MAMUZ: Asparn und Mistelbach öffnen am 1. Juni

Mai 28, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Große Sonderschau über die Kultur der Maya

Sonderausstellung „Maya“ im MAMUZ Museum Mistelbach. Bild: Alpkhan Photography/Shutterstock.com, THPStock/Shutterstock.com

Das MAMUZ Museum Mistelbach zeigt ab 1. Juni eine Ausstellung zur Kultur der Maya und liefert damit erstmals seit 25 Jahren eine umfassende Maya-Schau in Österreich. Die Schau wirft einen eingehenden Blick auf deren Lebensraum sowohl im tropischen Tiefland als auch im vulkanischen Hochland Guatemalas. Wie gelang es den Menschen trotz der schwierigen klimatischen Bedingungen eine so große Bevölkerung zu ernähren, ohne ihre Umwelt zu zerstören?

In welcher Weise organisierten sie ihr Zusammenleben? Und was waren die Ursachen für den Untergang der frühen Hochkultur? Die Beschäftigung mit den Maya führt zu erstaunlich aktuellen Fragestellungen. Präsentiert werden 200 Originalexponate aus Guatemala, die spannende Einblicke in die reichhaltige Geschichte der Maya ermöglichen. Tief im Dschungel Zentralamerikas erheben sich bis heute die imposanten, steinernen Tempelpyramiden und Paläste der faszinierenden Kultur der Maya. In ihrer Blütezeit zwischen 250 und 900 n. Chr. bildeten sie eine mächtige Hochkultur, deren kulturelle Errungenschaften heute noch in Staunen versetzen:

Sie erfanden einen präzisen Kalender, lernten mit dem tropischen Ökosystem in Einklang zu leben und entwickelten eine komplexe Hieroglyphenschrift. Ihre Siedlungsgebiete in den Regenwäldern von Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador waren damals die Regionen mit der weltweit größten Bevölkerungsdichte. Lange Zeit war die einst mächtigste Kultur des amerikanischen Kontinents im europäischen Bewusstsein in Vergessenheit geraten.

Erst in den letzten Jahrzehnten haben Archäologen, Historiker und Schriftforscher die Maya wiederentdeckt und sind auf erstaunliche Dinge gestoßen. „Durch den Einsatz neuer Technologien und die Entzifferung der Maya-Schrift hat sich unser Verständnis der Maya-Kultur in den letzten Jahren radikal verändert. Jetzt erkennen wir, dass die Maya nicht nur die bedeutendste Zivilisation des Alten Amerika waren, sondern verstehen auch, wie die Menschen lebten, träumten und dachten“, erklärt Kurator Nikolai Grube.

Geschnitzte Jadeplakette zeigt, wie ein Maya-Herrscher ausgesehen hätte, Nebaj, Quiché, Guatemala, Spätklassik 600 bis 900 n. Chr. Bild: Jorge Pérez de Lara Elías

Lebensgroße Jademaske, wahrscheinlich aus der sog. Monte Alto-Kultur, La Democracia, Escuintla, Guatemala, Mittlere Vorklassik 800 bis 250 v. Chr. Bild: Jorge Pérez de Lara Elías

Ohrschmuck aus dunkelgrüner Jade mit Darstellung der obersten Vogelgottheit. Wahrscheinlich aus Río Azul, Guatemala, Spätklassik 600 bis 900 n. Chr. Bild: Jorge Pérez de Lara Elías

Räuchergefäß aus Keramik scheint einen alten Gott darzustellen, Kaminaljuyu, Guatemala, Frühklassik 250 bis 600 n. Chr. Bild: Jorge Pérez de Lara Elías

Die Sonderausstellung „Maya“ im MAMUZ präsentiert die neuesten Forschungserkenntnisse zur Landwirtschaft, Religion, gesellschaftlichen Ordnung und zu den politischen Beziehungen der Maya-Königtümer. Die Besucher erfahren, wie die Menschen in den Städten, auf dem Land und an den prächtigen Königshöfen lebten. Darüber hinaus wird deutlich gemacht, dass die Maya-Kultur nach dem Zusammenbruch der großen Maya-Städte, den klimatischen Herausforderungen und der Ankunft der spanischen Invasoren keinesfalls unterging, sondern – wenn auch in einer weitaus geringeren Zahl – weiterhin bestehen blieb und sich auf andere Gebiete Mesoamerikas verlagerte. Denn wie kaum eine andere Gesellschaft haben es die Maya verstanden, sich immer wieder an neue Lebensumstände anzupassen.

„Die Ausstellung führt uns auf eine spannende Entdeckungsreise nach Amerika und zeigt uns eine komplexe Gesellschaft, die in ihrer Entwicklung durchaus vergleichbar mit den frühen Hochkulturen in Europa ist. Mit scheinbar einfachen Mitteln gelang es den Maya, eine hochentwickelte Zivilisation mitten im tropischen Regenwald aufzubauen. Es ist erstaunlich, wie eine Gesellschaft über mehr als tausend Jahre in einem so fragilen Ökosystem leben konnte“, so Franz Pieler, wissenschaftlicher Leiter des MAMUZ.

Die Schau umfasst 200 Originalobjekte aus Guatemala, die mehrheitlich noch nie in Europa zu sehen waren. Etwa die Hälfte der Objektsammlung wird überhaupt erstmals weltweit in einer Ausstellung gezeigt. Ein besonderes Highlight bildet die noch nie dagewesene Vielzahl an Exponaten aus Jade in einer europäischen Maya-Schau, darunter Jadeschmuckstücke, die Aufschluss über die prunkvolle Kleidung der Maya-Herrscher geben. Stelen mit Hieroglypheninschriften erzählen von der Weltauffassung der Maya und werden den Besucher mit Übersetzungen präsentiert. Die Exponate sind allesamt Leihgaben aus der Sammlung des Museo Nacional de Arqueología y Etnología, dem Nationalmuseum für Archäologie und Ethnologie von Guatemala.

Eine Besonderheit der Ausstellung ist, dass die rechtmäßige Herkunft aller Ausstellungstücke gesichert ist. Die Objekte stammen ausnahmslos von legal durchgeführten, archäologischen Grabungen in Guatemala. Neben den Originalobjekten enthält die Ausstellung Medienstationen, Fotoshows, Artefakte zum Anfassen und Spielstationen, sodass die Maya-Kultur mit allen Sinnen erlebt werden kann.

Archäologisches Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn/Zaya. Bild: Atelier Olschinsky

„Von der Urgeschichte bis ins Mittelalter“ im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya. Bild: Atelier Olschinsky

„Von der Urgeschichte bis ins Mittelalter“ im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya. Bild: Atelier Olschinsky

Archäologisches Freigelände des MAMUZ Schloss Asparn/Zaya. Bild: Atelier Olschinsky

MAMUZ Schloss Asparn/Zaya: Achtung Baustelle. Bauen und Wohnen im Mittelalter

„Von der Urgeschichte bis ins Mittelalter“ führt die Dauerausstellung im Schloss Asparn/Zaya. Die Schau gibt einen umfassenden Einblick in die Urgeschichte, Frühgeschichte und Mittelalterarchäologie. Durch einzigartige Originalexponate sowie einem Forscherlabor zum Mitmachen wird die Ausstellung zu einem Zentrum für Archäologie und Forschung in Mitteleuropa. Das Besondere ist die außergewöhnliche Gestaltung, die mit ihren interaktiven Stationen für viel Abwechslung sorgt, ganz nach dem Motto: entdecken, staunen, ausprobieren. 40.000 Jahre menschlicher Entwicklung lassen sich im Schloss Asparn/Zaya anhand von Originalen sowie im angrenzenden archäologischen Freigelände mit den historischen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden nachvollziehen.

Wie wurden im Mittelalter einfache Häuser und große Burgen gebaut? Welche Mittel standen dafür zur Verfügung? Und welche Funktion hatte welches Gebäude? Die aktuelle Ausstellung „Achtung Baustelle. Bauen und Wohnen im Mittelalter“ blickt ab Pfingstmontag den Baumeistern des Mittelalters über die Schulter und zeigt die Lebenswelten in Dörfern, Städten, Burgen und Klöstern im Grenzraum Niederösterreich und Tschechien auf: Die Landwirtschaft und der damalige Speiseplan werden ebenso beleuchtet wie Haushalt und Handel. Neu dazu wurde im archäologischen Freigelände eine frühmittelalterliche Kirche errichtet.

Jedes erste Wochenende im Monat gibt es im Rahmen des Museumsbesuchs von 10 bis 17 Uhr ein historisches Aktivprogramm zum Mitmachen: 6./7. Juni: Das Blasrohr – vom historischen Jagdinstrument zum neuzeitlichen Sportgerät.  4./5. Juli – Speer werfen. 1./2. August – Bogenschießen. 5./6. September – Steinschleudern. 3./4. Oktober – Brot backen. 7./8. November – Räuchern mit heimischen Kräutern. Das Hunnenfest findet heuer am 29./30. August statt, am 10. Oktober die Nacht der keltischen Feuer.

www.mamuz.at

28. 5. 2020

Hunnenfest, 29. /30. August 2020 im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya. Bild: MAMUZ

„Von der Urgeschichte bis ins Mittelalter“ im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya. Bild: Atelier Olschinsky

Nacht der keltischen Feuer: 10. Oktober 2020 im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya. Bild: MAMUZ

Hunnenfest: 29./30. August 2020 im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya. Bild: MAMUZ

 

Die Vereinigten Bühnen Wien im Live-Onlinekonzert

Mai 1, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Stars singen Hits von „Cats“ bis „Elisabeth“

Carin Filipčić, Oedo Kuipers, Milica Jovanović, Thomas Borchert, Maya Hakvoort, Lukas Perman, Drew Sarich, Mark Seibert und Dominik Hees. Bild: Bild: © Fidelio

Am 3. Mai präsentieren ORF III, Ö1 und die Klassikplattform fidelio ab 20.15 Uhr den dritten der hochkarätigen Musik- abende live aus dem Großen Sendesaal des RadioKultur- hauses. Nach dem fulminanten Auftakt mit Operngrößen wie Anna Netrebko, Jonas Kaufmann und Juan Diego Flórez und der Fortsetzung mit der Volksoper laden nun die Stars der Vereinigten Bühnen Wien auf eine Reise durch die Welt der Musicals.

Den Abend eröffnet Lukas Perman, der auch durch denselben führt, mit der Nummer „A bisserl für’s Hirn“ aus „Mozart!“. Carin Filipčić, die erst kürzlich noch als Grizabella in „Cats“ auf der Bühne stand und im Live-Konzert den Welthit „Erinnerung“ zum Besten geben wird, singt mit „Gold von den Sternen“ außerdem eine der wohl beliebtesten Balladen des Musicals „Mozart!“. Per Videogruß meldet sich Oedo Kuipers mit der bewegenden „Mozart!“-Melodie „Warum kannst du mich nicht lieben?“. Stimmgewalt braucht es für den Titelsong „Rebecca“ aus dem gleichnamigen Musical – dargeboten von Musical-Ikone Maya Hakvoort, die auch in ihrer Paraderolle als Kaiserin in „Elisabeth“ mit den Liedern „Ich gehör’ nur mir“ und „Nichts!“ glänzen wird. Drew Sarich präsentiert aus derselben Produktion in der Rolle des Luigi Lucheni „Kitsch!“ sowie in der Partie des Tods „Der letzte Tanz“.

Gänsehaut-Momente aus dem internationalen Musical-Erfolg „Tanz der Vampire“ garantieren „Die unstillbare Gier“ des Grafen von Krolock – ebenfalls gesungen von Drew Sarich – und die romantische Ballade „Für Sarah“, dargeboten von Lukas Perman. Aus dem VBW-Musical „Schikaneder“ präsentieren Milica Jovanović und Dominik Hees die Hymne des Musicals „Träum groß“. Mark Seibert schickt einen musikalischen Gruß mit der Nummer „Letzter Vorhang“. Jovanović und Hees singen außerdem „Liebe endet nie“ aus „Der Besuch der alten Dame“ und aus „Don Camillo und Peppone“ das Duett „Du und ich auf einer Insel“. Und auch Musical-Star Thomas Borchert sendet mit „36 Häuser“ in der Rolle des Don Camillo eine musikalische Videobotschaft. Zum Finale darf man sich auf die beliebtesten Hits aus „I am from Austria“ freuen – dargeboten von Lukas Perman und Carin Filipčić. Außerdem gibt es internationale Grüße aus Korea, Japan und Paris.

Konzert-Conférencier Lukas Perman und Iréna Flury in „I am from Austria“. Bild: Deen van Meer/VBW

The one and only „Elisabeth“ Maya Hakvoort. Bild: © Schloss Schönbrunn, Wien. Moritz Schell/VBW

Dominik Hees als rebellischer „Cats“-Rockstar Rum Tum Tugger. Bild: Deen van Meer/VBW

Milica Jovanovic und Mark Seibert als Eleonore und Emanuel „Schikaneder“. Bild: Rafaela Proell/VBW

Anschließend an das Live-Konzert bringt ORF III eine Aufzeichnung von „I am from Austria“. Gezeigt wird die Original-Inszenierung von Andreas Gergen, die 2017 ihre Weltpremiere im Raimund Theater hatte. Die Autoren Titus Hoffmann und VBW-Musical-Intendant Christian Struppeck kreierten aus mehr als 20 Hits von Rainhard Fendrich, darunter „Macho Macho“, „Es lebe der Sport“, „Strada del Sole“ und natürlich „I am from Austria“, ein fröhlich-freches Stück voller Romantik, Überraschungen und Situationskomik. In den Hauptrollen sind Iréna Flury, Lukas Perman, Elisabeth Engstler, Andreas Steppan, Dolores Schmidinger und Martin Bermoser zu sehen.

Für September ist dann „Miss Saigon“ mit Newcomerin Vanessa Heinz und VBW-„Mozart“ Oedo Kuipers als große Wiedereröffnungs-Premiere im Raimund Theater geplant. Trailer: www.youtube.com/watch?v=YLA-byCZT4A

www.musicalvienna.at           tv.orf.at/orfdrei           www.myfidelio.at           TVthek.ORF.at

1. 5. 2020

Theater zum Fürchten: Tannöd

November 29, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Publikum ist Augenzeuge und Ermittler

Bernie Feit, Johanna Withalm, Carina Thesak, Hermann J. Kogler, Wolfgang Lesky Bild: Bettina Frenzel

Bernie Feit, Johanna Withalm, Carina Thesak, Hermann J. Kogler, Wolfgang Lesky. Bild: Bettina Frenzel

Die Leitern reichen bis in den Himmel, aber bis zum Herrgott wird trotzdem keiner gelangen. Mit dem von ihm gestalteten Raum gibt Regisseur Rüdiger Hentzschel die Richtlinie des Abends vor. Im dichten Wald der Sprossen-Wände ist kein hoch-, weiter- oder vorbeikommen. Man muss durch Neid und Niedertracht und Vernaderei. Und die Fürbitten bleiben ungehörte Anträge. Das Theater zum Fürchten zeigt in seiner Wiener Spielstätte, der Scala, „Tannöd“. Landkrimi live, sozusagen. Maya Fanke und Doris Happl haben den mit dem Glauser-Preis ausgezeichneten Bestseller von Andrea Maria Schenkel dramatisiert.

Der basiert auf einer wahren Geschichte: Auf einem Bauernhof in Oberbayern wurden sechs Menschen ermordet gefunden, das Austragsbauernehepaar, die Kinder, die Magd. Bis heute wurde kein Täter ausgeforscht. Schenkel verlegte die Handlung von 1922 nach 1955. Die NS-Vergangenheit einiger Dorfbewohner kann so eine Rolle spielen. Hentzschel zeigt mit acht Schauspielern eine ganze Dorfgemeinschaft. Zeigt Engstirnigkeit und Kleingeistigkeit, „die geistige Enge ist fast körperlich zu spüren“, heißt es an einer Stelle, und das Schicksal der armen Leute.

Verwandte, Bekannte, Nachbarn, ein Handwerker auf Montage, eine polnisch-jüdische Zwangsarbeiterin, die sich erhängt hat, die Pfarrersköchin. Keine Freunde, denn der Danner und die Dannerin hatten keine. Die in der Einschicht waren einsilbige Eigenbrödler. Die Dörfler machen ihre Aussagen, teils mit selbstmitleidigen Tränen in den Augen, der hat etwas gesehen, der auch, wenn’s nur wen zum Ausrichten gibt … Der Dorftratsch rotiert. Die Aufregung ist so groß wie das Mitleid gering. So reihen sich Beobachtungen und Erinnerungen aneinander; katholische Spukgeschichten, wie die von der wilden Jagd, Gerüchte und Hörensagen verschränken sich ineinander. Was dem einen an einem Menschen „brav“ ist, nennt ein anderer „blöd“. Aus dem Mosaik ergibt sich allmählich ein Gesamtbild. Auch die Opfer kommen zu Wort. Und der Täter, noch als solcher unerkannt. Am liebsten reden die Leut‘ eh über sich selber. Am besten wird Gift und Galle gespuckt. Manche Szenen sind choreografiert wie aufgespielt zu einem Landler. Das Publikum ist Augenzeuge und Ermittler, verliert sich in falschen Verdächtigungen und unrichtigen Vermutungen. Die Schreckspirale dreht sich schneller und schneller.

Es ist ein vom Krieg verhärteter Menschenschlag, den das TzF-Ensemble zeigt. Die Gesichter der Darsteller, darunter Birgit Wolf, Monica Anna Cammerlander, Carina Thesak und Sebastian Anton Maria Brummer, sind wie von Wind und Wetter verhärmt. So wie sie sind, sind sie ein Bauernstand wie von Egger-Lienz gemalt. Kantig, knurrig, gefühlskalt. An die dreißig Figuren werden gestaltet. Hut auf, Jacke aus – neuer Protagonist. Für jeden findet die Truppe eine Stimme, eine Stimmlage aus Angst und Wut und Augen verschließen vor dem Leid anderer, aber manchmal auch der Entschlossenheit, etwas zu ändern. Bernie Feit spielt den kleinkriminellen Einsteiger Michl, der unfreiwillig und mit dem man Zeuge der Morde wird. Wolfgang Lesky ist als verwitweter Schwiegersohn nun scharf auf die andere Tochter. „Die Männer sind alle gleich in ihrer Gier, in ihrer widerlichen Lüsternheit.“ Hermann J. Kogler ist Bürgermeister und Pfarrer, beide von Vergangenheit-ruhen-lassen-Mentalität, und als Danner ein herrischer Hoftyrann. Johanna Withalm ist die unschuldige Magd Marie, getötet an ihrem ersten Arbeitstag, und Danner-Tochter Barbara. Sie, die die Siegerin sein könnte, wird zu des Rätsels Lösung.

Am Ende gibt es drei Verdächtige, ein Kind, das einen Vater zu viel hat, und die Aufdeckung eines grausigen Inzest. Das heißt: Gewusst haben es alle, aber … Rüdiger Hentzschel ist eine ausgezeichnete, atmosphärisch dichte Untersuchung der bigotten-postfaschistischen Provinz gelungen, sein Versuch einer Erklärung, wie (männliche) Macht und Gewalt den einzelnen bis zur Wahnsinnstat knechten, hebt diesen Abend aber über die Dorfgrenzen hinaus. Das Ensemble agiert großartig, wie aus einem Guß, so wie sie sind, möchte man sie in einen „Tannöd“-Film stellen, doch das braucht’s nicht, denn der Spielraum Scala ist für Close-ups ja gut geeignet. Für eine Aufführung wie diese müsste der Begriff luzider Albtraum erfunden werden. Die Furchtbarkeiten auf dem Dorf werden noch kein Ende haben, unter dem Mordsblut blitzen noch ganz andere Geheimnisse auf. Manchmal gibt es Schlimmeres, als mit der Reuthaue erschlagen zu werden.

www.theaterzumfuerchten.at

Wien, 29. 11. 2015

Theater Nestroyhof Hamakom: „Zwischenzeit“

November 11, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Uraufführung von Azar Mortazavi

Bild: Anna Stöcher

Bild: Anna Stöcher

Am 17. November hat  im Theater Nestroyhof Hamakom „Zwischenzeit“ von Azar Mortazavi Uraufführung. In der Saison 2012/13 entstand im Rahmen des interkulturellen Autorentheaterprojekts WIENER WORTSTAETTEN Azar Mortazavis Nachtstück „Zwischenzeit“, ein präzise komponierter, hochmusikalischer Theatertext voller Poesie. Die deutsch-iranische Autorin beschreibt darin die Geschichte zweier Schwestern und deren Entfremdung.

Abend über der Stadt. Maria, eine Frau Mitte 30, bekommt Besuch von ihrer jüngeren Halbschwester Mina. Während die beiden Schwestern im Verlaufe dieses Wiedersehens versuchen, ihre Beziehung zu kitten, sitzt Ehemann Toni in seiner Kanzlei und fürchtet sich vor etwaigen Klienten. Auf seinem allabendlichen Weg nach Hause zu Maria und dem Kind kehrt Toni in einer Bar ein, um dort eine geheimnisvolle Frau zu beobachten. Diese Thekenschönheit, Anja, hat gerade ihren Job verloren. Die Wege und Wünsche der vier Figuren kreuzen einander in dieser regnerischen Nacht an verschiedenen Punkten und führen zu einem überraschenden Ende.

Azar Mortazavi (*1984) gelingt mit sprachlicher Brillanz und eigenwilligem dramaturgischen Stil ein somnambules Stück voll unerfüllter Sehnsüchte, das von der Suche nach Heimat, Geborgenheit und Identität vor dem Hintergrund einer westlichen, nächtlichen Großstadt erzählt.

Mit: Sonja Romei, Maya Henselek, Julia Jelinek und Raphael von Bargen. Inszenierung: Hans Escher. Dramaturgie: Bernhard Studlar.

www.hamakom.at

www.wortstaetten.at

Wien, 11. 11. 2014

„Love Never Dies“ im Ronacher

Oktober 15, 2013 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Phantom spukt in den USA

Bild: Vereinigte Bühnen Wien

Bild: Vereinigte Bühnen Wien

Ab 18. Oktober ist im Ronacher Andrew Lloyd Webbers „Love Never Dies“ als konzertante Aufführung zu sehen. Inhalt der „Phantom der Oper“-Fortsetzung: 1907, rund 10 Jahre nach den dramatischen Ereignissen an der Pariser Oper, betreibt das Phantom auf Coney Island, der glitzernden Welt der New Yorker Vergnügungsparks, eine Vaudeville-Bühne. Doch selbst dieser prächtige Ort vermag ihn nicht über den Verlust seiner großen Liebe Christine hinwegzutrösten. Inkognito engagiert er die inzwischen weltberühmte Sopranistin für seine Show. Bald muss Christine, die mit ihrem Mann Raoul und ihrem 10jährigen Sohn Gustave angereist ist, die Wahrheit erkennen. Und während ein ob seiner Spielsucht hoch verschuldeter Raoul sich dem Alkohol hingibt, schwelgen das Phantom und Christine in Erinnerungen an ihre letzte gemeinsame Nacht in Paris und enthüllen ein völlig  anderes Ende der Verfolgungsjagd vor so vielen Jahren. Das Phantom überredet den von Selbsthass geplagten Raoul zu einer verhängnisvollen Wette: Sofern Christine wie geplant auftritt, müsse Raoul die Insel allein verlassen. Singt sie nicht, will das Phantom alle Schulden des Ehepaars begleichen und aus ihrem Leben verschwinden. Doch während das fatale Ränkespiel um Liebe, Zurückweisung und Eifersucht immer weiter eskaliert, übersehen die Beteiligten, dass Gefahr von einer ganz anderen Seite droht…

Die Besetzung kann sich sehen und hören lassen: Allen voran kehrt Publikumsliebling Drew Sarich  heim nach Wien und zu den VBW und wird den begehrten Part des Phantoms übernehmen. An seiner Seite die „Natürlich Blond“-Hauptdarstellerin Barbara Obermeier, die die Rolle der Meg Giry singt. Der Part ihrer Freundin und Ex-Angebeteten des Phantoms Christine Daée wird von der bezaubernden Milica Jovanovic („The Sound of Music“ in Salzburg) gesungen. Madame Giry wird  Musicalstar Maya Hakvoort verkörpert. Der charismatische Julian Looman („Soldaat van Oranje“) ist Raoul. Für die Regie zeichnet wie auch schon 2012 Andreas Gergen, Operndirektor des Landestheaters Salzburg, verantwortlich; es spielt das Orchester der Vereinigten Bühnen Wien unter der Leitung von VBW-Musikdirektor Koen Schoots. Andrew Lloyd Webber entwirft in seiner Partitur wieder einmal ein einzigartiges, beeindruckendes Spektrum phantastischer Melodien mit „Gänsehautfaktor“, die mit rockigen Passagen, großen Gefühlen und prächtigem Orchestereinsatz auftrumpfen. Intendant Christian Struppeck: „Mit der konzertanten Fassung von Webbers „Love Never Dies“ führen wir einerseits die bereits 2012 erfolgreich mit dem „Phantom“ gestartete Konzertreihe der VBW fort und schließen andererseits auch inhaltlich an das Vorjahr an. „Love Never Dies“ wird hier bei uns in Wien erstmals im deutschsprachigen Raum zu hören sein. Ein guter Anlass, um unserem VBW-Orchester in großer Symphoniebesetzung eine Bühne geben zu können.“

www.musicalvienna.at

Wien, 15. 10. 2013