Belvedere: Yan Pei-Mings „Crucifixion“

Mai 17, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Chinesische Kulturrevolution trifft auf Christus

Yan Pei-Ming, Crucifixion, 2015, The Tia Collection. © Yan Pei-Ming, ADAGP, Paris, 2016. Bild: André Morin, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris/Salzburg.

Yan Pei-Ming, Crucifixion, 2015, The Tia Collection. © Yan Pei-Ming, ADAGP, Paris, 2016. Bild: André Morin, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris/Salzburg.

Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Intervention“ zeigt das Belvedere ab 18. Mai in der Schlosskapelle des Prinz Eugen „Crucifixion“, ein Hauptwerk des chinesischen Künstlers Yan Pei-Ming. Die monumentale Arbeit ist zum ersten Mal in Österreich zu sehen. Die Kapelle zu bespielen, sei ihr lang gehegter Wunsch, sagt Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco bei der Pressepräsentation am Dienstag Vormittag: „Durch Pei-Mings ,Crucifixion‘ entsteht in dieser sakralen Umgebung eine einmalige Atmosphäre. Ein nahezu unvergleichliches Zusammenspiel von Barock und Gegenwart, ein Raumerlebnis, das den Betrachter unweigerlich in seinen Bann zieht.“

Yan Pei-Ming wurde 1960 in Shanghai geboren und ist während der Chinesischen Kulturrevolution ebendort aufgewachsen. Um Künstler zu werden, verließ er als 19-Jähriger China und studierte in der Folge an der École Nationale Supérieure d’Art in Dijon. Seither lebt und arbeitet Yan Pei-Ming in Dijon und Paris. Auf der internationalen Bühne der zeitgenössischen Kunst gilt er als einer der erfolgreichsten chinesischen Künstler. Sein Schaffen umfasst neben großformatigen Porträts von bedeutenden Persönlichkeiten, Selbstbildnissen und Tierbildern auch reflexive Interpretationen von Meisterwerken der Kunstgeschichte. Sein expressiver Stil, die große Gestik, die monochrom anmutende Farbpalette sowie die Ausblendung von sekundären Bildelementen und die kontemplative Stimmung seiner monumentalen Werke gründen in der Atmosphäre der Chinesischen Kulturrevolution und den künstlerischen Traditionen des Abendlandes.

„Das Belvedere und seine historische Dimension haben für mich fast mythischen Charakter. Die Macht des Ortes und insbesondere die geistige Aura der Schlosskapelle erweitern die Bedeutungsebenen von ,Crucifixion‘ und verhelfen dem Werk zu einer neuen und tiefsinnigen Wirksamkeit. In der Vergangenheit wurden religiöse Werke vornehmlich für einen spezifischen sakralen Ort sowie für bestimmte liturgische Handlungen konzipiert; diese Beweggründe stehen heute nicht mehr im Vordergrund. Für mich spielt die Frage nach der Bedeutung von zeitgenössischen Werken mit religiösem Hintergrund, und sei es nur im Hinblick auf eine formale Inspiration, eine tragende Rolle. ,Crucifixion‘ nimmt daher innerhalb der Darstellungen religiöser Themen einen völlig neuen Platz ein“, so der Künstler Yan Pei-Ming.

Yan Pei-Ming, Crucifixion, 2015, The Tia Collection. © Yan Pei-Ming, ADAGP, Paris, 2016. Bild: André Morin, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris/Salzburg

Yan Pei-Ming, Crucifixion, 2015, The Tia Collection. © Yan Pei-Ming, ADAGP, Paris, 2016. Bild: André Morin, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac, Paris/Salzburg

Yan Pei-Ming. Bild: © Belvedere, Wien

Yan Pei-Ming. Bild: © Belvedere, Wien

 

Die prachtvolle Schlosskapelle im Oberen Belvedere ist weitestgehend im Originalzustand erhalten und zeigt die große Bedeutung, die der Bauherr Prinz Eugen von Savoyen den kirchlichen Räumlichkeiten beigemessen hat. Die Fassade am südöstlichen Turm des Schlosses verrät von außen kaum etwas über die Dimensionen der Kapelle, die weit über die eines privaten Andachtsraums hinausgehen. Als einziger Raum – neben dem Marmoorsaal – erstreckt sich die Kapelle über zwei Geschosse. Im Inneren überrascht die hochwertige künstlerische Ausstattung mit dem Deckenfresko von Carlo Innocenzo Carlone mit Gottvater und dem Heiligen Geist, den Skulpturen der Heiligen Johannes der Täufer und Petrus von Domenico Parodi sowie dem Altarbild mit der Auferstehung Christi von Francesco Solimena. Letzteres wird nun für sechs Monate gegen ,Crucifixion‘ ausgetauscht. Die zeitgenössische Arbeit tritt nun in einen spannenden Dialog mit dem historischen und religiösen Umfeld.

www.belvedere.at

Wien, 17. 5. 2016

Winterpalais – Ólafur Eliasson: Baroque Baroque

November 19, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Francesca Habsburg zeigt Wien noch einmal, was sie hat

Olafur Eliasson New Berlin Sphere, 2009: Installationsansicht im Winterpalais, Wien, 2015 Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection, Vienna Bild: Anders Sune Berg © 2009 Olafur Eliasson

Olafur Eliasson New Berlin Sphere, 2009: Installationsansicht im Winterpalais, Wien, 2015
Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Collection, Vienna
Bild: Anders Sune Berg © 2009 Olafur Eliasson

Das Vestibül durchflutet die Lichtinstallation „Die organische und kristalline Beschreibung“ mit Wellen aus blauem und gelbem Licht, erschafft einen Ozean aus Farbe, der den Besucher magisch anzieht. „Yellow corridor“ lässt das Stiegenhaus im imperialen Glanz erstrahlen. Maschinen und Installationen wie etwa das „Kaleidoscope“, „New Berlin Sphere“, „Your welcome reflected“ und „Seu planeta compartilhado“ laden zum Schauen und Staunen. Ein Spiegel, der die Enfilade der Prunkräume durchzieht, wirft die Schönheit der barocken Räume zurück. Im Schlachtenbildersaal inszeniert „Wishes versus wonders“, ein an die Spiegelwand montierter Halbring aus Edelstahl, eine Illusion.

Ólafur Eliasson, der Meister der magischen Bilderwelten, ist in Wien. Das Belvedere präsentiert ab 21. November unter dem Titel „Baroque Baroque“ in der Kulisse des prunkvollen Winterpalais, Stadtresidenz des Prinz Eugen, einige seiner besten Kunst-Stücke. Gezeigt werden Werke der Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (TBA21) und der Juan & Patricia Vergez Collection. Das Winterpalais war im barocken Wien ein Ort der Förderung der Künste und Wissenschaften. Hier will Eliasson mit  „Baroque Baroque“ ansetzen, mit einem Aufeinandertreffen von Kunstwerken, Ästhetiken und Weltanschauungen zweier zutiefst unterschiedlicher Epochen.

„Für mich ist inspirierend“, so der dänisch-isländische Künstler über die Ausstellung, „dass sich das Barock durch eine so große Offenheit auszeichnet – für fließende Übergänge zwischen Realitätsmodellen und der Realität an sich. Die Präsentation meiner Arbeiten im Winterpalais entstand aus der Überzeugung heraus, dass es möglich ist, Realität zu konstruieren; gestaltet nach unseren Träumen und Visionen und getragen von der Vorstellung, dass Konstrukte und Modelle genauso real sind wie alles andere.“ Wie im großen barocken Illusionstheater tritt auch Eliasson an, um sein Publikum zu verblüffen. Die Begegnung mit seiner Arbeit fordert die Wahrnehmungsgewohnheiten der Betrachter heraus und gibt Anstoß, die Wirklichkeit in ständiger Wandlung zu verstehen. Nichts bleibt, wie es war. In diesem Sinne sind Eliassons Werke Vanitas-Symbole – Luxus für alle Sinne, ohne moralisierende Absicht.

Im Winterpalais überraschen die Bezüge zwischen Eliassons Arbeiten und ihrem temporären Ausstellungsort. Sie ähneln einander in ihrem Spiel von Sein und Schein, und auch bezüglich ihrer Repräsentationspflichten. So entstand für diese Schau der Begriff des doppelten Barock – „Baroque Baroque“ -, der das Historische mit dessen Konstruktion überlagert. „Die Installationen von Ólafur Eliasson bilden eine nahezu perfekte Symbiose mit der barocken Opulenz des Winterpalais“, sagt Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco bei der Präsentation der Ausstellung am Donnerstag. „Man steht in einer Beziehung zum Raum; man sieht ihn, man bewegt sich in ihm oder tut irgendwas in ihm, und der Raum verfügt aufgrund seiner offenen Ideologie über die Fähigkeit, einem zu zeigen, dass man sich in ihm befindet“, erklärt Eliasson, der die Winterpalais-Besucher zur aktiven Teilnahme am Geschehen einlädt.

Erst kürzlich überlegte TBA21-Gründerin Francesca Habsburg öffentlich, ihre Sammlung zeitgenössischer Kunst von Wien nach Zürich zu verlegen. Nach mehr als 20 Jahren in Österreich schien die in der Schweiz aufgewachsene Kunstmäzenin genug von der „Hinhalte-Taktik“ der Wiener Kulturpolitik zu haben. Ihre Hoffnungen auf eine eigene Kunsthalle im Quartier Belvedere beim neuen Wiener Hauptbahnhof hatten sich 2012 aufgrund fehlender politischer, wie auch finanzieller Bekenntnisse zerschlagen. In Wien fühle sie sich „nicht wertgeschätzt“ und „total unterfordert“, Gespräche seien „nicht zielführend“ verlaufen, ließ sie wissen, und dass sowohl Zürich als auch Venedig Interesse bekundet hätten. Nun zeigt Habsburg im Winterpalais eindrucksvoll, was Wien verlieren könnte. Ihr Statement zur Schau liest sich entsprechend: „Diese Ausstellung vereint einige Elemente, welche nicht nur die Vision der Sammler und deren Verantwortung zum Ausdruck bringen, sondern auch deren Fähigkeit, Kunstprojekte jenseits traditioneller Kategorien zu kreieren“, so Francesca Habsburg.

www.olafureliasson.net

www.tba21.org

www.belvedere.at

Wien, 19. 11. 2015

Josef Hader im Gespräch

Februar 20, 2015 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Der neue Brenner: „Das ewige Leben“

Josef Hader  Bild: © Dor Film

Josef Hader
Bild: © Dor Film

Am 5. März startet in den heimischen Kinos „Das ewige Leben“: Gestern stand er am Rande des Abgrunds, heute ist er einen Schritt weiter: In Wolfgang Murnbergers vierter Verfilmung eines Krimis von Wolf Haas verschlägt es den Brenner zurück in seine Heimatstadt Graz – wo ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit auf ihn lauert. Mit dabei: Tobias Moretti, Roland Düringer, Johannes Silberschneider, Hary Prinz und Nora von Waldstätten.

Jetzt wär’s echt schön, wenn eine Zeitlang einmal nichts passieren würde. Der Brenner (Josef Hader, wer sonst) ist nun vollinhaltlich eine gescheiterte Existenz, nur das kleine Haus seiner verstorbenen Mutter im Grazer Nicht-sehr-Nobelbezirk Puntigam ist ihm geblieben, eine erbärmliche Bruchbude ohne Strom, dafür mit undichtem Dach. Also zieht er um, von der Hauptstadt in die Heimatstadt. Back to the roots, sozusagen. Die sind durch eine Jugendsünde ziemlich angefault, genau wie sein Dachstuhl. Als Brenner nämlich seinen alten Polizeischulfreund Köck (Roland Düringer), heute als zwielichtiger Altwarenhändler tätig, aufsucht, um sich Geld auszuborgen, steht auf einmal auch der Aschenbrenner (Tobias Moretti) da – auch einer von damals, und immer noch einer von denen: Aschenbrenner ist jetzt Chef der Kriminalpolizei. Tja, und wenig später ist der Köck tot, und der Brenner liegt mit einem Kopfschuss im Krankenhaus …
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Das Leben ist hart, aber unfair. In seinem vierten Kino-Abenteuer als trauriger Sturschädel Brenner ähnelt Josef Hader mehr denn je den Anti-Helden aus den großen Tragödien – Hirn, Herz und Seele werden ihm ordentlich hergebeutelt in diesem furios inszenierten Krimi, in dem neben Tobias Moretti als beängstigend moralbefreitem Amtsfürsten, Nora von Waldstätten als ebenso charismatischer wie tatkräftiger Medizinerin und Roland Düringer als herrlich grindigem Kleinkriminellen auch die steirische Hauptstadt Graz in all ihrer Pracht zur Geltung kommt: Ein filmischer Hochgenuss, bis zum bitterbös-brachialen Ende. Josef Hader im Gespräch:

MM: Vor zwei Wintern bin ich in dieses Caféhaus gekommen und Hader, Murnberger, Haas saßen an einem Tisch. Ich dachte: Jetzt fotografieren und twittern: Jetzt wird wieder was passieren. Der flotte Dreier funktioniert also noch?

Josef Hader: Er hat funktioniert. Es war kein leichtes Schreiben, wir haben zwei-, zweieinhalb Jahre gebraucht, um die Geschichte dort zu haben, wo wir sie wollten. Also, einfach war’s nicht, aber wir haben uns nicht zerstritten und sind noch immer gute Freunde.

MM: Im Drehbuch wird Ihr Name als erster genannt. Ist das, weil Sie so berühmt oder so berüchtigt sind? Wie laufen Kreativprozesse bei euch ab?

Hader: Am Beginn ist es so, dass wir uns ein bissl kasernieren und überlegen, wie die Filmgeschichte ausschauen soll, wie weit wir vom Roman weggehen wollen, dann schreiben Wolfgang Murnberger und ich abwechselnd Fassungen, die dann zu dritt diskutiert werden. Bei Meinungsverschiedenheiten gibt’s eine eindeutige Mehrheit.

MM: Der Brenner ist eine Figur, die Sie – natürlich mit Abständen – seit 14 Jahren verkörpern. Ist er Ihnen zur zweiten Haut geworden?

Hader: Nein, überhaupt nicht. Bevor man die Rolle spielt, muss man sich vom Drehbuch abnabeln. Man muss sich nicht mehr, wie als Drehbuchautor für die Szene, sondern für die Figur interessieren. Also nicht, wie die Szene besser werden soll, sondern wie’s meiner Figur in der Situation geht, welche Interessen sie im Moment hat. Das ist ein schwieriger Prozess, den Drehbuchautor hinter sich zu lassen und Schauspieler zu sein. Da gibt es keine Routine. Noch dazu, wo der Brenner in jedem Film vor neue Probleme gestellt wird.

MM: Aber in Summe kann man schon sagen, Josef Hader ist gereift wie guter Rotwein und der Brenner eher wie Camembert.

Hader: Ein schönes Bild. Da kann i gar nichts sagen dazu, so schön ist die Metapher.

MM: In „Das ewige Leben“ ist der Brenner endlich total am Sand. Dazu haben Sie sich Äußerlichkeiten überlegt.

Hader: Wolfgang und ich haben uns das überlegt. Es sollte neu sein: Also Vollbart, das war mein Vorschlag. Und Wolfgang sagte: Das passt, besser kann man sozialen Abstieg nicht mit einem modischen Accessoire kombinieren.

MM: Ist Ihnen der Brenner über die Jahre sympathischer geworden?

Hader: Ich glaub’, dass er mir nicht sympathischer geworden ist. Man erfährt von Film zu Film mehr über ihn – und je mehr man über jemanden erfährt, um zu schwieriger ist es, ihn zu mögen. Wenn er ein realer Mensch wäre, würde man ihn für ein Oarschloch halten.

MM: Ich sehe das etwas anders: Sie haben es geschafft, das österreichische Kinopublikum von der Schadenfreude über diese tragische Figur Brenner zum Mitleiden zu bringen. Sie erfüllen da fast eine katholische Funktion.

Hader (er lacht): Dazu kann ich kaum was sagen. Der Film hat seine Zauberregeln, und eine davon ist, dass einen Figuren, an denen man im Leben nicht einmal anstreifen möchte, im Kino zum Weinen bringen. Dass man sie am liebsten umarmen möchte. Das liegt sicher daran, dass man sich emotional in Situationen hineinziehen lassen kann, die weit weg auf der Leinwand stattfinden.

MM: Der erste Brenner-Film war eine Krimi-Komödie, der zweite ein Thriller, der dritte ein Horrorfilm. Ist „Das ewige Leben“ nun ein Cop-Story?

Hader: Wir versuchen nie Seriencharakter zu haben, jede Anspielung auf frühere Filme zu vermeiden. Jeder Film soll sein eigener Genremix sein. Ein Teil davon ist Cop-Film. Diese alten, gescheiterten Männer kann man am besten in diesem Genre zeigen. Weil’s vielleicht einmal gute Polizisten waren. Das lässt ihnen einen Rest von Würde.

MM: Sie haben diesmal zwei sehr prominente Kombattanten Tobias Moretti und Roland Düringer. Wie war die Zusammenarbeit? Ein steter Wechsel von der finnischen Sauna ins Eiswasserbecken?

Hader: Johannes Silberschneider ist auch dabei. Als Brenners nerviger Nachbar. Und alles war natürlich total harmonisch. Ich würde auch, wenn die Sesseln geflogen wären und wir uns niedergebrüllt hätten, sagen, dass alles super war. Aber es war tatsächlich so. Wir haben alle eine Gemeinsamkeit: Wir sind Improvisierer, Musikanten, haben gern wenn der Partner einmal was anderes macht und man anders regieren muss. Von daher sind wir, obwohl wir sehr unterschiedliche Menschen sind, sehr ähnlich von der Schauspielweise. Wir haben uns beim Arbeiten sehr gut verstanden. Den Roland kenne ich ja schon immer; wir haben im Kabarett Niedermair miteinander in den 80er-Jahren angefangen. Den Tobias habe ich neu kennen gelernt, wir waren anfangs ein bisschen vorsichtig miteinander. Aber spätestens, wenn wir über Musik oder über Hans Brenner (österr. Schauspieler, † 1998, Vater von Moritz Bleibtreu, Anm.), den wir beide gekannt und sehr geschätzt haben, und der ja auch der Namensgeber der Figur ist, haben wir jede Scheu fallen gelassen. Tobias ist ein richtig lässiger Jazzer als Schauspieler, er spielt aus dem Bauch, hat noch wunderbare Ideen, knapp bevor sich die Kamera einschaltet: Sagt, schau’, mach’ da des anders. Des is total einmalig in der Zusammenarbeit.

MM: Was man von der Handlung verraten kann: Es gibt mehr Tote, als in einem durchschnittlichen „Dirty Harry“, und es gibt mehr als einen Täter.

Hader: Leute, kommt ins Kino! (Er lacht wieder.) Aber im Vergleich dazu, dass es in jedem „Tatort“ nur mehr Serienkiller gibt, sind wir sehr bescheiden. Wir machen ja keine Whodunits, die sind dem Wolfgang und mir zu sehr Mathematikrätsel. Wir wollen Drama, Brenners Kampf , davonzukommen, zeigen und menschliche Beziehungen in den Mittelpunkt stellen.

MM: Der Brenner leidet in diesem Film stärker denn je an Migräne …

Hader: Ja, deswegen habe ich auch mit Menschen gesprochen, die das Gefühl kennen, dass einem der Schädel explodiert. Weil, i hab’ nie Kopfweh. Selbst noch durchzechten Nächten nicht.

MM: Sie machen als Brenner diesmal Dinge, die ich Ihnen nicht zu getraut hätte: mit einer Kettensäge hantieren und Moped fahren. Haben Sie Gefahrenzulage bekommen.

Hader: Die kriegt man nicht beim österreichischen Film, aber sie wäre tatsächlich notwendig gewesen, weil dieses Moped ein altes war. Die Hinterachse hat’s immer gewandlt. Ich musste recht wild damit herumfahren, und ich war oft froh, wenn eine Mopedszene im Kasten war, wenn ich wusste, ich muss mich jetzt nicht wieder auf der Verfolgungsjagd im Tunnel zwischen LKW und Wand durchdrücken. Ohne Sturzhelm und hoffentlich ohne Reifenplatzer. Aber Motorsäge und Moped, sind etwas, das man einfach lernt, wenn man am Land aufwachst. Des kann jeder von an Bauernhof.

MM: Es gibt zwei nachfolgende Wolf-Haas-Brenners: „Der Brenner und der liebe Gott“ und „Brennerova“, in dem er heiratet. Was wäre für Sie schlimmer? Gott oder Ehe?

Hader: Interessanter ist sicher, den lieber Gott zu treffen. Das haben noch wenige erlebt.

MM: Wie geht’s jetzt weiter?

Hader: Mit einer Pause. Das ist wie bei einer Geburt. Nach zwei, drei Jahren, wenn man vergessen hat, wie schwer das war, geht man’s wieder an. Vorausgesetzt, die Resonanz beim Publikum ist entsprechend.

MM: Und Kabarett? Wann kommt was Neues?

Hader: Ich habe eine Idee, aber nicht das Gefühl, ich muss das jetzt unbedingt sofort machen. Ich habe mich ans Teamwork beim Film so gewöhnt. Ich mache als nächstes mit Erni Mangold und Maria Hofstätter einen „Landkrimi“ in Oberösterreich – und ich freu’ mich schon sehr darauf. Das sind zwei Schauspielerinnen, mit denen ich schon so gern so lang’ was machen wollte, und jetzt hat es sich ergeben.

MM: Sie werden doch auf Ihre alten Tage nicht noch gesellig werden?

Hader: Nur beim Arbeiten, nicht im Leben.

MM: Wie finden Sie Ihre Rolle als Ikone des Kabaretts? Junge Kollegen zitieren Sie oder Sie sprechen in deren Programmen vom Band. Wie fühlen Sie sich in dieser Rolle?

Hader: Dadurch, dass i immer mit mir z’samm’ bin, kenn’ i mi besser als andere. Und dadurch ist keine Gefahr gegeben, dass ich mich selber als irgendetwas empfinde, das an der Wand hängt.

http://dasewigeleben.at/

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=FnUyX6zyV8o

Wien, 20. 2. 2015

Der Brenner kommt wieder ins Kino

März 14, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

„Das ewige Leben“ wird verfilmt

Wolf Haas, Josef Hader, Wolfgang Murnberger Bild: Berlinale

Wolf Haas, Josef Hader, Wolfgang Murnberger
Bild: Berlinale

Im Advent sah man Wolf Haas, Wolfgang Murnberger und Josef Hader schon konspirativ in einer Ecke im Cafe Eiles sitzen. Da war’s klar: Jetzt wird schon wieder was passieren! Dieser Tage startet die vierte ( nach Komm Süsser Tod 2000, Silentium 2004, Der Knochenmann 2009) Verfilmung eines Haas’schen Brenner-Krimis, Das ewige Leben, in der bewährten Murnberger-Regie, mit dem genialen Hauptdarsteller Hader. Leicht kommen diese Dinge ja nicht zustande, denn drei große Geister triften punkto Drehbuch oft Richtung verschiedener Auffassungen. Aber man hat sich zusammengerauft. Wieder einmal. Ein Glück.

Die hochkarätige Besetzung der Dor-Film-Produktion: Josef Hader, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten, Christopher Schärf, Roland Düringer, Margarethe Tiesel, Hary Prinz, Johannes Silberschneider, Sasa Barbul, uvm.

Brenner kehrt nach Graz zurück, in die Stadt seiner Jugend. In der Konfrontation mit seinen Jugendfreunden, seiner Jugendliebe und seiner großen Jugendsünde, kommt es zu Morden und einem verhängnisvollen Kopfschuss. Als Brenner aus dem Koma erwacht, macht er sich auf die Suche nach seinem Mörder – obwohl alle behaupten, er sei es selbst gewesen. Am Anfang war Brenner am Ende aber am Ende könnte er vor einem neuen Anfang stehen.

www.hader.at

Der Knochenmann: www.youtube.com/watch?v=oAbTtJGNQ7o

www.dor-film.com

www.filmladen.at

Wien, 14. 3. 2014

Belvedere: Hommage an Eugen von Savoyen

Oktober 17, 2013 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Das Winterpalais des Prinzen öffnet seine Pforten

Philipp Ferdinand de Hamilton: Weiße Jagdfalken mit einem Fischreiher, 1748 Öl auf Leinwand, 91 x 98 cm © Belvedere, Wien

Philipp Ferdinand de Hamilton: Weiße Jagdfalken mit einem Fischreiher, 1748
Öl auf Leinwand, 91 x 98 cm
© Belvedere, Wien

Ab 18. Oktober zeigt das Belvedere im Winterpalais die Ausstellung „Prinz Eugen von Savoyen – 350 Jahre“: Gut ein Jahrzehnt nach seinem Eintreffen in Wien verfügte Prinz Eugen von Savoyen über entsprechende finanzielle Mittel, um einen standesgemäßen Wohnsitz errichten zu lassen. Nach Plänen des Johann Bernhard Fischer von Erlach ließ er in der Himmelpfortgasse ein siebenachsiges Palais errichten, das in zwei weiteren Etappen um jeweils fünf Achsen auf beiden Seiten erweitert wurde. So entstand ein nach außen hin beeindruckendes Gebäude, für dessen Innenausstattung hohe Summen aufgewendet wurden. Nach dem Tod des Besitzers und dem Ankauf des Palais durch Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1752 erfolgten unter dem Hofarchitekten Nicolaus von Pacassi zahlreiche bauliche Veränderungen. Dennoch blieben bedeutende Teile der ursprünglichen wandfesten Ausstattung darunter die Deckenfresken im Audienz- wie im Paradeschlafzimmer, das Goldkabinett und die zahlreichen Groteskenmalereien erhalten. Für die Eröffnungsausstellung im Winterpalais, einer Sehenswürdigkeit an sich, anlässlich des 350. Geburtstags des Prinzen Eugen werden insbesondere dessen Biografie und die familiäre Herkunft, die Baugeschichte des Palais sowie die militärischen Verdienste des Hausherrn fokussiert. Ausgewählte Objekte verschiedenster Gattungen sollen sich in die bestehende Struktur der Räume einfügen und diese unterstreichen. In Bezug auf seinen persönlichen Werdegang wird die familiäre Herkunft Eugens veranschaulicht, während der baugeschichtliche Teil Aufschlüsse über das ursprüngliche Aussehen des Palais im Inneren wie teilweise durch Zeichnungen von Salomon Kleiner überliefert geben soll. Als Feldherr und Diplomat erlangte der einstige Hausherr nachhaltigen Ruhm und Reichtum. Daher überrascht es nicht, dass er seine militärischen Erfolge im Stadtpalais durch einen Zyklus von großformatigen Schlachtenbildern von Ignace Jacques Parrocel präsent hielt. Diese beeindruckenden Gemälde geben schließlich den Impuls, sich mit jener Rolle des Prinzen Eugen auseinanderzusetzen, durch die er in die Geschichtsbücher eingegangen ist.

Ab 19. Oktober ist dann im Oberen Belvedere die Schau „Prinz Eugen von Savoyen – Die Menagerie des Prinzen“ zu sehen: Nachdem Prinz Eugen mit dem städtischen Winterpalais einen ersten Wohnsitz besaß, trachtete er danach, durch Grundstücksankäufe am Rennweg eine großzügige Gartenanlage mit entsprechend prunkvollen Bauwerken zu errichten. Während das zuerst erbaute Untere Belvedere als Wohnschloss samt Wirtschaftstrakten und Orangerien konzipiert wurde, diente das Obere Belvedere vor allem Repräsentationszwecken und wurde entsprechend reich ausgestattet. Von der ursprünglichen Pracht zeugen heute etwa der Marmorsaal, die Schlosskapelle, der Carlone-Saal sowie die Deckengemälde von Giacomo del Pò. Viele andere Dinge wurden jedoch im Verlauf der beinahe drei Jahrhunderte seit der Fertigstellung dieses Gartenpalasts beschädigt, ersetzt oder gerieten in Verlust. Die Adaptierungen für die Verwendung als kaiserliche Galerie ab 1776 sowie als Wohnschloss für den Thronfolger Franz Ferdinand Ende des 19. Jahrhunderts trugen ihr Übriges dazu bei. Aus Anlass des 350. Geburtstags soll daher bewusst die Aufmerksamkeit auf die ursprüngliche Erscheinung im Inneren des Oberen Belvedere gelenkt werden. Gerade durch die allegorischen Darstellungen an den Decken mehrerer Räume hat sich Prinz Eugen bereits zu Lebzeiten selbst ein Denkmal gesetzt. Diese sollen um einige Ausstattungsgemälde ergänzt werden, die sich ursprünglich hier befanden und nach langer Abwesenheit nun zurückkehren. Für deren Anbringung sind die Druckgrafiken nach Zeichnungen von Salomon Kleiner höchst bedeutend. Das Hauptaugenmerk dieser Schau liegt auf der Rückführung eines Teils der ursprünglichen Ausstattung.

www.belvedere.at

Wien, 17. 10. 2013