Belvedere: Hommage an Eugen von Savoyen

Oktober 17, 2013 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Das Winterpalais des Prinzen öffnet seine Pforten

Philipp Ferdinand de Hamilton: Weiße Jagdfalken mit einem Fischreiher, 1748 Öl auf Leinwand, 91 x 98 cm © Belvedere, Wien

Philipp Ferdinand de Hamilton: Weiße Jagdfalken mit einem Fischreiher, 1748
Öl auf Leinwand, 91 x 98 cm
© Belvedere, Wien

Ab 18. Oktober zeigt das Belvedere im Winterpalais die Ausstellung „Prinz Eugen von Savoyen – 350 Jahre“: Gut ein Jahrzehnt nach seinem Eintreffen in Wien verfügte Prinz Eugen von Savoyen über entsprechende finanzielle Mittel, um einen standesgemäßen Wohnsitz errichten zu lassen. Nach Plänen des Johann Bernhard Fischer von Erlach ließ er in der Himmelpfortgasse ein siebenachsiges Palais errichten, das in zwei weiteren Etappen um jeweils fünf Achsen auf beiden Seiten erweitert wurde. So entstand ein nach außen hin beeindruckendes Gebäude, für dessen Innenausstattung hohe Summen aufgewendet wurden. Nach dem Tod des Besitzers und dem Ankauf des Palais durch Kaiserin Maria Theresia im Jahre 1752 erfolgten unter dem Hofarchitekten Nicolaus von Pacassi zahlreiche bauliche Veränderungen. Dennoch blieben bedeutende Teile der ursprünglichen wandfesten Ausstattung darunter die Deckenfresken im Audienz- wie im Paradeschlafzimmer, das Goldkabinett und die zahlreichen Groteskenmalereien erhalten. Für die Eröffnungsausstellung im Winterpalais, einer Sehenswürdigkeit an sich, anlässlich des 350. Geburtstags des Prinzen Eugen werden insbesondere dessen Biografie und die familiäre Herkunft, die Baugeschichte des Palais sowie die militärischen Verdienste des Hausherrn fokussiert. Ausgewählte Objekte verschiedenster Gattungen sollen sich in die bestehende Struktur der Räume einfügen und diese unterstreichen. In Bezug auf seinen persönlichen Werdegang wird die familiäre Herkunft Eugens veranschaulicht, während der baugeschichtliche Teil Aufschlüsse über das ursprüngliche Aussehen des Palais im Inneren wie teilweise durch Zeichnungen von Salomon Kleiner überliefert geben soll. Als Feldherr und Diplomat erlangte der einstige Hausherr nachhaltigen Ruhm und Reichtum. Daher überrascht es nicht, dass er seine militärischen Erfolge im Stadtpalais durch einen Zyklus von großformatigen Schlachtenbildern von Ignace Jacques Parrocel präsent hielt. Diese beeindruckenden Gemälde geben schließlich den Impuls, sich mit jener Rolle des Prinzen Eugen auseinanderzusetzen, durch die er in die Geschichtsbücher eingegangen ist.

Ab 19. Oktober ist dann im Oberen Belvedere die Schau „Prinz Eugen von Savoyen – Die Menagerie des Prinzen“ zu sehen: Nachdem Prinz Eugen mit dem städtischen Winterpalais einen ersten Wohnsitz besaß, trachtete er danach, durch Grundstücksankäufe am Rennweg eine großzügige Gartenanlage mit entsprechend prunkvollen Bauwerken zu errichten. Während das zuerst erbaute Untere Belvedere als Wohnschloss samt Wirtschaftstrakten und Orangerien konzipiert wurde, diente das Obere Belvedere vor allem Repräsentationszwecken und wurde entsprechend reich ausgestattet. Von der ursprünglichen Pracht zeugen heute etwa der Marmorsaal, die Schlosskapelle, der Carlone-Saal sowie die Deckengemälde von Giacomo del Pò. Viele andere Dinge wurden jedoch im Verlauf der beinahe drei Jahrhunderte seit der Fertigstellung dieses Gartenpalasts beschädigt, ersetzt oder gerieten in Verlust. Die Adaptierungen für die Verwendung als kaiserliche Galerie ab 1776 sowie als Wohnschloss für den Thronfolger Franz Ferdinand Ende des 19. Jahrhunderts trugen ihr Übriges dazu bei. Aus Anlass des 350. Geburtstags soll daher bewusst die Aufmerksamkeit auf die ursprüngliche Erscheinung im Inneren des Oberen Belvedere gelenkt werden. Gerade durch die allegorischen Darstellungen an den Decken mehrerer Räume hat sich Prinz Eugen bereits zu Lebzeiten selbst ein Denkmal gesetzt. Diese sollen um einige Ausstattungsgemälde ergänzt werden, die sich ursprünglich hier befanden und nach langer Abwesenheit nun zurückkehren. Für deren Anbringung sind die Druckgrafiken nach Zeichnungen von Salomon Kleiner höchst bedeutend. Das Hauptaugenmerk dieser Schau liegt auf der Rückführung eines Teils der ursprünglichen Ausstattung.

www.belvedere.at

Wien, 17. 10. 2013

Belvedere: Meisterwerke im Fokus

Mai 27, 2013 in Ausstellung

Die Formalisierung der Landschaft

Theodor von Hörmann: Das große Esparsettenfeld in Znaim, 1893 Öl auf Leinwand Bild: © Belvedere, Wien

Theodor von Hörmann: Das große Esparsettenfeld in Znaim, 1893
Öl auf Leinwand
Bild: © Belvedere, Wien

Mit der Ausstellung „Formalisierung der Landschaft – Hölzel, Mediz, Moll u. a.“ (zu sehen von 28. 5. bis 8.9.2013) widmet sich das Belvedere in der Reihe Meisterwerke im Fokus erstmals nicht dem Schaffen eines einzelnen in der Sammlung vertretenen Künstlers, sondern thematisiert ein Phänomen in der Landschaftsdarstellung des späten 19. Jahrhunderts, das sinnbildhaft die Schwelle zur Flächenkunst des Jugendstils markiert: die Reduktion und Formalisierung landschaftlicher Motive. Das wachsende künstlerische Interesse am Japonismus einerseits, eine veränderte Sicht auf die Landschaft andererseits förderten jene gattungsübergreifende Tendenz, die um 1900 einen Weg zur Entwicklung aus dem Impressionismus heraus wies. Sie lässt sich insbesondere im Werk von Adolf Hölzel sowie in jenem seiner Freunde und Schüler, wie Carl Moll, Karl Mediz, Emilie Mediz-Pelikan oder Theodor von Hörmann, nachvollziehen. Inspiriert von der Umgebung, fand Hölzel in Dachau zu jener neuen Landschaftsauffassung, aus der er die Konsequenz eines gewandelten Kunstverständnisses zog.

Bei der Wahl ihrer Motive fokussierten die Künstler weniger auf die Materialität und die Räumlichkeit spezifischer Landschaften als vielmehr auf ornamentale Flächigkeit. Dieser Neuorientierung kamen die für Maler wie Fotografen reizvollen Formen im Dachauer Moos bei München entgegen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Umland zu einem weithin bekannten Zentrum der Freilichtmalerei – vor allem dank dreier Künstler, die als Neu-Dachauer ihren Platz in der Kunstgeschichte fanden: Adolf Hölzel, Ludwig Dill und Arthur Langhammer. Für Hölzel wurde Malerei zur Forschung an den künstlerischen Mitteln. Er richtete seinen Fokus auf den elementaren Aufbau der Bildkomposition, weg von der Abbildhaftigkeit eines Landschaftsausschnitts. Die mehrmalige Wiedergabe des Baummotivs wandelte sich von der illusionistischen Valeurmalerei durch eine Kontrastierung von hellen und dunklen Flächen zur ornamental anmutenden Reduktion der Formen. Aus dieser Landschaftsauffassung zog Hölzel die Konsequenz eines gewandelten Kunstverständnisses, das er 1901 in seiner Schrift Über Formen und Massenvertheilung im Bilde festhielt, die in der viel rezipierten, äußerst einflussreichen Zeitschrift der Wiener Secession, Ver Sacrum, veröffentlicht wurde. In Malerei, Grafik und Fotografie kam es trotz individueller künstlerischer Unterschiede zu vergleichbaren Ergebnissen, die ein gemeinsames Ziel verfolgten – die Entfernung von der Abbildhaftigkeit eines Landschaftsausschnitts zugunsten eines methodischen, konzeptuellen Aufbaus der Bildkomposition. Es wird deutlich, wie sich das Landschaftsbild letztlich zu einem rhythmischen Wechsel von Hell- und Dunkelflächen wandelte.

Im Sinne der zentralen Aufgaben eines Museums – der Bewahrung, Erweiterung und Vermittlung der Sammlung – präsentiert das Belvedere seit 2009 die Ausstellungsserie Meisterwerke im Fokus. Zweimal jährlich werden spezielle Aspekte der österreichischen Kunstgeschichte hervorgehoben und der Fokus auf thematische Schwerpunkte, einzelne Künstlerpersönlichkeiten oder herausragende Meisterwerke der Sammlung gerichtet. Die in die Dauerausstellung des Oberen Belvedere integrierten Präsentationen konzentrieren sich auf die Bedeutung ausgewählter Werke im Kontext der Sammlung sowie der Kunst und Kultur ihrer Zeit. Basierend auf neuesten Erkenntnissen der Forschung, bietet die zu den Ausstellungen erscheinende Buchreihe eine fächerübergreifende Analyse und beleuchtet ausgesuchte Kunstwerke aus neuen Blickwinkeln.

www.belvedere.at

Von Rudolf Mottinger

Wien 27. 5. 2013