Streaming: Clooneys Klimadystopie „The Midnight Sky“

Januar 9, 2021 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Die totenstille Welt, die wir den Kindern hinterlassen

Der todkranke Astronom Augustine Lofthouse bleibt allein in einer Wetterstation in der Arktis zurück: George Clooney. Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

Mittendrin gönnt sich George Clooney den schönsten Space-Song seit Major Tom, wenn Mitchell, Pilot des NASA-Raumschiffs Aether, Neil Diamonds „Sweet Caroline“ an- und nach und nach die ganze Crew in den Refrain miteinstimmt. Gerade ist man einem Meteoritenhagel entkommen und an der Außenhülle der Aether müssen Reparaturen vorgenommen werden. Doch beim riskanten „Weltraumspaziergang“

ein Moment des gemeinsamen Kräftesammelns, ein lautstarker Lobgesang auf den Zusammenhalt – der Mensch als soziales Wesen, diese kurze Szene von inhaltlich anscheinend keiner Relevanz, ist die Message, die Clooney dem Publikum seines kürzlich auf Netflix uraufgeführten Films „The Midnight Sky“ mit auf den Weg geben will. Clooney, Regisseur und Hauptdarsteller, ließ fürs Sci-Fi-Survival-Drama Lily Brooks-Daltons postapokalyptischen Roman „Good Morning, Midnight“ für die Bildschirme adaptieren, von keinem Geringeren als „Revenant“-Drehbuchautor Mark L. Smith, einem Spezialisten für viel Spannung bei wenigen Worten. Die im Februar 2020 auf Island und den Kanaren entstandenen, teilweise unwirklich schönen, atemberaubenden Bilder stammen von Kameramann Martin Ruhe, mit dem Clooney im Jahr davor bei seiner Miniserie „Catch 22“ zusammengearbeitet hat.

Während die Aether-Besatzung zurück zur Erde düst, sind auf dieser die beiden Pole die einzig verbliebenen Orte, an denen es noch genug Sauerstoff zum Atmen gibt – und auch das nicht mehr für lange. Es ist das Jahr 2049, ein „Ereignis“ hat stattgefunden, und das arktische Barbeau Observatorium wurde vollständig evakuiert – oder ist das Leben der „in Sicherheit“ Gebrachten bereits ausgelöscht? Nur der todkranke Astronom Augustine Lofthouse hat sich entschlossen zu bleiben.

Mutterseelenallein und müden Blicks schlurft Clooney durch die leeren Gänge seines Endzeitszenarios, die scheint’s schicksalsergebene Gleichmütigkeit nagt an Augustine wie der Krebs, mal schließt er sich ans Dialysegerät an, mal kniet er kotzenden vor der Kloschüssel, die Tabletten wirft er händeweise ein. Als junger Wissenschaftler hatte der Klimadystopist die Theorie von der Bewohnbarkeit des Jupitermondes K23 aufgestellt, diese zu überprüfen war die Aether ausgesendet worden, doch auf der Heimreise ist man vom Kurs ins unkartografierte All abgekommen – und keine Funkverbindung im ganzen Kosmos.

George Clooney in den atemberaubend schönen Bildern von Martin Ruhe. Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

Suche nach dem Weg zum Lake Hazen: Caoilinn Springall und George Clooney. Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

Das Funkgerät hat den Geist aufgegeben: Caoilinn Springall und George Clooney. Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

Wanderer durchs ewige Eis: Caoilinn Springall und George Clooney. Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

„The Midnight Sky“ erzählt diese zwei, eigentlich drei Handlungsstränge parallel. Augustine findet versteckt in der Stationsküche ein etwa achtjähriges Mädchen, Neuentdeckung Caoilinn Springall, deren ausdrucksstarke Performance schwer beeindruckt, denn die Figur ist stumm, und die kleine Springall spricht Bände mit ihren großen blauen Augen – in denen die unausgesprochenen Fragen an das Versagen der Erwachsenen stehen. Eine entsprechende Blume malt sie, also „Iris“ heißt sie, gibt sie Augustine zu verstehen, der sich ob ihres Anblicks erst geistesverwirrt glaubt.

Und Essig ist’s mit dem in Whiskey-Laune dem Ende Entgegendämmern, der griesgrämige Märtyrer mit dem Prophetenbart schaltet in den Überlebensmodus einer Vaterfigur, der selbsternannt „letzte Mensch auf Erden“ hat nun eine Rettungsmission, mit Iris bricht er auf ins ewige Eis. Zum Observatorium am Lake Hazen, mit dessen reichweitenstärkerer Antenne er hofft, da draußen jemanden zu erreichen – es wird dies (no na) Aether-Mission-Specialist Sully sein.

Es ist bemerkenswert, wie Clooney in seinem Beinah-Stummfilm der Sprachlosigkeit der Charaktere Raum gibt. Dass diese Übung, der die literarische Gedanken-Freiheit durch Clooneys Verzicht auf eine „Stimme aus dem Off“ verunmöglicht ist, gelingt, liegt am fabelhaften Cast. Auf der Aether sind dies Felicity Jones als Sully, David Oyelowo als Flugkommandant Adewole, Tiffany Boone als Flugingenieurin Maya, Kyle Chandler als Pilot Mitchell und Demián Bichir als Aerodynamiker Sanchez.

Die werdenden Eltern Sully und Adewole: Felicity Jones und David Oyelowo. Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

Pilot Mitchell sieht als erster die verheerte Erde: Kyle Chandler. Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

Crewmitglieder Sanchez und Maya: Demián Bichir und Tiffany Boone. Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

Sully will die Außenhülle des Raumschiffs reparieren: Felicity Jones. Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

Das Team im Gegensatz zum Buch multiethnisch, und noch etwas hat Clooney geändert: Als ihm nämlich Felicity Jones während der Dreharbeiten freudestrahlend eröffnete, dass sie ein Kind erwarte, machte er aus der Not eine fiktionale Tugend und baute die Schwangerschaft ins Script ein – mit Adewole als Vater für Sullys Baby. Ein unerwarteter Twist, der die Deutlichkeit der im Film gestellten Frage, welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen wollen, nur verstärkt, hier Iris und mutmaßlich „Caroline“, siehe Song, da sich nach Ultraschall-Feststellung des Geschlechts alle Astronauten bei der Namensfindung fürs Ungeborene geradezu überschlagen.

In den funktionell-kühl und kahlen Umgebungen von Forschungs-Isolations-Station und Raumschiff ist die einzige Herzenswärmequelle die Nähe, die einer beim anderen sucht. Die unendliche Stille des Weltalls, die totenstillen Weiten der Welt durchbricht Clooney mit ein wenig CGI-Action, aber nie so viel, dass sie seine Schauspielerinnen und Schauspieler klein macht. Herzenswärme, das war für den jungen Augustine ein Fremdwort, in Traumsequenzen blendet das von der Krankheit ausgezehrte Alter Ego zurück in sonnige Tage.

Als der Workaholic die Liebe von Jean zurückwies, weil er lieber Leben auf anderen Planeten suchte, während ihm sein eigenes durch die Finger rannte, Jean, die ihm Jahre später eröffnet, dass er Vater einer Tochter sei. Lange Zeit bleibt „The Midnight Sky“ ein verrätselter Film, bis sich das hier Beschriebene aufdröselt, eine trostlose, emotional so dichte und derart schwerelos-langsam erzählte Story, dass man sich ihrer Wirkmacht schier nicht zu entziehen vermag, Augustine ein pragmatischer, doch nicht kaltblütiger Mann, der bis zum Töten tut, was getan werden muss, der Rücken gebeugt von der Last des eigenen und von der Menschheit selbstverschuldeten Verlusts.

Der alte Mann und die Klimakatastophe: George Clooney als Astronom Augustine Lofthouse. Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

Welche Crewmitglieder verlassen die „Aether“ und wer bleibt an Bord? Bild: Philippe Antonello/Netflix ©2020

Ohne seinen handelsüblichen Gute-Laune-Charme verkörpert Clooney dies Wesen mit einer Präzision und Schärfe, die einen frösteln lässt. Wie Augustine, als er durch die von der Erderwärmung angetauten Eisschollen bricht, wodurch sich die Winterwelt in tosende Wassermassen verwandelt, eine hochdrama- tische Szene zum Dominium terrae und seiner Gefährlichkeit. Eine Bibelstelle, die neue Über- setzungen als ein Anvertrauen und Schützen der Schöpfung auslegen, für jene, denen der Fortschritts- nicht der einzige Glaube ist.

„Wir haben uns in Ihrer Abwesenheit nicht gut um sie gekümmert“, sagt Augustine, als die Astronauten fassungslos einen ersten Blick auf ihre zerstörte Heimat erhaschen. Was also bleibt der Mannschaft zu tun? Jenen Mitgliedern, die hoffen, ihre auf der Erde zurückgelassenen Familien in einem Evakuierungslager zu finden, jenen, die nach Augustines finaler Warnung und seinem langgefassten Plan folgend umdrehen wollen, weil sie sich wie moderne Adam und Eva einen Neuanfang auf K23 wünschen. Der Abschied naht, Augustine Lofthouse hat seinen letzten Auftrag erfüllt …

[Spoiler – Denn Sully bittet ihr großes wissenschaftliches Vorbild beim den Film beendenden Dialog, sie beim Vornamen zu nennen. Ihre Mutter, erklärt sie, habe früher mit ihm zusammengearbeitet, doch Professor Lofthouse werde sich wohl nicht mehr an Jean erinnern, sie selbst jedenfalls sei nur seinetwegen dem Raumfahrtprogramm beigetreten, ihr Name, man ahnte es schon: Iris. Ihr achtjähriges Phantasma, erkennt die Zuschauerin, der Zuschauer jetzt, war Augustines Kopfgeburt, ein Katalysator für sein Handeln – und so sieht man Clooney in einer abschließenden Einstellung vorm Sonnenuntergang, die Hand ausgestreckt als würde er immer noch und zugleich endlich die kindliche Iris damit festhalten. – Spoiler-Ende]

Im Jahr eins nach Ausbruch der Pandemie ist Clooneys Weltendrama wie geschaffen zum Nachdenken darüber, wohin die Reise gehen soll. Ob es möglich sein wird, im Bewusstsein neuer Gefahrenherde ein ebensolches für die Verletzlichkeit der Zivilisation und die Hybris der Menschheit zu schaffen? Ob die digitale Vereinsamung die Lockdowner den Wert eines realen Anderen erkennen lässt? Mit ihren Versorgungskabeln wie mit Nabelschnüren ans Mutterschiff gebunden singt es die Aether-Crew im All: „Hands, touching hands / Reaching out, touching me, touching you“. Stärker berühren könnte einen George Clooney nicht.

Trailer dt./engl.: www.youtube.com/watch?v=cGjVxSbCZFE          www.youtube.com/watch?v=DXUUqr3AFKs           www.netflix.com

  1. 1. 2021

Jüdisches Museum Wien: Die drei mit dem Stift. Lily Renée, Bil Spira und Paul Peter Porges

Mai 6, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zeichnen als Werkzeug zum Überleben

Bil Spira, Zeichnung aus dem Lager Blechhammer, Gouache und Buntstifte auf Papier, 1944 © Imperial War Museum London

Ab 8. Mai zeigt das Jüdische Museum Wien Zeichnungen von Lily Renée, Bil Spira und Paul Peter Porges. „Die drei mit dem Stift“ eint ein gemeinsames Schicksal. Drei Künstler, die als jüdische Kinder in Wien aufwuchsen, ihre Heimat nach dem so genannten „Anschluss“ verlassen mussten und anderswo erfolgreich wurden – zwei in den USA, einer in Paris. Ihre Zeichenstifte setzten sie als Werkzeuge zum Überleben ein, als nicht nur friedliche Waffen.

Die drei, das ist zum einen Lily Renée, geboren 1921; sie entkam nach England und konnte sich in New York als Zeichnerin und Illustratorin von Kinderbüchern verwirklichen. Unter anderem machte sie aus der Comics-Superheldin Señorita Rio eine Kämpferin gegen Nazis und andere böse Mächte und schuf damit zur Kultfigur für Generationen von Fans.

Fotografie, Lily Renée, 1940er © Privatbesitz

Lily Renée, Titelblatt Fight Comics, Dezember 1946 © Privatbesitz Lily Renée

Das ist ferner Wilhelm „Bil“ Spira (1913-1999), Porträtist und Karikaturist, Maler und nicht zuletzt ein begnadeter Fälscher: Unzähligen in Vichy-Frankreich Gestrandeten fertigte er Visa und Pässe für eine Passage in die Freiheit an. Spira überlebte Verrat und Vernichtungslager, nach dem Krieg konnte er seine Karriere in Paris erfolgreich fortsetzen.

Bil Spira beim Porträtieren von Fans im Böhmischen Prater, 1938. © Wien Museum / Bild: Robert Haas

Bil Spira, Karikatur für die Arbeiter-Zeitung, 2. Juli 1933 © Jüdisches Museum Wien

Das ist schließlich Paul Peter Porges (1927-2016); als Kind bereits an der Wiener Kunstgewerbeschule, als Halbwüchsiger in der „Kinderrepublik“ und in Internierungslagern in Frankreich, als junger Mann in der Genfer Kunstschule. Mit Mutterwitz und dem Stift in der Hand schaffte er es in die Vereinigten Staaten und dort auf die großen Bühnen für Cartoonisten, allen voran den New Yorker und das Mad Magazine.

Paul Peter Porges, Zeichnung, Anschluss Heldenplatz, ca. 2000 © Jüdisches Museum Wien

Paul Peter Porges, mit Selbstporträt, während seiner Zeit bei der US-Army, 1951-52 © Jüdisches Museum Wien

Diese drei Zeichner haben Erstaunliches zu Papier gebracht – enthüllende Karikaturen und liebevolle Porträts, Satiren auf die Gesellschaft und Dokumente des Schreckens. Aus Wien stammend, mussten und konnten sie sich anderswo behaupten. Während der Flucht beziehungsweise Gefangenschaft und danach setzten sie ihre Fähigkeiten auch als künstlerische Waffen ein. Mit Feder, Bleistift und Pinsel, vor allem mit Witz und Courage, zeigten sie auf, was ist und was anders sein soll, was der Lächerlichkeit preiszugeben ist und was nicht vergessen werden darf. Das Jüdische Museum Wien zeigt eine repräsentative Auswahl an Arbeiten. Lily Renée, Bil Spira und Paul Peter Porges – für das österreichische Publikum neu entdeckt.

www.jmw.at

6. 5. 2019

Wiener Festwochen: Saint Genet – Promised Ends: The Slow Arrow of Sorrow and Madness

Mai 17, 2017 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Wie man den toten Kaninchen die Bilder erklärt

Baso Fibonacci in seiner „Storm still“-Pose. Bild: Nurith Wagner-Strauss

Hier nun der Satz, den Rezensenten fürchten, wie der Teufel das Weihwasser: Ehrlich? Ich habe es nicht verstanden. Hab’ aber all die Zuschauer beneidet, die durch die Reihen ausbrechend das Weite gesucht und gefunden haben, eine Möglichkeit, die einem als Berichterstatter ja verwehrt ist. Der neue Festwochen-Intendant Tomas Zierhofer-Kin himself gab eine Einführung ins Werk.

Erzählte, er hätte noch nie eine Vorstellung erlebt, bei der das Publikum nicht nach spätestens einer Dreiviertelstunde in Tränen ausgebrochen wäre – und es fragt sich: Weil es keine Fluchtmöglichkeit sah oder weil es die Karten ohne Geld-zurück-Garantie erworben hatte?

Also: Saint Genet – „Promised Ends. The Slow Arrow of Sorrow and Madness“. Das ist der finale Teil eines Triptychons, dessen Anfänge ins damals von Zierhofer-Kin verantwortete Donaufestivals zurückreichen. Saint Genet ist ein KünstlerInnenkollektiv rund um Derrick Ryan Claude Mitchell, er eine Art Master of Ceremony und jede seiner Arbeiten ein work in progress. Eine „Handlung“, das Pfui-Wort für Performer, sollte es diesmal auch geben: Die Donner Party, benannt nach ihrem „Führer“ George Donner, Siedler, die 1846 auf dem Weg in den Westen der USA in der Sierra Nevada von einem Schneesturm überrascht wurden. Es starben die meisten von ihnen. Laut Tagebucheintragungen überlebten nur die, die sich kannibalistisch am Fleisch der Verstorbenen bedienten.

Dreißig Minuten vor tatsächlichem Vorstellungsbeginn darf man in die Halle G des MuseumsQuartier eintreten. Quasi um die Situation abzuchecken. Unter einem Neonröhren-Lichtskulpturen-Arrangement von Ben Zamora, das man schon von „Frail Affinities“ kennt, hat sich Mitchell Blutegel an die Arme gelegt, es blutet, er zittert und trinkt Rotwein (?), rund um ihn sind Joseph-Beuysisch tote weiße Kaninchen arrangiert. Die Art von Futtertieren, die man für Abgottschlangen und ähnliche Nachtwesen braucht. Sein Ensemble macht sich derweil mit mehr Alkohol und angeblich Äther dicht. Auf die Frage, ob man diesbezüglich-besäufnisch als Publikum mitmischen dürfe, wird panisch mit dem Kopf geschüttelt. Die Russen der vergangenen Jahre waren da punkto Wodka-Ausgabe entspannter, aber naja, die Vereinigten Staaten, immer ein bissl verklemmt …

Pietà mit totem Kaninchen und Kunstblut: Baso Fibonacci und Matt Drews lassen sich beträufeln. Bild: Nurith Wagner-Strauss

Derrick Ryan Claude Mitchell  (hinten links) mit zwei seiner Performerinnen. Bild: Nurith Wagner-Strauss

Womit einen ergo die Frage umtreibt, wie „echt“ das alles sein kann. Zu arrangiert, zu kalkuliert, zu spekulativ spektakulär erscheint die Ekstase, dieses Hochamt des Horrors, als dass man daran festhalten könnte. Und das Schlimmste: Man ist nicht einmal schockiert (mutmaßlich die ultimative Intention dahinter), sondern vom zweieinhalbstündigen more of the same maximal angeödet. Die Vision ist eine zum Kunstraum ernannte Werkshalle in Seattle, in der sich schnöselige Pseudos pseudointellektuell selbstbefriedigen – und wie weit ist das von der offenbar angesteuerten The Factory oder Samuel Taylor Coleridge oder Thomas de Quincey entfernt! Des Puirtaners Lust auf Selbstgeiselung!

Das als Grenzerfahrung angekündigte Ganze gibt sich noch einen weiteren Bezug. King Lear. Weniger Shakespeare, mehr Kurosawa und Goddard. Der körperbehinderte, kettenrauchende Akteur (hauptberuflich bildender Künstler) Baso Fibonacci spricht, auf einem Gips-Storm-still liegend Sätze, die aufgrund seiner einmaligen Stimme Sogcharakter entwickeln. Eine Gruppe von Performerinnen, inklusive Cordelia, hat ihn auf diesen Thron seiner Versehrtheit gehoben, nun startet sein fear and loathing. Lavinia Vago, Francesca Frewer, Adriana Cubides und die Wienerin Steffi Wieser machen sowohl die stummen Tänzerinnen als auch den beinah antik anmutenden Chor der am Ritual Teilnehmenden. Sie tragen Nichts bis Durchsichtiges, sie hüllen sich in ihre Verausgabung, den Schweiß, die auf sie getätigten sexuell-brutalen Übergriffe, danach werden sie wie zur Belohnung in goldmetallenen Rettungsdecken geborgen.

Mitchell souffliert die Sätze via Mikrophon. Es geht um enemy, perverse und apologise. Auf den Seiten laufen Spruchbänder ab, und freilich landet man bei Trump und den jüngsten Daten/Taten der Geschichte der Vereinigten Staaten – wie auch nicht? Was sonst könnte die Nabelschau-Nation der Welt über ihr Star-Spangled Banner zu sagen haben? Son of a bitch wird oft gemurmelt, und fucking, und immer noch glaubt man keiner Geste auch nur ein Wort. Die kindliche Narretei steuert einem Höhepunkt zu, Schlagoberstorten werden in Gesichter geworfen, „Nabel“-Schnüre aus Mündern gezogen, die Musik von „Rocky“ läuft vom Band (es gibt aber auch eine Live-Band) und Riesenpumpkins aus Plastik blasen sich auf. Die Geburt der USA aus dem Geist von Halloween, darüber wusste schon Charlie Browns Freund Linus Auskunft zu geben.

Die kalkulierte Ekstase unterm Lichtobjekt. Bild: Nurith Wagner-Strauss

Die Stimmung kippt von heiter bis hysterisch. Fibonaccis Pietà wird vom nackten Tänzer/Choreografen Matt Drews komplettiert. Mitchell macht den Hohepriester, dirigiert von seinem Pult aus das Geschehen, schreit „Harder!“, wenn Lily Nguyen, das Opferlamm der Inszenierung, von Drews vergewaltigt wird, ruft „Easy!“, wenn das Ensemble versucht den gelähmten Fibonacci zu bewegen, und schimpft über nicht eingeschaltete Mikrophone.

Auch zärtliche Momente gibt es, ein leises Geschehen, im Nebel entrückt. Das Ding, immer wieder muss man an Jan Lauwers „Shimmering Beast“ denken, hängt im Weg und nimmt allen auf der Haupttribüne Sitzenden den Blick aufs Bühnengeschehen. Der halbherzig rechts und links mit einer Handvoll Plätzen als „Arena“ bestuhlte Saal eignet sich eben nur bedingt für derlei Happenings.

150 Minuten später, nach Verschleiß von vielen chinesischen Neujahrskrachern, christlichen Wunderkerzen, Honig und anderen Klebrigkeiten, ist der Hochseilakt zwischen Erhabenheit und Elend überstanden. Viele sind da längst gegangen, andere sitzen drinnen. Es wird hell, niemand kommt auf die Spielfläche zurück, der Applaus setzt entsprechend zögerlich ein. Einzig Fibonacci bleibt ohne seinen Rollstuhl hilflos am Boden liegend zurück und stöhnt. Kommt noch was? War überhaupt was? Mit „Gewaltakten und Grenzüberschreitungen“ prahlt Saint Genet gerne, auf das Theater der Grausamkeit beruft man sich. Heiliger Antonin Artaud, blicke gnädig herab auf deine Jünger! Opulenz und Dekadenz allein ergeben noch kein Manifest.

www.festwochen.at

Wien, 17. 5. 2017

Schauspielhaus Graz: Lily Sykes im Gespräch

Oktober 19, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Uraufführung des Kriegsreporterdramas „Cactus Land“

Cornelia Kempers, Henriette Blumenau, Sarah Sophia Meyer, Jan Brunhoeber Bild: (c) Lupi Spuma

Cornelia Kempers, Henriette Blumenau, Sarah Sophia Meyer, Jan Brunhoeber
Bild: (c) Lupi Spuma

Die junge englische Regie-Entdeckung Lily Sykes inszeniert am Schauspielhaus Graz „Cactus Land“, eine Uraufführung, die auf der Autobiografie „My War Gone By, I Miss It So“ des britischen Kriegsreporters Anthony Loyd beruht. Premiere ist am 24. Oktober.

Anthony Loyd, 1966 in Guildford geboren, gehört zu den profiliertesten Kriegsjournalisten der Gegenwart. Seit 1993 berichtet er regelmäßig aus den Krisenregionen der Welt, von Bosnien über den Irak und Tschetschenien bis Syrien, wo er 2014 entführt und verwundet wurde. Loyd ist Sohn aus bestem Hause, wurde in der „Folteranstalt Eton“, wie er seine Schule nennt, erzogen und abgerichtet, wie alle Männer seiner Familie in den Krieg zu ziehen. Nur bewaffnet er sich dazu mit einem Fotoapparat. „My War Gone By, I Miss It So“ stammt aus dem Jahr 1999 und schildert die Besatzung Sarajevos während des Jugoslawienkriegs aus seiner Sicht, die Kameradschaft unter den Reportern und den Kick der Gefahr. Doch Loyd beschreibt nicht nur die „Normalität“ des Krieges, sondern auch den ganz persönlichen Krieg eines Menschen mit der Normalität und mit der Familie. Regisseurin Sykes hat ein ganz besonderes Verhältnis zu diesem Thema, da ihre Mutter in den 1990er Jahren für die BBC mehrere Dokumentationen über den Balkankrieg gedreht hat; ihre Reise in die Kriegsgebiete trat sie dabei stets von Graz aus an. Die Erlebnisse, die sie mitbrachte, wurden zum festen Bestandteil des Familiengedächtnisses und fließen in die Arbeit für das Schauspielhaus Graz ein. Die Textfassung stammt aus der Feder von Sykes und Dramaturg Jan Stephan Schmieding. Schauspieler Jan Brunhoeber übernimmt die Rolle von Alexander Lewis; die Figur basiert auf Anthony Loyd.

Lily Sykes im Gespräch:

MM: “Cactus Land“ entstand sozusagen auf Empfehlung Ihrer Mutter?

Lily Sykes: Ich war auf der Suche nach einem neuen Thema, da brachte mich meine Mutter darauf. Auch sie war Kriegsreporterin in Bosnien, sie kannte Anthony Loyd, nur hat sie nach dem Jugoslawienkrieg aufgehört zu arbeiten. Die Journalisten, die vor Ort über den Jugoslawienkrieg berichtet haben, kennen sich ja alle. Es gibt in England den „Frontline Club“, in dem sie sich treffen und austauschen. Man braucht andere Menschen, die das auch erlebt haben, damit man überhaupt über solche Sachen reden kann. Ich habe Loyds Buch gelesen, mit ihm gemailt und Telefonate geführt, zu einem Treffen ist es nicht gekommen, das hat er abgesagt, weil er in den Irak musste. Er ist immer noch Journalist und fährt ungefähr viel Mal pro Jahr in den Krieg. Dass er in seinem Buch das Kriegsthema mit seiner Familiengeschichte verbindet, hat mich von Anfang an interessiert: Warum Menschen sich nicht mehr in der Normalität zurechtfinden können.

MM: Und warum?

Sykes: Krieg ist ein Kick. Einer wie Loyd steht auf Extremerlebnisse, diese Menschen sind kriegsabhängig wie andere drogenabhängig. Kurt Shork zum Beispiel, ein Kollege und großes Vorbild von Loyd, soll nachts auf das Dach des Holiday Inn in Sarajevo gestiegen sein, hat von dort oben rüber geschaut auf die Heckenschützen und sich eine Zigarette oder einen Joint angezündet. Nur so, als Risikospiel. Meine Mutter hat erkannt, wann es Zeit war, weiterzuziehen, sie wollte auch einmal Mutter sein, schließlich hat sie drei Kinder. Loyd ist mittlerweile auch verheiratet und Vater, aber ihn zieht es immer noch raus. Er kann nicht loslassen, da sind viele Journalisten wie Kriegsveteranen, nur dass Journalisten niemanden töten, sondern nur Zuschauer sind.

MM: Trotzdem thematisieren Sie in Ihrem Stück die Verantwortung des Journalisten, die Macht der Bilder, die Wirkung eines Textes auf die Öffentlichkeit.

Sykes: „Cactus Land“ enthält auch Texte und Interviews, die ich mit Journalisten geführt habe. Viele leiden darunter, nichts bewirken zu können, denn die Tätigkeit des Kriegsberichterstatters hat sich geändert. Die Analyse, die menschliche Geschichte, die Hintergrundstory ist heute nicht mehr gefragt, heute muss es schnell und „live“ sein. Die Rolle des Aufdeckers gibt es nicht mehr, in einer Zeit, in der die Terroristen ihr eigenes Marketing machen und Videos posten. Ich denke, die differenzierte Analyse ist nun Aufgabe des Theaters. Nur hier und im Flugzeug muss man das Handy ausschalten, also kann sich der Zuschauer hier aufs Thema konzentrieren und eine andere Perspektive auf die Dinge bekommen. Die „human stories“, die nun wir Theaterschaffende transportieren, sind wichtig als Anknüpfungspunkte für Verständnis und Empathie. Die Leute wollen verstehen, was vor sich geht und was die Auswirkungen dieser oft so komplexen Vorgänge sind. Das merkt man auch in der aktuellen Situation mit den Flüchtlingen.

MM: Heute wie damals im Jugoslawienkrieg ist Erklären kompliziert.

Sykes: Deshalb möchte ich über den Zustand berichten, in den man geworfen wird, wenn man heute vor einem Berg von krassen Bildern und Informationen steht und versucht, daraus eine Nachricht zu machen, die vielleicht etwas ändert. Diese Suche nach Klarheit und Wahrheit – darum geht es mir bei „Cactus Land“.

MM: Neben der Figur des Kriegsfotografen Alex Lewis kommen nur Frauenfiguren vor. Warum?

Sykes: Sie sind die Bezugspersonen. Loyd ist von Frauen erzogen worden, die Männer waren in seiner Kindheit abwesend. Im Stück sitzt Alex Lewis nun zwanzig Jahre nach dem Krieg in einem Hotelzimmer und versucht einem Zimmermädchen seine Geschichte zu erzählen. Doch er wird immer wieder von seinen Erinnerungen gestört, da tauchen die Frauen seiner Vergangenheit wie aus einer Parallelwelt auf.

MM: Sie arbeiten zum ersten Mal in Österreich. Wie empfinden Sie es als neutrales Land? Kriegsbegeisterung als Familienerbe gibt es hier wohl nicht?

Sykes: Im Vergleich dazu wie kriegsbegeistert die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs nach wie vor sind, nein. Dieses Denken „war makes a man of you“ kennt man in Österreich nicht. Man ist hier demütiger, weil man viel erlebt hat, auch, was es heißt, Flüchtling zu sein. Das ist ein Bewusstsein für die Welt, das in Großbritannien fehlt. Ich glaube, bei uns ist die Reflexion über die eigene Geschichte extrem anders als auf dem Kontinent. In England sind wir wie in Watte gepackt, mit der Königin, William, Kate und ihren schönen Babys. Aber es gibt gewisse Dinge, die nicht existieren, nur weil man nicht darüber spricht. Krieg ist hier ein Tabuthema, Krieg ist schlecht. Das ist eine moralische Kategorisierung; ich sehe auch die Faszination des Krieges. Wenn zwei Menschen in einem Raum sind, gibt es Krieg, heißt es. Und in gewisser Weise stimmt das ja auch. Unsere Gesellschaft basiert heute stärker denn je auf dem Konzept von Gewinnen, von Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit.

MM: Wie haben Sie Ihre Mutter als Kriegsreporterin erlebt?

Sykes: Das war zwischen meinem achten und elften Lebensjahr. In diesem Alter versteht man noch nicht richtig, was Krieg bedeutet. Ich habe einmal „lustige“ Fernsehbilder von singenden serbischen Soldaten gesehen und überhaupt nicht gecheckt, was da los war. Meine Mutter hatte auch einen Schutzhelm, eine schusssichere Weste und ein UNO-T-Shirt, damit habe ich mich verkleidet. Wenn meine Mutter erzählt hat, dann wie über ein Videospiel: Einmal ist sie von einem Scharfschützen angeschossen worden, weil sie auf der englischen, der linken Straßenseite gefahren ist, das klang für mich wahnsinnig aufregend. Auch meine Mutter war erfüllt von diesem Privileg des Berichterstatters, etwas bewirken zu können, heute redet sie anders, auch, wenn ihre Augen immer noch leuchten.

MM: Können Theaterzuschauer etwas bewirken?

Sykes: Versuchen, einfach nett zu den Nachbarn zu sein, wäre schon was. (Sie lacht.) Viele Leute haben heute das Bedürfnis etwas zu tun, viele Menschen bewirken schon mit etwas Kleinem etwas Großes. Das ermutigt mich jeden Tag.

www.schauspielhaus-graz.com

Wien, 20. 10. 2015

Chroniken der Unterwelt – City of Bones

August 28, 2013 in Film

VON MICHAELA MOTTINGER

Jonathan Rhys Meyers als Leinwandbösewicht

Mächtiger Bösewicht: Valentine Morgenstern (Jonathan Rhys Meyers).  Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH

Mächtiger Bösewicht: Valentine Morgenstern (Jonathan Rhys Meyers).
Bild: © 2013 Constantin Film Verleih GmbH

Am 29. August startet in den heimischen Kinos die Fantasy-Saga „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“, ein Mix aus Action, spektakulären Spezialeffekten und je einer guten Portion Romantik und Humor. Der Film basiert auf dem ersten Buch der gleichnamigen, weltweit erfolgreichen Abenteuerreihe der Bestsellerautorin Cassandra Clare. Erzählt wird die Geschichte von Clary (Lily Collins), die entdeckt, dass sie einer viele Generationen alten Gruppe von Schattenjägern angehört, einem Geheimbund von Halbengel-Kriegern, die dafür kämpfen, unsere Welt vor Dämonen zu bewahren. Nach dem rätselhaften Verschwinden ihrer Mutter schließt sich das Mädchen einer Gruppe von Schattenjägern an, die ihr das New York einer Parallelwelt zeigen – voll mit Dämonen, Zauberern, Werwölfen, Vampiren und anderen tödlichen Kreaturen. Gemeinsam mit den Schattenjägern Jace (Jamie Campbell Bower), Alec (Kevin Zegers) und Isabelle (Jemima West) macht sich Clary auf die Suche nach ihrer Mutter. Außerdem müssen die vier verhindern, dass der finstere Valentine Morgenstern  (Jonathan Rhys Meyers) in den Besitz des mächtigen Kelchs der Engel gelangt … In einer Gastrolle  ist Elyas M’Barek („Türkisch für Anfänger“) zu sehen.

Schriftstellerin Clare begann im Jahr 2003 mit dem Verfassen ihrer Reihe von Young-Adult-Romanen, die auf Anhieb auf den Bestsellerlisten von New York Times, USA Today, Wall Street Journal und Publishers Weekly landeten. „Ich war immer schon ein großer Fan von Fantasy und epischen Geschichten über Gut und Böse“, sagt sie. „Ich wollte eine Coming-of-Age-Geschichte mit einem Mädchen im Mittelpunkt erzählen, weil ich das noch nicht allzu oft gesehen hatte. Und ich beschloss, New York als Kulisse zu wählen, weil ich gerade in die Stadt gezogen war und mich in ihre wunderbare und unglaubliche Geschichte verliebt hatte.“ Vier Jahre später wurde „Chroniken der Unterwelt – City of Bones“ veröffentlicht und entwickelte sich in Windeseile zum weltweiten Verkaufsschlager. In der Folge entstanden fünf weitere Romane der Chroniken der Unterwelt-Saga mit Clary Fray und ihren Schattenjäger-Kameraden sowie drei weitere mehrteilige Serien, die ebenfalls in Clares erdachter Schattenwelt angesiedelt sind: „The Bane Chronicles“, „The Infernal Devices“ und „The Dark Artifices“. Die Bücher wurden in 36 Sprachen übersetzt und haben sich weltweit 22 Millionen Mal verkauft.

In der Chroniken der Unterwelt-Romanserie befindet sich in der uns bekannten Welt noch eine weitere, eine versteckte Welt, die von magischen Wesen bevölkert wird, die sich in einem fortwährenden Kampf zwischen Gut und Böse befinden. Man kennt sie als die Schattenwelt: Sie beinhaltet Geheimnisse, die tausend Jahre zurückreichen in eine Zeit, als die Erde drohte, von Dunkelheit verschlungen zu werden. Zehn Jahrhunderte sind vergangen, seitdem die Pest durch Europa wütete und endlose Heilige Kriege den Nahen Osten in die Knie zwangen. Cassandra Clares sorgfältig geplottete Mythologie besagt, dass hinter diesen Ereignissen dämonische Kräfte stecken, die damals versuchten, die Menschheit zu zerstören und die Weltmacht zu übernehmen. Weil er befürchtete, dass das Böse über das Gute triumphieren könnte, griff der Engel Raziel zu drastischen Maßnahmen. Er vermischte sein Blut in einem geheimnisvollen Kristallkelch mit Menschenblut. Jeder, der von diesem Kelch der Engel trank, wurde Teil einer Rasse von Hybriden, halb Mensch, halb Engel, die man als Nephilim kennt – oder als Schattenjäger. Diese einzigartigen Wesen, ausgestattet mit übernatürlich großen Kräften und magischen Fähigkeiten, beschützen die menschliche Welt seither vor Übergriffen der Dämonen. Die Schlacht wird noch heute in der Schattenwelt ausgetragen, obwohl normale Menschen ihr gesamtes Leben führen, ohne je von deren Existenz zu erfahren.

Jonathan Rhys Meyers spielt Bösewicht Valentine Morgenstern. „Valentine ist kein geifernder Superbösewicht oder unglaublich verwerflicher Strippenzieher“, sagt Produzent Robert Kulzer. „Seine Gefahr geht von seinem Charme aus. Er steht für all das, was die Schattenjäger nicht sein sollten. Und doch hat er alle möglichen Leute dazu gebracht, ihm auf dem Weg in die Finsternis zu folgen.“ Valentines Verbleib bleibt für den größten Teil des Films ein Geheimnis, aber seine finstere Präsenz trägt viel zur Atmosphäre bei. „Die Erwähnung seines Namens reicht aus, um den Leuten kalte Schauer den Rücken herunter laufen zu lassen. „Als Clary herauszufinden versucht, was mit ihrer Mutter geschehen ist, fällt sein Name immer wieder. Damit wird effektiv die Bühne bereitet für den Moment, an dem er wirklich in die Handlung eingreift.“ Cassandra Clare sagt, dass Rhys Meyers’ grüblerische Intelligenz ihn zum idealen Valentine macht. „Ich habe Jonathans Arbeit geliebt, als ich ihn erstmals in „Velvet Goldmine“  (1998) gesehen habe“, erklärt die Schriftstellerin. „Er verleiht Valentine eine Art von bösartiger Vernunft. Obwohl man weiß, dass die Worte, die aus seinem Mund kommen, im Wesentlichen unmoralisch sind, will man doch einer Meinung mit ihm sein. Eine ganze Reihe theoretisch guter Leute werden Teil seines Zirkels. Als ich erstmals online geposted habe, dass Jonathan Rhys Meyers unser Valentine sein würde, erhielt ich viele Antworten, in denen stand: ,Also ich würde Mitglied des Kreises werden, wenn er von ihm angeführt werden würde.’“

Rhys Meyers ist ein intensiver und erfindungsreicher Darsteller und überraschte seine Kollegen während des kompletten Drehs immer wieder. „Nachdem wir die erste Szene mit Valentine gedreht hatten, nahm Jamie Campbell Bower mich beiseite und gestand: ‚Ich habe ein bisschen Angst vor ihm’“, so Kulzer. „Und auch Lily kam zu mir und sagte: ,Er ist super, aber ich habe ein bisschen Angst vor ihm.’ Und ich antwortete ihnen: ‚So soll das ja auch sein!‘“

http://chronikenderunterwelt.de/

http://www.cityofbonesmovie.com/

Trailer: www.youtube.com/watch?v=FzbzWrNQuTw

Wien, 28. 8. 2013