Kino und Home Cinema: Die besten Filme fürs Frühjahr

Januar 1, 2021 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Neues von Tom Hanks, Naomi Watts & Kevin Kostner

Der Rausch: Mads Mikkelsen. Bild: Henrik Ohsten. © 2020 Zentropa Entertainments3 ApS, Zentropa Sweden AB, Topkapi Films B.V. & Zentropa Netherlands B.V.

Das alte Jahr war #Corona-bedingt ein Kinojahr zum Vergessen. Nun liegen alle Hoffnungen auf 2021, und tatsächlich warten etliche sehenswerte Filme nur auf das Lockdown-Ende. Neues gibt es etwa von Tom Hanks, Frances McDormand, Naomi Watts, Mark Wahlberg und Kevin Kostner. Für Österreich gehen Evi Romen mit ihrem Debütfilm „Hochwald“ und Arman T. Riahi mit dem Diagonale-Eröffner „Fuchs im Bau“ an den Start. Ein Überblick:

Kinovorschau: Jänner

Der Rausch. Martin ist Lehrer an einer Schule. Er fühlt sich alt und müde. Seine Schüler und ihre Eltern wollen, dass er gekündigt wird, weil sie mit der Qualität seines Unterrichts nicht zufrieden sind. Ermutigt durch eine abstruse Theorie stürzen sich Martin und drei Kollegen in ein Experiment: Sie wollen durch Alkoholkonsum ihren Blutalkoholwert konstant bei 0,5 Promille halten. Anfangs ist das Ergebnis positiv. Martin hat wieder Spaß am Unterrichten und auch die Liebe zu seiner Frau Trine entflammt neu. Doch die negativen Auswirkungen lassen nicht lange auf sich warten… In der bereits zehnfach ausgezeichneten Sozialsatire von Regisseur Thomas Vinterberg geht Mads Mikkelsen jeder Flasche auf den Grund. Ab 29. Jänner. Trailer: www.youtube.com/watch?v=oJwlO6vcsm0&t=16s

Kinovorschau: Februar

Lass ihn gehen. Was weit gehen Menschen, um ihre Liebsten zu schützen? USA, 1951: Der Sohn des pensionierten Sheriffs George Blackledge und seiner Frau Margaret kam vor ein paar Jahren bei einem Unfall ums Leben. Dessen nunmehrige Witwe ließ sich mit einem zwielichtigen Tagedieb ein. Als die entsetzte Margaret sieht, wie dieser „Stiefvater“ Donnie Weboy ihren Enkel in aller Öffentlichkeit prügelt, will sie das Kind retten. Doch Jimmy und seine Mutter leben auf der Farm des gefährlichen Weboy-Clans. Matriarchin Blanche führt ihre Familie mit eiserner Hand und denkt gar nicht daran, Jimmy gehen zu lassen. George und Margaret müssen um ihren Enkel kämpfen … Supermans Adoptiveltern Diane Lane und der für derlei Rollen wie geschaffene Kevin Kostner brillieren in diesem aufwühlenden Neo-Western nach dem gleichnamigen Roman von Larry Watson. Ab 19. Februar. Trailer: www.youtube.com/watch?v=bE8pwEF-3TI

Kinovorschau: März

Nomadland. Auf der Viennale 2020 bereits gezeigt, wartet „Nomadland“ nun auf den regulären Kinostart. Frances McDormand spielt als Fern einen jener Menschen, die nach der großen Rezession von 2008 alles verloren haben. Gezwungen in ihrem Van zu leben, hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Mal zusammen mit Gleichgesinnten, die wie sie in der Welt keinen Platz mehr finden, dann wieder ist sie allein unterwegs in den schier unendlichen Weiten Nordamerikas. Begleitet von der Schönheit der Landschaft. Dicht gefolgt von der Einsamkeit. Und all jenen Problemen, die ein Leben auf der Straße mit sich bringt. Das Drama von Regisseurin und Drehbuchautorin Chloé Zhao, Gewinner des Goldenen Löwen 2020, gilt als eines der Highlights des kommenden Kinojahres. Ab 19. März. Trailer: www.youtube.com/watch?v=iEcIDpnv3qQ

Lass ihn gehen. © Universal Pictures

Fuchs im Bau. © Golden Girls Film

Falling. © Filmladen Filmverleih

Good Joe Bell. © Solstice Studios

Fuchs im Bau. Der neue Spielfilm von Regisseur Arman T. Riahi ist zugleich der Eröffnungsfilm der Diagonale’21. Die neue Arbeitsstelle des ehrgeizigen Mittelschullehrers Hannes Fuchs ist ungewöhnlich: Es ist die Gefängnisschule im Jugendtrakt einer großen Wiener Haftanstalt. Dort trifft Fuchs auf die eigenwillige Elisabeth Berger, die mit ihren unkonventionellen Lehrmethoden nicht nur die Untersuchungshäftlinge in Schach, sondern auch die Justizwache auf Trab hält. Dem obersten Wachebeamten ist Bergers Kunststunde ein Dorn im Auge, da er sie als Sicherheitsrisiko sieht. Doch genau auf diese legt Berger besonderen Wert, da sich während des Malens sogar die hartgesottensten Insassen erweichen lassen. Mit Aleksandar Petrović, Maria Hofstätter, Andreas Lust, Sibel Kekilli und Karl Fischer. Ab 19. März. Trailer: www.facebook.com/fuchsimbau

Hochwald. Das Spielfilmdebüt der Autorin und Editorin Evi Romen schildert die Berg- und Talfahrt eines jungen Mannes, der völlig orientierungslos ist, aber dennoch spürt, dass es irgendwo auch für ihn einen Platz geben muss. Das Leben des sensiblen und etwas schrägen Mario gerät aus den Fugen, als sein Jugendfreund Lenz auftaucht. Mario und Lenz kennen einander seit Kindertagen. Nun sind sie Zwanzig und auf dem Sprung, die Enge ihres Dorfes hinter sich zu lassen. Lenz, der Winzersohn, hat dafür eindeutig die besseren Karten in der Hand als der Träumer Mario. Doch plötzlich wird alles anders…. Ein kühnes Queering-Drama vor Bergkulisse, und somit ein großartiger Heimatfilm über Sex, Religion, Tod und Befreiung. Mit Thomas Prenn, Noah Saavedra und Josef Mohamed. Ab 31. März. Trailer: www.youtube.com/watch?v=J-BwyK0IY74

Kinovorschau: April

Falling. John lebt mit der Wut seines Vaters, seit er denken kann. Willis macht kein Hehl daraus, dass er den Lebensstil seines offen homosexuell lebenden Sohnes zutiefst verabscheut. Einst versuchte der Patriarch aus dem Mittleren Westen seinen Sohn zu einem „echten Mann“ zu erziehen – doch der weltoffene John distanzierte sich von dessen männlichem Rollenbild, das sich durch Aggressivität und Engstirnigkeit auszeichnet. Als Willis mit einer beginnenden Demenz kämpft, nimmt ihn John trotz der schmerzhaften Erinnerungen auf – und Willis lässt seinen homo- wie xenophoben Ausbrüchen gegenüber Johns Ehemann Eric und der gemeinsamen, aus Mexiko stammenden Adoptivtochter Monica freien Lauf. Doch John trägt nun die Verantwortung für jenen Mann, der ihm im Leben am meisten weh tut … Ausnahmeschauspieler Viggo Mortensen präsentiert mit „Falling“ seine erste Regiearbeit nach einem eigenen Drehbuch. Das Resultat ist gefühlvoll, packend und durchaus experimentell. Ab 9. April. Trailer: www.youtube.com/watch?v=-rZ5DSeUb00

Neues aus der Welt. © Universal Pictures

Penguin Bloom. © Hugh Stewart

Billie. © Polyfilm/ Getty / Michael Ochs Archives / REP Documentary / Marina Amaral

Anfang 2021 / ohne konkreten Starttermin

Penguin Bloom. Die Krankenschwester Sam Bloom verletzt sich während eines Urlaubes mit Ehemann Cameron und ihren drei Söhnen in Thailand schwer, als sie von einem Balkon stürzt. Von da an ist sie von der Hüfte abwärts gelähmt, was die gesamte Familie auf eine harte Belastungsprobe stellt. Nach ihrer Reha fällt Sam in eine tiefe Depression, doch dann bringt eines Tages einer ihrer Söhne einen verletzten Flötenvogel mit nach Hause. Sie nennen ihn wegen seines schwarz-weißen Gefieders Penguin. Immer mehr lässt der Vogel, der dringend aufgepäppelt werden muss, und der seiner neuen Mama bis ins Bett und unter die Dusche folgt, Sam ihren eigenen Schmerz vergessen und gibt ihr neuen Lebensmut. Naomi Watts in einem Film von Regisseurin Glendyn Ivin nach der wahren Geschichte der Familie Bloom und ihres Magpie-Kükens. Trailer: www.youtube.com/watch?v=q7eZEZHRrVg

Good Joe Bell. Noch eine True Story. Joe Bell ist der Inbegriff von Männlichkeit, und als Ehemann und Vater gewohnt zu brüllen und zu kommandieren, bis er bekommt, was er will. Sein 15-jähriger Sohn Jadin allerdings wird an der High School als schwul geoutet und fortan schikaniert, bis er Selbstmord begeht. Statt sich nach dessen Suizid in seiner Trauer zu verlieren, beschließt Joe durch die gesamten USA zu wandern und auf Mobbing und die möglichen Auswirkungen aufmerksam zu machen. Das Original ist an der Gründung von Faces for Change beteiligt, einer Anti-Mobbing-Stiftung, die das Engagement von Menschen an Schulen ehrt, die sich für Diversität und die Förderung von Toleranz einsetzen. Mark Wahlberg überzeugt in der Titelrolle, das Drehbuch stammt vom „Brokeback Mountain“-Duo Diana Ossana und Larry McMurtry. Trailer: solstice-studios.com

Billie. Ihre ungewöhnliche Stimme und ihre Lieder voll emotionaler Strahlkraft machten sie weltberühmt. Jahrzehnte vor der #BlackLivesMatter-Bewegung lieferte Billie Holiday mit ihrem Song „Strange Fruit“ den Soundtrack für die Bürgerrechtsbewegung der amerikanischen People of Colour. Eine selbstbewusste, politisch denkende Frau, ein musikalisches Genie. Und die erste schwarze Frau in einer weißen Band. In den späten 1960er-Jahren sprach die Journalistin Linda Lipnack Kuehl mit Musikgrößen wie Charles Mingus, Tony Bennett und Count Basie über die Jazz-Legende, aber auch mit Billies Cousin und Schulfreunden, sowie einem FBI-Agenten, der die Diva einst verhaftete. Ihre Biografie über die Sängerin konnte die Autorin jedoch nie veröffentlichen. In seinem Dokumentarfilm verknüpft James Erskine nun aufwändig restauriertes Archivmaterial und die bisher ungehörten Tonbandaufnahmen von Kuehl mit den wichtigsten Auftritten von Billie Holiday. Er zeichnet das bewegende, vielschichtige Porträt einer Sängerin, deren kurzes Leben durch ihre spektakulären Shows, Exzesse und den Willen zur Rebellion gekennzeichnet war. Ein grandioses filmisches Denkmal. Trailer: www.youtube.com/watch?v=qTpMaxBw2aA

Nomadland. © Searchlight Pictures

Hochwald. ©Amour Fou – Flo Rainer

Virtues. © Channel 4

Neues aus der Welt. Eigentlich sollte Paul Greengrass‘ Westerndrama mit Tom Hanks Ende 2020 in den Kinos starten. Ob es nun dazu kommt oder der Film nach dem Roman von Paulette Jiles doch am 7. Jänner auf Netflix anläuft, ist nach wie vor nicht zu eruieren. Im mutmaßlichen Oscar-Nominee spielt Tom Hanks den abgehalfterten Bürgerkriegs-Captain Jefferson Kyle Kidd, der seit dessen Ende als Nachrichtenüberbringer und Zeitungsvorleser durch das Land zieht. Er erzählt den Menschen von einer neuen Pandemie (!), der Tuberkulose, und von der Eisenbahn, die bald auch Süd-Texas an den Rest des Landes anschließt. In Texas erhält er einen ungewöhnlichen Auftrag: Er soll die zehnjährige Johanna Leonberger, die vor vier Jahren von den Kiowa entführt wurde, nachdem sie ihre Familie getötet hatten, zu ihrer Tante und ihrem Onkel bringen. Hunderte Meilen soll der Mann mit dem traumatisierten Kind zurücklegen, während die gefährliche Wildnis und noch gefährlichere Menschen nach ihnen trachten. Doch die größte Herausforderung stellt Johanna selbst dar, die kein Wort Englisch, sondern nur ein paar Brocken Deutsch und Kiowa spricht. Mit Tom Hanks spielt Helena Zengel aus „Systemsprenger“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=34792)! Trailer: www.youtube.com/watch?v=zTZDb_iKooI

Home Cinema

Der weiße Tiger. Balram Halwai erzählt seinen düster humorvollen Aufstieg vom armen Dorfbewohner zum erfolgreichen Unternehmer im modernen Indien. Die Gesellschaft hat ihn einzig und allein für eine Sache ausgebildet: Diener zu sein. Also macht er sich für seine reichen Herren, als Fahrer für die eben aus Amerika heimgekehrten Ashok und Pinky, unentbehrlich. Aber nach einer Nacht des Verrats erkennt er das korrupte und zu Gunsten weniger manipulierte System, und Balram beschließt eine neue Art von „Meister“ zu werden. Ein Film von Ramin Bahrani nach dem Debütroman des indischen Journalisten Aravind Adiga, der dafür mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet wurde. Auf Netflix ab 22. Jänner. Trailer: www.youtube.com/watch?v=HuFypwQQEAA

Ein guter Mensch. Alzheimer im Frühstadium, diese Diagnose verändert das Leben des 65-jährigen Agâh Beyoğlu von einer Sekunde auf die andere. Doch der pensionierte Gerichtsangestellte hat andere Pläne, als sich dem Schicksalsschlag zu ergeben. Vor Jahren wurde in seinem Heimatort ein Verbrechen begangen und im großen Stil verschleiert. Nun beginnt Agâh einen blutigen Feldzug, eine Mordserie, die die Istanbuler Mordkommission bald alt aussehen lässt. Die von Onur Saylak inszenierte Miniserie ist ein hintergründiges Thrillerdrama mit klarem politischen Unterton gegen Erdogan und die AKP. Als rachsüchtiger Rentner wurde Haluk Bilginer 2019 vollkommen zu Recht als bester Schauspieler mit dem International Emmy ausgezeichnet. Bereits zu sehen auf Magenta TV und auf DVD. Trailer: www.youtube.com/watch?v=8sEcx8SX0lU

Der weiße Tiger. © Netflix Originals

Ein guter Mensch. © Magenta TV

Kampf um den Halbmond. © Arte TV

Des. © Lions Gate Entertainment

The Virtues. Joseph in einem Pub in Liverpool. Hier will er all die hinter sich lassen, die ihn verlassen haben, allen voran seine geschiedene Frau, die mit ihrem Sohn und „dem Neuen“ nach Australien ausgewandert ist. Joseph ist ein Wrack, psychisch und physisch, er kauft sich Freunde mit Lokalrunden, um am Ende allein daheim in seinem Erbrochenen aufzuwachen. Die Zuschauerin, der Zuschauer ahnt, dass der Anfang von Shane Meadows‘ Miniserie dies Ende ist. Vier Episoden lang verarbeitet der Regisseur derart die traumatischen Ereignisse seiner eigenen Jugend, und ebenso lang dauert Josephs Martyrium, das einem in nahezu jeder Szene die Kehle zuschnürt – vor Wut, Mitleid, Fassungslosigkeit. Mutig und gesegnet mit der Gabe, in die Verletzlichkeit dieses verlorenen Charakters einzutauchen, spiegelt Stephen Graham dessen Seelenqualen mit Gesicht und ganzer Körperhaltung wider. Warum Graham nicht schon längst zur ersten Liga der internationalen Schauspielerzunft zählt, es ist ein Rätsel … Auf DVD. Trailer: www.youtube.com/watch?v=DOons8oVsmE

Kampf um den Halbmond. Paris, 2014. Antoine ist ein junger und begabter Ingenieur, der erfolgreich in der Baufirma seines Vaters arbeitet. Doch in der Familie gibt es ein Drama: Vor zwei Jahren kam Antoines Schwester Anna, eine junge Archäologin, bei einem terroristischen Attentat in Kairo ums Leben. Antoine versucht, die Trauer zu überwinden und loszulassen, seine Partnerin Loraine und er wollen eine Familie gründen und ein Kind bekommen. Doch eines Tages sieht Antoine in einer Fernsehreportage über kurdische Kämpferinnen in Syrien eine Frau, die Anna sein könnte. Lebt sie und kämpft mit dem Frauenbataillon YPJ gegen den IS? Antoine macht sich auf die Suche nach Anna und gerät in Syrien zwischen die Fronten. Die franko-israelische Serie von Oded Ruskin, Staffel eins mit Félix Moati und Mélanie Thierry aus dem Jahr 2020, mischt Elemente von Thriller, Spionagefilm und Familiendrama und beweist sich als intensiver und informativer Einblick in einen Konflikt, der schwer zu verstehen ist. Eine zweite Staffel ist in Planung. Bereits zu sehen in der ARTE-Mediathek. Trailer: www.arte.tv/de/videos/RC-019886/kampf-um-den-halbmond

Des. Februar 1983. Ein Installateur findet im Abflussrohr eines Londoner Wohnhauses menschliche Knochen. Die Ermittlungen führen schnell zu Dennis Andrew Nilsen, „Des“, der im Verhör angibt, ab 1978 an die fünfzehn junge Männer getötet zu haben. Doch wer sind sie, und warum mussten sie ihre Begegnung mit Des mit dem Leben bezahlen? Auf diese Frage antwortet der von David Tennant verkörperte schottische Serienkiller schlicht: „Ich hatte gehofft, Sie könnten mir das sagen.“ Somit zeigt die von Lewis Arnold in Szene gesetzte dreiteilige True-Crime-Serie nicht die Suche nach dem Täter, sondern nach den Opfern, an deren Namen er sich nicht einmal mehr erinnert. Die größte Fahndung in der Geschichte Großbritanniens wird nicht nur aus der Sicht des Mörders, sondern auch aus der unter Druck geratener und rivalisierender Detectives und seines Biografen Brian Masters geschildert. Blut fließt nur im Kopf der Betrachterin, des Betrachters, doch dank der schnörkellosen Tennant-Performance ist das Ganze trotzdem ziemlich grauslich. Bereits zu sehen auf Starzplay. Trailer: www.youtube.com/watch?v=EzXgIV-EJQE

  1. 1. 2021

Dezember 31, 2020 in Aufschlageseite, Ausstellung, Buch, Bühne, Film, Klassik, Tipps

MuTh online: Neues Wiener Krippenspiel

Dezember 16, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Julian Loidl erzählt von der Geburt Jesu Christi

Bild: © Moritz Schell

Niemand muss heuer auf die beliebte Inszenierung der Weihnachtsgeschichte verzichten. Das „Neue Wiener Krippenspiel“ entfaltet auch im Streaming seinen Zauber dank einer früheren Aufzeichnung. Ein Schauspieler macht sich auf den Weg, um Weihnachten zu entdecken. Begegnungen mit Maria, Josef und den Hirten öffnen ihm die Augen für das, was die Bibel-Erzählung rund um Jesu Geburt erzählen will. Bis er das Kind in der Krippe persönlich antrifft.

In der Regie von Otto Jankovich schlüpft Julian Loidl als Erzähler in unterschiedliche Rollen. Dabei gelingt es ihm immer wieder, zu überraschen und zu berühren. An seiner Seite spielen das Musiker-Duo SainMus, Clemens Sainitzer und Philipp Erasmus, und liebevolle Animationsfiguren von Mart The Dart, Ralf Ricker & Paul Gößeringer, die mit dem Schauspieler und den Musikern kommunizieren. Das Neue Wiener Krippenspiel – ein poetisches, multimediales Erlebnis für Jung und Alt. Die Aufzeichnung des Krippenspiels steht von 19. Dezember bis 26. Dezember als Video-Stream zur Verfügung.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=jzYy2S9CD2A           www.muth.at

16. 12. 2020

Bild: © Moritz Schell

Bild: © Moritz Schell

Bild: © Moritz Schell

 

Festival Neues Wiener Volkstheater

März 3, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Vier Tage volles Programm von jungen Theaterleuten

Bild: mottingers-meinung.at

Bild: mottingers-meinung.at

„Haltung und Unterhaltung“, das soll das von 10. bis 13. März entlang der U4 statt findende Festival „Neues Wiener Volkstheater“ bieten. Das Max Reinhardt Seminar, das Wiener Volkstheater und die Wiener Wortstaetten haben gemeinsam fünf Stücke junger Autoren ausgewählt, die zeigen sollen, wie ein zeitgemäßes Wiener Volkstheater aussieht und mit welchen Themen es sich befasst. Präsentiert werden die Stücke in szenischen Lesungen im Max Reinhardt Seminar von Schauspielern des Volkstheaters, Regie- und Schauspiel-Studierenden des Max Reinhardt Seminars und Gasthörern.

Im Rahmen des Festivals wird am 12. März im Volx/Margareten „Isabelle H. (geopfert wird immer)“, das mit dem Else-Lasker-Schüler-Dramatikerpreis ausgezeichnete Stück des österreichischen Autors Thomas Köck zur Österreichischen Erstaufführung gebracht. In der Regie von Max Reinhardt-Student Felix Hafner spielen die Volkstheater-Ensemblemitglieder Katharina Klar und Christoph Rothenbuchner und die beiden Max Reinhardt-Seminaristen Okan Cömert und Max Gindorff.

„Wir sind dabei, das mögliche Profil des Volkstheaters auszuloten, neu zu definieren, was heute ,Volks‘-Theater bedeutet, um die langfristige Relevanz des Volkstheaters für die Stadt zu sichern“, sagt Volkstheater-Direktorin Anna Badora. „Das Festival ,Neues Wiener Volkstheater‘ trägt gemeinsam mit dem Max Reinhardt Seminar und den Wiener Wortstaetten auf spielerische, spannende Weise dazu bei: Wir geben jungen Autoren, Schauspielern und Studenten eine Bühne für ihre Visionen eines Neuen Wiener Volkstheaters.“ – „Für uns ist das ein deutliches Zeichen der Öffnung in die Stadt“, ergänzt Tamara Metelka, Institutsleiterin am Max Reinhardt Seminar. „Nicht nur unsere Studierenden haben die Möglichkeit, mit Schauspielern eines großen Wiener Hauses zusammenzuarbeiten, wir öffnen auch das unsere. In den vier Tagen des Festivals werden unsere Lehrsäle erstmals zur Bühne. Besucher können Räumlichkeiten sehen, die sonst nicht zugänglich sind. Das ist ziemlich einmalig.“ – „Es ist uns ein Anliegen, junge Regisseure, Schauspieler und Autoren an einem Platz zusammenzubringen“, so die stellvertretende Institutsleiterin Anna Maria Krassnigg. „Wir alle haben großes Interesse an zeitgenössischen Stoffen, an Inhalten, die wir zu einem zeitgenössischen Theater zusammenführen wollen. Wenn hier nun junge Theaterschaffende mit jungen Autoren arbeiten, so treffen Menschen aufeinander, die ähnliche Vorstellungen und Ansichten der Welt haben. Das verspricht, spannend zu werden.“

Szenisch gelesen werden die Stücke: „Sonnenkinder. Sternenstaub. Letzte Televisionen.“ von Valerie Melichar. Den poetischen Endzeittext, in dem sich Hauptfigur Spider, ein junger Mann Anfang 20, auf den Weg macht, um die große Liebe zu finden, bevor die Welt endgültig untergeht, inszeniert Maria Sendlhofer mit Markus Bernhard Börger, Enrique Fiß und Carolin Knab. „Schöne Axt zum Auslichten“ von Margret Kreidl, inszeniert von Mira Stadler, mit Josephine Bloéb, Alina Hagenschulte, Lena Kalisch und Emilia Rupperti. „Danke, dass ich jetzt Ihren Hund halten darf“ von Magdalena Schrefel. Alexandru Weinberger-Bara setzt das abgründige Volksstück in bester Schwabʼscher Manier in Szene. Mit Maximilian Herzogenrath, Lukas Holzhausen, Johanns Prosl und Lukas Watzl. „Sammy und die Nacht“ von Azar Mortazavi liegt in den Händen von Stefan Schweigert, der die iranische Liebesgeschichte mit Bagher Ahmadi, Laura Laufenberg, Johnny Mhanna, Seyneb Saleh und Birgit Stöger auf die Bühne bringt. Sowie „Reigen reloaded“ von Rhea Krčmářová. David Stöhr zeigt das Stück mit Anja Herden und Sebastian Klein. Melichar und Mortazavi wurden bereits mit dem von den Wiener Wortstaetten vergebenen exil-DramatikerInnenpreis ausgezeichnet.

Im Rahmenprogramm des Festivals nähert man sich dem Begriff des Wiener Volkstheaters am 12. März mit einem „Dramatischen Salon“ unter dem Motto „Kaffee, Kuchen & Konflikte“ mit Gesprächen über die (Un)Möglichkeiten, die Verlockungen und die Ansprüche des zeitgenössischen Schreibens fürs Theater. Am 13. März gibt es ein Katerfrühstück inklusive Diskussion zum Thema „Perspektiven auf ein Neues Wiener Volkstheater“ mit Autor Thomas Köck, Volkstheater-Schauspielerin Anja Herden und Peter Roessler, Professor für Dramaturgie am Max Reinhardt Seminar. Der Abschluss des Festivals wird schließlich ausgiebig in den Räumlichkeiten des Max Reinhardt Seminars gefeiert.

www.volkstheater.at/festival/neues-wiener-volkstheater

www.mdw.ac.at/maxreinhardtseminar/festival_neues_wiener_volkstheater

www.wortstaetten.at

Wien, 3. 3. 2016

Thomas Maurer: Neues Programm

Oktober 16, 2013 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Just Another Four-Letter Word

Bild: Ingo Pertramer

Bild: Ingo Pertramer

Maler oder Bildhauer trauen sich das ja ohne mit der Wimper zu zucken. Werfen, stellen, schleudern dem Publikum ein Irgendwas entgegen und nennen es: „Ohne Titel“. Mottingers Meinung dazu in nicht wenigen Fällen: „Do is eam söba nix mehr ei’g’falln.“ Thomas Maurer nun nennt sein neues Programm, das Montag im Stadtsaal Premiere hatte: „Neues Programm“. Und das wiederum nennt er eine Trotzreaktion, weil er sich von „Public-Relations-Schamanen“ nicht mehr Monate vor dem ersten Auftritt wegen eines Titels sekkieren lassen will. „Getraut hat sich das bis jetzt noch keiner.“ Na wusch, na wui. Da hat sich einer neu erfunden. Abseits der zurzeit abgesetzten ORF-Serie „Wir Staatskünstler“ vielleicht ein notwendiger Schritt. Und so mutiert der Kabarettist – ist natürlich alles nur ein Schmäh, eh klar, hamma eh verstanden – zum Stand-Up-Comedian nach US-Hausmacherart. Weil: Die Kollegen am anderen Ende des großen Teichs haben’s ja sooo viel leichter. Dort dürfen sich die afroamerikanischen Verarscher „Nigger“ nennen, jüdische Kleinkünstler über Beschneidung und den Nahostkonflikt lästern – und umgekehrt. In Österreich hingegen ist nicht einmal „Scheiße“ das, was sie einmal war. Wer heutig ist, muss fuck sagen. So gefühlte 7500 Mal. Fuck, fuck, fuck … just another four-letter word. Und auch nicht mehr so neulandlustig. Der Godfatherfucker ist und bleibt nämlich Ozzy Osbourne: „I’m fucking happy to play in fucking Hintertupfingen tonight … you’re the fucking best audience we had on this fucking tour yet … I wanna hear you fucking louder …“

Aber das nur so nebenbei. Einem Brain wie Maurer geht’s naturgemäß um Höheres. Nämlich durch Political Un-Correctness vorzuführen, wie wichtig politisches Kabarett ist. Die einstigen Giganten dieses Business sind schon länger tot oder stellen sich so. Sie haben sich beim Nabelschauen selbst deaktiviert. Also braucht’s junge, naja, 46-jährige Männer, die einer neuen Generation von Pinkys erklären, wo die Krise wohnt. Und die, damit’s nur nicht mainstreaming wird, für angedachte Aha- zu Special Effects, so genannte: SFX bzw. VFX – Ersteres für die Ohren, Zweiteres für die Augen -, greifen. Maurer ist also „Neues Programm“. Obwohl er leitmotivisch der alte bleibt. Nur, dass er statt Parteibüchlpartie und Wurschtlpraterei diesmal die Subprime-Krise (die zum Zusammenbruch der Lehman Brothers führte und in weiterer Folge die milliardenschwere staatliche Stützung anderer Investmentbankhäusln nach sich zog) in ihre Einzelteile zerlegt. Deppensicher wie der Bildungsauftrag des Öffentlich-Rechtlichen, unnachahmbar wie die stattdessen gesendeten Seicherl-Soaps. Eine Wirtschaftsnachhilfe für Nicht-WUler. Eine Lachversicherung mit Zinsgarantie. Angelegt wie bei J.P. Morgan. First Class wie feinster Kapitalismus. Mit kurzer Neustartschwierigkeit und ein paar Leerläufen – aber, wer springt schon gleich an, bevor er in die Gänge kommt?

Die beste Einlage des Abends: Maurer wird von seinem bereits bekannten Freak-Freund auf ein Naserl in der Wall Street vergessenes Koks (nicht zu verwechseln mit Kohle) eingeladen und walkt die line mitten in ein B-Movie, wo er mit Angelina Jolie,  Bruce Willis, Tom Hanks und Barack Obama die westliche Welt vor den Russen schützen will. So „Rambo 3“-mäßig. Nach einem Abstecher zur Schnalle des Bibelgürtels (nein, keine Frau, sondern in Tulsa, Oklahoma, gelegen) retten dann Jesus und Nährvater Josef die Welt. Dabei hatten sie so viel Wirtschaft mit ihr! Action-Kabarettfreundin, was willst du mehr zum Showdown? Silikonimplantate oder lieber ein Stück vom Silicon Valley? Dell statt Depp. Schwimmen in der eBay. Eine amazon mit Intel inside. Da braucht man kein Oracle, um zu wissen, dass einem hier schon wieder ein Apple für ein Ei vorgemacht wird. Tschuldigung, das hat jetzt mit Thomas Maurer nichts mehr zu tun. Wär‘ aber ein schönes Thema. Uns Pinkys erklären, wo das Geld wohnt. Just another four-letter word …

www.thomasmaurer.at

Trailer: www.youtube.com/watch?v=d9F3Ny-3Opg&feature=player_embedded#t=12

www.stadtsaal.com

Wien, 15. 10. 2013