Winterpalais: Fürstenglanz. Die Macht der Pracht

März 17, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Einblicke in blaublütiges „Schöner Wohnen“

Ausstellungsansicht, Fürstenglanz - Die Macht der Pracht Bild: © Belvedere, Wien

Ausstellungsansicht, Fürstenglanz – Die Macht der Pracht
Bild: © Belvedere, Wien

Ab 18. März beschäftigt sich die Ausstellung „Fürstenglanz – Die Macht der Pracht“ im Winterpalais des Prinzen Eugen mit barocker Sammellust. Den Kern der Ausstellung bilden die fürstlichen Sammlungskataloge der großen europäischen Barockgalerien. Sie kündeten vom Ruhm ihrer Schöpfer, dokumentieren sozusagen ein fürstliches „Schöner Wohnen“ und entwickelten sich zugleich zum Ursprung der modernen Kunst- und Ausstellungskataloge.

Mit beeindruckenden Werken etwa aus dem Pariser Louvre demonstriert die Schau welche Bedeutung die ehemaligen europäischen Herrscherhäuser ihren Kunstsammlungen beigemessen haben. Der Besitz von Kunst wurde über Jahrhunderte klar als Machtbeweis instrumentalisiert.

Eine Entwicklung, die auch mit der zunehmenden Bedeutung der Künstler im aufkeimenden Barock einherging. Talentierte Künstler wurden zu Lieblingen der Fürsten, ihre Bindung an einen Hof und das damit verbundene Exklusivrecht an ihrem Werk waren sozusagen weitere Puzzleteile des Machtgefüges.

Herausragende Talente wie beispielsweise Peter Paul Rubens konnten auf dem Höhepunkt des Barock gar zu Diplomaten, also quasi zu Malerfürsten aufsteigen. „Großartige Leihgaben aus erlesenen Gemäldesammlungen in ganz Europa kommen jetzt nach Wien“, erklärt Kurator Tobias G. Natter. „Mit diesen illustrierten Prachtbüchern erleben wir hautnah mit, wie die Türen fürstlicher Spitzensammlungen sich erstmals für ein allgemeines Publikum zu öffnen begannen: Wenn man so will, ist hier die Geburtsstunde des modernen Kunstbuchs.“

 Zu den ausgestellten Werken gehört das von Hofmaler David Teniers d. J. publizierte „Theatrum Pictorium (Theater der Bilder)“ aus dem Jahr 1660. Ein reich illustriertes Werk, das bis heute von der Sammelleidenschaft des habsburgischen Erzherzogs Leopold Wilhelm zeugt und die Geburtsstunde der aufwendig mit druckgrafischen Reproduktionen gestalteten Bucheditionen darstellt. Zu sehen sind außerdem Jean-Baptiste Colberts „Tableaux du Cabinet du Roi“ für Frankreichs König Ludwig XIV., das Dresdner Galeriewerk für August III., Kurfürst von Sachsen und König von Polen, sowie ein „Prodromus“, eine Art Vorschau, für den österreichischen Kaiser Karl VI. im hochbarocken Wien um 1720/30, in der die mehr als tausend geplanten Gemäldereproduktionen zu Miniaturtableaus zusammengefasst wurden.
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Durch die Rekonstruktion einer „barocken Hängung“, die atmosphärisch in das Ausstellungsthema einführt, wird das Winterpalais des Prinzen Eugen selbst zum Exponat. Im barocken Ambiente soll den Besuchern so vor Augen geführt werden, wie sich die Sammelleidenschaft der Fürsten einem großen Publikum präsentierte. Die Geschichte des Sammelns von Kunst und die Persönlichkeiten, die sich dahinter verbergen, sind ein spannender Teil der europäischen Kulturgeschichte. Sie darf als Wegbereiter für das moderne, öffentlich zugängliche Museum verstanden werden.
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Wien, 17. 3. 2016

„Macht und Widerstand“: Ilija Trojanow im Gespräch

September 25, 2015 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Von Folter, Freiheit und vom Leben als Flüchtling

u1_978-3-10-002463-3 Sie sind schon als Kinder Feinde. Das wird sich nicht ändern. Konstantin Scheitanow wird Widerstandskämpfer, einer, der schon in der Schulzeit der bulgarischen Staatssicherheit auffällt und ihrem Griff nicht mehr entkommt. Metodi Popow wird Offizier, Opportunist und Karrierist, ein Repräsentant des Apparats und seiner Macht. Länger als ein halbes Jahrhundert sind sie in einem Kampf um Leben und Gedächtnis verstrickt. Der Dissident wird nach der Wende aus den Folterkellern der Stasi in den 14. Stock eines Plattenbaus abgeschoben. Und hat von dort oben den perfekten Blick auf das Anwesen seines Peinigers, der die Verwandlung vom Sicherheitschef zum Geschäftsmann mit römisch Eins absolvierte …

Ilija Trojanow legt mit „Macht und Widerstand“ einen großen Roman vor. Ohne Scheu wagt der politisch engagierte Autor den schwindelerregenden Blick in allzu menschliche Abgründe und entfaltet so ein Panorama von exemplarischer Gültigkeit. Momente aus wahren Geschichten, die Trojanow seit den Neunzigerjahren in Gesprächen mit Zeitzeugen sammelt, verdichtet er zu einer spannenden Erzählung. Ilija Trojanow im Gespräch:

MM: Sie haben 1999 mit „Hundezeiten“, 2006 überarbeitet als „Die fingierte Revolution„, ein Bulgarien-Buch geschrieben, Sie haben 2007 den Film „Vorwärts und nie vergessen – Ballade über bulgarische Helden“ gedreht, eine Dokumentation basierend auf Gesprächen mit politischen Gefangenen, die Jahre und Jahrzehnte in den Lagern des kommunistischen Bulgarien verschwunden waren. Nun also „Macht und Widerstand“. Bulgarien lässt Sie nicht los.

Ilija Trojanow: Das Thema lässt mich nicht los, Bulgarien ist nur Anschauungsmaterial. Diese Beschäftigung hat auch keinen autobiografischen Impuls, sie ist wirklich gänzlich inspiriert von anderen Menschen, von anderen Stimmen – und der Tatsache, dass diese Stimmen nicht gehört, dass sie weiterhin marginalisiert werden. Das war für mich die Verpflichtung, darüber zu schreiben. Ein Roman bietet sich geradezu an, weil die großen Problemstellungen von Erniedrigung bis Verrat übermächtig sind.

MM: Sie haben in der Recherche zu diesem Buch mit vielen Menschen gesprochen, Opfern wie Tätern. Was haben Sie für sich erfahren?

Trojanow: Ich habe viel gelernt, und glaube, dass auch die Leser viel lernen werden, weil manches nicht so ist, wie man vermutet. Man würde annehmen, dass Menschen im Gefängnis, im Lager, in Isolationshaft völlig ohnmächtig sind, dem ist aber nicht so. Die Unbeugsamkeit gibt einem in ausweglosen Situationen, in Situationen der Machtlosigkeit, die Möglichkeit Haltung zu bewahren und dadurch weiterhin Widerstand zu leisten. Was ich wirklich erstaunlich finde und was ich nie vergessen werde, ist der oft gefallene Satz „Im Gefängnis haben wir uns am freiesten gefühlt“. Man musste um nichts mehr fürchten, denn man hatte ja schon alles verloren.

MM: Das Leben hatte man noch.

Trojanow: Aber in einer Situation, in der das Leben täglich bedroht ist, in der die Unsicherheit des Lebens Alltag ist. Interessant war die Solidarität unter den Häftlingen, völlig abgehoben von politischen Überzeugungen. Das wird auch im Buch beschrieben, wie Faschisten und Anarchisten, also Gruppierungen, die sich draußen die Köpfe eingeschlagen hätten, dort unglaublich intensive kameradschaftliche Beziehungen gepflegt haben. Es gab verblüffende Einsichten in das menschliche Verhalten in Ausnahmesituationen. Ebenso bei den Tätern. Die Leute muss man natürlich aufsuchen, die klopfen nicht an. Es war ein jahrelanger Prozess, da einen Fuss in die Tür zu kriegen, das funktioniert nur, wenn man einen kennt, der einen kennt. Dann kommt es darauf an, wie man mit ihnen umgeht, wie man mit ihnen spricht, damit man ihr Vertrauen erlangt. Vertrauen und dessen Verlust ist ja eines der Themen im Buch. Ich glaube, dass eine der perfiden Folgen von Überwachung der Vertrauensverlust ist, ein Gefühl, das rasch existenziell wird.

MM: Von etlichen Rezensenten wird das Buch als Ihr großer Bulgarien-Roman bewertet, ich finde darin eine Allgemeingültigkeit über repressive Regime und das Danach. Beispiel: Ihre Figuren könnten auch aus dem Nachkriegs-Österreich sein, ein KZ-Häfling, dessen Erinnerungen die Öffentlichkeit nicht interessieren, sondern die sie ignorieren, ein Nazi, der sich schnell in der Alltäglichkeit eingerichtet hat, der in der Masse entschlüpft und entkommen ist.

Trojanow: Das glaube ich auch. Und das betrifft nicht nur Deutschland oder Österreich. Ich habe in Gesprächen in Argentinien erstaunliche Ähnlichkeiten festgestellt; in Frankfurt habe ich Leute getroffen, die in Guatemala arbeiten, die sagten, es ist verblüffend, als hätte ich ein Buch über Guatemala geschrieben. Eine andere Gültigkeit, die ich fand, war: Ich hatte den Roman fast zu Ende geschrieben, da kam der US-Kongress-Bericht über die Folterpraktiken der CIA, da stehen Rechtfertigungssätze von hochrangigen Offizieren drin, die Metodi teilweise fast wortwörtlich sagt. Es geht um eine Kontinuität der Eliten und um den Schminkkoffer der Selbstrechtfertigung, mit dem das Böse daherkommt. In der Literatur ist das Böse meiner Meinung nach oft nicht ganz realistisch dargestellt, die Bösen sind innerlich zerrissen, können nicht schlafen, sind voller selbstquälerischer Erinnerungen. Das ist nicht meine Erfahrung. Im Gegenteil, die Täter haben sich in der Selbstrechtfertigung kommod eingerichtet, die schlafen gut.

MM: Wie werden Sie in Bulgarien gelesen?

Trojanow: Das hat sich über die Jahre verbessert. Zu Beginn nur als Nestbeschmutzer, ich wurde auch jahrelang nicht übersetzt, das hat sich jetzt gewandelt. Es gibt eine merkwürdige Mischung aus Hass und Patriotismus. Wenn ich einen Preis gewinne, lassen sie es sich nicht nehmen, über „unseren“ Trojanow zu berichten, Nachsatz: „aber sonst schreibt er Blödsinn über Bulgarien“. Ich bin gespannt, wie dieser Roman ankommt, so einen hat es noch nie gegeben. Auch in anderen ehemaligen Ostblockländern nicht. Ich habe meinen ungarischen Kollegen György Dragomán vor ein paar Tagen getroffen, der meinte, solche Bücher seien auch in Ungarn und Rumänien selten. Er sagte den schönsten Satz: „Wenn meine Kinder mich fragen, wie es war, im Kommunismus zu leben, werde ich ihnen sagen, lest ,Macht und Widerstand'“.

MM: Sprechen wir über die äußere Form der Arbeit. Sie haben auf einen übergeordneten, die Geschehnisse ordnenden Erzähler verzichten und lassen zwei Ich-Stimmen im Monolog aufeinanderprallen. Es fallen Sätze wie „Angst wächst in den Archiven.“ – „Die Wahrheit wird an die Oberfläche geschwemmt werden, wie die Leiche eines Ertränkten“. Das ist klar, kitschlos, dennoch poetisch – und kalt. Warum diese Entscheidung?

Trojanow: Weil jede Erzählstimme etwas Subjektives beigefügt hätte; die absolut objektive Erzählstimme ist eine Illusion. Das wollte ich vermeiden, ich wollte aber auch vermeiden, dass ich irgendetwas erklären muss. Da wäre ich unweigerlich in die Bredouille gekommen, den Lesern, die vieles nicht kennen, Hilfestellungen zu geben und somit Stellung zu beziehen. So haben die Leser nichts anderes als diese zwei eigenwilligen Stimmen und müssen sich selber ein Bild machen.

MM: Das ist interessant, weil der Roman als solcher natürlich Stellung bezieht. Neben dem Trend der nabelschauenden Hippsterromane scheint das ein Weltanschauungsbuch zu sein.

Trojanow: Natürlich hat jeder Autor eine Weltanschauung. Es gibt von James Joyce den wunderbaren Satz „Wenn ich einen Autor lese, interessiert mich nur seine Weltanschauung“. Aber Gesinnung in dem Sinne, dass man die Leser in eine bestimmte Richtung manövriert, das wäre ein schlechter Roman, das möchte ich nicht. „Macht und Widerstand“ stellt Fragen, vielleicht andere als üblich, und dadurch wird eine Posibilität für bestimmte Zusammenhänge und damit natürlich auch eine bestimmte Haltung sichtbar. Aber das Buch beantwortet Fragen nicht mit einer ideologischen Ausschließlichkeit.

MM: Sie fügen auch in sehr lakonischer Beamtensprache verfasste Folterberichte in den Text ein. Das Ergebnis einer Reise durch Bulgariens Geheimpolizeiarchive?

Trojanow: Ich habe selber gesucht, es sind aber auch Materialien, die mir ein Gewährsmann überreicht hat. Ich will damit nicht vordergründig schockieren, diese Berichte machen literarisch Sinn und sind teilweise auch Fiktion. Die Vorstellung, dass das rein dokumentarisches Material ist, ist unsinnig. Es ist Ausdruck eines bestimmten Machtbegriffes, einer bestimmten Manipulation, einer Instrumentalisierung. Indem ich zwei verschiedene Fiktionen nebeneinander stelle, entsteht auch ein Loslösen von klaren Kategorien … (er macht eine Pause) … doch, es stimmt, es gibt einen Schockeffekt, auf den Verstörung und Desorientierung folgen. Was, glaube ich, aber notwendig ist, um zu spüren, wie das System funktioniert.

MM: Sie haben von der inneren Freiheit der Gefängnisinsassen gesprochen. Sie haben einmal gesagt, die Menschen im sogenannten Westen würden die innere und äußere Freiheit, in der sie leben dürfen, gar nicht ausreichend nützen. Wie meinen Sie das?

Trojanow: Mich schreckt der Mangel an Freiheitsdrang. Wenn man die Freiheit einmal verloren hat, ist man sensibilisierter, einfach aufgrund dessen, dass man beobachtet hat, welche traumatisierende, fatale, zerstörerische Wirkung diese Durchherrschung hat. Das habe ich in den Akten gemerkt: Die Perspektive, der Blick des Überwachenden macht einen per se verdächtig. Man kann, wenn die Kamera auf einen gerichtet wird, gar nicht unschuldig sein. Die Überwachung allein macht einen zum Schuldigen. Egal, wie unschuldig jemandes abgehörte Aussage war, durch den Generalverdacht wurde der Inhalt verdreht. Die Paranoia des Systems kriecht dann in jedes Wort und die Wahrheit „Ich weiß nicht“ wird zur Wahrheit, dass dieser Mensch sicher etwas verheimlicht.

MM: Lassen Sie uns aus gegebenem Anlass zur aktuellen Flüchtlingsproblematik kommen: Bulgarien macht Europa gerade die Mauer. Warum tun sich einige osteuropäische Länder mit der Aufnahme von Flüchtlingen so schwer? Passt deren Leid nicht in die Köpfe nach dem Motto: Von hier wollten immer nur alle weg, warum will jetzt jemand herkommen?

Trojanow: In Bulgarien hat nicht einmal die Landbevölkerung Perspektiven, insofern ist es völlig abstrus zu glauben, Flüchtlinge könnten dort in irgendeiner Weise zurechtkommen. Ich habe letztes Jahr eine Recherche in Flüchtlingslagern gemacht, und die Syrer, die erst einige Wochen da waren, haben luzide klar gesehen, wie die Situation ist. Sie sagten zu mir: Die Bulgaren kommen nicht über die Runden, wie sollen wir hier ansässig werden? Das ganze System ist von einer strukturellen Unsinnigkeit, die ganze Dublin-Vorstellung ist absurd. Wir wissen, dass die europäischen Randzonen von je her die strukturschwachen Zonen sind, und nach den verschiedenen finanzökonomischen Katastrophen umso mehr. Wie sollen diese Länder, Rumänien, Griechenland, den Flüchtlingen eine Perspektive geben? Zumal der Bürgerkrieg in Syrien auf absehbare Zeit nicht abebben wird.

MM: Aber was ist dann die Lösung? Die Osteuropäer bedienen sich aus den Geldtöpfen der EU, aber an der Lösung ihrer Probleme wollen sie nicht teilhaben? Ein Dasein als von allen Troubles ausgenommene EU-Mitglieder?

Trojanow: Es gibt unterschiedliche Lösungen. Wichtig wäre, gesamteuropäisch zu schauen, welche Kompetenzen, welche Ausbildung die Flüchtlinge haben, und sie dann dort hinzuschicken, wo ihre Fähigkeiten gebraucht werden. Gerade die Syrer sind sehr gebildet, da muss es einen europäischen Jobmarket geben, wo man doch von Wirtschaftsexperten immer wieder hört, dass es an Fachkräften fehlt.

MM: Eine Frage an das ehemalige Flüchtlingskind und den heutigen „Weltensammler“ Trojanow: Einmal Flüchtling, immer Flüchtling?

Trojanow: Ja, aber das muss nicht negativ sein. Die Entwurzelung, das Exil kann auch ein Geschenk sein und kreatives Denken freisetzen. Die Vorstellung, dass man ein Leben lang verdammt ist, ist nicht zutreffend.

Über den Autor:
Ilija Trojanow, geboren 1965 in Sofia, floh mit seiner Familie 1971 über Jugoslawien und Italien nach Deutschland, wo sie politisches Asyl erhielten. 1972 zog die Familie weiter nach Kenia, wo Ilija Trojanow zu einem begeisterten Sportler wurde. Von 1984 bis 1989 studierte Trojanow Rechtswissenschaften und Ethnologie an der Universität München. In München gründete er 1989 den Kyrill & Method Verlag und 1991 den Marino Verlag. 1998 zog Trojanow nach Bombay, 2003 nach Kapstadt. Heute lebt er, wenn er nicht reist, in Wien. 2009 veröffentlichte Trojanow zusammen mit Juli Zeh das Buch „Angriff auf die Freiheit. Sicherheitswahn, Überwachungsstaat und der Abbau bürgerlicher Rechte“. Im Rahmen der Buchvorstellung kritisierten die beiden Autoren, dass der Staat unter dem Deckmantel der Terrorabwehr immer weiter in die Privatsphäre seiner Bürger vordringe. 2013 wurde ihm in zeitlichem Zusammenhang mit Schriftsteller-Protesten gegen die Praktiken US-amerikanischer Geheimdienste eine Einreise in die USA verweigert. Seine weithin bekannten Romane wie z.B. „Die Welt ist groß und Rettung lauert überall“, „Der Weltensammler“ und zuletzt „Eistau“ sowie seine Reisereportagen wie „An den inneren Ufern Indiens“ sind gefeierte Bestseller und wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Im Herbst 2015 erschien bei S. Fischer sein großer Roman „Macht und Widerstand“.

S. Fischer, Ilija Trojanow: „Macht und Widerstand“, Roman, 480 Seiten

www.fischerverlage.de

trojanow.de

Wien, 25. 9. 2015

Dschungel Wien: Peter Turrini – Uraufführung

Mai 22, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Was macht man, wenn …

Ratschläge für den kleinen Mann

Bild: Dschungel Wien

Bild: Dschungel Wien

Der DSCHUNGEL WIEN präsentiert Peter Turrinis erstes Kinderbuch erstmals auf der Bühne: „Was macht man, wenn … – Ratschläge für den kleinen Mann“ (7+) bringt ab  22. Mai, 18 Uhr, Groß und Klein – egal ob Mann oder Frau – mit herrlich unkonventionellen Antworten auf nicht immer alltägliche Fragen zum Schmunzeln. Von der liebevollen Umsetzung seines Kinderbuch-Klassikers unter der Regie von Nika Sommeregger, zeigte sich Peter Turrini bereits bei mehreren Probenbesuchen sehr erfreut. Wie auch die Vorlage bleibt auch die dramatisierte Version des witzigen Ratgebers konsequent parteiisch: auf der Seite der Kinder! Der große Dramatiker Peter Turrini gibt herrlich unkonventionelle Antworten auf nicht immer alltägliche Fragen von Kindern. Ein Muss für die Bühne.

Was macht man, wenn Soldaten auf dem Dach sitzen? Einem ein Löwe auf dem Zebrastreifen begegnet? Wie geht man mit Schlägertypen um? Wie mit Goldschätzen verfahren, die gefunden werden? Was tun, wenn man zum Essen eingeladen wird und das Essen grauslich ist? Wie sich retten aus dem Bauch eines Wals? Was macht man, wenn man von einem Erwachsenen Blödmann geschimpft wird? Was tun, wenn man nicht mitspielen darf? Und die alles entscheidende Frage für den kleinen Mann: Wie landet Bub bei Mädchen?

Peter Turrini ist mit seinem Buch „Was macht man, wenn … Ratschläge für den kleinen Mann“ eine Sternstunde der Literatur gelungen. Ein Ratgeber voller skurriler, humorvoller, schrecklicher, witziger, hintergründiger Geschichten. Für jede Lebenslage weiß Turrini etwas zu erzählen, das besser nicht sein könnten.

www.dschungelwien.at

22. 5. 2014

Hunger.Macht.Profite.

Oktober 29, 2013 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Filmtage zum Recht auf Nahrung

Food Speculator Bild: VPRO.nl, Backlight, Kees Brouwer

Food Speculator
Bild: VPRO.nl, Backlight, Kees Brouwer

Sechs Bundesländer – 16 Veranstaltungsorte – 28 Filmvorführungen mit drei Filmbrunchs und einer Sneak Preview – mehr als 60 ImpulsgeberInnen bei den Filmgesprächen: Am 6. November starten in Wien, Vorarlberg, Niederösterreich, Kärnten, Steiermark, Oberösterreich die Filmtage zum Recht auf Nahrung „Hunger.Macht.Profite.6“.Aus Essen lässt sich reichlich Profit schlagen – die Zocker an den Rohstoffbörsen werden immer erfinderischer, treiben für ihren Profit Nahrungsmittelpreise drastisch in die Höhe und damit Menschen in den Hunger. Gleichzeitig verschärft sich der Preiskampf im Lebensmittelhandel, die Profitmargen der ErzeugerInnen schwinden, der Druck auf die ArbeitnehmerInnen steigt.Die Filmtage Hunger.Macht.Profite. zeigen im November 2013 zum 6. Mal kritische Filme über unser Agrar- und Ernährungssystem, die Ungerechtigkeiten und Profiteure sichtbar machen. Die Auswirkungen sind für alle klar zu sehen, die sehen wollen. Der Profit, der mit diesen Ungerechtigkeiten gemacht wird, ist versteckt.

Zum Programm: www.HungerMachtProfite.at

Die Filme:

The Food Speculator

von Kees Brouwer, Backlight – VPRO (Niederlande 2011, deutsch untertitelt)

Regisseur Kees Brouwers begibt sich selbst in die Rolle eines Lebensmittelspekulanten. Eine Forschungsreise, die uns an Plätze wie die Straßen von Tunesien und an die Rohstoffbörse von Chicago führt.

Kurzfilm Nahrungsmittelspekulation

Wie wird mit Nahrungsmitteln spekuliert, welche Gefahren birgt es und was deshalb geschehen muss.

The Carbon Rush

von Amy Miller (Kanada 2012,  deutsch untertitelt)

„Grüne“ Projekte in Honduras, Panama oder Indien erhalten Emissionszertifikate für die Aufrechnung von Schadstoffbelastungen, die sonstwo erzeugt wurden – mit welchen Auswirkungen?

Eine Handvoll Zukunft – Ein Jahr mit der Gartenkooperative ortoloco

von Sonja Mühlemann und Jeanne Woodtli (Schweiz 2012,schweizerdeutsch)

Sie säen, jäten, ernten. Denn sie wollen wissen, woher das Gemüse kommt, das vor ihnen auf dem Teller liegt. Über 100 GenossenschafterInnen zählt die regionale Gartenbaukooperative Ortoloco in Dietikon.

Kleine Bauern – Große Bosse

von Oda Lambrecht und Lutz Ackermann (Deutschland 2013, deutsch)

Viele BäuerInnen klagen über steigende Abhängigkeiten und Verschuldung. Grund ist die gestiegene Konzentration in der Branche, nur wenige Großkonzerne bestimmen den Markt.

Kurzfilm GAP-Video: Die Zukunft unseres Essens steht auf dem Spiel! In diesem Moment wird eine Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) diskutiert.

Future Farmer Films: Kurzportrait des 26-jährigen Moritz Schäfer, der in Deutschland einen konventionellen Betrieb übernahm und ihn heute biologisch bewirtschaftet.

Land Rush

von Hugo Berkeley und Osvalde Lewat (Mali 2012, deutsch)

Ackerland wird immer knapper. Investoren schauen sich längst nach landwirtschaftlich nutzbaren Flächen außerhalb ihrer eigenen Staatsgrenzen um. Viele Entwicklungsländer stehen vor einem Dilemma.

Nicht gut genug

eine ORF-Am Schauplatz Produktion von Ed Moschitz (Österreich 2012, deutsch)

Ist eine Frucht zu dick, dünn, oder gar unförmig, kommt sie nicht ins Geschäft. So landen tausende Tonnen einwandfreier Lebensmittel, die KonsumentInnen angeblich nicht wollen, im Müll.

Essen im Eimer: Die große Lebensmittelverschwendung

von Valentin Thurn (Deutschland 2010, deutsch)

Die Doku begibt sich auf der Suche nach den Ursachen und findet ein weltweites System, an dem sich alle beteiligen. Die systematische Überproduktion wirkt sich verheerend auf das Weltklima aus. Aber es geht auch anders: Weltweit versuchen Menschen, die irrsinnige Verschwendung zu stoppen.

Sachamanta

von Viviana Uriona (Argentinien/Deutschland 2012, deutsch untertitelt)

In Argentinien betreiben bäuerliche und indigene Gemeinschaften ihre eigenen Radiostationen, schaffen so ein Gemeinschaftsgefühl und stärken den Kampf gegen Landraub und Unterdrückung.

Die Strategie der krummen Gurken – Gartencoop Freiburg

von Sylvain Darou und Luciano Ibarra (Deutschland 2013, deutsch)

Der Film dokumentiert die politischen Motivationen und die Praxis der Kooperative, indem er die AkteurInnen der Gartencoop zu Wort kommen lässt.

Edible City: Grow the Revolution

von Andrew Hasse und Carl Grether (USA 2011,deutsch)

Edible City, die essbare Stadt, ist eine betriebsame Reise in die Good Food-Bewegung. Das Spektrum der porträtierten AktivistInnen, Initiativen und engagierten BürgerInnen zeigt, wie jeder Mensch zum Wandel unseres Nahrungsmittelsystems beitragen kann.

Spielorte und -termine:

Vorarlberg:Filmforum Bregenz im Metrokino,Artenne Nenzing, Spielboden Dornbirn

Wien:Top Kino

Niederösterreich:Purgstall an der Erlauf, Cinema Paradiso St.Pölten, Miniplex Mank, Steinakirchen am Forst

Kärnten:Demeterhof Kraindorf, Alte Burg Gmünd, Filmstudio Villach

Steiermark:Filmzentrum im Rechbauer Kino Graz

Oberösterreich:Moviemento Linz, Local-Bühne Kino Freistadt, Arbeiterkammer Braunau, Kino Ebensee

http://hungermachtprofite.blogspot.co.at/

Trailer: www.youtube.com/watch?v=uem2ceZMxYk&list=PLA092AA40FEA4D4EA&feature=player_embedded#t=0

Wien, 29. 10. 2013

Macht der Reiter plumps …

September 26, 2013 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Mimosen zum Thema Kindesmissbrauch

Bild: Copy Right: Marie Johannsen (Produktionsassistentin)/Theatergruppe Mimosen

Bild: Copy Right: Marie Johannsen (Produktionsassistentin)/Theatergruppe Mimosen

Am 1. Oktober hat im Theater Spielraum MACHT DER REITER PLUMPS oder WAS HEISST HIER MISSBRAUCH von Helga Leitner Uraufführung. Die Theatergruppe Mimosen zeigt Leitners neues Stück, in dem sie sich mit dem heiklen Thema der Gewalt, vor allem der sexuellen, an Kindern und Jugendlichen auseinandersetzt. Es geht aber nicht darum, den täglichen Gräuelmeldungen noch ein paar
Skandalgeschichten hinzuzufügen, sondern eher um die Frage: Wie gehen wir damit um ? Eine Frau, ein Mann in vorgerücktem Alter, eine neugierige Verwandte, ein Tagebuch mit Enthüllungen. Ein Peiniger, der nur in der Reflexion von vier Jugendlichen auftritt, eine Klassenarbeit kurz vor der Matura über eine erotisch aufwühlende Novelle von Balzac. Auch die sexuelle Identität ist ein Thema.
Was passiert mit Menschen, die der Kindheit, der Unschuld ihrer Entwicklung  zum Erwachsenen beraubt wurden? Ein apokalyptischer Reigen, der uns mit uns selbst konfrontiert. Im Gegensatz zum ersten Stück ( Uraufführung 2011 ): JOBS ist der „REITER“ absolut kein autobiographisches Stück. Die Problematik beschäftigt Leitner aber schon seit vielen Jahren. In ihren interaktiven Programmen, in ihren Liedtexten für Kinder, legt sie große Aufmerksamkeit auf die Stärkung der Persönlichkeit, der  Selbstbestimmung, der Abgrenzung gegen Nicht-Gewolltes. Für Programmheft und Ankündigungsplakat stellt die Künstlerin Jopie den Dulk Bilder aus ihrer Serie „Schattenkinder“ zur Verfügung.

Regie/Dramaturgie – Günther V. Wlach. Ensemble:  Anna Dangel, Stefanie Gmachl, Herbert Eigner, Renate Gippelhauser, Andrea
Nitsche, Alexander Nowotny.

www.facebook.com/TheatergruppeMimosen

Wien, 26. 9. 2013