Der Dschungel Wien im November

Oktober 29, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Musiktheater von Andersen bis Stockhausen

Ausgezeichnet in der Kategorie „Herausragende Produktion für Kinder“ (STELLA13-Darstellender.Kunst.Preis)

Das Kind der Seehundfrau 8+

makemake produktionen & DSCHUNGEL WIEN & WIEN MODERN. Musiktheater für ein junges Publikum ab 8 Jahren / Dauer: 65 Min. Eine Geschichte über die schönste Sache der Welt erzählt mit Flirren, Knarren, Knacken, Johlen, Jammern, Knirschen und Jauchzen. Aufführungsserie: Sa. 02. Nov. + So. 03. Nov. 16:30 / Mo. 04. Nov. 10:30 + 14:30 Uhr. Basierend auf einem alten Inuit Märchen erzählt das Stück in der Regie von Sara Ostertag eine zerbrechliche Liebesgeschichte für Klein und Groß. Kindsein, Beziehungen und die zerstörerische und leidenschaftliche Kraft der Sinnlichkeit sind zentrale Elemente in der 2012, im Rahmen von WIEN MODERN, uraufgeführten Produktion. Klang ist das tragende Element der Inszenierung. Lieder und Sprechgesänge charakterisieren das Musiktheater ebenso, wie Sounddesign-Elemente, flirrende Klangteppiche und knarrende Eisschollen.

URAUFFÜHRUNG

Das Märchen vom alten Mann Bild: © Ani Antonova

Das Märchen vom alten Mann
Bild: © Ani Antonova

Nach Motiven von Hans Christian Andersen & Georg Büchner. Theater Montagnes Russes & ensemble LUX & DSCHUNGEL WIEN & WIEN MODERN. Musiktheater für ein junges Publikum ab 7 Jahren / Dauer: 50 Min. Aufführungsserie bis Do. 31. Oktober.  Im Rahmen von WIEN MODERN, dem Festival für Musik der Gegenwart, präsentiert DSCHUNGEL WIEN  die Uraufführung des Musiktheaters „Das Märchen vom alten Mann“ mit neuer Musik von Thomas Wally. Ausgehend von Georg Büchners „Es war einmal ein arm Kind“ sowie von Motiven der Märchen von Hans Christian Andersen kombiniert das Libretto Versatzstücke der beiden Autoren zu einer neuen Geschichte. Im Mittelpunkt steht hierbei die Begegnung einer Familie mit einem alten Mann, die existentielle Themen wie Vergänglichkeit, Verlust und Einsamkeit ins Zentrum rückt.

URAUFFÜHRUNG

Spiegelspiele 2+

DSCHUNGEL WIEN. Tanztheater mit Livemusik für ein junges Publikum ab 2 Jahren / Dauer: 45 Min.

Mittwoch, 27. November 16:30 Premiere. Aufführungsserie: Do. 28. Nov. 10:30 + 16:30 / Fr. 29. Nov. 10:30. Voraufführungen am So. 03. Nov. 16:00 sowie am Mo. 04. Nov. 10:30 + 16:30 Uhr. „Spiegelspiele“ zeigt die ersten Erfahrungen von Kindern, wenn sie sich selbst im Spiegel betrachten. Spiegel ermöglichen andere Wahrnehmungen, verzerren die Realität und sind doch wahrhaftig. Und so werden plötzlich aus einer Tänzerin drei und die verschiedenen Spiegel im Raum lassen unsere Körper mal groß und mal klein erscheinen. Mit Tanz und Musik begeben wir uns auf eine abenteuerliche Reise zu uns selbst, teilen humorvolle Erlebnisse und Überraschungen und erfahren wie verschieden und doch auch ähnlich wir uns sind. Dschungel-Chef Stephan Rabl und Matthias Jakisic, beide seit „Überraschung“, „Popcorn“ und „Sand“ ein Team, erforschen mit den TänzerInnen Steffi Jöris und Rino Indiono die Welt der Spiegel.

PREMIERE

Der kleine Harlekin 8+

Stockhausen für Kinder. Wiener Taschenoper. Musiktheater für ein junges Publikum ab 8 Jahren / Dauer: 80 Min. inkl. Pause

Freitag, 22. November 18:00 Premiere. Aufführungsserie: Do. 21. – Mo. 25. Nov. Sein Name ist praktisch ein Synonym für Neue Musik schlechthin: Karlheinz Stockhausen war eine einzigartige schöpferische Persönlichkeit, Pionier der elektronischen Musik, Idol des Pop von Pink Floyd über Mothers of Invention bis hin zu den Beatles und Inspiration ganzer Künstlerzirkel von Joseph Beuys bis hin zu DJs der Techno-Generation. Es war Stockhausens feste Überzeugung, dass neben unserer irdischen Welt auch noch eine andere, kosmische Dimension unser Leben und Wirken bestimmt. Diese Überzeugung manifestiert sich auch in seinem Werk: Der kleine Harlekin – eine junge, sprudelnde Klarinettistin – spielt auf zum Tanz. Doch dann betreten drei Jungen die Szene und es kommt zum Streit. Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens, das sich immer mehr seiner selbst bewusst wird, hin-und hergerissen zwischen Gut und Böse zu EVA heranwächst und an der Seite MICHAELs in eine neue Welt entschwebt. Künstlerisches Konzept, Inszenierung: Carlus Padrissa (La Fura dels Baus); Regiemitarbeit, Pantomime, Tänzer: Jewgenij Sitochin.

True Story 14+

DSCHUNGEL WIEN. Schauspiel mit Rap für Jugendliche ab 14 Jahren / Dauer: 70 Min. Aufführungsserie: Fr. 29. Nov. + Sa. 30 Nov. 19:30 / Mo. 02. Dez. 10:30 + 19:30 / Di. 03. Dez. 10:30 Uhr. Nominiert für den STELLA13 – Darstellender.Kunst.Preis für junges Publikum in der Kategorie „Herausragende Musik“. „True Story“ erzählt eine Geschichte über Rap. Woher kommt er? Warum gibt es ihn? Was bedeutet es, Rapper zu sein? Wie schreibt man einen Rap und was für Gefühle lösen den Schreibmechanismus aus? Es geht um Geschichten. Wie immer am Theater. Und wie immer beim Rappen. Und natürlich wird auch live auf der Bühne performt. Von und mit Simon Dietersdorfer und Holger Schober.

www.dschungelwien.at

Wien, 29. 10. 2013

Gelungener Auftakt für die neue Musical-Kompanie des Linzer Musiktheaters

April 15, 2013 in Klassik

Premiere: „Die Hexen von Eastwick“

Bild: Armin Bardel

Bild: Armin Bardel

Mit dem Musical „Die Hexen von Eastwick“ wurde der Reigen der Eröffnungsproduktionen im neuen Musiktheater Volksgarten, sprich Landesthater Linz fortgesetzt. Gefällige Unterhaltung weit über dem üblichen Landestheater-Musical-Niveau – mit berechtigtem Jubel.

Die neu gegründete Musical-Kompanie des Landestheaters Linz – neben den Vereinigten Bühnen Wien das einzige Ensemble dieser Art in Lande – präsentierte sich im neuen Haus mit einer österreichischen Erstaufführung: Die Hexen von Eastwick – eine Vertonung nach dem gleichnamigen Roman des US-Erfolgsautors John Updike. Bis zu sechs Musicals pro Saison abseits des Musical Mainstreams wie Cats, Phantom oder Elisabeth will Spartenleiter und Regisseur Matthias Davids künftig im neuen Haus realisieren. Einmal gelungen schon ist sein Einstand.

Auch, wenn das Werk von Dana P. Rowe (Musik) und John Dempsey (Buch) im Jahre 2000 im Westend uraufgeführt, nicht zu den erfolgreichsten seines Genres zählt, so ist diese Revue perfekt, um eine Kompanie in all seinen Facetten vorzustellen: Schmeichelnde Solo-Nummern, große Show-Szenen und amüsante, wortwitzreiche Dialoge. Der Komponist ist zwar kein begnadetet Melodiker, beherrscht jedoch sein Handwerk: gefällig und Genre-typisch von Pop bis Swing plätschert es vor sich hin und Dank der vielfältig eingesetzten Rhythmen kommt die gute Stimmung fast wie von selbst. Viel Freude bereiten die Ensemble-Nummern, auch Dank der neuen Orchestrierung und einem routinierten Schlag von Kai Tietje am Pult des Brucknerorchesters.

Zur Besetzung: Reinwald Kranner kopiert im Schauspiel ein Deut zu viel den Hauptdarsteller der Verfilmung, Jack Nicholson, und mutiert beim Singen unverständlicherweise zu einem Frank N. Furter a la Rocky Horror Show. Eine stärkere Betonung des Schauspielerischen hätte dieser Performance sicher ganz gut getan. Die drei Hexen (Lisa Antoni, Daniela Dett, Kristin Hölck) überzeugen auf ganzer Linie, ergänzen sich und haben viel Spaß auf der Bühne. Ein perfektes Ganzes bilden auch die übrigen Hauptdarsteller gemeinsam mit dem sehr motivierten, harmonisch in sich abgestimmten Ensemble. Großartig: Karen Robertson! Die studierte, australische  Sopranistin beherrscht auch das Musical-Fach und ringt ihrer Rolle einer überdrehten Kleinstadt-Lady unheimlich komische Elemente ab und geizt dabei nicht mit musikalischen Anspielungen. Ein wenig „Marschallin“ hier und ein wenig Klytämnestra. Routiniert umgesetzt wurden die Choreografischen Aufgaben von Melissa King und das Lichtdesign von Fabrice Kebour.

Ein wenig zu brav tastet sich Matthias Davids an das Werk heran. Die technischen Möglichkeiten des neuen Hauses scheinen bis auf die Dreh- und Unterbühne nicht ganz ausgereizt worden zu sein. Überhaupt: So manche große Show-Nummer, wie zum Beispiel das Finale des zweiten Aktes hätten durchaus ein wenig mehr Pep vertragen. Und soll nicht bedeuten, sich unbedingt mit den großen Musical-Bühnen des Landes machten zu müssen. Fazit: Darsteller, Ensemble und Kreativ-Team werden dem Stück, und auch der Publikumserwartung gerecht – und machen damit neugierig auf die nächste Musical-Premiere im neuen Musik-, sprich Landestheater Linz.

www.landestheater-linz.at

Von Martin R. Niederauer

Linz, 14. 4. 2013

In Linz beginnt’s

April 9, 2013 in Klassik

Am 11. April wird das neue Musiktheater eröffnet

Es ist ein Jahrhundertbau, ein großartiges neues Haus der Musik und der darstellenden Künste, erdacht vom britischen Architekten Terry Pawson, der am 11. April als eine der modernsten Bühnen der Welt in Linz eröffnet wird. Für maximal 1200 Besucher wurden nicht nur großzügige, von nahmhaften Künstlern gestaltete Foyers (allein der Pausengong ist ein Hammer) geschaffen, sondern auch ein hufeisenformiger, perfekte Sicht bietender Zuschauerraum. Das Haus will sich künfig allen Sparten von Musik öffnen. Auch für Kindertheater, Musical, Jazz und Experimentelles – im Untergeschoß wurde eine Studiobühne eingerichtet – soll Platz sein.
Dementsprechend bunt liest sich das Programm der Eröffnungstage:
La Fura dels Baus © Andreu Adrover

La Fura dels Baus
© Andreu Adrover

Am 11. April laden die weltweit gefeierten La Fura dels Baus und ihr katalanischer Regisseur Carlus Padrissa unter dem Titel „Ein Parzival“ zu einem für die Truppe typischem Spektakel. Am Vorplatz des Theaters und im Volksgarten werden fünfzig Kletterer, Taucher, Läufer, Skifahrer und andere abenteuerlustige, theaterinteressierte Oberösterreicher das ungewöhnliche „Wagner“-Ensemble bilden, mit dem das neue Musiktheater seinen Betrieb aufnimmt.

Am 12. April folgt die zweite Uraufführung: Die Oper „Spuren der Verirrten“ von Philipp Glass nach einem Stück von Peter Handke. Das kaum kaschierte „Hänsel und Gretel“-Zitat etabliert schon zu Beginn die Sehnsucht nach einer Heimat oder einem Zuhause, die in Handkes zwischen Alltäglichem und Mythischem virtuos jonglierender Text Welt jedoch zunehmend anachronistisch anmutet. Eingerahmt von einem formal gefassten Solisten Trio – „Der Zuschauer“, „Der Protagonist“ und „Der Dritte“ – pilgert ein wachsendes Meer aus Paaren ziellos über den kaum definierten Bühnenraum, und die Versatzstücke ihrer Sprechtexte enthüllen zugleich Tragik wie Komik der vergeblich bleibenden Sinnsuche … David Pountney inszeniert dieses Opernwagnis, Dennis Russell Davies steht am Pult.
Am 13. April steht die österreichische Erstaufführung des Musicals „Die Hexen von Eastwick“ nach dem Bestseller von John Updike, einst verfilmt mit Michelle Pfeiffer, Susan Sarandon, Cher und Jack Nicholson auf dem Programm.
Nach „Campo Amor“ und „Seven in Heaven“ am 14. April, wird am 15. April mit großer Vorfreude „Der Rosenkavalier“ erwartet. Die Wiederaufnahme-Premiere im neuen Haus glänzt  mit dem Österreichdebüt von Anne Schwanewilms als Marschallin und dem Linz-Heimkehrer Superstar Kurt Rydl als Baron Ochs auf Lerchenau.

Von Michaela Mottinger

Wien, 9. 3. 2013