KHM: Virtuelle 3D-Tour zu Bruegels Meisterwerken

Januar 16, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Welt berühmteste „Wimmelbilder“

Bruegel-Saal (Saal X). In der Gemäldegalerie des KHM Wien © KHM-Museumsverband

Das Kunsthistorische Museum lädt gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Visit Flanders zu einer virtuellen Tour durch eine der berühmtesten Gemäldesammlungen der Welt: Mit zwölf Werken von Pieter Bruegel d.Ä. beherbergt das Kunsthistorische Museum die weltweit größte und bedeutendste Bruegel-Sammlung, darunter die berühmten Meisterwerke

„Bauernhochzeit“, „Kinderspiele“, „Die Jäger im Schnee“ und natürlich den „Turmbau zu Babel“. Mit dem neuen digitalen Angebot Bruegel begegnen – Only in Vienna macht das Kunsthistorische Museum den so genannte Bruegel-Saal (Saal X) der Gemäldegalerie nun für Kunstfans auf der ganzen Welt jederzeit zugänglich und virtuell erlebbar. Mittels 3D-Technologie wird sowohl der Eindruck der Bewegung direkt im Raum vermittelt als auch die Betrachtung der Gemälde aus nächster Nähe ermöglicht. Das Besondere an der qualitativ hochwertigen Umsetzung ist eine spezielle Zoom-Funktion, die nahes Betrachten wie bei einem echten Museumsbesuch ermöglicht und sogar noch mehr Details entdecken lässt.

Der virtuelle Raum kann sowohl über mobile als auch über Desktop-Geräte besucht werden. Einen großen Stellenwert nimmt bei diesem 3D-Erlebnis die Kunstvermittlung ein: In sechs Sprachen können virtuelle Museumsbesucherinnen und -besucher viel Wissenswertes über Bruegels Werk und Leben erfahren. Die virtuelle Tour ist in den Sprachen Deutsch, Englisch, Niederländisch, Russisch, Chinesisch/Mandarin und Japanisch verfügbar. Mit diesem neuen und kostenlosen digitalen Angebot erweitert das Kunsthistorische Museum seine breiten und innovativen Online-Aktivitäten und bietet Museumsfans weltweit in Zeiten von Lockdowns und Reisebeschränkungen Kunstgenuss und Abwechslung ganz bequem von zu Hause aus.

Pieter Bruegel d. Ä.: Bauernhochzeit. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Der Turmbau zu Babel. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Die Jäger im Schnee. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Kinderspiele. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Nur knapp mehr als vierzig Gemälde und sechzig Grafiken haben sich überhaupt von der Hand des Meisters erhalten. Dass das Kunsthistorische Museum die weltweit größte Sammlung an Bruegel-Gemälden besitzt, liegt darin begründet, dass Habsburger Sammler schon im 16. Jahrhundert die außerordentliche Qualität und Originalität der Bildwelten Bruegels zu schätzen wussten und sich bemühten, prestigeträchtige Werke des Künstlers zu erwerben. Das Werk Pieter Bruegels des Älteren, der die Landschafts- und Genremalerei revolutionierte, ruft immer noch vielfältige und kontroverse Deutungen hervor. Der Reichtum seiner Bilderwelt sowie seine scharfsinnige Beobachtungsgabe der menschlichen Spezies üben bis heute eine besondere Faszination auf die Betrachter aus … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=29718

www.khm.at/bruegel-begegnen           www.khm.at

16. 1. 2021

Technisches Museum Wien: Künstliche Intelligenz?

Dezember 17, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Utopien und Hysterien rund um humanoide Roboter

Neuronale Netze. Bild: © Sebastian Weissinger / Technisches Museum Wien

Nicht das erste Mal in der Geschichte der Menschheit lässt einen der technologische Fortschritt an­gespannt in die Zukunft blicken – ob neugierig oder verunsichert, ob heilserwartend oder apokalyptisch. Das Technische Museum Wien beleuchtet und reflektiert in der Sonderausstellung „Künstliche Intelligenz?“ ab 17. Dezember Fakten und Mythen um eines der größten Innovationsthemen des 21. Jahrhunderts. Mittlerweile vergeht kaum ein

Tag, an dem in den Medien nicht über Künstliche Intelligenz berichtet wird. Man liest über technologische Meilensteine und bahnbrechende Innovationen, fantastische Zukunfts­visionen, die an Science Fiction erinnern, und über stetig neue Anwendungsgebiete, die vom Gesund­heits­bereich über Industrie bis hin zur Kunst reichen. Aber auch über heikle ethische und soziale Frage­stellungen, die nicht nur durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, sondern auch durch ihre Programmierung aufgeworfen werden. Dass man dem Phänomen Künstliche Intelligenz mit Faszination, Respekt oder Skepsis begegnet, ist ver­ständlich.

Denn tatsächlich beruht ihr Wesen auf dem Versuch, eine Fähigkeit des Menschen nachzu­bauen, die man schon für sich genommen nicht so genau versteht. Wodurch unterscheidet sich Künstliche Intelligenz aber nun von menschlicher? Was kann sie leisten, was wird noch länger ein unerfüllter Traum bleiben und wo begegnet sie einem bereits im Alltag, auch ohne, dass man es bemerkt? Das Technische Museum Wien eröffnet Besucherinnen und Besuchern einen transparenten, reflektierten Blick auf Utopien und Hysterien, die sich um humanoide Roboter und Künstliche Intelligenz ranken. Die Ausstellung präsentiert die derzeitigen technologischen Entwicklungen und will zeigen, woran mit welchen Zielen geforscht wird.

Welche gesellschaftlichen Auswirkungen von den Ergebnissen zu erwarten sind und was hinter Trend-Schlagworten wie „maschinelles Lernen“, „Algorithmus“ oder „autonome Systeme“ tatsächlich steckt. Auf fünf Stockwerken wird gemeinsam mit dem Publikum reflektiert, wie man mit Maschinen interagiert, wie Künstliche Intelligenz überhaupt funktio­niert und wie sie den Alltag – auch unbewusst – verändert. Schließlich wird das künstlerische Potenzial der Maschinen ebenso wie die Möglichkeiten, die sich für Mobilität und Stadtentwicklung bieten, untersucht.

Das gläserne Gehirn, 1950er-Jahre. Bild: © Technisches Museum Wien

Spielzeugroboter „Aibo“, 2020. Sony Corporation, Tokio. Bild: © Sebastian Weissinger / Technisches Museum Wien

Kybernetische Maschine „MM7, Selektor“, 1961. Von Claus Christian Scholz-Nauendorff, Wien. Bild: © TMW

Level 1: Die Maschine als Gegenüber. Gleich zu Beginn der Entdeckungsreise werden Besucherinnen und Besucher von Cruzr, einem der fortschrittlichsten Serviceroboter weltweit, mit einer Einführung in die Ausstellung und in seine „Ahnengalerie“ empfangen. Nach der Begegnung mit einem autonomen, humanoiden Roboter ist man aufgefordert zu reflektieren, wie man im Alltag mit Maschinen interagiert. Denn jeder Knopfdruck, jeder Mausklick, jede Berührung am Touchscreen ist Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Diese Schnittstellen werden im Zeitverlauf zwar immer intuitiver, aber auch problematischer: Der Spracheingabe folgen neuartige Anwendungen, die auch Mimik, Gestik und Verhalten ebenso wie den Daten-Fußabdruck interpretieren sollen.

Level 2: Ins Innere der Künstlichen Intelligenz. Was ist das Wesen und der Ursprung von Intelligenz? Im Bestreben das menschliche Gehirn zu begreifen, gab es historisch sowohl wissenschaftliche Irrwege ebenso wie bemerkenswerte Entdeckungen, dennoch scheint ein vollständiges Verständnis der komplexen Funktionsweisen des Gehirns nach wie vor in weiter Ferne. Welche Erkenntnisse können die Menschen aber bereits auf die technologische Imitation von Intelligenz umsetzen? Wie trainiert man Maschinen? Und kann man im Ergebnis noch den Unterschied zwischen Mensch und Maschine erkennen? In interaktiven Stationen können Besucherinnen und Besucher dies und vieles mehr hautnah erleben.

Level 3: Im Alltag. Historisch gesehen versprechen die Menschen sich  schon lange eine Arbeitserleichterung im Alltag durch den Einsatz von Technik. Von der Künstlichen Intelligenz, die als Gipfel der Automatisierung gesehen werden kann, erwartet man sich mehr als von bloß smarten Haushaltsgeräten. Während Zukunftsfantasien an autonome Roboter denken, die einen im realen Raum unterstützen, vergisst man oft, dass Künstliche Intelligenz in die digitalen Welt bereits Einzug gehalten hat. Wo einem diese Algorithmen begegnen und wie sie wirken soll hier kritisch reflektiert werden.

Level 4: Kunst und Künstlichkeit. Kreativität wird als etwas zutiefst Menschliches interpretiert, dennoch kann Künstliche Intelligenz bereits Sinfonien komponieren, Gedichte schreiben und Bilder malen. Das wirft die Frage auf: Was bedeutet Kreativität eigentlich und was soll Kunst in Menschen auslösen? Besucherinnen und Besucher können erleben und ausprobieren, wie einen Künstliche Intelligenz im eigenen Schaffen inspirieren kann.

Flötenspielautomat „Automa suonatore di flauto“, 1849. Von Innocenzo Manzetti, Aosta. Bild: © Sebastian Weissinger / TMW

Mock-up des Roboters „Telenoid R4“, 2013. Entwickler: Hiroshi Ishiguro, Osaka. Bild: © Sebastian Weissinger / TMW

Serviceroboter Cruzr, 2019. Hersteller: UBTECH Robotics, Shenzhen, China. Bild: © UBTECH Robotics

Sexroboter im sehr privaten Bereich. Bild: © Sebastian Weissinger / Technisches Museum Wien

Level 5: Mobilität im Wandel. Der Traum vom selbstfahrenden Auto ist beinahe so alt wie das Auto selbst. Woher kommt diese Sehnsucht, was ist der aktuelle Stand der Technik und wie könnte die Zukunft der Mobilität auch abseits des Individualverkehrs aussehen? Welche Auswirkungen diese und andere Zukunftsszenarien vor allem unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit haben können, evaluiert der Wissenschaftspublizist Florian Aigner abschließend in einer Videoinstallation.

Mit zahlreichen interaktiven Erlebnissen und multimedialen Stationen lädt die Ausstellung „Künstliche Intelligenz?“ zum immersiven Eintauchen in die Thematik und zu einem aktiven Museumsbesuch ein. Außerdem werden sowohl historische als auch aktuelle Highlight-Objekte gezeigt, wie zum Beispiel das „Gläserne Gehirn“, das in zehnfach vergrößerten Maßstab den Informationsfluss im menschlichen Gehirn veranschaulicht, der moderne Roboter Cruzr ebenso wie seine „Vorfahren“, die bis ins 18. Jahr­hundert zurückreichen, oder die ikonische Darstellung eines Neuronalen Netzwerks, die eigens für die Ausstellung erstellt wurde und weltweit einzigartig ist.

In einer bewegten Entdeckungsreise reflektiert die Ausstellung gemeinsam mit dem Publikum das Potenzial und die Risiken der Künstlichen Intelligenz auf unaufgeregte Weise und zeigt, wie zeitlos die dahinterstehenden menschlichen Wunschvorstellungen sind. Denn schließlich ist auch diese innovative Technologie ein Werkzeug wie jedes andere, aber der Diskurs, für welche Zwecke man die einsetzt, sollte mit breiter gesellschaftlicher Beteiligung erfolgen …

www.technischesmuseum.at           Filmtipp: Maria Arlamovsky: Robolove, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=41806

17. 12. 2020

Museum der Moderne Salzburg: Physiognomie der Macht. Harun Farocki & Florentina Pakosta

Dezember 11, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Kriege, Revolutionen und mächtige Männer

Harun Farocki: Ich glaubte Gefangene zu sehen, 2000. © Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg. Bild: Harun Farocki

Ab 8. Dezember widmet sich die Doppel- ausstellung „Physiognomie der Macht“ im Museum der Moderne Salzburg in einer umfassenden Gegenüberstellung dem Werk des deutschen Filmemachers Harun Farocki und der österreichischen Grafikerin und Malerin Florentina Pakosta. Während Farocki zu den wichtigsten Dokumentarfilmern und

Medienkünstlern Deutschlands ab den 1970er-Jahren zählt, ist Pakosta eine der zentralen Figuren der feministischen Avantgarde in Österreich. Die beiden stehen in ihren Arbeiten für einen Realismus, der sich aus Themen und Anliegen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. So unterschiedlich ihre Medien auch sind, so sprechen ihre Arbeiten durch die zutiefst politische Dimension doch vergleichbare Sprachen. Im Mittelpunkt stehen dabei oftmals Formen von Machtausübung und Machterfahrung.

Die Ausstellung präsentiert sechs zentrale Videoinstallationen, Essay- und Dokumentarfilme von Harun Farocki aus der Sammlung Generali Foundation, darunter die Videoinstallation „Ich glaubte Gefangene zu sehen“ aus dem Jahr 2000 und die Trilogie „Auge/Maschine I–III“, entstanden von 2001 bis 2003. Diese beiden Arbeiten beschäftigen sich mit der Zurichtung des Menschen durch technologische Überwachungs- und Kontrollsysteme und der Legitimierung von Krieg mit dem Argument einer vermeintlich „humanen“ Kriegsführung mithilfe elektronischer Hightech-Systeme.

Dem steht der Stummfilm „Aufschub“ von 2007 gegenüber, für den Farocki Filmaufnahmen aus dem Jahr 1944 über den Lebensalltag jüdischer Gefangener im „Durchgangslager“ Westerbork in den Niederlanden behutsam zusammengefügt und mit Zwischentiteln ergänzt hat. Die Filme „Ein Tag im Leben der Endverbraucher“ von 1993 und „Die Bewerbung“ von 1997 thematisieren die Rollen des Menschen als Konsument und als Arbeitssuchender in einer von kapitalistischen Prinzipien bestimmten Lebenswelt. Im Zentrum des preisgekrönten Films „Videogramme einer Revolution“ – mit Andrei Ujica, 1992 – steht die Dynamik politischer und sozialer Machtverhältnisse und die damit verbundene Rolle medialer Inszenierung. Er schildert anhand von Film- und TV-Aufnahmen die Rumänische Revolution im Jahr 1989.

Florentina Pakosta: Selbstbildnis mit Zaun, 1976. MdM Salzburg. Bild: Rainer Iglar / Bildrecht, Wien 2020

Harun Farocki: Aufschub, 2007. Nederlands Inst. voor Oorlogs-documentatie, Amsterdam. Bild: Farocki

Florentina Pakosta: Fleischwolfmund, 1979. Museum der Moderne Salzburg. Bild: Hubert Auer, Bildrecht, Wien 2020

Die Präsentation von Florentina Pakosta gibt einen 50 Jahre überspannenden Einblick in ihr Werk. Sie reicht von frühen Zeichnungen zu Krieg, Gewalt und feministischen Themen über ihre Physiognomie-Studien, in denen sie sich auf differenzierte Weise auch mit den Charakterköpfen des Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt beschäftigt, die monumentalen und zugleich subversiven Porträts ihrer mächtigen männlichen Zeitgenossen aus Kunst, Politik und Wirtschaft und die satirisch-surrealistischen Montageköpfe bis hin zu den Warenlandschaften und den abstrakten Trikolore-Bildern der 1990er- und 2000er-Jahre. Erstmalig werden in größerem Umfang Werke von Pakosta gezeigt, die sich in der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg befinden, komplettiert durch wichtige Leihgaben der Künstlerin sowie weiterer Sammlungen.

Der 2014 verstorbene Filmemacher Harun Farocki war ein akribischer Beobachter und Analytiker der gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit. In den Studierendenprotesten der späten 1960er-Jahre politisiert, entwickelte er einen dokumentarischen und essayistischen Stil, in dem er eigene Filmaufnahmen mit Bildern aus anderen Quellen wie Massenmedien und Überwachungssystemen verknüpfte. Er war insbesondere an jenen Strukturen interessiert, durch die sich die Gesellschaft selbst zurichtet.

So fragen seine Arbeiten nach den Auswirkungen totalitärer Überwachungs- und Kontrollsysteme, nach dem Alltag in einer von der kapitalistischen Logik durchdrungenen Lebens- und Arbeitswelt und nach der zunehmend komplexen Beziehung von Mensch und Maschine. Sie forschen stets nach der Rolle des Bildes in Herrschaftsverhältnissen. Sie machen sichtbar, wie Bilder in Dienst genommen werden, sei es durch Überwachung, technisch-militärische und zivile Bildanalysen oder Fernsehen und Werbung. Zugleich legt Farocki die dem Film eigenen Konstruktionsprinzipien offen. Er ist in seinen Filmen und Videoarbeiten stets als Autor präsent, als Beobachter und Gestalter, der mit den Mitteln der Montage und des Kommentars unsere Wahrnehmung lenkt und eine aktive Rezeption fordert.

Rumänische Revolution im Jahr 1989 – Harun Farocki: Videogramme einer Revolution, 1992. Bild: Harun Farocki

F. Pakosta,: Wenn Männer ihre Ehefrauen töten III, 1968. Besitz der Künstlerin. Bild: Rainer Iglar / Bildrecht, Wien 2020

Florentina Pakosta: Die weiße Weste, 1972. Besitz der Künstlerin. Bild: Rainer Iglar / Bildrecht, Wien 2020

Harun Farocki: Ein Tag im Leben der Endverbraucher, 1993. Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg. Bild: Harun Farocki

Florentina Pakosta war in jungen Jahren damit konfrontiert, dass Frauen in Kunstwelt, Wirtschaft und Politik nur Nebenrollen spielten. Ihr frühes Interesse an sozialen Verhältnissen, an Randgruppen und Außenseitern verlagerte sich in den 1970er-Jahren hin zur Auseinandersetzung mit der eigenen Erfahrung der Marginalisierung als Künstlerin. Sie betrieb intensive zeichnerische Porträtstudien, in denen sie nicht nur ihre eigene Existenz, sondern auch das männliche Antlitz der Macht analysierte, das sich ihr entgegenstellte.

Die Physiognomie des Gesichts wurde zu einem zentralen Motiv ihrer Arbeiten. Pakosta nahm am Gesichtsausdruck nicht nur die psychische Verfassung, sondern auch einstudierte, verinnerlichte soziale Masken und Rollen wahr. In präzise aufgebauten, teils hyperrealistisch wirkenden Zeichnungen, gänzlich reduziert auf Schwarz und Weiß, porträtiert und karikiert sie den zur Maske geronnenen Gesichtsausdruck mächtiger Männer.

In feministischen und satirisch-surrealistischen Zeichnungen thematisiert sie darüber hinaus das Herrschaftsverhältnis zwischen den Geschlechtern. Pakosta erweist sich in ihrem von ihr so genannten Erstwerk, das von einem figurativen Realismus geprägt ist, als Meisterin der Zeichnung und anderer grafischer Techniken. Was ihre Zeichnungen auf direkte Weise ansprechen, assoziieren ihre späteren Malereien in der Bildsprache der Abstraktion: das Gewaltsame und Zerbrechliche, aber auch Dynamische und Veränderliche.

 www.museumdermoderne.at

 8. 12. 2020

Naturhistorisches Museum Wien: Ablaufdatum

Dezember 7, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Wenn aus Lebensmitteln Müll wird

©NHM Wien / A. Schumacher

Mit der Wiedereröffnung am 7. Dezember zeigt das Naturhistorische Museum Wien die Ausstellung „Ablaufdatum. Wenn aus Lebensmitteln Müll wird“. Eine Schau, die den Ursachen der Lebensmittelverschwendung auf den Grund geht. Von der Landwirtschaft über die Lebensmittelproduktion, den Handel bis zum  Haushalt oder die Gastronomie, die Ursachen sind so vielfältig wie verstörend. Noch vor wenigen Jahrzehnten war es unvorstellbar, genießbare Nahrung wegzuwerfen.

Das hat sich inzwischen radikal geändert. Schätzungen zufolge landet mindestens ein Drittel der globalen Lebensmittelproduktion auf dem Müll, mit drastischen sozialen und ökologischen Folgen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum, umgangssprachlich oft als Ablaufdatum bezeichnet, ist nur einer von vielen Faktoren für den Verlust von Lebensmitteln. Zumeist bleiben sie über dieses Datum hinaus genießbar, doch der Handel entsorgt die Ware in der Regel bereits vor diesem knapp bemessenen Datum, um Platz für Neues zu schaffen.

Nimmt man die gesamte Wertschöpfungskette der Lebensmittel unter die Lupe, so zeigt sich das dramatische Ausmaß der Verschwendung. Sie beginnt in der Landwirtschaft und endet im privaten Haushalt. Aktuellen Studien zufolge landen in jedem österreichischen Haushalt jährlich bis zu 133 Kilogramm an genussfähigen Lebensmitteln im Müll. Das entspricht einem Wert von 250 bis 800 Euro.

Das Recht auf Nahrung ist ein grundlegendes Menschenrecht. Gleichzeitig belastet die Herstellung von Nahrungsmitteln die natürlichen Ressourcen der Erde. Ein Drittel aller Klimagase stammt aus der Lebensmittelerzeugung. Eine bloße Halbierung des Lebensmittelmülls würde ebenso viele Klimagase sparen, wie eine Stilllegung jedes zweiten Autos. Die industrielle Landwirtschaft verbraucht 70 Prozent des Süßwassers. Massentierhaltung und die Überfischung der Weltmeere gefährden unzählige Ökosysteme. Monokulturen und der Einsatz von Dünge- und Spritzmitteln zerstören eine Vielfalt von einzigartigen Lebensräumen und vernichten jedes Jahr zigtausende Tier- und Pflanzenarten.

©NHM Wien / A. Schumacher

©NHM Wien / A. Schumacher

Jährlich werden 30 Millionen Hektar Wald gerodet, planiert und der maschinellen Landwirtschaft geopfert. Saatgut wird mit Fungiziden gegen Schimmel behandelt. Mehrmals pro Jahr werden Insektizide gegen „Schadinsekten“ und Herbizide zur „Unkrautvernichtung“ eingesetzt. Diese chemischen Substanzen tragen massiv zum Insektensterben bei. Der Schwund von insektenfressenden Tierarten wie beispielsweise Feldlerchen und Kiebitzen ist die logische Folge. Am häufigsten wird das umstrittene Pflanzenvernichtungsmittel Glyphosat verwendet, das 2017 von der EU für weitere fünf Jahre zugelassen wurde.

In der Intensivlandwirtschaft werden massiv chemische Gifte eingesetzt: um unerwünschte Wildkräuter, Pilze und Insekten zu töten oder um die Haltbarkeit von Saatgut zu verbessern. Diese Gifte haben Auswirkungen auf die gesamte Umwelt. Neonicotinoide, als Saatgut-Beizmittel und Sprühmittel verwendet, sind hochwirksame Insektizide. Etwa zehn Tonnen werden jährlich in Österreich versprüht. Sie werden unter anderem für das Bienensterben verantwortlich gemacht.

©NHM Wien / A. Schumacher

©NHM Wien / A. Schumacher

Lebensmittel werden in Supermärkten als preisgünstig präsentiert. Und noch sind die Müllcontainer hinter den Supermärkten gefüllt mit Lebensmitteln, die aus Bequemlichkeit, wegen winziger optischer Mängel oder aus anderen Gründen entsorgt wurden, bevor sie das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht hatten. Der Platz im Supermarktregal ist heiß umkämpft. Die Müllmengen, die im Handel anfallen, sind ein gut gehütetes Geheimnis. Der Lebensmittelmüll eines einzigen großen Supermarktes wird auf 500–600 Tonnen im Jahr geschätzt.

Dem vorzubeugen hilft in der Schau das Geruchs- und Geschmacklabor: „Ist das noch gut?“ der Wiener Tafel. Hier erleben Museumsbesucherinnen und -besucher Lebensmittel nicht nur als ihre Lebensgrundlage, sondern bekommen die Möglichkeit, ihre körpereigene „Laborausstattung“ dafür einzusetzen, Frische, Qualität und Verträglichkeit von Lebensmitteln einzuschätzen. Neben der Rettung von Lebensmitteln zählt die Vermeidung von Foodwaste durch Bewusstseinsbildung zu den selbst definierten Kernaufgaben der Wiener Tafel.

Die Verschwendung von Lebensmitteln wird sich die Menschheit bald nicht mehr leisten können. In der Ausstellung werden eindrucksvolle Daten und Fakten präsentiert. Aber noch viel wichtiger ist das Aufzeigen konkreter Wege aus dem Teufelskreis der Verschwendung. Denn das Konsumverhalten aller kann dazu beitragen, die Welt zu verändern.

Der Blog zur Ausstellung:           www.nhm-wien.ac.at/ablaufdatum/blog           www.nhm-wien.ac.at

  1. 12. 2020

Leopold Museum: Emil Pirchan. Visuelle Revolution

Dezember 6, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

„Ich bin dem Theater verfallen mit Pinsel und Feder“

Emil Pirchan in seinem Münchner Atelier, um 1912. Bild: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Das Leopold Museum zeigt ab 8. Dezember mit der Ausstellung „Emil Pirchan. Visuelle Revolution“ die erste umfassende Retrospektive zum Werk des Künstlers in Österreich. Mehr als 200 Objekte geben Einblick in das Schaffen Pirchans, der als Gebrauchsgrafiker ebenso reüssierte wie als Pionier des expressionistischen Bühnenbildes. Zudem betätigte er sich als Designer, Architekt, Autor, Buchillustrator und Hochschullehrer. Seinen Einfallsreichtum konnte der

vielseitige Gestalter an den Wirkungsorten München, Berlin, Prag und Wien entfalten. Pirchan ist weitgehend unbekannt, doch in seiner Kreativität und Vielseitigkeit ist er mit den bekanntesten Vertretern der Wiener Moderne wie „Tausendkünstler“ Koloman Moser, Josef Hoffmann – Pirchans Cousin zweiten Grades –, Otto Prutscher oder Dagobert Peche vergleichbar. Erst vor wenigen Jahren sichtete Beat Steffan, der Enkel des Künstlers, jene im Besitz der Familie verbliebenen Kisten auf dem Dachboden des Elternhauses, die die reiche Hinterlassenschaft Pirchans enthielten. Die Wiederentdeckung dieses Schatzes führte zur Aufarbeitung des Nachlasses.

Dem aus Brünn stammenden Emil Pirchan wurde die Kunst gleichsam in die Wiege gelegt. Sein Vater Emil Pirchan der Ältere, letzter Schüler des historistischen Malers Carl Rahl, war in der Hauptstadt Mährens ein gefragter Porträtist des Adels und des Großbürgertums. Nach seinem Architekturstudium bei Otto Wagner in Wien und einem kurzen Intermezzo in seiner Heimatstadt zog Emil Pirchan 1908 nach München, wo er ein „Atelier für Graphik, Bühnenkunst, Hausbau, Raumkunst und Kunstgewerbe“ eröffnete.

Emil Pirchan: Plakat, 1915. Bild: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Emil Pirchan: Gustav Klimt – Ein Künstler aus Wien, Wien – Leipzig 1942. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Emil Pirchan: Plakat, 1913. Bild: KHM-Museumsverband, Theatermuseum, Wien. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Seine Architekturentwürfe waren auf der Höhe der Zeit, doch sie blieben bis auf jene für das 1912 fertiggestellte Haus seines Kollegen Viktor Oppenheimer unausgeführt. Dass der Erfolg im Metier Architektur ausblieb, beeinträchtigte den Schaffensdrang Pirchans keineswegs, konnte sich der flexible Tausendsassa doch bald als Gebrauchsgrafiker etablieren. Nichtsdestotrotz entstanden auch in der Zwischenkriegszeit architektonische Projekte – etwa um 1925 für zwei „Solomite Häuser“ – benannt nach Platten aus gepresstem Stroh, einem damals neuen Baustoff – oder um 1930 für ein maschinell wirkendes Theatergebäude für Südamerika, das in seiner Gestaltung an die futuristischen Filmkulissen aus dem Stummfilm „Metropolis“ von Fritz Lang erinnert.

Im Sinne des Wiener Jugendstils vertrat Emil Pirchan eine gesamtkünstlerische Auffassung von Architektur. Dies bedeutete, dass er sich über die baulichen Angelegenheiten hinaus für sämtliche Details der Innenausstattung zuständig fühlte. Als Designer widmete er sich dem Gesamteindruck ebenso wie dem kleinsten Detail. Seine Entwürfe für Schmuck, Spielzeug, Stoffe, Vasen, bis hin zu Blumenbehältern, Notenpulten, einem Aquarium für Mondfische“ oder einem „Hut-Spiegel-Ständer“ zeugen von unbändigem Einfallsreichtum und einer eigenen Formensprache. Helle Möbel vor buntem Hintergrund, vom Kinderzimmer bis zur Diele, teils mit folkloristischen Elementen versehen, sorgen für Klarheit und Abwechslung gleichermaßen.

Mit bemerkenswerter Flexibilität passte Emil Pirchan Materialien und dekorative Elemente der jeweiligen Aufgabe an. Schranktypen oder Tische kamen in  verschiedenen Umgebungen zum Einsatz, fallweise mit unterschiedlicher Oberflächenbehandlung, die dadurch den Charakter des jeweiligen Ambientes mitbestimmte. Ebenso wie architektonische Projekte wurden Pirchans Arbeiten zur Gestaltung der privaten Wohn- und Arbeitsbereiche in Fachzeitschriften publiziert, so etwa im jährlich in London erscheinenden Magazin The Studio, wo in der Ausgabe von 1908 unter Hervorhebung seines „feurigen jugendlichen Enthusiasmus“ Möbelstücke präsentiert wurden.

Diele nach einem Entwurf von Emil Pirchan, 1907. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Hans Robertson: Bühnenbildfoto aus dem Ballett „Die Planeten“. Bild: KHM-Museumsverband, Theatermuseum, Wien

Ausstellungsansicht: Emil Pirchen. Visuelle Revolution. Leopold Museum, Wien. Bild: Lisa Rastl

Emil Pirchan: Entwurf zu einem Theater für Südamerika. Bild: KHM-Museumsverband, Theatermuseum, Wien. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Bereits 1912 experimentierte Emil Pirchan mit geschnittenem Buntpapier und erreichte mit seinen auf das Wesentliche reduzierten Collagen einen hohen Grad an Abstraktion. Die von ihm gestalteten Plakate für Veranstaltungen, Unternehmen, Fremdenverkehr bestechen durch ihre Klarheit. Sowohl in den Vorentwürfen als auch in Ausführung zählen Pirchans grafische Lösungen zu den innovativsten jener Zeit. Allein bis 1918 entstanden in seinem Münchner Atelier an die 50 Plakate und 1500 Blätter mit unterschiedlichen Entwürfen, für Buchillustrationen, Einladungskarten, Exlibris, Malbücher oder Werbeprospekte. Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld, ein leidenschaftlicher Sammler der Plakatkunst, zählte Emil Pirchan zu denjenigen, die der Reklame im deutschsprachigen Raum ein „einmaliges Gesicht“ verliehen hätten.

„Ich bin dem Theater verfallen mit Pinsel und Feder, mit Herz, Hirn und Hand“, schrieb Pirchan in einer biografischen Notiz, um sich sogleich als „Organist an der aufrauschenden Orgel der Bühnenfarben, des Bühnenlichtes, des Raumgestaltens“ und „innig beflissener Diener am Gesamtkunstwerk des Theaters“ zu bezeichnen. Der Künstler, der bereits nach dem Abschluss seines Architekturstudiums die Ambition zeigte, auch als Bühnengestalter zu arbeiten, veranstaltete 1912 in der Modernen Galerie Thannhauser in München eine eigene Personale, die gänzlich dem Thema Bühnenbild gewidmet war.

Es sollten jedoch einige Jahre vergehen, bis sein Potenzial erkannt wurde und ihm die Leitung der Bereiche Bühnenbild und Verwaltung des Kostümwesens am Bayerischen Staatstheater überantwortet wurde. 1919 berief ihn der bedeutende Regisseur und Theaterintendant Leopold Jessner,  ein Gegenspieler von Max Reinhardt, an das Staatliche Schauspielhaus in Berlin. Mit dem Stück „Aus dem Leben der Insekten“ von Josef und Karel Čapek versuchte sich Emil Pirchan 1923 erstmals auch als Regisseur. Von Anfang an galt dabei Pirchans großes Interesse dem Tanz, insbesondere den Bewegungsabläufen.

Emil Pirchan mit Masken im Berliner Atelier, 1923. © Nachlass Emil Pirchan, Sammlung Steffan/Pabst, Zürich

Auch als Kostüm- und Maskenbildner betätigte er sich; zur Maximierung der Wirkung überließ er nichts dem Zufall und setzte in den Bereichen Beleuchtungstechnik und Bühnenbildprojektion neue Maßstäbe. Die von Emil Pirchan angestrebte klare Strukturierung des Bühnenraumes sowie eindringliche Farbwirkungen wurzelten zweifelsohne in seiner Arbeit als Gebrauchsgrafiker. „Bloß Wesentliches, Verallgemeinertes. Alles Illustrierende, Ablenkende fortgelassen. Nur Konzentration!“ so sein Credo. In den 1930er-Jahren ließen knappe finanzielle Mittel keine weiteren gestalterischen Höhenflüge zu.

Während seiner Tätigkeit am Deutschen Theater in Prag war der Bühnenbildner auf die Wiederverwendung von bereits bestehenden Teilen des Dekors angewiesen. Bis auf einige wenige Ausnahmen arbeitete er zunehmend eklektisch und ohne Scheu vor historisierenden Elementen. Dieser Trend setzte sich auch nach dem Umzug nach Wien im Jahr 1936 fort, wohin Emil Pirchan als außerordentlicher Professor für die neugeschaffene Meisterschule für Bühnenbildkunst und Festgestaltung an der Akademie der Bildenden Künste berufen wurde.

Dass all diese Arbeit in die Zeit des Nationalsozialismus fiel, wirft freilich auch die Frage nach der politischen Haltung des Künstlers auf, zu der es keine eindeutigen Belege gibt. Zeitzeugen behaupten, er wäre „apolitisch“ gewesen. Jedenfalls war er kein Parteimitglied, passte sich aber dem Regime an und konnte so seine Tätigkeit fortsetzen. Die Weitergabe von Wissen war Pirchan ein großes Anliegen; vor seinem Umzug nach Wien hatte er bereits an den Akademien von Berlin und Prag sowie am Mozarteum und an der österreichischen Dependance der Theatre School of New York in Salzburg unterrichtet.

Ergänzend zu seinen Tätigkeiten als Gebrauchsgrafiker und Theaterkünstler schrieb Emil Pirchan mehrere Standardwerke im Bereich Theaterkunde sowie in der bildenden Kunst. Dazu zählten Künstlermonografien, etwa über Hans Makart und Gustav Klimt; darüber hinaus verfasste er Romane wie „Der zeugende Tod“, der 1920 nach einem Drehbuch Pirchans verfilmt wurde, mit der berühmten Schauspielerin Tilla Durieux in einer der Hauptrollen.

www.leopoldmuseum.org

6. 12. 2020