Wien modern: Pop.Song.Voice.

Oktober 28, 2015 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Programmtipps von Klaus Nomi bis Nali Gruber

Arturo Fuentes Bild: © Stefan Fuhrer

Arturo Fuentes
Bild: © Stefan Fuhrer

Wien modern, das Festival für Musik der Gegenwart, steht dieses Jahr ganz im Zeichen von Pop.Song.Voice. Von 5. bis 28. November finden an 16 Spielorten an die 50 Veranstaltungen statt; der künstlerische Leiter Matthias Lošek, der das Spektakel heuer zum letzten Mal verantwortet, verabschiedet sich mit einem gekonnten Mix aus zeitgenössischer Musik und Popkultur.

Drei Tipps aus dem umfangreichen Programm:

Manuela Kerer und Arturo Fuentes präsentieren die gemeinsame Uraufführung eines satirischen Musiktheaters: Whatever Works von Dimitré Dinev zeigt ab 7. November im Rabenhof Theater, wie man Katastrophenhilfe zur Karrierehilfe umfunktionieren kann und was man dazu braucht: Drei Staatslimousinen, deren Chauffeure Hilfsgüter in die Dritte Welt transportieren, für die dort niemand Verwendung hat, und einen Chor, der regelmäßig den Applaus für die sinnlosen Taten zweier Karrierefrauen abliefert. Michael Scheidl inszeniert, Simeon Pironkoff dirigiert. Es singen u. a. Shira Karmon, Stefan Bleiberschnig und PHACE.

Ein Countertenor aus dem All: Olga Neuwirths Hommage à Klaus Nomi, eine Uraufführung der komplettierten Kammerorchesterfassung am 9. November im Musikverein, ist eine musikalische, aber auch biografische Auseinandersetzung mit dieser einzigartigen Persönlichkeit. Mit ihrer unverwechselbaren Klangsprache und eigenen Ästhetik nähert sich die Komponistin den Songs von Klaus Nomi und lässt die Zuhörer in dessen extrovertierte, hyperstilisierte Welt eintauchen. Neuwirth stellt Stimme und Pop ins Zentrum, präsentiert vom britischen Countertenor Andrew Watts und dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Cornelius Meister.

Am 15. November gestalten die Wiener Symphoniker unter der Leitung von Erik Nielsen im Wiener Konzerthaus einen Abend mit Werken von HK Gruber und Johannes Maria Staud. Für „In into the open …“ bindet Nali Gruber das Schlagwerk von Colin Currie dicht in den Orchesterklang ein, konzentrierte Klänge, die Widerhall im Orchester finden und neue Klangfarben entstehen lassen. Sie prägen das Werk, das dem Andenken an den Verleger und Musikwissenschafter David Drew gewidmet ist. Stauds Diptychon „Zimt“ geht auf die geheimnisvolle Welt des Dichters Bruno Schulz zurück und spürt den verwunschenen Gärten, labyrinthartigen Dachböden und dem Gassengewirr seiner Texte musikalisch nach.

Das gesamte Programm: wienmodern.at

Wien, 28. 10. 2015

mumok: Ludwig Goes Pop

Februar 11, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Legendäre Protagonisten der Pop Art

Duane Hanson: Football Vignette, 1969. Fiberglas, Polyester, originale Kleidung Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung seit 1981 © Duane Hanson / Bildrecht Wien, 2015. Bild: © mumok

Duane Hanson: Football Vignette, 1969. Fiberglas, Polyester, originale Kleidung
Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Leihgabe der Österreichischen Ludwig Stiftung seit 1981
© Duane Hanson / Bildrecht Wien, 2015. Bild: © mumok

Ab 12 Februar zeigt das mumok auf vier Ebenen einen der weltweit bedeutendsten Bestände der Pop Art: die Sammlung des deutschen Industriellenpaars Peter und Irene Ludwig. In der groß angelegten Überblicksausstellung werden rund 100 Werke aus sieben Häusern zusammengeführt, die mit dem Namen des deutschen Sammlerpaars verbunden sind. Exponate aus dem Museum Ludwig, Köln, dem Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen, dem Ludwig Museum im Deutschherrenhaus Koblenz, dem Kunstmuseum Basel, dem Ludwig Múzeum, Budapest, sowie dem Ludwig Museum für internationale Kunst, Peking, und dem mumok sind bis September 2015 in Wien zu sehen.

Schneller als jede andere Kunstrichtung des 20. Jahrhunderts setzte sich die Pop Art auf dem Kunstmarkt durch und wurde gleich nach ihrem Auftauchen vielfach und unter großem Publikumsandrang in den USA ausgestellt. Peter und Irene Ludwig begannen Anfang der 1960er-Jahre die Kunst amerikanischer Pop-Art-KünstlerInnen für sich zu entdecken – zu einer Zeit, als man diese Kunstrichtung in Deutschland kaum kannte. Erst mit Auftritten auf der Biennale di Venezia 1964 und der documenta 4 (1968) in Kassel wurde die Pop Art auch in Europa einem breiten Publikum bekannt. Das Interesse des Ehepaars Ludwig betraf jene Künstler, die heute als legendäre Protagonisten der Pop Art gelten: Jim Dine, Robert Indiana, Jasper Johns, Roy Lichtenstein, Claes Oldenburg, Robert Rauschenberg, James Rosenquist, Andy Warhol und Tom Wesselmann. Ihrem Gespür für die Bedeutung dieser Künstler ist die größte Sammlung amerikanischer Pop Art außerhalb der USA zu verdanken.

Für die Ausstellung Ludwig Goes Pop im mumok wird der auf verschiedene Häuser in Europa aufgeteilte Bestand des Sammlerpaars 2015 erstmals wieder zusammengeführt und somit exemplarisch darstellbar. Bücher, Schallplatten und Filme der Zeit ergänzen die Ausstellung und betten die Werke in einen größeren soziologischen Kontext ein.

Auf Vorschlag von David Lieske, dessen Personale Platoon (RL-X) parallel zu Ludwig Goes Pop im mumok zu sehen ist, kommentiert die britische Villa Design Group die Pop Art aus zeitgenössischer Perspektive. Mit Blick auf das Mouse Museum (1960–1977) und den Ray Gun Wing (1961–1977) von Claes Oldenburg richtet sie auf Ebene 3 des mumok ihr Bernard Natan Centre for the Arts ein, das einem ähnlich spektakulären Masterplan für ein Museum wie Oldenburgs Hauptwerke folgt.

Das mumok zeigt eine Einzelausstellung des deutschen Künstlers David Lieske (*1979 in Hamburg). Unter dem Titel Platoon (RL-X) wird der enge Nexus zwischen Legende und Werk, zwischen Person und Produkt des Künstlers verhandelt. Im Zentrum der Ausstellung steht das Buch I tried to make this work – Lieskes Autobiografie, in der sein Leben auch im Sinne einer retrospektiven Verklärung erzählt wird. Basierend auf mehrwöchigen Gesprächen, wurde es von dem Schriftsteller Ingo Niermann aufgezeichnet und von Michael Ladner ins Englische übersetzt. In einer Auflage von 300 Exemplaren wird der Band in der Ausstellung präsentiert und kann nur vor Ort eingesehen werden. Im Zuge seiner Lebensbeschreibung offenbart sich auch das soziale Netzwerk, innerhalb dessen Lieske als Künstler und – gemeinsam mit Peter Kersten – als Labelmitbegründer von Dial Records und Co-Betreiber der Mathew Gallery agiert. Aus diesem erweiterten Freundeskreis hat er die von seiner Galerie vertretene Villa Design Group eingeladen, parallel zu seiner Personale eine architektonische Intervention in der ebenfalls am 11. Februar 2015 eröffnenden Ausstellung Ludwig Goes Pop zu realisieren.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnungen von David Lieske. Platoon (RL-X) und Ludwig Goes Pop wird am Mittwoch, 11. Februar, 19 Uhr, auch das The Bernard Natan Centre for the Arts mit einer Performance der Villa Design Group eröffnet.

Ein DJ-Set von Lawrence aka Peter Kersten (Dial Records) & Bianca (Mathew Gallery) rundet den Eröffnungsabend ab.

www.mumok.at

Wien, 11. 2. 2015

Der Mai im Festspielhaus St. Pölten

Mai 3, 2013 in Tipps

Alles bewegt sich!

Bild: Ros Kavanagh

Bild: Ros Kavanagh

Im Mai  kommt Bewegung ins Festspielhaus – alles dreht sich um das Thema Tanz. Am 4. Mai präsentiert Michael Clark die Österreich-Premiere seiner Produktion „come, been and gone“, in der Moderner Tanz, Ballett und Rockmusik aufeinandertreffen. Am 11. Mai findet das große Tanz- und Musikprojekt „alles bewegt“ in der gleichnamigen Bühnenshow seinen Höhepunkt und Abschluss und am 16. Mai steht die Uraufführung von „Österreich tanzt Baby!“ auf dem Programm. Vier österreichische ChoreografInnen treffen hierbei auf die Musiker der Band Tanz Baby!.

Michael Clark: come, been and gone, Österreich-Premiere, Sa 04. Mai 2013, 19.30 Uhr, Großer Saal
Am 04. Mai kommt der britische Choreograf Michael Clark mit seinem Stück „come, been and gone“ ins Festspielhaus: revolutionärer zeitgenössischer Tanz, bei dem die Welten des klassischen Balletts, des Modern Dance sowie explosive Rock-Musik aufeinandertreffen. Michael Clark spielt mit der klassischen Form, die er ebenso zelebriert wie dekonstruiert. Gewagte Kostüme, radikale Stilbrüche und Überzeichnungen, Einfallsreichtum und ein großes Gefühl für Bilder machen seine Abende einzigartig. Zudem ist „come, been and gone“ auch eine Hommage an Rockmusiker wie Bruce Gilbert, Iggy Pop und vor allem David Bowie, dessen Song „Heroes“ den Kern des Abends bildet.

alles bewegt, Uraufführung, Sa 11. Mai 2013, 19.30 Uhr, Großer Saal
In der Bühnen-Show „alles bewegt“ findet das gleichnamige große Tanz- und Musikprojekt seinen Höhepunkt und Abschluss, auf den 140 NiederösterreicherInnen zwischen 8 und 80 Jahren ein Jahr lang hingearbeitet haben. Für viele von ihnen war es die erste praktische Auseinandersetzung mit zeitgenössischem Tanz. Das kreative Team vereint KünstlerInnen wie Doris Uhlich, Maurizio Grandinetti, Murat Coskun oder Josette Baïz, die im Festspielhaus zu den fixen Größen der vergangenen Jahre zählen. Die künstlerische Gesamtleitung obliegt Jane Hackett von Sadler’s Wells London und Joachim Schloemer, dem Künstlerischen Leiter des Festspielhaus St. Pölten.

Österreich tanzt Baby!, Uraufführung, Do 16. und Fr 17. Mai 2013, 19.30 Uhr, Großer Saal
Das Festival Österreich TANZT erhält zum Abschluss der Ära Joachim Schloemer noch einmal ein völlig neues Format! Schloemer legt diesmal selbst als Kurator Hand an das Festival und lässt vier österreichische ChoreografInnen mit der Live-Band Tanz Baby! aufeinandertreffen. Tanz Baby! ist bekannt für ihre einzigartige Mischung aus altem Schlager und Neuer Deutscher Welle. Basierend auf ihren Songs, die die Zuhörer auf eine Achterbahnfahrt der großen Gefühle mitnehmen, entstehen vier eigenständige Mikrochoreografien, die von Stephanie Cumming, Ákos Hargitay, Radek Hewelt und Helene Weinzierl extra für diesen Anlass kreiert werden. Auf der Bühne mischen außerdem die Festspielhaus-Crew und die St. Pöltner Football-Mannschaft General Invaders mit.

www.festspielhaus.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 3. 5. 2013