Albertina: Neustart in Schwarz-Weiß mit „Faces“

Dezember 27, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Helldunkle Seiten des Lebens auf Fotopapier gebannt

Willy Zielke: Arbeitslos. Ein Schicksal von Millionen / Die Wahrheit. Ein Film von dem Leidensweg des Deutschen Arbeiters, 1933. Galerie Berinson, Berlin

Wenn die Albertina voraussichtlich am 18. Jänner wieder ihre Tore öffnet, ist nicht nur die aus der eigenen Sammlung von Zeichnungen zusammengestellte Schau „Schwarz Weiß & Grau“ endlich zu sehen, deren Aufbau man bislang bei einem Kuratorinnenrundgang via Facebook mitverfolgen konnte (mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=42974),

sondern – das Haus bereitet mit „Faces. Die Macht des Gesichts“ bereits die nächste Ausstellung vor.

Gertrud Arndt: Maskenselbstbildnis Nr. 22, 1930. Museum Folkwang, Essen © Bildrecht, Wien 2020

Helmar Lerski: Verwandlungen durch Licht, 588, 1935–1936. Albertina, Wien © Nachlass Helmar Lerski – Museum Folkwang, Essen

August Sander: Handlanger, 1928. © Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur – August Sander Archiv, Köln; Bildrecht, Wien, 2020

Ausgehend von Helmar Lerskis herausragender Fotoserie „Metamorphose – Verwandlungen durch Licht“ aus den Jahren 1935/36 präsentiert die Albertina Porträts aus der Zeit der Weimarer Republik. In den 1920er- und 1930er-Jahren erneuern Fotografinnen und Fotografen radikal das Verständnis des klassischen Porträts: Ihre Aufnahmen dienen nicht mehr der Darstellung der Persönlichkeit eines Menschen, sondern sie fassen das Gesicht als nach ihren Vorstellungen inszenierbares Material auf. Über das fotografierte Gesicht werden sowohl ästhetische Überlegungen der Avantgarde als auch gesellschaftliche Entwicklungen der Zwischenkriegszeit verhandelt. Modernistische Experimente, das Verhältnis zwischen Individuum und Typ, feministische Rollenspiele und politische Ideologien kollidieren und erweitern damit das Verständnis der Porträtfotografie.

Zu sehen ab 12. Februar.

www.albertina.at

27. 12. 2020

Museum der Moderne Salzburg: Physiognomie der Macht. Harun Farocki & Florentina Pakosta

Dezember 11, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Kriege, Revolutionen und mächtige Männer

Harun Farocki: Ich glaubte Gefangene zu sehen, 2000. © Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg. Bild: Harun Farocki

Ab 8. Dezember widmet sich die Doppel- ausstellung „Physiognomie der Macht“ im Museum der Moderne Salzburg in einer umfassenden Gegenüberstellung dem Werk des deutschen Filmemachers Harun Farocki und der österreichischen Grafikerin und Malerin Florentina Pakosta. Während Farocki zu den wichtigsten Dokumentarfilmern und

Medienkünstlern Deutschlands ab den 1970er-Jahren zählt, ist Pakosta eine der zentralen Figuren der feministischen Avantgarde in Österreich. Die beiden stehen in ihren Arbeiten für einen Realismus, der sich aus Themen und Anliegen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. So unterschiedlich ihre Medien auch sind, so sprechen ihre Arbeiten durch die zutiefst politische Dimension doch vergleichbare Sprachen. Im Mittelpunkt stehen dabei oftmals Formen von Machtausübung und Machterfahrung.

Die Ausstellung präsentiert sechs zentrale Videoinstallationen, Essay- und Dokumentarfilme von Harun Farocki aus der Sammlung Generali Foundation, darunter die Videoinstallation „Ich glaubte Gefangene zu sehen“ aus dem Jahr 2000 und die Trilogie „Auge/Maschine I–III“, entstanden von 2001 bis 2003. Diese beiden Arbeiten beschäftigen sich mit der Zurichtung des Menschen durch technologische Überwachungs- und Kontrollsysteme und der Legitimierung von Krieg mit dem Argument einer vermeintlich „humanen“ Kriegsführung mithilfe elektronischer Hightech-Systeme.

Dem steht der Stummfilm „Aufschub“ von 2007 gegenüber, für den Farocki Filmaufnahmen aus dem Jahr 1944 über den Lebensalltag jüdischer Gefangener im „Durchgangslager“ Westerbork in den Niederlanden behutsam zusammengefügt und mit Zwischentiteln ergänzt hat. Die Filme „Ein Tag im Leben der Endverbraucher“ von 1993 und „Die Bewerbung“ von 1997 thematisieren die Rollen des Menschen als Konsument und als Arbeitssuchender in einer von kapitalistischen Prinzipien bestimmten Lebenswelt. Im Zentrum des preisgekrönten Films „Videogramme einer Revolution“ – mit Andrei Ujica, 1992 – steht die Dynamik politischer und sozialer Machtverhältnisse und die damit verbundene Rolle medialer Inszenierung. Er schildert anhand von Film- und TV-Aufnahmen die Rumänische Revolution im Jahr 1989.

Florentina Pakosta: Selbstbildnis mit Zaun, 1976. MdM Salzburg. Bild: Rainer Iglar / Bildrecht, Wien 2020

Harun Farocki: Aufschub, 2007. Nederlands Inst. voor Oorlogs-documentatie, Amsterdam. Bild: Farocki

Florentina Pakosta: Fleischwolfmund, 1979. Museum der Moderne Salzburg. Bild: Hubert Auer, Bildrecht, Wien 2020

Die Präsentation von Florentina Pakosta gibt einen 50 Jahre überspannenden Einblick in ihr Werk. Sie reicht von frühen Zeichnungen zu Krieg, Gewalt und feministischen Themen über ihre Physiognomie-Studien, in denen sie sich auf differenzierte Weise auch mit den Charakterköpfen des Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt beschäftigt, die monumentalen und zugleich subversiven Porträts ihrer mächtigen männlichen Zeitgenossen aus Kunst, Politik und Wirtschaft und die satirisch-surrealistischen Montageköpfe bis hin zu den Warenlandschaften und den abstrakten Trikolore-Bildern der 1990er- und 2000er-Jahre. Erstmalig werden in größerem Umfang Werke von Pakosta gezeigt, die sich in der Sammlung des Museum der Moderne Salzburg befinden, komplettiert durch wichtige Leihgaben der Künstlerin sowie weiterer Sammlungen.

Der 2014 verstorbene Filmemacher Harun Farocki war ein akribischer Beobachter und Analytiker der gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Zeit. In den Studierendenprotesten der späten 1960er-Jahre politisiert, entwickelte er einen dokumentarischen und essayistischen Stil, in dem er eigene Filmaufnahmen mit Bildern aus anderen Quellen wie Massenmedien und Überwachungssystemen verknüpfte. Er war insbesondere an jenen Strukturen interessiert, durch die sich die Gesellschaft selbst zurichtet.

So fragen seine Arbeiten nach den Auswirkungen totalitärer Überwachungs- und Kontrollsysteme, nach dem Alltag in einer von der kapitalistischen Logik durchdrungenen Lebens- und Arbeitswelt und nach der zunehmend komplexen Beziehung von Mensch und Maschine. Sie forschen stets nach der Rolle des Bildes in Herrschaftsverhältnissen. Sie machen sichtbar, wie Bilder in Dienst genommen werden, sei es durch Überwachung, technisch-militärische und zivile Bildanalysen oder Fernsehen und Werbung. Zugleich legt Farocki die dem Film eigenen Konstruktionsprinzipien offen. Er ist in seinen Filmen und Videoarbeiten stets als Autor präsent, als Beobachter und Gestalter, der mit den Mitteln der Montage und des Kommentars unsere Wahrnehmung lenkt und eine aktive Rezeption fordert.

Rumänische Revolution im Jahr 1989 – Harun Farocki: Videogramme einer Revolution, 1992. Bild: Harun Farocki

F. Pakosta,: Wenn Männer ihre Ehefrauen töten III, 1968. Besitz der Künstlerin. Bild: Rainer Iglar / Bildrecht, Wien 2020

Florentina Pakosta: Die weiße Weste, 1972. Besitz der Künstlerin. Bild: Rainer Iglar / Bildrecht, Wien 2020

Harun Farocki: Ein Tag im Leben der Endverbraucher, 1993. Sammlung Generali Foundation – Dauerleihgabe am Museum der Moderne Salzburg. Bild: Harun Farocki

Florentina Pakosta war in jungen Jahren damit konfrontiert, dass Frauen in Kunstwelt, Wirtschaft und Politik nur Nebenrollen spielten. Ihr frühes Interesse an sozialen Verhältnissen, an Randgruppen und Außenseitern verlagerte sich in den 1970er-Jahren hin zur Auseinandersetzung mit der eigenen Erfahrung der Marginalisierung als Künstlerin. Sie betrieb intensive zeichnerische Porträtstudien, in denen sie nicht nur ihre eigene Existenz, sondern auch das männliche Antlitz der Macht analysierte, das sich ihr entgegenstellte.

Die Physiognomie des Gesichts wurde zu einem zentralen Motiv ihrer Arbeiten. Pakosta nahm am Gesichtsausdruck nicht nur die psychische Verfassung, sondern auch einstudierte, verinnerlichte soziale Masken und Rollen wahr. In präzise aufgebauten, teils hyperrealistisch wirkenden Zeichnungen, gänzlich reduziert auf Schwarz und Weiß, porträtiert und karikiert sie den zur Maske geronnenen Gesichtsausdruck mächtiger Männer.

In feministischen und satirisch-surrealistischen Zeichnungen thematisiert sie darüber hinaus das Herrschaftsverhältnis zwischen den Geschlechtern. Pakosta erweist sich in ihrem von ihr so genannten Erstwerk, das von einem figurativen Realismus geprägt ist, als Meisterin der Zeichnung und anderer grafischer Techniken. Was ihre Zeichnungen auf direkte Weise ansprechen, assoziieren ihre späteren Malereien in der Bildsprache der Abstraktion: das Gewaltsame und Zerbrechliche, aber auch Dynamische und Veränderliche.

 www.museumdermoderne.at

 8. 12. 2020

Theater zum Fürchten: Die Macht der Gewohnheit

Juni 5, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Von der hohen Kunst des Scheiterns

Zirkusdirektor Caribaldi trifft bei der seiltanzenden Enkelin zumindest einmal den richtigen Ton: Glenna Weber und Thomas Kamper. Bild: Bettina Frenzel

Das Wagnis, Thomas Bernhards „Die Macht der Gewohnheit“ zu inszenieren, gehen Regisseur Rüdiger Hentzschel und das Theater zum Fürchten nun an dessen Wiener Spielstätte, der Scala, ein. Vor allem einer trägt hier volles Risiko, Thomas Kamper in der ehemals Bernhard-Minetti-Rolle des Zirkusdirektor Caribaldi, und die gestaltet er auf so wohlausgewogene Weise mit Wahn und Witz, dass das Publikum beim Schlussapplaus herzlich für die gelungene Leistung dankte.

Die vom manischen Manegenherrscher geknechtete Truppe geben Glenna Weber als seiltanzende Enkelin, Dirk Warme als Jongleur, Regís Mainka als Dompteur und Florian Lebek als Spaßmacher. Doch es sind nicht die artistischen Qualitäten um derentwillen der cholerisch-impulsive Impresario seine Künstler quält, nein, vielmehr versucht er in seinem heruntergekommenen Wanderetablissement seit 20 Jahren ein fehlerfreies „Forellenquintett“ aufzuführen. Endlos soll geprobt werden, bis den mangelhaft begabten Schubert nicht mehr wie ein nasser Fisch entgleitet; die jedoch reagieren je nach Gemütsverfassung mit Renitenz bis Resignation – und so ist die Unternehmung zum Scheitern verurteilt, was Thomas Bernhard in der Variation dreier Akte vorführt.

Der Spaßmacher und der Dompteur trinken mehr als drei Bier: Florian Lebek und Regís Mainka. Bild: Bettina Frenzel

Kleine Liebesgeste mit dem Zivilanzug des Jongleurs: Glenna Weber und Dirk Warme. Bild: Bettina Frenzel

„Die Macht der Gewohnheit“, 1974 in Salzburg uraufgeführt, ist mehr Ensemblestück, als spätere seiner Werke, Hentzschel trägt dem Rechnung, indem er die Darsteller sich gegen den Monologisierer stemmen lässt. Er ist auch für die Raumgestaltung zuständig und zeigt als Bühnenbild das Zirkushinterzimmer mit Kostümschrankkoffer und Klavier, einen Unort zwischen der zauberischen Glitzerwelt der Akrobatikvorführungen und dem schäbigen Realitätsdesaster. „Die Wahrheit ist immer ein Debakel“ ist einer der hinreißenden Bernhard’schen Sätze dazu. Ansonsten setzt Hentzschel weniger auf die in der Rezeptionsgeschichte übliche Künstlichkeit von Kunstfiguren.

Er hat für Bernhards durchkomponierte Sprache durchweg realistische Spielanlässe geschaffen. Kommt’s hier etwa zum Erlösungsruf „Morgen Augsburg!“, so ist das nicht mehr eine bis ins Absurde gesteigerte Wiederholung, sondern schlicht ein Sprechakt, der auf die Aktion irgendeiner anderen Figur reagiert. Auch Caribaldis besessen breitgewalzte Musikbegriffe – „Casals“, „das Kolophonium“, „das Ferraracello“ – werden so vom Sockel geholt. In diesem Stück über die hohe Kunst des Scheiterns, über einen Perfektionsanspruch, bei dem es kein Gelingen geben kann, erstaunt es doch, wie alltagssprachlich die Bernhard’schen Wortkaskaden klingen können, „gewöhnlich“, jedoch ohne ins Banale abzudriften. Hentzschel macht aus abstrakt expressionistisch, und die Schauspieler folgen ihm auf diesem Weg mit Verve.

Thomas Kamper bedient mit teils clownesker, teils ätzender Schärfe nicht nur Caribaldis Tyrannentum, sondern gestaltet daraus die Tragödie eines Mannes, dem die Dinge längst entglitten sind. Mit gefährlich glitzerndem Auge bringt er seine Böswilligkeiten an, und wenn ihm die ständig zu Boden fallende Haube des Spaßmachers aus seinem routinemäßigen Furor reißt und bis zum Gehtnichtmehr reizt, dann sind das starke, beinah unheimliche Momente. Glenna Weber ist als Enkelin gehorsam bis zur Unterwürfigkeit, schön, wie sie in all den Demütigungsspielchen mit einer fast unbemerkten Bewegung den Sakkoärmel des Zivilanzugs des Jongleurs streichelt – die kleine Geste einer großen Liebe.

Caribaldi ertappt den Spaßmacher und den Dompteur beim besoffenen Müßiggang: Florian Lebek, Thomas Kamper und Regís Mainka. Bild: Bettina Frenzel

Für die Dirk Warme als Jongleur verantwortlich ist, der längst die Flucht zu einem Engagement in Bordeaux geplant hat und als einziger Caribaldi einzuschüchtern vermag. Zwischen Niedertracht und Schwachsinn, Intrige und Erpressungen bewegen sich Florian Lebek als Spaßmacher, der im Unklaren lässt, ob er als August so dumm ist oder sich nur so dumm stellt. Regís Mainka ist ein martialischer Dompteur, der Neffe des Zirkusdirektors, der alles dazu tut, um dessen Illusion zu zerstören.

Wie er am Ende volltrunken zum gewalttätigen Kunstzertrümmerer wird, da ist Hentzschel ganz nah an Bernhard. „Durch diese Tür / kommen Ihre Opfer herein“, sagt der Jongleur zu Caribaldi. „Nicht Menschen / Instrumente“.

www.theaterzumfuerchten.at

  1. 6. 2019

Volksoper: Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen

Februar 25, 2017 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Show wie aus den Swinging Sixties

Diese Rezension bezieht sich auf die Vorpremiere am 21. Februar.

Chuzpe! J. Pierrepont Finch wickelt den Chef mit Verve um den Finger: Peter Lesiak und Robert Meyer als J. B. Biggley. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Und wieder einmal ist es Volksoperndirektor Robert Meyer gelungen, im abgegrasten Musikfeld Musical eine Rarität zu entdecken, in der sein Ensemble glänzen kann. „Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen“ heißt das gute Stück. Und weil man als Frau ja gern drübersteht, wenn die Protagonistin über ihre Ehepläne ohne emanzipatorisches Augenzwinkern preisgibt: „Ich halt‘ ihm gern sein Essen warm“ – und zwar mit „Küchencharme“, ist ein Guter-Laune-Abend garantiert.

Dafür verantwortlich ist ein Team, das dem Haus schon mit „Sweeney Todd“ eine Erfolgsproduktion beschert hat: Dirigent Joseph R. Olefirowicz, Regisseur Matthias Davids und Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau. Entstanden ist eine schmissige Show, die ganz dem Geist der Swinging Sixties verpflichtet ist. Die Musik schwappt zwischen jazzig bis schnulzig, Olefirowicz lässt das Volksopernorchester dafür wie eine Big Band klingen, die Kostüme von Judith Peter kreischen in knalligen Grafikdesigns oder sind von einem betulichen Doris-Day-Pastell, Melissa Kings fabelhafte Choreografie zitiert Modetänze anno Chubby Checker. Die Inszenierung atmet wie ein ganzes Jahrzehnt.

Die Story ist die vom amerikanischen Traum. Der Fensterputzer J. Pierrepont Finch steigt dank eines Karriereratgebers bis in die höchste Etage eines „Wobbel“ erzeugenden Unternehmens auf, deren Sinn und Zweck sich bis zum Ende nicht entschlüsselt. Den Leitfaden zum Lebenslauf hat es tatsächlich gegeben: Shepherd Mead veröffentlichte 1952 das Büchlein „How to Succeed in Business Without Really Trying“ Der Verfasser hatte wie der spätere Musicalheld ganz unten in einer großen Firma angefangen und sich zu deren Vizepräsidenten hochgearbeitet.

Knapp zehn Jahre später nahm sich Broadwaykomponist Frank Loesser des Werks an und schuf gemeinsam mit seinen Buchautoren Abe Burrows, Jack Weinstock und Willie Gilbert eine brillante Parodie, die in Folge mit acht Tony-Awards und dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde. In Wien war der Kassenschlager einmal zu sehen – 1965 mit Harald Juhnke und Theo Lingen, in deren Fußstapfen nun Peter Lesiak als Finch und Robert Meyer als Big Boss J. B. Biggley treten.

Panik! Der Kaffeeautomat ist leer: Julia Koci als Smitty, Marco Di Sapia als Bud Frump, Wiener Staatsballett und Chor. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Ärger! Zur Firmenfeier erscheinen alle im selben Kleid: Sulie Girardi als Miss Krumholtz, Ines Hengl-Pirker als Hedy LaRue, Julia Koci als Smitty. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Peter Lesiak ist ein ganz bezaubernder Blender, dessen Erfolgsrezept eine Mischung aus ehrlichem Interesse für seine Mitmenschen und ein bissl Einschleimen ist. Wie dieser Finch seine Kollegen und Vorgesetzten dusselig quasselt, um ans Ziel zu gelangen, das ist zu komisch. Dazu Robert Meyers Biggley, um nichts weniger Schlitzohr und noch dazu Seitenspringer, aber hilflos gegen die Chuzpe und die Charmeattacken seines neuen Angestellten. Vor allem, wenn dieser vorgibt, das gleiche Hobby zu haben: Biggley strickt gegen den Bürostress – Herrenpullover. Doch noch jemandem sticht Finch ins Auge: Vorzimmerdame Rosemary hört bei seinem Anblick die Hochzeitsglocken läuten, sie sieht sich schon als Heimchen an seinem Herd. Lisa Antoni präsentiert sich in dieser Rolle als patentes Mädl zum Pferdestehlen stimmlich und schauspielerisch stark.

Nicht ein Klischee aus der Arbeitswelt hat Loesser ausgelassen und Matthias Davids setzt sie in seiner Aufführung mit sichtlichem Spaß an der Sache und ohne Angst vor Stereotypen um: Die Sekretärinnen sind entweder Zerberusse oder Sexy-Hexys, die Abteilungsleiter allesamt von der Furcht um ihre Posten gebeutelte Wadlbeißer. Ist der Kaffeeautomat im Pausenraum leer, breitet sich unter den Mitarbeitern blitzschnell Panik aus; schlimmer ist es nur, als zur Firmenfeier alle Schreibkräfte im selben, natürlich als Einzelstück erstandenen Kleid erscheinen …

Lust! Biggley stellt sein Gspusi als Sekretärin ein: Robert Meyer und Ines Hengl-Pirker als Hedy LaRue. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Liebe! Sekretärin Rosemary angelt sich den ausgefuchsten Aufsteiger Finch: Peter Lesiak und Lisa Antoni. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Das Ensemble sprüht in diesen skurrilen Szenen vor Witz – und auch ein wenig Wahnsinn. Allen voran Marco Di Sapia, der als intriganter Neffe vom Chef, als garstiger Bösewicht des Stücks, sein Komödiantentum voll ausspielen kann. Ines Hengl-Pirker ist Hedy LaRue, Biggleys Gspusi, dem er in der Firma einen Versorgungsposten verschafft. Nur leider sind Hedys einzigen Qualitäten 99-56-96 und ein Herz aus Gold; Hengl-Pirker gestaltet die Rolle hinreißend, als rothaarigen Blondinnenwitz mit Hüftschwung und Quietschstimmchen.

Julia Koci macht als Sekretärin Smitty auf resolut und burschikos. Nicolaus Hagg und Gernot Kranner schmieden als Finchs Kollegen eine Kabale, um den unliebsamen Konkurrenten zu Fall zu bringen. Der Fall tritt denn auch tatsächlich ein, Finch fliegt auf, doch tritt kurz bevor er rausfliegt Axel Herrig als Aufsichtsratsvorsitzender ex machina auf … Die Herren besorgen sich also ein Happy End und brechen vor Glück in einen Song über den Mann-hilft-Mann-Verein aus. Dies der traurige Moment, an dem der Abend endlich am Heute andockt. Denn an dieser tiefschürfenden Wahrheit über Männerseilschaften bis an die Bürospitze hat sich wenig bis gar nichts geändert. Was hat sich der Feminismus daran nicht schon wundgegendert. Und was macht die Frau 2017? Das Essen warm …

www.volksoper.at

Wien, 22. 2. 2017

Regisseur Oliver Frljić im Gespräch

Mai 17, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Gastspiel im Werk X, Uraufführung bei den Festwochen

Balkan macht frei. Bild: © Konrad Fersterer

Balkan macht frei. Bild: © Konrad Fersterer

Bevor am 29. Mai seine neue Produktion „Naše nasilje i vaše nasilje / Unsere Gewalt und eure Gewalt“ bei den Wiener Festwochen uraufgeführt wird, zeigt der Regisseur und Autor Oliver Frljić am 21. und 22. Mai im Werk X seine umstrittene Performance „Balkan macht frei“ als Gastspiel vom Münchner Residenztheater. In seinen Arbeiten befasst sich der 1976 in Bosnien geborene und nach Kroatien geflüchtete Theatermacher mit dem „christlichen Abendland“ und seinem Umgang mit Flüchtlingen, mit neu erstarkenden faschistischen Strömungen und den unheiligen Verquickungen von Politik und Wirtschaft.

Seit dieser Spielzeit ist Frljić Intendant des Kroatischen Nationaltheaters in Rijeka und sorgt für Reibung mit Aufführungen, die Kriegsverbrechen und -traumata in den Blick nehmen, die Dramaturgien der jüngeren Geschichtsschreibung hinterfragen und das Spiel mit nationalen Identitäten überdehnen. Seine unbequemen und politisch provozierenden Arbeiten werden immer wieder zensuriert, Frljić selbst sogar mit dem Tode bedroht. Ein Maildialog (in Englisch und deutschsprachiger Übersetzung) über ein Theater, das nicht geliebt werden will, Publikum, das die Bühne stürmt, und die Bundespräsidentenwal in Österreich. Frljićs Prognose dafür ist – schlecht …

MM: Wie würden Sie Ihre Art, Theater zu machen, beschreiben? Welche Geschichten wollen Sie erzählen, wie wollen Sie ein Publikum erreichen?

Oliver Frljić: Theatre is my most inner need, way to communicate something I am not able to express in any other form or media. Very often I do devised-theatre projects and it gives me opportunity to work from people who are the part of my team. Although I do extensive preparation before every production, I found my theme through the people I work with. My theatre is usually not story-driven, there is no clear narrative, because I am convinced that literature is doing much better in story-telling then theatre. In word of Derrida, by accepting the role of servant of literature, „Western theater has been separated from the force of its essence, removed from its affirmative essence, its vis affirmativa.“ I am trying to find the representation for social conflicts.

(Theater ist mein innerstes Bedürfnis, mein Weg Dinge zu kommunizieren, die ich in keiner anderen Form und mit keinem anderen Medium ausdrücken könnte. Die Themen für meine Theaterprojekte finde ich sehr oft erst in der Arbeit mit meinem Team, mit dem ich vor jeder Produktion ausgedehnte Proben habe. Mein Theater ist in der Regel nicht von einer Story bestimmt, es ist nicht narrativ, weil ich überzeugt bin, dass Literatur das viel besser kann. Mit den Worten Derridas – frz. Philosoph und Begründer der Dekonstruktion, Anm.: “Das westliche Theater hat sich von der Kraft seiner Essenz entfernt”, versuche ich nun eine Darstellungsform für soziale Konflikte zu finden.)

Balkan macht frei. Bild: © Konrad Fersterer

Balkan macht frei. Bild: © Konrad Fersterer

MM: Sie zeigen “Balkan macht frei” im Werk X, eine Arbeit darüber, wie sogenannte Westeuropäer auf sogenannte Osteuropäer reagieren. In Wien sind wir alle ein bisschen Balkan. Wie glauben Sie wird das Publikum auf ein Stück reagieren, dass ihm die Immigrantenstory seiner Urgroßeltern oder Großeltern erzählt?

Frljić: Well, „Balkan macht frei“ speaks about different things. One of them is my position in Western Europe as a guest director. I intentionally did self-stereotyping in order to show discriminatory policies that are present in every society. The main character is my alter-ego and performance speaks about his struggle to overcome the expectations of him as a director coming from Balkan. That’s way this performance has so many self-referential moments.

(“Balkan macht frei” erzählt von unterschiedlichen Dingen. Eines davon ist meine Position als Gastregisseur in Westeuropa. Ich habe mich gewissenhaft selbst stereotypisiert, um die diskriminierenden Strategien aufzuzeigen, die es in jeder Gesellschaft gibt. Der Protagonist ist mein Alter Ego und die Performance handelt von seinen Bemühungen, die Erwartungen, die man an ihn als jungen Theatermacher vom Balkan hat, zu überwinden. Das Stück hat sehr viele selbstreflexive Momente.)

MM: Es denkt aber auch größer. Wie steht es mit der derzeitigen Flüchtlingsdebatte? Glauben Sie, die Menschen vom “Balkan” sind in dieser Diskussion die Verlierer, da sie ja als Wirtschaftsflüchtlinge abgetan werden, die man sehr einfach wieder in ihre Herkunftsländer, der Kosovo ist ein Beispiel, zurückschicken kann?

Frljić: Well, my new production „Our and Your Violence“ speaks about hypocrisy of Europe. I could never understand that for Europe one’s economical problems were not good reason for granting asylum. If somebody is exposed to subjective violence, we are ready to accept him/her, but if the same person is the subject of structural violence produced by that very same Europe, we’re not gonna let him/her in. What is the difference if somebody dies from hunger or bullet?

(Meine neue Produktion “Naše nasilje i vaše nasilje/Unsere Gewalt und eure Gewalt” dreht sich um die Heuchelei in Europa. Ich werde nie verstehen, warum jemandes ökonomische Probleme für Europa kein guter Grund sind, Asyl zu gewähren. Wenn jemand körperlicher Gewalt ausgesetzt ist, sind wir bereit, ihn oder sie zu akzeptieren, aber wenn die selbe Person das Opfer struktureller Gewalt, erzeugt von eben dem selben Europa ist, sind wir nicht bereit, ihn oder sie reinzulassen. Was ist der Unterschied, ob man an Hunger oder einer Kugel stirbt?)

MM: Als Sie “Balkan macht frei” am Münchner Residenztheater zeigten, gab es teilweise heftige Zuschauerreaktionen. Einmal wurde sogar die Bühne gestürmt, um eine Waterboarding-Szene zu beenden. Sie provozieren gerne, wie es scheint. Sind Sie ein theatraler Troublemaker, ein Unruhestifter?

Frljić: I was surprised with the reactions of audience, especially when it comes to the water-boarding scene. The dream of every theatre is to produce the radical fiction stronger than reality. I think we have fulfilled part of that dream. I always prefer to be the part of problem, not solution. Although I consider theatre to be an instrument of political fight, it doesn’t operate in same mode as parliamentarian democracy or revolution. It creates another kind of effects. I really hate the theatre that creates social consensus or the one that everybody loves. If you’re really critical, you should expect a lot of anger from your audience. Your work will be artistically underestimate. You know this stupid kind of critique that treats art as something outside political arena and the conflicts permeating it. We should not forget that art is an instrument for social and ideological domination of ruling class. System of values and economic interests of this class is reproduced through the art. So, to offense the taste of its audience should be the first step.

(Mich hat die Reaktion des Publikums überrascht, vor allem bei der Waterboardind-Szene. Der Traum jedes Theaters ist, eine radikale Fiktion zu schaffen, die starker ist, als die Realität. Ich denke, diesen Teil des Traums haben wir erfüllt. Ich bevorzuge es immer, Teil des Problems, nicht der Lösung zu sein. Außerdem betrachte ich Theater als Instrument des politischen Kampfes. Es arbeitet nicht mit den Mitteln der parlamentarischen Demokratie oder der Revolution, es schafft andere Effekte. Ich hasse Theater, das sozialen Konsens sucht oder, das jeder liebt. Wenn du wirklich kritisch bist, solltest du dir vom Publikum eine Menge Ärger erwarten, deine Arbeit wird künstlerisch unterschätzt werden. Sie wissen, die Art dummer Kritik, die theatrale Kunst außerhalb der politischen Arena und der sie durchdringenden Konflikte sieht. Wir sollten nie vergessen, dass Kunst ein Instrument zum Erhalt der sozialen und ideologischen Dominanz der herrschenden Klasse ist, das Wertesystem und die ökonomischen Interessen dieser Klasse werden durch Kunst reproduziert. Den Geschmack dieses Publikums zu bekämpfen, sollte also der erste Schritt sein.)

MM: In Kroatien und anderen “restjugoslawischen” Ländern werden Ihre Arbeiten zensuriert. Wenn die Menschen sich nicht mit ihrer Geschichte und mit der jüngsten Vergangenheit auseinandersetzen wollen, ärgert Sie das? Oder macht es Sie eher traurig?

Frljić: It doesn’t stop me and that’s the most important thing. I live in society constituted on nationalistic system of values and institutionalized exclusion of different minorities. Not to mention that war-crimes are part of local folklore here. It’s not very pleasant to live in society were the war-criminals are praised as heroes. And it’s definitely not pleasant to live in the country were the war is the biggest national value and something beyond critique. Since I have become intendant of Croatian National Theatre in Rijeka, I have been constantly under the media attack from the biggest right-wing party in Croatia, Croatian Democratic Union and its president Tomislav Karamarko. I was physically attacked, received a lot of death threats, mine apartment and the apartment of my girlfriend were broken-in almost the same day …

(Es stoppt mich nicht und das ist das Wichtigste. Ich lebe in einer Gesellschaft, die auf einem nationalistischen Wertesystem und dem Ausschluss verschiedener Minderheiten fußt. Nicht zu vergessen die Kriegsverbrechen, die hier ein Teil der lokalen Folklore sind. Es ist nicht sehr angenehm, in einer Gesellschaft zu leben, die Kriegsverbrecher als Helden preist. Und es ist definitiv nicht angenehm, in einem Land zu leben, wo der Krieg die größte nationale Tat ist und jenseits jeder Kritik. Seit ich Intendant des Kroatischen Nationaltheaters in Rijeka geworden bin, stehe ich permanent unter den medialen Attacken der größten rechtspopulistischen Partei Kroatiens, der Kroatischen Demokratischen Union und ihres Präsidenten Tomislav Karamarko. Ich wurde körperlich angegriffen, habe Todesdrohungen erhalten, in meine Wohnung und die meiner Freundin wurde eingebrochen, fast am gleichen Tag …)

Naše nasilje i vaše nasilje / Unsere Gewalt und eure Gewalt. Bild: Mare Mutić

Naše nasilje i vaše nasilje / Unsere Gewalt und eure Gewalt. Bild: Mare Mutić

MM: Bei den Wiener Festwochen zeigen Sie nun das vorhin angesprochene “Naše nasilje i vaše nasilje/Unsere Gewalt und eure Gewalt”. Sie haben sich zum 100. Geburtstag von Peter Weiss dessen epochalen Roman-Essay „Die Ästhetik des Widerstands“  als Vorlage genommen. Obwohl die Handlung in den späten Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts angesiedelt ist, sind die Analogien zur aktuellen Situation unübersehbar. Hat Sie das an diesem Werk interessiert?

Frljić: Weiss‘ book was only pretext for this production. After reading it, I was interested to speak not about historical fascism, which is important theme in this book, but about contemporary European fascism, one with democratic legitimation.

(Weiss’ Buch war nur der Vorwand für diese Produktion. Nachdem ich es gelesen hatte, wollte ich nicht eine Inszenierung über den historischen Faschismus machen, der ein wichtiges Thema im Buch ist, sondern über den zeitgenössischen europäischen Faschismus, den mit der demokratischen Legitimation.)

MM: Als ich das Festwochen-Video über Ihre Arbeit sah, hatte ich den Eindruck im Stück geht es auch um den Islam und darüber, wie unsere Gesellschaft mit Muslimen umgeht. Stimmt das? Einige Ausschnitte aus der Probenarbeit wirken übrigens wieder sehr brutal …

Frljić: Performance speaks about current Islamophobia in Europe. We should not forget that West has created radical islamism. And we have destroyed secularism in the Middle East. Petrol crosses borders without any problems, but Syrian refugees are not allowed to do the same.

(Die Performance erzählt über die derzeitige Islamophobie im Europa. Wir sollten nicht vergessen, dass der Westen den radikalen Islam geschaffen hat. Und dass wir den Säkularismus im Mittleren Osten zerstört haben. Erdöl passiert die Grenzen ohne Probleme, aber syrische Flüchlinge dürfen nicht das Gleiche tun.)

MM: Im Video sprechen Sie über einen neuen europäischen Faschismus und, dass sich Österreich ebenfalls auf dem Weg dorthin befindet. Möchten Sie dazu Näheres sagen?

Frljić: Well, the second round of Austrian presidential election, scheduled for 22 May, with Norbert Hofer from Freedom Party of Austria as one of two candidates, indicates the change of political climate in Austria. During the preparation for my new production, I screened for the actors another Wiener Festwochen production, Schlingensief’s „Bitte liebt Österreich“. Produced 16 years ago, it looks pretty up-to-date. Schlingensief’s reality show with asylum-seekers has become reality of present Europe.

(Nun, die zweite Runde der Bundespräsidentenwahl, die am 22. Mai stattfindet, mit Norbert Hofer von der FPÖ als einem von zwei Kandidaten, zeigt den Wechsel des politischen Klimas in Österreich. Während der Vorbereitungen zu meiner neuen Produktion, habe ich den Schauspielern eine andere Aufführung von den Wiener Festwochen vorgeführt, Schlingensiefs “Bitte liebt Österreich”. Vor 16 Jahren prodziert, und doch so aktuell. Schlingensiefs Reality-Show mit Asylwerbern ist zur Realität des derzeitigen Europa geworden.)

Naše nasilje i vaše nasilje / Unsere Gewalt und eure Gewalt. Bild: Mare Mutić

Naše nasilje i vaše nasilje / Unsere Gewalt und eure Gewalt. Bild: Mare Mutić

MM: Glauben Sie, dass man mit Theater etwas verändern kann?

Frljić: Theatre can fight for change.

(Theater kann für Veränderung kämpfen.)

MM: Was würden Sie machen, wenn nicht Theater? Wie würden Sie dann Ihre Stimme erheben? Nie daran gedacht, selber in die Politik zu gehen?

Frljić: I can’t imagine my self participating in this kind of political system called parliamentarian democracy. For me, it doesn’t represent anything but the interests of capital. That’s why I do not vote. I don’t want to participate in that kind of theatralization of political life, as well as in the political system that doesn’t have the mechanisms for preventing new forms of fascism to gain democratic legitimation.

(Ich kann mir nicht vorstellen, selber an einem politischen System teilzuhaben, das sich parlamentarische Demokratie nennt. Für mich repräsentiert es nichts anderes als die Interessen des Kapitals. Das ist auch der Grund, warum ich nicht wähle. Ich möchte bei keiner „Inszenierung von politischem Leben“ mitmachen, umso weniger in einem politischen System, das keine Mechanismen hat, die neuen Formen von Faschismus daran zu hindern, demokratische Legitimation zu erlangen.)

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Trailer: vimeo.com/131069654

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Rezension „Tschewengur. Die Wanderung mit offenem Herzen“: www.mottingers-meinung.at/?p=19870

Wien, 17. 5. 2016