Forum Frohner: Nouveau Réalisme / Daniel Spoerri

März 17, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Begegnung, die zur „Blutorgel“ führte

Daniel Spoerri, „Faux tableau piège – Porträt J. A.“ © Landessamml. NÖ. Kunstmeile Krems

Die Ausstellung „Antworten auf die Wirklichkeit. Adolf Frohners Begegnung mit dem Nouveau Réalisme“ im Forum Frohner in Krems-Stein geht in die Verlängerung: Bis 9. Mai sind die Materialbilder, Objekte und Assemblagen namhafter Künstler wie César, Christo, Adolf Frohner, Raymond Hains oder Daniel Spoerri noch zu sehen. Die Schau spürt mit ausgewählten Objekten den Zusammenhang zwischen Adolf Frohner und den Nouveaux Réalistes nach.

Aus Anlass des 90. Geburtstages Daniel Spoerris im vergangenen Jahr bildet seine Position einen Schwerpunkt der Schau. Rechtzeitig zur Verlängerung wurde nun ein neues Werk des beliebten Künstlers aus den Landessammlungen Niederösterreich angeliefert: das Fallenbild „Faux tableau piège –Porträt J. A.“. Bei der künstlerischen Darstellung von Spoerris Fallenbildern werden Gegenstände als Momentaufnahme einer gemeinsamen Mahlzeit oder Ähnliches auf einer zufälligen Unterlage – oft einem Esstisch – angeordnet. Eine Drehung um 90 Grad evoziert dabei die Verwandlung des Ensembles vom Alltagsszenario in ein Kunstobjekt. Im Fallenbild sieht Spoerri, der vor einigen Jahren sein eigenes Ausstellungshaus im nahegelegenen Hadersdorf am Kamp gründete (www.spoerri.at) eine Möglichkeit, eine Handlung und deren Objekte einzufrieren.

In den 1960er-Jahren reiste Adolf Frohner mehrmals nach Paris. Diese Aufenthalte wirkten sich impulsgebend auf sein gesamtes Schaffen aus, denn in Paris begegnete er den Avantgardeströmungen der Zeit. Künstlerisch befand Frohner sich damals in einer Umbruchphase. Er hatte sich in Zeichnung und Malerei zunächst mit der klassischen Moderne beschäftigt. Das Jahr 1960 markierte jedoch einen Wendepunkt. Frohner experimentierte mit der Beziehung zwischen Abbild und Realem. Er abstrahierte das Gesehene, kam rasch zu einer Auflösung der Form und fand zu einem verstärkten Interesse an der Materialität.

Das „Materialbild“ aus dem Jahr 1960 zeigt die Auseinandersetzung mit verschiedenen haptischen Qualitäten – Stoffe, Jute, Karton –, die zu einer Collage zusammengeführt werden. Die Unscheinbarkeit und der geringe Wert des Materials stehen im Gegensatz zum Anspruch einer tradierten Kunstvorstellung. Gerade das Bemühen, eine adäquate Annäherung an das Reale zu finden, beschäftigte Frohner in dieser Phase intensiv. Er sprach von einer „Suche nach Antworten auf die Wirklichkeit“. Der Nouveau Réalisme hatte eine solche gefunden. Obwohl Frohner keinen direkten Kontakt mit der losen Gruppe hatte, zeigt die Veränderung seiner künstlerischen Auffassung im Jahr 1960 den Einfluss der Nouveaux Réalistes.

Adolf Frohner: Jakobsleiter, 1966. Bild: © Landessammlungen NÖ

César: Compression Mobil, 1960.Bild: © mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, ehemals Sammlung Hahn, Köln

Raymond Hains: Palissade de trois planches, 1959. Bild: © mumok – Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, ehemals Sammlung Hahn, Köln

Frohner wurde in der Folge künstlerisch radikaler und mit der Aktion „Blutorgel“ zum Mitbegründer des Aktionismus. In dieser Werkphase wandte er sich gegen die Nachkriegsgesellschaft und forderte für die Kunst ein Bekenntnis zum Widerstand gegen übliche Normen und Vorstellungen. Er arbeitete mit Gerümpel, das von einem Schrotthändler in sein gemeinsam mit Otto Muehl genutztes Atelier in der Wiener Perinetgasse gekippt wurde. Aus dem sperrigen Material entwickelte er durch Umformung Objekte von irritierendem Charakter. Wie bei César oder Arman spielte die Kritik an der kapitalistischen Nachkriegsgesellschaft durch die Umdeutung von industriellen Waren und Wegwerfprodukten eine Rolle. Darüber hinaus sollte die Kunst die Herrschaft des Realen und seine Erscheinung nicht mehr imitieren, sondern das Reale per se wurde durch die Umdeutung zum Kunstobjekt erklärt.

Ab 1962 wurde die Matratze für Frohner zu einem wichtigen Werkstoff. Er riss sie auf, bearbeitete und bemalte sie. Die Oberfläche des Objektes wurde damit zu einem zentralen Ausdrucksträger, die Aktion des Bearbeitens am Objekt ablesbar und konstitutiver Teil des Werkes. Sowohl Frohners Materialbilder als auch seine aktionistischen Matratzenobjekte zeigen Bezüge zu den Arbeiten der Nouveaux Réalistes, besonders zu Christos Untersuchungen der Oberfläche aus den 1960er-Jahren. Für beide war in diesem Zusammenhang Jean Dubuffet ein wichtiger Bezugspunkt.

In vielen Objektassemblagen der 1960er-Jahre bezieht sich Frohner auf Methoden der Nouveaux Réalistes. So erinnert sein Objekt „Die bunte Schachtel“  von 1963 an Gérard Deschamps’ Stoffassemblagen. Deschamps beschäftigte sich mit den Konventionen der Bekleidung, etwa indem er Damenunterwäsche zu einem Objekt transformierte oder Militärutensilien benützte. Auch Frohner versuchte mit seiner Arbeit eine Umdeutung. In Frohners Werk „Der Brustkasten“ aus dem Jahr 1972 steht das Wortspiel im Zentrum, indem das Wort buchstäblich genommen und in ein Objekt übersetzt wird. Diese Verfahrensweise geht auf Daniel Spoerri zurück, der in Zusammenarbeit mit Robert Filliou die „Wortfallen“ entwickelte, eine oft humorvolle Darstellung eines Sprichwortes.

In seinem figürlichen Werk ab Mitte der 1960er-Jahre übernahm Frohner Verfahren aus der Ideenwelt der Nouveaux Réalistes, jedoch kehrte er zum Tafelbild zurück. Auch thematisch finden sich klassische Sujets der Kunstgeschichte wieder. Der Mensch und existenzielle Themen werden zu zentralen Motiven, etwa in der „Kreuzigung“  von 1964. Bei dieser Arbeit kombiniert Frohner die Kreuzform mit einer Objektassemblage. In einem Erste-Hilfe-Kasten unterhalb der Kreuzigungsszene finden sich Operationsbesteck und Munition. Frohner nimmt hier eine radikale Interpretation des christlichen Leidensmotives vor. Frohners persönliche Beziehung zu den Nouveaux Réalistes beschränkte sich auf eine lose Bekanntschaft, obwohl ihn eine 1970  –im Jahr der Auflösung der Gruppe – aufgenommene Fotografie mit Pierre Restany bei der Biennale von Venedig zeigt.

Adolf Frohner, Gesicht, 1983. © Adolf Frohner gemeinnützige Privatstiftung, Bild: Christian Redtenbacher

Adolf Frohner und die Art Brut

Ab 22. Mai zeigt das Forum Frohner in Zusammenarbeit mit dem Department für externe Ausstellungen des Vereins der Freunde des Hauses der Künstler in Gugging „Adi und Art brut“. Im Zentrum der Schau stehen Arbeiten von Gugginger Künstlern wie Johann Fischer, Johann Garber, Johann Hauser oder August Walla im Dialog mit Adolf Frohner.

Frohners erste Begegnung mit der Art brut ist auf seinen Paris-Aufenthalt in den 1960er-Jahren zurückzuführen. Die Avantgarde in Paris – vor allem die informelle Malerei und die von Jean Dubuffet initiierte Art brut – war ein wichtiger Impuls für Frohner.

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Adolf Frohner mit Park Seo Bo am Grab von Vincent van Gogh, Auvers-sur-Oise, 1961. © Frohner Stiftung

Adolf Frohner, „Expressiver Nachmittag“, um 1988, @ Frohner Stiftung. Bild: Kunstmeile Krems

Park Seo-Bo, Ecriture (描法) No.090530, 2009. Bild: Claire Dorn. Courtesy of the artist and Perrotin

Park Seo-Bo und Adolf Frohner. Paris 1961

Auch in der Herbstausstellung „Park Seo-Bo und Adolf Frohner. Paris 1961“ ab 16. Oktober dreht sich alles um Frohners Affinität zu Paris: 1961 lernten der koreanische Künstler Park Seo-Bo und Adolf Frohner einander in der Kunstmetropole kennen. Park Seo-Bo gilt heute als einer der führenden monochromen Maler in Korea und Mitbegründer der monochromen Malerei in Asien. Der mittlerweile 89-Jährige lebt und arbeitet in Seoul. An der Schnittstelle zwischen buddhistischem Denken und dem Wissen der westlichen Kunstgeschichte fokussieren Park Seo-Bos Werke auf Textur und Struktur, der Radikalität der Reduktion und dem kontemplativen Erleben von Malerei. Die Ausstellung zeigt Berührungspunkte zwischen den Arbeiten der beiden Künstler, die bis in ihre Zeit in Paris zurückverfolgt werden können.

www.forum-frohner.at

17. 3. 2021

Volksoper: König Karotte

November 24, 2019 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Geniestreich mit Gemüse-Coup d’État

Jetzt regiert das Gemüse: Sung-Keun Park als König Karotte mit seinem grimmigen Grünzeuggefolge. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Dass jede Ähnlichkeit mit orangegesichtigen Politikern erwünscht und bestimmt nicht zufällig ist, klärt sich spätestens bei den von Marco Di Sapia gesungenen Couplets über Donald und Boris. Dem Casinos-Postenschacher ist selbstverständlich auch eine Strophe gewidmet, so frisch, dass Di Sapia sie von einem aus dem Souffleurkasten gereichten Blatt ablesen muss. Da sind die Lacher auf seiner Seite, ja, es stimmt, jedes Volks hat die Vertreter, die es via Wahl selbst verschuldet, und wieder erinnerlich wird,

dass es in Österreich sogar eine Partei oranger Farbe gibt, die politische Südfrucht, seit ihre Sonne vom Himmel fiel, freilich zu ein paar Früchtchen verschrumpelt. Die nationale Losung jedoch ist längst nicht so passé wie ihr Bündnis. Sie wird von immer neuen Schülern hoch und heilig und mittelmeerfarben gehalten, und honi soit …, wenn Regisseur Matthias Davids den Chor als biersüffelnde Burschenschafter auf die Bühne stellt, damit das Ganze von Anfang an Schmiss hat. Dies Ganze, ein Gesamtkunstwerk ist „König Karotte“, Opéra-bouffe-féerie aus den Federn von Jacques Offenbach und Librettist Victorien Sardou, die Koproduktion mit der Staatsoper Hannover gestern an der Volksoper zur Wiener Premiere gebracht.

Davids hat die Musiktheaterrarität zum 200. Geburtstag des Komponisten als durchgedrehtes Kaleidoskop voll aktueller Anspielungen inszeniert, erstaunlich außerdem, wie wenig Sardous bissige Kommentare zu Populismus, Opportunismus, Machtmissbrauch und dem schnellen Seitenwechsel der Masse an Brisanz verloren haben. Nicht nur die Corps-Geister erscheinen da beinah gegenwärtig, sondern auch Sätze von Di Sapias wendehälsischem Polizeichef Pipertrunck, der in jeder zweiten Szene sein „Ich bin zu euch übergelaufen“ verkündet, aber auch das Kabinett davor warnt: „Ohne uns kippt die Karotte nach links.“

Die Gartenmöhre also. Kommt aus ebendiesem des Regenten Fridolin XXIV., der Blaublüter ein verwöhnter Partyprinz, der sich mit seiner ruinösen Spaßgesellschaft vergnügt, so dass mit dem Hof kein Staat mehr zu machen ist. Fridolins Capricen haben das Reich in den Bankrott getrieben, der verarmte Adelsmann soll daher nach dem Willen seiner Berater mit der begüterten Prinzessin Kunigunde vor den Traualtar treten. Doch noch einer schmiedet Regierungspläne. Der gute Geist Robin will den verschwenderischen Herrscher als Erziehungs- maßnahme vom Thron stürzen, gerade Recht kommt ihm da der Rachedurst der bösen Hexe Kalebasse, die das Problem bei der Wurzel packt – und dieselbe aus ihrer finsteren Unterwelt ans Licht und zum König befördert.

Die Hexe holt die Wurzeln ans Licht: Christian Graf und Sung-Keun Park. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Karotte inspiziert sein mittels Zauber erobertes Reich: Sung-Keun Park. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Die Verlobte ist zum Feind übergelaufen: Julia Koci und Mirko Roschkowski. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Ein Staats-Streich vom Feinsten ist das, wenn das vegetabile Gefolge mitten durch die Zuschauerreihen Richtung Palast stapft, Lauch, Rote Rübe, Radieschen und Zwiebel dabei wahrlich keine Gemüsebeetbrüder, sondern per dunkler Sonnenbrille als sinistre Geheimdienstler ausgewiesen. Mit einem Propagandazauberspruch macht Kalebasse die Einwohner von Krokodyne gefügig – et voilà: Fridolin und Freunde flüchten … Frech und frisch setzen Matthias Davids und Dirigent Guido Mancusi den Offenbach-Sardou’schen, schier uferlosen Ideenreigen um, der vom antiken Pompeji über einen Ameisenstaat bis zu einer Affeninsel, in ein Turmverlies, eine Magierwerkstatt und zu einem Aufstand der Ritterrüstungen führt. Mit Mancusi am Pult mäandern Sänger wie Orchester meisterlich durch den musikalischen Mix aus großen Arien und noch riesigeren Chorsequenzen, Auftrittscouplets, Lautmalerei, Schlagern, sinfonischen Momenten und Schubert-Zitaten.

Hinreißend sind die Grünzeugkostüme von Susanne Hubrich, in denen allen voran Hausdebütant Sung-Keun Park als König Karotte gesanglich wie darstellerisch alles gibt. Der koreanisch-stämmige Buffo-Tenor bewältigt die sehr hohe Partie sozusagen spielend, er lässt nicht nur die Stimme, sondern auch die Körpersprache zwischen Machtwahn und kühlem Kalkül changieren, oder krakeelt in einer Art Pflanz-Kauderwelsch, weil nicht viel im, wer einen Karotten-Kopf hat. Hängen ihm anfangs noch die Stängelblätter aus dem Hosenschlitz, und wieder ist jede Ähnlichkeit mit einem präsidialen Reißverschluss …, wird er die Rübe am Ende ohnedies einziehen müssen.

Mirko Roschkowski ist ein fabelhafter Fridolin, der als berufsjugendlicher Genusssüchtler mal am Megajoint, mal an der Hopfenkaltschale nuckelt, der seinen mal weich fließenden, mal strahlenden Spinto schön zur Geltung zu bringen weiß – und darüber hinaus ein grandioses Talent für verzweifelte Komik besitzt. Ihm in nichts nach steht Juli Koci, die die Prinzessin Kunigunde zum burschikosen It-Girl macht, das seine sexy Vorzüge zu seinem Vorteil einzusetzen weiß, bevor sie im Wortsinn von der Karotte verzaubert ist, und deren Pfahlwurzel, als wär’s ein Phallus, liebkost. Große Klasse, wie Kocis Temperament über weite Strecken die Aufführung dominiert! Besonderen Publikumszuspruchs durfte sich Amira Elmadfa erfreuen, die als guter Geist Robin in Windeseile durch den Bühnenparcours turnt, und dabei ihren Mezzo so kraft- wie gefühlvoll klingen lässt.

Partyprinz meets adeliges It-Girl: Julia Koci als Prinzessin Kunigunde und Mirko Roschkowski als Fridolin XXIV. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Der Hofstaat steht Kopf: Josef Luftensteiner, Marco Di Sapia, Mirko Roschkowski, Jakob Semotan und Boris Eder. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Man sucht Rat bei Zauberer Quiribibi: Christian Graf mit Marco Di Sapia, Johanna Arrouas, Mirko Roschkowski, Amira Elmadfa und Yasushi Hirano. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Der Karotte geht allmählich der Saft aus: Sung-Keun Park, Boris Eder, Julia Koci und Franz Suhrada als Kammerherr Psitt. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Johanna Arrouas gestaltet mit leichtem, luftigen Sopran das in Fridolin verliebte, von Kalebasse eingekerkerte Burgfräulein Rosée-du-Soir als herzgewinnende Optimistin, und eine drollige Pointe ist, wie sie ihre Koloraturarie à la Olympia vorträgt. Christian Graf glänzt einmal mehr als Drag Queen, als maliziöse Hexe Kalebasse, die ihr Busensausen mittels Zauberstab up-pusht, und als sich in seine Bestandteile zerlegender Zauberer Quiribibi – die Szenen mit Graf wie stets komödiantische Kabinettstücke, etwa, wenn er das Gemüse mit ausladender Geste aus der Erde dirigiert und die Pflanzenzombies so zu ihren ersten Schritten auf dieser einlädt.

Zu Marco Di Sapias großartigem Pipertrunck gesellen sich als Hofnarren-Quartett: Boris Eder als geckenhafter, dem Geld nachjammernder Schatzmeister Baron Koffre, Jakob Semotan als kriegsversehrter Schlachtenminister Marschall Track, Josef Luftensteiner als furchtsamer Geheimrat Graf Schopp – und Yasushi Hirano als Schwarzmagier Truck, wobei dessen Bassbariton im Gesprochenen – Achtung: Running Gag – auf Japanisch erdröht. „König Karotte“ an der Volksoper erweist sich als Geniestreich mit Gemüse-Coup d’État; das Ensemble erfreut, abgesehen von der sängerischen Brillanz, mit seiner überbordenden Spielfreude.

Ein kurzweiliger, dreistündiger Abend, bei dem Politsatire und absurder Witz perfekt ineinandergreifen, der aber, quietschbunt und fröhlich, wie er ist, auch für die jüngsten Volksoperngeher gut funktionieren wird. Zum Schluss wird, als das Gelbwesten-Volk endlich aufbegehrt, der seit einiger Zeit vor sich hinwelkende Wurzelschrat zurück ins Beet verbannt – eine Utopie, wie zu wünschen wäre.

Kurzeinführung: www.youtube.com/watch?v=6JEkRSYH2Q0  www.youtube.com/watch?v=JWvcbmMDHBU

Regisseur Matthias Davids und Dirigent Guido Mancusi im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=tM9xNxYAZvo

Die Solistinnen und Solisten im Gespräch: www.youtube.com/watch?v=N4tt2i5oq4Q               www.volksoper.at

  1. 11. 2019

Theater Hamakom: „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“

Oktober 28, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Andreas Patton spielt Theresia Walsers „Hitler“

Simon Hatzl, Andreas Patton, Heinz Weixelbraun Bild: Theater Nestroyhof Hamakom

Simon Hatzl, Andreas Patton, Heinz Weixelbraun
Bild: Freda Fiala/Theater Nestroyhof Hamakom

Im Theater Nestroyhof Hamakom ist derzeit Theresia Walsers grandiose Satire „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“ zu sehen, ein Schauspiel für zwei Hitler-Darsteller und einen Goebbels. Drei Schauspieler sitzen im Fernsehstudio und warten auf ihren Auftritt. Gleich werden sie in einer Kultursendung über die Grenzen der Theaterkunst diskutieren. Sie wissen, wovon sie reden. Denn alle drei haben sich als Nazigrößen-Darsteller bewährt. Ihr Auftritt verzögert sich, also kommen sie ins Gespräch, aber in was für eines. Ein fast fundamentalistischer Kulturkampf tobt hier – zwischen dem alten „Naturalismusschwindel, bei dem man wie vor hundert Jahren Text aufsagt“ und den „narzisstisch überdrehten Provokationsdeppen, die sich in Selbstbespiegelung suhlen“.

Aber ebenso zwischen denen, die als Hitler Schokoladekuchen gegessen und bei jeden Bissen die Vernichtung mitgespielt haben und jenen, die nie versuchten, unten im Bunker als Hitler ihre Suppe bösartig zu löffeln. Da kann es schon einmal vorkommen, dass der eine froh ist, heute wieder ohne Polizeischutz auszukommen, nachdem er einmal nackt auf der Bühne kniend mit den Zähnen Seiten aus dem Koran gerissen hatte – gewisse Leute haben das fehlinterpretiert, die haben nicht verstanden dass man doch auf ihrer Seite war – und der andere, dass er einen Schweizer Pass hat, ohne den er Hitler nie spielen hätte wollen, weil ja doch nicht jeder aditauglich ist.

Andreas Patton, Simon Hatzl und Heinz Weixelbraun gestalten in der Regie von Hans-Peter Kellner dieses außergewöhnlich witzige und scharf pointierte Stück Theater. Es geht um die Problematik der Darstellung des Bösen auf der Bühne, die Debatte um die Kunstfreiheit, und die Frage von Werktreue versus Regietheater. Die perfiden Wortspiele der drei Bühnengranden teilen tüchtig Tachteln aus für die schon zum Allgemeingut gewordene Schaustellerei. Das Lachen, das aus Theresia Walsers Text aufsteigt, ihr Witz ist eine Einladung: Wer gewillt ist, sich weder von Angst dumm noch vom Vorurteil blind machen zu lassen, wird sich köstlich unterhalten.

„Die Sicherheit der Sicherheit“: 10 Jahre Wiener Wortstaetten

Von 5. bis 7. November findet im Theater Nestroyhof Hamakom das Festival zum Zehn-Jahres-Jubiläum der Wiener Wortstaetten statt. Aus gegebenem gesellschaftspolitischem Anlass und unter dem Titel „Die Sicherheit der Sicherheit“ wurden 14 Autorinnen und Autoren beauftragt, Monologe zu verfassen, die sich mit der Fragestellung auseinandersetzen. Denn: Das einzige, was im Leben eines Menschen sicher ist, ist der Umstand, dass er oder sie einmal sterben wird. Oder auf gut Wienerisch formuliert: Sterbn muaß a jeder. Inszeniert haben die Texte von u. a. Ibrahim Amir, Ákos Nemeth und Peca Stefan die Regisseure Alex. Riener, Hans Escher und Bernhard Studlar. Es spielen Paola Aguilera, Elisabeth Findeis, Ingrid Lang, Marcel Mohab, Andreas Patton, Boris Popovic, Sonja Romei und Michael Smulik.

www.hamakom.at

www.wortstaetten.at

Wien, 28. 10. 2015

Shakespeare in the Park – Open Air

Juni 25, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Romeo und Julia

Bild: Hannah Neuhuber

Bild: Hannah Neuhuber

Wiens neue englischsprachige Theatergruppe, die OPEN HOUSE THEATRE COMPANY, beschert der Stadt auch heuer wieder in den Gärten des Schlosses Pötzleinsdorf  das  „Shakespeare in the Park – Open Air“:

15. 7. – 15. 8. 2014 (19.30 Uhr)
ROMEO AND JULIET / ROMEO UND JULIA
von William Shakespeare.
(in englischer und deutscher Sprache an alternierenden Abenden):
Bei Schlechtwetter findet die Vorstellung im Festsaal des Schlosses Pötzleinsdorf statt.

www.openhousetheatre.at

Wiener Staatsoper: La Bohème

März 28, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Am Samstag live – zu Hause

Bild: Wiener Staatsoper

Bild: Wiener Staatsoper

Die nächste Live-Übertragung am Samstag, 29. März, ist ein Fixpunkt im Staatsopernrepertoire – Puccinis „La Bohème“. Unter der musikalischen Leitung von Mikko Franck – dem Dirigenten der nächsten Premiere an der Wiener Staatsoper, Lohengrin – singen in der legendären Produktion von Franco Zeffirelli Maija Kovalevska die Mimì,  Ramón Vargas den Rodolfo, Adrian Eröd den Marcello,  Ildikó Raimondi die Musetta, Alessio Arduini den Schaunard, Jongmin Park den Colline und Marcus Pelz den Benoit/Alcindoro.
Die Vorstellung im Haus am Ring ist restlos ausverkauft – dank der Live-Übertragung  wird der Zuschauerraum virtuell erweitert und die Aufführung kann von unbegrenzt vielen Musiktheaterliebhabern weltweit live in HD zuhause mitverfolgt werden.

 Zugang für die Live-Übertragung buchen: für 14 Euro auf www.staatsoperlive.com

Für die  Saison 2014/2015 sind 40 Live-Übertragungen geplant.

www.wiener-staatsoper.at

Wien, 28. 3. 2014