Rabenhof: Mayerling – Ein Singspiel von Wilderern und Habsburgern

September 21, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine wilde Jagd quer durch den Wienerwald

Und noch ein Habsburger der einen kapitalen Hirsch schießt: Manuel Rubey als Kronprinz Rudolf und Gerald Votava als Wilderer Horstl Tiefgruber. Bild: Ingo Pertramer / Rabenhof

Im Rabenhof wurde Mittwochabend Ernst Moldens neues Singspiel „Mayerling“ uraufgeführt, zum Saisonauftakt des Hauses eine Inszenierung von Hausherr Thomas Gratzer höchstpersönlich. Molden, der genialische Musiker, der sich schon mit den Vorgängerproduktionen „Häuserl am Oasch“ und „Hafen Wien“ der Wiederbelebung des Genres Singspiel widmete, macht einen wiedergängerischen Habsburger zum Mittelpunkt seiner jüngsten Arbeit.

Mayerling, der Ort ist natürlich untrennbar mit dem unglücklichen Kronprinzen Rudolf verbunden, und dieser darf – inklusive dekorativer Schusswunde an der Schläfe – über die Bühne geistern. Untot, weil schuldbewusst ob der Mit-in-den-Tod-Nahme der Mary Vetsera, glaubt er nur Erlösung finden zu können, wenn ihm einer den weißen Hubertushirsch schießt. Womit er nicht der erste Habsburger wäre, der einen kapitalen Hirsch geschossen hat … Jedenfalls, der gruselige Geist findet sein Werkzeug im Wilderer Horstl Tiefgruber, den es nach Scheidung, Jobverlust und Obdachlosigkeit in den Wienerwald getrieben hat, wo er seiner letzten Selbstdefinition, dem unerlaubten Jagen, frönen will. (Rekrutiert wird übrigens so, wie’s der Tod im Jedermann tut: „Den schlag ich auf sein Herz mit Macht …“)

Schwester Apollonia betet für Frieden im Wald von Mayerling: Eva Maria Marold. Bild: Ingo Pertramer / Rabenhof

Förster Helmuth und die militante Majorin Mimi Sommer: Christoph Krutzler und Michou Friesz. Bild: Ingo Pertramer / Rabenhof

Im Horst kommt dem Horstl allerdings die Schwester Apollonia in die Quere, die in der kontemplativen Einsamkeit des Forstes Frieden mit sich selbst schließen und zu Gott finden will. Also wird die Klosterfrau kurzerhand zur Geisel, und ab geht die wilde Jagd. Diese durchaus im Sinne der bekannten Volkssage zu verstehen, ist der Dämon Rudolf doch als übernatürlicher Jäger mit von der Partie. Und weil’s kein Singspiel ohne Buffi geben kann, versuchen der unbeholfene Förster Helmuth und die militante Polizeimajorin Mimi Sommer vergeblich den Wilderer zu fangen. Am Ende wird der, so viel kann eine Nonne schon bewirken, geläutert sein, und der Kronprinz wird sich per Herzschlag ein neues Opfer holen …

Herzstück des Abends ist die Musik von Ernst Molden, der Meister mit Band als Schatten hinter dem Baumstammbühnenbild von Gudrun Kampl zu sehen. Viel mehr – und ein ausgeklügeltes Lichtdesign von Harald Töscher – braucht Thomas Gratzer nicht, um die Story zu erzählen. Die Songs bewegen sich im Spektrum von L’Amour-Hatscher und Hart-Rock, Molden schrammelt auf der Gitarre, bis die Saiten glühen, unterstützt von Hannes Wirth, Maria Petrova, Sibylle Kefer, Marlene Lacherstorfer, Andrea Fraenzel und dem grandiosen Walther Soyka mit seiner Altwiener Schrammelharmonika. Moldens Text transportiert ein Alt-Wienerisch, wie’s zuletzt aus der Feder von Ferdinand Raimund in dessen Zauberspiele floss. Da heißt es „Er soll die Frau in Kraut lassn“ oder „Es is zum Plaatzen“, da ist der eine ein „Bloßhaperter“ und der andere ein „Nebochant“.

Jedermann! kann zum Werkzeug des grauslichen Kronprinzen werden: Manuel Rubey und Gerald Votava. Bild: Ingo Pertramer / Rabenhof

Den Wilderer-Horstl spielt Gerald Votava hart am Rande des Wahnsinns. Wie im Fieber, dreckig und verschwitzt, pirscht er über die Bühne im Versuch, der teuflischen Spukgestalt, die ihn peinigt, zu entkommen. So, wie Votava das darstellt, stellt sich durchaus die Frage, ob sich der Kronprinzen-Geist nicht eigentlich nur im Geist vom Tiefgruber tummelt. Manuel Rubey gibt den Rudolf sehr schön düster und dominant.

Rubeys Rudolf ist einer, der sich auch nach dem Ableben seiner Privilegien als Kaiserliche Hoheit bewusst ist, und über den Rest des Casts als seine Untertanen verfügt. Als Dritte dieser unheiligen Dreifaltigkeit ist Eva Maria Marold als Schwester Apollonia zu sehen, als moderner, weiblicher Evagrius Ponticus, die in der Waldeinsiedelei das Finstere ihrer Vergangenheit, heißt: den tyrannischen Ehemann, vertreiben will, und sich mit einer noch größeren Schwärze konfrontiert sieht. Dass Votava, Rubey und Marold als trauriges Triumvirat bestens bei Stimme sind, müsste man nicht extra erwähnen, aber: Ja!

Christoph Krutzler darf als tollpatschiger Förster Helmuth nicht nur herrlich komisch sein, sondern auch Mundharmonika spielen und „Den Mond, den Mond, den Mond …“ besingen. Dies sehr zum Unwillen von „Cobra“ Mimi Sommer alias Michou Friesz, die als herrische Lederlady den Landeiern zeigen will, wo das MG hängt (um ihren Hals nämlich). Friesz und Krutzler, die Harte und der – zumindest seelisch, siehe Mundharmonika/Soul Man – Zarte, sind ein hinreißend witziges Gespann, „Mayerling“ eine insgesamt hinreißende Aufführung. Die allerdings nur 70 Minuten dauert, und das ist in diesem vergnüglichen Fall – man sagt’s am Theater ja nicht oft – zu kurz. Weil man viel mehr sehen möchte von den Wilderern und von den Habsburgern.

www.ernstmolden.at

www.rabenhoftheater.com

  1. 9. 2017

Theaterfink: Da Einedrahra in der Leopoldstadt!

August 12, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Wanderung durch eine Wiener Kriminalgeschichte

Walter Kukla mit Peter von Bohr, Walther Soyka, Eva Billisich mit Kommisär Felsenthal und Susita Fink mit Frau Bohr. Bild: Joseph Vonblon

Walter Kukla mit Peter von Bohr, Walther Soyka, Eva Billisich mit Kommisär Felsenthal und Susita Fink mit Frau Bohr. Bild: Joseph Vonblon

Dass einem der Hauptdarsteller die Hand küsst, das ist schon was, selbst, wenn er nur ein Latexschädel in einem alten Gehrock ist. Küsst und danach abstaubt, weil Peter Ritter von Bohr, das war ein großer Abstauber. Die Truppe Theaterfink erzählt als zweiten Teil ihres Zyklus‘ „Von Grosskopfade und Sacklpicka“ seine Geschichte, ein spannendes Stück Wiener Kriminalgeschichte: „Da Einedrahra in der Leopoldstadt!“.

Das ist mehr als Straßentheater, vielmehr eine wundersame Wanderung über elf Stationen, authentische Schauplätze, an denen der Betrüger sein Unwesen trieb und nun wieder treibt, vom Alexander-Poch-Platz bis in die Praterstraße. Mehr als eine Verquickung von Schauspiel und Puppenspiel, vielmehr ein saftiges Stück Volkstheater, das sich als freches Instrument zum politischen Aufbegehren versteht. Dazu von Ernst Molden erdachte Moritaten – da muss man im mehrfachen Wortsinn mitgehen.

Die Figur Peter Ritter von Bohr ist zu gut, um erfunden worden zu sein. 1773 in Luxemburg geboren, kam der Künstler und Erfinder durch Wechselgeschäfte mit Napoleons Truppen zu einem ansehnlichen Vermögen, das sich danach allerdings wie von selbst vermehrte. Eine der Erfindungen Bohrs war ein Gerät zur Erstellung von Sicherheitsmerkmalen beim Druck von Banknoten. Bohr kaufte bald halb Wien auf, hatte Geschäftspartner bis in allerhöchste Kreise, Metternich war einer seiner Schuldner, der gute Kaiser Franz lobte seine Unternehmungen, er war 1819 Mitbegründer der Ersten Österreichischen Spar-Casse mit Sitz Alexander-Poch-Platz – und flog 1845 durch Ermittlungen des Kommissär Felsenthal als Geldfälscher im großen Stile auf. Nach seiner Verurteilung beriet er die Nationalbank punkto fälschungssicherer Banknoten. Wer nun aktuelle Bezüge zu heute mutmaßt oder unerwünschte Ähnlichkeiten sieht, der hypoventiliert. Jedenfalls, historisch 1906 wurde Bohrs Haus in der Tivoligasse, das „Banknotenhäusel“, abgerissen – und bei den Arbeiten fand man ein männliches, mumifiziertes Skelett in einem Fass. Wer das war? Und von wem ermordet – von Bohr? Man weiß es nicht.

Genau hier fängt „Da Einedrahra in der Leopoldstadt!“ an. Nach einer Idee von Gabriele Müller-Klomfar und Susita Fink, hat die Fink einen g’scheiten, akribisch recherchierten Text geschrieben, den Frau Prinzipalin auch selbst in Szene setzte. Das ist nicht nur eine Hetz‘, sondern was fürs Hirn, was man da alles an Geschichte und G’schichtln erfährt. Und die Leute marschieren mit, zwei Hunde auch, fotografieren, schauen aus den Fenstern ihrer Wohnungen auf die Gassn, wobei sich ein besonders keifertes Waschweib später als Mitakteurin entpuppt, kommen aus Cafés und Beisln und weichen hurtig den ohne Rücksicht auf Verluste agierenden Darstellern aus. Spektakel müssen sein. Und das darob höchst amüsierte Publikum mittendrin.

Einige honorige Herren der Wiener Gesellschaft. Bild: Joseph Vonblon

Honorige Herren der Wiener Gesellschaft. Bild: Joseph Vonblon

Der Kommissär am Buckl der Künstler. Bild: Joseph Vonblon

Der Kommissär am Buckl des Künstlers. Bild: Joseph Vonblon

Eva Billisich spielt die arbeitslose Pathologin Edith, die von ihrer ehemaligen Studienkollegin, nun pragmatisierte Bundesdenkmalamtsbeamtin, Hanni (Claudia Hisberger) gebeten wird, sich die störende Leich‘ anzuschauen. Heißt: in einem gefakten Gutachten zu bescheinigen, dass es sich bei ihr nicht um einen historisch relevanten Fund handelt. Da prallen sie aufeinander, die beiden Welten der Linksgedrehten mit dem Flachmann und der Gutsituierten mit dem Aktenmapperl, und es kommt der großartigen Billisch zu, die Moritaten vom Geld und wie ihm die Menschen hinterherkräun zu singen. Wie eine finanzgeile Fledermaus plustert sie sich dazu vor dem Johannes-von-Gott-Denkmal auf, und der Ordensgründer der Barmherzigen Brüder scheint ihr recht zu geben. „Die Stadt wächst und mit ihr das Konto einiger weniger.“

Im Kriminalmuseum, passenderweise, stellt sich der Schurke persönlich vor – „Der Armen sind viele und es kann ein lukratives Geschäft sein, in die Wohltätigkeit zu investieren“ -, und ein Spiel auf zwei Zeitebenen beginnt. Ediths Schnodern vs Bohrs elegant altertümlicher Ausdrucksweise. Und seiner Galanterien gegenüber den Damen. Das ist sehr charmant. Während die beiden Freundinnen Fundstücke vom Tatort untersuchen, beginnt parallel eine Zeitreise in den Vormärz, wo sich die Schlinge um Bohr immer enger zieht. Walter Kukla haucht der beinah menschengroßen Puppe Leben ein. Den ihn verfolgenden Kommissär Felsenthal muss Knopfharmonikaspieler Walther Soyka auf dem Buckl ertragen. Hinter Fotowänden melden sich honorige Herren der Wiener Gesellschaft, die besten Köpfe, ja selbst das gekrönte Haupt und sein Kanzler, zu Wort.

Georg Mittendrein ist als GenI.a.D. Agent Schwarzhappl mit von der Partie, aber mittlerweile sind die Zuschauer sowieso alle in den Spitzelstatus erhoben. In Gruppen aufgeteilt wird man vor Bohrs Wohnhaus, Jägerzeile Nr. 520, auszuschwärmen und es zu umstellen haben. Habt acht!, die Fink scheucht Unentschlossene auf ihre Positionen. Die schönste Puppe ist die von ihr bewegte Frau Bohr, Mathilde Gräfin Christalnigg, grasser geht’s nicht, die die Nerven verlieren und ihren Mann verraten wird. Es kommt ergo zum Showdown beim Nestroydenkmal, wo Bohr sein sentimentales Schlusslied vom unverstandenen Wohltäter singen darf. Es gibt zu sehen, wer im Fass ist, und zu erfahren, warum Hanni die Leich‘ unbedingt wieder verschwinden lassen will.

Die Moral von der Geschicht‘ ist nämlich: Die Reichen haben alle eine im Keller. Oder wie die Billisch sagt: „Die Großkopfaden glauben, Geld steht ihnen zu.“ Das ist, im Falle dieser Inszenierung, so lustig, weil es wahr ist. Mitwandern, mitwundern! Dieser Streifzug durch die Welt der gewieften Finanz-Einedrahra ist sehenswert.

Vorstellungen bis 16. August. Am 1. September übersiedelt Peter Ritter von Bohr an seine zweite Wirkungsstätte in den 23. Bezirk: „A Einedrahra kommt nach Liesing!“

www.theaterfink.at

Trailer: www.youtube.com/watch?v=AEunfKJFDh8

Wien, 12. 8. 2016

Ursula Strauss macht Programm

Oktober 30, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Wachau in Echtzeit

Ursula Strauss, Kuratorin Bild: www.photo-graphic-art.at

Ursula Strauss, Kuratorin
Bild: www.photo-graphic-art.at

Zum zweiten Mal kuratiert Schauspielerin Ursula Strauss die Veranstaltungsreihe Wachau in Echtzeit (3. November bis 15. Dezember und taucht dabei, nach einer erfolgreichen ersten Saison, wieder behutsam in die stimmungsvolle Atmosphäre der winterlichen Wachau ein. Bei 13 Veranstaltungen von Konzerten bis Theater werden u.a. die Kunsthalle Krems, das Schloss Spitz oder das Stift Melk bespielt. Kuratorin Ursula Strauss zu Ihrem Programm: „Für Wachau in Echtzeit 2013 habe ich besonders über reizvolle Konstellationen nachgedacht: über Paarungen und Spannungsverhältnisse, über Kontraste und natürlich über die Menschen, die diese Spannungsverhältnisse erzeugen, und ich bin froh und stolz diese wundervollen Künstler im Rahmen meiner Veranstaltungsreihe präsentieren zu können“.

Programm 2013

Wachau in Echtzeit startet am 3. November auf der Ruine Aggstein mit einem ersten Highlight: Wienerliedschreiber Ernst Molden gestaltet gemeinsam mit Ursula Strauss und Walther Soyka eine literarisch-musikalische Matinee. Der Vormittag gibt die seltene Gelegenheit die Schauspielerin auch in ihrer neuen Leidenschaft als Sängerin zu erleben. Am 15. November kommen Timna Brauer, Wolf Bachofner und Bela Koreny zu einem Liederabend der etwas anderen Art zusammen. Das Karikaturmuseum Krems wird Bühne für eine Hommage an die beiden Kabarettisten Gerhard Bronner und Georg Kreisler unter dem Titel „Der g´schupfte Ferdl geht Tauben vergiften im Park“. Publikumsliebling Adele Neuhauser tritt am 17. November mit dem KammerPunkJazz-Trio Edi Nulz im Aggsteinerhof auf. Dabei liest sie, umrahmt von Projektionen von Peter Marquant, Geschichten aus Douglas Adams Roman „Die letzten ihrer Art“. Für Neuhauser ist das Projekt die erste Zusammenarbeit mit ihrem Sohn Julian Adam Pajzs, der seine Mutter mit seinen Musiker-Kollegen auf der Gitarre begleitet. Wachau in Echtzeit lädt am 30. November in die Kunsthalle Krems zu einer Performance von Schauspieler Michael Ostrowski und der Gruppe Le TAMTAM, die das Programm erstmals und speziell für Wachau in Echtzeit gestalten. Ein Abend zwischen Installation,
Konzert und Lesung, bei dem der Zuschauer eingeladen wird, selbst Teil der Klanginstallation zu werden.

Kultur in außergewöhnlichen Räumen

Durch das Zusammenspiel von Programm und Location beeindrucken besonders vier Abende der Veranstaltungsreihe. Am 9. November wird Schuberts Winterreise im Schloss Pielach bei Melk aufgeführt. Im mit Bergl-Fresken üppig verzierten Saal geben die Sängerin Nastsa Mirkovic-De Ro und Matthias Loibner an der Drehleier dem Publikum die 24 Lieder mit ergreifender Intensität wieder. Maria Hofstätter, Martina Spitzer & Otto Lechner gestalten am 14. November im Barocken Kellerschlössel der Domäne Wachau einen Abend unter dem Titel „Halali“. Geplant war eine Auseinandersetzung mit Augenzwinkern über die österreichische Jagdgesellschaft, den Trophäenkult und Wildererdramen. Aufgrund der tragischen Ereignisse in Niederösterreich in dieser Woche, erscheint die Veranstaltung nun in völlig
neuem Licht. Die Künstler hoffen, bei der Veranstaltung nun zu einer tiefsinnigen Beschäftigung beitragen zu können. Im Klosterhof im Weingarten in Spitz findet am 23. und 24. November „Platos Gastmahl“ in Starbesetzung statt: Gregor Seberg, Ursula Strauss, Proschat
Madani, Alexandra Maria Timmel, Gabi Stomprovski, Hagnot Elischka, Peter Streimelweger und Anselm Lipgens. Die stimmungsvolle Atmosphäre des Restaurants bietet dafür die ideale Umrahmung. Das Trio Tannur mit Marwan Abado, Paul Gulda und Peter Rosmanith ist am 7. Dezember zu Gast im Kolomanisaal des Stiftes Melk. Das Trio Tannur ist die musikalische Begegnung von Cembalo, Perkussion und Oud. Bach Suiten, andalusische Duftgärten, arabische Wüstenschlösser und damit ein freier Raum der Improvisation entfalten sich
zwischen den Instrumenten des Okzidents und des Orients: Pianist Paul Gulda überrascht am Cembalo, Rosmaniths Trommeln schlagen zeitlose Rhythmen, und Abados Laute wird leise gezupft, während seine Stimme orientalischer Poesie Laut gibt. Eine Einstimmung
auf Weihnachten mit Klängen aus der Wiege des Christentums. Weitere Veranstaltungen sind das zeitgenössische Filmkonzert „Metropolis-Live“ am 10. November im Kino im Kesselhaus in Krems, die Lesungen „Literatur im Kaffeehaus“ mit Johannes Wesemann am 16. November und 14. Dezember, die literarischönologische Reise „0,75 Liter Weinlese“ im Schloss Spitz in den Räumlichkeiten der Foto-Ausstellung „Reben & Rieden“ am 24. November oder die musikalische Kirchenführung „Auf weihnachtlicher Spurensuche“ im Kloster Schönbühel am 15. Dezember.

Programmübersicht Wachau in Echtzeit 2013

NOVEMBER
03. November WEHMÜTIG & BISSIG
Ursula Strauss, Ernst Molden & Walther Soyka Ruine Aggstein, Aggsbach Dorf
09. November WINTERREISE
Nastsa Mirkovic-De Ro & Matthias Loibner Schloss Pielach, Melk
10. November METROPOLIS – LIVE
Divine Musical Bureau Kino im Kesselhaus, Krems
14. November HALALI
Maria Hofstätter, Martina Spitzer & Otto Lechner Kellerschlössel Domäne Wachau, Dürnstein
15. November DER G’SCHUPFTE FERDL GEHT TAUBEN VERGIFTEN IM PARK
Timna Brauer, Wolf Bachofner & Bela Koreny Karikaturmuseum Krems
16. November LITERATUR AUS DEM KAFFEEHAUS
Johannes Wesemann Café zum Fürsten, Melk
17. November DIE LETZTEN IHRER ART
Adele Neuhauser & Edi Nulz Aggsteinerhof, Aggstein
23. / 24. November DAS GASTMAHL
Ursula Strauss, Gregor Seberg, u.a. Klosterhof im Weingarten, Spitz
24. November 0,75 LITER WEINLESE
Reinhold G. Moritz & Johannes Specht Schloss Spitz, Spitz
30. November BEATPOETS
Michael Ostrowski & Le TamTam Kunsthalle Krems-Stein
DEZEMBER
07. Dezember TRIO TANNUR
Marvan Abado, Paul Gulda & Peter Rosmanith Stift Melk
14. Dezember LITERATUR AUS DEM KAFFEEHAUS
Johannes Wesemann Café Wachau, Krems
15. Dezember AUF WEIHNACHTLICHER SPURENSUCHE
Norbert Hauer Kloster Schönbühel, Schönbühel

www.wachauinechtzeit.at

Wien, 30. 10. 2013

Saison-Auftakt im Rabenhof

August 29, 2013 in Tipps

VON RUDOLF MOTTINGER

Zehn Jahre Rock’n’Roll im Gemeindebau

Bild: Kabarett Niedermair

Bild: Kabarett Niedermair

PREMIERE: Ernst Molden HAFEN WIEN (25.9.)

Geister und Gespenster, der Friedhof der Namenlosen, ein exzentrischer Totengräber und das Donauweibchen als SM-Domina sind die Ingredienzien für Ernst Moldens Horror-Singspiel aus der diffusen Halbwelt zwischen Leben und Tod.
Mit „Häuserl am Oasch“ wurden von Ernst Molden die längst totgeglaubten Genres des Wiener Singspiels und der Zauberposse erfolgreich wiederbelebt. Nun das neueste Singspiel aus der Feder des „Leonard Cohen von Wien“, als Horror-Musical aus der Wiener Vorstadt. Halloween heißt im Gemeindebautheater immer noch Allerseelen und beginnt in Erdberg bereits am 25. September.mit: Michou Friesz, Eva Maria Marold, Markus Kofler, Heribert Sasse, Gerald Votava, Ernst Molden & Band
Buch und Musik: Ernst Molden
Regie: Thomas Gratzer

PREMIERE: Andreas Vitasek SEKUNDENSCHLAF  (8.10.)

Das brandneue Programm des Topkabarettisten live und in Farbe – Wien-exklusiv am Boulevard Erdberg: Vitasek tingelt auf seiner Never Ending Tour durch die seelische Provinz, als ein Anruf die liebgewordene Routine durchbricht. Es beginnt eine Reise ins Innere, dorthin, wo es wehtut, ins Herz der Finsternis. Kalt wie Gletschereis, heiß wie ein Grillfest. Heimfahren sieht anders aus.

LITERATURSALON im GEMEINDEBAU (September/Oktober)

DAVID SCHALKO: KNOI
26. September, 20.00 Uhr

Seine TV-Serie „Braunschlag“ gehört bereits zu den Highlights österreichischer Fernsehgeschichte, im Gemeindebautheater hat er nicht nur an der Bar, sondern mit der schrägen Soap-Opera „Böheimkirchen Euphorie“ auch auf der Bühne für fulminantes Entertainment gesorgt, nun präsentiert er mit „KNOI“ bereits seinen dritten Roman am Boulevard Erdberg! 

THOMAS GLAVINIC: Das größere Wunder
3. Oktober, 20.00 Uhr

Der Erfolgsautor und Rabenhof-Afficonado hat ein großes Buch über die Liebe geschrieben und stellt seinen soeben erschienenen Roman „Das größere Wunder“ abermals im Gemeindebautheater seines Vertrauens.

DIRK STERMANN: Zweier
6. Oktober, 20.00 Uhr

Frisöre, Feinstaub, Osterhasen, Zahnärzte und Albträume… Das neueste Buch unseres Lieblings-„Piefkes“! „Zweier“ ist nach „Eier“ und vor „Dreier“ der Mittelteil einer Trilogie, die sich das Ziel gesteckt hat, alle relevanten Themen unserer Zeit abzudecken. Sodass man als Leser wird sagen können: Kenn ich, kann ich, hab ich alles schon gelesen.

WIGALD BONING: Butter, Brot und Läusespray. Was Einkaufszettel über uns verraten
11. Oktober, 20.00 Uhr

Der Grimme-Preisträger, Moderator und Entertainer ist erstmals zu Gast im Rabenhof mit einem Diavortrag zu seinem Erfolgsbuch über die geheimen Botschaften auf Einkaufszettel.

AUSTROFRED: Hard On!
18. Oktober und 12. November, 20.00 Uhr

Österreichs Spitzen-Entertainer, der Freddie-Mercury-Impersonator Austrofred, der trotz Weltkarriere immer wieder Zwischenstopps im „First Vienna Prolo-Theater“, wie er das Rabenhof Theater liebevoll nennt, einlegt, hat es geschafft: Er fungiert als Hauptfigur in einem hochdynamischen Abenteuerroman.

FRANK SPILKER:
Das interessiert mich nicht, aber das kann ich nicht beweisen

27. Oktober, 20.00 Uhr
Frank Spilker, Kopf der legendären Hamburger Band Die Sterne erzählt eine Geschichte vom Niedergang, und das so lässig und lakonisch, dass man seinem Helden liebend gern folgt.

www.rabenhof.at

Wien, 29. 8. 2013

Von Grosskopfade und Sacklpicka

August 23, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

theaterfink: „Auf der Landstraße, da gibt’s a Hetz!“

Bild: Cornelia M. Gregor

Bild: Cornelia M. Gregor

Lust auf einen Streifzug durch die Wiener Kriminalgeschichte mit Schauspiel, Puppenspiel & musikalischem Treibstoff? Den bietet ab 29. August „theaterfink“ nach einer Idee von Gabriele Müller-Klomfar und Susita Fink. Auf den Spuren historischer Kriminalfälle führt dieses Stationentheater im öffentlichen Raum zu authentischen Schauplätzen – eine Zeitreise ins Wien des Biedermeier… Als Vorlage zum Stück dienen der Mord an der alten Hetzmeisterin aus dem Jahr 1830 und der Mord an einer betagten Hausbesitzerin auf der Landstraße.In beiden Fällen liegt eine Ursache für die Tat in den gesellschaftlichen Verhältnissen des Biedermeiers und der drückenden Armut eines Großteils der Bevölkerung. „theaterfink“ verwebt die beiden Fälle zu einem, in dem nicht nur ein Mord geklärt wird: auch Kuppelei, Ausbeutung und ein Finanzskandal um ein großes Bauprojekt spielen eine Rolle. Und das Publikum wandert einfach mit.

Zum Inhalt: Wien im Biedermeier, fast 25 Jahre nachdem das Hetztheater gebrannt hat. Der Wiener Kongress ist zu Ende, Europa neu geordnet, es herrscht Frieden. Die Kinder spielen auf den Straßen und in idyllischen Hinterhöfen. Reich und Arm gibt sich – jeder nach seiner Fasson – den Vergnügungen hin, und die sind dicht gesät in Wien. Theater, Tanz, Kaffeehaus oder ein gemütlicher Gastgarten der Brauhäuser – die Bürgerinnen und Bürger der Kaiserstadt haben die Wahl. Doch der Schein trügt. In einem Hinterhof auf der Landstraße wird eine alte Frau tot aufgefunden. Die Witwe des letzten Hetzmeisters im Hetz-Amphitheater unter den Weißgerbern. Auf den ersten Blick sieht es wie Selbstmord aus, aber der zuständige Kommissär lässt sich nicht täuschen. Die Hetz beginnt! Kommissär Josef Hauptmann macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Hilfe bekommt er von der in ganz Wien bekannten Schauspielerin Fanny Nowak. Diese kennt die Höhen und Tiefen der Wiener Gesellschaft, sowie die der Vorstadt …

Die Stationen: Das Publikum folgt den DarstellerInnen zu den einzelnen Stationen. Die bespielten Orte im öffentlichem Raum sind nicht nur Bühnenbild, sie fügen sich in die Szenerie der Handlung.. Alle Stationen befinden sich in 1030 Wien / Erdberg und Landstraße und sind öffentlich erreichbar mit der U3 Station Rochusmarkt (Treffpunkt: Aufgang Hainburgerstraße). Die DarstellerInnen führen das Publikum durch historische Gässchen, wie die Salmgasse, zu prächtigen Palais, historischen Gebäuden, städtischen Grünoasen und versteckten Hinterhöfen. An den Stationen wird mit den Mitteln des Schauspiels und Figurentheaters gespielt. Doch auch der musikalische Aspekt kommt nicht zu kurz. In der Tradition der seinerzeitigen Bänkelsängern wird die Handlung durch Moritaten kommentiert und verdichtet. Die Texte und die Musik  hierzu wurden eigens von Musiker Ernst Molden kreiert. Der Virtuose auf der Knopfharmonika Walther Soyka liefert den musikalischen Treibstoff auf der Recherche nach dem meuchlerischen Mörder. Die Reise endet in einem urigen Lokal – „The Golden Harp“ – das zu anschließendem gemütlichen Beisammensein oder hitziger politischer Diskussion bei Speis und Trank einlädt.

Es spielen: Walter Kukla (Polizeikommissär), Susa Kratsch (Fanny Novak), Claudia Hisberger (Puppenspiel) – und vielleicht auch ein wenig das Publikum …

www.theaterfink.at

Wien, 23. 8. 2013