Jüdisches Museum Wien: Leonard Bernstein

Oktober 15, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Trachtenjacke als Nationalismus-Therapie

Leonard Bernstein probt mit den Wiener Philharmonikern, ca. 1966. Bild: © Franz Gittenberger

Das Jüdische Museum feiert ab 17. Oktober den 100. Geburtstag des Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein mit einer Ausstellung, die die spannungsgeladene Beziehung zwischen dem Weltbürger und der Musikstadt Wien in den Mittelpunkt stellt. Dabei würdigt die Schau den großen Künstler auch als politischen Menschen und befasst sich mit seinen jüdischen Wurzeln.

Musikalisch sozialisiert in der Synagoge seiner Kindheit in Boston, ausgebildet in Harvard und beruflich in New York zu Hause, verband Leonard Bernstein eine lebenslange Beziehung mit Wien. Von 1966 bis zu seinem Tod 1990 kam er, vor allem für seine Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern, immer wieder nach Wien. Das Orchester entwickelte ein nahes, wenn auch nicht konfliktfreies Verhältnis zu seinem Ehrenmitglied.

Bernstein hatte als Jude ein ambivalentes Verhältnis zu Wien. Bald nach dem Zweiten Weltkrieg bemühte man sich hier um den Star. Mehrere Einladungen an ihn wurden ausgesprochen, doch Leonard Bernstein zögerte. Nicht nur war ihm die jüngere österreichische Geschichte bewusst, sondern auch die NS-Vergangenheit der Wiener Philharmoniker. Als er 1966, 21 Jahre nach der Shoah, erstmals mit ihnen an der Staatsoper arbeitete, schrieb er an seine Eltern, dass er Wien unbeschreiblich genieße, so sehr man das als Jude könne. Trotz seiner gemischten Gefühle gegenüber der Stadt entwickelten sich die musikalischen Beziehungen wunderbar. Bernstein prägte die Wiener Philharmoniker auf vielfältige Weise und sorgte als Dirigent für viele Sternstunden, die Musikgeschichte schrieben. Er brachte dem Orchester – gegen anfängliche Widerstände – den verdrängten Gustav Mahler zurück. Seit Bernstein sind dessen Werke im philharmonischen Repertoire verankert.

Als, wie er sagte, „Therapie gegen deutschen Nationalismus“ trug er in Wien ab 1966 gerne eine Trachtenjacke. Sein Motiv, dieses Kleidungstück zu tragen, führt zu seiner Wiener Gefühlswelt zu einem Zeitpunkt, als für ihn noch in keiner Weise klar war, ob sich aus diesem Gastspiel eine langjährige Beziehung entfalten würde. Bernstein begriff die Kulturpolitik und auch die österreichische Bundespolitik schnell. Die Liebe zu Wien, an der er gezweifelt hatte, begann sich zu entwickeln. Bernstein konnte Wien als seine persönliche Musik-Märchenstadt begreifen, sich an dem ihn verehrenden Publikum erfreuen, ihm gegenüber aber den noch skeptisch bleiben.

Bernstein dirigiert im Trachtenjanker im Musikverein, Wien 1966. Bild: © Historisches Archiv Wiener Philharmoniker

Bernstein bei einer Autogrammstunde . Bild: © Franz Gittenberger

Ein Highlight der Ausstellung bildet ein Frack von Leonard Bernstein, denn er ist indirekt mit Wien verbunden. Sein Schneider, Otto Perl, war ein Wiener Jude, der 1938 – nach zehnmonatiger KZ-Haft in Dachau und Buchenwald – seine Heimatstadt verlassen musste und in den USA Zuflucht fand. Perl und seine Frau Susanne saßen bei Konzerten in der ersten Reihe, um zu sehen, ob der Frack beim Dirigieren auch genug Spielraum für Bernstein bot und dennoch keine Falten warf.

Fast vierzig Jahre lang nähte Perl Anzüge und Fracks für Bernstein, die dieser bei all seinen Auftritten rund um die Welt trug. Nicht nur der Frack, sondern auch andere Objekte aus der Sammlung von Otto Perls Sohn Martin E. Perl werden in der Ausstellung zu sehen sein.

Bernstein eroberte das Wiener Publikum in kürzester Zeit. Er war der neue musikalische Held – in jener Stadt, deren jüdische Bevölkerung wenige Jahre zuvor fast zur Gänze vertrieben und ermordet worden war. Die Menschen liebten Bernstein und er liebte die Menschen. So hatte er auch in Wien eine starke Verbindung zu einigen seiner Fans, zu denen unter anderem Renate Wunderer zählte.

Als Dank für den himmlischen Musikgenuss schenkte sie Bernstein von ihrer Mutter selbstgemachte Vanillekipferl. Daraus entstand eine lebenslange Freundschaft und ein Gedicht, das Bernstein über die Delikatesse verfasste.

www.jmw.at

15. 10. 2018

Albertina: Look! New Acquisitions/Neuerwerbungen

Juli 4, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Von Gottfried Helnwein bis William Kentridge

Gottfried Helnwein: Pink Mouse 2, 2008. Bild: Albertina, Wien © Bildrecht, Wien, 2017

Ab 6. Juli zeigt die Albertina zum ersten Mal eine Ausstellung auf zwei Ebenen des Museums: Auf mehr als 2.500 Quadratmetern – in der Propter Homines Halle und in der Bastei der Albertina – gibt das Haus einen Einblick in die Sammlungsstrategie zur zeitgenössischen Kunst unter der Direktion von Klaus Albrecht Schröder.

Aus mehr als 10.000 Werken, die in den letzten 18 Jahren an zeitgenössischer Kunst erworben wurden, haben Klaus Albrecht Schröder und Kuratorin Antonia Hoerschelmann an die 350 Werke von 55 Künstlerinnen und Künstlern ausgewählt. Deutlich erkennbar wird die Absicht, nach Möglichkeit nicht isolierte Einzelwerke zu erwerben, sondern Werkgruppen, um ein komplexes Verständnis für die künstlerischen Ideen und Gestaltungsprinzipien eines Schaffens zu erhalten. Grundsätzlich wurden für die Sammlung zeitgenössischer Kunst ausschließlich Zeichnungen und Druckgrafiken angekauft.

Dennoch befinden sich heute hunderte Gemälde in der Sammlung für Gegenwartskunst der Albertina. Viele Künstlerinnen und Künstler haben dem Museum bedeutende Gemälde geschenkt, um mit der Gesamtheit ihres Schaffens in diesem Museum repräsentiert zu sein: Zeichnung, Druckgrafik, Malerei werden nur als verschiedene Ausdrucksformen derselben unteilbaren künstlerischen Konzeption und Idee verstanden.

Alex Katz: Reclining Figure / Indian Blanket, 1987. Bild: Albertina, Wien © Bildrecht, Wien, 2017

William Kentridge: Camera in Landscape, 1994. Bild: Albertina, Wien © William Kentridge

Obwohl die hauptsächliche Intention dieser großen Ausstellung ist, einen Einblick in die Sammlungsstrategie der Albertina in den letzten beiden Jahrzehnten zu gewähren, ist die Ausstellung einmal nach Themen (Akt, politisches Engagement, Collage), dann nach Künstlergruppen (Neue Malerei, Minimalismus), das dritte Mal nach monografischen Gesichtspunkten (Doğançay, Deutsch, Helnwein) gegliedert.

Klaus Albrecht Schröder und Antonia Hoerschelmann nehmen mit dieser Auswahl ausdrücklich keine Wertung vor: „Wir könnten ohne weiteres mehrere vergleichbare Ausstellungen präsentieren, ohne dass sich ein einziges Werk wiederholen würde, und ohne jeglichen Verlust an Qualität und Bedeutung“, so Hoerschelmann. „Erfreulicherweise konnten wir in vorangegangenen Präsentationen einige der diesmal nicht vertretenen künstlerischen Positionen vorstellen, an weiteren Ausstellungen zur zeitgenössischen Kunst wird bereits gearbeitet.“

Georg Baselitz: Liebespaar 1984 – altsachlich (Remix), 2007. Bild: Albertina, Wien © Georg Baselitz

Sigmar Polke: Ohne Titel, 1999. Bild: Albertina, Wien © Bildrecht, Wien 2017

Teil der Sammlungsstrategie ist es, sich mit einzelnen Künstlerinnen und Künstlern über Jahre kontinuierlich zu befassen, bekräftigt Klaus Albrecht Schröder: „Es ist diese Kontinuität, die ein Museum von einer Kunsthalle unterscheidet. Wir bekennen uns zu einzelnen Künstlerinnen und Künstlern, sammeln deren Werk über Jahre und präsentieren es in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder.“

www.albertina.at

4. 7. 2017

 

Art Carnuntum – La MaMa Theatre New York: Pylade

Juli 18, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Wahnsinn und die Schändung einer Wassermelone

Marko Mandic als Pylades, umringt vom Ensemble, geht in seinem Spiel über die Grenzen körperlicher Belastbarkeit hinaus. Bild: Barbara Pálffy

Marko Mandic als Pylades geht in seinem Spiel über die Grenzen körperlicher Belastbarkeit hinaus. Bild: Barbara Pálffy

Die Wassermelone, die mit einem Messer zer- und an die Zuschauer verteilt wurde, hatte das bessere Los gezogen. Ihre Schwester nämlich wurde von Pylades zur Befriedigung essenziellster Bedürfnisse herangezogen. Der slowenische Schauspielstar Marko Mandić spielt diesen besten Freund des Orestes, so kraftvoll und schonungslos, auch gegenüber seinem zu 90 Prozent des Abends nackten Körper und dessen allzu menschlichen Reaktionen, dass man zuweilen um seine Unversehrtheit bangte …

Das New Yorker La MaMa Theatre war erstmals nach dem Tod seiner Gründerin Ellen Stewart wieder bei Art Carnuntum zu Gast. Im römischen Amphitheater zeigte die Experimentaltheatertruppe Pier Paolo Pasolinis Drama „Pylade“. 1977 ist dieses im Original „Affabulazione“ – Königsmord genannte Werk entstanden, und der italienische Filme- und Theatermacher stülpt darin der mythologischen Figur nicht nur seine eigene Biografie über, sondern versetzt sie in ein Italien seiner Zeit, einem Land, aufgerieben zwischen den Attentaten der Roten Brigaden und Angst und ergo Antiterrorgesetzen und daraus resultierendem Staatsterror.

Recherchen über letzteren, so eine Spekulation, könnten zu Pasolinis gewaltvollem Tod geführt haben. Nichts also könnte dieser Tage aktueller sein. US-Kritiker lobten die Produktion nach ihrer Premiere im Dezember zu Recht über die Maßen, die Vereinigten Staaten im Wahlkampf und hier ein Thronfolger, der nach der Ermordung von Vater und Mutter und deren Liebhaber eine neue demokratische Gesellschaft einführen will und, verfolgt von den Erinnyen, doch scheitern wird müssen. Sein hehres Ansinnen ist zu sehr auf den morschen Pfeilern der Vergangenheit errichtet, und Pylades, beseelt vom Geist der Göttin Athene, erkennt das.

Pasolini gibt diesem von Aischylos über Euripides bis Sophokles stummen Diener eine Stimme, die der Revolution, die der Antikorruption und des Antikapitalismus. Und wenn Regisseur Ivica Buljan, er übrigens künstlerischer Leiter des kroatischen Nationaltheaters Zagreb, seinen Hauptdarsteller Mandić zum Schluss die Bandiera rossa mit der letzten Zeile „Evviva il comunismo e la libertà“ singen lässt, dann ist das für eine Arbeit aus dem bigott-prüden Amerika mutmaßlich noch mutiger als das Ausstellen entblößter Haut.

Mit „Orestes“ Tunde Sho. Bild: Barbara Pálffy

Mit „Orestes“ Tunde Sho. Bild: Barbara Pálffy

La MaMa-Direktorin Mia Yoo als Elektra. Bild: Barbara Pálffy

La MaMa-Direktorin Mia Yoo als Elektra. Bild: Barbara Pálffy

Perry Yung wendet sich als armer Bauer vergebens an den Hof. Bild: Barbara Pálffy

Perry Yung wendet sich vergebens an den Hof. Bild: Barbara Pálffy

Nicht nur Mandić überzeugt mit seiner energiegeladenen Performance. Als einer, der die Wahrheit sagt, so unbequem sie auch sein mag, der Zweifel in die allgemeine Aufbruchsstimmung sät und deshalb bald verbannt wird, steht ihm nicht nur der Wahnsinn, ja zeitweise eine Transzendenz in den Augen, als hätte er sich schon aus dem Amphitheater verabschiedet, sondern mit Tundé Sho auch ein Orestes gegenüber, der sich vom sozial denkenden Visionär zusehends zum Realpolitiker wandelt.

Mehr als nur Bruderliebe scheint die beiden Männer zu verbinden, auf dem Höhepunkt seiner Raserei färbt Pylades sein Geschlecht schwarz, um sich dem Geliebten und Unbelehrbaren anzugleichen, doch dem verstellen die Autoritäten die Sicht aufs Wesentliche: Ein Hof, der nichts von den Mühen der Bevölkerung wissen will, der sich „im Kampf gegen eine Armee von Arbeitslosen und Migranten“ sieht, doch nicht Lösungen sucht, sondern Exzess und Eskapismus. Sho spielt das sehr schön verzweifelt und doch herrisch, einer, der nicht anders kann, weil er einfach muss.

Dem gegenüber steht seine Schwester Elektra als wütende Trauernde, die Vertreterin der traditionsbewussten Bewohner Argos‘, dargestellt von der neuen La MaMa-Direktorin und Ellen-Stewart-Erbin Mia Yoo. Sie wird zur dritten Kraft im Ringen des Orestes mit Pylades, noch eine letztlich Liebende, die in der Mythologie zu Pylades‘ Ehefrau und der Mutter seiner beiden Söhne wird. Nicht nur Yoo attackiert ihre Rolle als ob es um ihr Leben ginge, Maura Nguyen Donohue als Athene, Eugene The Poogene als Eumenides, Cary Gant, John Gutierrez, Chris Wild und die fabelhafte Valois Mickens tun es ihr gleich.

Perry Yung, hierzulande auch aus dem Fernsehen, zuletzt etwa „Blacklist“, bekannt, brilliert naturgemäß als Bauer, der sich umsonst an die Obrigkeiten wendet. In New York machte die La MaMa-Truppe mit einem Warnhinweis auf die Körperlichkeit ihrer Aufführung aufmerksam. Das ist in einem diesbezüglich provozierbefreiten Europa zwar nicht nötig, doch auch in Carnuntum wurde dem Publikum im Wortsinn der Boden unter den Füßen weggezogen. Es wird Teil der Inszenierung, sei es, weil zum Tanz aufgefordert oder zum gemeinsamen Melonenmahl eingeladen; Sex & Crime finden nicht nur vor ihm, sondern mitunter auch mitten in den Sitzreihen statt. Die Radikalität und beinah heilige Hingabe, mit der das passiert, macht „Pylade“ zu einem unvergleichlichen Abend. Mit Ausnahmeschauspielern, die, wie man’s im Deutschsprachigen so leider nicht kennt, jenseits von Herkunft und Hautfarbe und dem einen oder anderen Akzent von Ivica Buljan für ihre Aufgaben ausgewählt wurden.

Art-Carnuntum-Intendant Piero Bordin bereitet indes schon die nächsten Projekte vor: Von 4. bis 6. August gastiert bei ihm Shakespeare’s Globe Theatre London mit „The Two Gentlemen Of Verona“, am 27. August folgt „The Summit/Der Gipfel“.

www.artcarnuntum.at

Wien, 18. 7. 2016

Das La MaMa Theatre New York spielt bei Art Carnuntum

Juni 20, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Piero Bordin holt sich Ellen Stewarts legendäre Truppe

Marko Mandic als Pylades, umringt vom Ensemble. Bild: Theo Cote

Marko Mandic als Pylades, umringt vom Ensemble. Bild: Theo Cote

Es ist wohl nicht übertrieben, Folgendes als Sensation zu bezeichnen: Piero Bordin, Gründer und Intendant des Art Carnuntum Welttheater- festivals, hat das La MaMa Theatre New York einmal mehr zu einem Gastspiel nach Nieder- österreich eingeladen. Bereits zum siebenten Mal wird Ellen Stewarts legendäre Truppe damit im römischen Amphitheater Petronell-Carnuntum auftreten.

Allerdings zum ersten Mal nach dem Tod der berühmten Schöpferin. Theaterikone Stewart verstarb 2011 im Alter von 92 Jahren, nun führt Mia Yoo das La MaMa in ihrem Sinne weiter. Am 17. Juli zeigt sie bei Art Carnuntum „Pylades“ von Pier Paolo Pasolini nach Aischylos, in der Inszenierung der kroatischen Regisseurin Ivica Buljan und mit der Originalbesetzung aus New York. Protagonist ist der vielfach ausgezeichnete Film- und Theaterschauspieler Marko Mandic. Mit ihm spielen Perry Yung, Chris Wild, Cary Gant, Eugene the Poogene, Maura Donahue, Valois Mickens, John Gutierrez, und Tunde Sho den Orestes. Mia Yoo selbst ist als Elektra zu sehen. Pylades ist in der griechischen Mythologie der Neffe des Agamemnon. Er ist der treue Gefährte und Freund des jungen Orestes, mit dem er zusammen aufwächst; später heiratet er dessen Schwester Elektra.

Dass Pasolini, der nie ein braves, didaktisches Theater anstrebte, sondern immer ein Theater des Skandals, die griechische Saga auf sich und für seine Zwecke ummünzte, versteht sich. Das Ende des „Pylades“-Drama liest sich wie ein Epitaph auf seinen gewaltsamen Tod: „Die Sonne geht auf über diesem erniedrigten Leib. Geh du! Geh in die alte Stadt, deren neue Geschichte ich nicht kennen will. Warum Schande und Ungewissheit fürchten? Vernunft, sei verflucht, und wer auch deine Gottheit ist, und jede Gottheit.“ Die US-Theaterkritiker jedenfalls waren von der Interpretation des Stücks durch das La MaMa so begeistert, dass sie sie nach ihrer Premiere im Dezember 2015 zur Inszenierung der Saison kürten.

Die Aufführung ist für Zuschauer ab 16 Jahren geeignet. Oder wie das La MaMa auf seiner Webseite schreibt: „Please note: this is a very physical performance and while there is no audience participation, the audience is very close to the action.“ Mehr zur Produktion, Videos und Pressestimmen: lamama.org/pylade/

Mia Yoo als Elektra und Marko Mandic als Pylades. Bild: Theo Cote

Mia Yoo als Elektra und Marko Mandic. Bild: Theo Cote

Mit "Orestes" Tunde Sho. Bild: Theo Cote

Mit „Orestes“ Tunde Sho. Bild: Theo Cote

Am 4. August gibt es ein Wiedersehen mit Shakespeare’s Globe Theatre aus London. Nach dem fulminanten „Hamlet“ im April (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=19057) zeigen die Briten nun „The Two Gentlemen of Verona“ aus der Feder ihres Barden. In der Inszenierung von Nick Bagnall präsentiert das exzellente Ensemble mit viel Musik, Liedern, Romantik und Chaos diese zügellose Neuproduktion und katapultiert so Shakespeares anarchische Komödie in die heutige Zeit.

Für den 27. August hat Piero Bordin selbst einen Text verfasst. „The Summit / Der Gipfel“ oder  „Die Tetrarchen: 4 Kaiser – ein Imperium“ heißt sein Stück, das im Amphitheater in seiner Regie uraufgeführt wird. Gegeben wird eine theatralische Zeitreise durch 1700 Jahre Weltgeschichte. Zu einem Ereignis, welches die Welt veränderte und bis heute prägt, nämlich einem Gipfeltreffen der Mächtigen der damaligen Welt und die dabei erfolgte Neuregelung der Herrschaft über das gesamte Römische Imperium. Und dies am historischen Originalschauplatz: in Carnuntum. Die hier entstandene Machtaufteilung führte innerhalb kürzester Zeit zu einem unglaublichen Wandel: zum Ende der Christenverfolgungen und zur Religionsfreiheit. Bordin erkannte diese Zusammenhänge und fasste sie bereits in seinem mehrjährigen internationalen kulturhistorischen Projekt “Die Kaiser von Carnuntum” zusammen. 2014 gab es dafür von der Europäischen Kommission das erste “Europäische Kulturerbe-Siegel”, nun wird Bordin seine Forschungsergebnisse für die Bühne einrichten. Man darf gespannt sein …

www.artcarnuntum.at

Wien, 20. 6. 2016

Szene Salzburg: Performing New Europe

Januar 14, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Drei Tipps für Tanzbegeisterte

Ingri Fiksdal Band Bild: © Anders Lindén

Ingri Fiksdal: Band
Bild: © Anders Lindén

Bereits zum dritten Mal lädt die Szene Salzburg zum internationalen Festival Performing New Europe, Pneu, nach Salzburg. Von 20. bis 23. Jänner sind neun Produktionen von Künstlern aus Kroatien, Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich, Polen, Finnland, Belgien, Spanien und Norwegen zu sehen. Die eingeladenen Stücke, überwiegend zum ersten Mal in Österreich, zeigen die thematische und ästhetische Vielfalt von zeitgenössischem Tanz und Performance.

Eine Orange, eine Puppe, ein Raumspray, eine Perücke, ein Spielzeugauto, ein Wecker, mehrere Luftballons, ein Paar Gummihandschuhe und zahlreiche andere Gegenstände spielen etwa in „Untamed Thingliness“ die Hauptrollen. Den thematischen Ausgangspunkt nimmt das Kurzstück bei Nada Gambiers Neugierde, wie Objekte, Sprache und physische Handlungen miteinander interagieren. In einer abwechslungs- und temporeichen Anordnung arrangieren die drei Protagonisten unablässig die vorhandenen Gegenstände und stellen diese dadurch in immer neue sprachliche und inhaltliche Kontexte. Die Performance hinterfragt die Bedeutung von Objekten, wandelt diese um, und verwirrt und verstärkt sie gleichzeitig. (21. und 22.1., 21:30 Uhr, Kavernen 1595, Doppelvorstellung mit einem Konzert von Maria Jerez)

In „Band“ erschafft Ingri Fiksdal mit einfachen choreographischen Mitteln einzigartige Sound- und Bilderwelten. Sie untersucht die Erfahrungen eines psychedelischen Konzertes, nur ohne Musiker, ohne Instrumente und ohne hörbare Musik. „Band“ kann als Variation von John Cages 4‘33“ gesehen werden, bei dem die Geräuschkulisse des Publikums ebenfalls sehr präsent ist. Was als Meditation beginnt, nimmt hypnotisch-rauschhafte Züge an und endet für das Publikum mit etwas Glück in einem Trancezustand. (22. 1., 18 Uhr und 23. 1., 21.30 Uhr, Kavernen 1595)
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Wie geht Schuhplatteln auf Italienisch und als zeitgenössischer Tanz? Alessandro Sciarroni, Grenzgänger der italienischen Kunstszene, packt diesen weltberühmten bayrisch-österreichischen Volkstanz bei seinen archaischen Wiederholungsmustern und rhythmischen Strukturen: eindrucksvoll, intelligent und mit offenem Ende. Gemeinsam mit fünf Tänzern macht er sich den traditionellen Tanz zu eigen und vermisst dessen scheinbare Einfachheit neu, ohne je in eine Persiflage zu rutschen. „Folk-s“ geht der Idee von Folklore und der Entwicklung ihrer Tradition nach wobei das Festhalten an einer bestimmten künstlerischen Sprache hier einem mutigen Sprung über die Spartengrenzen weicht. (23. 1., 20 Uhr, republic)
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Wien, 14. 1. 2016