Akademietheater: Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos

Dezember 1, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Grotesk ≠ Groteske

Die böse Göttin und ihre Kreatur in der Plastikblase – Frau Grollfeuer mit Herrmann Wurm: Barbara Petritsch und Nikolaus Habjan. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Nun lag es also an Barbara Petritsch, zu zeigen, was der Mensch kann, was die Puppe nicht kann. Die Grande Dame für kantige Charaktere macht aus Werner Schwabs „Volksvernichtung oder Meine Leber ist sinnlos“ am Akademietheater ihr persönliches Bravourstück. Entgegen dem alten Aberglauben, niemals mit Puppen aufzutreten, würden die einen Schauspieler schließlich doch nur an die Wand spielen, dreht sie in der Rolle der Frau Grollfeuer den Spieß um.

Sie dominiert die Bühne als archaisch-gefährliche Muttergöttin, die ihre Kreaturen mit unsichtbarer Hand würgt, hängt und ihnen am Ende die Luft nimmt. Wie sich die Petritsch von der sich vom Pöbel distanzierenden feinen, alten Dame zur zeternden Säuferin zur durchtriebenen Mörderin wandelt, dann aus dem letzten Moment einen hingetanzten Hauch Liebe macht, das ist große Kunst. Dabei ist diese Strippenzieherin in Nikolaus Habjans Inszenierung die einzige, die keine Puppe führt. Habjan hat als Regisseur, Puppenbauer und Puppenspieler für sein Hausdebüt kunstvoll deformierte, degenerierte Figuren erdacht, hässliche Klappmaulaufreißer, für die Francis Bacon Pate gestanden sein könnte, in ihren Fehlbildungen grandios – und dennoch den Werner Schwab’schen Krüppelmenschen, seinem Schwabischen, seinem abgrundtiefen Blick in ungustiöse Seelen nicht gewachsen.

Ist ihr Verhalten zwar vordergründig brutal, doch nie hintergründig bösartig. Was den Figuren abgeht, ist das abgefeimt Gfeanzte. Beständig wird sich gegenseitig mit Bierflaschen auf die Schädel geschlagen, wird wie beiläufig Inzest betrieben, droht der Sohn der Mutter an, sie erst zu töten und ihr dann in den Kopf zu brunzen. Das alles ist grell und plakativ und voller Drastik, doch fehlen dem Puppenspiel die Zwischentöne, fehlt das Doppelbödige. Fehlt das unmissverständlich Missverständliche dieser Davonvogelsprache, von der es anzunehmen gilt, dass sie die Schwab’schen Fäkaliendramen, dieses hier vom Autor „Radikalkomödie“ genannt und vom Regisseur mit dem heiligen Ernst eines Schwab-Hochamts zelebriert, ausmacht.

Frau Wurm mit Krüppelsohn Herrmann: Nikolaus Habjan und Dorothee Hartinger. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Familie Kovacic: Dorothee Hartinger, Alexandra Henkel, Nikolaus Habjan und Sarah Viktoria Frick. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

Mag sein, dass, so wie Satire in der Regel nicht allzu viele Regiegimmicks verträgt, hier die Verfremdung der Verfremdung nicht funktioniert. Grotesk – die Puppen ≠ Groteske – das Stück. Als ausgewiesenen Nikolaus-Habjan-Fan erfreut, besser gesagt: berührt und aufrüttelt, einen dieser Abend nur halbwegs.

Nichtsdestotrotz ist anzumerken, wie fabelhaft dem Ensemble der Umgang mit den Figuren gelingt, wie bemerkenswert es ist, dabei zuzusehen, wie die Burgschauspieler hinter die Puppen zurücktreten, die ihnen an der Hüfte aus dem Körper entspringen, und wie sie diesen sozusagen den Spielraum überlassen. Dorothee Hartinger agiert als hartleibige, bigotte Frau Wurm, Nikolaus Habjan als deren klumpfüßiger Künstlersohn Herrmann.

Sarah Viktoria Frick macht aus Herrn Kovacic eine Mannsbildkarikatur, Alexandra Henkel ist eine proll-chice Frau Kovacic, und zusammen bewegen Frick und Henkel auch noch die Tussi-Töchter der Familie. Die Hölle im Zinshaus hat Bühnenbildner Jakob Brossmann zweigeschossig angelegt. Unten, und damit unter einer Plastikblase, wohnen die Wurms und die Kovacics.

Erstere in einer ärmlichen, kargen Stube, eine Kredenz, ein Grablicht auf dem Küchentisch, zweitere in einem Fototapetenalbtraum mit Federplüschlampe, in den pink-leopardscheckigen Outfits von Cedric Mpaka. Darüber thront die Grollfeuer, lange Zeit unbewegt und im Wortsinn außen vor bleibend, bis sie die zu beiden Seiten befindliche hölzerne Prunktreppe für ihren großen Auftritt nutzt.

Habjans hässliche Klappmaulaufreißer bevölkern die Geburtstagstafel der Grollfeuer. Herrmann, Frau und Herr Kovacic und deren Töchter. Bild: Georg Soulek/Burgtheater

In diesem Setting, und diese „Speisekammer voller Schmerzen“ ist eines von Schwabs als Grazer Hausmeisterinnenkind höchstpersönlichen, sieht man, wie Mutter und Sohn Wurm ihre Hassliebe ausleben, sich mit Beschimpfungen und Demütigungen an- und beherrschen, sich Familie Kovacic kollektiv in den Rausch trinkt, und deren Vater tatsächlich zum horriblen Hamsterkiller wird.

Bis im dritten Akt endlich, während sich Kyrre Kvams Musik zum Furioso steigert, Petritschs Grollfeuer herabsteigt, und zu ihrer Geburtstagstafel samt vergifteter Torte bittet. Und während die Puppen im Ausdruck stets gleich bleiben müssen, nichts den Druck zur Selbst- und gegenseitigen Zerfleischung deutlich macht, der Schwab’sche Überdruck ergo nie entstanden ist, weiß die Petritsch, wie man eine ungehemmt ausschweifende Schwabiade pointiert und akzentuiert. Die Hexe mit dem Silberhaar, die ihre Mieter wie Tiere in einem Gehege betrachtet und sie mit Gehstockhieben gegen dieses quält, ihnen das Konfettikanonenblut aus den Körpern schleudert, enthüllt nun ihr schnapsgetränktes, wirres Weltbild aus Übermenschenfantasien und Untermenschengefasel. Und weil derart Denken ein ewig untotes ist, auferstehen auch die Puppen. Um zu singen: „Der morgige Tag ist mein“.

www.burgtheater.at

30. 11. 2018

Volksoper im Kasino: Limonen aus Sizilien

Februar 18, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Zum Auftakt eine famose Aufführung

Eine Freundschaft: Martina Dorak, Morten Frank Larsen und Carsten Süss. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Mit dieser Spielzeit wird die Volksoper einmal pro Saison mit einer Inszenierung im Kasino des Burgtheaters zu Gast sein. Zeitgenössisches Musiktheater will Direktor Robert Meyer hier herausbringen, kleine Kostbarkeiten und selten gespielte Werke. Zum Auftakt ist dies schon einmal mehr als gelungen. Das Haus zeigt Manfred Trojahns „Limonen aus Sizilien“ in der Regie von Mascha Pörzgen. Das Libretto stammt von Wolfgang Willaschek.

Der hat drei italienische Geschichten zu einem Ganzen verwoben„Der Schraubstock“ und „Limonen aus Sizilien“ von Luigi Pirandello und „Eine Freundschaft“ von Eduardo De Filippo -, hat die unabhängigen Einakter mit einem roten Faden aneinandergeknüpft und so eine neue Erzählung geschaffen. In ihr geht es um die unheilvollen Liebes-, Lust- und Leidverstrickungen der Familien Fabbri und Serra. Giulia Fabbri betrügt ihren Ehemann Andrea mit Antonio Serra. Die Affäre fliegt auf, Klein Micuccio muss den Selbstmord seiner Mutter mitansehen. Herangewachsen ist er in die Opernsängerin Teresina verliebt, deren Studium er vor Jahren finanziert hat. Doch das Wiedersehen ist bitter, sie, mittlerweile Diva, will mit dem kleinen Mann Micuccio nichts mehr zu tun haben. Am Ende schließlich eilt Antonio Serras Sohn Alberto an Micuccios Sterbebett. Der schwer Verwirrte will ihn erst nicht sehen, doch als Alberto sich in Verkleidung Zutritt zum Schlafzimmer verschafft, eröffnet ihm Micuccio eine höchst unangenehme Angelegenheit: Jahrelang hatte er eine Beziehung mit Albertos Frau, er ist der wahre Vater seiner Kinder. Die Rache für den Tod der Mutter ist vollzogen.

All dies ist nicht ausschließlich Drama, sondern auch eine bissige Satire darüber, wie Menschen miteinander umgehen. Trojahns Musik kann tatsächlich Sarkasmus transportieren, kurz und heftig fährt die Dramatik im ersten Teil auf, um im zweiten ruhiger und lyrischer zu sein, im dritten setzt er auf krächzendes Chargieren um die verrückte Handlung zu unterstreichen. Trojahns Musik ist eine Verneigung vor dem Opernland Italien, das er in jungen Jahren bereist hat, eine Nähe zu Puccinis „Trittico“ leugnet der Komponist in Interviews nicht. Die Zitate sind gewitzt gesetzt, und Dirigent Gerrit Prießnitz wird diesem melodisch-humoristischen Ansatz genauso gerecht, wie den dramatisch atonalen Stellen. Ein aus den Musikern der Volksoper zusammengestelltes Kammerorchester macht, seitlich rechts im Spielraum platziert, seine Sache ganz famos.

Überhaupt, der intime, opulent verwahrloste Spielraum ist ein Glück für diese Arbeit. Er atmet Italianità wie ein altehrwürdiger Palazzo. Trojahns Ehefrau Dietlind Konold hat sich mit Bühnenbild und Kostümen befasst, mit wenigen Versatzstücken kommt sie aus, ein Bett, ein paar Stühle, eine Kleiderstange, und lässt so den Sängern Raum zu agieren. In einem Zypressenhain linker Hand tummelt sich ein bocksbeiniger Faun, ein altes Paar tanzt langsamen Walzer. Limonen kommen in jeder Episode vor, werden zu Boden geschleudert, einander an den Kopf geworfen oder geschält, und eine Kasperlhandpuppe als quasi Reminiszenz an die verlorene Unschuld der Kindheit. Trojahn und Konold verstehen sich auf die Poetik von Bildern.

Der Schraubstock: Rebecca Nelsen und Carsten Süss. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Limonen aus Sizilien: Rebecca Nelsen, David Sitka und Ursula Pfitzner. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Das achtköpfige Ensemble weiß deren Angebot für sich zu nutzen. Es präsentiert sich nicht nur stimmlich stark, sondern geht auch mit überbordender Spielfreude ans Werk. Pörzgen hat die Charaktere fein ziseliert, sie kann natürlich im Kasino auf große Gesten verzichten und auf eine subtile Darstellung der Figuren setzen. Dabei wirkt es, als wären die Volksopern-Kräfte durch die Nähe zu ihrem Publikum wie entfesselt. Allen voran Morton Frank Larsen, der erst als feiger Liebhaber Antonio Serra, dann als nicht weniger hasenherziger Sohn Alberto sein großes komisches Talent ausspielt.

Carsten Süss wechselt vom kaltblütigen Gehörnten zu dessen merkwürdigem, ein böses Spiel spielenden Sohn Micuccio. Wenn die beiden in der dritten Episode aufeinandertreffen, geht’s gewaltig zur Sache. Im zweiten Teil ist David Sitka ein so leidenschaftlich wie verzweifelt liebender Micuccio. Rebecca Nelsen, erst als Giulia im Einsatz, verleiht der unterkühlt-distanzierten Teresina Kontur, auch stimmlich überzeugt die Sopranistin auf ganzer Linie. Ursula Pfitzner gibt Teresinas überkandidelte Tante Marta am Rand zur Karikatur.

Manuela Leonhartsberger ist das mitfühlende Dienstmädchen, erst Anna, dann Dorina. Es ist eben diese Anna, Micuccios Kindheitsvertraute, die sich als Verstorbene durch den Wald treiben lässt. Daniel Ohlenschläger lässt als Türsteher Ferdinando seinen Bassbariton erschallen. Martina Dorak interpretiert zum Schluss die Partie der Carolina, Micuccios besorgt-schusseliger Schwester, eine sizilianische Hausfrau mit Brille und Schürze, als wäre sie Eduardo de Filippos Film „Liebe, Brot und Fantasie“ entsprungen. Das Publikum dankte für die Aufführung mit viel Applaus. Die Volksoper hat ihre neue Spielstätte mit Erfolg erschlossen. Man darf gespannt sein, was hier als nächstes kommt.

www.volksoper.at

Wien, 18. 2. 2017

Rabenhof: Kottan ermittelt

November 18, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Kultkiberer lässt diesmal die Puppen tanzen

Kottan ermittelt für Polizeipräsident Pilch nicht schnell genug: Christian Dolezal und Manuela Linshalm. Bild: Rita Newman/Rabenhof

Kottan ermittelt für Polizeipräsident Pilch nicht schnell genug: Christian Dolezal und Nikolaus Habjan. Bild: Rita Newman/Rabenhof

Im Rabenhof wird seit Donnerstagabend von „Kottan ermittelt“. Jan und Tibor Zenker wandeln trittfest in den Spuren ihres Vaters und haben nicht nur eine skurrile Show rund um den Kultkiberer auf die Beine gestellt, sondern auch einen einwandfrei spannenden Kriminalfall verfasst. Gesucht wird der „Hannibal Lecter von Hernals“ und gegen den sind von Tom Harris bis Bret Easton Ellis erdachte Literaturpsychopathen ehrlich gesagt ein Bemmerl.

Am Ende schockiert die Puppe, für die mutmaßlich in mehr als einer Hinsicht der grandiose Schauspieler Oskar Werner Pate stand, mit ihren ganz persönlichen grauenhaften „Körperwelten“. Puppentheater, wenn der diesbezügliche Großmeister Nikolaus Habjan seine Finger im Spiel hat, ist halt nichts für Warmduscher.

Neun Figuren hauchen er und seine Mitstreiterin Manuela Linshalm Leben ein. Vom rechtspopulistischen Vizebürgermeister über einen sächselnden Dresdner Muslimpunk bis zur osteuropäischen Puffmutter. Habjans Puppen-Panoptikum bevölkert dieses aberwitzige Trash-Musical, in dem Kyrre Kvam als One-Man-Orchester unter der Discokugel die größten Hits von Kottans Kapelle und andere L’amour-Hatscher, von Heino bis Drahdiwaberl als genau die Art schmieriger Alleinunterhalter zum besten gibt, den man seinem schlimmsten Feind nicht als Hauptact auf der Geburtstagsparty wünscht. Natürlich gibt’s den mit Fliegenklatsche ausgestatteten Polizeipräsident Pilch und den intrigant-dümmlichen Schrammel, die Ilse und die Mama – und es ist erstaunlich, wie sehr sich Habjan vor allem den Sprachduktus von Bibiana Zeller und den Tiroler Dialekt von Kurt Weinzierl einverleibt hat.

Einmal mehr schaut man ihm begeistert zu, wie er mit seinen Klappmaulpuppen mitlebt und -leidet, manchmal sichtlich selbst erstaunt über deren Treiben, manchmal ihren Gesichtsausdruck annehmend, wenn in Momenten höchster Emotion das Temperament mit ihm durchgeht. Den Menschen hinter der Puppe zu vergessen, ist nicht einfach, wenn ein Schauspieler wie Habjan am Werk ist. Dass die Zuschauer seine Arbeit zu schätzen wissen, machten sie erst kürzlich durch die Verleihung des Nestroy-Publikumspreis publik.

Die Mama hat die "Wunderkammer" des Frauenmörders längst entdeckt: Puppenspieler Nikolaus Habjan ... Bild: Rita Newman/Rabenhof

Die Mama hat die „Körperwelten“ des Frauenmörders längst entdeckt: Puppenspieler Nikolaus Habjan … Bild: Rita Newman/Rabenhof

... da tappt der Schrammel immer noch im Dunkeln: Puppenspielerin Manuela Linshalm. Bild: Rita Newman/Rabenhof

… da tappt der Schrammel noch immer im Dunkeln: Puppenspielerin Manuela Linshalm. Bild: Rita Newman/Rabenhof

Als quasi einziger Darsteller aus Fleisch und Blut spielt Christian Dolezal den Kottan, ein cooler, zynischer Hund, mehr zu Hause zwischen Peter Vogel und Franz Buchrieser, als ein Haberer vom Lukas Resetarits. Er lässt in seiner Hommage an den legendären Major die Puppen tanzen und singen und schrammelt auch auf der Stromgitarre. Und der Schiach geht ihn erst an, als sich ein gewisser Edgar an die sich ungeliebt fühlende Ilse heranpirscht, der – das weiß das Publikum, aber nicht der Inspektor-gibt’s-kann – seine Opfer mit dem Gift der Goldwespe gefügig macht.

Da wird er der Dolferl ganz klein und raunzig und weint nach der Mama, die in bewährter Gusti-Wolf-Manier aber eh schon längst alles aufgeklärt hat. Nebstbei löst der Kottan noch einen Fall von Korruption in den eigenen Reihen, ein paar Zeitbezüge dürfen da ebenso wenig fehlen wie die zeitlose Chris Lohner, die einmal mehr mit viel Selbstironie aus dem Fernsehkastl schaut. Am Schluss gibt’s ein Peckinpah’sches Zeitlupenfinish und Jubel-Trubel beim begeisterten Publikum, von dem zumindest die leicht angegrauten Semester vorher schon den „Supersheriff“ mitgesungen hatten.

Verantwortet wird dieser fabelhaft verrückte Abend von Hausherr Thomas Gratzer, der als Regisseur auf den Punkt genau inszeniert hat. Jede Pointe sitzt – und deren gibt es viele, das Tempo und das Timing stimmen, der Mordspaß bricht spätestens nach der Pause durch die Decke. Wer sich eineinhalb Stunden nonstop amüsieren will: Ab in den Rabenhof. Und zwar Ruck-Zuck.

www.rabenhoftheater.com

Wien, 18. 11. 2016

Schubert Theater: Parterre-Akrobaten

April 6, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Puppenspiel nach Texten von Artmann und Schwitters

Die Parterre-Akrobaten und ihre Puppenspieler Manuela Linshalm und Christoph Hackenberg Bild: Schubert Theater

Die Parterre-Akrobaten und ihre Puppenspieler Manuela Linshalm und Christoph Hackenberg
Bild: Schubert Theater

Wien-„bradnsee“ und Hannover. Der „Don Quijote fon da schwoazzn dintn“ und der „Caspar David Friedrich der dadaistischen Revolution“. Erster und Zweiter Weltkrieg. Zwei Bürgerschrecke, 34 Lebensjahre liegen zwischen ihnen, die gegen die Unfreiheit und den Kleingeist ihrer Gesellschaft angeschrieben und gelebt haben. Am 8. April hat im Schubert Theater „Parterre-Akrobaten“ Premiere, die neue Figurentheater- produktion mit Texten von H.C. Artmann und Kurt Schwitters.

Mit Puppen von Nikolaus Habjan und Manuela Linshalm.

Der Abend ist eine Reise durch die Panoptika, Geisterbahnen und Fundbüros des Wiener Praters und der Waldhausenstraße 5. Im Rahmen einer „soirée noire“ wird dem poetischen, absurden und makabren Akt gefrönt. Das Anliegen ist, die enge Verwandtschaft zwischen diesen beiden Sprach- und Lebensforschern aufzuzeigen, denen die mentalen Grenzen Österreichs und Deutschlands stets zu eng waren und die politische Sprengkraft ihrer Texte lustvoll wiederzubeleben.

Für dieses Projekt haben sich die passenden Künstler auf der Artmann-Schwitters-Landkarte gefunden: Die Wiener Puppenspielerin Manuela Linshalm gehört fix zum Ensemble des Schubert Theaters in der Währinger Straße. Der Innsbrucker Christoph Hackenberg  ist freier Film- und Fernsehschauspieler und arbeitet als Puppenspieler seit 2008 mit dem Schubert Theater zusammen. Die aus Omsk gebürtige Musikerin Jana Schulz hat in Wien bereits durch ihre Band „Jana & Die Piraten“ auf sich aufmerksam gemacht. Und zu guter Letzt reiht sich in den „danse absurde“ die aus Transsylvanien stammende Regisseurin Martina Gredler ein, die am Residenztheater in München und am Burgtheater Regieassistentin war.

schuberttheater.at

Wien, 6. 4. 2106

Nikolaus Habjan inszeniert „Faust“

Februar 4, 2016 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Spiel mit Puppen im Grazer Next Liberty

"Faust" Klaus Huhle mit Mephisto-Puppe Bild: Lupi Spuma

Bei den Proben: „Faust“ Klaus Huhle mit seinem Mephistopheles
Bild: Lupi Spuma

Nikolaus Habjan inszeniert Goethes Welttragödie. Mit Charakterdarsteller Klaus Huhle als Faust, Puppenspielerin Manuela Linshalm als Mephistopheles und dem Ensemble des Grazer Next Liberty. Premiere ist am 12. Februar. Für die Bühne ist Jakob Brossmann verantwortlich, der zuletzt für seinen Dokumentarfilm „Lampedusa im Winter“ mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet wurde (Interview und Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=15764).

www.nextliberty.com

nikolaushabjan.com

Wien, 4. 2. 2016