Schlüterwerke: Esperanza – eine Partisanenoper

Juni 6, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit den Widerstandskämpfern durch den Wald

Bild: mottingers-meinung.at

Bild: mottingers-meinung.at

Am 16. Juni wird in einem Wald bei Wien „Esperanza – eine Partisanenoper“ uraufgeführt, eine Produktion der Schlüterwerke in der Regie von Markus Kupferblum. Lydia Mischkulnig verfasste das hochdramatische Werk, das sich mit der österreichischen und europäischen Aufarbeitungskultur unrühmlicher historischer Ereignisse beschäftigt. Dabei ergeht sich ein gutmeinender Bürgermeister in eifrigem, wortgewaltigen und publikumswirksamen Gedenken, während die Realität ihn und seine Gemeinde auf dramatische und unausweichliche Weise einholt. Magdalena Zenz vertont dieses scharfsinnige und gleichsam komische Werk und lässt unterschiedliche Stile schonungslos aufeinanderprallen. Damit spiegelt sie die kulturelle Realität des heutigen Europas und lässt den Charakteren keine Möglichkeit, in ihre Idylle zu entkommen.

Das Publikum wird die Protagonistinnen und Protagonisten dieser Oper durch dick und dünn begleiten. Es singen und spielen: Ulla Pilz, Béla Bufe und Magdalena Zenz. Aufführungen gibt es bei Schönwetter bis 26. Juni. Treffpunkt: Haltestelle 38A, Parkplatz Cobenzl. Beginn ist um 20 Uhr. Eintritt: Das Publikum spendet nach dem sogenannten “Schlüterprinzip” so viel es sich leisten kann.

www.schlüterwerke.at

www.kupferblum.com

Mehr von Markus Kupferblum: Rezension „Eisemann – Der Tänzer, der vom Himmel fiel“ www.mottingers-meinung.at/?p=20531

Wien, 6. 6. 2016

Die Albertina bestückt ab Herbst 2018 das Künstlerhaus

November 17, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Ausstellungen im Auftrag der Haselsteiner Privatstiftung

Klaus Albrecht Schröder Bild: © Albertina, Wien

Klaus Albrecht Schröder
Bild: © Albertina, Wien

„Ich freue mich über das klare Votum der Künstlerhausvereinigung bei der gestrigen außerordentlichen Hauptversammlung“, sagt Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder. Die vergangene Woche angesprochene „Jahrhundertchance“ ist nun fixiert: Die Albertina wird nach der mit 30 Millionen Euro veranschlagten Sanierung des Künstlerhauses durch die Haselsteiner Familienprivatstiftung ab Herbst 2018 das Erdgeschoß des Hauses am Karlsplatz bespielen, also jenen Teil, den die Stiftung innerhalb der gemeinsam gehaltenen Besitzgesellschaft hält.

Die restlichen Flächen im Obergeschoß werden weiterhin von der Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs genützt. Sowohl das Stadtkino im Künstlerhaus als auch brut Wien bleiben bestehen. Die Albertina wird mit dem Künstlerhaus erstmals die Gelegenheit haben, große Teile ihrer Sammlungen österreichischer Kunst gemeinsam mit anderen österreichischen Kollektionen zugänglich zu machen. Der Name Künstlerhaus bleibt dabei erhalten.

Erst am 14. November hatte Künstlerhaus-Präsident Michael Pilz mit Vehemenz „alle Anwürfe und Einmischungen von falsch informierten Außenstehenden, die die Kooperation mit der Haselsteiner Familienprivatstiftung als ,feindliche Übernahme‘ darstellen wollen“ zurückgewiesen: „In Wirklichkeit ist es in einem großartigen Verhandlungserfolg gelungen, nicht nur das Künstlerhaus für die Künstlerinnen  und Künstler zu erhalten, sondern darüber hinaus die GBKKÖ erstmals seit Jahrzehnten des zähen Überlebenskampfes in die Lage zu versetzen, für die Kunst und die Künstler im eigenen Haus und weit darüber hinaus aktiv zu werden, wie es ihrer Bestimmung entspricht.“

Nach Schröders Plänen soll das Künstlerhaus nun wieder zu einem Brennpunkt des Ausstellungsgeschehens in Wien werden; er denkt an eine „Nutzung als prominentester Schauplatz für die österreichische Kunst des 20. Jahrhunderts, präzise: jener der Ersten und Zweiten Republik“. Viele Strömungen seien von den nachkommenden verdrängt worden, ihnen will man mehr Aufmerksamkeit schenken. Konkret schwebt Schröder vor, in die Kunst nach 1945 „klare Referenzpunkte der österreichischen Kunst der Zwischenkriegszeit einzubauen“, auch in Hinblick auf das 100-Jahr-Jubiläum der Republiksgründung 2018. Gezeigt werden sollen neben Werken aus der Sammlung Essl, an der Haselsteiners Stiftung mit 60 Prozent beteiligt ist, auch Werke „aus vielen anderen Sammlungen“, so Hans Peter Haselsteiner zur APA. Konkrete Sammler-Namen wollte er vorerst nicht nennen. Einen eigenen Direktor zu ernennen, hält er für „nicht sonderlich sinnvoll“, die Albertina sei schließlich sein „Wunschpartner“ gewesen.

Schröder: „Wien wird mit der gestrigen Entscheidung in drei Jahren ein neues Museum und damit ein führendes Haus für die Präsentation österreichischer Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts erhalten.“ Die Kuratoren für die drei bis fünf geplanten Ausstellungen pro Jahr werden aus der Albertina sein. Die Besucher seines Hauses, das im Herbst 2018 eine große Monet-Schau programmiert hat, könnten mit dem selben Ticket dann auch ins Künstlerhaus gehen. Wenn das nur ein Prozentsatz wahrnehme, würde das Künstlerhaus zum dritt- oder viertbest besuchten Museum werden, hofft der Albertina-Chef.

www.k-haus.at

www.albertina.at

Wien, 17. 11. 2015

Forum Frohner: Aktionistinnen

Mai 13, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Von VALIE EXPORT bis Kiki Kogelnik

Kiki Kogelnik: Kunst kommt von künstlich, 1967, Intervention, Wien Bild: Kiki Kogelnik Foundation, Wien/New York, 2014

Kiki Kogelnik: Kunst kommt von künstlich, 1967, Intervention, Wien
Bild: Kiki Kogelnik Foundation, Wien/New York, 2014

Ab 18. Mai zeigt das zur Kunsthalle Krems gehörende Forum Frohner die Schau „Aktionistinnen“.

Hartnäckig ist der internationale Ruhm des „Wiener Aktionismus“ an seine männlichen Vertreter gebunden. Außer VALIE EXPORT, die sich mit ihren Body-Art-Aktionen und dem „Expanded Cinema“ auch im Ausland etablieren konnte, und den bis Amerika bekannten Werken von Birgit Jürgenssen, werden die in den 1970er- und 1980er-Jahren auftretenden Vertreterinnen des Aktionismus nur zögerlich von der Kunstgeschichte wahrgenommen. Dabei haben gerade Renate Bertlmann, Linda Christanell, Rita Furrer, Margot Pilz oder Inge Opitz mit ihren Aktionen über die Galerien Grita Insam, Ursula Krinzinger und die Galerie im Griechenbeisl hinaus auch in Museen, Kunstvereinen und der Kremser Performancewoche 1983 großes Aufsehen erregt.

Nach der Erinnerungsschau „Mothers of Invention“ (2003) in der mumok-Factory und „Matrix“ (2008) im MUSA setzt die Präsentation im Forum Frohner die Forschung zu den wichtigsten Protagonistinnen des österreichischen Aktionismus fort. Aktionen, dokumentiert in Fotografie und Film, sowie Aktionsrelikte werden dabei gegenübergestellt. Bevor der Begriff „Performance“ in die Szene der bildenden Kunst des Theaters Eingang fand, dienten Kunstaktionen vor allem der Vermittlung gesellschaftspolitischer Statements. Weitere Inhalte sind die Alltagssymbolik der Frau, wobei – ganz im Unterschied zur masochistischen Thematik der „Wiener Aktionisten“ – eine feine Klinge in Sachen subtiler Humor und Identitätsbefragung geführt wurde. Selbstbespiegelungen des zum Objekt verdammten weiblichen Körpers werden zu Projektionsflächen für feinen Sprachwitz in Parallele zu strukturalistischer Methodik, vorgeführt vor allem durch die Medien Video, Fotografie und Film.

Künstlerinnen: Renate Bertlmann, Linda Christanell, VALIE EXPORT, Rita Furrer, Birgit Jürgenssen, Kiki Kogelnik, Inge Opitz und Margot Pilz

www.kunsthalle.at

Wien, 13. 5. 2014