Hannas schlafende Hunde

März 24, 2016 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Die ererbte Feindseligkeit der Ewiggestrigen

Hanna (Nike Seitz) mit der Großmutter (Hannelore Elsner) neben den Bahngleisen Bild: © Provinzfilm International

Gleich kommt der Güterzug: Hanna (Nike Seitz) mit der Großmutter (Hannelore Elsner) neben den Bahngleisen. Bild: © Provinzfilm International

Manches ist schon ein bissel viel. Da wird gleich in der ersten Szene vom Hausmeister, der bis vor Kurzem noch Blockwart war, ein armer Maulwurf vergast, dann stirbt auch noch sein Yorkshire Terrier bei der Entschärfung einer Fliegerbombe, und natürlich hat die amerikanisch-jüdische Weltverschwörung an diesem Tod eines Unschuldigen Schuld. Es gibt subtilere Möglichkeiten, eine Figur zu entwerfen.

Diese hier entstand vielleicht, weil Regisseur und Drehbuchverfasser Andreas Gruber mit der Romanautorin Elisabeth Escher seit Teenagertagen befreundet ist und die in „Hannas schlafende Hunde“ über ihre eigene Kindheit berichtet. So sei auch über Großmutters Sätze wie „Einen Güterzug erkenne ich blind!“ oder „So riecht Gerechtigkeit!“ hinweggehört. Gruber sieht seine Buchverfilmung, die am 1. April in den Kinos anläuft, in direkter Fortsetzung seiner fulminanten „Hasenjagd“ – und dieser Einschätzung ist unbedingt beizupflichten. Nicht nur, weil der Filmemacher wieder auf eine Sprödheit der Bilder und auf die Sprachlosigkeit seiner Charaktere angesichts ihrer Situation setzt, um seine Story zu erzählen.

Damit lässt er sich Zeit. Langsam taucht er ein ins Thema, bis nach 40 Minuten, nach einer Szene, in der eben jener Hausmeister die Hauptdarstellerin im Keller vergewaltigen will, das Wort fällt: „Judengfrast“. Worauf die kleine Hanna zum Pfarrer läuft, um sich zu erkundigen, was denn ein Jude sei. Worauf der antwortet: „Die waren einmal die erste große Liebe vom lieben Gott, aber dann haben sie unseren Herrn Jesus Christus kreuzigen lassen.“ Wels, 1967. Und die Mordspartie und ihre Opfer wohnen weiter nebeneinander. Familie Berger gehört zu den bravsten Katholiken der Gemeinde, der Mutter oberste Devise lautet: Nur nicht auffallen!, und dementsprechend verbietet sie ihrer Tochter Hanna auch noch den kleinsten Spaß. Die ahnt schon längst, dass zu Hause etwas anders ist, als bei anderen Leuten daheim, und das komische Verhalten ihres Umfelds ihr gegenüber bestätigt sie nur darin. Allein die Großmutter hat sich nach tausend Jahren des Schreckens eine Scheiß-mich-nix-Haltung zugelegt – und sagt auf Hannas Frage schließlich laut, aber lapidar, was Sache ist: „Bin ich Jüdin?“ „Natürlich, aber kein Grund solch einen Zirkus zu veranstalten. Jeder soll sein, was er ist“.

Andreas Gruber hat aus einer privaten politische Zeitgeschichte gemacht. Miefig ist die Atmosphäre dieser auch optisch sehr stimmig umgesetzten 1960er-Jahre, man merkt, dass der Regisseur das Milieu, den Ort des Geschehens und die Akteure darin, kennt. „Hannas schlafende Hunde“ ist kein warmer Film; obwohl darin Frühling ist, weht ein kalter, gestriger Wind. Gruber zeigt eine Generation, die ihre NS-Traumatisierungen an die Kinder weitergibt, und zwar egal, auf welcher Seite man im Dritten Reich gestanden hat. Die Mitläufer laufen frei herum, und zweiundzwanzig Jahre sind nicht lang genug, um von lange vorgenommenen Konditionierungen entprägt zu werden. Die Gehirngewaschenen und die Gesinnungtäter halten am Antisemitismus fest, dem „Führer“  und seiner Überzeugungskraft ist eben nicht so leicht abzuschwören.

In diesem Klima von Heimlichkeiten und Unheimlichkeiten bewegt sich Hanna, aus ihrer Sicht, als ihren Versuch des Begreifens wird die Handlung geschildert. Nike Seitz verkörpert ihre Rolle großartig, zwischen enervierend altklug und rotzfrech und dann doch ziemlich kleinlaut und erschrocken. Ansonsten geht der Versuch der Schauspieler Enge und Zwänge einer Gemeinschaft auf dem Land darzustellen, mal besser, mal schlechter auf. Manches ist zu gestelzt, zu gespielt, zu steif – und, pardon! für den Einwand, es stört ein wenig, wenn Oberösterreich so extrem nach Rhein-Main-Ufer klingt. In Wels hält man halt nicht „die Klappe“.

Franziska Weisz hat als Mutter einmal mehr eine Rolle als misstrauische Frau mit harter Schale und gequälter Seele für sich entdeckt. Ihre Katharina Berger versteckt sich im Schweigen, sie ist eine unfreundliche, unnahbare Mutter, die sich selber im Leiden gefangen hält und sich eine Zukunft mit ihrer Familie verwehrt. „Hauptsache, du bist das Opfer. Kannst wieder stolz sein auf das, was die anderen uns antun“, herrscht die Großmutter sie an. Für all diese Zustände findet Weisz bedauerlicherweise gerade einmal zweieinhalb Gesichtsausdrücke. Im Gegensatz zu Rainer Egger, der als Ehemann einen strenggläubigen Kleinbürger mit Krankenkassenbrille gibt; er ist die katholische Nachkriegstarnung von Katharina, die sich zum stillen Helden entwickelt. Wie Egger seinen Franz erst verdattert dreinschauen, dann vor Zorn mit den Kiefern malen lässt, bis ihm schließlich der damals obligate Hut hoch geht – so wird die Figur mehr und mehr zum Sympathieträger des Films.

Rundum entwirft Gruber ein Panoptikum an Welser Widerlichkeiten. Bestechend gut ist Johannes Silberschneider als Pfarrer, der in seiner Kirche zwar jeden willkommen heißen will, aber doch zu feig ist, um vor der Gemeinde ein Machtwort zu sprechen. Michaela Rosen ist großartig als verbiesterte Religionslehrerin, die Hanna immer wieder vor der Klasse demütigt, weil sie „die meisten Sünden im Herzen hat“. Elfriede Irrall spielt die Nachbarin, die, unfähig sich von ihrer Angst zu befreien, nicht glauben kann, dass wer anderer als die Gestapo vor der Tür steht, wenn’s klopft. Christian Hoening und Lena Reichmuth sind das Paradebeispiel-Hausbesorgerehepaar, gestern noch „von die Nazis geknechtet“, dafür heut‘ brav ewiggestrig. Auch Seraphine Rastl und Paul Matic verkörpern als Hannas Tante-und-Onkel-Paar ein Zeitsymptom. Er prügelt, doch anno 1967 gab’s für Haus/Frauen kein gesetzlich unterstütztes Entrinnen vor ehelicher Gewalt. Mit dem zwangspensionierten Bankdirektor Öllinger schließlich hat die Mutter, wie sich zeigen wird, eine eigene Vergangenheit, sie kann ihn nicht einmal mehr ansehen, nur dass Christian Wolff dieser sinistren Gestalt wenig bis gar kein Profil verleiht.

Und dann ist da eine, die alle an die Wand spielt: Hannelore Elsner als Großmutter Ruth. Sie vor allem hat Andreas Gruber in Szene gesetzt, um sie kreist die Kamera, in sie offenbar ist der Regisseur schwer verliebt, und wie auch nicht. Die Elsner drückt so viel Mut und Stärke bei gleichzeitiger Fragilität und Verletztlichkeit aus, dass es einem den Atem raubt. Die Großmutter ist blind, das ist die Schuld des Hausmeisters, aber sie sieht und weiß alles. Mit ihren bissigen Kommentaren bringt sie Leben in die Bude, mit dem Beschützerinstinkt einer Löwin wirft sie sich vor ihre Liebsten. Stets beweist sie Rückgrat, Elsner spielt eine Überlebende, die zu viel mitgemacht hat, um sich noch etwas vormachen zu lassen. Sie wird es sein, die alle Risse in der Familie kittet. Auch, wenn sie das nicht mehr erleben wird.

Schließlich die eine Szene. Mit Wolf Bachofner. Ein Totengedenken unter alten Kameraden, bei dem Trauer um den verlorenen 8. Mai getragen wird. Dumpf und düster ist diese Einstellung vor dem Kriegerdenkmal, man riecht förmlich die abgestandene Lust bei diesem Wiederauferstehen. Hanna, die gar nicht versteht, was das alles bedeutet, muss hier singen, weil die Religionslehrerin sie dazu vergattert hat. Die Mutter trifft danach natürlich fast der Schlag. Orden sieht man, und Uniformen, eine Gesellschaft kann ihre Weltsicht nicht von jetzt auf morgen ändern. Ererbte Feindseligkeiten, Xenophobie, Antisemitismus und der Hass auf andere Religionsgruppen, prägen das Bild bis heute. Der Weg ins Miteinander ist weit, sagt Andreas Gruber, aber man muss ihn unbeirrt weitergehen. Nun gerade ist die Strecke wieder einmal besonders steil, und trotzdem und gerade deshalb …

hannasschlafendehunde.at

Wien, 24. 3. 2016

Schauspielhaus Graz: Motel

Oktober 24, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Viktor Bodós neue Arbeit, diesmal aus eigener Feder

Sebastian Reiß, Stefan Suske, Jan Thümer Bild:  (c) Lupi Spuma

Sebastian Reiß, Stefan Suske, Jan Thümer
Bild: (c) Lupi Spuma

Mit einer weiteren Regiearbeit, diesmal aus eigener Feder, kommt Viktor Bodó am 24. Oktober ans Schauspielhaus Graz. Gemeinsam mit András Vinnai untersucht er die Verhältnisse in einem dubiosen „Motel“:  Ein Gasthaus an einer Landstraße und kein Gast in Sicht. Der Rezeptionist löst Kreuzworträtsel – bis der Direktor den Wegweiser zur nächsten Stadt einfach herumdreht. Aus dem leeren Motel wird im Nu ein stark frequentiertes »Fünf-Sterne-Hotel«. Die so zur Übernachtung Gezwungenen sind allerdings fragwürdige Existenzen: darunter drei Auftragskiller, die ihre Opfer schon mehrere Male verwechselt haben, weil ihr Chef Wilson seine Aufträge als Gedichte verfasst, die leicht zu missverstehen sind. Sechs Forscher kommen auf der Flucht vorbei – ihr Experiment ging schief, schwebt seither frei durch die Lüfte und erzeugt kollektive Bewusstseinsspaltung. In der Folge verhalten sich immer mehr Gäste ausgesprochen merkwürdig, nicht nur Udo und Olga, von denen man annehmen könnte, sie seien ein Liebespaar.

Missverständnis, Täuschung und Unwahrscheinliches: Der ungarische Regisseur Viktor Bodó kommt heuer mit einem eigenen Stück ans Schauspielhaus Graz, bei dem Fakt und Fiktion rivalisieren. Für seine spielwütigen und bildgewaltigen Regiearbeiten (u. a. Alice, Die Stunde da wir nichts voneinander wußten, Der Meister und Margarita) mehrfach preisgekrönt, stellt Bodó in Motel nun die Regeln des Theaters und der Vernunft in Frage. Was man zu wissen glaubt, wird immer aufs Neue in Frage gestellt durch aberwitzige Wendungen und rasante Verwechslungsmomente. Inmitten der Verrücktheit dieses Etablissements sitzt ein Autor, der alles, was um ihn herum geschieht, aufschreibt. Oder stand es schon vorher in seinem Manuskript? Wer hat eigentlich die Fäden in der Hand? Und kommt man aus diesem Motel jemals wieder hinaus?

Es spielen Thomas Frank, Pál Kárpáti, Evi Kehrstephan, Dániel Király, Niké Kurta, Katharina Paul, Sebastian Reiß, Stefan Suske, Zoltán Szabó, Jan Thümer, Péter Tóth,  András Vinnai und Franz-Xaver Zach.

Interview aus dem Programmheft:

MOTEL ist aus einem Stück von Harold Pinter entstanden. Wie ist das passiert?
Viktor Bodó: Zwei Schauspieler wollten ein Stück spielen, sie hatten gerade nichts zu tun und haben mich gebeten, mit ihnen Der stumme Diener von Harold Pinter zu machen. Wir haben mit der Arbeit begonnen, aber irgendwie hatten wir das Gefühl, dass wir noch eine Frau bräuchten, vielleicht eine Putzfrau. Wir haben András dazugeholt, damit er diese Figur dazuschreibt. Dann kam hinzu, dass ich meine Diplomarbeit am Katona Theater machen musste. András hat immer noch mehr Figuren dazugedichtet, und wir haben das ganze Stück Gábor Zsámbéki, dem damaligen Leiter des Katona Theaters, zu lesen gegeben. Der sagte, wir sollten es dort zusammen machen. Als wir das erfahren haben, haben wir noch viele Rollen und Situationen speziell für das Ensemble des Katona Theaters erfunden. András hat damals sehr viel geschrieben. Jedes Mal, wenn ich ihn angerufen habe, hat er entweder gerade geschrieben oder sich dafür vorbereitet, aber vielleicht hat er auch gelogen.
András Vinnai: Ich habe viel gelogen zu dieser Zeit.
VB: Einmal sind wir eine Weile in ein Sommerhaus am Balaton gefahren, um an MOTEL zu arbeiten. András hat seinen Hund mitgebracht und während der ganzen Woche herumgeschrien. Wenn der Hund nun weiter als fünf Meter von ihm entfernt war, hat er sofort nach ihm geschrien.
AV: Weil der See ganz nah war, und der Hund damals noch nicht so gut schwimmen konnte.
VB: Der See war zwanzig Kilometer weit entfernt. Und außerdem hat András Hühnerköpfe gekocht. Im Auto sind die Hühnerköpfe faul geworden. Es hat furchtbar gestunken und ich bin, statt am Stück zu arbeiten, dem Grund für diesen Gestank nachgegangen. Als ich einen Topfdeckel öffnete, haben mich 40 Hühneraugen angeschaut.

Du hast mehrfach erfolgreich Kafka inszeniert, u. a. Das Schloss. Hat MOTEL mit dieser Vorliebe zu tun? Oder andersrum, hat Kafka mit MOTEL zu tun?
VB:
Ja, ich denke schon. András und ich haben zusammen zwei Theateradaptionen von Kafka-Texten erstellt. Diese Kafka-Welt ist ja so reich in vielerlei Hinsicht, dass etwas davon hängen bleibt. Die Tatsache, dass die Dinge nicht unbedingt so sind, wie man glaubt, dass sie sind – dass hinter allem noch eine andere Wirklichkeit liegt, das hat mit Kafka zu tun. Nur machen wir in MOTEL einen Witz daraus, wir lassen es nicht in diese angstvolle Richtung gehen.

András, du hast zu Beginn der Proben gesagt, man sollte dieses Stück nicht nach Bedeutung forschend wahrnehmen. Was hast du gemeint?
AV:
Wir versuchen MOTEL so zu behandeln, als ob das eine Geschichte wäre, die man verfolgen und nachvollziehen kann, als ob sie ein Ziel hätte – aber eigentlich ist es eine Reihe von Betrügen. Was ich nicht mag, ist, wenn die ZuschauerInnen das Gefühl haben, dass sie etwas verstehen sollten, aber nichts verstehen.
VB: Ja, es ist besser, wenn die ZuschauerInnen darüber hinweggehen, wenn sie etwas nicht verstehen. Sie sollten so im Zuschauerraum sitzen, als ob ihnen alles klar wäre, auch wenn das nicht der Fall ist. Denn sonst haben sie einen schlechten Abend und wir wissen: Einen schlechten Theaterabend verzeiht man nie, nicht sich selbst und nicht den Autoren.

In eurem Stück gibt es den Autor Dexter, der alles, was in diesem MOTEL geschieht, geschrieben zu haben scheint. Bis ihm der Rezeptionist Güll ebenfalls ein Skript übergibt, in dem alle Umstände beschrieben sind, einschließlich der Figur Dexter. Es kommt zu einer Art Machtkampf zwischen den beiden, wer Beweger und wer Bewegtes ist, wer über die Wahrheit Bescheid weiß.
VB: Ich weiß, was die Wahrheit ist.
AV: Jetzt spricht der Regisseur aus dir und nicht der Autor.
VB: Meinst du Dexter, wenn du von einem Autor sprichst, oder dich selbst? Bist du Dexter? Hast du dich selbst da reingeschrieben?

Es geht stark darum, wer das Spiel in der Hand hat. Doch jedes Außerhalb-des-Spiels erweist sich als weitere Spielebene. Haben wir gar keinen Zugang zum Authentischen?
AV:
Genauso ist es. Es gibt keine Wirklichkeit außerhalb des Spiels.
VB: In dieser Zeit haben wir viel darüber gelernt, wie ein Stück und wie eine Vorstellung sein soll, also dass sie einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben soll. Es gab damals diese Kritik mir gegenüber, dass ich eine Geschichte nicht ordentlich beende, sondern dass es mehrere Enden gibt. Während man ja diese Dreier-Einheit von Anfang – Mitte – Ende beachten müsse. MOTEL war meine Diplomarbeit. Ich habe dann geschrieben, dass wir diese Dreier-Einheit vergessen sollten. Sie ist nicht mehr gültig und dieses Stück beweist warum. Es geht eigentlich gegen alle Dramenkonventionen. Ich erinnere mich, wie András die Kritik zu hören bekam, die Geschichte hätte kein Rückgrat. Da hat er eine Szene geschrieben, in der es noch ein Zimmer gibt, und dort befindet sich ein Rückgrat, das sagt: „Ich bin das Rückgrat der Geschichte.“

András, du hast gemeinsam mit Viktor während der Probenzeit hier in Graz weiter am Text gearbeitet. Was kam neu hinzu?
AV:
Wir haben den Autorenkonflikt, also den Streit darum, wer schreibt, wer der Urheber ist, weiterentwickelt, und es gab auch Versuche, gewisse Dinge abzurunden. Aber das hat immer nur wieder neue Stränge verursacht. Es beginnt sofort zu wuchern. Wir werden wieder etwas rausschmeißen müssen. Ich hatte ein bisschen das Gefühl, als ob die zehn Jahre, die zwischen den beiden Inszenierungen liegen, einfach weg wären.

Viktor, diese Inszenierung ist deine letzte Arbeit in der Intendanz von Anna Badora am Schauspielhaus Graz. Du hast vom ersten Jahr an hier inszeniert, bist einer der zentralen Regisseure dieser Zeit. In MOTEL kommen einige Zitate aus deinen früheren Grazer Arbeiten vor. Hältst du damit Rückschau?
VB: Ja, es ist ein Resümee. András und ich haben zusammen hier angefangen. Er hat ja damals auch die Adaption von Das Schloss geschrieben. Und jetzt arbeiten wir auch am Schluss zusammen. Es gibt in der Aufführung viele Motive, die für diejenigen interessant sein werden, die alle Inszenierungen von mir hier gesehen haben, denn ich versuche, aus allen meinen Grazer Produktionen Motive in MOTEL einzuschleusen.

Noch sind wir ja hier und die Premiere steht bevor. Aber wenn du zurückblickst: Was ist, was war das Schauspielhaus Graz für dich?
VB: Ich habe viel von diesem Theater bekommen. Hier habe ich begonnen, auf der großen Bühne zu arbeiten. Zu Hause hatte man mich noch nicht auf die großen Bühnen eingeladen, ich habe immer so kleine Studio-Stücke gemacht. Hier habe ich gelernt, wie man mit so einem Budget umgeht, wie man auf der großen Bühne arbeitet. Und es wurde mir hier sehr viel Vertrauen entgegengebracht. Ich wusste jedes Jahr, dass ich eine nächste Inszenierung in Graz haben werde, das war eine Sicherheit. Und dass wir gemeinsame Produktionen mit der Szputnyik Shipping Company machen konnten, hat dazu geführt, dass wir überhaupt bestehen konnten. Zu vielen SchauspielerInnen des Grazer Ensembles habe ich freundschaftliche Beziehungen, aber auch zu den Leuten von der Technik und in den Büros. Das Grazer Publikum war sehr freundlich. In vielen Situationen hätten wir auch scheitern können. Es war ein gutes Gefühl, dass es hier immer ein Interesse für unsere Arbeit gab und die Menschen neugierig waren. Das wünschen wir uns natürlich auch für MOTEL, denn das wollen wir ja nun spielen!

www.schauspielhaus-graz.com

Wien, 24. 10. 2014