Art Carnuntum: Piero Bordin präsentiert das Programm

Juni 25, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Shakespeare’s Globe und ein Fest für Melina Mercouri

Twelfth Night. Bild: Marc Brenner

Sein sagenhaftes Dreißig-Jahr-Jubiläum feiert Art Carnuntum, das Welt-Theater-Festival im römischen Amphitheater Petronell-Carnuntum, im Sommer 2019 – und wie stets hat Intendant Piero Bordin ein erlesenes Programm zusammengestellt, das, wie es sich für einen „Runden“ gehört, mit einem Geburtstagsfest beginnt.

Am 3. August, 19.30 Uhr, lädt Bordin unter dem Titel Aus Mythen Geboren zu einer poetisch-musikalischen Reise zu den Wurzeln der europäischen Kultur, eine Hommage an das Theater und an Melina Mercouri, der Initiatorin der „Kulturhauptstädte Europas“, mit Live-Orchester und den berühmtesten Liedern der legendären Schauspielerin, Sängerin und späteren griechischen Kulturministerin.

Regie-Altmeister und Antiken-Spezialist Hansgünther Heyme wird Texte aus 2500 Jahren lesen, in denen starke Frauenfiguren eine wichtige Rolle spielen: von der tatkräftigen Hausfrau Praxagora des Aristophanes bis zu den zahlreichen Antigones und Medeen. Für mediterranes Flair sorgt Weinbauer Trygeos Traubenzupfer.

Seit Jahren sind die großartigen Aufführungen des Shakespeare’s Globe Theatre aus London die Highlights des Festivals. Heuer kommt das Ensemble wieder mit drei Inszenierungen zu Art Carnuntum, allesamt Stücke, die von Schiffbrüchigen handeln, die auf der Suche nach Verwandten oder einer neuen Heimat sind. So ist am 9. August, 19.30 Uhr, The Comedy Of Errors zu sehen, in dem ein Paar auf See getrennter Zwillingsbrüder und ein Paar ebenfalls getrennter Zwillingsdiener für Chaos sorgen. Am 10. August, bereits um 14 Uhr, folgt Twelfth Night über Zwillinge, die ein Schiffbruch auseinandertrieb, was zu Liebesqualen und den wohl hervorragendsten Liedern, die Shakespeare je geschrieben hat, führt. Um 19.30 Uhr desselben Tages wird schließlich Pericles gezeigt, die erste von Shakespeares späten Romanzen, in denen der Prinz von Tyrus sich gezwungen sieht, aus seinem Königreich zu fliehen und die Welt zu durchstreifen …

The Comedy Of Errors. Bild: Marc Brenner

The Comedy Of Errors. Bild: Marc Brenner

Pericles. Bild: Marc Brenner

Pericles. Bild: Marc Brenner

Ein Experiment wagt Piero Bordin dann am 14. August, 21 Uhr, mit Die Erkannten Unerkannten des polnischen Theaters der Schattenrevolution ohne Worte. Die Inszenierung von Wioletta Dadej verspricht ein faszinierendes, archaisch anmutendes Theaterereignis zu werden, das fast ohne Sprache auskommt. Ein Spektakel, das sich auf die Werke der 2017 verstorbenen polnischen Bildhauerin Magdalena Abakanowicz bezieht und deren eindrucksvolle Figurengruppen zu beleben versucht, eine Performance, die zeigt, was passiert, wenn eine Menge beinah identer Gestalten beginnt, an Individualität zu gewinnen, und zu Entdecker, Manipulant, Führer, Retter oder gar Verbrecher mutiert, Propheten und Ideologen aufsitzt, nur um am Ende erneut eine uniforme, formlose Masse zu werden. Ganz klar, dass bei diesem Abend Fragen über Freiheit und Unterdrückung verhandelt werden.

Aus Polen kommt „Die Erkannten Unerkannten“. Bild: Theater der Schattenrevolution ohne Worte

The Summit / Der Gipfel: Diocletian (Erich Svoboda) steigt bodyguard-bewacht aus seinem Wagen. Bild: Art Carnuntum

Auch der diesjährige Aufführungszyklus gipfelt in The Summit / Der Gipfel (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=25528) am 23. August, 21 Uhr. Nach einem Text und in der Inszenierung von Piero Bordin kann das Publikum eines der historisch wichtigsten Ereignisse auf österreichischem Boden mitverfolgen, die im Jahr 308 in Carnuntum stattgefunden habende „Kaiserkonferenz“, ein Gipfeltreffen, bei dem unter Leitung von Diokletian die IV. und letzte Tetrarchie zustande kam, bei der vier Kaiser zur Macht gelangten, die innerhalb von fünf Jahren die damalige Welt weiter entwickelten. Mit ihren Edikten beendeten sie die Christenverfolgung und gewährten erstmals religiöse Toleranz für alle Glaubensgruppen, bis heute eines der elementarsten und erneut schwerst missachteten Menschenrechte. Ein Projekt, das mit ausschlaggebend dafür war, dass die Europäische Kommission Carnuntum das Europäische Kulturerbe-Siegel verliehen hat.

INFO: Alle Zuschauerplätze sind überdacht, dem Wetter angepasste Kleidung wird dennoch empfohlen. Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Es gibt aber zu allen Aufführungen auch komfortable Shuttlebusse von und zur Wiener Staatsoper, für die die Tickets aufgrund der limitierten Sitzplätze jeweils zusammen mit den Eintrittskarten zu erwerben sind.

www.artcarnuntum.at

25. 6. 2019