Tanzquartier Wien: M!M

Oktober 23, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Performance auf dem Ballhausplatz

Mikael Marklund Bild: Tanzquartier Wien

Mikael Marklund
Bild: Tanzquartier Wien

Am 24. Oktober wird auf dem Ballhausplatz getanzt. Der Entwurf des deutschen Künstlers Olaf Nicolai ging 2013 als Sieger des Wettbewerbs für ein Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz hervor.  Ein überdimensionales, liegendes „X“, wird anlässlich der Eröffnung mit einem performativen Akt des Choreografen Laurent Chétouane auf Einladung des Tanzquartier Wien bespielt. Die Choreografie M!M, die sich mit Jacques Derridas „Politik der Freundschaft“ auseinandersetzt,  schreibt sich dabei in das von Nicolai inszenierte Erinnern an Vergangenheiten und seine Hommage an gegenwärtige Zivilcourage ein. Diese auf den Ort bezogene Solovariante von M!M wurde von Laurent Chétouane mit dem Tänzer Mikael Marklund  gemeinsam erarbeitet. Das Stück tritt so in Dialog mit der Inschrift des Denkmals; deren Kombination der Worte „all / alone“, die ein concrete poem des schottischen Künstlers Ian Hamilton Finlay zitieren, wird so im Spannungsfeld der möglichen Interpretationen „ganz alleine“ bis „alle alleine“  erfahr- und diskutierbar.

Der Eintritt ist frei.

Zu den Künstlern:

Laurent Chétouane (geb. 1973 in Soyaux/Frankreich) absolvierte nach einem Ingenieurstudium ein Studium der Theaterwissenschaft an der Sorbonne und der Theaterregie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/M. Seit 2000 zahlreiche Inszenierungen an großen Bühnen u. a. in Hamburg, München, Weimar, Köln, Athen, Oslo, Zürich. Daneben seit 2006 fünfzehn tänzerische Projekte mit internationalen Gastspielen in Frankreich, Italien, Holland, Belgien, Österreich, Schweiz, Türkei, Norwegen, Russland, Japan. Chétouane erhielt 2008 die Wild Card der RUHR.2010 und den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für hervorragende junge Künstler. Kontinuierliche Lehrtätigkeit an diversen Universitäten (Frankfurt, Berlin, Gießen, Bochum, Bern, Hamburg, Leipzig, Bern, Oslo).  Am 1. Oktober wurde BACH/PASSION/JOHANNES  in Hamburg uraufgeführt, u.a. koproduziert vom Tanzquartier Wien, wo es am 12. und 13. Januar 2015 gastieren wird.

2002 – 2004 studierte Mikael Marklund Tanz in Stockholm an der Schwedischen Ballett Akademie. Danach setzte er seine Ausbildung bei P.A.R.T.S. in Belgien weiter fort. Während seiner Ausbildung erarbeitete er drei eigene Projekte: „Untitled Trio“ (2006), „King of my castle“ (2007) und „Deep Artificial Nonsense Concerning Everything“ (2008). Von 2009 bis 2012 war Mikael Marklund Mitglied bei Anne Teresa De Keersmaeker Kompanie Rosas. Das Solo „O“, uraufgeführt beim Festival d’Avignon im Juli 2012, war die erste gemeinsame Arbeit mit Laurent Chétouane.

In Kooperation mit KÖR Kunst im öffentlichen Raum Wien

www.tqw.at

Wien, 23. 10. 2014

Theater zum Fürchten in der Wiener Scala

Februar 8, 2013 in Bühne

Georg Kusztrich als Selbstmörder, Michael Reiter als Nachbar (o.).
9.12.2012, Von Michaela Mottinger, http://kurier.at/autor/mag-michaela-mottinger/8.527/2

Hausherr Bruno Max inszenierte im Wiener Theater Scala Erdmans „Der Selbstmörder“.Eine brillante Satire

Die Geschichte zur Geschichte geht so: Sowjetdramatiker Nicolai Erdmann schrieb 1929 das Stück „Der Selbstmörder“. Meyerhold und Stanislawski ritterten um die Uraufführung. Was bald wurscht war, weil die Satire aufs System verboten wurde. Erdman verschwand für zehn Jahre in Sibirien …
Nun zeigt Bruno Max die Tragikomödie mit seinem Theater zum Fürchten in der Scala. Eine großartige Inszenierung, geprägt vom bekannt g’feanzten Schmäh des Hausherrn. Auf schräger Bühne lässt er die schräge Handlung ablaufen:
Semjon will per Pistole Selbstmord begehen. Er ist seit einem Jahr arbeitslos. Der Nachbar, der erst noch retten will, erkennt in Semjon eine Einnahmequelle. Für die Intelligenzija, die Religion, den Fleischhandel, für verzweifelt Verliebte soll er sich zum Symbol machen – und dies mittels Abschiedsbrief belegen. Der Nachbar casht ab, Semjon wird ob der Aufmerksamkeit zum Wichtigtuer. Ein tolles Ensemble, allen voran Georg Kusztrich und Michael Reiter, spielt, bis dem Publikum vor Lachen das Zwerchfell birst. Einer muss ja schließlich sterben…