Theater Phönix: Er ist wieder da

November 23, 2015 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Harald Gebhartl holt Adolf Hitler wieder nach Linz

Markus Hamele, Simon Jaritz, David Fuchs, Felix Rank und Emese Fáy Bild: © Christian Herzenberge

Markus Hamele, Simon Jaritz, David Fuchs, Felix Rank und Emese Fáy
Bild: © Christian Herzenberger

In den heimischen Kinos ist Burgschauspieler Oliver Masucci zurzeit als untoter „Führer“ zu sehen www.constantinfilm.at/kino/er-ist-wieder-da.html, ab 26. November heißt es auch am Linzer Theater Phönix „Er ist wieder da“. Linz übernimmt die österreichische Bühnen-Erstaufführung nach dem gleichnamigen Debütroman von Timur Vermes. Dieser ist ein literarisches Kabinettstück erster Güte, das seit seinem Erscheinen die Bestsellerlisten stürmt. Phönix-Chef Harald Gebhartl hat die Fassung geschrieben und führt Regie.

Gezeigt wird der unaufhaltsame „Aufstieg des vermeintlichen Comedians Adolf Hitler“: Sommer 2011. Adolf Hitler erwacht auf einem leeren Grundstück in Berlin-Mitte. Ohne Krieg, ohne Partei, ohne Eva. Aber unter Tausenden von Ausländern. Eine gefühlte Ewigkeit nach seinem vermeintlichen Ende strandet er in der Gegenwart und startet gegen jegliche Wahrscheinlichkeit eine neue Karriere – im Fernsehen. Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, hemmungslos erfolgsgeil und auch trotz Jahrzehnten der Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und „Gefällt mir“-Buttons. Eine Persiflage? Eine Satire? Polit-Comedy? Oder plant Hitler seine Rückkehr an die Macht? Ist er wieder da?

In Gebhartls Inszenierung führt der Siegeszug natürlich nach Linz, in die „fünfte Führerstadt“. Hier entschloss sich Hitler den „Anschluss“ vollständig zu vollziehen, er übernahm sogar die „Patenschaft“ für die Stadt. Hitler, der in Linz die Schule besucht hatte, beabsichtigte, dort einmal seinen Ruhestand zu verbringen. Es folgten Ausbaupläne von Albert Speer und der „Sonderauftrag Linz“, heißt: die Sammlung geraubter Kunstwerke an diesem einen Ort. Gebhartls Dramatisierung hat Timur Vermes offenbar so gefallen, dass der Theatermacher „schon nach zwei Stunden“ eine retourgemailtes Ja bekam, nachdem er dem Autor seine Idee vorgestellt hatte. „Phönix-Dramaturgin Sigrid Blauensteiner und ich sind überzeugt, dass es ein starker Theater-Stoff ist und auch sehr aktuell, was Medien und deren Oberflächlichkeit betrifft. ‚Er ist wieder da‘ ist auch eine Medien-Satire“, sagt Gebhartl im Gespräch mit den Oberösterreichischen Nachrichten.

Es spielen Simon Jaritz (Hitler), das Phönix-Ensemble David Fuchs, Felix Rank, Rebecca Döltl und Markus Hamele und als Gäste Sina Heiss, Sabrina Rupp und Emese Fáy.

www.theater-phoenix.at

Wien, 23. 11. 2015

Burgtheater: Die Krönung Richards III.

März 15, 2014 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Schon die zweite Vorstellung wurde abgesagt

Martin Wuttke Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Martin Wuttke
Bild: Reinhard Werner, Burgtheater

Freitag, 16.45 Uhr, wogten die Zuschauermassen durchs Foyer des Burgtheaters wie Wellen bei schwerem Seegang. Erst hieß es, die Vorstellung finde nicht statt. Also hin zur Kassa, Karten hergeben, Geld entgegennehmen. Dann hörte man, nein, die Vorstellung werde doch gespielt. Also Geld retour, Karten retour. Schließlich ließ Frank Castorf die zweite Vorstellung von „Die Krönung Richards III.“ absagen. Zwei Damen des Ensembles seien stimmlos. Oliver Masucci verlässt das Haus über den Bühneneingang,lässig, mit Sonnenbrille. Ein deutsches enttäuschtes Paar: „Bei uns schließen sie die Theater, die Burg sperrt sich von innen zu.“ Der mittlerweile auch schon entnervte Mann an der Kassa: „Wenn jetzt alle ihr Geld wollen, habe ich zu wenig Bares da.“ Nanu? Bares ging doch sonst am Haus in 100.000er-Summen über den Tisch.

Tags zuvor hatte manch Premieren-Printschreiber von Massenfluchten des Publikums berichtet. Nun wären die wahren Castorfianer da gewesen, um sich an der jüngsten Dekonstruktion des Grumpy Old Man des deutschen Diskurstheaters sechs Stunden lang zu laben. Der viel gemühte Sager vom Stückezertrümmerer ist nämlich ein blöder. Auch für „Heiterkeiten“ zum Thema Hinternwundsitzen besteht kein Anlass. Castorf macht größer, führt Gedanken der von ihm bearbeiteten Autoren fort und aus. Diesmal um Texte von Antonin Artaud – was könnte besser zu Hans Henny Jahnn passen, als dessen Theater der Grausamkeit -, Georges Batailles surrealistisch-dekadente-erotische Prosa  und, weil Bataille stark von ihm beeinflusst war und Castorf ohne ihn sowieso nicht kann: Karl Marx. Ans Ende stellte der Theatermacher Heiner Müllers „Der Auftrag“. Dessen, Martin Wuttkes als Richard III., vorletzter, viel belachter, von „Qualitätszeitungen“ als aktuell improvisiert interpretierter Satz „Unsere Firma steht nicht mehr im Handelsregister. Ich entlasse uns aus unserem Auftrag“, steht 1:1 so bei Heiner Müller. Lernen Sie Kultur, Herr Redakteur. Martin Wuttke, die treue Seele, war’s dann auch, die sich freitags anbot, auf der Bühne Material aus dem und ums Stück zu lesen.

Hans Henny Jahnn war ein Unbequemer, einer der großen produktiven Außenseitern des Zwanzigsten Jahrhunderts. Im Ersten Weltkrieg Kriegsdienstverweigerer, von den Nazis verfemt, man solle seine Stücke und Romane verbrennen, statt aufführen, meinte und tat das Dritte Reich, später einer der ersten öffentlichen Gegner der Atombombe. Und Tierversuchsgegner. Begründer der Künstlergruppe Ugrino. Orgelbauer und Pazifist, obwohl oder wohl weil er nicht an das Gute im Menschen glaubte. Er kämpfte in den frühen fünfziger Jahren gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands, gegen die Zerstörung der Umwelt und auch gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie, weil er die Lagerung des atomaren Mülls schon damals für unverantwortlich hielt. Den Menschen hat er einmal als „Schöpfungsfehler“ bezeichnet, der zentrale Gedanke seines Werks ist eine antichristliche Schöpfungsmythologie. In seinen Aufsätzen, Reden und in seinen Romanen beobachtet er mit wachsendem Entsetzen das Ausmaß an Grausamkeit und Destruktivität, dessen der Mensch fähig ist. „Der Mensch ist Körper zuerst, und dann vielleicht Geist“, sagt er einmal. „Der Trieb, die Gier, die Aggression sind unmittelbar“. Gott ist bei Jahnn nicht tot, er hat aufgegeben.

In diesem Sinne erklären sich alle Arten von Sadismus und Perversion, die „Die Krönung Richards III.“ ausmachen. Im Gegensatz zu Shakespeare stirbt der Antiheld am Ende nicht. Er muss leben. Weiterleben. Weil es Gewalt und Grausamkeit auch tun. In Ewigkeit, Amen. An der Burg spielen hoffentlich bald wieder: Martin Wuttke als Richard III., Ignaz Kirchner, Fabian Krüger, Jasna Fritzi Bauer, Oliver Masucci als Herzog Buckingham, Marcus Kiepe, Hermann Scheidleder, Dirk Nocker, Sophie Rois als Königswitwe Elisabeth, Markus Meyer, Marc Hosemann und Moussa Baba, Azamat Chabkhanov, Jovita Domingos-Dendo, Robin Furlic, Simon Jung, Anasiudu Kenechukwu, Tobias Margiol, Bernhard Mendel, Adam Nakaev, Marie-Christiane Nishimwe, Christoph Prochart und Philipp Schwab. Bühne und Kostüme: Bert Neumann.

Die nächste Vorstellung wäre am 20. März.

www.burgtheater.at/Content.Node2/home/ueber_uns/aktuelles/Vorstellungsabsage_14-03-2014.at.php

www.hans-henny-jahnn.de

Wien, 15. 3. 2014

Akademietheater: Die Marquise von O.

Mai 11, 2013 in Bühne

Sterlingsilber schmeckt eben nach nichts

Es ist nicht leicht eine Meinung zu einer Inszenierung zu haben, die so nichts sagend ist, die offenbar nicht einmal eine Meinung über sich selber hat. Daher folgendes: Die Bozner Society-Lady Renate Hirsch Giacomuzzi zeigte einer einschlägigen Fernsehsendung in St. Moritz einmal ihren neuen Maibach. In der Mitte der Rückbank lässt sich per Knopfdruck eine Bar mit Kühlung hochfahren, darin eine Flasche Champagner und Kelche aus Sterlingssilber. „Wissen Sie“, sagte die Hirsch zur staunenden Jungreporterin, „zur Grundausstattung gehören Flöten aus Swarovski-Kristall. Aber ich hielt sie in einem Fahrzeug für zu zerbrechlich, deswegen haben wir umdisponiert.“

Oliver Masucci, Andrea Clausen, Dorothee Hartinger Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Oliver Masucci, Andrea Clausen, Dorothee Hartinger
Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Am Akademietheater wird derzeit Yannis Houvardas‘, hauptberuflich Intendant des Griechischen Nationaltheaters in Athen, Inszenierung von Ferdinand Bruckners „Die Marquise von O.“ gegeben. Und auch da will man offenbar keine Scherben. Also holt man auf Nummer Sicher das gute Silber aus der Lade, poliert es auf Hochglanz, deckt eine wunderbare Tafel – und vergisst darüber, dass Sterlingsilber nach nichts schmeckt. Sondern, dass man auch was auftischen muss. Das tut immerhin Bühnenbildner Johannes Schütz mit einer wunderbaren Lösung aus halbdurchsichtigen Wänden auf einer ebenso schön beleuchteten wie anzuschauenden Bühne.

Der Rest des Abends ist hart, Mann! Die Burg, „Weihetempel der Kunst“, wird immer mehr zur Selbstbeweihräucherungsbühne. In diesem Fall mit Live-Streichquartett auf der Bühne. Toll. Traurig nur, wenn ein Regisseur den Kern der Sache, bei der er Regie führen soll, ignoriert. Und damit ist nicht gemeint, dass Houvardas das Drama über weite Strecken statitsch wie eine antike Tragödie anlegt. Aber aus Schauspielstars wie Dorothee Hartinger, Peter Simonischek, Andrea Clausen, Oliver Masucci und Dietmar König dermaßen nichts zu machen, das ist wirklich eine Leistung. Kurz zusammengefasst ergehen sich die einen in Hysterie (die Damen), die anderen in umso mehr Härte (die Herren). Simonischek spielt den überlebensgroßen, verschrobenen, vor Imponiergehabe platzenden Vater, der ein „Isaak“-Opfer, sprich: Abtreibung, fordert, und als das misslingt vor der Schande nach Breslau „flieht“. Mutter Andrea Clausen versteckt sich überspannt-manieriert-schockiert hinter ihrer Geige. Motto: Was ich nicht sehe, gibt es nicht. Immerhin: Dietmar König ist ein vornehmer Friedrich, der das Weite sucht, wo ihm Nähe verweigert wird. Eine kleine Rolle, eine schöne Leistung. Dorothee Hartinger changiert als Marquise zwischen Verwirrung, Verzweiflung über und Verachtung für die Menschheit.  Ist gleichzeitig traumwandlerisch, schwebend, entrückt. Und am Ende genauso erschöpft-ernüchert wie das Publikum. Eine neue Nuance, ein neues Gefühl, irgendetwas – aber nein, alles schon dagewesen, alles schon gesehen; auf zweifelsfrei höchstem Niveau zeigen die Artisten ihre bewährten Kunststücke.

Oliver Masuccis Hauptmann immerhin macht eine Wandlung durch. Bekannt für seine Rollengestaltungen von Anatol Kuragin bis Achilleus als Zyniker, Charmeur, Filou mit unwiderstehlichem Raubtierlächeln, arrogant, überheblich, selbstverliebt, nun gar ein Vergewaltiger, zieht er all seine Joker auch diesmal. Aber: Er wird ein hilflos Liebender, ein Hin- und Hergerissener, ein Getriebener in der Frage, ob er der Vater des O.-Kindes ist oder nicht. Tatsächlich ist die letzte Szene, als er der Hartinger zärtlich den Bauch berührt, und sie ihm eine Verbal-Watschn gibt, die Ehrenrettung des Ganzen. Also rein in den Pelzmantel, raus aufs Schlachtfeld …

Bleibt, Houvardas schlimmste Sünde abzuhandeln. Denn weder galt es (Achtung: KritikerkollegInnenzitate!) Ferdinand Bruckner „den Muff der Zeit“ abzuklopfen, noch einem „Trendbarometer“ zu gefallen, noch zu jubeln, dass auf „platte Gegenwartsbezüge“ verzichtet wurde. Bruckner schrieb 1933 – danach emigrierte er nach Paris – ein hochpolitisches Stück. Von einem darniederliegenden, zerfallenden Europa. Von Niedergang bis Niederträchtigkeit. Von einer Politik, die zerstört, statt aufbaut, die nicht nur keine Antworten hat beziehungsweise gibt, sondern sich nicht einmal mehr Fragen stellt. Und: Er schrieb ein Emanzipationsdrama. Im Gegensatz zu Kleist, wo alles in Liebe, Wonne, Hochzeit endet, zeigt die Marquise hier der Gesellschaft den Mittelfinger. Sie wird gehen. Allein. Und Mutter sein, wo sie keiner kennt. Dazu kann einem heute was einfallen. Ohne die von manchen so gefürchtete Abrissbirne namens „Modernisierung“. Es reichte auch ein leicht Schlag mit dem Reflex-Hämmerchen. Aber im Maibach bewegt man sich eben lieber vorsichtig, verschüttet nichts, freut sich über die Silberkelche und lauscht Beethoven.

www.burgtheater.at

www.mottingers-meinung.at/die-marquise-von-o-am-akademietheater-2

Von Michaela Mottinger

Wien, 11. 5. 2013

„Die Marquise von O.“ am Akademietheater

April 19, 2013 in Tipps

Nach dem Ende öffnen sich neue Horizonte

Honi soit qui mal y pense. „Die Marquise von O.“, die am 19. 4. am Akademietheater Premiere hat, hat natürlich nichts mit „Emmanuelle“  Sylvia Kristel zu tun. Die war 1974 ja auch „Die Nichte der O.“ Einen bemerkenswerten Film nach Kleists Novelle gibt es allerdings: Aus dem Jahr 1976 von Eric Rohmer; mit Bruno Ganz und Edith Clever.

Presse: Fotos bei Nennung des Fotografen für die aktuelle Berichterstattung freigegeben.

Oliver Masucci (Hauptmann), Dorothee Hartinger (Frau von O.)
Bild: Georg Soulek/Burgtheater

In Wien ist nun Ferdinand Bruckners dramatische Bearbeitung des berühmten Kleist’schen Stoffs zu sehen. Yannis Houvardas, Intendant des Nationaltheaters in Athen, inszeniert das Stück. Der Inhalt (bei Bruckner, nicht bei Kleist): Die Selbstbefreiung eines gesellschaftlichen Opfers aus Erpressung und Unterdrückung, schließlich Zerbrechen – statt wie bei Kleist Versöhnung – der familiär-einengenden Bande. Und ein Aufbruch zu neuen Horizonten. Der Marquise passiert nämlich etwas „Unglaubliches“: Sie kommt in andere Umstände, ohne sich erklären zu können wie (ein Hauptmann hat sie im Vorbeiflitzen, als sie ohnmächtig war, das waren die besseren Damen damals ja öfters, vergewaltigt). Die Eltern und ihr Verlobter reagieren verstört. Die Marquise, die sich selber immer mehr zum Rätsel wird, gibt in ihrer Verzweiflung schließlich jene Zeitungsannonce auf, in der sie den ihr unbekannten Kindsvater auffordert, sich bei ihr zu melden. Statt Hochzeit mit dem Vergewaltiger folgt die Annahme des Kindes der Gewalt durch die Mutter allein …

Starker Tobak. Den der Altösterreicher Bruckner, der 1933 nach Paris emigrierte, wieder ins Preußen (des 18. Jahrhunderts/napoleonische Kriege/ergo Männergesellschaft, Krieg und Tod) verlegte. Kleist war inhaltlich aus Verlegenheit nach Italien ausgewandert. Wie sehr der Grieche Houvardas  im Drama Euro(pa)-Themen wie Solidarität statt Zwietracht, sozialen Wandel statt Stände- und Staatenstillstand, die Notwendigkeit von Kultur statt deren Kaputtsparung, Freiheit und Frieden statt wirtschaftlichen Fortschritt als neoliberalistische Religion … anklingen lassen wird – man wird sehen. Zärtlich will er sein. Und Beethoven live spielen lassen.

Ein Erfolgsgarant für die Produktion dürfte schon einmal Johannes Schütz als Bühnenbildner sein. Und an erster Stelle natürlich das exzellente Ensemble: Dorothee Hartinger als Marquise, Peter Simonischek und Andrea Clausen als die entsetzten Eltern, Oliver Masucci – nach allem, was man von ihm bisher gesehen hat, sicher eine Idealbesetzung für den schlitzohrigen Hauptmann – und Dietmar König.

www.burgtheater.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 19. 4.

Matthias Hartmann inszeniert „Die Ahnfrau“

April 12, 2013 in Tipps

Grillparzers Schauerdrama im Kasino des Burgtheaters

Das ist doch genau das Richtige für Burgherr Matthias Hartmann: Ein Fluch, ein Mord, ein Gespenst. Da kann er wieder seine größten Trumpfkarten ausspielen: viele Gimmicks, viele skurrile Details, viele Taschenspielereien, Grauen, Gruseln, Gänsehaut. Ohne viel über einen Handlungsbogen oder die Geschichte, die man einem Publikum im 21. Jahrhundert eigentlich erzählen möchte, zu sinnieren.

Man darf  auf einen unterhaltsamen Abend gespannt sein!

Presse: Fotos bei Nennung des Fotografen für die aktuelle Berichterstattung freigegeben

Maik Solbach (Berta)
Bild: Reinhard Werner/Burgtheater

Am 14. April hat im Kasino des Burgtheaters „Die Ahnfrau“ von Franz Grillparzer Premiere. Aus dem Jahr 1817 ist diese auf eine südböhmische Legende zurückgehende Schicksalstragödie. Auf Burg Borotín soll der Sage nach die Burgherrin wegen Untreue und Nymphomanie verflucht worden sein. Nach ihrem Tode sollte sie in der Burg  solange nackt umgehen, bis ihr Familienstamm ausgestorben sei.

Schon damals spaltete das die Geister und Ungeister: Grillparzers Erstlingswerk wurde kontrovers aufgenommen. Ein Teil der Zuschauer fand darin die christliche Schicksalsidee dargestellt, ein anderer hielt das Stück für glaubensgefährdend.

Bei Grillparzer bleibt dem Grafen nur Tochter Berta als Stütze. Er erzählt ihr vom unheimlichen Fluch, der auf ihm und seiner Familie lastet. Eines Abends kommt Jaromir, Bertas Geliebter, auf der Flucht vor Räubern ins Schloss gestürzt. Völlig erschöpft findet er dort Schutz und Ruhe. Doch plötzlich erscheint ihm das Gespenst. Berta und Jaromir steht eine schreckliche Wahrheit bevor, und als man auf die Jagd nach den Räubern geht, muss nicht nur der alte Vater sterben … In der Regie von Matthias Hartmann spielen Franz Csencsits, Sven Dolinski, Ignaz Kirchner, Oliver Masucci, Maik Solbach und Johann Adam Oest.

www.burgtheater.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 12. 4. 2013