mumok – Nikita Kadan: Project of Ruins

Juni 27, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Ukrainer stößt die Sowjetkunst vom Sockel

Nikita Kadan: Victory (White Shelf), 2017. Courtesy: Nikita Kadan / Transit Gallery, Mechelen / GRAD Gallery, London. Bild: Natalia Tarasova, © Nikita Kadan

Ab heute zeigt das mumok Arbeiten des ukrainischen Künstlers, Autors und politischen Aktivisten Nikita Kadan. Kadan, geboren 1982, setzt sich in seiner Arbeit mit den gesellschaftspolitischen Entwicklungen in seiner Heimat auseinander. Dabei erweist er sich in seinen Installationen, Objekten, Zeichnungen und Videos als kritischer Beobachter und Interpret sowohl der Umbrüche als auch der Zusammenhänge zwischen kommunistischer Vergangenheit und neoliberaler Gegenwart.

Im Zentrum der Ausstellung „Project of Ruins“ steht seine Auseinandersetzung mit der Rolle avantgardistischer Kunst in der Ukraine während der Sowjetzeit und deren gegenwärtige Bedeutung und Rezeption. Kadan lässt statuenlose Sockel wie gebirgsartige Formationen bis unter die Decke des Schauraums ragen. Er formt in seiner Installation im mumok die heldenbestückten Sockelskulpturen aus der Sowjetzeit in skulpturale Sockel ohne Helden um und verdeutlicht damit die Verdrängung des politischen Erbes in der Ukraine anhand der Zerstörung kommunistischer Denkmäler.

Der Ausstellungstitel verweist auf diese gezielte Vernichtung als politisches Projekt und lässt sich ebenso auf die künstlerische Thematisierung dieser Entwicklung beziehen. Die nach dem Ende der Sowjetunion einsetzende und seit 2015 durch die Dekommunisierung staatlich sanktionierte Denkmalzerstörung ist im Zusammenhang mit der russischen Aggression auf der Krim und in der Ostukraine zu sehen. Dort werden von prorussischen Kräften ukrainische Denkmäler eliminiert, um die nationale Identität des Landes zu unterminieren. Der Krieg zwischen der Ukraine und Russland vollzieht sich auch auf der symbolischen Ebene mit brachialer Härte, er verdunkelt nicht nur die Gegenwart, sondern droht auch die historische Realität zu überschatten.

Denn der Blick zurück ist mit einer undifferenzierten Verurteilung der kommunistischen Vergangenheit als Synonym für die sowjetische Diktatur verbunden. Diese Blickverengung auf die Geschichte sowie die naive Glorifizierung der Gegenwart stellt Kadan mit seiner künstlerischen und agitatorischen Arbeit zur Diskussion. Er erinnert nicht nur an die sowjetkritischen und antistalinistischen Aspekte innerhalb des historischen Kommunismus, sondern auch an die avantgardistischen Facetten jener propagandistischen Monumente, die nun von Zerstörung bedroht sind.

Ausstellungsansicht Project of Ruins – Nikita Kadan: The Broken Pole II, 2019. Bild: Klaus Pichler, © mumok

Ausstellungsansicht Project of Ruins – Nikita Kadan: The Broken Pole I, 2019. Bild: Klaus Pichler, © mumok

Um die Bedeutung der ukrainischen Avantgarde innerhalb der konstruktivistischen Moderne hervorzukehren, bezieht sich Kadan auf zwei historische Leitfiguren: Ivan Kavaleridze und Vasyl Yermilov. Während Kavaleridze sowohl als Autor und Regisseur im filmischen Bereich wie auch als Schöpfer monumentaler Propagandaskulpturen in der Ukraine bekannt wurde, gilt Yermilov als Zentralfigur des ukrainischen Konstruktivismus und als Mitbegründer einer dem deutschen Bauhaus vergleichbaren Künstlerwerkstatt. Werke beider Künstler werden von Kadan zitiert und transformiert: von Kavaleridzes Monumenten, die zum Teil ohnehin schon von den Nazis und den Stalinisten demoliert wurden, reproduziert er raumhohe Sockel, lässt aber die Figuren weg. Ein Revolutionsdenkmal Yermilovs arbeitet er in eine Skulptur um, die statt der einstigen buntfarbigen Politsymbole einem düsteren Kriegsrelikt aus jüngster Zeit als Postament dient.

Kadans Umdeutung von Monumenten kommt einem Denkmalsturz gleich, der gegen die Verdrängung der Geschichte gerichtet ist und zugleich den Bezug zur Gegenwart herstellt. In ihr verbindet sich die Simplifizierung und Instrumentalisierung von Geschichte mit einem neoliberalen Profitstreben, das der weiteren Entsolidarisierung und Fragmentierung innerhalb der Gesellschaft Vorschub leistet. Neben der russischen Bedrohung ist das soziale Vakuum, das im Postkommunismus entstanden ist, jener Nährboden, den Kadan als Katalysator nationalistischer Vergangenheitsverklärung ausmacht und thematisiert.

Postkarte vom Denkmal für Taras Shevchenko in Poltawa, Ukraine, 1925. Bild: © Boris Tristan, 1957.

Ausstellungsansicht Project of Ruins – Nikita Kadan: The Red Mountains, 2019. Sockelrekonstruktion vom Taras Schewtschenko Denkmal, Poltawa, Ukraine, 1925. Bild: Klaus Pichler, © mumok

Nikita Kadan ist Mitglied der Künstlergruppe R.E.P./Revolutionary Experimental Space sowie Mitbegründer des Künstlerkomitees und der Aktivistengruppe Hudrada. Als kunstpolitischer Aktivist arbeitet er auch mit Architekten, Soziologen und Menschenrechtsaktivisten zusammen.

Video:

 

www.mumok.at

27. 6. 2019

The Florida Project

März 17, 2018 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Jenseits von Disney World

Bild: © Thimfilm

Die Touristen, die aus Brasilien angereist sind, um Micky Maus und Co. zu sehen, hat es irrtümlich in die falsche Herberge verschlagen. Kissimmee statt Disney World – eine Zumutung. Man reagiert entsetzt. „Das ist ein Motel für Arme“, stammelt der ob seiner Fehlbuchung gescholtene Ehemann. Richtig. Gleich hinter Walts Märchenschloss beginnt in Florida nämlich der Albtraum der Sozialhilfeempfänger.

Jener von der Gesellschaft Ausgesiebter, die Woche für Woche mühsam die Miete für ihre bonbonfarbene Bleibe zusammenkratzen. Alleinerzieherinnen, Familienväter ohne Arbeit, Großmütter, denen minderjährige Töchter die Kinder zur Erziehung hinterlassen haben, die sich selbst „Normalität“ vortäuschen und in Wahrheit versuchen, nicht in die Obdachlosigkeit abzugleiten. Leicht wäre es, diese Menschen White Trash zu nennen, doch der Blick, den Regisseur Sean Baker in seinem Film „The Florida Project“ – seit Freitag in den heimischen Kinos – auf sie wirft, ist viel zu liebevoll, um diese Formulierung zuzulassen. Baker erzählt seine Story aus der Sicht von Kindern, mit ihnen bleibt er den ganzen Film über auf Augenhöhe, zeigt, wie sie ihre ärmliche Welt zum Abenteuerspielplatz machen. Fröhlich und frech. So sympathisch ist das, dass man diese Arbeit nur wärmstens empfehlen kann. Sie macht einem das Herz weit. Die beiden Oscar-Nominierungen gab es völlig zu Recht.

„The Florida Project“ war der ursprüngliche Name, der Arbeitstitel fürs Walt Disney World Resort. Im Film nun sind Sommerferien, und die achtjährige Moonie macht mit ihren Freunden Scooty und Jancey die Motelanlage unsicher. Souverän bewegt sie sich auf den Gängen und über die Grünflächen des „Magic Castle“, vor dem die Kirche Essensrationen austeilt, und durch die Tristesse zwischen Imbissbuden und Giftshops. Über die Bewohner weiß sie alles: da wohnt der Bier trinkende Kriegsveteran, da der Mann, der oft verhaftet wird, da die Frau, die glaubt, dass sie mit Jesus verheiratet ist … Zu dritt übt sich die unbändige Rasselbande im Weitspucken auf Autos, sammelt „Spenden“ für ein Eis oder legt aus Jux die Stromversorgung lahm.

Bild: © Thimfilm

Bild: © Thimfilm

Eine der eindrücklichsten Szenen diesbezüglich ist ein Ausflug in eine verlassene Wohnhausanlage, die deutlich macht, wie sehr die geplatzte Immobilienblase aus dem Jahr 2007, die Banken wie die Lehman Brothers in den Bankrott riss, die USA noch immer in den Fängen hält. Die soziale Realität spiegelt sich auch im Leben der Erwachsenen wider. Moonies Mutter Haley, selber noch ein halbes Kind, driftet in ihren Bemühungen, Geld zu beschaffen, immer mehr in die Illegalität ab.

Da sind es fast Peanuts, dass sie anfangs vor den besseren Hotels schwarz Parfüm zu verkaufen versucht, und mit ihrer Tochter unerlaubter Weise deren Frühstücksbuffets plündert. Schutz in dieser prekären Situation will der Motelmanager Bobbie bieten. Willem Dafoe glänzt als diese gute Seele des Ganzen, als Mann, der mehr Sozialarbeiter als Hausmeister ist. Zu seiner Mitmenschlichkeit passen die sonnendurchtränkten Bilder von Kameramann Alexis Zabé perfekt. Bria Vinaite ist eine brillante Halley. Eine Entdeckung ist die kleine Brooklynn Kimberly Prince, die die fabelhaften Kinderdarsteller anführt.

Als Referenz für seinen Film gibt Sean Baker im Interview die Serie „Die kleinen Strolche“ an, die in den USA ab 1922 die Depression begleitete. Auch darin machen sich Kinder in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihren eigenen Reim auf die herrschenden Verhältnisse. Ein feiner Vergleich für seine Arbeit, die ab dem Titelsong „Celebration“ das Kindsein in allen Lebenslagen hoch leben lässt.

floridaproject.movie/

  1. 3. 2018

 

Art Carnuntum: Lysistrata Project

September 29, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Nationaltheater von Nordgriechenland in der niederösterreichischen Römertherme

Bild: Griechisches Nationaltheater von Nordgriechenland, Thessaloniki

Bild: Griechisches Nationaltheater von Nordgriechenland, Thessaloniki

Nach den großartigen Open-Air-Erfolgen im Juli mit Shakespeares’ „Much Ado About Nothing“ von Shakespeares’ Globe Theatre London www.mottingers-meinung.at/art-carnuntum-much-ado-about-nothing/und Euripides’ „Bacchantinnen“ des Chorea Theater Lodz im römischen Amphitheater von Petronell-Carnuntum folgt nun eine kleine aber außergewöhnliche Produktion des bedeutendsten und größten Theater Griechenlands: das Nationaltheater von Nordgriechenland setzte heuer mit „Lysistrata-Project“ ein kräftiges Lebenszeichen im Europäischen Parlament in Brüssel, schließlich hatte Griechenland ja heuer im ersten Halbjahr den Rats-Vorsitz in der EU und ganz nebenbei einst die Demokratie wie auch das Theater erfunden…. In einer temporeichen, kompakten wie auch authentisch-frechen Kurzfassung des Anti-Kriegs-Stückes „Lysistrata“ nach der Komödie des Aristophanes bringt Regisseur Giannis Paraskevopoulos den Sexstreik der Frauen im wahrsten Sinne des Wortes ohne Umschweife auf den gewissen Punkt.

Am 4. Oktober ist diese Inszenierung in Österreich beim Festival Art Carnuntum zu sehen: In der Römischen Therme im Archäologischen Park Carnuntum, in der Inszenierung von Giannis Paraskevopoulos, in griechischer Sprache mit deutscher Simultanübersetzung.

Art Carnuntum: Nicht nur bei Shakespeare, sondern auch bei Aristophanes die Nr. 1 -nirgendwo sonst außerhalb  Griechenlands wurden mehr als die Hälfte aller überlieferten Stücke des Meisters der Attischen Komödie innerhalb der letzten Jahre erfolgreich aufgeführt, und zwar: FRIEDEN, DIE FRÖSCHE, LYSISTRATA, PLUTOS, DIE VÖGEL, PRAXAGORA (nach den Ekklesiazusen), WEIBERVOLKSVERSAMMLUNG. Neben mehreren Eigenproduktionen unter der Regie und in den Übersetzungen von Piero Bordin gab es u.a. Aufführungen vom  Royal National Theatre London, dem Istituto Nazionale del Dramma Antico Rom-Syrakus und dem Piccolo Teatro
di Milano. Nicht zuletzt deshalb erhielt Carnuntum  als erste Stätte Europas das „EUROPÄISCHE KULTURERBE-SIEGEL“.

www.artcarnuntum.at

www.ntng.gr

Trailer: http://youtu.be/Vfw-QCMT0jA 

Wien, 29. 9. 2014

Salzburger Festspiele: YDP I • Hinkemann 2014

August 14, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Böse fährt mit uns Karussell

Gang zum Schützengraben

Durch Granattrichter,
Schmutzige Pfützen,
Stapfen sie.
Über Soldaten,
Frierend im Erdloch,
Stolpern sie.
 
Ratten huschen pfeifend übern Weg,
Sturmregen klopft mit Totenfingern
An faulenden Türen.
Leuchtraketen
Pestlaternen…
 
Zum Graben zum Graben.

Ernst Toller (1915)

Christian Ehrich (Budenbesitzer), Katharina Schmidt (Grete Hinkemann), Daniel Christensen (Paul Großhahn), Jonas Anders (Hinkemann) Bild: © Sebastian Hoppe

Christian Ehrich (Budenbesitzer), Katharina Schmidt (Grete Hinkemann), Daniel Christensen (Paul Großhahn), Jonas Anders (Hinkemann)
Bild: © Sebastian Hoppe

Es ist eine große Freude, dass sich der junge serbischstämmige Regisseur und bekennende Gavrilo-Princip-Fan Miloš Lolić für das letzte Young Directors Project (Sponsor Montblanc zieht sich zurück) der Salzburger Festspiele Ernst Tollers zu Unrecht vergessenes Drama „Hinkemann“ ausgesucht hat. 1921/22 entstand diese Tragödie. In Festungshaft. Toller entging nur knapp einem Todesurteil wegen seiner führenden Rolle in der Münchner Räterepublik. Bevor die Nazis die Macht übernahmen, emigrierte er in die USA und nahm sich dort 1939 das Leben.

„Hinkemann“, einst kriegswilliger Frontkämpfer aus großbürgerlich-jüdischer Familie, kommt nicht nur als geschlagener Krieger mit  sprechendem Namen aus dem Abschlachten zurück. Ihn hat es körperlich – und damit seelisch – schlimmer getroffen. Der Mann ist „kein Mann mehr“, ihm wurden die Genitalien weggeschossen. Überlebt  hat er, doch Toller macht kenntlich, warum dieses Leben kein Leben mehr sein kann. Nur auf dem Rummelplatz findet der Kriegsgeschädigte noch Arbeit: als „Homunkulus, der stärkste Mann der Welt“, der Ratten und Mäusen auf offener Bühne die Kehle durchbeißt – wie es die deutsche Kriegsmacht ihren Feinden geschworen hatte. Und das Karussell dreht und dreht sich, das Böse fährt darin im Kreis, Hinkemann hängt sich zum Schluss daran auf; wie der emigrierte Autor im Mayflower Hotel am Central Park in New York.

Welch ein starkes Stück! Toller, ganz Kind des Expressionismus, wütet wortgewaltig durch die Szenerie. Er zeigt wie die „Masse Mensch“ zu „Maschinenstürmern“ wird. Dass „Nie wieder Friede“ herrschen werde, hört man in jeder Zeile. Hinkemann, gezeichnet als Borcherts Beckmann-Vorfahr, dieser bereits eine Ahnung von Danny aus Simon Stephens „Motortown“ …  Lolić lässt Tollers heiligen Furor weniger spielen als unterspielen. Mit Augenmaß und feinem Pinsel, wie ein Archäologe, trägt er die Erdkruste ab, unter der die Toten und Untoten auf Wiederauferstehung harren. Die Schicht an Scham, Schmach, Verrat, Verzweiflung, die eine ganze Generation unter sich begraben hat, muss erst abgetragen werden, bevor darunter die grell geschminkten Fratzen der Zukunft zum Vorschein kommen. Weil: Alle die da sozialistisch, trotzkistisch, anarchistisch in der Kneipe diskutieren, können Hinkemann nicht helfen (sie sind bereits  Nichts Ahnende Zyklon b Initalisierte) – vor einem fehlenden Penis versagen die Parteibücher.

Das Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses (Koproduktion) spielt brav. Jonas Anders als Hinkemann sucht in der Unterhose Gott Priapos, dem er als einer phallischen Statue höhnisch opfert; Katharina Schmidt trägt als Ehefrau Grete mit Gretefrisur das ganze Drama am Kopf: gebunden, aber sich auflösend. Sie wird sich Paul (Daniel Christensen hätte hormongesteuerter sein können) als Hinkemann-Ersatz in die Arme und dann aus dem Fenster werfen. Christian Ehrich als im Kasernenton herumkommandierender Budenbesitzer ist ein echter Schinder. Man glaubt ihm, dass er sich den Menschenschindern bald anschließen wird. Alles in allem liefert Lolić eine dem YDP würdige Arbeit ab. Mal sehen, wie’s im Herbst in Düsseldorf läuft.

Wien, 2. 8. 2014

www.salzburgerfestspiele.at

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-2014/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-jedermann/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-die-letzten-tage-der-menschheit/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-the-forbidden-zone/

 

Salzburger Festspiele: „Romeo und Julia“

August 22, 2013 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Der YDP-Gewinner ist Mokhallad Rasem

YDP III • Romeo und Julia: Gilda De Bal, Eleanor Campell, José Paulo dos Santos, Vic De Wachter, Mona Staut Bild:© Wolfgang Kirchner

YDP III • Romeo und Julia: Gilda De Bal, Eleanor Campell, José Paulo dos Santos, Vic De Wachter, Mona Staut
Bild:© Wolfgang Kirchner

Bereits zum zwölften Mal fand dieses Jahr im Rahmen der Salzburger Festspiele 2013 das MONTBLANC & SALZBURG FESTIVAL YOUNG DIRECTORS PROJECT statt. Sven-Eric Bechtolf, Leiter des Schauspiels, hatte für den diesjährigen Wettbewerb vier junge RegisseurInnen aus Großbritannien, Deutschland, Irak und Tschechien gewählt. Die Jury bestehend aus Dr. Helga Rabl-Stadler (Präsidentin der Salzburger Festspiele), Thaddaeus Ropac (Galerie Ropac), Brigitte Hobmeier (Schauspielerin), Ulrich Khuon (Intendant) und Michael Köhlmeier (Autor) vergab den MONTBLANC YOUNG DIRECTORS AWARD 2013 für die beste Regieleistung an Mokhallad Rasem.

Der irakische Regisseur erhielt die Auszeichnung für seine Interpretation von Romeo und Julia nach Shakespeare mit Schauspielern und Tänzern des Toneelhuis Antwerpen, der ein zerbombtes Autowrack als Ausgangspunkt für eine theatralische Meditation über die Liebe und ihre Gefährdung durch die Welt und die Liebenden selbst dient. Drei Generationen von Darstellern verbinden darin Schauspiel, Tanz und Dichtung zu einer assoziativreichen Inszenierung. Die Jurybegründung, verfasst von Michael Köhlmeier: “ Dass Liebe und Hass in einer Beziehung nicht nur nebeneinander existieren, sondern mitunter in einer einzigen Regung, einem Blick, einem Wort gleichzeitig wirksam sein können, ja dass sie einander brauchen, dass die stärksten aller Gefühle aufeinander angewiesen sind, wenn zwei Menschen gegen eine Welt des Schreckens bestehen wollen – an diese Einsicht führt uns der irakisch-belgische Regisseur Mokhallad Rasem heran. Er nennt sein Stück Romeo und Julia. Nicht dass wir den Titel auf Anhieb verstanden hätten – aber nicht alles „auf Anhieb“ stellt zufrieden. Das Stück erzählt, wovor sich Shakespeare gedrückt hat. Das hat, finden wir, Ambition! Manchmal lesen wir ein Buch oder hören ein Musikstück und betrachten ein Gemälde oder sehen uns ein Theaterstück an, und plötzlich fühlen wir den Blick des Autors, des Komponisten, des Malers, des Regisseurs auf uns gerichtet – ich korrigiere mich: auf mich gerichtet. Nicht auf den neben mir. Auf mich. Das sind magische Augenblicke. So etwas vermag nur Kunst. Hinterher sagen wir: Das Werk hat uns „berührt“. Wir sind verlegen und verwenden diese Floskel, um den Schmerz zu verharmlosen, der uns angetan wurde.In dem Stück, das die Jury ausgewählt hat, gab es solche Momente. Es tut uns weh, plötzlich zu erkennen, dass wir ausgerechnet den Menschen am meisten lieben, den wir am meisten hassen. Wir wollen weinen und wollen uns freuen. Und sind – berührt.“

Der MONTBLANC YOUNG DIRECTORS AWARD ist mit einem Preisgeld in Höhe von € 10.000,- sowie dem exklusiv für diesen Anlass entworfenen Montblanc Mozart Pen dotiert.

www.salzburgerfestspiele.at

www.montblanc.com

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-die-entfuhrung-aus-dem-serail/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-lumpazivagabundus/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-jedermann/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-2013/ :Domplatz: Die Sommerresidenz der Familie Hörbiger

www.mottingers-meinung.at/die-neue-buhlschaft/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-die-jungfrau-von-orleans/

www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-young-directors-projekt/

Salzburg, 22. 8. 2013