The Show Must Go On! Jesus Christ Superstar online

April 11, 2020 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Rockopernklassiker goes Heavy Metal

Im Konflikt zwischen Judas und Jesus kommt es zu ernsten Handgreiflichkeiten: Tim Minchin und Ben Forster. Bild: Rudolf Mottinger © Jesus Christ Superstar Live Arena Tour, 2012

Genre-Godfather Andrew Lloyd Webber hat die Verkündigung wahr gemacht, seine berühmtesten Musicals auf dem Youtube-Channel „The Show Must Go On!“ kostenlos zu streamen, zum Wochenende je ein neues, und am Karfreitag war das selbstverständlich eine Bühnenproduktion von „Jesus Christ Superstar“, die nun bis inklusive Ostersonntagabend online ausgestrahlt wird.

Und siehe: Das britische Arena-Spektakel aus dem Jahr 2012, über das nach der Premiere im O2 auch hier zu lesen stand, die Darsteller hätten ihr Kreuz damit, den Dome stimmlich und schauspielerisch zu füllen, hat auf Film gebannt von Regisseur Laurence Connor, er auch beteiligt gewesen an „Les Misérables“ mit Hugh Jackman und Russell Crowe, punkto Intensität und Emotion nur gewonnen.

Connor zeigt eine couragiert zeitgemäße Aufführung, sein Heiliges Land findet ein Äquivalent in der Anonymous-Bewegung, klar, alles ist heut‘ global issue, und das Apostelkollektiv wär‘ jetzt vielleicht eins aus Hacktivisten. Auf Vidiwall und Showtreppe tanzen Guy Fawkes mit Antikriegs-, Antikapitalismus-, Klimademonstranten, Jesus‘ Feuer und Schwert ist nun ein Megaphon, die Szenerie bereit für den Aufstieg eines politisch Aufständischen, der den Status Quo staatlicher Autorität gefährdet. Zwischen Anarchy-Tags und „Rome lies“-Schildern kommt es zur Straßenschlacht. Die „The Twelve“-Revolutionsfaust erhebt sich, der Rockopernklassiker goes Heavy Metal.

Dies dank der musikalischen Leitung von Louise Hunt, die mit der neunköpfigen Band die Ausdrucksstärke der Webber’schen Partitur wohl zu bedienen weiß. Die tragische ménage à trois aus von seiner Aufgabe erschöpftem Jesus, sehnsüchtiger Maria Magdalena und einem leidenschaftlich aufbegehrenden Judas gestalten Ben Forster, Melanie C und Tim Minchin, die Kritik weiland unverhältnismäßig unfreundlich zum Heiland, dessen Sieg in der UK-TV-Talentshow „Superstar“ für mehr als ein schales Witzchen herhalten musste.

Melanie C als Mary Magdalane. Bild: Rudolf Mottinger © Jesus Christ Superstar Live Arena Tour, 2012

Ben Forster und Tim Minchin. Bild: Rudolf Mottinger © Jesus Christ Superstar Live Arena Tour, 2012

Chris Moyles als Showmaster King Herod. Bild: Rudolf Mottinger © Jesus Christ Superstar Live Arena Tour, 2012

Tatsächlich ist Forster ein sinnlich-sanfter Erlöser mit samtiger Stimme und schöner Höhe. Den Auftritt im Tempel schafft er zwar nicht Ted-Neeley-like, dafür ist sein hingerotzter Gethsemane-Song wütend, anklagend und mit fabelhaftem „Alright, I’ll die!“-Hohem-C. Dass dieser Messias mit dem Ex-Spice-Girl als Mary Magdalane eine übers geistliche hinausgehende Liebesbeziehung hat, machen die beiden in ihren Blicken und Gesten deutlich, Melanie C, die sich beseelt die Schminke aus dem Gesicht wischt, und deren smoother Gesang am besten beim melancholischen „I Don’t Know How to Love Him“ zur Geltung kommt. Kaum je konnte eine bei voller Kraft so erotisch wispern.

Das Ereignis des Abends ist allerdings der australische Comedian, Komponist und – wie passend für den Part – Vertreter des internationalen Skeptikernetzwerks CSI Tim Minchin als Judas. Er fährt mit vollem Gefühl in diese Figur ein, die nicht nur nach der Nikos-Kazantzakis-Tim-Rice’schen Lesart vom Menschensohn mit dem Verrat beauftragt wurde, damit Seine Mission gelinge, und sich dennoch erhängen muss. Angetan mit Dreadlocks, Punklidstrich und Palästinensertuch kann er Verstocktheit, wilde Verzweiflung, Revolte – seine Stimme eine Hetfield-Röhre, in Höchstform beim Last Supper, seinTo Think I Admired You“ wie vor die Füße gespuckt, sein „Does He Love Me Too?“ ein Schmerzensschrei.

Ist Judas der Fundi, so Giovanni Spano als Simon Zealotes der Realo, der zum PR-Manager und bei „Christ, You Know I love You“ zum Massenanheizer wird, und mit riesigen Parteiplakaten zum „Believe“ auffordert. Rundum agiert ein großartig diverses Ensemble. Pete Gallagher und Gerard Bentall, der eine mit bedrohlichem Bass, der andere vipernhaft vibrierend, sind als Caiaphas und Annas Eminenzen im grauen Anzug, deren Businessmen-Priester gelangweilt die Financial Times durchblättern, Broadway- und West-End-Star Alexander Hanson wechselt als Pontius Pilate von der Richterrobe zum Trial in den Sportdress, alle drei sind sie süffisante Populisten und Volksverdreher.

Die Jesus-Aktivisten protestieren vorm Jerusalemer Tempel. Bild: Rudolf Mottinger © JCS Live Arena Tour, 2012

I Don’t Want Your Blood Money: Tim Minchin. Bild: Rudolf Mottinger © Jesus Christ Superstar Live Arena Tour, 2012

I Don’t Know How to Love Him: Melanie C und Ben Forster. Bild: Rudolf Mottinger © JCS Live Arena Tour, 2012

Simon Zealotes wird zum PR-Manager des Christus-Kults. Bild: Rudolf Mottinger © JCS Live Arena Tour, 2012

Wobei bezüglich Letzterem Chris Moyles als King Herod den Vogel abschießt. Der hauptberufliche Radio- und Fernsehmoderator macht auf der Bühne ebendieses, er gibt den Statthalter von Roms Gnaden als TV-Spielshow-Host im roten Samtoutfit, dessen Abendunterhaltung nicht nur aus einem Buzzer-Quiz für Jesus besteht, sondern der auch das Publikum zur SMS-Abstimmung aufruft: „Is he the Lord or a fraud? Text to phonenumber …, see you after the break!“ Hinreißend, wie er dem auf den Gamestuhl gefesselten Christus das befohlene „Walk Across My Swimming Pool“ via Einspielung vortrippelt.

Dramatisch dicht und voller Fingerzeige geht’s Golgatha entgegen. „Poor Jerusalem“ ist bevölkert von Obdachlosen und Bettlern, die auf Schwarzweiß-Bildern moderne Metropolen durchwandern, Peter’s Denial findet nicht an einer Wasserstelle in der Wüste statt, sondern an einer brennenden Mülltonne, einer Wärmestelle für gestrandete Existenzen. Im The-Temple-Club gibt’s Poledance und Toy Boys, einen Drag-Teufel und sexy Dessous-Engelchen, die auch den nunmehrigen „Kill-Your-Idol“-Rockstar Judas bei seinem „Jesus Christ Superstar“-Hit umschwärmen werden. BeimCould We Start Again, Please“ legt Maria Magdalena bereits Petrus den Mantel um. Als wüsste sie, dass er der kommende Kirchenmann ist.

Bloody brilliant ist das alles – und wie eine Zuseherin im Live-Chat schrieb: Please, let’s do this every Good Friday! Am Ende, und das kommt – einziger Einwand – zu unwürdig gewimmert, wird das Lamm Gottes von seinen Jüngern vom Kreuz genommen und in einer Prozession weggetragen. Bis morgen. Zur Auferstehung. Dem Urgrund des christlichen Glaubens.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=OGhnaIw20Ho           www.youtube.com/watch?v=_ZCx3WFw_QI

Die ganze Show: www.youtube.com/channel/UCdmPjhKMaXNNeCr1FjuMvag           www.youtube.com/watch?v=GpO4ohqx3os

www.jesuschristsuperstar.com           www.andrewlloydwebber.com

  1. 4. 2020

CopStories-Star Kristina Bangert spielt Operette

Juni 16, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

„Im weißen Rössl“ in Langenlois

Kristina Bangert und Boris Eder als resche Rössl-Wirtin und Oberkellner Leopold. Bild: © Schlossfestspiele Langenlois, Kurt-Michael Westermann

Kristina Bangert und Boris Eder als resche Rössl-Wirtin und Oberkellner Leopold. Bild: © Schlossfestspiele Langenlois, Kurt-Michael Westermann

Als durchsetzungsstarke Vorgesetzte kennt sie das Publikum bereits, ist Kristina Bangert doch in der ORF-Serie „CopStories“ als strenge Chefinspektorin Helga Rauper zu sehen. Im Sommer zeigt sie nun, dass sie außer spielen auch singen kann. Bangert tauscht die Uniform gegen das Dirndl und wird bei den Schlossfestspielen Langenlois zur reschen Rössl-Wirtin Josepha Vogelhuber. Ihr Leopold ist Boris Eder, der zuletzt an der Volksoper im „Bettelstudent“ das Publikum begeisterte (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=19470).

Außerdem zu sehen sind Melanie Wurzer als höhere Tochter Ottilie, Daniela Lehner als lispelndes Klärchen, André Bauer als Berliner Rechtsanwalt Dr. Siedler, Johannes Seilern als brummiger Fabrikant Wilhelm Giesecke oder Harald Baumgartner als der schöne Sigismund. Regie führt Michael Scheidl, der als Prof. Dr. Hinzelmann auch selbst auf der Bühne stehen wird; es dirigiert Intendant Andreas Stoehr. Premiere ist am 21. Juli.

www.schlossfestspiele.at

Wien, 16. 6. 2016

TAG: Die Blendung

April 6, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Groteske Kasperliade mit Spukgestalten

Alexander Braunshör und Jens Claßen Bild: © Anna Stöcher

Einer die Kopfgeburt des anderen: „Büchermensch“ Jens Claßen hat Alexander Braunshörs „Kien“ im Nacken. Bild: © Anna Stöcher

Es beginnt mit einer Elias-Canetti-Anekdote. Ein Kind und der Literaturnobel- preisträger am Züricher See, ein Bücherpaket mit Widmung, und der Mensch, der „Büchermensch“, Schauspieler Jens Claßen, der stolzgeschwellt von dieser Begegnung berichtet, bereitet sich vor zur Lesung. Dies der Auftakt zu Margit Mezgolichs Inszenierung von „Die Blendung“ im TAG, und dies die Rote-Faden-Frage, die sich durch die gruselmärchenhafte Aufführung ziehen wird: Was ist echt? Und was nicht?

„Die Blendung“ ist Canettis literarisches Erstwerk, geschrieben 1931/32 unter dem Eindruck des Schattendorfer Urteils, ein sperriger, schwer zu lesender Roman mit entsprechend wenig Lesern. Die Masse liebt Dichte, nicht Dichtung. Mezgolich hat daraus eine luftige Bühnenfassung gemacht und diese als groteske Kasperliade mit Spukgestalten umgesetzt. Gespielt wird wie im Alt-Wiener Pawlatschentheater, schrill, schräg, skurril, mit Abrakadabra-Bühnentricks und Ah!-und-Oh!-Effekten. Das ist ganz zauberhaft und sehr unterhaltsam und gleichzeitig Anlass zur Anmerkung: ein wenig bedrohlicher und zeitpolitisch bedeutsamer, ein bissel abgründiger hätt’s schon sein dürfen. Canetti setzt seine absurden Situationen und burlesken Momente ein, um auf sein späteres Lebensthema zu kommen. Der Untergang des denkenden Individuums in einer dumpf-dummen Übermacht. Die hirnlosen Handlungen dieser Un-Menge bleiben bei ihm nie folgenlos. Sie münden vielmehr stets im Schrecken, in Fremd- oder Selbstverstümmelung, in Brutalität, in Kannibalismus, im Mord. In Opferung. Canetti hat das Komische auf seine grausame Kehrseite gewendet, und wenn sein Protagonist Kien das Heine-Wort „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen“ spricht, möchte man das fast dystopisch nennen.

Mezgolich lässt diesen Wahnsinn aus und setzt statt dessen auf Irrwitz. Gewitzt hat sie sich einen Rahmen geschaffen, der auch dafür sorgt, dass ihre Bearbeitung nicht zu sehr aus der Prosa fallen muss. „Büchermensch“ Claßen trägt vor – und nach und nach entfaltet sich Kiens Studierstube. Darin tauchen sie auf, die Figuren, sie schlüpfen aus Kabinetten und Kästen und zwischen Sofapölstern hervor, es scheint, als hätte Mezgolich überall im Bühnenbild Schauspieler versteckt, und allesamt sind sie Claßens Kopfgeburten. Oder er die ihre? Das wird sich am Ende noch zeigen müssen, wer wessen Halluzination ist. Jedenfalls beginnt ein bunter Reigen an Schrecklichkeiten. Der „Büchermensch“ sieht sich umzingelt von Buchgestalten, immer mehr wird er in ihre Handlung hineingezogen werden, wird er sich nicht wehren können gegen Missverständnisse und Missliebigkeiten, wird er noch vor der letzten Seite um das Schicksal des Helden wissen und diesen in dieses stürzen sehen, und wird warnen wollen, aber nicht gehört werden, weil das Ende eben das Ende ist, und wird er am Schluss um sein eigenes Wohlergehen bangen müssen. Wie’s einem so geht mit Literatur. Sage noch einer, Lesen sei nicht gefährlich.

Alexander Braunshör und Petra Strasser Bild: © Anna Stöcher

Sprach- vs körperlicher Gewalt: Alexander Braunshör und Petra Strasser. Bild: © Anna Stöcher

Elisabeth Veit, Georg Schubert und Petra Strasser Bild: © Anna Stöcher

Die unheilige Dreifaltgkeit der Therese: Elisabeth Veit, Georg Schubert und Petra Strasser. Bild: © Anna Stöcher

Canetti beschreibt seinen Kien als „größten lebenden Sinologen“, der in einer Vier-Zimmer-Wohnung mit seiner 25.000 Bände umfassenden Bibliothek haust. Auftritt Haushälterin Therese Krumbholz, die den Bibliomanen aus seiner Bücherfestung an den Traualtar lockt und darob mit der Neugestaltung des Heims beginnt. Warum Kien die Krumbholz geheiratet hat? Weil der weltfremde, kauzige Wissenschaftler an das Bildungspotenzial des Menschen glaubte.

Die treue Therese allerdings ist nicht Kopfarbeiterin, sondern eine handfeste Materialistin, und so tobt bald ein erbarmungsloser Kampf um die Vorherrschaft in der gemeinsamen Wohnung und ein bizarrer Streit um ein gefälschtes Testament. Eine Million machen aus der eheüblichen Sprachverwirrung eine üble Wahrheitsverdrehung, und Mezgolich lässt die Haushälterin geldberauscht nur noch in Halbsätzen stammeln. Ihr Sprechen kennzeichnet Canettis Charaktere, er hat ihnen Sprachmasken angelegt. Mit Plattitüden und Allgemeinplätzen versucht Krumbholz Kiens Eloquenz Herr zu werden. Seine Sprachgewalt beantwortet sie mit körperlicher.

Alexander Braunshör und Petra Strasser spielen die hasserfüllten Eheleute ganz fabelhaft, wie alle Figuren sind sie weiß geschminkte Gespenster, er max-schreckig, sie durch die Hilfe von Elisabeth Veit und Georg Schubert bald aufgebläht zur unheiligen Dreifaltigkeit. Strasser bebt förmlich vor ungerechter Empörung, während sie, auch weil sexuell frustriert, dem als Liebesbettchen untauglichen Sofa die Bücher zum Fressen gibt. Bald steht jeder Band mit dem Rücken zur Wand und Braunshör flüchtet sich mit weit aufgerissenen Augen und abwehrenden Händen in eine Stasis. Quasi als Zermürbungstaktik. Der Unbewegliche, angeekelt von allem Analphabetischen, und damit von jedem außer sich selbst, bewegt sich nun gar nicht mehr. Das ist darstellerisch auf komödiantisch höchstem Niveau. Das TAG-Ensemble ist einmal mehr mit großer Spielfreude am Werk; Hausherr Gernot Plass hat eine Truppe um sich versammelt, von der man inmitten dieser gelungenen Saison bald annehmen möchte, dass sie beinah alles kann. Und Mezgolich weiß die Vielfalt der Talente bestens einzusetzen.

Elisabeth Veit, Alexander Braunshör, Georg Schubert, Elisabeth Koller, Marie Pfefferle und Melanie Frauendienst Bild: © Anna Stöcher

Im „idealen Himmel“: Elisabeth Veit als Fischerle, Alexander Braunshör, Georg Schubert, Elisabeth Koller, Marie Pfefferle und Melanie Frauendienst. Bild: © Anna Stöcher

Mit ihnen entwickelt sie Canettis Personal, denn letztlich ist das Bestechende an der „Blendung“ weniger der Plot, als das Panoptikum grauslicher Gestalten. Schubert legt den sadistischen Hausbesorger Pfaff, der Frau und Tochter in den Tod geprügelt hat, als „gmiatlichen“ Wiener Proleten an. Elisabeth Veit macht aus dem einbeinigen, buckligen Kleinkriminellen ein fast feinsinniges Fischerle. Claßen muss zu diesem Zeitpunkt schon als Möbelverkäufer Grob – nomen est omen – herhalten.

Melanie Frauendienst, Bernhard Kobler, Elisabeth Koller, Horst Lenes und Marie Pfefferle sind ein brutaler Pöbel und die ärgsten Elendsgestalten in der Bar „Zum idealen Himmel“. Konfuzius kommt auch vor. Und Kiens Bruder Georg. Und hier entgleitet Claßen die Geschichte. Wie Margit Mezgolich. „Die Blendung“, das Buch, ist fort – und ohne Vorlage … beginnt das Kapitel „Welt im Kopf“. Claßen und Braunshör im Infight über die Unsäglichkeiten, die männliche Geistesgrößen über die Frau gesagt haben. Von Buddha bis Mohammed, von Platon bis Goethe. Ein akademischer Überbau, der die bis dato durch nichts ins Kopflastige zielende Inszenierung unnötig überfrachtet. Es erschließt sich nicht, warum er an diese Stelle gequetscht wurde. Ansonsten nämlich geht alles seinen Gang. Der Bibliotheksbrand bricht aus und der „Büchermensch“ kauft Therese ein Milchgeschäft. Er kann nicht anders, er kommt nämlich sonst aus dem Stück nicht raus.

www.dastag.at

Trailer: vimeo.com/157658713

Margit Mezgolich im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=17836

Wien, 6. 4. 2016

Das TAG: Margit Mezgolich im Gespräch

Februar 26, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

 Sie inszeniert Elias Canettis Erstling „Die Blendung“

Margit Mezgolich. Bild: © Anna Stöcher

Margit Mezgolich. Bild: © Anna Stöcher

Margit Mezgolich, von 2009 bis 2013 künstlerische Leiterin des TAG, kehrt nun mit ihrer jüngsten Regiearbeit ans Haus zurück. Sie zeigt in eigener Bühnenfassung Canettis „Die Blendung“. In seinem Erstlingswerk beschreibt der spätere Literaturnobelpreisträger die Geschichte eines weltabgewandten Privatgelehrten Peter Kien, der von seiner geldgierigen Umwelt ausgenützt, betrogen und schließlich zerstört wird. Kien widmet sein Leben dem Sammeln von Büchern. In seiner riesigen Bibliothek führt er ein groteskes Höhlenleben, eigensinnig und verschroben. Eingeengt auf seine Bibliomanie heiratet er seine ungebildete Haushälterin Therese. Was in die Katastrophe führen muss.

Das Fesselnde an der „Blendung“ ist weniger der Plot, als Canettis über die Maßen grotesken Figuren. Als da wären: ein buckliger Zwerg und Zuhälter, der sich für ein Schachgenie hält, ein sadistischer Hausbesorger, genannt der rote Kater, oder Kiens aus Paris anreisender Psychiater-Bruder Georg. Diese und mehr schräge Vogel spielen Alexander Braunshör, Jens Claßen, Georg Schubert, Petra Strasser und Elisabeth Veit. Uraufführung ist am 5. März. Margit Mezgolich im Gespräch:

MM: Ich habe gerade den beginnenden Bühnenaufbau gesehen. Sie haben große Dinge vor.

Margit Mezgolich: Es wird eine sehr überraschend bespielbare Bühne, ein verspielt albtraumhafter Raum, in dem sich die Wände bewegen lassen und die Schauspieler aus verschiedensten Klappen kommen können. Es wird eine Zauberbühne.

MM: Warum zeigen Sie dem Publikum 2016 „Die Blendung“? Was hat der Stoff gerade heute zu sagen?

Mezgolich: Dieses Buch hat uns immer etwas zu sagen und wird uns immer verstören. Meine persönliche Geschichte damit ist ein Immer-wieder-Begegnen. Ich habe es zum ersten Mal mit zwanzig gelesen, und vor allem die Figuren und das unglaubliche Wienerische haben sich seltsam eingeprägt. Ich bin aber gescheitert, ich habe es nicht fertig gelesen. Dann habe ich es mit Mitte dreißig wieder gelesen – diesmal bis zum Ende. Es gibt für mich kein verstörenderes Buch über menschliche Kommunikation und deren Möglichkeit und Unmöglichkeit. Es gibt nichts, das mich mehr aufwühlt, als die Figur Peter Kien, der das Wesen des Menschen studieren und den Geist sämtlicher Bücher einsaugen möchte, weil er eine Gebrauchsanweisung für unsere Zeit sucht. Und dass er im wahrsten Sinne des Wortes daran verbrennt, und wie dieser gebildete, naive Mensch vom wütenden Mob überrannt wird, das ist für mich sehr faszinierend.

MM: Ist es in diesem Sinne ein politisches Buch? Canetti schrieb es unter der Wirkung des Schattendorfer Urteils und des Justizpalastbrandes. Es gibt von ihm ein Zitat: „Die Welt war zerfallen, und nur wenn man den Mut hatte, sie in ihrer Zerfallenheit zu zeigen, war es noch möglich, eine wahrhafte Vorstellung von ihr zu geben.“

Mezgolich: Die Atmosphäre, die das Buch widerspiegelt, hat für mich Parallelen zu dem, was wir jetzt erleben. Es ist die Formierung eines Mobs, die „Blendung“ der Masse, auf die er hinweist. Im Text sagt er sinngemäß, den sogenannten Lebenskampf führen wir Menschen nicht weniger um Hunger und Liebe, als um die Tötung der Masse in uns. Noch zerfällt die Masse relativ schnell, aber einmal wird sie von einem Land ausgehend so stark werden, dass ihr nichts mehr widerstehen kann. Das ist für mich spannend: Wie sich Kräfte formieren. Wie man die Welt erlebt und wovor man dabei Angst bekommt. Und wie man mit dieser Angst umgeht, also dass sich Menschen zusammenrotten und formieren, statt dass sie versuchen, ihrer Angst auf den Grund zu gehen. Da gibt es derzeit erschreckende Dynamiken.

MM: „Die Blendung“ hat im Gegensatz zu anderen Canetti-Texten keinen literarischen Siegeszug angetreten. Ist er dem Wesen der Menschen damit zu nahe getreten, so dass es kaum jemand lesen möchte?

Mezgolich: Mag sein. Es ist aber auch ein sehr forderndes Buch, es ist sehr kompliziert, weil es immer wieder redundiert. Es hat aber sehr theatertaugliche Figuren, sehr viel Humor und deswegen war es für mich das geeignetste Werk von Canetti, um es zu dramatisieren.

MM: Es ist eine Groteske mit grotesken Figuren, teilweise sehr brutal. Ein Panoptikum der Gesellschaft?

Mezgolich: Ich habe mir viele Gedanken darüber gemacht, wie ich die Figuren aus dem Roman heraushole. Ich habe lange überlegt, wer heute ein Kien wäre. Ich habe im Bekanntenkreis einen, der sich den Luxus nimmt, Gelehrter zu sein. Er hat nicht viel Geld, aber wenn er welches hat, investiert er es in Bücher. Er verbringt die Zeit damit zu studieren – nur er, sein Kopf und seine immer größer werdende Bibliothek. Er ist eine Art Vorbild. Er erdet das Buch sozusagen. Ich habe also eine Rahmenhandlung erfunden, in der ein „Büchermensch“, wie Canetti seinen Kien ursprünglich nannte, den Zuschauern „Die Blendung“ nahebringt.

MM: Canettis Werk lebt von seinen grotesken Figuren. Das TAG-Ensemble scheint sehr geeignet, diese zu evozieren. Vor allen Dingen auch hinsichtlich Canettis in „Masse und Macht“ beschriebener „kannibalistischer“ Komik, also seiner Art, die grausame Kehrseite des Lachens sichtbar machen zu wollen.

Mezgolich: Ich war ja hier bis 2013 selbst Leitung und dachte damals schon, „Die Blendung“ wär‘ was. Es hat sich dann aus Zeitgründen nicht ergeben. Umso schöner ist es, es nun zu tun. Die Grausamkeit im Humor, von der Sie sprechen, ist permanent zugegen. Doch das ist etwas, das ich sehr mag, das für mich Grundvoraussetzung in einem Text ist: Dass das Lachen eine dunkle Seite hat. Die größte Herausforderung bei der Dramatisierung war allerdings, dass Canetti dem Betrachter keine Identifikationsfigur bietet, dass viele Motive viel zu schnell klar sind. Auf Seite 10 denkt man sich schon, okay, der ist wahnsinnig, was geht mich der an?

MM: Ich schreib‘ das genau so!

Mezgolich: Es stimmt ja auch, man geht als Leser bald auf Distanz. Ich habe versucht, zu zeigen, wie sehnsuchtsgetrieben die Charaktere eigentlich sind. Die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben, die Sehnsucht nach einem ehrlichen, menschlichen Kontakt, das interessiert mich, das war mir wichtig herauszufiltern. Ich versuche die Figuren liebevoller zu zeichnen als Herr Canetti es getan hat, sodass man für sie Empathie aufbringen kann. Ich hoffe, dass das aufgeht.

MM: Ein Schauspieler hat einmal über seine Rollen gesagt: Ich kann am größten Arschloch noch etwas Liebenswertes finden.

Mezgolich: Genau so geht’s mir auch. Im letzten Teil des Buches treffen einander die Brüder Georg und Peter Kien und schimpfen über die Frauen und suchen bei allen großen Dichtern und Denkern, von Buddha bis Thomas von Aquin, nach Argumenten, die den Unwert der Frauen dokumentieren. Das geht ganz, ganz lange und ich dachte, was ist denn das für eine Scheiße? Das hat mich so wahnsinnig geärgert und ich konnte nichts damit anfangen; aber jetzt im Arbeiten bin ich froh über diesen Abschnitt, weil er zeigt, wie verankert frauenfeindliches Denken auch in unserer scheinbar feministisch revolutionieren Kultur ist. Die Passage führt einem zu Bewusstsein, wie kurz die Zeitspanne ist, in der wir Frauen uns gleichwertig fühlen. Ich bin in den 1970er-Jahren geboren und für meine Schwester und mich war selbstverständlich, dass uns die Welt gleichberechtigt offensteht. Aber wie zerbrechlich ist dieses Gefühl …

MM: Lassen Sie uns über Sprache sprechen. Sie haben den Roman dramatisiert …

Mezgolich: Und ich durfte so gut wie nichts ändern. Das war die Auflage des Verlages, die ich aber auch verstehen kann, weil die Sprache sehr schön ist, und es ein gewisses formales Konzept gibt.

MM: Die sogenannten Sprachmasken, Sprachfetzen, Halbsätze, ein „Gestammel“, mit dem Canetti die jeweilige Figur schon sehr genau charakterisiert.

Mezgolich: Genau. Es ist einer der theatertauglichsten Romane, der mir je untergekommen ist. Ich habe schon einige dramatisiert, aber der ist wow! Man merkt den Dramatiker Canetti, der Text ist sehr fleischlich, er ist wie fürs Theater geschrieben. Einen Roman zu dramatisieren ist für mich immer schon sehr an die Umsetzung gekoppelt, das Ganze ist ein dramaturgisches Gesamtkonzept. Man muss wie ein Trüffelschwein durch den Text gehen und sich überlegen, was sich für die Bühne eignet. Ich nenne den Vorgang daher lieber „für die Bühne einrichten“.

MM: Das TAG fährt immer intensiver den Weg der Uraufführungen und literarischen Bearbeitungen. Diesen Weg haben Sie als Gründungsmitglied des Hauses schon mitbeschrieben?

Mezgolich: Diese Neuinterpretation klassischer Stoffe war meine Idee, weil ich mich als künstlerische Leitung gefragt habe, was in Wien fehlt. Das Haus war damals noch nicht positioniert, meine Hauptaufgabe war also Profilierung. Wir begannen mit der Neuinterpretation bekannter Stoffe, jetzt hat es sich auf klassische Stoffe zugespitzt. Das ist etwas, wo das TAG in Wien seine Nische gefunden hat, und auch unter Gernot Plass sehr erfolgreich und gut besucht ist.

MM: Sie selbst haben 2013 als Intendantin das Herrenseetheater in Litschau übernommen. Eine wunderbare Spielwiese. Bühne und Bad.

Mezgolich: Es ist großartig. Der Ort ist wunderbar, ich verbringe dort sehr gerne meine Sommer. Ich habe dort „Von Mäusen und Menschen“ gemacht, dann selber etwas geschrieben: „Erben für Anfänger“ und im Vorjahr die Komödie „Der Aufsatz“. Heuer habe ich einen Text von Theresia Walser, da freue ich mich sehr, dass ich den zur Erstaufführung bekommen habe.

MM: Ich habe hier notiert – „Herrinnenseetheater“.

Mezgolich (sie lacht): Das Walser-Stück heißt „Herrinnen“ und ist unglaublich toll gebaut. Es soll der Preis für die „beste weibliche Lebensleistung“ vergeben werden und auf der Hinterbühne warten fünf sehr unterschiedliche Frauen auf ihren Auftritt vor dem Präsidenten. Sie tauschen Frauenbilder und Lebenskonstrukte aus und kurz bevor man glaubt, jetzt wird’s kampffeministisch, bricht es in eine herrlich absurde, slapstickhafte Komödie auf. Die fünf Frauen – darunter eine transgender Technikerin – proben nämlich nur ein schlechtes Stück. Es geht um: Wer sind wir und was wollen wir im Leben?

MM: Apropos, was wollen Sie? Im konkreten Fall als Theatermacherin?

Mezgolich: Ich möchte einem Publikum die Gleichzeitigkeit von Humor und einer ganz großen Schwere, oder Traurigkeit, nahebringen, weil ich glaube, dass das Leben beides ist. Das auszuleuchten interessiert mich – das Absurde an Situationen und in Figuren. Das Publikum soll weinen, lachen, mitdenken. Das wäre etwas, das ich mir wünsche.

dastag.at

www.herrenseetheater.at

Wien, 26. 2. 2016

Theater zum Fürchten: Sippschaft

Februar 7, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Gespielt wird teils mit Gebärdensprache

Thomas Marchart und Melanie Flicker Bild: Bettina Frenzel

Für hörendes Publikum gab es Wanditel: Thomas Marchart und Melanie Flicker spielen in Gebärdensprache. Bild: Bettina Frenzel

Der Idealfall wäre, man könnte die Ohren wie die Augen auf- und zumachen. Manches ließe sich so nicht hören. Wenn aber der Idealfall normal ist, fragt sich, als wie normal die Gesellschaft das empfindet … Das Theater zum Fürchten zeigt in der Wiener Scala Nina Raines „Sippschaft“. Babett Arens hat die Familienaufstellung inszeniert. Das besondere an dieser Arbeit ist, dass sie teilweise in Gebärdensprache gespielt wird. Gebärdentrainerin Magdalena Schramek hat zwei der Darsteller auf diese Aufgabe vorbereitet, die mit ganz erstaunlichem Können gemeistert wird. Für hörendes wie gehörloses Publikum gibt es Über- beziehungsweise Wandtitel, um die jeweils andere Sprache zu verstehen. Die Aufführung hat, so zeigen die Reaktionen, beim Publikum den Nerv getroffen. Mehr von dieser eigentlich einfach umzusetzenden Art wäre wünschenswert.

Raine, Shootingstar des Londoner Westend, Kind von Craig Raine, Patenkind von Julian Barnes, hat für ihr Stück das eigene Nest porträtiert. Einer ihrer jüngeren Brüder ist Legastheniker, unter lauter Literaten ein schweres Los, und so macht die Dramatikerin aus ihrem Protagonisten Billy einen Gehörlosen. Billys Familie ist speziell. In diesem Haushalt, in dem Sprache und Stimme das Thema sind, Vater, Mutter, Bruder schreiben, die Schwester singt, gibt es kein Verstehen. Man gibt sich als alternativ-intellektueller Bobo-Kreis, doch hinter der Toleranz-Fassade schwelt die Mehrheitstyrannei. Um deftige Sprüche ist man nicht verlegen, die „Sippschaft“ ist voller Misstöne.

Clemens Aap Lindenberg spielt einen herrlich zynischen, grantelnden Vater Christopher. Es fragt sich ernsthaft, was diesem Mann das Leben so versauert hat, Marion Rottenhofer ist als Beth ganz „Hotel Mama“, sie ist die Meisterin der übergriffigen Liebe. Anna Sagaischek und Eric Lingens leiden als Billys Geschwister Ruth und Daniel am innerfamiliären Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Sie schwanken zwischen Eifersucht und Erfolgsdruck, werden an sie doch Anforderungen gestellt wie an den kleinen Bruder nicht. Dass Daniel auch noch Stimmen im Kopf hört, ist ein wenig too much. Raine schießt, eine Jugendsünde, mit dem einen oder anderen Handlungsstrang übers Ziel hinaus; und auch Arens führt auf so manche unverständlich falsche Fährte, Stichwort: warum eine Waffe zeigen, wenn mit dieser dann nichts angefangen wird? Insgesamt präsentiert man sich elitär-überheblich. Wer nicht weiß, wer Schostakowitsch ist, dieser Vorwurf wird später erhoben werden, hat in diesem Kreis nichts zu suchen. Die größte gegenseitige Schmach ist die Frage: „Geht’s noch konventioneller?“

Für Billy allerdings wurde eine heile Welt kreiert. Da er die Lautstärke des ständigen Krachs sowieso nicht mitkriegt, wird seine Frage „Worüber redet ihr?“ geflissentlich übergangen. Billy spricht nämlich und liest von den Lippen. Man wollte ihn auf ein „normales“ Leben vorbereiten. Vor allem der Vater steht auf dem Standpunkt, dass nicht taub ist, wer nicht wie ein Gehörloser erzogen wird. Und dann lernt Billy Sylvia kennen, die sich mit Gebärdensprache unterhält. Und plötzlich sieht er sich als Außenseiter hier wie da, und plötzlich hat die ach so aufgeklärte Familie Berührungsängste. Die Sprech-Fundis finden sich in einer für sie fremden Welt wieder. Das muss natürlich zu Konflikten führen.

Marcus Ganser hat für diese Geschichte eine ganze Wohnung auf die Bühne gestellt. Eine Anti-Puppenstube von Küchendurchreiche, Essplatz und Wohnzimmer bis Wintergarten. In diesem Biotop gefällt Thomas Marchart als Billy. Wie er scheinbar in sich ruhend glücklich ist, doch sein ferner Blick nicht mehr darstellt als sein Ausgeschlossensein, ist klasse. Seine Angepasstheit ist letztlich Selbstaufgabe. Das erkennt er im Zusammentreffen mit Sylvia, gut gespielt von Melanie Flicker. Wie sie über Gehörlosen-Hierarchien in Selbsthilfevereinen und verständnisvoll vorgetragene Vorurteile spricht, das kam bei den Zuschauern bestens an. Da wussten etliche, wovon auf der Bühne die Rede war. Jedenfalls muss Billys Familie auch erst einmal ihren seltsamen Humor runterschlucken und eine peinliche Befangenheit überwinden, damit sie sich der neuen Situation nähern kann. Denn Sylvia hilft Billy auf eigenen Beinen zu stehen. Das Nesthäkchen sucht sich Job und Wohnung und an seiner neuen Selbstständigkeit drohen die anderen Familienmitglieder zu zerbrechen. Seltsame Abhängigkeitsverhältnisse treten zu Tage … So geht’s in „Sippschaft“ um die allgemeingültigen Themen Verlust und Verlassenwerden und wie dieses ausgleichen.

Am Ende lautet das Fazit, denn auch Sylvia ist nicht uneingeschränkt einverstanden mit dem Dogma ihrer Eltern, nicht sprechen zu wollen, man nehme the best of both worlds. Wie bei allem im Leben. Nina Raines Coming-of-Age-Tragikomödie überzeugt mit dieser Message, das Theater zum Fürchten mit seiner Unternehmung, Stücke auch für Gehörlose zu spielen, und Babett Arens‘ Abend mit sympathischen Schauspielern.

www.theaterzumfuerchten.at

Wien, 7. 2. 2016