Jüdisches Museum Wien: Lady Bluetooth. Hedy Lamarr

November 27, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Hollywood-Ikone war mehr als nur Hobby-Erfinderin

Hedy Lamarr in “I take this Woman”. Bild: Laszlo Willinger, MGM 1940 © Jüd. Museum Wien

Das Jüdische Museum Wien präsentiert ab 27. November die Lebensgeschichte der Hollywood-Ikone und genialen Erfinderin Hedy Lamarr. Die Ausstellung „Lady Bluetooth. Hedy Lamarr“ im Museum Judenplatz zeigt die facettenreiche Biographie und setzt einen besonderen Schwerpunkt auf ihre Lebensjahre in Wien und Berlin. Hedy Lamarr zählte zu den strahlenden Hollywood-Stars. Lange Zeit unbekannt blieb jedoch, dass sie die Erfinderin des Frequenz- sprungverfahrens war, auf dem Mobilfunk, Bluetooth und WLAN basieren.

1914 als Hedwig Kiesler in Wien geboren, wurde die Tochter eines jüdischen Bankdirektors aus dem Wiener Nobelbezirk Döbling von Max Reinhardt für das Theater entdeckt. Sie galt als schönste Frau der Welt und war insgesamt sechs Mal verheiratet. In späteren Jahren fiel die Diva durch Schönheitsoperationen und Ladendiebstahl auf und zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Hedy Lamarr starb 2000 und ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

Schon im Alter von knapp 16 Jahren gelang es Hedy Kiesler, zum ersten Mal in einem Spielfilm auf der Kinoleinwand zu erscheinen. Bald nach ihrem Filmdebüt verließ sie die Schule und widmete sich ganz der Schauspielerei. Max Reinhardt, der zu ihren Förderern gezählt wird, soll sie das „schönste Mädchen der Welt“ genannt haben. In den Illustrierten wurde sie bereits als der kommende junge Schauspielstar gefeiert. Ihre erste Hauptrolle verkörperte Hedy Kiesler im tschechoslowakischen Spielfilm „Ekstase“, 1933. Durch eine nur wenige Sekunden dauernde Nacktszene sowie die Darstellung eines Orgasmus wurde die künstlerisch höchst avancierte Produktion zum „Skandalfilm“, mit dem ihr der Durchbruch in Europa gelang.

„Samson und Deliah“, Paramount Pictures, 1949 © Anthony Loder Archive

Hedy Lamarr macht Werbung für Maybelline, Zeitschriftenseite, um 1940 © Anthony Loder Archive

Im gleichen Jahr heiratete sie den um 13 Jahre älteren, reichen Munitionsfabrikaten und Waffenhändler Fritz Mandl. Er umgab seine junge Frau mit Reichtum, verbot ihr aber die Schauspielerei und hütete sie eifersüchtig. Mehrmals soll sie erfolglos versucht haben, ihrem besitzergreifenden Ehemann zu entkommen. Im September 1937 gelang ihr die Flucht aus ihrer Ehe. Im August 1937 befanden sich die ehemalige Schauspielerin Hedy Mandl-Kiesler und der Hollywood-Filmproduzent Louis B. Mayer von Metro-Goldwyn-Mayer bei den Salzburger Festspielen. Ihn führten seine Geschäfte von Salzburg weiter nach England. Hedy folgte Mayer in der Hoffnung auf einen Vertrag, der sie nach Hollywood bringen sollte. Sie ging aufs Ganze und bestieg den Luxusdampfer Normandie, auf dem Mayer in die Vereinigten Staaten zurückfuhr. Während der Reise gelang es ihr nicht nur, einen guten Vertrag mit MGM auszuhandeln, sie erhielt auch einen neuen Künstlernamen: Hedy Lamarr.

Hedy Lamarr kann als mehr denn nur Hobby-Erfinderin bezeichnet werden. Sie erfand sowohl kleine Helfer als auch komplexe Waffensysteme. Für ihren Freund Howard Hughes entwarf sie einen Flugzeugrumpf, der Schnelligkeit mit guten Flugeigenschaften vereinte. Nach dem Kriegseintritt der USA engagierte sie sich im Kampf gegen die Nazis, zu dem auch ihre mit dem Komponisten George Antheil ausgearbeitete störungssichere Funkfernsteuerung für Torpedos beitragen sollte, die sie sich patentieren ließen, um sie der US-Navy zu schenken. Das dafür entwickelte Frequenzsprungverfahren gilt heute als Vorläufer für Drahtlostechnologien wie Bluetooth und Mobilfunk. Ihr Patent verschwand damals in den Schubladen und blieb für viele Jahre ungenutzt.

Hedy Lamarr, U.S.A., um 1938 © Anthony Loder Archive

Hedy Lamarr und ihre Dänische Dogge, USA,1939 © Anthony Loder Archive

Neben ihren filmischen Rollen, spielte Hedy Lamarr häufig verschiedene Rollen in ihrem Privatleben. Von der ersten Rolle als höhere Tochter einer gutsituierten, assimilierten jüdischen Familie in Wien-Döbling, zur Schauspiel-Ikone, schönste Frau der Welt, Hausfrau, Ehefrau, Mutter, Unternehmerin, Erfinderin bis hin zur Rolle der verletzlichen Diva, der Zurückgezogenen und aus österreichischer Perspektive besonders interessanten Rolle, der der Österreicherin beziehungsweise Wienerin.

In zahlreichen Interviews sprach Hedy Lamarr davon, dass Wien ihre eigentliche Heimat sei und sie sich nicht als Amerikanerin, sondern als Österreicherin betrachtete. Tatsächlich kam sie aber nach ihrer Emigration 1937 nur noch ein einziges Mal in das Land ihrer Geburt zurück: Im Sommer 1955. Das österreichische Medienecho auf ihren Besuch zeigt, dass man stolz auf den aus Wien gebürtigen Weltstar war, und gerne hob man hervor, wie sehr sie immer noch eine Wienerin war. Auch, wenn sie in Interviews immer wieder davon sprach, wiederkommen zu wollen, so tat sie es doch nie wieder.

www.jmw.at

27. 11. 2019

Leopold Museum: Deutscher Expressionismus

November 12, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Seelenlandschaften von suggestiver Wirkung

August Macke: Frauen im Park (mit weißem Schirm), 1913. © Stiftung Renate und Friedrich Johenning. Bild: Linda Inconi–Jansen

Das Leopold Museum zeigt ab 15. November die Ausstellung „Deutscher Expressionismus. Die Sammlungen Braglia und Johenning“. In der Schau werden etwa 130 Exponate aus der Schweizer Sammlung Braglia und der deutschen Sammlung Johenning erstmals in Wien präsentiert, darunter Werke von Emil Nolde, Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin, August Macke, Franz Marc, Paula Modersohn-Becker, Paul Klee und Lionel Feininger.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Emotion zum Stilmittel: Beobachten hieß Empfinden. Triebgesteuert und jenseits von allen akademischen Kanons bannten junge Rebellen aus der Dresdner Künstlergemeinschaft „Brücke“ Seelenlandschaften auf die Leinwand. In Auflehnung gegen die industrialisierte Gesellschaft und ihre Konventionen strebten sie zudem eine naturbezogene Lebensreform an. Der Umkreis der Herausgeber des Münchner Almanachs „Der Blaue Reiter“ begab sich währenddessen auf die Suche nach einer neuen Innerlichkeit in der Kunst, die das rein Intuitive und die kultivierte Vernunft gelten ließ.

Auch unabhängig von den beiden wichtigen Gruppierungen wurde freilich der Schönheitsbegriff hinterfragt und erweitert. Den Farben kam dabei eine entscheidende Rolle zu: Ob grell leuchtend oder dämmrig und trüb, wirkten sie anstelle der Helldunkelkontraste als Hauptvehikel der Bilddramaturgie. Werke des deutschen Expressionismus haben an ihrer suggestiven Wirkung bis heute nichts eingebüßt.

www.leopoldmuseum.org

12. 11. 2019

Emil Nolde: Sommergäste, 1938–1945. © Fondazione Gabriele e Anna Braglia, Lugano. Bild: Christoph Münstermann, © Nolde Stiftung Seebüll

Marianne von Werefkin: Die Allee, um 1917. © Fondazione Gabriele e Anna Braglia, Lugano. Bild: Christoph Münstermann

Max Pechstein: Junge Dame mit Federhut, 1910. © Renate und Friedrich Johenning Stiftung. Bild: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © Pechstein – Hamburg/Tökendorf/Bildrecht Wien, 2019

 

Jüdisches Museum Wien: Die Ephrussis. Eine Zeitreise

November 2, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Der bernsteinaugene Hase zeigt seine Familie

Netsuke, Hase mit den Bernsteinaugen. © Jüdisches Museum Wien

Dinge und die Geschichten, die sie über die Menschen erzählen, die sie einst gesammelt, in Händen gehalten, weitergegeben und wiedergefunden haben, stehen ab 6. November im Mittelpunkt der Ausstellung „Die Ephrussis. Eine Zeitreise“ im Jüdischen Museum Wien. Sie behandelt das Schicksal der ursprünglich aus Russland stammenden Familie Ephrussi und ihren freiwilligen und unfreiwilligen Reisen zwischen Russland, Österreich, Frankreich, Großbritannien,

Spanien, den USA, Mexiko oder Japan. Anhand von ausgewählten Objekten, Dokumenten und Bildern wird der wirtschaftliche und gesellschaftliche Werdegang einer europäisch-jüdischen Familie nachgezeichnet, deren Nachfahren heute durch Flucht und Vertreibung während der NS-Zeit in der ganzen Welt verstreut leben.

Ratte, den eigenen Schwanz umfassend, signiert Mitsutada, Kyoto ca. 1800. © Jüdisches Museum Wien, Bild: Tom Juncker

Handwerker, der einen Kürbis spaltet, signiert Shugetsu, Tokio ca. 1880. © Jüdisches Museum Wien, Bild: Tom Juncker

Männlicher Tiger, über die Schulter blickend, signiert Toyokazu, Tamba ca. 1820. © Jüdisches Museum Wien, Bild: Tom Juncker

Fünf im Kreis stehende, chinesische Weisen, signiert Masahiroca. 1880. © Jüd. Museum Wien, Bild: Tom Juncker

Heute finden sich in internationalen Museen und Kunstsammlungen Werke, die ursprünglich der Familie gehörten. Sie erzählen von ihren einstigen Besitzern und ihren Beziehungen zu den damaligen Künstler- und Intellektuellenkreisen in Odessa, St. Petersburg, Wien, Berlin, Paris, London, Madrid und anderen Orten. Kernstück der Ausstellung bildet das Familienarchiv der Ephrussis, das die Familie de Waal dem Jüdischen Museum schenkte, sowie 157 Netsukes, die dem Museum als Leihgabe von der Familie zur Verfügung gestellt wurden – unter ihnen der berühmte „Hase mit den Bernsteinaugen“; sie prägt den Titel des Romans über die Geschichte der Ringstraßenfamilie, die Edmund de Waal, Enkel von Elisabeth Ephrussi und ein renommierter britischer Künstler, der für seine Keramiken in schlichten Farben und Formen bekannt ist, 2010 veröffentlicht hat.

www.jmw.at

2. 11. 2019

Kunsthistorisches Museum Wien: Caravaggio & Bernini

Oktober 11, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Entdeckung der menschlichen Emotionen

Michelangelo Merisi da Caravaggio: Narziss. Um 1601. Rom, Gallerie Nazionali d’Arte Antica, Palazzo Barberini. © Gallerie Nazionali di Arte Antica – Bibliotheca Hertziana, Istituto Max Planck per la storia dell’arte/Enrico Fontolan

Ab 15. Oktober zeigt das Kunsthistorische Museum Wien die Superschau „Caravaggio & Bernini“, ein großes und überwältigendes visuelles Barockspektakel. Im Zentrum stehen dabei die bahnbrechenden Werke des Malers Michelangelo Merisi da Caravaggio und des Bildhauers Gian Lorenzo Bernini. Erstmals sind die beiden weltberühmten Protagonisten, die jeweils auf ihre Art stilbildend für die europäische Kunst des 17. Jahrhunderts waren, gemeinsam in einer Ausstellung vereint. Was sie verbindet, ist eine neue Aufmerksamkeit für die wirklichkeitsnahe Naturdarstellung und für das Pathos großer Gefühle.

Die Entdeckung der menschlichen Regungen als theatralisches Anliegen des Barocks ist dann auch das zentrale Thema der Ausstellung, die – von Caravaggio bis Bernini – etwa siebzig Meisterwerke römischer Malerei und Skulptur in einen einzigartigen Dialog setzt. Obwohl das Kunsthistorische Museum den umfangreichsten und wertvollsten Bestand an Werken Caravaggios und seiner Nachfolgerinnen und Nachfolger außerhalb Italiens besitzt, hat in Österreich bislang noch keine Ausstellung zu diesem Maler und seiner Zeit stattgefunden. Werke des um eine Generation jüngeren Bildhauers Gian Lorenzo Bernini, dessen Kunst auch für den österreichischen Barock prägend werden sollte, waren hierzulande bisher ebenfalls kaum zu sehen. Die Schau spürt dem Phänomen des aufblühenden Barockzeitalters nach und stellt die revolutionäre Kunst im Rom dieser Zeit vor. Der Maler Caravaggio und der Bildhauer Bernini waren dabei die führenden Persönlichkeiten, die mit ihrer neuartigen Ausdrucksweise ebenso wie mit ihrem unkonventionellen Lebensstil in Rom für Furore sorgten.

Gian Lorenzo Bernini: Hl. Sebastian. Rom, 1617. Privatbesitz; als Leihgabe im M. Thyssen-Bornemisza. © Bild: Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid

Michelangelo Merisi da Caravaggio: Heiliger Johannes der Täufer. Um 1602. Rom, Musei Capitolini. © Sovrintendenza Capitolina, Musei Capitolini – Pinacoteca Capitolina, Roma

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In sehr kurzer Zeit wurde Rom zu einem blühenden Zentrum innovativer Ideen und Erfindungen. Die Ausstellung konzentriert sich auf die künstlerischen Umwälzungen, die in der Heiligen Stadt zwischen 1600 und 1650 stattfanden und weitreichende Auswirkungen auf ganz Europa hatten. In diesen Jahrzehnten wurde die Stadt zu einem Anziehungspunkt für zahlreiche talentierte Künstler, die aus Florenz, Neapel und der Lombardei, aber auch aus Frankreich, Deutschland, Flandern und den Niederlanden kamen. Sie alle experimentierten mit den neuen Bildthemen und kompositorischen Lösungen. Es entstanden faszinierende Werke voller Dramatik und Leidenschaft, die sich durch Darstellung exzentrischer wie starker Bewegung und Gefühlsregung sowie durch eine theatralisch inszenierte Farbregie auszeichnen.

Die Figuren zeigten jetzt in ihrer ausholenden Gestik, ihrer starken Mimik und in ihrem Handeln intensive Gefühle. Es wurde regelrecht zur künstlerischen Aufgabe, das Publikum emotional zu berühren. Nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in Dichtung und Literatur sowie in Musik und Theater kann man die fünf Jahrzehnte von 1600 bis 1650 als „Geburtsmoment“ einer Kunst der Affekte bezeichnen. Plötzliches Erschrecken, wie beispielsweise bei Caravaggios „Knabe, von einer Eidechse gebissen“, zeugen von dem regen Interesse an der Darstellung wirkmächtiger Gefühle. Charakteristisch für diese Epoche, die man später als Frühbarock bezeichnen wird, ist auch eine zunehmende Bereitschaft zur Zusammenarbeit unter den Künstlern, wie die Gründung einer gemeinsamen Akademie, der Accademia di San Luca, oder die persönlichen Freundschaften belegen.

Maler und Bildhauer arbeiteten zusammen an der Ausstattung kostspieliger Familienkapellen und großer Galeriesäle, in denen sich die Medien ergänzten, gegenseitig in der Wirkung steigerten, ja mitunter so nebeneinander erschienen, dass ihre Grenzen fließend wurden ‒ ein weiteres Merkmal barocken Ausdrucks: Skulpturen konnten geradezu malerische Qualitäten aufweisen, während umgekehrt die Malerei illusionistisch Architektur und Skulptur hervorzubringen vermochte.

Michelangelo Merisi da Caravaggio: David mit dem Haupt des Goliath. Um 1600/01. Wien, Kunsthistorisches Museum. © KHM-Museumsverband

Gian Lorenzo Bernini: Medusa. Rom, 1638–1640. Rom, Musei Capitolini, Palazzo die Conservatori. © Sovrintendenza Capitolina, Musei Capitolini – Pinacoteca Capitolina, Rom. © Bild: Andrea Jemolo

Die Ausstellung erhofft sich durch die Zusammenschau von Malerei und Skulptur neuartige Perspektiven auf die römische Kunstlandschaft des frühen 17. Jahrhunderts. Eine vergleichbar groß angelegte Auswahl herausragender Kunstwerke dieser Zeit hat es außerhalb Italiens bislang nicht gegeben. Hauptwerke des römischen Frühbarocks werden zu einem einzigartigen Schauzusammenhang verdichtet, der erstmals die „Entdeckung der Gefühle“ als künstlerische Herausforderung thematisiert und die Besucher zugleich auf eine Reise in die Ewige Stadt mitnimmt: Ganz direkt begegnen Betrachter den zentralen Impulsen Caravaggios und Berninis, die begleitet werden von einem Kaleidoskop an Meisterwerken: von Malerinnen und Malern wie Artemisia Gentileschi, Annibale Carracci, Nicolas Poussin, Mattia Preti, Guido Reni oder Pietro da Cortona und von Bildhauern wie Francesco Mochi, Giuliano Finelli, Alessandro Algardi oder François Du Quesnoy.

Zu den Highlights der Ausstellung zählen neben den Gemälden aus dem Kunsthistorischen Museum weitere Schlüsselwerke Caravaggios wie der „Narziss“, der „Knabe, von einer Eidechse“ gebissen, der berühmte „Johannes der Täufer“ und das „Porträt des Malteser Ritters Antonio Martelli“. Aus dem Œuvre Berninis werden die „Medusa“, ein Modell des „Elefanten mit Obelisk“, eine Büste des Kardinal Richelieu, eine Statue des heiligen Sebastian und ein Modell für die Skulptur der „Verzückung der heiligen Theresa von Ávila“ in Wien zu sehen sein. Vier kleine, bisher nie gezeigte Bronzeköpfe, die einst die Kutsche des Architekten zierten und sich bis heute im Besitz der Bernini-Erben befinden, sind ebenso nach Wien gereist.

Zu den weiteren Highlights der Schau zählen Guido Renis „Bethlehemitischer Kindermord“ und das erst 2011 wiederaufgetauchte Werk „Maria Magdalena“ von Artemisia Gentileschi, der einzigen Künstlerin, die es in den Kreis der italienischen Meistermaler des frühen 17. Jahrhunderts geschafft hat. Erstmals wird das Gemälde aus Privatbesitz im Zuge der Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich sein.

www.khm.at           caravaggio-bernini.khm.at           Video: www.youtube.com/watch?v=SuB-h8mCGI0

11. 10. 2019

Museum der Moderne Salzburg: Fly Me to the Moon

Juli 15, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Schau zu 50 Jahre Mondlandung

Vladimir Dubossarsky & Alexander Vinogradov: Cosmonaut No. 1, 2006. Courtesy Vladimir Dobrovolski

Mit einer großen Ausstellung begeht das Museum der Moderne Salzburg das Fünfzig-Jahr-Jubiläum der ersten Mondlandung, die wie kaum ein Ereignis davor und danach das Verhältnis zwischen den Menschen und dem Weltall veränderte. Ein fantastischer Streifzug durch die Geschichte der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Mond erwartet Besucherinnen und Besucher in der Schau „Fly Me to the Moon. 50 Jahre Mondlandung“, die ab 20. Juli zu sehen ist.

Im Mittelpunkt der als Parcours konzipierten Ausstellung steht die titelgebende erste Mondlandung von Neil Armstrong und Buzz Aldrin vor 50 Jahren. Umrahmt wird sie von Einblicken in die Wissenschafts- und Kunstgeschichte sowie von einer Betrachtung der Folgen und Auswirkungen dieses weltbewegenden Ereignisses.

Die etwa 280 präsentierten Exponate – von Kupferstichen über Gemälde bis hin zu Fotografie, Videokunst und multimedialen Installationen – zeugen von den unterschiedlichen Bedeutungsebenen, die der Mond in wissenschaftlicher, künstlerischer, philosophischer und utopischer Hinsicht besitzt. Der Schwerpunkt liegt auf Kunstwerken des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Eine Vielzahl der gezeigten Werke stammt aus der hochkarätigen Sammlung des Kooperationspartners Kunsthaus Zürich, ergänzt durch weitere Leihgaben sowie Arbeiten aus der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg.

„Seit Jahrtausenden übt der Mond eine enorme Faszination auf die Menschen aus, und mit dieser Ausstellung nehmen wir das Jubiläum der Mondlandung zum Anlass, um den Mond und die Reise dorthin als Thema und Herausforderung für die Kunst näher zu betrachten. Der erstmalige Blick von außen auf den Erdball hat ein neues Bewusstsein für die Fragilität unserer Existenz geweckt und der Blaue Planet selbst wurde zum Sinnbild des Lebens und seiner Verletzlichkeit, was sich auch nachhaltig in künstlerischen Auseinandersetzungen niederschlug“, so Thorsten Sadowsky, Direktor des MdM Salzburg.

Der erste Teil der Ausstellung und somit der Beginn des Rundgangs thematisiert die historische Bedeutung des Mondes, von Galileo Galilei bis hin zur klassischen Moderne. Zu sehen sind in diesem Abschnitt Arbeiten aus jener Zeit, in der das tatsächliche Betreten der Mondoberfläche für die Menschen noch ein fantastischer Traum war. Nichtsdestotrotz gelang es durch technische Errungenschaften, wie etwa durch das Teleskop, detaillierte Beobachtungen des Erdtrabanten anzustellen, wovon zahlreiche künstlerische Werke zeugen. Dem epochalen Ereignis am 20. Juli 1969 und den vorausgegangenen politischen und technischen Entwicklungen ist der zweite Teil der Ausstellung gewidmet. Als am 4. Oktober 1957 die Sowjetunion das erste künstliche Objekt – den Satelliten Sputnik – erfolgreich in die Erdumlaufbahn brachte, löste das im Westen den sogenannten „Sputnikschock“ aus und läutete zugleich das space race zwischen den USA und der Sowjetunion ein.

Hans Baluschek: Illustrationen Gerdt Bernhard von Bassewitz, Verlagsanstalt Hermann Klemm, Berlin-Grunewald: Peterchens Mondfahrt, 1928. Dt. Märchenbücherei Inv.-Nr.:A 82-031 Bröhan-Museum, Berlin. Bild: Bildarchiv Bröhan-Museum, Berlin

Robert Rauschenberg: Ape, 1969. Aus der Stoned Moon Series 3. Galerie Ziegler, Zürich © Robert Rauschenberg Foundation / VG BildKunst, Bonn / Bildrecht, Wien, 2019, Bild: © 1969 Robert Rauschenberg and Gemini G.E.L.

Yinka Shonibare CBE: Spacewalk, 2002. Stephen Friedman Gallery, London © Bildrecht, Wien, 2019

Nuotama Frances Bodomo: Afronauts, 2014. Filmstill. Courtesy die Künstlerin

Begleitet wurde dies durch eine Vielzahl von Propagandaaktionen beider Systeme, die auch künstlerisch ihren Widerhall fanden und in „Fly Me to the Moon“ betrachtet werden. Mit den Folgen der Mondlandung beschäftigt sich der dritte und letzte Teil der Ausstellung. Dieser nimmt die männlich besetzte Rolle des Weltraumfahrers näher unter die Lupe und stellt unter dem Stichwort der „Afronauten“ die geografische Vielfalt von Mond- und Weltraumprogrammen in den Mittelpunkt. Zu sehen sind unter anderem Werke von Coop Himmelb(l)au, Max Ernst, Ernst Ludwig Kirchner, Kiki Kogelnik, Fritz Lang, René Magritte, Edvard Munch, Pipilotti Rist, Niki de Saint Phalle, Andrei Sokolov und Andy Warhol.

www.museumdermoderne.at

15. 7. 2019