Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft

April 25, 2017 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Paradox-poetische Bilder einer harten Lebensrealität

Bild: Jerzy Palacz

Dieser Film handelt nicht von Tschernobyl, sondern von der Welt von Tschernobyl. Und über die weiß man sehr wenig; man weiß nicht, wie die Einheimischen „dort“ leben. Es gibt Dokumentationen über Wölfe, die sich in der nuklearen Wildnis wieder angesiedelt haben, über eine wuchernde Pflanzenwelt, über die Natur, die nach der Verwüstung durch den Menschen ihren Reflex zur Unterwerfung abgeworfen hat und nun ihr Recht eines Überlebenden einfordert.

Doch auch Männer, Frauen, Kinder, Wissenschaftler, Reaktormitarbeiter, Soldaten, deren Witwen vor allem haben im Ort ausgehalten. In Pol Cruchtens Dokumentation „Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft“, die ab 28. April in den heimischen Kinos zu sehen ist, kommen sie zu Wort. Sie erzählen von ihrem früheren Alltagsleben, dann von der Katastrophe, nun von ihrem neuen Alltagsleben. Ihre Stimmen bilden ein langes, furchtbares, aber unabdingbares Flehen nach einer Normalität, die es für sie nie mehr geben wird. Dokumentation ist als Wort sehr weit gegriffen. Die Grundlage für Cruchtens Film ist das gleichnamige Buch von Literaturnobelpreisträgerin Svetlana Alexijewitsch. Deren Stil, aus Interviews Romane entstehen zu lassen, kennt man. Der Film hat die Form ihrer Prosa, die Art ihrer collage-artigen Aufzeichnungen beibehalten.

Schauspieler, Dinara Droukarova, Iryna Volostyna, Vitaly Matvienko, tragen die Texte vor, teils aus dem Off, teils in Spielszenen. Einmal ist Droukarova die immer noch verliebte Frau eines verstorbenen Feuerwehrmanns. „Er veränderte sich. Ich traf jeden Tag auf einen anderen Menschen“, schildert sie seinen Spitalsaufenthalt. Und während sie erzählt, wie sich sein Körper in ein blutendes Nichts auflöste, zeigt die Kamera paradox-poetische Bilder. Paradiesisch-üppiges Grün, das sich der Häuserruinen bemächtigt, die bizarre Architektur kommunistischer Amtsstuben, der Reaktor, die harte Lebensrealität – romantisch im Sonnenuntergang. Das Schlimmste erspart einem diese ästhetische Optik, nicht aber die Frage: Ist das Hinhören allein angenehmer, ist das Wegblenden des Grauens legitim?

Vieles ist zu schrecklich, um es eigentlich auszuhalten. Babys, die mit Deformierungen und Aplasien geboren werden – und doch überleben müssen. „Komplexe Pathologie“ steht dann in den Arztberichten. Kinder, die nicht wissen, dass man „zu Hause“, nicht im Krankenhaus wohnt, und die mit ihren Puppen „Infusion“ spielen. Und überall Ehr/Furcht vor dem Gewesenen. Tschernobyl ist fantastischer als Science-Fiction. Alexijewitsch musste nicht auf-, nur mitschreiben.

Bild: Jerzy Palacz

Bild: Jerzy Palacz

Was Cruchten dazu zeigt, ist seltsam surreal. Eine Frau deckt ihre Kuh zum Schutz mit einer Plastikplane ab. Ein Mann nimmt seine Haustür als Talisman in die Evakuierung mit; sie wird zur Totenbahre für seine Enkelin werden. Das Skelett eines Rummelplatzes. Gasmasken, Spielzeug, Geschirr liegen in Haufen. Wie eine Museumsinstallation. Wie in einer Tschernobyl-Ausstellung. Eine unwirkliche Kulisse, als hätten die Russen, Erfinder des Futurismus, auch diese Kunstrichtung hervorgebracht. Und man beginnt zu begreifen, was es heißen mag, ein „Tschernobyl-Mensch“, heißt: eine Kuriosität zu sein. Immer wieder bleiben die Aufnahmen stumm, immer wieder ist Nacktheit ein Thema, der ausgelieferte Mensch, immer wieder berichten Spiegelbilder von der Vergänglichkeit.

Alexijewitsch freilich, und mit ihr Cruchten, haben auch politische Fußnoten anzubringen. Sie erzählen davon, wie Lähmung durch politischen Druck entsteht, wie Parteidisziplin plus Angst gleich Schweigen ist. Ein Protagonist versucht sich als Physiker und darin, das Zentralkomitee von den Vorfällen zu unterrichten. „Sobald ich den Unfall ansprach, wurden die Leitungen unterbrochen“, sagt er über seine Telefonate. Seine Aufzeichnungen verschwinden. „Die Zuständigen machen sich keine Sorgen um die Menschen, sondern um ihre Macht.“ Ein Soldat, der am Reaktor arbeitete, wartet immer noch auf sein Sterben. Er denkt es nicht mehr als Zufall. Das Denkmal für ihn, für die Helden von Tschernobyl, sieht aus wie ein Kriegerdenkmal. Die Kamera umkreist es. Die damalige sowjetische Nomenklatura benutzte diese Skavenmentalität, indem sie das gefügige Menschenmaterial skrupellos in den so deklarierten „Krieg aller Kriege“ warf, „dahingeschleudert wie Sand auf den Reaktor“, wie der Soldat sagt.

Dinara Droukarova als verwitwete Feuerwehrsfrau. Bild: Jerzy Palacz

Weder Buch noch Film verengen sich auf wohlfeile antisowjetische Polemik. 31 Jahre nach Tschernobyl, sechs Jahre nach Fukushima, stemmt sich „Tschernobyl – Eine Chronik der Zukunft“ gegen das Vergessen des Ausmaßes nuklearer Katastrophen generell. Die Dokumentation rückt zwar die Geisterstadt und ihre Gespenster näher, sie ist ein kunstvoller Tryptichon von Stimmen.

Doch sie ist auch die Rekonstruktion des Gefühls, Verantwortlichen und deren Informationsverweigerung ausgeliefert zu sein. In einem Weißrussland unter dem diktatorischen Regime Lukaschenkos, es ist Alexijewitschs Heimat, darf „Tschernobyl – Chronik einer Zukunft“ bislang weder als Buch erscheinen, noch als Film gezeigt werden.  Und keine 100 Kilometer vom Unglücksort entfernt, ringen heute Russen und Ukrainer um die Krim …

www.tschernobyl-der-film.at

Wien, 25. 4. 2017

Dany Boon: Super-Hypochonder

April 10, 2014 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Wehwehchen kommt selten allein

Dr. Dimitri Zvenka (Kad Merad), Romain Faubert (Dany Boon) Bild: Prokino

Dr. Dimitri Zvenka (Kad Merad), Romain Faubert (Dany Boon)
Bild: Prokino

Lachen bis der Arzt kommt. Frankreichs Superstar Dany Boon ist nach „Willkommen bei den Sch’tiis“ wieder ein ganz großer Film gelungen. Nur führt er diesmal nicht eine, seine Nation vor, sondern eigentlich uns alle. Dany Boon präsentiert eine romantische Farce vollgestopft mit Action rund um die Angst vor Krankheit beziehungsweise der Angst vor den eigenen Mitmenschen. Der Film ist gut geschrieben und gut inszeniert. Die Schauspieler sind exzellent in Szene gesetzt – vor allem Dany Boon selber und Publikumsliebling Kad Merad, aber auch die eigentliche Entdeckung des Casts: Alice Pol. Der Filmemacher präsentiert sich auf der Höhe seiner Kunst, wenn er sich mit viel Selbstironie über seine eigenen Neurosen lustig macht. Ein Witz jagt den nächsten, und sein burleskes Zusammenspiel mit Merad stellt ein gut getimtes Gegengewicht zum Ernst der angesprochenen Themen dar.

Der Inhalt: Für Romain Faubert (Boon) ist die Welt ein Ort voll bösartiger Bazillen, die an jeder Ecke lauern und nur darauf warten, seinen Körper mit unaussprechlichen Krankheiten zu infizieren. Faubert ist ein wahrer Hypochonder und Neurotiker – und ziemlich allein. Mit seinen 39 Jahren hat er weder Frau noch Kind, und sein einziger Freund ist sein Arzt Dr. Dimitri Zvenka (Merad), der den fatalen Fehler gemacht hat, Romain in sein Herz zu schließen . Eine Tatsache, die er mittlerweile bitter bereut. Romains Ängste, Neurosen und Phobien enden Mal um Mal in einer großen Katastrophe. Um seinen „Lieblingspatienten“ loszuwerden, heckt Dimitri einen Plan aus: Er hilft Romain dabei, endlich die Frau seiner Träume zu finden. Bei diesem Vorhaben lässt er nichts unversucht – er lädt ihn zu Partys ein, meldet ihn bei einer Singlebörse an und zeigt ihm, wie man eine Frau verführt. Doch die Frau, die sich in Romain verliebt und ihn so nimmt, wie er ist, muss scheinbar noch geboren werden. Da greift Dimitri zu einem letzten Mittel: „Schocktherapie“. Romain soll ihn bei einer Hilfsaktion in der Bananenrepublik Tscherkistan unterstützen. Als der eingebildete Kranke dabei mit dem Revoluzzer eines kleinen Landes irgendwo im Wilden Osten verwechselt wird, verliebt sich ausgerechnet Dimitris Schwester Anna (Pol) in ihn. Und schon nimmt das Unheil seinen Lauf…

Ein Gespräch mit Dany Boon

Lassen Sie uns doch die Wahrheit sprechen Der Super-Hypochonder, das sind doch im Grunde Sie selbst, nicht wahr? Dany Boon: Das Thema der Hypochondrie geht mir in der Tat ziemlich nahe. Da ich mich mittlerweile in einem Alter befinde, in dem ich für meine Handlungen und Neurosen selbst verantwortlich bin, muss ich mir – wie viele andere Künstler und Entertainer – eingestehen, dass mir die Vorstellung von Krankheit Angst einjagt. Sobald ich auch nur das geringste Symptom aufweise, bin ich überzeugt, dass es extrem schwerwiegend und nicht heilbar sein könnte: Bei 38,5 Grad Körpertemperatur liege ich im Sterben. Ich telefoniere deshalb regelmäßig mit meinem Arzt. Er heißt Roland – er hat übrigens einen Auftritt im Film – und ist nach 20 Jahren ein Freund geworden. Ich gebe zu, dass ich die Telefonnummer seiner Praxis auswendig weiß, und gestehe, dass ich sogar seine Privatnummer besitze, die stets auf meinem Nachttisch bereit liegt. Er hat es schon oft bereut, dass er sie mir verraten hat. Aber jetzt mal ernsthaft: Meine Hypochondrie ist eine Krankheit, die mein Umfeld, meine Frau und meine Kinder nur schwer ertragen. Ich achte daher dermaßen gut darauf auf, nicht krank zu werden, dass ich meine ganze Lebensweise geändert habe: Ich treibe sehr viel Sport, ich achte auf eine ausgewogene Ernährung. Was übrigens wieder andere Neurosen weckt, weil ich plötzlich an meine Eltern denke, die stets immer nur die günstigsten Lebensmittel gekauft haben.

Ist der Film ein Mittel, sich Ihre Hypochondrie aus zutreiben?
Boon: Es steckt zunächst einmal die Idee dahinter, sich mithilfe von sehr viel Selbstironie darüber lustig zu machen. Man bringt andere immer am besten zum Lachen, wenn man sich selbst lächerlich macht. Je ehrlicher und persönlicher die Geschichte ist, desto stärker wirken die komödiantischen Szenen und desto weiter kann man den Wahnsinn und die Verrücktheit treiben. Wie im Film öffne ich selbst Türen mit dem Ellenbogen, und ich wasche mir immer die Hände, nachdem ich die Zahlenkombination auf dem elektronischen Türschloss gedrückt habe. Ich glaube, ich würde es vorziehen, eine Treppe hinunterzustürz en, als mich am Geländer festzuhalten.
Der Film behandelt auch den sehr aktuellen Trend zur Selbstdiagnose via Internet.

Boon: Es genügt, ein Schlagwort bei Google einzugeben, und schon findet man Bilder und Beschreibungen von der Krankheit, an der man zu leiden glaubt. In den verschiedenen Foren finden sich absolut dramatische und verblüffende Erfahrungsberichte und Aussagen. Mein lieber Freund und Allgemeinarzt hat mir erzählt, dass es heute selbst auf Mediziner-Konferenzen Debatten zum Thema Selbstdiagnose gibt. Die Ärzte müssen inzwischen mit Patienten fertig werden, die nicht mehr nur mit einem Leiden zu ihnen kommen, sondern bereits mit einer Diagnose.
Der Film dreht sich nicht nur ums Thema der Hypochondrie, sondern greift auch andere Themen auf – wie die Frage nach Identität oder Beziehungen zwischen Mann und Frau …
Boon: Deshalb hat die Ausarbeitung des Projekts auch mehr Zeit in Anspruch genommen. Hypochondrie ist für sich genommen kein Thema für eine Komödie, weil sie Vorstellungen und Figuren allzu negativ herausstellt, und die Möglichkeiten sind sehr beschränkt. Meine Idee war also zu zeigen, wie ein Hypochonder lebt, festgemacht daran, was es für meine Frau oder meine Mutter bedeutet, mit einem Hypochonder zusammenzuleben. Mir war es wichtig zu zeigen, wie schwierig es für einen Typen wie Romain ist, der noch dazu als Fotograf für Medizinlexika arbeitet, Beziehungen mit anderen Menschen aufzubauen. Grundsätzlich ist die Hypochondrie ein sehr bürgerliches Phänomen, weil man für seine Leiden die nötige Zeit und das nötige Kleingeld haben muss. Kurzum, mich hat interessiert, wie dieser Kerl trotz seiner Neurosen die Liebe findet. Hier kommt die Figur von Kad ins Spiel. Romain denkt zu Unrecht, dass Dimitri sein bester Freund sei. Aber Dimitri denkt nur daran, wie er für Romain die passende Frau finden kann, damit er von ihm befreit ist und es ihm endlich besser geht. Von daher behandelt der Film nicht nur die Krankheit, sondern es geht auch um die Suche nach Liebe und das Bild, das Frauen von Männern haben. Von diesem Moment an und mithilfe der Nebenhandlung, die die Revolution in Tscherkistan thematisiert, kann sich Romain als Held stilisieren – und das wiederum gibt ihm Bestätigung im wahren Leben. Nebenher ändert er auch das Leben von Anna, die sich in ihrer Ehe und in ihrem Alltag langweilt. Sie verfällt dem Charme dieses „Helden“, der sie an ihre Wurzeln erinnert und wieder mit ihrer slawischen Identität in Berührung bringt. Manchmal habe ich sogar während des Drehs noch Dinge geändert, wie etwa die Szene zwischen Alice und mir, als sie nur noch auf Tscherkistanisch mit mir sprechen will. All das führte übrigens noch zu einem Szenario, das sich ziemlich in die Länge zog, und wir haben Sachen gedreht, die dann doch wieder rausgeflogen sind.

Was die Form des Films anbelangt, gibt es natürlich Szenen reinster Komödie, wie Sie es seit Langem meisterlich beherrschen. Allerdings erwartet Sie das Publikum vielleicht eher weniger in den Bereichen der Romantik oder Action. Doch auch hier beweisen Sie ein gutes Händchen als Regisseur.
Boon: Ich nehme das als Kompliment. Ich wollte meine Hauptfigur in Situationen führen, die sie zur Veränderung zwingen – und das passiert mithilfe verschiedener Genres. Das war nicht immer einfach. Ich habe Monate damit zugebracht. Für die spektakuläreren Szenen haben wir viel vorab gearbeitet, auch mit Storyboards, wie etwa bei der Szene eines Gefängnisangriffs. Unseren Dreharbeiten in Ungarn gingen monatelange Drehortbesichtigungen und Castingtermine voraus, weil ich „echte Slawengesich ter“ haben wollte.
Hat es Ihnen Spaß gemacht, die Actionszenen zu drehen?
Boon: Aber ja, ich habe es genossen! Wir hatten eine Woche dafür Zeit, haben  in einem ehemaligen Atomschutzraum gedreht, der während der Sowjetära gebaut worden war und sich in einem Teil von Budapest befindet, einer unglaublichen Stadt, in der es nur Fabriken gibt, in denen rund um die Uhr gearbeitet wird. An dieser Stelle muss ich die Kameraarbeit von Romain Winding huldigen, der mir bei „Leb wohl, meine Königin!“ von Benoît Jacquot aufgefallen war und eine fantastische Arbeit geleistet hat.
Eine Herausforderung  bestand sicher darin, die Erwartung des Publikums nicht zu enttäuschen, weil Sie wieder mit Kad Merad, mit dem Sie schon bei „Willkommen bei den Sch’tiis“gearbeitet haben, vor der Kamera stehen.
Boon: Sicherlich. Und ich kann Ihnen sagen, das war ein echtes Wiedersehen! Ich hatte schon vergessen, wie großartig es ist, mit Kad vor der Kamera zu stehen und wie selbstverständlich unser Zusammenspiel funktioniert. Er ist ein exzellenter Komödiant, und ich liebe es, ihn zu inszenieren und noch mehr, ihn ein wenig zu martern. Gleich bei den ersten gemeins amen Szenen habe ich diese Zusammengehörigkeit zwischen uns verspürt – das war wieder ganz offensichtlich. Wir mussten darauf achten, dass wir uns nicht wiederholen, man muss seine Figuren vielmehr ganz leibhaftig zum Leben erwecken, damit es erneut auf der Leinwand funktioniert. Es soll ja nicht der Eindruck entstehen, die Beziehung zwischen Dimitri und Romain basiere auf einer latenten Homosexualität.


Alle Schauspieler, egal ob wir von den Stars oder den Statisten sprechen, haben die extreme Aufmerksamkeit betont, die Sie ihnen entgegenbringen.

Boon: Das finde ich einfach wichtig. Ich finde es unerträglich, wenn Figuren, die weniger im Vordergrund stehen oder weniger wichtig sind, vernachlässigt werden oder gar schlecht wegkommen im Film. Das wirft mich aus der Geschichte raus. Ich will keine Pappkameraden sehen.
Jeder Ihrer Filme wird aufgrund des Erfolgs des jeweils vorangegangenen mit großer Spannung erwartet. Erzeugt das Druck?
Boon: Ich gehe von dem Prinzip aus, dass ein Film so viele Zuschauer bekommt, wie er verdient hat. Der „Super-Hypochonder“ wird also das Leben haben, das er haben soll. Diesen Druck kenne ich seit den „Sch’tis“ – aber er hat mich nie daran gehindert, mich frei und glücklich zu fühlen bei dem, was ich tue. Mein Hauptziel ist, die Leute zum Lachen zu bringen und mein Publikum gut zu unterhalten.Das Wichtigste ist immer die Beziehung zum Publikum.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=oWIknA_XHyI

Wien, 10. 4. 2014

Armes Theater Wien: „Die Kunst der Komödie“

August 8, 2013 in Tipps

Zaubertheater ohne Kulissenzauber

 Ensemble Bild: © Vondru


Ensemble
Bild: © Vondru

Ab 14. August spielt das Arme Theater Wien Eduardo de Filippos „Kunst der Komödie“ im Wiener Volksliedwerk („Bockkeller“, 1160 Wien, Gallitzinstraße 1). Die Kunst der Komödie ist eine der schwierigsten. Aber es gibt Experten, die diese Kunst beherrschen. Der neapolitanische Dramatiker Eduardo de Filippo war so einer. Er schrieb über Seitensprünge, Heucheleien, Missverständnisse, das ganz normale Leben also, poetisch, leicht und intelligent. Und auch über das Theater selbst: In „Die Kunst der Komödie“ behauptet ein unvorsichtiger Politiker, die Wirklichkeit komme im Theater nicht mehr vor. Darauf schickt der Theaterchef seine Schauspieler. Sie mischen sich unter die Bittsteller, und sehr schnell kann der Politiker die Realität vom Spiel nicht mehr unterscheiden. Die Wirklichkeit ist oft absurder als alles, was man sich ausdenkt. Eduardo de Filippo stellt sich mit dieser Farce, in der das Theater sich selbst thematisiert, in die Tradition von Pirandellos Komödien: Schauspielkunst vermag die Gewissheit, was Realität ist, gründlich zu verunsichern.

Eduardo de Filippo ist nicht nur einer der berühmtesten Altmeister des italienischen Theaters, sondern auch der Begründer des italienischen Neorealismus. Filmregisseure wie Fellini oder Visconti haben von seinem kargen Theater gelernt. Wie in der Tradition der alten Commedia dell`arte braucht das Arme Theater Wien für seine Aufführungen nur ein Minimum an äußerem Aufwand, um sich höchst wirkungsvoll zu entfalten. Zaubertheater ohne Kulissenzauber.
Mit Klaus Fischer, Manfred Jaksch, Krista Pauer, Markus Pol, Jörg Stelling und Daniel Tejeda. Regie: Erhard Pauer.

www.armestheaterwien.at

Trailer: www.youtube.com/watch?v=Vw_rczL5vZk

Von Michaela Mottinger

Wien, 8. 8. 2013