Burgtheater: Des Kaisers neue Kleider / Junge Akademie

Februar 5, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Widersprechen – Regeln brechen

Des Kaisers neue Kleider: Arthur Klemt und Felix Kammerer. Bild: © Susanne Hassler-Smith

Das Burgtheater stellt von 5. bis 7. Februar noch einmal sein Familienstück im kostenlosen Stream zur Verfügung: „Des Kaisers neue Kleider“ frei nach Hans Christian Andersen in der Regie von Rüdiger Pape mit Arthur Klemt als Kaiser, Felix Kammerer als Lakai, Hanna Binder und Stefan Wieland als Ministerin für Reichtum und Geld und Minister für Ruhe und Ordnung, Lukas Haas und Annina Hunziker als Paul und Marie.

Der Stream ist über die Website des Burgtheaters oder den YouTube-Kanal abrufbar, es ist keine separate Anmeldung erforderlich. Für Menschen ab sechs Jahren.

Inhalt: Der Kaiser interessiert sich für Mode, Stoffe und Kleider. Er hat alles und von allem zu viel. Das Volk hat nichts und davon noch weniger. Misswirtschaft der Minister, Verschwendung der Ressourcen und kein transparentes und demokratisches politisches System schaffen Not und Missstände. Not macht erfinderisch. Marie und Paul haben einen genialen Einfall.

Mit diesem und ihrem Mut und mit Hilfe des Lakaien bringen sie das ganze System zu Fall. Am Ende wird der Kaiser nach Strich und dem sprichwörtlichen Faden hinters Licht geführt.

Das berühmte Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen ist eine allgemeingültige Geschichte über die Angst, nicht genug zu sein und nicht genug zu haben und darüber, wie viel der Einzelne mit Mut und Humor erreichen kann. Rüdiger Papes Kinder- und Jugendtheater-Inszenierungen werden regelmäßig von Festivals im In- und Ausland eingeladen und ausgezeichnet, das Familienstück der Saison 2020/21 ist seine erste Inszenierung für das Burgtheater.

Arthur Klemt, Hanna Binder, hi.: Stefan Wieland, Felix Kammerer. Bild: © Susanne Hassler-Smith

Stefan Wieland, Arthur Klemt und Hanna Binder. Bild: © Susanne Hassler-Smith

Die Abschlusspräsentation der Jungen Akademie im Stream

Am 6. Februar um 19 Uhr hat die digitale Präsentation der Jungen Akademie und ihrer insgesamt fünf Projekte Premiere – als Film, als Stream, als Hörspiel – moderiert von den Burgtheater-Ensemblemitgliedern Lilith Häßle und Felix Kammerer. Der Stream ist im Anschluss an die Premiere noch 72 Stunden auf der Burgtheater-Website und via Burgtheater-YouTube-Kanal abrufbar. Während der Premiere kann live via YouTube diskutiert und kommentiert werden, im Anschluss an die Premiere findet ein Publikumsgespräch via Zoom statt. Die Teilnahme an der Premiere ist kostenfrei – wer „nur zuschauen“ möchte, kann dies via Burgtheater-Website oder YouTube-Kanal des Burgtheaters tun, wer live während der Präsentation kommentieren möchte, benötigt dafür einen YouTube-Account.

Die Junge Akademie lädt die Menschen der Stadt ein, Akteurinnen und Akteure auf ihren Bühnen, in ihren Bezirken zu werden. In Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern des Burgtheaters, in Kooperation mit sozialen und kulturellen Einrichtungen der Stadt, arbeiten verschiedene Gruppen zum Thema Macht & Körper. Eigene Geschichten sollen auf die Bühne gebracht werden. Die Projekte sind so unterschiedlich, wie die Bezirke in denen geprobt wurde. In „Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“, in Kooperation mit dem Gleis 21, hat Theaterpädagogin Katrin Artl den Teilnehmerinnen die Frage gestellt: Wer bestimmt, wie Frauen sein sollen? Das Projekt richtete sich an Mädchen und Frauen ab 14. Was macht mich zur Frau, wer prägt mich und meine Kultur, meine Religion, meine Familie, meine Freundinnen? Wer möchte ich gerne sein? Was bedeutet es überhaupt Frau zu sein? Wie steht es mit Solidarität und wie entsteht Konkurrenz?

Burgtheaterstudio. Bild: © Daniela Trost

Junge Akademie: Regeln ändern. Bild: © Burgtheaterstudio

„Es war einmal …“ – in Zusammenarbeit mit dem Verein JUHU! haben junge Menschen unterschiedlicher Herkunft mit der Schauspielerin Monika Haberfellner und der Journalistin Katrin Wimmer an einem Hörspiel und kurzen Videosequenzen zum Thema Märchen gearbeitet. Das Projekt „Wer darf Widerspruch“ in Kooperation mit der Brunnenpassage und der Kunsthalle Wien setzte sich filmisch und performativ mit Mechanismen von Macht und Ohnmacht auseinander, unausgesprochene Regeln der gesellschaftlichen Ordnung in Österreich wurden dabei unter die Lupe genommen. Wie ist es möglich über Rassismen, Sexismen, Diskriminierungen zu sprechen? Was braucht es dazu? Und vor allem – Wer darf es? Und auch wann? Wer darf Widerspruch. Geleitet wurde das Projekt von der Theater- und Filmregisseurin Nina Kusturica.

Das vierte Projekt ist ein Chor-Projekt in einer digital-tauglichen Adaption, umgesetzt von der Theaterpädagogin Raphaela van Bommel. In „Regeln ändern“ wurde mit Elementen und Texten aus dem aktuellen Spielplan des Burgtheaters gearbeitet. Das Tanz-Projekt „Über die Grenzen in die Freiheit“ beschäftigte sich mit dem Thema Selbstständigkeit, Freiheit und Grenzen. Werden Grenzen durch Worte festgelegt? Welche Grenzen braucht die Freiheit? Im Rahmen der Jungen Akademie am Burgtheater wurde das Tanz-Projekt an mehreren aufeinanderfolgenden Workshop-Tagen mit der Choreografin Daniela Mühlbauer erarbeitet.

www.burgtheater.at           www.youtube.com/user/BurgtheaterWien

5. 2. 2021

Salzburger Pfingstfestspiele

Mai 14, 2013 in Tipps

Cecilia Bartolis Thema ist „das Opfer“

Keine Honorarpflicht bei aktueller Berichterstattung über die Salzburger Festspiele und Nennung des Fotocredits.

Cecilia Bartoli und John Osborn
Bild: © Hans Jörg Michel

Von 17. bis 20. Mai finden die diesjährigen Salzburger Pfingstfestspiele statt. Die beherrschende Thematik im neuen Programm ist der Begriff des „Opfers“. Besonderes Interesse hat Cecilia Bartoli, die Künstlerische Leiterin der Pfingstfestspiele, an der Doppeldeutigkeit, die sichtbar wird, wenn man das deutsche Wort „Opfer“ übersetzt: „So bedeutet es zum Beispiel im Englischen ebenso ,sacrifice‘ wie ,victim‘. Doch ist der Unterschied in Tat und Wahrheit nicht in den meisten Fällen einer der Perspektive? Schließlich gibt es kein Opfer ohne Geopfertes, ohne Opfergabe – die Frage ist nur, auf welcher Seite man sich wiederfindet“, so die Bartoli. Die Begriffe umfassen die unterschiedlichen Aspekte von Opferung, Opfersein und Hingabe und spiegeln sich in den verschiedenartigen Veranstaltungen der Pfingstfestspiele wider. Unter dem Übertitel LiebesOPFER singt Bartoli selbst die Titelheldin in der Oper „Norma von Vincenzo Bellini, die erstmals szenisch auf historischen Instrumenten und in einer neuen kritischen Edition von Riccardo Minasi und Maurizio Biondi in Salzburg aufgeführt wird. Giovanni Antonini übernimmt die musikalische Leitung. Moshe Leiser und Patrice Caurier werden die Oper inszenieren. Mit ihrer Stückauswahl wollte Cecilia Bartoli den grundlegenden Konflikt zwischen Pflicht und Herzenswünschen einer jeden Person zum Thema machen. Die Hauptfigur befindet sich genau in diesem Zwiespalt und entscheidet sich letztlich für die Selbstopferung auf dem Scheiterhaufen. Mit Bartoli auf der Bühne: Rebeca Olvera, John Osborn, Michele Pertusi, Liliana Nikiteanu und Reinaldo Macias.

In sechs weiteren Programmen unter den Titeln MusikalischesOPFER, FrühlingsOPFER, BiblischesOPFER, PolitischesOPFER, ReligiösesOPFER und VersöhnungsOPFER sind als Mitwirkende unter anderem András Schiff, Valery Gergiev mit dem Ballett, Chor und Orchester des Mariinski-Theaters aus St. Petersburg, Diego Fasolis, Franco Fagioli, Javier Camarena, Roberta Invernizzi, I Barocchisti, Vadim Repin, Ildar Abdrazakov, das Hagen Quartett und Alfred Brendel, René Pape, den Wiener Singverein, Daniel Barenboim und sein West-Eastern Divan Orchestra zu erleben. Zum ersten Mal wird bei den Salzburger Pfingstfestspielen ein zweites Werk szenisch aufgeführt: Igor Strawinskys Ballett „Le Sacre du printemps“ ist genau 100 Jahre nach seiner skandalträchtigen Uraufführung in der rekonstruierten Originalfassung von Vaslav Nijinskys Choreografie und in der archaischen, von fauvistischen Farbkombinationen beherrschten Ausstattung von Nicholas Roerich, vereint mit weiteren Meisterwerken aus dem Erbe der Ballets Russes mit Künstlern des Mariinski-Theaters, St. Petersburg, zu erleben.

Begleitend zeigt DAS KINO den Film „Offret“ (Opfer) von Andrei Tarkowski, dessen Filmstills die Bildsprache des Pfingstprogrammes prägen. In der Rauchmühle wird als VisuellesOPFER zudem eine multimediale Ausstellung des Philharmonia Orchestra und Esa-Pekka Salonen präsentiert.

www.salzburgerfestspiele.at

www.salzburgerfestspiele.at/spielplan-pfingsten

http://salzburgerfestspiele.at/Portals/0/Pfingsten_2013_Programm_Web.pdf

Von Michaela Mottinger

Wien, 14. 5. 2013