und ist schon bald wieder der gleiche lustige alte, äh, junge.

Immerhin: Damit erspart man einem – hoffentlich als weiteren Aufguss – „Die Suche nach Mr. Spock“. Es können eben nicht alle dorthin, wo noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist …

www.mottingers-meinung.at/star-trek-into-darkness/

Von Michaela Mottinger

Wien, 10. 5. 2013

Star Trek Into Darkness

Mai 6, 2013 in Film

Spitzt die Ohren!Star-Trek-Into-Darkness

Sternenflottennachricht Nr. 1.: Schreiberlinge, die den Unterschied zwischen der Bezeichnung „Trekkies“ und „Trekkern“ nicht kennen, mögen es BITTE unterlassen über Gene Roddenberrys Universum zu berichten. Man mag vielleicht einen klingonischen Bird of Prey nicht von einem romulanischen Warbird unterscheiden können, auch schon schlimm, aber das geht zu weit!

Sternenflottennachricht Nr. 2.: Am 9. Mai startet in den Kinos der zweite Film mit der jungen Crew: „Star Trek Into Darkness“. Viel hat J. J. Abrams, der nicht nur neuer Regisseur auf der Brücke der Enterprise, sondern auch frisch gebackener „Star Wars“-Imperator ist (ungefähr gleichbedeutend, als müssten sich Rapid und Austria ein Umkleidekammerl teilen), weshalb Ur-Jim William Shatner Abrams auch als „Schwein“ bezeichnet haben soll, noch nicht über das zwölfte Kinoabenteuer von Kirk und Co. verraten: Ein psychopathischer Terrorist namens John Harrison (TV-„Sherlock“ Benedict Cumberbatch in der Rolle, für die lange Zeit Benicio Del Toro vorgesehen war, und angeblich der alte Klassiker „Khan“) will einen Vergeltungskrieg gegen die Föderation führen. Als Ablenkungsmanöver jagt er ein belangloses Archiv in die Luft, als alle Würdenträger sich ob der Tat versammeln, hat er sie. Oder so. Die Enterprise erobert derweil laut Vorspann Galaxien, in die nie zuvor ein Mensch vorgedrungen ist. Und in diesen unendlichen Weiten hat Kirk (Chris Pine) gerade viel Spaß mit zwei ringelschwänzigen Damen, als der Notruf kommt. Natürlich tut Kirk das Richtige, aber nichts nach Vorschrift, was zur nächsten Beziehungskrise mit Spock (Zachary Quinto) führt. Man ist hier ja schließlich in einer Mischung aus Weltraum-Western (Final Frontiers …) und Buddie-Film: der Heißsporn und der Analytiker. Bekannt ist noch, dass Uhuras (Zoe Saldana) Liebe zu Spock intensiver dargesteller sein soll. Das wäre neu! Denn im TV war Uhura noch Krik zugetan, was 1968 zum ersten via Flimmerkiste gezeigten schwarzweißen Kuss führte. Und, dass Benedict Cumberbatch saugut sein soll. Das wäre nur logisch!

Mehr dazu demnächst in der Filmkritik von www.mottingers-meinung.at. Mit von der Partie sind natürlich wieder auch der unvergleichliche Simon Pegg als Scotty, „Pille“/“Bones“ Karl Urban, John Cho als Mr. Sulu und Anton Yelchin als Pavel Chekov. Er war Abrams größtes Verdienst am 2009er Star Trek, dass alle Charaktere so gut gecastet waren, dass man sie sich als spätere/eigentlich frühere William Shatner, Leonard Nimoy (der ja zeitschleifig auch mitmischt), De Forest Kelley, James Doohan, George Takei, Nichelle Nichols oder Walter Koenig vorstellen konnte.

„Star Trek Into Darkness“ ist ein Film in 3D. Und darin liegt vielleicht die größte Gefahr für den Sci-Fi-Film. Dass zwischen Action, Spezialeffekten und Materialschlacht nicht die Selbstironie der 60er-Jahre-Fernsehserie auf der Strecke bleibt. Und Gene Roddenberrys, Im Zweiten Weltkrieg Bomberpilot in der US-Air Force, humanitäre Botschaft von Toleranz und Frieden zwischen den Völkern. Sein Captain Kirk ging zwar keiner schönen Frau und keiner Schlägerei aus dem Weg, aber, wenn’s hart auf hart kam, hieß es immer: Phaser auf Betäubung. Hoffentlich muss Jim nicht bald Gliedmaßen mit einem Lichtschwert abtrennen …

paramount-kino-newsroom.de

www.startrekmovie.com

Trailer: www.youtube.com/watch?v=rdZuqozLiUs&feature=youtu.be

Von Michaela Mottinger

Wien, 6. 5. 2013