Michael Kienzer-Schau in der Minoritenkirche Krems

August 24, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Kuratiert vom neuen Kunsthallen-Chef Florian Steininger

Michael Kienzer im Klangraum Krems Minoritenkirche. Bild: Oliver Ottenschlager

Michael Kienzer im Klangraum Krems Minoritenkirche. Bild: Oliver Ottenschlager

Weil die Kunsthalle Krems bis Juli 2017 wegen Generalsanierung geschlossen ist, hat sich deren neuer Direktor den Klangraum  Minoritenkirche ausgewählt, um dort seine erste Schau zu kuratieren. Ab 27. August zeigt Florian Steiniger mit einer Ausstellung über Michael Kienzer erstmals in Krems seine künstlerische Handschrift.

Michael Kienzer bespielt das Langhaus, die Seitenschiffe sowie den Chorbereich mit einer ortsbezogenen Installation, die eigens für dieses dreiwöchige Ausstellungsprojekt entstanden ist. Die Arbeit für die Kirche ist aus einer Konstruktion mit Metallrohren und Holzplatten zusammengesetzt. So entsteht ein offener Raster, ein Gerüst für eine Assemblage im Raum. Bei genauerer Betrachtung wird man erkennen, dass nur ein paar wenige Stellen der Konstruktionen verschraubt sind, oder gar nur lose hineingesteckt oder provisorisch fixiert. Kienzer lädt sein Werk mit Dynamik, mit einer Spannung auf; es enthält eine prekäre Energie, auf der Kippe zur Destruktion.

Die Qualitäten der Montage und Konstruktion sowie die Vernetzung seines Objekt mit dem Raum – bis hin zum öffentlichen  – spielen im Werk von Michael Kienzer eine zentrale Rolle. Der Künstler, geboren 1962 in Steyr, studierte Bildhauerei in der Meisterklasse von Josef Pillhofer und zählt zu den führenden Vertretern der „Neuen Skulptur“ der 1980er- und 1990er-Jahre. Ausgehend von einer vermehrt expressiven bildhauerischen Arbeitsweise hat sich sein Skulpturenbegriff in Richtung spatial-konstruktivistische Konzeptualität verlagert. Konventionelle Kriterien werden von Kienzer über Bord geworfen: kein Sockel, der das Kunstwerk hermetisch vom Betrachterraum trennt und es dadurch erhöht, keine figurative, narrative oder symbolische Bestimmung, keine handwerklichen Spuren im Sinne des schöpferischen Formens. Der Bildhauer wird zum Ingenieur und Konstrukteur, arbeitet mit industriell vorgefertigten Materialien anstelle mit Stein, Holz oder Bronze. Diese Materialkultur und die konstruktivistische Struktur der Skulpturen sind sonst vor allem in der russischen Avantgarde um 1915 bis in die frühen 1920er-Jahre bekannt.

Michael Kienzer. Bild: Atelier M. Kienzer

Michael Kienzer. Bild: Atelier M. Kienzer

Michael Kienzer: Sich, Kunsthaus Graz 2012. Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien. Bild: Universalmuseum Joanneum/Nicolaus Lackner

Michael Kienzer: Sich, Kunsthaus Graz 2012. Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien. Bild: Universalmuseum Joanneum/Nicolaus Lackner

Mehr zur Person Florian Steininger www.mottingers-meinung.at/?p=16178 und seinen Plänen für die Kunsthalle Krems www.mottingers-meinung.at/?p=19864

www.kunsthalle.at

Wien, 24. 8. 2016

Osterfestival Imago Dei: Drei Tipps aus dem Programm

Februar 23, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Musikalisches Gotteslob von Palästina bis Pakistan

Ustad Naseerud Din Saami Bild: Tapu Javeri

Ustad Naseerud Din Saami
Bild: Tapu Javeri

Ab 4. März lädt das Osterfestival Imago Dei in den mittelalterlichen Klangraum Krems Minoritenkirche zu einem Programm, das mit Musik aus verschiedenen Ethnien, Epochen und Religionen, mit Diskussions- und Literaturveranstaltungen ganz unterschiedliche Themen zum Osterritual und zum Frühlingserwachen aufgreift. Dieses Jahr steht das Festival unter dem Thema „Zweifel, Liebe, Hoffnung“.

Zweifelnde wurden und werden oft als Kritiker, Abtrünnige oder Häretiker abgetan, die möglichst schnell mundtot zu machen sind. Das Zweifeln an tradierten Werten, Standpunkten, Sichtweisen und Handlungsstrategien wie auch das Staunen und die Sehnsucht nach Wissen sind in der Gesellschaft meist negativ besetzt worden. Doch missverstandener Glaube, Glaube ohne Zweifel, in dessen Namen grausamste Verbrechen begangen werden, ist keine göttliche Tugend. Daraus kann weder Hoffnung noch Liebe erwachsen.

Künstlerinnen, Künstler und Ensembles aus dem Libanon, Pakistan, Syrien, Armenien, Norwegen, Deutschland, Österreich und dem Mittelmeerraum verschaffen in Krems nun den Zweifeln wieder Gehör und verhindert, dass aus Zweifeln Verzweiflung wird. Sie laden mit zeitgenössischen und klassischen Kompositionen, traditioneller und mittelalterlicher Musik, literarischen Texten, Filmen und Videoinstallationen ein, in verschiedene musikalische, kulturelle und spirituelle Welten einzutauchen.

Die Empfehlungen:

Drei Weltreligionen haben ihre Geburtsstätte im Mittelmeerraum, der mit drei Kontinenten und einer Vielzahl an Kulturen und Traditionen verbunden ist. Der Mythos von der ersten Demokratie der Welt lebt in diesem Raum und wird von aktuellen Diktaturen übertüncht. Wieder und wieder werden Grenzen gezogen, Flüchtlinge an ihrem Entkommen aus dem Wahnsinn der Bruderkriege gehindert. Tausende Menschen lassen auf dem Weg in eine vermeintlich bessere Zukunft im Mittelmeer ihr Leben.

Christlich-jüdisch-arabische Stimmen aus dem Mittelmeerraum

Für sie steht am 5. März eine österreichische Erstaufführung der Neuen Vocalsolisten Stuttgart auf dem Programm: Die Neuen Vocalsolisten haben das Projekt „Mediterranean Voices“ mit Künstlern aus dem Mittelmeerraum initiiert, bei dem die vielen mediterranen Stimmen in neuen Werken von französischen, griechischen, ägyptischen, libanesischen und palästinensischen Komponisten zum Ausdruck kommen. So schuf etwa der libanesische Komponist Zad Moultaka ein vokales Drama aus der Form des Zagal, Wortgefechten, wie sie in verschiedenen orientalisch-mediterranen Ländern geführt werden, und thematisiert damit das von Christen und Juden verübte Massaker von Sabra und Schatila in Beirut. Hoffnung auf ein friedliches Miteinander kommt mit der Komposition des Ägypters Amr Okba auf: Ra, Osiris, Amun, Yehowa, Gott, Adonai und Allah bilden ein friedliches Nebeneinander ägyptischer, jüdischer, christlicher und islamischer Religionen.

Samir Odeh-Tamimi, als Palästinenser in Israel geboren, schöpft in „Jarich“ aus dem Gestus arabischer und besonders sufistischer Musik, komponierte aber dennoch eine Musik westlicher Prägung über die vielleicht älteste Stadt der Welt. Der in der jüdischen Diaspora verwurzelte Dániel Péter Biró schuf sein Stück über den Mythos vom Turmbau zu Babel aus der Begegnung mit jüdischen und islamischen Rezitationstraditionen bei einem Besuch in der tunesischen Gemeinde Djerba. Zum Abend gehört auch eine Lesung des marokkanischen Philosophen Rachid Boutayeb und des deutschen Ethnologen Michael Roes aus ihrem Buch „Der eifersüchtige Gott“. Der Podiumsdiskussion um Gottesbilder, Ironie, Politik und Gesellschaft schließt sich an diesem Abend Komponist Samir Odeh-Tamimi an.  neuevocalsolisten.de, www.youtube.com/watch?v=y7OPtpGv18Q

Musik aus Syrien und über die Flüchtlinge auf Lampedusa

Barocke Motetten von Johann Hermann Schein aus dem 17. Jh. kombiniert die Company of Music unter der Leitung von Johannes Hiemetsberger am 12. März mit Werken von Georg Friedrich Haas, Luigi Nono und Arvo Pärt. Waed Bouhassoun wird außerdem an diesem Abend mit syrischer Musik für Oud und Stimme zu hören sein. Die syrische Sängerin und Oud-Spielerin möchte mit ihren Liedern ihre Identität, ihre Wurzeln, ihre Liebe, aber auch den Schmerz  ihres Landes zum Ausdruck bringen, das seit Jahren leidet und zerstört wird. Ihrem musikalischen Aufruf zu Humanität folgt das „Schweigen“ über unfassbare Geschehnisse.

Da nicht darüber gesprochen und schon gar nicht geholfen wird, möchte der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas mit seinem gleichnamigen Werk an Schmerzliches, Beunruhigendes, Katastrophales erinnern. Erinnern an Fukushima, wo nach wie vor radioaktives Material aus dem AKW ins Freie gelangt und die dort noch lebenden Menschen mit ihren Nöten allein gelassen werden. Erinnern an Lampedusa, wo Bootsflüchtlinge von Grenzschützern der EU auf der Asylsuche abgewiesen und Lebensretter wegen des Verdachts auf Förderung illegaler Zuwanderung inhaftiert werden. Erinnern an Laaken in der Steiermark, wo die SS 1945 ein Massaker an einer Bauernfamilie verübte, die Widerstandskämpfern ein Quartier gegeben hatte. „Musik bricht das Schweigen“, hofft Haas. www.companyofmusic.at, www.waedbouhassoun.com/Waed_Bouhassoun/Waed_Bouhassoun.html

Pakistanische Khyal trifft auf armenische liturgische Gesänge

Einen kleinen Pakistan-Schwerpunkt präsentiert Imago Dei am 18. und 19. März: Ustad Naseeruddin Saami, letzter Repräsentant der „Qawwal Bachcha/Dilli Gharana“-Schule des traditionellen pakistanischen Khyal-Gesangsstils, ist mit seinem Ensemble am Freitag im Doppelkonzert mit dem armenischen Hover Kammerchor zu Gast, der liturgische Gesänge von Komitas Vardapet – er ein Opfer des 1915 verordneten Völkermords an den Armeniern im Osmanischen Reich – bis zu zeitgenössischen Vertonungen von Pärt und Penderecki präsentieren wird. Khyal, arabisch, steht für Phantasie. Im Khyal verbanden sich indische Musikstile unter dem zunehmenden muslimischen Einfluss mit persischen, arabischen und türkischen Melodiesystemen zu einer klangfarbenprächtigen Kontemplation.

Am Samstag steht die Uraufführung eines Kompositionsauftrags der Abteilung Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich auf dem Programm: makroPhonia ist ein Projekt von Renald Deppe und Michael Bruckner gemeinsam mit pakistanischen Musikern, der Versuch einer Reduktion der Mittel, der Möglichkeiten, der Vorgaben. Um das Große im Kleinen, das Eigene im Fremden, das Ungewöhnliche im Bescheidenen zu erkennen, zu erkunden, zu begreifen, zu tolerieren. Die pakistanischen Flöten, die zwanzigsaitige Zither und die Tablas eröffnen im Zusammenwirken mit Gitarre, Violoncello, Schlagzeug und Saxophon und Klarinette ein weites Klangspektrum.  www.hoverchoir.org, www.youtube.com/watch?v=ADX8F98CxmA, www.facebook.com/UstadNaseeruddinSaami, www.youtube.com/watch?v=5IMHuCKp9TA, makrophonia.wordpress.com

Abschluss des Osterfestival Imago Dei bildet auch 2016 ein Konzertabend am Ostermontag, der der Alten Musik gewidmet ist: Nachgestellt wird eine Nacht des Respektes und der Liebe bei einem Zusammentreffen von westlichen und östlichen Christen, Buddhisten, Muslimen und Polytheisten im Frühjahr 1254 am Hofe des Dschingis-Khan-Enkels Möngke Khan in Karakorum. Im Anschluss an das Konzert gibt es Wein und Brot.

www.klangraum.at

Wien, 23. 2. 2016

Klangraum Krems: Osterfestival IMAGO DEI

März 27, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

„Sehnsucht. Paradies“

Das Herz der Sufis vom Nil Bild: Promo

Das Herz der Sufis vom Nil
Bild: Promo

Das Kremser Osterfestival IMAGO DEI reflektiert ab 29. März  im mittelalterlichen Klangraum Krems Minoritenkirche und mit einem Gastspiel in Stift Melk die ewige Sehnsucht des Menschen nach einer Vervollkommnung des Lebens und die unterschiedlichen Vorstellungen vom Paradies verschiedener Glaubensrichtungen und Epochen:  ob als verlorene Urheimat, ob als diesseitiger Garten Eden, als imaginärer Zukunftsort im Jenseits oder als der Versuch, das Paradies in sich selbst zu finden. Bis Ostermontag stehen Chorwerke aus Estland, spirituelle Musik aus Ägypten und Indien, Werke aus uralten Codices und von zeitgenössischen Komponisten, Uraufführungen und Auftragswerke sowie eine künstlerische Interpretation des traditionellen Osterfeuers, Podiumsgespräche, Lesungen und  Filme auf dem Programm.

Die 15. Ausgabe steht heuer unter dem Motto SEHNSUCHT. PARADIES und versucht damit die Utopie einer menschlichen Existenz ohne Beschwerlichkeiten, Missstände und Nöte in den Mittelpunkt des Programms zu stellen. Seit Menschengedenken existiert der ewige Wunsch nach einer Vervollkommnung des Lebens, welcher im christlichen Abendland erstmals in der alttestamentarischen Geschichte von Adam und Eva dargestellt ist. Die Vorstellungen vom Paradies – ob als verlorene Urheimat, ob als diesseitiger Garten Eden, als imaginärer Zukunftsort im Jenseits oder im eigenen inneren Erleben – werden an sieben Abenden im Klangraum Krems Minoritenkirche und an einem Abend im Kolomanisaal des Stifts Melk in mehreren Uraufführungen, in spiritueller Musik aus Ägypten und Indien, in Kompositionen aus jahrhundertealten Codices und von zeitgenössischen Komponisten, in Tanzperformances, Lesungen und Filmprogrammen, Podiumsgesprächen sowie in einer künstlerischen Interpretation des traditionellen Osterfeuer reflektiert.
Der renommierte estnische philharmonische Kammerchor und das Tallinn Kammerorchester eröffnen das Programm  mit Arvo Pärts Vertonungen von Texten des Mönchs Siluan vom Berg Athos, in denen Adam den Verlust des Paradieses und der Verbindung zu Gott beklagt. Vor dem Konzert stellt sich Filmemacher Ulrich Seidl einem philosophisch-theologischen Diskurs über unterschiedliche Paradiesesvorstellungen. Das Paradies in sich selbst zu finden, es durch Kontemplation als etwas realistisch zu Erreichendes zu betrachten ist nicht nur spiritueller Hintergrund des indischen Dhrupad-Gesangs Ritwik Sanyals (4.4.), sondern auch des ihm verwandten Sufismus, wie ihn die Sufis vom Nil praktizieren (11.4.). Gesang und Tanz werden so zu Techniken, die Wahrheit, also die Verbindung zu Gott, im Diesseits wiederzufinden.
Peter  Simonischek erzählt mit Jean Gionos Kurzgeschichte „Der Mann mit den Bäumen“ von den Möglichkeiten der Menschen, ein irdisches Paradies zu schaffen (5.4./Stift Melk) – musikalisch umrahmt von sechs herausragenden Solisten des Klangforums Wien und der Camerata Salzburg mit Werken von Olivier Messiaen und Krzysztof Penderecki.
Das belgische Vokal-Ensemble Graindelavoix singt am 12.4. in mittelalterlichen Motetten aus den Musikhandschriften von Montpellier von den Gärten aus dem verlorenen Paradies. Am Karfreitag (18.4.) führt „Towards Silence“ eine Meditation für vier Streichquartette und eine tibetische Klangschale des erst im November 2013 verstorben britischen Komponisten John Tavener, auf den Weg zur Vereinigung des wahren Selbst mit der Weltseele, zur Einheit des Menschlichen und des Göttlichen (mit Medici Quartet, Koehne Quartett, Ensemble Lux, Minetti Quartett). Zuvor spielt jedes der vier Quartett ein Werk für Streichquartett, darunter die Uraufführung einer Auftragsarbeit des Festivals von John Tavener. Zum Höhepunkt des Osterfests, in der Osternacht am Karsamstag (19.4.), wird das Ritual des Osterfeuers vom japanischen Klangkünstler Akio Suzuki und der Tänzerin Hiromi Miyakita neu interpretiert, umrahmt von einem Reigen aus englischen Madrigalen, zeitgenössischen Kompositionen und den schwebenden Klängen des archaischen Semantrons und die orgelgleichen Sphärentöne der Paetzodflöten. Das Licht ist der Welt wiedergegeben. Kompositionen von William Byrd, Anthony Holborne, Michael Gordon sowie drei Uraufführungen von Werken von Burkhard Stangl, Pauline Oliveros und Gunter Schneider (mit Plenum, Paetzold Bassblockflöten Ensemble, Anna Clare Hauf, Mezzosopran, und Slagwerk Den Haag).

Zum Abschluss des Festivals erinnert lateinamerikanische Musik aus dem 17. und 18. Jhdt. an einen Versuch, das Paradies auf Erden zu errichten: Das chilenische Alte-Musik-Ensemble Capilla de Indias wird  am Ostermontag (21.4.) mit Kompositionen voll Lebensfreude aus dem Archiv der Kathedrale von Santiago de Chile, aus Missionen in Paraguay, Peru und Bolivien in die Utopien des Heiligen Experiments der Jesuiten führen.

www.klangraum.at  (Hier findet sich auch Info zu den neuen Shuttlebussen.)

Wien, 27. 3. 2014

Klangraum Krems Minoritenkirche

Mai 23, 2013 in Tipps

Klanginstallation | Michael J. Schumacher (USA):

Room Pieces Krems 2013

Klangraum Krems Minoritenkirche  Bild: Copyright Herta Hurnaus

Klangraum Krems Minoritenkirche
Bild: Copyright Herta Hurnaus

Der New Yorker Komponist, Performance- und Klangkünstler Michael J. Schumacher hat sich auf vom Computer generierte Klangumgebungen spezialisiert, die sich kontinuierlich über lange Zeiträume entwickeln. Für die Umsetzung benutzt er Lautsprecherkonfigurationen, die die Klänge der Installationen mit der spezifischen Architektur des jeweiligen Raumes verbinden. Für seine Room Pieces Krems 2013 werden im gesamten Kirchenraum rund 50 unterschiedliche Lautsprecher an verschiedensten Stellen platziert, die sehr individuelle akustische Territorien anregen und abstecken. Unzählige verschiedene Klänge und Rhythmen werden durch diese Schall-Topographie geschickt, die die akustischen Eigenheiten dieses sakralen Raumes veranschaulichen. Zusätzlich installierte Mikrophone sorgen für Interaktionen zwischen den einzelnen von den Lautsprechern geschaffenen Sub-Arealen. Die BesucherInnen sind eingeladen, diese sich ständig wandelnde und für Überraschungen sorgende Landschaft zu erkunden. Dabei ist es den Rezipienten selbst überlassen, ob sie sich durch den Raum bewegen oder an einem Ort verharren.

Die Klanginstallation hat von 24. Mai bis 7. Juli  täglich von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

www.klangraum.at

Von Michaela Mottinger

Wien 23. 5. 2013

Stars von Michael Schade bis Klaus Maria Brandauer

März 23, 2013 in Klassik

Das Wiener OsterKlang-Festival in der Karwoche

Das siebzehnte OsterKlang-Festival spannt in der Zeit von 23. bis 31. März  seinen musikalischen Bogen von Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe bis hin zu Werken von Georg Friedrich Händel, Benjamin Britten, György Kurtág, Max Bruch und der einzigartigen Oper von Ludwig van Beethoven: Fidelio. Den szenischen Kern des Festivalprogramms bilden die zwei Kirchenparabeln Curlew River und The Prodigal Son von Benjamin Britten in der Kammeroper und L. v. Beethovens Fidelio unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt im Theater an der Wien. Die Spielorte während der Osterwoche sind das Theater an der Wien, die Kammeroper, die Minoritenkirche, die Hofburgkapelle und der Musikverein. Neben den renommierten SängerInnen wie u. a. Michael Schade, Juliane Banse und Lawrence Zazzo wird sich das Junge Ensemble des Theater an der Wien im Rahmen des Eröffnungskonzertes in der Hofburgkapelle vorstellen. Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Fabio Luisi, Paul Goodwin und Martin Haselböck sowie der Concentus Musicus Wien, die Wiener Symphoniker, das kammerorchesterbasel, die Wiener Akademie und das Ensemble Prisma Wien präsentieren ein auserlesenes Konzert-und Opernprogramm. Klaus Maria Brandauer liest am Karfreitag Texte aus den Briefen und Aufzeichnungen des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, musikalisch umrahmt von Franz Bartolomey. Im Fokus der ausgewählten Werke des Festivals stehen die Sehnsucht nach Freiheit, Fragen über Glaube und Hoffnung, Tod und Verlust, als auch die Zuversicht auf Erlösung.

Osterklang 2013/Fidelio Michael Schade, Juliane Banse Bild: Herwig Brammer

Osterklang 2013/Fidelio
Michael Schade, Juliane Banse
Bild: Herwig Brammer

Das Programm:

Eröffnet wird der 17. OsterKlang am Palmsamstag, den 23. März  mit der h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Unter der musikalischen Leitung von Erwin Ortner wird das Wiener Osterfestival erstmals in der Hofburgkapelle eröffnet. Als Solisten sind sechs junge SängerInnen aus dem Jungen Ensemble des Theater an der Wien (JET) zu erleben. Es
musiziert das Ensemble Prisma Wien und singt der Arnold Schoenberg Chor.

Die Urfassung von Ludwig van Beethovens einziger Oper Fidelio wurde 1805 im Theater an der Wien uraufgeführt. Unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt gelang nun die Fassung aus 1814 zur Aufführung an der Wien. Die Premiere dieser Neuproduktion in einer Inszenierung von Herbert Föttinger, der sich erstmals einer Opernregie widmet, war bereits am 17. März. Die Vorstellungen am 24., 26. und 28. März finden im Rahmen des OsterKlang-Programms statt. Als Leonore gibt Juliane Banse ihr Rollendebüt, Florestan wird von Michael Schade gegeben – Martin Gantner ist als Don Pizarro, Lars Woldt als Rocco und Anna Prohaska als Marzelline zu erleben. Es spielt der Concentus Musicus Wien und singt der Arnold Schoenberg Chor.

Georg Friedrich Händels Serenata in drei Teilen Acis and Galatea wird am 25. März unter der musikalischen Leitung von Paul Goodwin zur konzertanten Aufführung im Theater an der Wien gebracht. Die Liebesgeschichte zwischen der Seenymphe Galatea und dem Schäfer Akis entstammt der griechischen Mythologie und Händels Acis-Stoff basiert ebenfalls darauf. Bei diesem selten gespielten Werk handelt es sich um eine pasticcio-artige Mischform in englischer und italienischer Sprache, die Händel selbst als Serenata bezeichnet hat. Das kammerorchesterbasel begleitet die Solisten Carolyn Sampson, Nuria Rial, Lawrence Zazzo, Hilary Summers und Andrew Foster-Williams.

Am 25., 27. und 29. März stehen die zwei einaktigen Kirchenparabeln Curlew River und The Prodigal Son von Benjamin Britten auf dem Programm des Festivals. Beide Kirchenparabeln thematisieren den Verlust, den Menschen erleiden und die Gnade, die darüber hinweghelfen kann. Diese Koproduktion mit der Neuen Oper Wien wird musikalisch
von Walter Kobéra geleitet, für die Inszenierung zeichnet Carlos Wagner verantwortlich. Aufführungsort ist die Kammeroper am Fleischmarkt, die seit September 2012 vom Theater an der Wien bespielt wird. Solisten sind u. a. Peter Edelmann, Gernot Heinrich, Sebastian Huppmann und Alexander Kaimbacher. Es musiziert das amadeus ensemble-wien und singt der Wiener Kammerchor.

Martin Haselböck und seine Wiener Akademie sind ein wichtiger Bestandteil des OsterKlang-Festivals. Dieses Jahr sind der Dirigent und sein renommiertes Orchester am 27. März mit der Aufführung des Oratoriums Solomon von Georg Friedrich Händel im Theater an der Wien vertreten. Das dreiaktige Werk verbindet keine durchgehende Handlung, vielmehr zeigt jeder Akt ein anderes facettenreiches Bild des Königs Solomon. Als Solomon ist Franco Fagioli und als seine Gemahlin Kirsten Blaise zu hören. Die Königin von Saba wird von Bernarda Bobro gegeben und James Oxley ist der Priester Zadok. Es singt der Chorus sine nomine.

Am Karfreitag, den 29. März, steht mit dem Titel „Ich möchte Glauben lernen“ ein sehr außergewöhnlicher Abend in der Minoritenkirche auf dem Festivalprogramm. Klaus Maria Brandauer liest Texte aus den Briefen und Aufzeichnungen des evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, die während seiner Haft entstanden sind. Bonhoeffers leidenschaftlicher
Protest gegen die Nationalsozialisten, seine aktive Rolle im Widerstand gegen Hitler, seine Texte und sein Märtyrertod finden weit über die deutschen Grenzen hinaus Beachtung. Musikalisch umrahmt wird dieser Abend mit Werken von Johann Sebastian Bach, György Kurtág und Max Bruch für Violoncello-Solo, interpretiert von Franz Bartolomey.

In der Minoritenkirche wird am Karsamstag, den 30. März, eine rekonstruierte Fassung der Markus-Passion von Johann Sebastian Bach zu hören sein. Die jüngste „Bachsche“ Passionsvertonung nach dem Evangelium des Markus ist wenig im Konzertleben präsent. Da lediglich der Text dieser Passion überliefert ist und die Musik als verschollen gilt, muss
jedes Ensemble auf eine bestehende Rekonstruktion zurückgreifen, oder wie in dieser OsterKlang-Aufführung eine „Neufassung“ erarbeiten. Die Gesamtleitung dieses Projekts, insbesondere hinsichtlich der Rekonstruktion, liegt in den Händen von Rudolf Leopold. Unter der musikalischen Leitung von Thomas Platzgummer musiziert das Ensemble Il
Concerto Viennese und das Ensemble Vokal Origen. Als Evangelist ist Daniel Johannsen und als Jesus Matthias Helm zu hören.

Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Fabio Luisi präsentieren die Wiener Symphoniker am Ostersonntag traditionellerweise ihren Frühling in Wien und schließen mit diesem Konzert das Festival OsterKlang Wien. Im Musikverein erwartet das Publikum ein stimmungsvolles Potpourri aus Werken der „Großen Drei“ der italienischen Oper: Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini und Gioachino Rossini, ergänzt mit der Symphonischen Dichtung Feste Romane von Ottorino Respighi.

www.theater-wien.at

www.osterklang.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 23. 3. 2013