Volkstheater: Der Menschenfeind

März 16, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Leichtfüßig übers Lebenstreppchen

Der Menschenfeind Alceste verachtet die bessere Gesellschaft: Evi Kehrstephan, Birgit Stöger, Kaspar Locher, Nils Rovira-Muñoz, Nadine Quittner, Sebastian Klein und Lukas Holzhausen. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Auch fünfeinhalb Monate nach der Premiere hat Molières „Menschenfeind“ am Volkstheater nichts von seiner Brillanz eingebüßt. Der junge Regisseur Felix Hafner, gerade noch Student am Max-Reinhardt-Seminar, hat sich mit seiner Arbeit „Isabelle H. (geopfert wird immer)“ am Volx fürs große Haus empfohlen – und dort durfte er mit dieser Inszenierung nun erstmals wirken. Der Abend, der ihm gelungen ist, ist einer der besten der bisherigen Intendanz Badora.

Hafner schafft den unmöglichen Spagat, er setzt auf Reduziertheit – eine Showtreppe und die Farben Schwarz, Weiß, Violett (Bühnenbild: Paul Lerchbaumer, Kostüme: Werner Fritz) genügen ihm zur Ausstattung einer ganzen Aufführung – und schafft gerade mit dieser Opulenz, er verordnet seinen Schauspielern Zurückhaltung und lässt sie in dieser umso mehr strahlen. Das „Menschenfeind“-Ensemble agiert in großer Höhe. Man ist mit viel Freude bei der Sache, mit Verve und Energie, man genießt ganz offensichtlich Figuren und Text und Zusammenspiel. Hafner versteht sich exzellent auf Schauspielerführung, er hat mit seinem Darstellerteam mit viel Liebe zum Detail fein ziselierte Charaktere geschaffen. Dazu kommt – der 24-jährige Steirer hat für eine Rolle, für den einen Moment mit ihr mehr Einfälle, als andere in einem ganzen Regisseursleben.

Regisseur Hafner ist ein Mann mit Humor. Das hörte man schon in Schauspielergesprächen. Ergo wählte er die Textfassung, die Frechheit in Versen verpackt von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens, und so geschmeidig der Text, so leichtfüßig turnen die Darsteller durch ihn. Die Inszenierung hat Rhythmus im Blut. In Tanzformation geht’s die Szenerie hinauf und hinab, Rück-Platz-Wechselschritt, also letztlich auf der Stelle tretend, und überall entlang der Showtreppe Champagnerfallen. In diesem Umfeld gilt es nun das Für und Wider von Ehrlichkeit im Zwischenmenschlichen zu ergründen.

Dabei wird gestritten und gefochten, mit spitzen Zungen und hinterhältiger Heuchelei. Ausgerichtet wird immer grad der, der nicht im Raum ist. Die Tratsch- und Klatschgesellschaft versteht sich als Stil(hin)richter, und das hat das Opfer sportlich zu nehmen. Oder als Spaß. Weshalb auch alle ein Dauergrinsen in der Visage tragen. Ist die Oberfläche blank poliert, verleugnet man ganz ungeniert. Hafner brauchte das Stück nicht aus seiner 350 Jahre alten Verankerung lösen, um das klar zu machen, doch hat er mit Bravour das Geistlose in den Zeitgeist übersetzt.

Alceste beleidigt den Dichter Oronte: Lukas Holzhausen und Rainer Galke. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Klatschbase Arsinoé nervt Célimène: Birgit Stöger und Evi Kehrstephan. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Wer mit dieser Menschenmanier naturgemäß nicht umgehen kann, ist der Misanthrop Alceste. Lukas Holzhausen gibt den Bärbeißigen unter Überkandidelten, und beweist sich in seiner Unlust und Abscheu als hochkomödiantisch. Doch auch Alceste hat eine schwache Seite, Célimène heißt sie, von Evi Kehrstephan verkörpert als emanzipierter Wirbelwind, als eine, die sich kein Blatt vor den Mund nimmt. Der verbale Schlagabtausch zwischen Holzhausen und Kehrstephan ist naturgemäß das Epizentrum der Inszenierung. Sie sind einer des anderen Antipoden, doch nur Célimène weiß, wie man Alceste schmähstad macht.

Bevölkert wird Célimènes Haushalt von einem skurrilen Völkchen. Kaspar Locher und Nils Rovira-Muñoz spielen die Marquis Acaste und Clitandre, zwei Verehrer Célimènes, sehr zum Missfallen von Alceste. Sebastian Klein ist der um den Hausfrieden bedachte Philinte, Nadine Quittner eine schmollmündige Éliante, Günther Wiederschwinger ein diensteifriger Dubois. Zwei Kabinettstücke gestalten Birgit Stöger und Rainer Galke. Erstere als bigotte Klatschtante Arsinoé die frömmelnde Scheinheiligkeit in Person, deren Wortwechsel mit Célimène in einer Kuchenschlacht endet. Zweiterer als Oronte ein talentloser Lyriker, mit einem von Alceste in der Luft zerrissenen Vortrags seines Werks. Wie er sich sein Dichterdrama mittels Sonett von der Seele greint, da läuft Galke einmal mehr zur Hochform auf.

Am Ende kriegt sich, was zusammengehört. Das Happy End wirkt auch im Publikum, das mit Jubel und großem Applaus für die gelungene Darbietung dankte. Man darf auf die nächsten Arbeiten von Felix Hafner gespannt sein.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=JqNLfdBTsWM

www.volkstheater.at

Wien, 16. 3. 2017

Cornelius Obonya im Gespräch

Oktober 28, 2013 in Buch, Bühne, Film

VON MICHAELA MOTTINGER

„Frag’ nicht, was das Theater für dich tun kann,

frag’, was du für das Theater tun kannst.“

C(R)ASH im stadtTheater Walfischgasse Bild: © Robert Polster

C(R)ASH im stadtTheater Walfischgasse
Bild: © Robert Polster

MM: Ihre aktuelle Theaterproduktion, „C(r)ash“ von Rupert Henning, läuft sehr erfolgreich im stadtTheater Walfischgasse. Sie spielen einen Cop, Officer Leroy Brooks, der, wie sich im Laufe des Abends herausstellt, durch die Finanzkrise alles verloren hat. Aber auch durch seine Antriebslosigkeit. Mein Kompliment an Sie als Schauspieler: Sie haben mich auf die Figur richtig wütend gemacht. Was waren Ihre ersten Emotionen zu Leroy – und haben Sie sich nach längerem Spielen verändert?

Cornelius Obonya: Beim Lesen war mir schon klar, dass sehr viel Selbstmitleid und Die-anderen-sind-schuld in ihm steckt. Was ich an Leroy aber mochte, ist, dass er versucht, auf etwas zu pochen: die Werte. Da können manchem die Grausbirnen aufsteigen. Zum Beispiel, ganz simpel: Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft und da sagt einer: Ich repariere es halt lieber, bevor ich es entsorge. Ich hämmere selber rum. Über die Jahre. Nun weiß ich aus eigener Erfahrung, wie leidvoll es sein, kann wenn man an einem Provisorium herumbastelt – und dann muss man’s erst recht von einem Profi reparieren lassen. Manchmal ist also das Neue ganz Okay. Was ich schön fand an Rupert Hennings Text, ist, dass die Krise ein Gesicht hat. So und so viele Leute entlassen. Government Shutdown. Auf der Straße ohne Geld weiter existieren, obwohl man glaubte, eine sichere Stelle zu haben, darum ging es. Verändert hat mich das schon, insofern, als ich durch diese Rolle unendlich ruhig geworden bin. Weil dieser Typ von Rupert so geschrieben ist. Ganz gegen meine Natur. Ich bin auch viel aktiver: Da ist etwas nicht in Ordnung, ergo mach’ ich was. Das kann Leroy nicht. Er ist ein reflektiver Mensch, der nicht aus seiner Haut kann. Verschiedene Züge sind an ihm vorbeigefahren, ohne, dass er’s mitbekommen hat, weil er an etwas festgehalten hat, das durchaus begrüßenswert ist, nämlich: Da ist ein Haus aus 1876, erbaut von meinem Urgroßvater mit seiner Hände Arbeit, da schau ich schon, dass ich’s erhalte. Der Punkt ist nur: Nicht um jeden Preis. Das ist die Geschichte der USA: Dieses Begreifen, dass the American Dream, the American Way of Live nicht mehr existiert. Teils selbstverschuldet, teils durch Einflüsse von außen. Da wird nix mehr „gut“. Die Welt hat sich zu sehr verändert. Diesen Ansatz von Rupert Henning fand ich sehr schön. Ich finde es gut, dass man den Knaben mag – aber nicht ganz …

 MM: Mit Claudia Kottal und Stefano Bernardin, den neuen Hausbesitzern, die Leroy „überfällt“, ergänzt sich in dieser Produktion ein wunderbares Trio.

Obonya: Stimmt. Wir haben uns auch vorher geprüft, ob wir zusammengehen, ob wir miteinander können, gut harmonieren. Wir haben uns auf der Bühne getroffen und gesehen, ob’s laufen kann.

 MM: Der philosophische Überbau des Stücks ist für mich der finanzielle Abstieg des „Mittelstands“ durch das (Nicht-)funktionieren der Welt an sich. Denken Sie auch manchmal an eine Runde von globalen Monopoly-Spielern, die die Welt manipulieren? Wie bei den „Simpsons“ die Runde der Republikaner im Dracula-Schloss.

Obonya: Ich glaube, es gibt die „berühmten“ großen Banken, die laut Medien immer böser werden, es gibt aber auch viele, die sich um die Anliegen der Sparer bemühen. Die für dieses playing around nicht zuständig sind, sondern, die sich auf das Kerngeschäft reduzieren und gar nichts am Hut haben mit Spekulationen, sondern versuchen, das Geld der Leute so zu verwalten, so zu vermehren, dass es sich im Rahmen hält. Wenn man angibt, kein „konservativer Anleger“ zu sein, ist es kein Wunder, dass vom Bürgermeister von Bad Reutelbach bis zur kleinen Sparerin alle irgendwann reinfallen. Andererseits: Geld hat jeder gern – und noch ist das keine Sünde. Aber der Umgang  damit ist der Knackpunkt. Ich habe dazu keine Fantasien, aber natürlich die Ängste, die alle haben. Im Sinne von: Ist das Geld, das ich da verdient habe, in einiger Zeit noch dasselbe wert? Soll ich’s vom Konto abheben und im Sparstrumpf aufheben, ist es dann dasselbe wert?

MM: Hat das mit Ihrem beruflichen Werdegang zu tun? Von der Sicherheit des – pardon – Burgtheaterbeamtenschauspielers zum freischaffenden Künstler? Haben Sie’s mit Blick auf den Sparstrumpf je bedauert?

Obonya: Nein. Und ich hoffe, ich muss das auch nie tun. Es ist ein großer Freiraum, natürlich auch etwas mehr Gefahr, den man sich da geschaffen hat. Als freischaffender Schauspieler muss ich von Projekt zu Projekt schauen, das es funktioniert. Aber im Endeffekt macht das mehr Spaß.

 MM: Mir hat vor kurzem jemand, der vom Fixengagement, vom Antichambrieren im Direktionsstock,  in die Selbstständigkeit gewechselt hat, gesagt: Das ist großartig. Ich komme überall auf einen Kaffee vorbei, man mag mich als Gast, und mit den Messerwetzereien, den Intrigen am Haus, habe ich nichts zu tun. Auch das ist ein Gewinn.

Obonya: Dem stimme ich zu. Ich bin ja auch an die Burg als Gast zurückgekehrt. Ich bin nicht einer von denen, der verzweifelt in den Terminkalender oder aufs Telefon starrt, wenn mal Pause ist. Natürlich hätte ich, wie viele Kollegen, dann Angst. Eine Pause ist nur gut, wenn man weiß, was dann kommt. Eine Pause von vornherein ist nicht lustig. Aber ich kann mich echt nicht beklagen, weil ich dann Sprecher für „Universum“ oder derlei Sendungen bin, das macht auch Spaß – und bringt auch ein bisschen Geld.

MM: Sie kennen den großen Apparat, die Sie kennen viele „kleine“ Maschinen. Die Vor- und Nachteile?

Obonya: Ich spiele wahnsinnig gern an der Burg – und genau so gern in der Walfischgasse. Da gibt es für mich als Künstler keine Unterschiede. Die Vorteile der großen Maschine sind, dass man unendlich viele Möglichkeiten hat, viele Ressourcen, aus denen man schöpfen kann, unendlich viele Menschen, die einem zuarbeiten, wenn es denn notwendig ist. Der Nachteil besteht darin, dass manchmal die Präzision, die Konzentration, die Achtsamkeit auf ein Ding verloren geht, weil man auf so vieles achten muss, weil so vieles unter einen Hut gebracht werden muss. Vorteil der kleinen Maschine ist, dass man fein, punktgenau arbeiten kann. Man hat in vielen Bereichen denselben Ansprechpartner, was manchmal gut, manchmal schlecht ist. Zum Glück ist meine Frau da eine gute Wählerin. Weshalb ich mit ihr gern an der Walfischgasse arbeite. Der Nachteil ist, man hat nicht so viel Geld. Man kann nicht sagen, ich will das oder das – und das ist dann am nächsten Tag da. Wenn ich Ihnen sagen würde, was das Bühnenbild von „C(r)ash“ gekostet hat, Sie würden lachen …

MM: Regt das Nichtvorhandensein von Ressourcen die Fantasie an?

Obonya: Nein. Die Fantasie muss in beiden Apparaten gleich funktionieren. Das ist meine Hausaufgabe. Dafür ist das Theater nicht zuständig, das würde ich auch grundsätzlich ablehnen. Schauspieler sind nicht gut, wenn sie glauben, dass der Apparat ihnen die Arbeit abnimmt. Ich kann mit einem Glöckchen, wenn ich es richtig handhabe, das große Glockenspiel erschaffen. Wenn ich aber ein großes zur Verfügung habe, warum nicht verwenden? Sagen wir so: Frag’ nicht, was das Theater für dich tun kann, frag’, was du für das Theater tun kannst.

MM: Eine schöne Überschrift für ein Interview.Sie schwingen als aktueller „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen die größte Glocke Österreichs. Wie war diese Erfahrung im ersten Jahr?

Obonya: Riesig. Es macht sehr viel Spaß, es war unendlich viel Zuspruch vom Publikum, das habe ich mir so nicht erwartet, um ehrlich zu sein. Bis auf vier Vorstellungen hatten wir immer Standing Ovations. Ich dachte bei „Cordoba“ so etwas erlebt man nur einmal im Leben, jetzt durfte ich es ein zweites Mal erleben. Das ist unglaublich, das nimmt man mit, ich werde den Sommer 2013 nie vergessen.

MM: Das ist die Rolle, mit der man Geschichte macht.

Obonya: Das geht einem im Kopf herum, das wär’ auch blöd, wenn’s anders wäre. Aber, um ehrlich zu sein, in dem Moment, wo der Lappen hochgeht, muss es wurscht sein. Ich kann’s nur so ehrlich spielen, wie ich’s eben kann. Wenn die „Bedeutung“ der Rolle nur irgendwo im Hinterkopf herumspukt, dann darf man sie nicht annehmen. Dass man damit in einer ewigen Torschützenliste landet, ist eh klar. Und ich finde das auch toll, wenn ich mir die Reihe meiner Vorgänger anschaue, ist es eine Ehre, da aufgenommen zu werden.

MM: Haide Tenner hat Ihre Lebensgeschichte bis dato in dem Buch „Kommen Sie bitte weiter vor“ (Amalthea-Verlag) aufgezeichnet. Ein doppeldeutiger Titel.

Obonya: Das ist in der Tat so. Das ist nämlich der erste Satz, der jemals auf einer Bühne zu mir gesagt wurde, bei meinem Vorstellungsmonolog am Reinhardt-Seminar. Ich hatte Mark Antonius’ zweiten Auftritt aus Shakespeares „Julius Caesar“ vorbereitet: Wofern ihr Tränen habt, bereitet euch, Sie jetzo zu vergießen. Diesen Mantel, Ihr kennt ihn alle; noch erinnr ich mich Des ersten Males, dass ihn Cäsar trug … Und wollte mit einem roten Samtumhang in den Armen „hochdramatisch“ von hinten an die Rampe schreiten und ihn aufsagen. Und da kam eine Stimme von unten: „Kommen Sie bitte weiter vor“ und zerstörte die ganze mir zu recht gelegte Theatralik. Ich weiß übrigens bis heute nicht, wer’s sagte.

 MM: In Ihrem Alter schon eine Autobiografie?

Obonya: Um Himmels Willen, nein, keine Autobiografie mit 44! So will ich das Buch nicht verstanden wissen …

 MM: Es ist über große Strecken ein theatertheoretischer Diskurs. Inklusive eines Nacktfotos im Planschbecken.

Obonya: Das gehört zu den Doppeldeutigkeiten (er lacht). Ich erzähle von dem, von dem ich etwas verstehe, dem Beruf des Schauspielers. Das ist mir wesentlich wichtiger als alles andere. Für wen das von Interesse ist, der wird Spaß haben am Lesen. Privates bleibt privat. Wir haben’s auch in Salzburg die Society-Begleiterscheinung auf das notwendige Minimum geschrumpft. Das bin nicht ich, der Schnittlauch auf jeder Suppe. Ich bin kein Society-Mensch, das ist nicht meins.

MM: Sie erzählen aber von Ihrer Frau, Carolin Pienkos, die Regisseurin, mit der Sie nach Andrea Breth am längsten zusammenarbeiten, die auch „C(r)ash“ inszeniert hat. Sie erzählen, dass Sie beim Text lernen ein Küchendielenkaputttreter sind, weil Sie ständig auf und ab laufen … Wie arbeitet Frau Pienkos?

Obonya: Ruhig und besonnen am Schreibtisch. Für mich völlig unverständlich, diese Kontemplation, diese Stille. Ich habe übrigens noch keine Diele zerstört, meine Frau fürchtet nur immer, ich laufe einmal einen Graben in den Fußboden. Vielleicht ist diese vorweggenommene Anschuldigung ein Grund, warum ich Text am liebsten alleine lerne.

MM: Keine Lust, einmal selber etwas zu schreiben? Das Aufdeckerbuch!

Obonya: Ich kann nicht schreiben, dazu fehlt mir der lange Atem. Vielleicht einmal in meinen 70ern, wenn ich mit dem Theaterspielen aufhöre. Aber sicher kein Aufdeckerbuch; ich decke nur mein Bett auf, zwei Mal täglich, morgens und abends.

MM: Sie sind derzeit auch wieder am Drehen.

Obonya: Ich habe einen „Polt“ abgedreht. Den fünften Teil, eine Fortsetzung nach zehn Jahren. Darin spiele ich einen Polizisten – schon wieder, offenbar hat das mit meinem Ausg’schau zu tun, offenbar sieht man in mir irgendwo „Law and Order“ -, der wegen seiner Sauferei entlassen wird. Ich habe diese Figur sehr lieb gewonnen und hoffe, dass sie weiterlebt, wenn Alfred Komarek weiterschreibt. Ich habe auch das erste Mal mit Julian Pölsler zusammengearbeitet – eine gute Erfahrung, die Spaß gemacht hat. Im Moment drehe ich einen Film über eine Hebamme im Jahr 1799. Ich spiele einen Marburger Richter. Ansonsten freue ich mich auf eine wohlverdiente Pause. Das heißt, ich mache natürlich „Alpenkönig und Menschenfeind“ an der Burg und „C(r)ash“, aber sonst habe ich keine weiteren Pläne. Nichts Konkretes bis zum Frühjahr, aber das ist noch nicht zu nennen.

MM: Im besten Sinne des Wortes: Ist Ihr Theaterbegriff konservativ?

Obonya: Haha, die Frage ist nicht unlustig. Ich hasse zum Beispiel den Begriff „well-made“ zutiefst, das ist ein Begriff, der sich in die Köpfe hineingefräst hat. Ich mache auch gern ein Stück, das nur mit Handzeichen arbeitet, nur mit textlichen Andeutungen, hab’ ich auch schon gemacht, aber das will gut gemacht sein. Das können nicht alle. Ich habe mit Jan Lauwers gearbeitet, der eine sehr eigene Theaterhandschrift hat … Wenn Sie mit konservativ meinen, dass ich dem Publikum gern das geben möchte, das es verdient hat, wofür es Geld zahlt, nach einem harten Arbeitstag, nämlich eine Geschichte erzählt zu bekommen, nicht mehr und nicht weniger, dann sage ich: Ja, da bin ich gerne konservativ.

www.corneliusobonya.com

stadtTheater Walfischgasse: “C(r)ash”/Rezension: www.mottingers-meinung.at/cornelius-obonya-badet-in-selbstmitleid

„Der Alpenkönig und der Menschenfeind“: www.burgtheater.at/Content.Node2/home/spielplan/event_detailansicht.at.php?eventid=1432679&repertoireView=true

Salzburger Festspiele: www.mottingers-meinung.at/tag/jedermann

„Kommen Sie bitte weiter vor“: www.amalthea.at/index.php?id=10&showBookNr=8452

Trailer: www.youtube.com/watch?v=IMV4wxK_vYI&list=UU5EefdIu_gU5xN5j7MTNUhQ&feature=player_embedded#t=0

Wien, 28. 10. 2013