Österreichische Nationalbibliothek: An Meine Völker!

März 11, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Zeitdokumente im Prunksaal

Kinderzeichnung Bild: ONB

Kinderzeichnung
Bild: ONB

2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Die Österreichische Nationalbibliothek widmet sich diesem Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts in der analogen ebenso wie in der digitalen Welt. Unter dem Titel „An Meine Völker! Der Erste Weltkrieg 1914-1918“ wird im Prunksaal ab 13. März 2014 erstmals umfassend die berühmte Kriegssammlung der ehemaligen Hofbibliothek präsentiert, Univ.-Prof. Dr. Manfried Rauchensteiner, Historiker, Autor und langjähriger Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien, kuratiert.

Schon unmittelbar nach Kriegsbeginn 1914 begann die Vorgängerin der Österreichischen Nationalbibliothek, die Hofbibliothek, Zeugnisse des Krieges zu sammeln. Bis 1918 wurden so mehr als 52.000 Plakate, Noten und literarische Texte, aber auch künstlerisch gestaltete Feldpostkarten, Kriegstagebücher und andere bemerkenswerte Dokumente archiviert. Später kamen noch 40.000 Fotodokumente dazu. Sie bezeugen auf eindrückliche Weise das millionenfache Sterben an der Front und das entbehrungsreiche Leben in der Heimat, auch wenn die Sammlung in den ersten Kriegsjahren von der k. & k. Propaganda gezielt benutzt wurde, um die Menschen auf den Krieg einzuschwören. Doch schließlich änderten sich die Themen, die die Leute bewegten. Hoffnung und der Wunsch nach Frieden drängten in den Vordergrund.

Analog und digital
Die Nationalbibliothek nähert sich dem Thema Erster Weltkrieg auch digital. Wichtige Teile dieser Kriegssammlung werden derzeit gemeinsam mit Objekten aus anderen Sammlungen der Österreichischen Nationalbibliothek im Rahmen des internationalen Projekts „Europeana Collections 1914-1918“ digitalisiert. Es handelt sich um über 75.000 Objekte zum Ersten Weltkrieg, darunter 6.500 Plakate, 230 Kinder- und Jugendzeichnungen, 37.000 Fotografien der „Kriegspressequartier-Alben“, rund 40 Bücher aus der Sammlung für Plansprachen, 200 Soldatenlieder und 1.100 Flugblätter, die von Flugzeugen abgeworfen wurden. Diese Digitalisate bieten einen authentischen Einblick in die damalige Zeit und werden ab April 2014 gemeinsam mit den Digitalisaten von neun weiteren Nationalbibliotheken über das Portal der Europeana zur Verfügung stehen. Insgesamt können dann knapp 425.000 Zeitdokumente aus acht europäischen Ländern online verglichen werden, die bisher nur in den Lesesälen der jeweiligen Häuser zugänglich waren. „Europeana Collections“ versammelt damit Digitalisate aus jenen Ländern, die im Ersten Weltkrieg auf unterschiedlichen Seiten der Front standen: Österreich, Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich.

Die Ausstellung „An meine Völker! Der Erste Weltkrieg 1914–1918“ ist im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek vom 13.3. bis 2.11. zu sehen. Der Katalog zur Ausstellung ist im Amalthea Verlag erschienen.

www.onb.ac.at

Wien, 11. 3. 2014

Adolf Hitler und die Folgen

März 8, 2013 in Buch

Czernin-Verlag: „Das Zeitalter der Verluste

Der Czernin-Verlag lädt am 11. März, 19 Uhr, in den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek zur Präsentation des Buches „Das Zeitalter der Verluste. Gespräche über ein dunkles Kapitel“ von Thomas Trenkler.

„Standard“-Journalist Trenkler (im Februar mit dem Bank-Austria-Kunstpreis für Kulturjournalismus ausgezeichnet, mit der Begründung, er sei „eine Person mit ausgeprägten Ecken und Kanten“, die „nicht immer angenehm und schon gar nicht angepasst“ sei, aber für seine Verdienste um die Aufarbeitung des systematischen Kunstraubs der Nationalsozialisten und der laxen Rückgabepolitik der Nachkriegszeit auszuzeichnen: „Durch seine Hartnäckigkeit habe er viel bewirkt und dazu beigetragen, die Reputation Österreichs wieder herzustellen.“) und Markus Kupferblum werden aus dem Interviewband lesen. Darin: Interviews mit Maria Altmann, Gerhard Bronner, Josef Burg, Heinz von Foerster, André Heller, Georges Jorisch, Ruth Klüger, Erich Lessing, Bettina Looram Rothschild, George Tabori, Herbert Zipper, Emile Zuckerkandl und vielen anderen. Und die Frage: Ahnte man, als Hitler vor 75 Jahren in Österreich  einmarschierte, was folgen würde? Und wenn ja: Wie reagierte man? Thomas Trenkler geht dieser Frage in Interviews mit Überlebenden und Nachgeborenen – Künstlern, Schriftstellern, Schauspielern, Kunstsammlern, Intellektuellen – nach, aus Anlass des Gedenkens an das fatale Jahr 1938.

Herbert Zipper erzählt, wie er mit dem Dramatiker Jura Soyfer im KZ das Dachaulied komponierte. Der Regisseur George Tabori macht den Zufall dafür verantwortlich, dass er einen V2-Angriff in London überlebte und in Istanbul für den englischen Informationsdienst arbeitete, bevor er in Hollywood Marilyn Monroe kennenlernte. Der Schriftsteller Josef Burg erzählt mit wohlgesetzten Worten abenteuerlich-absurde Geschichten, die er in Prag und bei Wolgadeutschen erlebte. Und Bettina Looram Rothschild diente 13-jährig als Geisel, bis die Nachricht eingetroffen war, dass die Gestapo ihren Onkel, den Bankier Louis Rothschild, verhaftet hatte …

Die teilweise gekürzt, teilweise noch gar nicht veröffentlichten Gespräche über persönliche Schicksale entstanden auch in Zusammenhang mit Recherchen über den NS-Kunstraub. Im Jahr 1998 hatte  Trenkler den Fall Rothschild publik gemacht, der die Verabschiedung eines wegweisenden Restitutionsgesetzes nach sich zog. Nun erscheinen all diese bewegenden Interviews gesammelt, ergänzt um Einleitungen, in denen Thomas Trenkler Hintergründe erklärt und Fälle zusammenfasst.

Adolf Hitler

Czernin Verlag, Thomas Trenkler: Das Zeitalter der Verluste

 

Eine Veranstaltung im Rahmen der Ausstellung:
Nacht über Österreich. Der Anschluss 1938 — Flucht und Vertreibung
Bis 28. April 2013, Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek

www.czernin-verlag.com

Von Michaela Mottinger

Wien, 8. 3. 2013