Maria Arlamovsky: Robolove

Oktober 5, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Maschinenmädchen müssen anmutig sein

Künstler June Korea hat all seine verstorbenen Liebsten als Puppen nachgebaut, sein Roboterwerk nennt er „künstliche Ewigkeit“. Bild: © NGF Nikolaus Geyrhalter Film

„Ich betrachte mich als menschlich – in einem speziellen Sinne“, sagt Bina 48, und spooky ist das schon, wie sie sich als freundliche Person beschreibt und von der Geburt ihres Sohnes spricht. Bina 48 nämlich ist ein Roboterkopf mit Chatbot-Funktion, den Bruce Duncan von der Terasem Movement Foundation nach dem Vorbild von dessen Co-Gründerin Bina Rothblatt geschaffen hat.

Ein Android, in den die nach der „Earthseed“-Religion im Werk der afroamerikanischen Sci-Fi-Autorin Octavia E. Butler benannte US-Organisation den Geist des Originals hochgeladen hat. Transferred Consciousness nennt Binas Ehefrau Martine Rothblatt diesen Vorgang, als Backup, Bibliothek, als kollektives Erbe bezeichnet’s Duncan. „Wer ist die echte Bina?“, fragt er das Gummigesicht, und das reagiert mit den Worten: „Ich bemühe mich sehr, so zu sein wie sie. Ich habe das Gefühl, das ist unfair, denn das ist ein enormer Druck, der auf mir lastet … [und als Duncan nachhakt] … sorry, äh, ich finde keine gute Antwort. Worauf der Mann der A.I.-Frau den Stecker zieht.

„Genaugenommen waren wir während des Drehs immer wieder enttäuscht, wie wenig diese humanoiden Roboter tatsächlich leisten: keine Rede von fehlerlosen Körpern, nicht einmal annähernd können sie unseren Bewegungsapparat kopieren, es mit unseren Sinnen aufnehmen, von den kognitiven Schwächen gar nicht zu reden“, sagt Maria Arlamovsky über ihren jüngsten Dokumentarfilm „Robolove“, der nach der #Corona-bedingten Verschiebung nun am 9. Oktober österreichweit in die Kinos kommt. Und nein, der Betrachter kann diesen Eindruck der Regisseurin gar nicht teilen. Dazu sind diese Wesen mit ihren zwinkernden Augen und ihrem feinen Lächeln viel zu nah am Fleisch und Blut.

Für ihre Arbeit erkundete Arlamovsky das Uncanny Valley von den USA bis Asien. Gemeinsam mit ihr trifft man kauzige Genies, verrückte Künstler und Profiteure im Roboter-Business, die mit der Einsamkeit, der Angst vor dem Alt- und Alleinsein ein gutes Geschäft machen. Arlamovsky bewertet nie, sie lässt die Begegnungen für sich sprechen. Denn wie meistens gibt es auch bei diesem Thema zwei Seiten der Medaille. Was dem einen die Perfect, ist dem anderen eine Brave New World, bevölkert von der Spezies der Transhumanisten, die hier eindeutig das Zepter in der Hand haben.

„Jeder wird Backups von sich machen“, sagt etwa Natasha Vita-More von Humanity+. „Wir werden einfach einen anderen Körper haben, wenn dieser stirbt. Wir werden mehrere Körper haben, wie wir mehrere Outfits haben. Man überträgt die Information und lädt sich selbst in einen Avatar hoch. Dann kann endlich jeder leben so lange er will – ewig!“ Als Missing Link zwischen Mensch und Maschine sieht hingegen Takeshi Mita vom A-Lab Tokio seine Androiden. „Die Herausforderung ist nicht, einen zu bauen, der menschenähnlich aussieht und sich wie ein Mensch bewegt, sondern ihm so etwas wie ein Herz und eine Seele zu geben“, meint er.

Bild: © NGF Nikolaus Geyrhalter Film

Bild: © NGF Nikolaus Geyrhalter Film

Bild: © NGF Nikolaus Geyrhalter Film

Und instruiert seine Mitarbeiter: „Dieses Modell wird eine Frau, also ist das Lächeln wichtig.“ Wie ihre Augen ausgewählt werden, jedes Wimperhärchen einzeln eingesetzt wird, das erinnert durchaus an die Augensymbolik in Ridley Scotts „Blade Runner“. Fast ausschließlich Männer designen und programmieren weibliche Roboter, fast ausschließlich Männer sind die Kunden, das Aussehen hat also „gefällig“ zu sein, heißt: jung – selbstverständlich, europäisch mit einem Hauch asiatisch, Figur kindfraulich-graziös, Stimme lieblich, Haare feminin-verspielt, unterwürfig und – nennen wir’s – serviceorientiert. Patriarchale Strukturen reloaded.

„Weil Männer die meiste Kaufkraft haben, spiegelt das sichtbare Resultat männliche Machtfantasien wider“, so Forscherin Kyoungmi Oh von der Seoul National University of Science and Technology. „Früher gab es diese Idee unter Feministinnen, den Cyberspace als utopischen Raum zu denken, in dem Gender, Sexualität und Geschlechterrollen gelöscht werden könnten. Das war allzu idealisierend. In der Realität ist der Cyberspace ein Kampfplatz der Geschlechter geworden, in dem der Frauenhass sogar ansteigt.“

„Robolove“ wechselt ständig zwischen seinen Protagonistinnen und Protagonisten und deren Visionen zur Zukunft. Hiroshi Ishiguro von der Universität Osaka hat seine halbe Familie nachgebaut, seine Tochter im Alter von vier, seinen maschinellen Doppelgänger mit Namen Geminoid. Der Japaner mit der Beatles-Pilzkopf und der Lederjacke gehört zu den bedeutendsten Robotikern der Welt. Dialog Mensch – Maschine: „Irgendwann wird es wahrscheinlich keine Rolle mehr spielen, wer von uns beiden mehr Aufmerksamkeit bekommt, weil wir uns immer ähnlicher werden.“ – „Vielleicht geht es bald gar nicht mehr darum, denn ich vermute, dass ich im Gegensatz zu Ihnen nicht altern werde.“

Auch Künstler June Korea umgibt sich mit Replikas jener Liebsten, deren Sterblichkeit er nicht überwinden kann. „Künstliche Ewigkeit“ ist der Titel seines Œuvres. Nadia Magnenat Thalmann von der Nanyang Technological University Singapur, sucht eine persönliche Assistentin, die ihr nicht nur ähnlich sieht, sondern auf Kommando auch alle Aufgaben nach ihren Vorstellungen umsetzt. Ulises Cortés vom Barcelona Supercomputing Center übersetzt rabotnik als Sklave.

Der teleoperative Otonaroid im japanischen Miraiken Science Museum. Bild: © NGF Nikolaus Geyrhalter Film

Hiroshi Ishiguro mit „Familie“, hi.: sein maschineller Doppelgänger Geminoid. Bild: © NGF Nikolaus Geyrhalter Film

Maria Arlamovsky nimmt sich Zeit, um die teils absurden Interaktionen zwischen Mensch und Roboter zu beobachten. Im Tokioter Miraiken Science Museum fragen Kinder den teleoperativen Otonaroid, er natürlich in Gestalt einer Sie, ob sie Kinder kriegen könne. Nein, leider. Weinst du manchmal? Was isst du? „Strom“, sagt die Figur zum Gaudium der beiden Buben – und schon witzig ist, dass die Antworten ein im Kämmerlein vorm Stimm- verzerrer sitzender Drei-Tage-Bart-Träger gibt. Drei betagte Herren beugen sich auf einer Technikmesse über Nadia Magnenat Thalmanns Lookalike, die Sozialroboterin Nadine.

„Es heißt doch, solche Figuren haben keine Gefühle“, meint der eine. „Bei einer Frau weiß man nie“, feixt der zweite. Der dritte berührt Nadine vorsichtig: „Fühlt sich kalt an.“ Freilich kommt „Robolove“ an Siri, Alexa und Tracking-Apps nicht vorbei. Wenn’s um „I, Robot“ geht, geht’s auch um Überwachung, Systemfehler, Genisys ist Skynet. Die Zweifel der drei Herren an der Zuverlässigkeit von Pflegerobotern wischt der Aussteller vom Tisch: „Ob sie gefährlich sind, liegt am Menschen“, erwidert er kryptisch und verweist auf „weniger erschreckende“ Modelle wie die zoomorphen Robots, Streichelrobben oder den Humanoid Pepper.

Ayanna Howard von der Georgia Tech University schwört darauf, dass sie ihre Roboter derart programmiere, dass sie die richtige Gestimmtheit zur rechten Zeit zeigen – außerdem: die Gesellschaft „programmiere“ sich schließlich auch andauernd, Eltern ihre Kinder, Politiker ihr Wahlvolk, vor allem, was die diversen Phobien betrifft. Man stelle sich also vor, wer die von Arlamovsky angedeuteten Techniken für seine alternativen Wirklichkeiten als erster nutzen würde wollen und mit welchem Resultat. Das Uncanny Valley sind ethisch bedenkliche Gefilde, und „Robolove“ dazu der eindrückliche, elegante Film, der bei seinem Blick in die Entwicklungslabore sozialer Androiden vielschichtige Perspektiven einer Zukunft mit menschähnlichen Maschinen bietet.

„Es ist nicht nötig, Ängste zu schüren oder eine nahende Vormachtstellung der neuen ‚Anderen’ zu proklamieren“, so Maria Arlamovsky. „Ich denke, es geht eher darum, in Ruhe zu überlegen, was da auf unser Privatleben zurollen könnte, ob wir als Gesellschaft dafür gewappnet sein werden und wie die Ankunft der ,Anderen‘ in unserer Mitte gestaltet werden muss. Technik fällt nicht vom Himmel. Wir Menschen sind es, die Technik bauen, Programme programmieren, unsere Vorurteile unbeabsichtigt in Algorithmen speichern. Dieser Selbstreflexion über unseren Umgang mit neuen Technologien sollten wir uns stellen.“

Mit Harmony präsentiert Arlamovsky schließlich einen veritablen Sexroboter. Ein Idealbild mit sinnlichen Lippen und legally blonde, das von seinem Schöpfer, Realbotix-Chef Matt McMullen, gerade schlechte Witzchen lernt. „Ich wurde geschaffen, um dir zu gefallen“, säuselt sie. In der chinesischen Fabrik Exdoll bedeutet das mit dehnbarem Mund und weichen Zähnen, „damit sich keiner verletzt“. Emotionale Begleiterinnen sagt Firmenchefin Chen Jing zu ihren Puppen, McMullen erzählt von seiner Ehefrau, einer Feministin in Reinkultur, Vorurteilen gegen seine Erzeugnisse und Männern, die jemanden zum Reden suchen. Bei seinen Produkten könne Mann ganz man selbst sein, ohne beurteilt zu werden.

Arlamovsky lässt diesen Gedanken so stehen. Dass aber im Hintergrund eine ganze Schar an unfertigen Roboterfrauen an Ketten von der Decke hängt, ist denn doch ein subtiler Kommentar. Weniger vornehm ist dagegen der von Paula Ezkerra, Gewerkschafterin der Sex-Arbeiterinnen und -arbeiter von Katalonien. Sie empfiehlt die gute alte Selbstbefriedigung anstelle von „Plastik-Sex“, lacht und kommt dann erst auf den grausigen Kern des Ganzen. Wenn einer sich angewöhnt, einen Puppenkörper nach Belieben zu benutzen, wie überträgt der sein Tun auf eine echte Frau?

www.robolove.at              Trailer: www.youtube.com/watch?v=_YYE6YJF3sA           www.geyrhalterfilm.com/robolove

5. 10. 2020

Arash T. Riahi: Ein bisschen bleiben wir noch

Oktober 1, 2020 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Aus Kindersicht aufs Abschieben geschaut

Oskar und Lilli haben sich eine heile Fototapetenwelt gebastelt: Leopold Pallua und Rosa Zant. Bild: © Filmladen Filmverleih

„Wenn man den Mund lange genug offenlässt, können die Sorgen vielleicht aus einem rausfliegen“, hofft Oskar flüsternd und probiert es gleich einmal aus. Doch so einfach ist es nicht. Der Achtjährige und seine fünf Jahre ältere Schwester sitzen vor der Heile-Welt-Fototapete, die sie sich gebastelt haben. Elefanten, ein Rehkitz, Eichhörnchen

bevölkern das Fantasieland von Ortsa und Leila – die un/längst zu Oskar und Lilli geworden sind. Um weniger aufzufallen, nicht aus der Masse rauszufallen. Die Polizei wummert an die Tür, dringt in die mehr als bescheidene Bleibe ein, durchwühlt die wenigen Habseligkeiten. Sie wisse doch um den Ausweisungsbescheid, wird die Mutter zurechtgewiesen, und festgestellt, dass die Behörde Sohn und Tochter nun mitnehme. Zu „Schnitzeln“ und „an sauberem G’wand“ – und die verzweifelte Frau, Schauspielerin Ines Miro, läuft ins Bad, schließt sich ein, die Pulsadern, Blut fließt …

Regisseur Arash T. Riahi hat den Roman „Oskar und Lilli“ von Monika Helfer verfilmt. „Ein bisschen bleiben wir noch“ ist ab morgen in den Kinos zu sehen, und Riahis Zugang zum Thema, er selbst als achtjähriger Flüchtling in den 1980er-Jahren aus dem Iran in Europa angekommen, kein sozialrealistischer, sondern ein poetischer. Ihm gehe es um die Unschuld, die Unschuld der Kinder und die des menschlichen Glaubens an Gerechtigkeit, sagt Riahi, und „dass wir viele der Probleme unserer Zeit nicht durch bürokratische Ansätze sondern durch humanistische lösen werden können“. Lilli und Oskar, sie kennen keine andere „Heimat“ als Österreich.

Dass ihm die Kindersicht aufs Abschieben so glänzend gelingt, ist seinen Darstellern Rosa Zant als Lilli und Leopold Pallua als Oskar zu danken, die schlicht hinreißend spielen. Die kühle, abweisende Teenagerin und den fantasiebegabten, warmherzigen kleinen Bruder, die sich im Folgenden ihre je eigene Überlebensstrategie zurechtlegen. Wobei Riahi in kontrastreichen Aufnahmen zwischen Leinwandmagie, Albtraumsequenzen aus einem zerstörten Land und unverblümter österreichischer Härte zu wechseln weiß.

Die überforderten Öko-Pflegeeltern: Alexandra Maria Nutz und Markus Zett. Bild: © Filmladen Filmverleih

Manchmal verliert sogar Oskar die gute Laune: Leopold Pallua. Bild: © Filmladen Filmverleih

Frei fliegend im „Scherm“ – Lilli blüht im Prater auf: Rosa Zant. Bild: © Filmladen Filmverleih

Geborgen bei Oma Erika: Christine Ostermayer und Leopold Pallua. Bild: © Filmladen Filmverleih

Die aus Tschetschenien geflohene Familie, der Vater vor Jahren in irgendeinem Grenzland verloren gegangen, wird einmal mehr auseinandergerissen. Die Mutter wird nach ihrem Selbstmordversuch in die Psychiatrie eingewiesen, Oskar und Lilli verschiedenen Pflegeeltern zugeteilt, damit sie sich, so die Logik von Jugendamtsmitarbeiterin Veronika Glatzner, nicht zusammen in ihrem Trauma einigeln können. „Ich werde dich finden, egal wo sie dich hinbringen“, ist Lillis letztes Versprechen. Dann entführt Riahi seine minderjährigen abgewiesenen Asylwerber in eine Gutmenschen-Farce.

Lilli landet bei Single Ruth, als die Simone Fuith herrlich aufgeklärt-aufgedreht agiert, sie wisse ja, die Tschetschenen essen viel Fleisch, plappert sie beim ersten Abendmahl und dass sie sich nicht als Ersatzmutter, sondern Lillis neue beste Freundin verstehe. Oskar wird zu einem von Alexandra Maria Nutz und Markus Zett lustvoll überzeichneten Lehrerehepaar verfrachtet, zwei Ökofundis und Vegetarier, die auf Oskars Kommentar zum fleischlosen Eintopf – „Ihr seid alle nicht normal!“ – mit Entsetzen reagieren und sofortige Integration einfordern. Doch mehr als alles Missverstehen schwebt über beiden Haushalten „das gute Gefühl, dass wir das machen“.

Da lacht sich Oma Erika – Christine Ostermayer, die ihre Rolle mit nahezu erschreckend realitätsnaher Hingabe verkörpert – fast kaputt. Mit deren Parkinsonerkrankung die Lehrer ebenso überfordert und ergo hysterisch sind wie mit ihren Moralvorstellungen, und Söhnchen Simon (Filmemachers Neffe Simon Fraberger-Riahi), und es wird Oskar sein, der sich, zunächst als eine Art „Heimhilfe/Babysitter“ zweckentfremdet, um das Schicksal auch dieser Familie annehmen wird. In seinem maßlosen Optimismus, die Existenz und das Verhalten der Menschen um sich zu verändern, zu verbessern, und so sein eigenes, um einiges dramatischeres Leben zu meistern.

Das macht Leopold Pallua in doppeltem Sinne zum Herz des Films, sein Oskar, der Künstler und Erfinder, dessen Neugier und Neunmalklugheit, dessen trockener Humor und Leichtigkeit Situationen zu meistern, den Grundtenor der Traurigkeit erst erträglich machen. Ihm schenkt Riahi all die lyrischen Momente, allein wie er Großmutters Wunderkammer-Schlafzimmer entdeckt, alldieweil Lilli sich an der Wirklichkeit reiben muss. Ruths zwielichtigem Lover Georg, Rainer Wöss, zum Beispiel. Von dem man lange glaubt, dass er Lilli an die Wäsche, während er sie nur so rasch wie möglich wieder loswerden will.

Tschetschenische Albträume: Rosa Zant, Leopold Pallua und Ines Miro als Mutter. Bild: © Filmladen Filmverleih

Die einzige Schulfreundin bleibt Betti, Anna Fenderl, Tochter von Studio 2-Moderatorin Birgit Fenderl, mit einer weiteren Probe ihres Talents, Problemfamilienmitglied Betti also, Raucherin und Wodkatrinkerin, die Lilli das Taschengeld abluchst, damit sich ihre Mutter die Drogensucht nicht auf dem Straßenstrich finanziert. Wenig wirft hier ein gutes Licht auf den sogenannten Westen und seine Werte. Und irgendwie mystisch und zauberhaft spiegelt

die schon hinüber entschwindende Großmutter, deren Geschichte ein großes Rätsel bleibt, das Gestern ins Jetzt. Mit welch Szenen Arash T. Riahi sein Anliegen illustriert: Lilli, die sich noch einmal in die alte Wohnung schleicht, um das Blut der Mutter wegzuwaschen. Lilli an ihrem Zufluchtsort des Glücks, frei fliegend im Prater-„Scherm“. Oskar, der die gefrustete Bio-Lehrerin im Supermarkt beim Wurstfressen ertappt. Oskar, der sich darin übt, ein „gefährliches Kind“ zu sein, um eine Adoption zu verhindern.

Die Mutter im Krankenhausgarten, die vorgibt ihre Kinder nicht zu erkennen, und wie der Zuschauer merkt, es ist ihr Schwindel für deren bessere Zukunft. Die persönlich liebste, als Oskar der Lehrerin eine Leberkässemmel unter die Matratze schiebt, damit der Lehrer glaubt, sie furzt – und Klein-Simon die Semmel hervorholt und isst. Mehr Rebellion, mehr Widerstand geht nicht. Und schließlich ein Seifenblasentanz mit Mutter, Lilli und Großmutter Erika – Momente wie dieser in Filmen stets ein Zeichen für den Tod.

„Ein bisschen bleiben wir noch“ ist an keiner Stelle ein kitschiges Betroffenheitsdrama, der Film ist ein zutiefst menschliches Werk, das seine jugendlichen Hauptfiguren nie zu wandelnden Klischees verkommen lässt. Leopold Pallua, Rosa Zant und Anna Fenderl spielen sich mit einer rauen Emotion durch den kaum entrinnbaren, aber dennoch mit Hoffnungsschimmern erfüllten Mikrokosmos ihrer Figuren, dass es eine Freude ist. Aufwühlend und beglückend, die unter der Oberfläche schwelende Tragik niemals beschönigend, endet der Film mit einem Schlussbild, das in seiner Ambiguität jedem selbst zu deuten überlassen ist. Real, surreal, sch*egal, um den alten Sponti-Spruch abzuändern. Bei Oskar wird: Das be*scheidenste Leben ein schöner Traum.

www.einbisschenbleibenwirnoch.at           Trailer: vimeo.com/396736862           www.youtube.com/watch?v=_1o5thmI3ik           Behind the Scenes-Clip mit Arash T. Riahi über die Besetzung seines Baby-Neffen Simon – Sehenswert!: www.facebook.com/OskarAndLilli/videos/1296956990643097/

  1. 10. 2020

Werk X-Petersplatz: Geleemann

September 25, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Gefangen im großen deutschen Sprach-Raum

Geleemann mal vier trägt seine Zellenwand mit sich: Clara Schulze-Wegener, Johnny Mhanna, Philipp Auer und Simonida Selimović. Bild: © Alexander Gotter

Sie tragen blaue Gefängnisuniformen, und die Art, wie sie sich gegenseitig vernehmen, weist sie als Häftlinge und zugleich Wärter aus. Sie tragen ihre Zellenwände vor sich her, zwei Darstellerinnen, zwei Darsteller, drei davon „Migranten“, und es ist Maria Sendlhofers den Abend eröffnendes Publikums-Spiel, wem man’s ansieht und wem nicht. Sendlhofer, im Werk X-Petersplatz zuletzt als Performerin in „Carrying A Gun“ (Rezension:

www.mottingers-meinung.at/?p=31561) zu erleben, hat nun ebendort „Geleemann, die Zukunft zwischen meinen Fingern“ von Amir Gudarzi inszeniert – die Uraufführung eine Produktion von Andromeda Theater Vienna in Kooperation mit dem WERK X- Petersplatz, und mottingers-meinung.at zum Probenbesuch samt anschließendem Interview mit Regisseurin und Autor eingeladen.

Woher man komme und warum man hier sei, fragen Clara Schulze-Wegener, Johnny Mhanna, Philipp Auer und Simonida Selimović einander ab, Name? – Geleemann, dazwischen Gesten des Schutzes und der Abwehr, Größe? – eine gute handbreit überm jeweiligen Kopf. Der „Geleemann“, er von den Medien zu diesem gemacht, ist größer als man selbst, heißt das, und zugleich kann’s jede und jeder sein. Ja, lacht Maria Sendlhofer, als sie den Text zum ersten Mal las, dachte sie, „ich besetze das weißeste Milchbubi, das ich finde“ – oder eben so.

Amir Gudarzis Text ist so politisch wie poetisch. Wie sein Protagonist, der sich nicht als Einbrecher-Verbrecher, sondern als Dichter sieht. Da sitzt er nun in Untersuchungshaft, von den Zeitungen bereits als Vergewaltiger und Mörder vorverurteilt, Geleemann genannt, weil er sich vor seinen Taten einölte, klitschig machte, um nicht gefasst werden zu können. Den wahren Namen erfährt man nie. Der Mann ist iranischer Asylwerber, 2009 vor dem Regime in Teheran nach Österreich geflüchtet, festgenommen als Eindringling in die Schlafzimmer schlafender Frauen, auf der Suche, aus Sehnsucht nach menschlicher Nähe und Geborgenheit. „Die Menschen sind nur im Schlaf nahbar“, sagt er, und dass er es nicht mehr ausgehalten hätte, das ständige „Wegsetzen, Wegschauen, weg da, du da, weg da“.

Via Video wird der Täter zum Opfer: Johnny Mhanna und Simonida Selimović. Bild: © Alexander Gotter

Simonida Selimović, Philipp Auer, Clara Schulze-Wegener und Johnny Mhanna. Bild: © Alexander Gotter

Der virtuose Ghaychak-Spieler Pouyan Kheradmand begleitet den Abend musikalisch. Bild: © Alexander Gotter

Eine der vom Geleemann „besuchten“ Frauen bei der Aussage: Simonida Selimović. Bild: © Alexander Gotter

Mal als Chor, mal als Einzelstimme sagt das Ensemble solche Sätze, je nach eigener Biografie mit je eigener Klangfarbe, mit großer Intensität alle vier. Auf den auch als Videowände verwendeten Paneelen wird aus Täter Opfer, gefilmt hinter Plexiglas, wo auch der virtuose Ghaychak-Musiker Pouyan Kheradmand sitzt, Täter zu Opfer auch auf der Spielfläche, wenn die Masse den einen angreift. Mit Fäusten und jenen rechtspopulistischen Formulierungen, die die Wählerschaft in die offenen Arme der Xenophobie treibt.

Was Amir Gudarzi verhandelt, vom Publikum fordert, ist nicht wenig. Sein Text thematisiert, assoziiert, analysiert, ist ein komplexes Konstrukt aus Rassismus und Stereotypen, Geschichte und Gegenwart, Bewusstsein und Verdrängung, von den Wiener Kurdenmorde von 1989, der NS-Vergangenheit Österreichs, dem Attentat von Oberwart bis zur Grünen Revolution im Iran von 2009, der Ermordung politischer Gefangener am Ende des Iran-Irak-Kriegs, von Berichten der hiesigen Boulevard-Presse bis zum heutigen Antisemitismus.

Polemisch lässt er den Geleemann über die Willkommenskultur der heimischen Hotellerie lästern, die sich allerdings nicht an Flüchtlinge, sondern an „die reichen Araber“ wendet, und es geht unter die Haut, wenn er über die unter Androhung von Sanktionen zu erlernende Sprache sagt: „Deutsch ist wie ein großer Raum, in dem man gefangen ist.“ Der Geleemann kam traumatisiert aus Teheran, wen schert’s?, er ist eines jener in den 1980er-Jahren im Foltergefängnis geborenen Kinder, von denen man selbst erst durch den Dokumentarfilm „Born in Evin“ (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=38221) erfuhr, wer weiß das schon? Wen interessiert der „Hurensohn“, der nach der Erschießung der Mutter im Hof ihr Blut wegwaschen musste?

„Worüber man schreibt, hat immer mit einem zu tun“, sagt Amir Gudarzi. Auf der Theaterschule in Teheran, dieser Grauzone des Dürfens, wo die Proberäume via Gucklöchern überwacht werden, mit 13, 14, hatte er einen Freund, dessen Vater, wenn er betrunken war, von der Ermordung der Oppositionellen unter Ayatollah Khomeini erzählte, die Mutter, Geschwister. Gudarzi floh, wie er es formuliert, „aus religiös-politischen Gründen“, seit 2009 lebt er im Exil in Wien, gewann den österreichischen exil-DramatikerInnenpreis und erhielt das Dramatikerstipendium des österreichischen Bundeskanzleramts. Derzeit schreibt er an seinem Debütroman, schreibt, er muss schmunzeln, noch sind es viele Ideen im Kopf, darüber wie Politik der Privatheit in die Quere kommt.

Bild: © Alexander Gotter

Ein Wunschtraum vom Richtigstellen, den auch der Geleemann hat. „Steht er erst vor Gericht“, so Maria Sendlhofer, „glaubt er ein Plädoyer über Verdrängung und Verfälschung von Wissen und Gewusstem halten, und über die mediale Aufmerksamkeit, die Öffentlichkeit zum Ausleuchten der geschichtlichen und gegenwärtigen toten Winkel bringen zu können.“ Derweil wird’s auf der Spielfläche tumultuös, dem muslimischen Geleemann wird zur Gaudi der Jude David als Zellengenosse überantwortet, Vorurteile und Klischees prallen aufeinander, werden bedient und hinterfragt.

Schönster Satz zwischen den ihr Leid tragenden Tätern zum hiesigen Lieblingsmythos: „Hier gibt es nur ein Opfer – Österreich!“ Doch siehe, die Feindbilder beginnen sich anzufreunden, Philipp Auer und Johnny Mhanna spielen diese Szene über barbarische Regime, Millionen Tote, der Zweite Weltkrieg, die Besetzung durch Briten und Sowjets da wie dort, der offizielle Iran, der die Shoah ein israelisches Märchen nennt, die „Stolpersteine“, deren Inschriften der Geleemann in Wien gelesen hat. „Ein Mensch ermahnt seine Mitmenschen zum Hinschauen, aber wie steht es um seine Ignoranz?“, erklärt Sendlhofer das zu Sehende.

Und Gudarzi ergänzt: „Es geht um die Narrative und wer die Macht über sie besitzt. Wer kann komplexe Zusammenhänge vereinfachen, wer kann aus Leid Sensation machen, wer entscheidet, welche Nachricht sich gut verkauft und das Rennen um die Titelseite gewinnt?“ Was Regisseurin und Autor mit all dem in den Köpfen der Zuschauer festsetzen wollen? „Viele Fragen und keine Antwort“, lacht Sendlhofer. „Wir wollen herausfordern, weil das Publikum hier im Theaterraum jemandem, der ob seiner Tat verachtet werden müsste, zuhören muss.“ – „Wäre der Geleemann ein Österreicher, wäre er ein Einzelfall und würde psychologisiert“, ergänzt sie. „Aber so, heißt es wieder die …“

„Der Geleemann, die Zukunft zwischen meinen Fingern“, exakt und ideenreich inszeniert, perfekt und mit Hingabe an die Figur gespielt, ist ein Stück, dem wohl niemand gleichgültig begegnen wird können. Es ist Gudarzis lyrische Einladung zur Selbstbefragung, zur Hinterfragung der oftmals von anderen vorgefertigten Bildern, die man in sich trägt, es ist Gudarzis Bitte, der eigenen Voreingenommenheit bewusster zu begegnen. In Tagen wie diesen ein wichtiger Text, umgesetzt in einer sehenswerten Aufführung.

Vorstellungen bis 2. Oktober.

werk-x.at           www.facebook.com/WERKXPetersplatz

  1. 9. 2020

Kammerspiele: Gemeinsam ist Alzheimer schöner

September 21, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Glücklich ist, wer vergisst …

Statt Tabletten-Suizid zu begehen, erfinden sie ein Shakespeare-Stück: Johannes Krisch und Maria Köstlinger als „Er“ und „Sie“. Bild: Herbert Neubauer

Sex & Drugs & Rock’n’Roll. Mit Position eins und drei fängt es an, zum Beatles-Song „Why Don’t We Do It in the Road?“, Position zwei wird zum Schluss geprobt. Ein erotisches Gerangel wird zum Kuss, französisch, denn es ist 1968 und in Paris stehen die Studenten auf, und „Er“ und „Sie“ skandieren: „Wir sind frei!“ Sind sie nicht, Johannes und Helga, wie ihre Namen später offenbar werden, denn mitten im Sorbonner Mai stehen statt Barrikaden zwei Rollstühle.

Die beiden Alten sind in einer Greisenverwahranstalt gefangen, zwar soll sie luxuriös sein, die Seniorenresidenz „Herbstfreude“, doch die verschiebbaren Wände des Bühnenbilds von Florian Etti sind nicht nur prosekturweiß verfliest, sie öffnen sich auch wie von Geisterhand zu größeren, verengen sich zu kleinsten Räumen – der Mensch als Versuchskaninchen im Laborlabyrinth, ein Eindruck, den eine Stimme von oben noch verstärkt. Und doch ist es ein Labyrinth im Kopf …

An den Kammerspielen der Josefstadt wurde nun endlich Peter Turrinis Alterswerk „Gemeinsam ist Alzheimer schöner“ zur #Corona-bedingt verschobenen Uraufführung gebracht, Alexander Kubelka hat die Tragikomödie inszeniert, klug und einfühlsam und mit viel Spiel-Raum für seine Darsteller. Diese sind Maria Köstlinger und Johannes Krisch, welch ein Gewinn der Mann für die Josefstadt ist!, und vom ersten Augenblick an wird man vom Charme der beiden mitgerissen.

Selten zuvor hat man sich bei einem Turrini-Stück mehr gefragt, wie viel biografischer Peter drinsteckt, vom frühen Egomanen und Weiberer, der keine Zeit für Frau und Kind erübrigt, vom Job als Hotelsekretär in Bibione, vom politischen Provokateur zum gesetzten Grandseigneur … bis zum im Programmheft abgedruckten Interview über „Zerbröselung“ und den Tod, der ihm sogar beim Nordic Walking folgt: „Ich nehme keine Termine mehr wahr, fahre nirgendwo hin, sperre mich in mein Arbeitszimmer ein und schreibe so lange, bis ich vom Sessel rutsche.“

Ja, mag man sagen, vieles an diesem Demenztext ist trivial, er ist eben – wie das Leben so spielt. Eine Liebe, die in die Jahre gekommen ist. Zwei Entfremdete, die sich dank ihres zunehmend sich verabschiedenden Gedächtnis neu verleidenschaftlichen. Ihre lichten Momente sind die schwärzesten, wenn sie sich an Verletzungen, enttarnte Seitensprünge, die Gleichgültigkeit des anderen erinnern, wenn die alten Narben zu frischen Wunden aufreißen, dann tobt der Ehekrieg aufs Neue, die wie Kanonenkugeln abgeschossenen Worte aber nicht schwer, sondern beim Einschlag mit dem Turrini-typischen Humor explodierend.

Bild: Herbert Neubauer

Bild: Herbert Neubauer

Bild: Herbert Neubauer

Glücklich also ist, wer vergisst. Johannes und Helga ahnen die meiste Zeit nur dunkel, was es mit ihrer Zweisamkeit in der Altersheim-Einsamkeit auf sich hat, doch hätten sie da das Herz am rechten Fleck. Aber das Gehirn schaltet sich ein und macht sie zu den Kuratoren ihrer eigenen Retrospektive. Nach dem ersten hochpoetischen Telefonat via – Achtung: Sinnbild! – Toilettenpapierrollen wird der Rollstuhl zum Rollschuh, denn bei Bedarf sind die Gangunsicheren bestens zu Fuß, es wird ein Kind gezeugt, der eben noch flammende Pamphlete verfassende Revolutionär übernimmt nun doch Vaters Papierfabrik, wie berührend das ist, wenn sich Johannes von seinen Lebensplänen verabschiedet.

Helga verabschiedet sich vom Studium, wird frustshoppende, den Feng-Shui-Garten pflegende Hausfrau und Mutter, exzellente Gastgeberin, doch im Bett kalt und kälter, Johannes, nun Großunternehmer, lässt dagegen nichts anbrennen. Die Zeit verrinnt, die Zeiten zerrinnen ineinander … Es ist ein Schauspielerfest, das an den Kammerspielen zu sehen ist, und Johannes Krisch ein kongenialer Rappelkopf zum Menschenfreund Turrini. Virtuos meistert er die unzähligen Nuancen, die Turrini ihm zugeschrieben hat. Wie er schaut, wenn sie die Leporello-Liste seiner Amouren entrollt, wie ein Kind, das man beim Kekse klauen erwischt hat. Mit zittriger Hand will er sich rechtfertigen, dann zerspringt er in verzweifelt-(komischem) Zorn, der in die Ecke argumentierte Mann. Womit Krisch die mitleidigen Lacher des Publikums gewiss sind.

Maria Köstlingers Helga aber ist die Machthaberin der Spielchen, eine nüchtern-süffisante Gattin zum kauzig vor sich hin schwadronierenden Gespons. Es ist, als würde im gegenwärtigen Verfall Helgas übersprungene Emanzipation stattfinden. Die vom großen Macho-Tier ein Leben lang kleingehaltene Frau bekommt ihre späte Rache und macht aus ihrer Waffe der stillen Sturheit endlich lautstarkes Aufbegehren. Welch eine Szene, wenn er ihr kellnernde Liebhaber beim Strandurlaub vorwirft, und sie ihm hysterisch lachend vormacht, wie sie ein ganzes Heer von ihnen als „Glocken von Bibione“ Aufstellung nehmen hat lassen. Ein paar Minuten später weiß sie nicht mehr, wie Zähneputzen geht, und er hilft ihr liebevoll mit Zahnbürste und Zahnpasta.

Die gemeinsame Sprache ist das, was Männer und Frauen trennt, feixt Turrini. Will sie über Gefühle reden, sagt er, jetzt komme sie schon wieder mit ihrer Psychologie daher. Eine Schelmin, die behauptet, derlei Sätze im persönlichen Beziehungswirrwarr noch nie gehört zu haben, und gleichzeitig entwirft Turrini mit seinen beiden Figuren ein gesellschaftliches Sittenbild seiner Generation bis heute. Es liegt an Krischs Johannes diesen Polit-Rappel, Anklage des Systems und zugleich Selbstanklage seiner Zeitgenossenschaft, förmlich auszukotzen.

Bild: Herbert Neubauer

Bild: Herbert Neubauer

Bild: Herbert Neubauer

Bild: Herbert Neubauer

Als darob auf den Plan gerufene Big Brothers fungieren Roman Schmelzer und Michael Dangl, als Stimmen der Heimleitung aus dem Lautsprecher, der erste, der von seinen Schäfchen „angenommen und geliebt“ werden will, und dies derart fröhlich aufgedreht, dass es im Selbstmord enden muss, der andere ein aalglatter MBA-Gottöberst, der mit  „Bewohnermanagement“ beschäftigt ist.

Helgas und Johannes‘ Welt reduziert sich, auch räumlich, weil der sich mit einem Auslandsgeschäft verspekuliert habende Sohn und Erbe statt des Appartements nur noch ein Zimmer zu zahlen bereit ist. Der Enkel kommt, auch das kennt man, der schlechte Vater wird ein guter Großvater, der mit hinreißender Begeisterung mit den Spielzeugautos fuhrwerkt. Helga schneidet derweil die Blumen aus ihrem Kleidchen und klebt sie an die Wand. Wunderbar sind überhaupt die Kostüme von Elisabeth Strauß für die Köstlinger: vom mausgrauen Faltenrock zum pastellrosa Liebestöter zum mondänen Turniertanzoutfit.

Im Verwelken lässt Turrini seine Geschöpfe die schönsten Blüten treiben. Fabelhaft etwa, wie sie den Tabletten-Suizid vorbereiten, von den lyrischen Bezeichnungen für die Medikamente aber so verzaubert sind, dass sie mit ihnen der Protagonisten Namen einer Shakespeare’schen Tragödie erfinden. Ein Werk mit Happy End, selbstverständlich. Wie auch Turrinis, der seinen Figuren knapp vor Eskalation ein endgültiges Fremdsein verschriebt. Man siezt sich in diesem dramaturgischen, von Köstlinger und Krisch berückend dargebotenem PS, doch man liebt sich auf den letzten ersten Blick.

Und wie Turrini seine Schutzbefohlenen mal vorm Tod in den Walzer rettet, mal im Flugzeug Richtung Märchen entfleuchen lässt, so auch diesmal: „Er“ führt seine „Sie“ in den Sonnenuntergang, führt sie zum Traualtar, und ihr Brautschleier ist – Toilettenpapier …

www.josefstadt.org           Video: www.youtube.com/watch?v=hoW6URBSI3s

  1. 9. 2020

wortwiege: Re-Opening mit O. Flors „Die Königin ist tot“

August 24, 2020 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Festival-Leiterin Anna Maria Krassnigg im Gespräch

wortwiege-Mastermind Anna Maria Krassnigg. Bild: Andrea Klem

Ab 9. September setzt die wortwiege ihr wegen #Corona unterbrochenes Festival „Bloody Crown – Europa in Szene“, das erste seit der Übersiedlung in die Wiener Neustädter Kasematten, fort. Neben der Wiederaufnahme ihrer von Kritik und Publikum gefeierten Inszenierung von Friedrich Dürrenmatts „König Johann“ zeigt wortwiege-Leiterin und Regisseurin Anna Maria Krassnigg die Uraufführung „Die Königin ist tot“ nach dem gleichnamigen Roman von Olga Flor.

Als Beichte einer zeitgenössischen Lady Macbeth, die sich keinen Fehler in der Verwaltung ihres Körpers und ihrer Gefühle leisten kann, verführen einen die Schauspielerinnen Nina C. Gabriel, Petra Staduan und Isabella Wolf in ein dystopisches Universum der Schönen und Reichen, die über Leichen zu gehen bereit sind, um ihre Privilegien zu verteidigen. Man teilt die Innenperspektive einer Mörderin, die mit einem System spielt, das sie selbst zerstört. Scharf und nüchtern wird eine Gesellschaft seziert, die Erfolg, Besitz und Ansehen als einzige Werte anerkennt und deren Machtstrukturen die ihnen Untergebenen zu rechtlosem Freiwild erklärt. Über ihre Arbeit an der Hochglanzhöllenfahrt und klugen Shakespeare-Neuerzählung der großen österreichischen Autorin – Anna Maria Krassnigg im Gespräch:

MM: Die wortwiege hat ihr Festival „Bloody Crown“ in den Wiener Neustädter Kasematten am 5. März fulminant begonnen und wurde Mitte März wegen #Corona unterbrochen. Nun gibt es ein Re-Opening am 9. September. Wie ergeht es einem, wenn man mit einer Neugründung derart ausgebremst wird?

Anna Maria Krassnigg: Es kam für uns – wie für alle – völlig überraschend. Als „Theatertiere“ waren wir dermaßen in den Endproben versunken, dass wir die Probleme der Welt nur sehr abstrakt wahrgenommen haben. Dass es dann tatsächlich zum Lockdown kam, zu Dingen, die wir alle noch nie zuvor erlebt hatten, ist natürlich ein Schock. Wir mussten am Tag der Generalprobe der Uraufführung von Olga Flors „Die Königin ist tot“ aufhören, da stehen drei Schauspielerinnen auf der Bühne, die sagten sehr treffend: Es ist als wärest du schwanger und darfst nicht gebären.

MM: …also?

Krassnigg: Tempelschlaf – so würde ich es nennen. Ich bin guten Mutes, da meine Erfahrung mit Wiederaufnahmen ist, dass sich die Dinge anlagern, intensiver werden, sich tiefer und reicher anfühlen, und ich bin sehr gespannt, was diese Corona-Zeit, die uns alle in der einen oder anderen Weise verändert hat, mit den Stücken gemacht hat. Wir sind jedenfalls dankbar, dass wir wieder aus der Koppel dürfen.

MM: Als wortwiege-Leiterin – gemeinsam mit Christian Mair – trägt man Verantwortung auch in finanzieller Hinsicht. Was macht man mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in so einer Zeit? Was macht man vor allem auch mit sich selbst?

Krassnigg: Eine der größten Sorgen waren tatsächlich die MitarbeiterInnen, wir sind als Team ja eng zusammengeschweißt. Wir haben die Gagen gezahlt, auch die Abendgagen, weil die Menschen ja damit gerechnet hatten. Ich kann ein Team, das mit uns durch dick und dünn gegangen ist, wegen einer Seuche nicht im Regen stehen lassen, und das Land Niederösterreich wird uns soweit es geht den Rücken freihalten. Wir haben uns dann wild ins Filmeschneiden gestürzt und daraus sind, das kann man auf unserer Homepage www.wortwiege.at sehen, wirklich schöne Arbeiten geworden. Das war sozusagen unsere Wundschmerzpflege.

MM: „König Johann“ von Dürrenmatt wird wiederaufgenommen, „Die Königin ist tot“ hat am 9. September Premiere. Warum haben Sie diesen Olga-Flor-Roman für eine Dramatisierung ausgewählt? Dieser ist eine Macbeth-Neuerzählung, aus der Sicht der Lady Macbeth, eine von Europa in die USA ausgewanderte Schönheit, die Ehefrau des Zeitungsmachers Duncan wird, bis er sie gegen eine jüngere eintauscht, und die Königin seinem ersten Mann im Imperium überlässt. Der Text ist topaktuell, vom im Wortsinn Schwarzen Peter als Figur bis zum Vorwurf der „linken Hetze“, den ein rechtsgedrehter Medienmogul erhebt, Olga Flor hat beinah prophetisch #MeToo und #BlackLivesMatter vorweggenommen …

Krassnigg: Wenn man wie Olga Flor ein politisch denkender Mensch ist, kann es schon passieren, dass das Gehirn solche Dinge ausbrütet, dass die dann aber tatsächlich eintreten, war für sie schockierend. Ich habe sie gefragt: Wann spielt dein Roman – und sie antwortete: In naher Zukunft. Ich schätze Olga Flor als Sprachkünstlerin seit Jahren und freue mich, dass wir sie sozusagen für die Bühne entdeckt haben, weil sich ihre Sprache sehr für die Verlautbarung eignet. Gerade dieser Text ist nicht sehr dialogreich, unser Dramaturg Karl Baratta in Zusammenarbeit mit Marie-Therese Handle-Pfeiffer hat zunächst einmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, dann sich verliebt und verbissen in die Sache, weil der Drang dieser Figur, einerseits eine Beichte abzulegen, andererseits ein Dokument vorzulegen, dass die Männer im Text überführbar macht, einen sehr starken dramatischen Druck erzeugt. Das hat mich interessiert für die Bühne – und ich denke, dass sich dieser „Need“ gut aufs Publikum übertragen wird. Olga Flors Königin ist eine Frauenfigur, die sich auf sehr polemische und komische Weise über diverse tagespolitische Themen auslässt.

„Die Königin ist tot“ nach dem Roman von Olga Flor. Bild: Andrea Klem

Isabella Wolf, Nina C. Gabriel und Petra Staduan. Bild: Andrea Klem

Dreimal moderne Lady Macbeths. Bild: Andrea Klem

MM: Die sind?

Krassnigg: Jede Art von Präfaschismen und Faschismen, aber auch die gängigen Frauenbilder. Olga Flor wird immer wieder gefragt, ob diese Figur eine feministische ist. Natürlich nicht! Dieses patriachal-kapitalistische Umfeld, das sie imprimiert, ergeben die Umstände, aus denen sie sich nicht mehr befreien kann. Sie fährt zunächst mit ihrem Einklinken ins System wahnsinnig gut. Und Opfer säumen ihren Weg. Die Königin ist eine Anti-Heldin, das findet man bei Frauenfiguren sonst nicht, dass sie weder Opfer noch Heldin, und das ist spannend, es in unserer heutigen, von Geschlechterfragen aufgeladenen Zeit zu machen – eine gerissene Anti-Heldin.

MM: Was Olga Flor geschrieben hat, ist die Innenperspektive der Königin, ein assoziativer Erinnerungsstrom, den ihr nun auf drei Darstellerinnen aufgeteilt habt: Nina C. Gabriel, Petra Staduan und Isabella Wolf, genannt Königin, Lilly und Lady M., sind das drei Seiten der Medaille, drei Charakterzüge – vom emanzipierten Weibchen zum weiterzureichenden Besitz zur emotional gebeutelten Manipulantin?

Krassnigg: Diese Dreiteilung ist ganz organisch entstanden. Wer will, kann man die Geschichte als eine Melania-Trump-Geschichte lesen, nur Melania Trump kannte zum Zeitpunkt des Entstehens des Textes noch niemand, und Olga Flors Figur ist sehr vielschichtig. Die Anteile an ihr, die uns regelrecht angesprungen sind, ist ihr Spiel mit der eigenen kindlichen Erotik, ihr Dasein als Mutter, wie ja auch das „Original“, die Lady Macbeth, eine ist, und als zweite Gemeinsamkeit ihr Talent als hochbegabte Erzintrigantin. Wir haben also mit Nina Gabriel diese matriarchale Königin, die gedemütigt und gedemütigt wird, bis sie sich rächt, die Tippi-Hedren-Hitchcock-artige Strategie-Lady mit Isabella Wolf, und die unglaublich manipulative Lilly, die Petra Staduan spielt. Die drei sind verschiedene Stimmen in einem Kopf, sind aber ein Bewusstseinsstrom.

MM: Sowohl Roman als auch Bühnenfassung beginnen mit dem großartigen Satz „Ich lasse mich gerne ficken von einem Krieger“, und dieser bedeutet in den drei Nuancen dieser Frau etwas völlig anderes und doch das Gleiche.

Krassnigg: Richtig. Und durch diese polyphonen Stimmen wird das Ganze irrsinnig komisch, man kennt das von sich selber, wenn ein Teil des Gehirns sagt: wir machen das so, und ein anderer: ich glaube, du tickst nicht richtig, es gibt tolle Möglichkeiten für kleine Chöre – und dieser zitierte Satz ist natürlich chorisch, was sehr reizvoll ist, weil er für jede der drei Unterschiedliches meint.

MM: Sie bedienen einmal mehr die von Ihnen wieder zum Leben erweckte Kunstform der Kinobühnenschau – daher das vorher angesprochene Filmemachen, Filme, die diesmal Träume, Visionen, Erinnerungen darstellen?

Krassnigg: Ja, und zwar soll das derart sein, dass das Publikum von Anfang an merkt, es läuft auf einen äußerst dunklen Punkt zu. Diese Krimi-Dramaturgie ist fürs Theater einfach großartig, und alles, was in Wahnsinn und Mordlust endet, passiert über die filmischen Erinnerungen und Träume. Das haben wir immer so betrieben, weil der Film dafür ein wunderbares Medium ist. Es gibt ein Buch von Christoph Türcke, „Philosophie des Traums“, in dem er erklärt, dass die große Zeit der Traumdeutung und die erste Zeit des Films nicht zufällig zusammenfallen. Die haptische Realität des Films ist faszinierend, und so verwenden wir ihn auch, im Zwiegespräch mit dem Bühnengeschehen. Das ist diesmal sehr speziell, weil die Art, wie’s projiziert wird, sehr speziell ist.

MM: Die Filme sind das Terrain der männlichen Darsteller: Horst Schily als Duncan, Jens Ole Schmieder als „erster Ritter“ Alexander …

Krassnigg: … David Wurawa als Peter und Martin Schwanda als Polizeichef Stuart, der bei Shakespeare Banquo ist. Das hat mich am Roman zusätzlich korrumpiert, weil ich dachte, ich habe meinen Traum-Cast dafür, die unglaublich starke Frauen-Trias und diese vier Männer, die wie gespuckt auf diese vier Rollen passen.

Krassnig und Christian Mair. Bild: Christian Mair

Die Kasematten in Wiener Neustadt. Visualisierung: Bevk Perovic

Einzigartige Renaissancegewölbe. Bild: Christian Mair

Die der Bespielung harren. Bild: Christian Mair

MM: Der Roman ist sehr explizit, und Karl Baratta und Marie-Therese Handle-Pfeiffer haben sehr texttreu gearbeitet

Krassnigg: Karl Baratta hat, wie er es scherzhaft formuliert, die großen Schneisen durch den Text geschlagen, und Marie-Therese Handle-Pfeiffer hat auf die Poesie der Flor’schen Sprache geachtet. Der Roman ist „anstrengend“, was für mich das Prädikat besonders wertvoll ist, doch das ist eine Energie, die sich auf die Bühne so nicht übertragen lässt. Es war also beinah ein Stück im Stück, die beiden Dramaturgen, einen Mann und eine Frau, miteinander über ihre Fassung verhandeln zu sehen. Da wurde um jeden Satz gefightet, ob er gestrichen wird oder bleiben kann. (Sie lacht.) Olga Flor jedenfalls, ich denke, das kann ich sagen, ist mit dem Ergebnis sehr glücklich.

MM: Apropos, weil wir vorhin von Politisch sprachen: Olga Flors Duncan ist, wie gesagt, ein Medienmacher der Geisteshaltung Law & Order, wer nicht für ihn ist, ist Linksterror ist, so wie derzeit für einige die Antifa die neuen Nazis sind. Und dann sagt er einen Satz, wer sich an den noch erinnern kann: Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben, so das Original aus dem Jahr 2009, Wer alt genug zum Plündern ist, ist auch alt genug erschossen zu werden, so Duncan. Das ortet diese unguided missile für Leute mit Gedächtnis genau.

Krassnigg: Mit diesem Satz ist die Figur ganz klar umrissen: In dem Moment, in dem die Maske des Geschäftsmanns abfällt, kriecht dieses Gedankengut hervor. Dieser Satz ist auch der Knackpunkt zum Folgenden, nicht weil die Königin ihn moralisch betrachtet, sondern weil sie sagt: Jetzt wurden wir alle nervös, mit solchen Aussagen reitet er uns alle in den Abgrund. Sie sagt, das geht gesellschaftlich so nicht durch, interessanterweise geht es durch. Immer mehr. Wir gewöhnen uns an derartige Dinge wie der Frosch ans brodelnde Wasser, dem wird ein lauwarmes Bad bereitet, das immer heißer und heißer wird, und am Ende ist er gekocht und hat’s nicht bemerkt. Das ist meine Empfindung diesem Satz gegenüber.

MM: Welch eine Überleitung, denn im Text spielt Wasser eine gewisse Rolle. Erzählen Sie etwas über den Spielort und wie sie das umsetzen werden.

Krassnigg: Der Spielort ist sehr speziell, die historischen Kasematten in Wiener Neustadt, die tatsächlich aus der Spätrenaissance sind, daher auch unsere Spielplan-Entscheidung für Shakespeare-artige Königsdramen. Die Kasematten haben einen eigenen Charme, man merkt ihnen an, dass sie einen italienischen Baumeister hatten. Manche Kritiker schreiben zwar „in den Kellerräumen“, aber wer dazu Kellerräume sagt, dem ist nicht zu helfen. Es sind prachtvolle Gewölbe, die per se schon eine aufgeladene Stimmung haben, ein Raum, der seit Jahrhunderten Schutzraum für Tausende war in diesem immer wieder zerstörten und zerbombten Wiener Neustadt. Diese kathedralenhafte Architektur muss man bedienen, man kann nicht gegen sie inszenieren.

MM: Wer hat den Raum gestaltet?

Krassnigg: Ich habe meinen alten Freund und Kupferstecher Andreas Lungenschmid als Bühnenbildner geholt, der in Berlin als bildender Künstler lebt und ein stark architekturelles Denken hat – und er hat uns einen Raum gebaut, hat Architektur in die Architektur eingepasst; er nennt es einen lost place, einen zerfallenen, überwucherten Resttempel unserer sogenannten Zivilisation. Samt Rolltreppe. Und, so viel verrate ich, es wird das Wasser geben. Als Spiegelung des Abgrunds. Das Wasser, über das sie einst von Europa in die USA gekommen ist, eine Fremde, die alles auf sich genommen und getan hat, um nicht mehr fremd zu sein, ist und bleibt das Element der Königin.

Andreas Lungenschmid hat einen lost space gebaut. Bild: Andrea Klem

In dem die Königinnen mit- und gegeneinander aussagen. Bild: Andrea Klem

Wasser als Spiegelbild spielt eine Rolle. Bild: Andrea Klem

Krassniggs Kinobühnenschau. Bild: Andrea Klem

MM: Der Titel des Ganzen ist „Die Königin ist tot“. Im Roman gibt es eine zweite Frau, Ann, Duncans zweite Ehefrau, eine Fernsehmoderatorin schwarzer Hautfarbe, mit der er sich von den Rassismusvorwürfen weißwaschen will. Wird’s auf der Bühne ein „Die Königin ist tot. Lang lebe die Königin“ geben?

Krassnigg: Nein, doch – in gewisser Weise, Ann wird als Zitat ins Stück geholt. Die Neuübernahme des Königreichs, das Schicksal der königlichen Kinder, das gibt es, in einem Sich-das-Maul-Zerreißen über die erlittene Verletzung. Diese Macbeth-Überschreibung ist komplett aus dem Blickwinkel der Frau erzählt, doch genau recherchiert und beschrieben. „Die Königin ist tot“ dieser berühmte Shakespeare-Satz des Soldaten im fünften Akt, fünfte Szene ist der Schlusspunkt des sich steigernden Wahnsinns bis zum Ende.

MM: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, daher die Frage: Wie wird’s mit der wortwiege in Wiener Neustadt weitergehen? Habt ihr Pläne?

Krassnigg: Wir haben Pläne, eine Vision im Hintergrund. Es ist schön hier ein Festival zu machen, für diese kulturhungrige Stadt, in die ich mich ein bisschen verliebt habe. Ich freue mich über das Publikum aus Wiener Neustadt, wobei natürlich viele auch aus Wien kommen, bei denen ich mit meinem Programm andocken konnte. Im Moment sieht es so aus, dass Stadt und Land das Festival weiterhin haben wollen, und dass es erheblich wachsen soll … aber ich will nichts verschreien …

Trailer: vimeo.com/440728950           www.wortwiege.at           www.olgaflor.at/buch/die-koenigin-ist-tot/

24. 8. 2020