Wiener Stadthalle: Maschek XX – 20 Jahre Drüberreden

Oktober 26, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Alles schon ausgesessen

Maschek: Robert Stachel, Peter Hörmanseder und – für diesmal wieder dabei – Ulrich Salamun. Bild: Ingo Pertramer

Es begann im Jahr 1998. Da genehmigte Thomas Klestil, damals „oberster Befehlshaber der Vereinspolizei“, höchstselbst die Gründung der Satiretruppe Maschek. Wenn‘s denn wahr ist. Jedenfalls wurde ab jetzt der Politik aufs Maul geschaut, falls die versuchte, dem Volk nach dem Mund zu reden. Lippensynchron gab’s nun die unbequeme Wahrheit, das heißt: was Peter Hörmanseder, Robert Stachel und Ulrich Salamun als solche aussprechen, nämlich die Maschekseite, die Kehrseite dessen, was die Tonangeber und Ton-Angeber der Republik in diverse Fernsehkameras äußern.

Zum Jubiläum gönnen sich und dem Publikum die drei Herren, Ulrich Salamun dafür wieder mit dabei, die Show „Maschek XX – 20 Jahre Drüberreden“. Eine mit heutigem Wissen umso heiterere Rückschau, die Verschütt- oder Niemals-Verloren-Gegangene, Fast-Vergessene und Immer-noch-Unvermeidliche auf die große Leinwand holt.

Ein Best-Of Blödsinn, Sternstunden vergangenen und noch wirkenden Irrsinns, eine Zeitreise durch zwei Jahrzehnte Zeitgeschichte, wie jung, wie langzodert, wie schnauzbartert da die Leute noch waren, vorkommen unter anderem sieben Bundeskanzler, drei Bundespräsidenten, sechs ÖVP-Chefs und neun ÖFB-Teamchefs – und so es an diesem Abend eines zu bemerken gibt, dann, was und wen Österreich nicht alles schon ausgesessen hat. Was wiederum Hoffnung macht.

Chronologisch läuft das Geschehen ab, Schweigekanzler Schüssel und sein fescher, fleißiger Karl-Heinz Grasser, kurz der Kurz, der schon als Maturant mit den Großen mitreden will, Alfred Gusenbauer, dem die Mama nach dem Wahlsieg zehn Euro zusteckt, Stefan Petzner, dem nach dem Himmelssturz der Sonne nur das Solarium bleibt. Fritz Muliar verspachtelt das Buffet im Ministerrat, Hannes Kartnig empfiehlt sich als Superminister, Barbara Rett interviewt Jörg Haider auf dem Opernball – tatsächlich ist ihr Gesprächsgegenüber der teintmäßig tiefbraune Opernstar Franco Bonisolli.

Maschek machen mit ihrem Sprachwitz Situationskomik. Und so wird die gutmütige, aber zunehmende Genervtheit von Heinz Fischer bei jeder neuerlichen Angelobung einer Bundesregierung zum Running Gag, Papst Benedikt XVI. kurzerhand zum Alitalia-Flugbegleiter, sein Nachfolger Franziskus mit der argentinischen (nunmehr Ex-)Präsidentin in folgenden Dialog verstrickt: „Ich bin die Kirchner.“ – „Nein, ICH bin die Kirche!“ Putin, Merkel und Obama finden ihren Platz in dieser bissig bösen Politikerpersiflage. Christian Kern – das war aufg’legt – als Pizzalieferant, und Humphrey Bogart in Rick’s Casablanca-Café in einer wunderbaren Kern-Kurz-Parodie. Beinah prophetisch heißt es über Geschasste und Gegangene, es wird nichts besseres nachkommen. Was natürlich zu Werner Faymann als Kasperltheaterfigur führt.

Die FPÖ kommt aktuell vor, der Parteiobmann knattert und keucht im Bierzelt, an der Staatsgrenze findet eine Flüchtlingsabwehrshow für freundlich gesinnte Medien statt – dieses Grenzschutz-Nachspielen mit 500 Polizisten und 220 Soldaten der Minister Kickl und Kunasek gab es im Sommer wirklich -, sofortige Abschiebung muss schon laut Wahlplakat sein, und so trifft es auch einen Migranten-Panda der zweiten Generation: „So long – Fu long!“ Ja, manch einer sorgt für die Karikatur schon selbst, und wie immer bei Maschek stimmen Tempo und Timing. Vor den Bonus-Tracks, mit Highlight „We Are the World“ und den täuschend ähnlichen Stimmen vom wispernden Michael Jackson über den rockröhrenden Bruce Springsteen bis zum näselnden Bob Dylan, hat deshalb Pamela Rendi-Wagner das Wort. Auch sie sagt bei ihrem Journalisten-Spießrutenlaufen in den SPÖ-Parlamentsklub nichts als die Wahrheit: „Lassen Sie mich durch, ich bin Ärztin. Jede Stunde zählt …“  Angesichts solcher Maschek’scher Lippenbekenntnisse wird klarerweise nicht nur das Zwerchfell erschüttert.

Bild: Czernin Verlag

Zum runden Geburtstag gibt es neben der Tour ein Buch mit Bildern, Clips, Anekdoten, bis dato unveröffentlichtem Material von den Anfangszeiten bis heute – und einer überraschenden Auseinandersetzung mit dem Begriff Satire. Gastbeiträge stammen unter anderem von Florian Scheuba, Austrofred, Hilde Dalik, Michael Ostrowski, Sibylle Hamann, Amina Handke, Lotte Tobisch, Gerhard Haderer, Alfred Dorfer, Doris Knecht, Stefanie Sargnagel, Conchita und Ulrich Seidl.

Czernin Verlag, Christopher Wurmdobler/Maschek (Hg.): Maschek. Satire darf al, Geschichts-, Bilder- und Fanbuch, 304 Seiten.

www.maschek.org

www.czernin-verlag.com

www.stadthalle.com

26. 10. 2018

Rabenhof: maschek. sind zurück

November 20, 2013 in Tipps

VON  MICHAELA MOTTINGER

„Bye-bye, Österreich!“

Bild: Ingo Pertramer

Bild: Ingo Pertramer

Die Rabenhof-Haderer-maschek.-Puppenshow ist zurück. Ab 21. November im Rabenhof. Das Wahlergebnis ein Desaster, Stronach und die Neos in der Regierung und Josef Cap demnächst gemeinsam mit Maria Fekter bei „Dancing Stars“! Die politische Elite des Landes ist bruchlandungsreif. Deshalb sagt sie: „Bye-bye, Österreich!“ Über dem Nordpol dann das Unfassbare: Schubumkehr – auf einem öden Eiland im Eismeer notgelandet, nimmt die Katastrophe ihren weiteren Verlauf…

www.youtube.com/watch?v=jHQLFEvEhLM&feature=youtu.be

www.youtube.com/watch?v=9bz0XYlNnEw&feature=youtu.be

www.rabenhof.at

mit: Werner Faymann, Michael Spindelegger, H.C. Strache, Frank Stronach, Eva Glawischnig, Matthias Strolz, Fiona Swarovski, Michael Häupl, Erwin Pröll, Maria Fekter, Adolf Hitler, Karl-Heinz Grasser,  Niki Lauda und vielen, vielen anderen…
Stimmen: maschek.
Puppenspiel: Original Wiener Praterkasperl
Buch: Peter Hörmanseder
Idee und Regie: Thomas Gratzer
Puppendesign und Ausstattung: Gerhard Haderer
Puppenbau: Brigitte Schneider
Musik: Eva Jantschitsch