Die Offene Burg präsentiert ihr Programm

September 22, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Los geht’s am Wochenende 1. und 2. Oktober

Burg-Herrin Karin Bergmann, Offene-Burg-Leiterin Renate Aichinger und das Team Anna Manzano, Airan Berg, Katrin Artl und Barbara Rosteck bei der Programmpräsentation. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Burg-Herrin Karin Bergmann, Offene-Burg-Leiterin Renate Aichinger und das Team Anna Manzano, Airan Berg, Katrin Artl und Barbara Rosteck bei der Programmpräsentation. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Weil ihr die „Junge Burg“ zu kurz gegriffen hat, weil immer wieder die Frage kam, warum TheaterClubs und Workshops nur für ganz junge Leute angeboten werden, startet Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann mit dieser Saison die „Offene Burg“. Hier gibt’s nun de facto keine Altersgrenzen mehr, und das Haus öffnet sich, wie Bergmann sagt, „in jeder Beziehung“ hinaus in die Stadt.

Im Zentrum steht der Gedanke „Schranken einreißen, Berührungsängste überwinden. Uns schwebt eine Art Bürgertheater vor, in das sich alle aktiv einbringen und mitmachen können. Wir wollen alle Generationen ansprechen“, so Bergmann. „Wir wollen“, sagt sie scherzhaft, „nicht nur auf Menschen zugehen, die schon regelmäßig ins Burgtheater kommen, sondern allen für ihr Steuergeld etwas geben. Wir wollen entlang des Spielplans Themen für diese Stadt und ihre Gesellschaft setzen.“ Freitag Vormittag stellte sie gemeinsam mit Offene-Burg-Leiterin Renate Aichinger und deren Team das erste Programm vor.

Die StadtRecherchen gehen 2016/17 über die Donau

Dessen Herzstück sind die StadtRecherchen, konzipiert von Airan Berg und in den Bezirken Floridsdorf und Donaustadt mit 210 Schülerinnen und Schülern und Schauspieler Fabian Krüger, der die „Orestie“ vorstellte, bereits gestartet. Berg, bekannt als ehemaliger Intendant des Schauspielhaus Wien, begeht mit dem Projekt sein Homecoming nach Wien und an die Burg. In Workshops will er Themen, die in Aischylos‘ Drama verhandelt werden, Recht vs Rache, „Sex’n’Crime“, mit interessierten Menschen diskutieren und zu eigenen Formaten weiterentwickeln. Die sollen schließlich nicht nur in Transdanubien, sondern im Frühjahr 2017 auch auf der großen Burg-Bühne zu sehen sein. Berg: „Eingeladen sind alle, auch Privatpersonen, wir suchen aber auch die Zusammenarbeit mit Schulen, Kulturvereinen, Jugendclubs, Seniorentreffs, Migranten-Organisationen, Sozialeinrichtungen … Ziel ist kein Laienspiel, sondern eine Vielfalt von multi-disziplinären Interventionen, Szenen, Installationen, Videos, Liedern, Musik oder Blogs.“ Anmeldungen: offeneburg@burgtheater.at

Bühne des Burgtheaters. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Bühne des Burgtheaters. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Burgtheater - Versenkung. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Burgtheater – Versenkung. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

ACTion, ImproFix und KulissenSpechteln

Weiterhin gibt es natürlich ein großes Paket für Kinder und Jugendliche. Weiterhin gibt es fünf TheaterClubs, mit den Themen Muse bis Mischkulanz, heuer aber erstmals auch den Generationen-Club „Wiener Brut Unlimited“, bis 99 Jahre, den Renate Aichinger selbst leitet. Aichinger: „Mir geht es um gemeinsames Tun und Ausprobieren mit allen, denen kein Theaterabo in die Wiege gelegt wurde. Wir begeben uns gemeinsam auf eine seismographische Spurensuche nach dem Goldenen Wienerherz, quer durch Nationen und Generationen. Ich bin gespannt, was wir entdecken werden.“ Die VorstellBar geht diese Saison erstmals auch an Schulen.

Neu sind TheaterWerkstatt zu den Bereichen szenisches Schreiben, Stimme oder Bewegung, mit „Babel? No Problem!“ bietet Anna Manzano eine Werkstatt für Menschen an, die im Deutschen nicht so firm sind. Außerdem gibt’s mit „ACTion“ ein offenen Theatertraining, mit ImproFix eine Improgruppe, die auch in die Stadt gehen wird, vom Gemeindebau bis an den Gürtel, Wochenendworkshops angedockt an Inszenierungen (im November: „Endspiel“, im Dezember: „Pension Schöller“) und für die Kleinsten KulissenSpechteln, unter dem Titel „BurgNachtTraum“ eine Abenteuerübernachtung im Haus und Vorlesestunden mit Burgstars. Mit „Hamlet, Ophelia und die anderen“ wird ab April im Kasino eine Shakespeare-Adaption zu sehen sein, bei der Jugendliche ab 14 Jahren bereits ab der Textgestaltung eingebunden sind. Regie führt Cornelia Rainer.

Dank der Zusammenarbeit mit der Swarovski Foundation kann das Burgtheater in der Spielzeit 2016/17 jungen Menschen zwischen 10 und 18 Jahren, denen der Zugang aus finanziellen Gründen sonst verwehrt bliebe, 600 Eintrittskarten zum Besuch von Theatervorstellungen kostenlos zur Verfügung stellen und fünfzehn Stipendien für Veranstaltungen der Offenen Burg vergeben.

Nicholas Ofczarek. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Nicholas Ofczarek. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Caroline Peters. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Caroline Peters. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Joachim Meyerhoff. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Joachim Meyerhoff. Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Das Offene-Burg-Wochenende am  1. und 2. Oktober

Auftakt der Offenen Burg ist das Wochenende 1. und 2. Oktober, das bei freiem Eintritt ins Burgtheater einlädt. Unter dem Titel „Menschen – Tiere – Sensationen“ findet im ganzen Haus, auch an bisher unbekannten Orten wie dem mysteriösen Luftmischraum, Programm statt. Von den Katakomben bis ins Erzherzogzimmer, vom Requisitenkeller bis zur Bühnentechnik, von den Werkstätten der Maske bis zur Dramaturgie präsentieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Burg Ausschnitte und Einblick in ihre Arbeit. Ein Höhepunkt des Wochenendes ist die spektakuläre Bühnenshow, in der die Technik zeigt, was die Bühne kann. Dazu gibt es Szenisches, ein literarisches und musikalisches Programm mit Mitgliedern des Burgtheater-Ensembles wie Regina Fritsch, Ignaz Kirchner, Dörte Lyssewski, Michael Maertens, Peter Matić, Joachim Meyerhoff, der neue Texte vortragen wird, Nicholas Ofczarek, Elisabeth Orth, Caroline Peters, Barbara Petritsch oder Branko Samarovski. Mit dabei sind auch der Dramatiker Ferdinand Schmalz und die jungen österreichischen Autorinnen Miroslava Svolikova und Sandra Gugic. Der in Graz lebende kongolesische französischsprachige Schriftsteller Fiston Mwanza Mujila, Autor des preisgekrönten Romans „Tram 83“, wird bislang Unveröffentlichtes lesen.

Abends ist dann die Premiere von Goethes „Hermann und Dorothea“ mit Maria Happel und Martin Schwab. Bergmann: „Für mich ist das Stück programmatisch, denn es geht um eine Frau, eine Flüchtende, die aus Religionsgründen ihre Heimat verlassen muss, und in einer Stadt mit Besitzstandsängsten landet …“ Die für das Projekt „Offene Burg“ eingesetzten Mittel liegen bei 250.000 Euro.

www.offeneburg.at

www.facebook.com/offeneburg/

Wien, 22. 9. 2016

Erstmals offene Ausschreibung für imagetanz 2014

August 13, 2013 in Bühne

Festival für Choreografie und Performance

7909017332_9eccdcd986_bZum ersten Mal seit mehr als 20 Ausgaben des imagetanz Festivals gibt es eine offene Ausschreibung für Projekte und Ideen, die im Rahmen des Festivals im März 2014 neben internationalen Gastspielen und Kooperationen realisiert werden sollen. Bewerben können sich KünstlerInnen mit performativen Ansätzen aus allen Disziplinen, die in Österreich leben und arbeiten.

Die Ausschreibung für imagetanz 2014 stellt die Frage WHO CARES? in den Mittelpunkt. Wen kümmert’s: ein Aufruf für Solidarität und Engagement oder ein Manifest der Indifferenz? Die Doppelbedeutung der Frage schärft die Diskussion um intime und institutionelle Aspekte der Fürsorge und fordert die KünstlerInnen dazu auf, sich durch ihre performativen Praxen mit dem Thema auseinanderzusetzen. Hinterfragt werden kann einiges: laut Statistiken verfügt Österreich über eines der besten Sozialsysteme weltweit, der Staat versorgt seine BürgerInnen mit nahezu allumfassender Fürsorge. Gleichzeitig aber werden prekäre Arbeitsbedingungen, die alternde Gesellschaft und soziale Ungerechtigkeit europaweit hitzig diskutiert, wobei Fürsorge und Sorgearbeit auch im Zentrum der Debatte stehen.

Die Bewerbung für eine Teilnahme am Festival ist bis zum 15. September möglich.

Call for proposals imagetanz 2014: A festival for choreography, performance and care

WHO CARES?  Open call for artistic projects to be realized as part of imagetanz 2014 at brut Wien.
imagetanz festival is a platform for radical and playful proposals, interested in finding the  moment when choreography and society clash, ideally with the greatest willingness to take risks. Acting as a support structure for local artistic production for over 20 editions, imagetanz is eager to explore different means of support and for the first time in its  history, announces an open call for proposals for emerging artists living and working in Austria. Alongside international guest performances and cooperations, projects selected through the call will form the core of the festival program.
A call for solidarity or a manifest of indifference?
With the double-edged motto WHO CARES? imagetanz invites artists to explore the notion of care and the act of caring. Who cares and what do we care about in contemporary cultural production?
Care is an almost unquestioned part of our everyday lives, present in various forms, from the institutionalized to the intimate. Worldwide surveys of health care and social services show that Austria, and especially Vienna, rank high in caring, providing citizens with universal care. At the same time precarious working conditions, a rapidly aging population and growing social inequity are hot topics across Europe, exposing the loopholes of the system and putting care and care work at the center of these debates. Against the backdrop of access to care, the care for the self and for the body are also important intimate and public affairs.
What do artists have to do with care? Do they offer consolation, healing and tenderness to the public? Can they trigger new dynamics of social exchange? By exploring personal issues, tactile physical relationships and emphatic practices, can they create new forms,
attitudes and situations of caring and thus question, subvert or re-imagine current individual and social practices?
Addressing super-cynics and devoted carers alike, imagetanz welcomes proposals in any format, with an essentially performative approach. Alongside new creations, the festival supports artistic research, as well as residencies in organisations associated with care. In
this case, a public presentation or a work-in-progress showing will take place during the festival.

How to apply
The call is open to artists from all disciplines, living and working in Austria. Projects can be proposed for both brut venues (Künstlerhaus, Konzerthaus), public spaces or other special locations in Vienna.
Submit your proposal:
. project description, including technical conditions, max. 3 pages
. budget proposal max. 1 page
. personal details, short CV, portfolio
Deadline: 15 September 2013

Selection process
Projects will be selected by brut artistic team with the collaboration of an advisory board of experts from related fields.  Selected projects will be announced early October 2013. Each selected project will receive:
. production/research budget from brut
. rehearsal possibility at brut (Zieglergasse)
. mentoring and support in the production process

Participants have to be available for:
. mentoring and production period
. presentation of their projects during imagetanz festival (3-23 March 2014)

Please submit your proposal as pdf document via e-mail. Applications can be submitted in German and English language.
Contact: Katalin Erdödi
Curator/Artistic direction imagetanz
erdoedi@brut-wien.at

www.brut-wien.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 13. 8. 2013