Minna Rytisalo: Lempi, das heißt Liebe

November 12, 2018 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Erinnerung ist nicht zu trauen

Lempi, das heißt Liebe auf Altfinnisch. Und Lempi heißt auch die Frauenfigur in Minna Rytisalos vielschichtigem und dennoch so schlichtem, stillem Debütroman. Rytisalo erlaubt sich den gewagten Kunstgriff, ihren Hauptcharakter gar nicht anwesend sein zu lassen. Drei Ich-Erzähler schildern aus ihren persönlichen Perspektiven wer und wie diese abwesende Lempi war, gestalten sozusagen ein Psychogramm hoch drei. Das Buch beginnt mit Briefen einer Elli an einen Viljami 1944, mitten im Lapplandkrieg. Es ist kein Fehler, das Nachwort der Übersetzerin Elina Kritzokat als erstes zu lesen, denn wenig weiß man hierzulande über den Dreieckskonflikt Finnland-Sowjetunion-Nazideutschland, in Finnland selbst war das Thema lange Zeit tabu.

Denn die Finnen hatten die Wehrmacht, der nationalsozialistische Partner aus politischen Gründen wohlweislich nur „Waffenbruder“, nie offiziell Verbündeter genannt, selbst ins Land geholt. Als Hilfe gegen die schließlich aber doch siegreichen Russen. Mehr als 200.000 Deutsche lebten und kämpften mehr als drei Jahre lang Seite an Seite mit den Finnen. Und da viele Frauen allein waren, die Männer an der Front, sie als Schreibkräfte bei der Wehrmacht eingeteilt, entspannen sich nicht wenige Liebesbeziehungen.

Bis die Russen verlangten, die Deutschen aus dem Land zu treiben, und die Frauen und deren Kinder zu Geächteten wurden. Diskriminiert bis spät in die 1960er-Jahre. In dieser zeitgeschichtlichen Realität voller Gefahren und Entbehrungen und Kriegsverheerungen, russischen Partisanen und Fallschirmspringern, und am Ende mehr als 90.000 finnischen Toten, hat Rytisalo ihre Fiktion verankert. Ihre Figuren stecken als deren Bestandteil in dieser Zeitgeschichte fest.

„Sie trägt Puder, Lippenstift und Lederstiefel, dazu das süße Lächeln der Verwöhnten“, heißt es über Lempi erst. Doch dann kommt der junge Einödbauer Viljami zu Wort, Frontheimkehrer ist er nun, auf dem Rückweg zu seinem Hof, war offenbar im Lazarett, wo man sein Kriegstrauma mit Elektroschocks zu „heilen“ versuchte. Doch bevor er eingezogen wurde, war ihm ein halbes glückliches Ehejahr mit der schönen Ladenbesitzerstochter aus der Kleinstadt gegönnt. Mit ihr war’s Liebe auf den ersten Blick, nun hat ihn Elli schriftlich davon unterrichtet, Lempi „wurde beim Einsteigen ins Auto eines Deutschen gesehen“. „In meinem Universum ist der Mittelpunkt verschwunden“, lässt er seine für immer gegangene Frau wissen, an die er sich mit seiner Erzählung in vertraulichem Du wendet, und er berichtet ihr von seinem „andauernden Schmerz“, dieser wie „eine schwelende, quälende Brandwunde“.

Von schwermütiger Lieblichkeit ist diese Schilderung des einstmals so schüchternen, stadtfremdelnden, über das „allerhand Frauenzeugs“ von Hutschachteln bis zur spitzenverzierten Bettwäsche seiner Angetrauten überraschten Bräutigams, die Sprache einfach und doch poetisch, aber sie wäre dennoch literarisch kaum der Rede wert, würde Rytisalo nicht taktisch kluge Querverweise auf die kommenden Berichte ziehen. Zwischen Viljamis Zeilen sind schon die anderen zu lesen, Elli, die sich als Magd herausstellt, und die Zwillingsschwester Sisko, und dass Lempi schwanger und einsam und verzweifelt war wegen der mangelnden Freundlichkeit der einen und dem Fehlen der anderen.

Elli gehört denn auch Teil zwei des Buchs, sie, die mit dem angenommen Antero und Lempis leiblichem Sohn Aarre bereits unversehrt auf den Hof zurückgekehrt ist, die „Mutter“ genannt werden will, und es auch wird, und die Viljami will, auf den sie nun Tag um Tag wartet. „Dies ist der Ort, für den ich bestimmt bin, und du bist jetzt nicht mehr da, um zu stören“, richtet sie Lempi aus, und: „Jetzt kommt meine Zeit.“ Hasserfüllt und von Hexensprüchen durchdrungen und auf ganz andere Art beschränkt, als Viljamis goldene Erinnerungen, sind die von Elli.

Bild: pixabay.com

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Ihre Schimpftirade ist die eines eifersüchtigen Weibs, berechnend, aber auch ängstlich, wenn sie ihre Herrin als feine Dame in schicken Kleidern schmäht, die es darauf angelegt hätte, hervorzukehren, „dass wir unterschiedlicher Herkunft und Rasse sind“. Ihre wirren Gedanken zeichnen ein gänzlich anderes Bild von Lempi, eines, das von Eitelkeit und Trägheit geprägt ist, und mehr und mehr beginnt man sich zu fragen, wo der Kern der Wahrheit liegt. Der Erinnerung ist nicht zu trauen, ein weiteres Rätsel tut sich auf, ist Elli eine Mörderin?, bevor sie erschrickt, als der Mann „mit toten Augen“ plötzlich dasteht.

„Das ist das Dumme an Erinnerungen, man kann nie ganz sicher sein“, sagt schließlich Sisko, die sich mit dem Betrachten alter Familienfotos auf den Besuch einer „Redakteurin“ vorbereitet. Auch ihr Leben war ein tragisches, ihre Geschichte ist die komplexeste. Sie war es, die tatsächlich mit einem Deutschen, ihrem Geliebten Max, nach Hamburg ging, trotz der von ihm ausgeübten psychischen und physischen Gewalt, „die Verkleidungsspielchen, die sonderbaren Praktiken und überhaupt Max‘ dominante Art gefielen mir gar nicht“, dort von ihm verlassen wurde und sich alleine im fremden Land durchschlagen musste. Weil es ihr lange Zeit verunmöglicht war, wegen ihres „besudelten Rufs“ nach Finnland zurückzukehren.

Siskos Part ist der historisch relevanteste, Generaloberst Dietl oder die Frauenorganisation Lotta Svärd finden Erwähnung, und ihren Andeutungen ist zu entnehmen, dass diese Beichte schon weiter in den Jahren liegt. Sie ist nun betagte Rednerin auf Erinnerungsveranstaltungen.

Die einstige Vaterlandsverräterin nun „Frau Doktor“, die, für sie hat Rytisalo eine gewähltere Sprechweise als für die anderen gefunden, über ihr Flüchtlingsschicksal Auskunft gibt. Von Sisko erfährt man, dass Lempi dominant war, die Schwester von ihr immer niedergehalten, doch ist deren Eifersucht, statt Ellis gehässiger, eine liebevolle. Sisko weiß auch, dass Lempis Anbändeln mit Viljami einem Spiel entsprang, einer Wette zwischen den Mädchen, Lempi solle dem Nächstbesten den Kopf verdrehen, der an den Verkaufstresen tritt. Ob daraus gewollt Ernst wurde, bleibt offen.

Sisko löst schließlich das Geheimnis um Lempi und Elli auf, doch entschlüsselt sie die Leerstellen des Romans nicht ganz. Für den Leser ergibt sich zwar aus den drei Erzählsträngen, die im jeweiligen Wissensstand des Protagonisten verhaftet bleiben müssen, die eine oder andere fürchterliche Erkenntnis, etliches jedoch erschließt sich in raffinierter Weise nicht. Ist Sisko auf Viljamis Hof gekommen, um dem Verschwinden ihrer Schwester nachzuforschen? Ist der „schweigsame, genügsame“ Mann, den sie nun den ihren nennt, er? Hat sie seine Söhne großgezogen? Es ist die große Wirkung von Minna Rytisalos Roman, dass man das am Ende nicht weiß. „Man erfasst einen Menschen nie ganz. Ich weiß bis heute nicht, ob ich das wirklich begriffen habe“, sagt Sisko.

Über die Autorin: Minna Rytisalo, geboren 1974 in Lappland, arbeitet als Finnischlehrerin und schreibt einen literarischen Blog. „Lempi, das heißt Liebe“ ist ihr erster Roman und wurde von finnischen Bloggern als bester Roman 2016 mit dem Blogistania-Finlandia-Preis ausgezeichnet; außerdem erhielt Rytisalo 2017 den Botnia-Literaturpreis.

Hanser Verlag, Minna Rytisalo: „Lempi, das heißt Liebe“, Roman, 224 Seiten. Übersetzt aus dem Finnischen von Elina Kritzokat.

www.hanser-literaturverlage.de

  1. 11. 2018

Sommerspiele Perchtoldsdorf: Minna von Barnhelm

Juli 1, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Happy End mit Kriegsversehrtencombo

Minna holt sich ihren Tellheim zurück: Andreas Patton und Marie-Christine Friedrich. Bild: @ Lalo Jodlbauer

Erschöpft und kriegsmüde lungern sie an der rostfarbenen Wirtshauswand, spielen nachlässig ein wenig Telemann und Zeitgenossen, die Teletanten Mienensingers, dieses invalide Quartett rund um Michael Pogo Kreiner. Sie geben die melancholische Baseline des Abends vor. Doch mitten unter ihnen schlägt einer laut und mit Elan die große Trommel, als wolle er mit dem Schlägel die Schicksalsschläge, die seinen Herrn trafen, zu Brei schlagen. Dessen Gespenster allerdings sind schwer zu bannen. Der Trommler ist Just, Tellheims ergebener, ergo streitlustiger Bedienter, das Stück „Minna von Barnhelm“.

Bei den Sommerspielen Perchtoldsdorf zeigt Regisseurin Veronika Glatzner ihre Interpretation von Lessings Lustspiel. Sehr präzise hat sie dessen Text in Szene gesetzt, ohne ihn an einer Zeit oder einem Ort festzumachen. Entstanden ist ein atmosphärisch dichter, bewegender Abend mit glänzenden Darstellern, die es verstehen, die Komik zwischen den Zeilen zu bedienen, ohne dass es komisch wirkt. Die Perchtoldsdorfer „Minna“ wird so zu einem subtilen Stück Sommertheater.

Auf beinah schon intime Weise gewährt Glatzner dem Publikum Zugang zum Seelenleben der Protagonisten, sie ziseliert die von Lessing vorbereiteten zwischenmenschlichen Feinheiten. Es sind nur Momente, die alles klären: Minna fasst Tellheim am rechten Arm, merkt, dass der taub ist. Der Major verzieht vor Schreck kurz das Gesicht – und erzählt ist seine Geschichte.

Marie und Paul Sturminger haben für die Irrungen und Wirrungen der Herzen eine Drehbühne entworfen, eine schäbige Herberge – auf der einen Seite Minnas Zimmer, auf der anderen die Wirtsstube -, deren Mittelpunkt ein zugiges, verschachteltes Stiegenhaus ist. Durch dieses stürzen, kriechen, rennen die Menschen treppauf, treppab. Hier wird geflirtet, Trübsal geblasen oder sich versteckt, hier zieht man einander das Geld aus der Tasche und die Verlobungsringe vom Finger. Immer wieder bleibt der eine oder andere Darsteller nach seinem Auftritt in einem Winkel dieser Escher’schen Anordnung Teil der Szene, so dass man ihn in seinem „privaten“ Tun weiter erleben kann.

Nikolaus Barton als loyaler Diener Just tut alles, um seinen Herrn vor weiterem Schaden zu bewahren. Bild: @ Lalo Jodlbauer

Die teletanten Mienensingers: Petra Staduan, Michael Pogo Kreiner, Raphael Nicholas und Judith Prieler. Bild: @ Lalo Jodlbauer

Marie-Christine Friedrich ist eine hinreißende Minna. Emanzipiert und doch hyperventilierend schmachtend, wenn sie von ihrer großen Liebe Tellheim spricht, klug und doch spitzbübisch fröhlich, wenn sie an den Streich denkt, den sie für ihn ersinnt. Friedrichs Minna ist die praktizierte Aufklärung, ein wenig manieriert im Auftreten, ein bisschen artifiziell in der Gestik, und doch bricht sie das alles sofort wieder mit ihrer köstlich ironischen Mimik. Sie weiß mit der überspannten Logik ihres Verlobten nicht das Geringste anzufangen – und trotzdem versteht sie ihn. Das ist die Kunst der Frauen. Wenn sie erst beschlossen haben, das Glück in die eigenen Hände zu nehmen.

Zur Seite steht ihr die großartige Anna Unterberger als Franziska. Als resches, puckhaftes Kammerkätzchen agiert Unterberger sozusagen gebremst. Selbst im Beisein ihrer Herrin benimmt sie sich völlig ungeniert und mit Augenmerk aufs eigene Interesse – siehe den minnenden Sölder Paul Werner, den Roman Blumenschein gibt. Mit Friedrich und Unterberger macht Glatzner ihre „Minna“ zum Frauen-Power-Stück.

Im Stiegenhaus, wo man sich trifft: Roman Blumenschein, Nikolaus Barton, Anna Unterberger und Marie-Christine Friedrich. Bild: @ Lalo Jodlbauer

Nicht nur mit steifem Arm, sondern auch mit Stiff Upper Lip spielt Andreas Patton den Tellheim. Er suhlt sich geradezu in seinem Unglück, kann formidabel wahlweise trotzig oder betropetzt dreinschauen. Sehr schön, wie er jeden Brief recht umständlich mithilfe seiner Füße oder Zähne aufmachen muss, die Prozedur sein „Ecce homo“.

Patton, diese Saison eine Art Spezialist für gar nicht lustige Lustspielhelden (siehe sein Fernando in der Volkstheater-„Stella“, Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=24810), fügt dem in den Wirren des Siebenjährigen Krieges abgewirtschafteten, vergrübelten Major eine nicht oft ausgespielte Facette hinzu. Eine ewiggültig moderne. Er zeigt in seiner Darstellung nicht nur selbstbeschädigenden Stolz und falsch kanalisiertes Ehrgefühl, weshalb er die geliebte Frau vor der Ehe mit einem „Krüppel“ bewahren will, sondern ebenso, wie der Verlust von ökonomischer Freiheit nach und nach das Selbstwertgefühl ermordet …

Nikolaus Barton ist als Tellheims Bedienter Just ein Kraftlackel; misstrauisch, weil eben loyal, lässt er über seinen Herrn nichts kommen. Dominik Warta ist ein naseweiser, neugieriger Wirt.

Den beiden gelten im Wesentlichen die Lacher der Zuschauer. Am Ende reihen sie sich alle auf und singen mit den Mienensingers Michael Pogo Kreiner, Raphael Nicholas, Judith Prieler und Petra Staduan Telemanns „Glück“: Als stilvolles Finale einer so poetischen wie unterhaltsamen Aufführung. Viel Applaus und großer Jubel.

www.sommerspiele-perchtoldsdorf.at

  1. 6. 2017

Landestheater Niederösterreich: Wolf Bachofner spielt in „Minna von Barnhelm“

Dezember 5, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Maxim Gorki Theater kommt mit Sibylle Berg

Wolf Bachofner, Pascal Groß  Bild: Robin Weigelt

Wolf Bachofner, Pascal Groß
Bild: Robin Weigelt

Minna von Barnhelm, Premiere am 5. 12.:

Die Komödie um das beherzte Fräulein Minna von Barnhelm (Lisa Wiedenmüller) beginnt mit der unehrenhaften Entlassung ihres Verlobten Major von Tellheim. Der verdienstvolle Major hatte am Ende des Siebenjährigen Krieges bei der Eintreibung von Kriegskontributionen besondere Milde walten lassen und wird nun der Bestechlichkeit verdächtigt. Zutiefst beschämt, mittellos und körperlich versehrt bricht Tellheim jeglichen Kontakt zu seiner Verlobten ab. Er quartiert sich mit seinem Diener Just in einem entlegenen Landgasthof ein, um auf Nachricht von der Militärverwaltung zu warten. Doch Minna macht sich mit ihrer Kammerzofe Franziska auf die Suche nach Tellheim. Die beiden reisen durch das kriegszerstörte Land und erreichen bald selbigen Gasthof. Als Minna entdeckt, dass Tellheim bereits ihren Verlobungsring versetzt hat, weil er aus lauter Ehrgefühl sogar die finanzielle Hilfe seines Freundes Paul Werner ausschlägt, beginnt sie ihr Spiel …

Der tiefe Fall eines strahlenden Helden: Nur durch Minnas liebevolle Intrige gelingt Major von Tellheim die Rückkehr in die Normalität des Friedens. Gotthold Ephraim Lessing, der große Menschenfreund und Erneuerer des deutschen Theaters, entwarf seine bühnenwirksame Komödie 1763 am Ende des Siebenjährigen Krieges. Ihm gelang damit eine Gattungsnovität, ein Lustspiel als aktuelles Zeitstück (Botho Strauß). Die leichte Form der Verhandlung eines schwerwiegenden Problems gilt als literarische Wegmarke ebenso wie die lebensnahe Zeichnung der Figuren, in deren Zentrum eine ganz und gar moderne Frauenfigur steht.

Die junge Regisseurin Katrin Plötner, die sich u. a. mit Arbeiten am Münchner Residenztheater und am Theater Regensburg vorgestellt hat und in der letzten Spielzeit am Landestheater Niederösterreich Horace inszenierte, führt Regie. Für die Ausstattung zeichnen der Bühnenbildner Martin Miotk und die Kostümbildnerin Eugenia Leis verantwortlich. Für Tellheim und seinen treuen Freund Werner konnten Lars Wellings, der u. a. am Residenztheater München und am Staatstheater Wiesbaden engagiert war, und der bekannte TV- und Theaterschauspieler Wolf Bachofner gewonnen werden.

Maxim Gorki Theaters, Berlin: „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“ von Sibylle Berg, 10. 12.

Abends, eine junge Frau allein in ihrer Wohnung. Freundinnen kontaktieren sie per Skype und per Chat, Kurznachrichten treffen ein, die Mutter ruft an. Einige Stockwerke tiefer im Keller: ein gefesselter und geknebelter Mann …

Von den Medien und der Werbeindustrie produzierte Frauenbilder, der Imperativ eines erfolgreichen Lebensentwurfs und eigene Ängste und Sehnsüchte schlagen sich in den Leben der jungen Frauen nieder: nächtliche Prügeltouren durch die Stadt, Körperkult und Fitnesswahn, Shoppingexzesse zwischen den BWL-Vorlesungen und der Vertrieb von selbstsynthetisierten Drogen über das Internet. Daneben stehen Fragen, wie die Frauen leben wollen und wo sie die Ursachen für ihre Orientierungslosigkeit suchen. Es entsteht die wütende, beißend-komische Bestandsaufnahme einer jungen Frau, die sich selbst und andere Frauen in ihren Reaktionen auf die Welt befragt.

Die Schriftstellerin Sibylle Berg wurde in Weimar geboren und lebt in Zürich. In ihren Kolumnen, Romanen und Theaterstücken erzählt sie schonungslos vom Unglück, in das sich die Menschen stürzen. Für ihre Werke wurde sie u.a. mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet. Zuletzt erschien 2012 ihr Roman Vielen Dank für das Leben und 2013 Wie halte ich das nur alles aus? Fragen Sie Frau Sibylle.

Regie führt Sebastian Nübling. Er studierte Kulturwissenschaften an der Universität Hildesheim und lehrte dort als Dozent. 2002 wurde er mit seiner Basler Inszenierung von Henrik Ibsens John Gabriel Borkman zum ersten Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen und von der Zeitschrift Theater heute zum Nachwuchsregisseur des Jahres gewählt. Seine Stücke werden regelmäßig bei renommierten Festivals gezeigt. Seit der Spielzeit 13/14 ist Sebastian Nübling Hausregisseur am Maxim Gorki Theater.

Es spielen: Nora Abdel-Maksoud, Suna Gürler, Rahel Jankowski und Cynthia Micas.

www.landestheater.net 

Wien, 5. 12. 2014