Neue Oper Wien: Der Reigen

November 13, 2019 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Schneller Sex im Wartesaal der Liebe

Das Graphic-Novel-Bühnenbild beschwört das Zwischenkriegswien: Walter Kobéra, amadeus ensemble, Anita Giovanna Rosati und Thomas Lichtenecker Bild: © Anja Köhler | andereart.de

L-I-E-B-E schreibt eine Gestalt zu Anfang auf die fünf schwarzen Wartesaalsessel. Am Ende wird das Ensemble auf ihnen Platz nehmen, angeschlagen, ausgelaugt, aber ausharrend, ob dies Glück in Großbuchstaben nicht doch noch um die Ecke lugt. Die Verheißung aber trügt, im Wartesaal der Liebe gibt es für sie nichts als schnellen Sex. So ist das eben bei Arthur Schnitzler – und nun in Bernhard Langs

musiktheatralischem Werk „Der Reigen“, das die Neue Oper Wien zur österreichischen Erstaufführung brachte. Nach der Premiere bei den Bregenzer Festspielen ist die Produktion seit gestern im Rahmen von Wien Modern im MuseumsQuartier zu sehen. Und siehe: Die in allen Klangfarben schillernde Komposition samt dem wohltuend originaltexttreuen Libretto von Michael Sturminger, die fantasievolle, schlüssig heutige Inszenierung von Alexandra Liedtke im formidablen Graphic-Novel-Bühnenbild von Falko Herold und Florian Schaaf, das von Walter Kobéra exzellent geführte amadeus ensemble-wien – mit der sich als Teil des Orchesters ausweisenden Klangdesignerin Christina Bauer – und die makellose Leistung der Solistinnen und Solisten, machen aus dem Abend ein weiteres Glanzstück auf der diesbezüglich langen Liste der NOW.

Eines, das sich wie selbstverständlich getraut, ohne die Gedankenstriche der Schnitzler’schen Szenenfolge zu verfahren. Heißt, dass es in der Halle E ganz schön zur Sache geht. Eine Fellatio im Stiegenhaus, ein „Vorhängeschloss“ in der Waschküche, Telefonanie, hier wird sich nicht geschont, stattdessen von Höhepunkt zu Höhepunkt gesungen, und von Hotelsex bis Treppenaffäre greift Lang des Autors Idee des Immergleichen in den für ihn typischen Loops auf. „Die Zeit meiner Jugend, die Zeit meiner Jugend“, beschwört der Ehemann beim Sich-Vergnügen mit dem Schulmädchen eine mutmaßlich inexistente Erinnerung herauf, dieses wie die anderen expressiven Bilder mit musikalischen Zitaten aus der „Reigen“-Skandal-Zeit untermalt.

Barbara Pöltl und Marco Di Sapia. Bild: © Anja Köhler | andereart.de

Alexander Kaimbacher. Bild: © Anja Köhler | andereart.de

Thomas Lichtenecker und Alexander Kaimbacher. Bild: © Armin Bardel

Eine Art Motto pro einzelner Begegnung und derart mal ein impressionistisches Flimmern à la Débussy, mal eine kräftige Prise Alban Berg, dazu Jazz, Swing, ein wenig Gershwin, etwas Bernstein, sogar Rap, und die Protagonisten auch imstande diese Poystilistik zu bedienen. Wobei sich zur gesanglichen die darstellerische Herausforderung gesellt, je zwei komplett konträre Charaktere zu verkörpern. Alexander Kaimbacher etwa wagt sich als zum brutal besoffenen Vorstadtkiberer mutierten „Soldaten“ bis an die Ekelgrenze, er trieft vor Widerwärtigkeit, wenn er in breitestem Wienerisch auf die Prostituierte losgeht. Als Autor wiederum kann er gar nicht genug hochgestochen Süßholz raspeln, während ihn Anita Giovanna Rosati als satirisch begabtes Schulmädchen am Gängelband, ist gleich dem Telefonkabel, führt.

Rosati gelingt mit ihrem angenehmen Sopran auch ein schauspielerisches Kabinettstück, mit Marco Di Sapias Ehemann, dem sie weismacht, allein durch den Wein wären seine Verführungskünste so berauschend, dass sie schließlich in seine Arme taumelte. Nach dem Waschmaschinenkoitus mit der „jungen Frau“ Barbara Pöltls, sie danach die mütterlich-mitleidige Dirne, wechselt Di Sapia vom dauerdozierenden Ehemann zum Privatier, früher: Graf, und seinen Bariton von auftrumpfend-oberlehrerhaft zu ältlich-vertrocknet. Großartig ist es, wie seine Körpersprache das beginnende Greisentum der Figur plausibel macht, diese mimisch-gestische Wundertat nur übertroffen von Thomas Lichtenecker.

Dem Countertenor kommt nach Bernhard Langs Wille nämlich die Aufgabe zu, zwischen den Geschlechtern zu pendeln. Lichtenecker gibt den jungen Mann mit einer ordentlichen Portion upperclassiger Verzogenheit – und mit Rosati als herrenreitendem Hausmädchen – und mit Bravour die Schauspielerin. Eine zwischen schrill und süßlich changierende Diva, unduldsam im Wellnessurlaub mit dem mittlerweile ungeliebten Autor, dann, weil mit dem immerhin finanziell potentem Privatier in der Theatergarderobe, eine kokette Kokotte – beide Episoden von der die Handlung gnadenlos ironisierenden Liedtke als jene groteske Komödie entworfen, als die Schnitzler seinen „Reigen“ so gerne gestalten wollte, das Genderspiel auf die Spitze getrieben, die Boy-Actor-Assoziation perfekt, sobald Lichtenecker seine nackte Männerbrust aus dem elisabethanischen Mieder schält.

Schauspielerin und Privatier: Thomas Lichtenecker und Marco Di Sapia. Bild: © Anja Köhler | andereart.de

Barbara Pöltl als Prostituierte und Marco Di Sapia als Privatier. Bild: © Anja Köhler | andereart.de

Entscheidend zum Gelingen der Aufführung tragen die optischen Lösungen von Herold und Schaaf bei, die das Bühnenbild nicht nur zu immer wieder neuen Guckkastenzimmern öffnen, sondern auch via animierter Schwarzweißzeichnungen ästhetisch düstere Schauplätze von der Karlsplatzpassage übers Hotel Orient bis zum 30iger-Jahre-Gemeindebau entstehen lassen. Diverse Orgasmen werden als hypnotische Spiralen visualisiert, klar: die sich im Schleudergang drehende Waschtrommel bietet sich geradezu an, neugierige Nachbarn spechteln derweil hinter Vorhängen hervor. Das Publikum zollte allen an diesem Ausnahmeprojekt Beteiligten begeistert Beifall, allen voran selbstverständlich dem wie stets souverän über das Geschehen wachenden Walter Kobéra.

Video: www.youtube.com/watch?v=HXXXc5vlmyU&feature=emb_logo           neueoperwien.at

  1. 11, 2019

Kammerspiele: Eine Frau. Mary Page Marlowe

März 29, 2019 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Menschenschicksal als American Quilt

Mary Page mal vier: Johanna Mahaffy, Babett Arens, Sandra Cervik und Livia Ernst, im Hintergrund: Swintha Gersthofer, Igor Karbus und Marcus Bluhm. Bild: Herwig Prammer

Quilt – so nennt sich eine Patchwork-Decke. Ein uramerikanisches Kulturgut seit den ersten Siedlerfrauen über die „Pattern and Decoration“-Bewegung der 1970er-Jahre bis zu den zeitgenössischen Artquilts oder dem berühmten AIDS Memorial Quilt. Gefertigt von jeweils mehreren Näherinnen, die ihre kleinen Stoffkunstwerke am Ende zu einem großen Ganzen zusammenfügen, wobei jedes Teil für sich eine kurze Geschichte erzählt.

Es ist ein stimmiges Bild, dass die Titelfigur von Tracy Letts‘ „Eine Frau. Mary Page Marlowe“ in ihrer letzten Szene einen solchen in die Putzerei bringen will, hat der Pulitzer-Preisträger dies Theaterstück doch quasi gequiltet. In elf nicht chronologisch aufeinanderfolgenden Szenen erzählt der US-Dramatiker aus der Biografie seiner Protagonistin, wirft Schlaglichter auf ein Menschenschicksal, das mehr Tief- als Höhepunkte hat, Affären und Alkoholexzesse, Lebens- und Liebeskrisen. Eine seiner typischen Tragikomödien, wie immer angesiedelt in Letts‘ bevorzugtem Mittelstandsmilieu im Middle of Nowhere der Vereinigten Staaten. Die Rolle der Mary Page hat Letts für vier Darstellerinnen in vier Lebensaltern konzipiert – und es braucht starke Schauspielerinnen, um diesen Charakter in seinen teils effektgeladenen, teils aber tiefenschärfenarmen Auftritten interessant zu machen. Ein Glück, dass die Kammerspiele der Josefstadt mit Sandra Cervik und Babett Arens über solche verfügen.

Mary Page mit ihrem Geliebten Dan: Sandra Cervik und Roman Schmelzer. Bild: Herwig Prammer

Mary Page beim Psychotherapeuten: Sandra Cervik und Raphael von Bargen. Bild: Herwig Prammer

Dort nämlich hat Regisseurin Alexandra Liedtke „Eine Frau. Mary Page Marlowe“ nun zur österreichischen Erstaufführung gebracht, eine ausgeklügelte Arbeit, die des Autors Bemühungen ums Well-made Play adelt, da Liedtke auf die Kraft ihrer Akteurinnen setzt und mit ihnen das Figurenschicksal atmosphärisch klar und schnörkellos auf die Bühne bringt. Volker Hintermeier hat dazu ein Bühnenbild erdacht, dass an ein abgewracktes Lichtspielhaus erinnert, mit einer Leinwand, so leer, wie das davor ablaufende Leben, und einem altmodischen Letterboard, aus dem schon einige Buchstaben gefallen sind.

Die Kostüme von Su Bühler sind zeitlich von den 1940er-Jahren bis ans Jetzt angeglichen, die Musik von Karsten Riedel ist eine Reminiszenz von Frank Sinatra über die Rolling Stones bis Jimmy Somerville. Was in diesem Setting verhandelt wird, ist die Welt als Wille und Vorstellung, heißt als Frage: Wieviel Selbst- und wieviel Fremdbestimmung lenken ein Leben? „Ich werde ich sein“ sagt die Collegestudentin Mary Page, da spielt sie Johanna Mahaffy, als sie beim Legen von Tarotkarten das Symbol der Königin aufdeckt.

„Ich weiß nicht, wer ich bin“, sagt Sandra Cerviks erwachsene Mary Page später zum Psychotherapeuten. Man sieht das Kind, Livia Ernst, dem Silvia Meisterle als Mutter harsch jedes Gesangstalent abspricht. Man sieht Babett Arens als gealterte Mary Page, die glücklich einen Behördenbrief liest, der sie über das Ende ihrer zur Bewährung ausgesetzten Gefängnisstrafe informiert.

Die Geschehnisse erfährt man nur bruchstückhaft, erst am Ende hat man all die Letts’schen Puzzlesteine beisammen, vor allem die von der Tragödie um Sohn Louis und die eines Autounfalls bei 3,2 Promille, die diese gewordene Mary Page Marlowe ausmachen. Ein Kunstgriff, den Liedtke unterstützt, indem sie die vier Darstellerinnen immer wieder nebeneinander stellt, als Beobachterinnen einer Situation, die einem früheren oder späteren Ich passiert, in stiller Kommunikation mit sich selber, besorgt, erheitert oder sich verblüfft erinnernd. Leitmotivisch reichen sie sich ein Tuch weiter, das Babydecke, Schal und Gürtel wird, leitmotivisch träumen sie vom Lucy-Jordan-Sehnsuchtsort Paris. Die Drehbühne kreist dazu beständig um dies Schicksalskarussell.

Spätes Glück – Mary Page mit ihrer großen Liebe, Ehemann Nummer drei, Andy: Babett Arens und Martin Zauner. Bild: Herwig Prammer

Was das Ensemble an feinem Schauspiel bietet, geht weit über die von Tracy Letts erdachten Situationen hinaus. Sandra Cervik gestaltet Mary Page in einer Mischung aus nüchterner Selbstkontrolle und leicht aufbrausenden Emotionen. Sie hat mit Liebhaber Dan, den Roman Schmelzer als komödiantisches Kabinettstück zeigt, und dem ihren Sorgen nachbohrenden Seelendoktor Raphael von Bargen zwei der besten Episoden.

Ebenso, wie Babett Arens mit Ehemann Nummer drei, Andy, den Martin Zauner als verschmitzt herumalbernde späte Liebe anlegt. Überzeugend sind auch Nikolaus Barton und Silvia Meisterle als Mary Pages Eltern, der Vater vom Zweiten Weltkrieg gezeichnet, die Mutter auf dem schmalen Grat zwischen Fürsorge und Unwirschheit. Ein Paradebeispiel dafür, dass die Deformierung eines Menschen meist mit der Erziehung beginnt. Der Quilt jedenfalls kann ausgebessert und gereinigt werden. Mit einem Leben geht das nicht so einfach.

Video: www.youtube.com/watch?time_continue=6&v=cM1CSIx_eSU

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  1. 3. 2019

Kammerspiele: Suff

Februar 2, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Dies Ärgernis ist kaum wegzuspülen

An die Gläser, fertig, los: Sona MacDonald, Elfriede Schüsseleder, Marianne Nentwich und Therese Lohner. Bild: Herwig Prammer

Prinzipiell nie kommt es vor, dass man die Kammerspiele der Josefstadt verlässt, und nicht weiß, wie man’s finden soll. Doch, diesmal. Thomas Vinterbergs wie immer gemeinsam mit Mogens Rukov verfasster Text „Suff“ hinterlässt einen rat- und sprachlos. Dabei sind es keine moralischen Überlegungen, die einen bei dieser Ode an den Alkohol ins Wanken bringen, da müsste man früh anfangen, Darstellungen des Trinkers gibt es seit der Erfindung von Kunst und Kultur, sondern jeglicher fehlende Mehrwert.

„Mehr Schicksal“, meinte eine Zuschauerin nach der Premiere, hätte sie sich gewünscht. Doch, nein, das ist es nicht. Nicht jeder, der säuft, hat „ein Schicksal“. Aber ein Ausloten der Figuren, ein Tiefergraben in Beziehungen, deren Motivation und Antrieb, hätte man sich wohl erwarten dürfen. „Suff“ ist ein schlechtes Stück. Und nur der Regie von Alexandra Liedtke und der schauspielerischen Leistungen von Sona MacDonald, Elfriede Schüsseleder, Therese Lohner, Marianne Nentwich und Martin Niedermair ist es zu danken, dass da irgendwas über die Bühne kommt.

Handlung? Gibt es. Vier in die Jahre gekommene Freundinnen versammeln sich regelmäßig, um sich zu betrinken. Kein Damenspitzerl ist es, was sie anstreben, sondern der echte, ehrliche Vollrausch. Das stellt der Sohn der Wohnungsinhaberin, in der derlei Bordeaux- und Cointreau-Orgien stattfinden, der Mutter ein Ultimatum: Nüchtern oder nicht mehr die Enkelkinder sehen. Raimund Orfeo Voigt hat dafür ein passendes Bühnenbild gefunden: eine viel zu hoch installierte Wohnzimmertür und einen Parcours aus leeren Flaschen.

Darin tummelt sich nun die MacDonald als Hedwig, um für Jacob/Niedermair und seinen Anhang ein Weihnachtsessen samt Karpfen zu servieren. Boykottiert wird sie von Schüsseleders Irma, die das eigene Weinglas in der Handtasche mit sich trägt, Nentwichs Marion, die stets die passenden Herren zum Amüsement wählt, und Lohners Constance, die gleich zu Beginn bei der Tür hereinkotzt. Man befindet sich in der besseren Wiener Gesellschaft, die Damen sind gewesene Ärztinnen, Pianistinnen und Balletttänzerinnen. Hedwig hat den Flaschenöffner als Kette um den Hals hängen.

Erst der Vollrausch macht den Mann: Marianne Nentwich, Elfriede Schüsseleder, Martin Niedermair und Therese Lohner. Bild: Herwig Prammer

So beginnt nun also der Streit, ob „Spaß haben“ nicht doch ein Selbstzerstörungsmodus ist; wo sich in der Realität Menschen Ängste und Ärgernisse wegspülen, gelingt Zweiteres hier nicht. Und am „Höhepunkt“ steht Sohn Jacob als der wahre Verlierer da, den Unzufriedenheit und Einsamkeit zerfressen. Also, schnell vier, fünf, sechs Martinis gekippt, dann traut er sich seinen Nebenbuhler windelweich zu schlagen und seine Frau zurückzugewinnen. Die seine neue Männlichkeit übrigens sehr goutiert.

Worauf das Alkoholikerinnenquartett natürlich anstoßen muss. Dem ist nichts hinzuzufügen …

Video: www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=K_fvi4I3Ukk

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  1. 2. 2018

Kammerspiele: Vater

Februar 12, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Erwin Steinhauer berührt als Alzheimer-Patient

Erwin Steinhauer mit Therese Lohner und Martin Niedermair Bild: Moritz Schell

Erwin Steinhauer mit Therese Lohner und Martin Niedermair
Bild: Moritz Schell

Ein Bub geht vorbei an Museumsschaukästen, darin die Uhr, die stets vermisste, ein Fotoalbum, ein Kinderanzug. Später wird der Bub ein alter Mann geworden sein und sich selbst in die Vitrine setzen. Da ist er nicht einmal mehr seine eigene Erinnerung und seine Welt so klein geworden wie dieser Glasschrank.

Alexandra Liedtke inszenierte an den Kammerspielen Florian Zellers Alzheimer-Stück „Vater“. Die Tragikomödie war in Frankreich ein Sensationserfolg und wurde 2014 mit dem Prix Molière ausgezeichnet und erweist sich auch in Wien, in Liedtkes Händen, als toller Text. Zeller beschreibt die Erkrankung aus der Sicht des Betroffenen. Der Zuschauer nimmt wahr, was der „Vater“ wahrnimmt, erkennt, wen er erkennt, muss glauben, was er glaubt. Das sorgt nicht nur für situationskomische Momente, sondern entwickelt sich wie ein Psychothriller, wie ein hitchcockiges Suspencespiel, in dem ein sinistrer Geheimdienst den Helden um den Verstand bringen will. Ist alles nur eine perfide Intrige der Tochter, um den Vater aus der schönen Altbauwohnung ins Pflegeheim zu treiben? Man weiß es, natürlich – aber …

„Vater“ ist der Abend des Erwin Steinhauer. Er ist als André von berührender Intensität, ist genau die Art liebenswertes Scheusal, die einem ein verständnisvolles Lächeln entlockt. Steinhauer lässt noch den früheren Patriarchen durchblitzen, das Familienoberhaupt, das gewohnt war über alle zu bestimmen; er ist herrisch und ungeduldig mit anderen, womit er anfangs seine Unsicherheiten geschickt überspielt. Steinhauer gibt auch den Charmeur alter Schule, wenn er die neue Pflegehilfe umgarnt. Wie er steppt, wie er fast einen Kopfstand probt, um sich als toller Hecht zu zeigen. Er produziert sich wie ein Kind, das sich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit weiß. Doch der Feind im Kopf ist da und er breitet sich unerbittlich aus. Wenn Steinhauer den Schalk macht, kann man gut mit ihm schmunzeln, wenn er weint, verzweifelt ist, Angst hat, dann ist es kaum zu ertragen; sein Spiel wechselt von reizend zu reizbar und retour. Eine preisverdächtige Darbietung.

Regisseurin Liedtke hat diesen geistigen Verfall behutsam in Szene gesetzt. Ganz zart und sachte nähert sie sich Zellers Figuren und führt die Schauspieler durch deren Geschichte. Ihre Arbeit legt sich wie ein Seidenschal über das menschliche Drama, und der Vergleich changierend durchscheinend passt, hat doch Raimund Orfeo Voigt eine ähnliche Bühne erdacht: Milchige Wände, die alles und zugleich nichts erkennen lassen; Silhouetten tauchen im Hintergrund auf, Schatten huschen vorbei, für André werden die Mitmenschen zu Schemen. Und je mehr sich sein Kopf leert, umso mehr auch die Bühne. Tische und Sessel verschwinden. Wie die Person auf einem Video. Gerade da, dann fort, es ist er selbst. Eindrückliche Bilder

André hat Familie. Tochter Anne, Schwiegersohn Pierre und Pflegehilfe Laura. Zeller hat für diese drei Rollen fünf Schauspieler vorgesehen. Als die für den Vater verschwimmenden Gesichter. Er sieht Fremde in der Wohnung. In seiner und in der der Tochter – auch der Ort löst sich auf und wird eins. Gerti Drassl spielt Anne, Therese Lohner „eine Frau“. Was freilich Verwirrung stiftet. „Machst du das mit Absicht?“, sagt Steinhauer-André einmal, als Anne-Drassl abgeht und Anne-Lohner auftritt. Drassl ist wie immer von großer Wahrhaftigkeit. Ihr Schmerz und ihre grüblerische Sorge scheinen, nein: sind echt. Nervös sprudeln die Worte aus ihr hervor, als Laura kommt. Deren Vorgängerin wurde nämlich mit der Vorhangstange verjagt. Doch Eva Mayer geht mit einer Gemütsruhe an die Sache heran, als hätte sie das Lied von Bernadette inhaliert. Therese Lohner ist außer Anne auch Laura und am Ende eine Krankenschwester, die Pragmatische im Damentrio, sozusagen berufsbedingt freundlich, aber bestimmt. Ihr Wechselspiel, diese mehreren Facetten eines Menschen, schildern die Schauspielerinnen mit großer Prägnanz.

Szenen driften auseinander und finden wieder zusammen, Sätze, Dialoge wiederholen sich. Immer wieder. Die „gestohlene“, heißt: verlegte Uhr, das fertige Huhn und der Rotwein, und die Diskussion, ob der Vater in eine Einrichtung muss. Zeller zeigt, wie eine Familie um Zusammenhalt ringt, und auch die Position des Partners. Als der sind Martin Niedermair und Oliver Huether zu sehen. Für André gleichsam Jekyll und Hyde. Und weil er nie weiß, ob er den derzeitigen oder den geschiedenen Mann der Tochter oder einen Lover vor sich hat, gibt es wunderbare Augenblicke wie den, wenn er Pierre – dem vermeintlich verflossenen – mit einem „Nur Mut!“ männlich auf die Schulter klopft. Huether verkörpert die genervte, verständlich unfreundliche Seite des Charakters, Martin Niedermair den, der noch Galgenhumor aufbringt. Pierre ist um Anne besorgt, die sich bis zur Selbstaufgabe aufopfert. Vor allem Niedermair zeigt mit dieser Rolle eine weitere Variante seines Könnens.

Lösungen werden in „Vater“ keine angeboten. Weder von Zeller noch von Liedtke. Das Ende ist so offen wie klar, und die Diskussion entfacht. Was würde man tun, wenn … 2050 wird es in Österreich etwa 230.000 Alzheimer-Patienten geben, das ist jeder Zehnte, der dann älter als 60 Jahre sein wird. Die Relevanz des Themas liegt auf der Hand. Es ist mutig und wichtig, dass sich die Kammerspiele der Sache auf diese verständnisvolle Weise angenommen zu haben. In einer großartigen Inszenierung mit einem überragenden Erwin Steinhauer.

Alexandra Liedtke im Gespräch: www.mottingers-meinung.at/?p=17401

Trailer: www.youtube.com/watch?v=bCzG6G8ny5I

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Wien, 12. 2. 2016

Kammerspiele: Alexandra Liedtke im Gespräch

Februar 8, 2016 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Inszeniert „Vater“ mit Erwin Steinhauer und Gerti Drassl

Erwin Steinhauer und Gerti Drassl Bild: Jan Frankl

Erwin Steinhauer und Gerti Drassl
Bild: Jan Frankl

An den Kammerspielen hat am 11. Februar das mit dem Prix Molière ausgezeichnete Stück „Vater“ Premiere. Der junge französische Autor Florian Zeller erzählt darin über Alzheimer. Doch nicht aus der Sicht der Umgebung, sondern aus der des Erkrankten: André merkt, dass sich die Dinge um ihn verändern. Gegenstände und Menschen verschwinden, er vergisst, fühlt sich bedroht, verfolgt und zunehmend hilflos. Vor seiner Tochter Anna versucht er verzweifelt den Eindruck von Normalität aufrecht zu erhalten, aber es gelingt ihm immer weniger. Zellers theatrales Vexierspiel schildert Andrés Suche nach sich selbst und wie eine Welt verlöschen kann und balanciert dabei behutsam zwischen Tragik und Komik. Es spielen u. a. Erwin Steinhauer und Gerti Drassl, Alexandra Liedtke inszeniert. Die Regisseurin im Gespräch:

MM: Autor Florian Zeller nennt „Vater“ eine tragische Farce. Wie passt ein Stück über Alzheimer in die Kammerspiele? Wo ist da das Lachen?

Alexandra Liedtke: Es gibt nichts zu lachen über Alzheimer, aber durch die Situationen, die die Erkrankung auslösen kann, kommt es zu Momenten, über die man lachen kann. Man kann vielleicht von Situationskomik reden, man kann liebevoll lächeln über den feinen Humor dieses Stücks. Aber eine Schenkelklopfkomödie ist es sicher nicht. Das Stück ist sehr aktuell, nicht nur, weil gerade vor 60 Jahren Alzheimer entdeckt wurde, sondern weil wir uns als Gesellschaft mit dem relevanten Thema Älterwerden auseinandersetzen müssen. Es gibt Prognosen, dass sich bis zum Jahr 2050 die Zahl der Alzheimerpatienten verdoppeln wird, also sind wir aufgefordert, darüber nachzudenken und zu diskutieren.

MM: Florian Zeller hat so authentisch geschrieben. Hat er mit dem Stoff Erfahrung?

Liedtke: Das weiß ich nicht, ich lerne ihn erst bei der Premiere kennen. Aber Sie haben vollkommen recht, beim Arbeiten an diesem Stück merkt man, dass die Situationen, die er beschreibt, sehr treffend geschildert sind. Wir haben uns mit Alzheimer-Patienten getroffen, haben uns auch mit Ärzten unterhalten, und vieles, das uns begegnet ist, ist von Zeller verarbeitet. Oft heißt es bei den Proben: Denk‘ an den oder den … So können wir auf Erfahrungen zurückgreifen, die wir tatsächlich im Umgang mit Erkrankten erlebt haben.

MM: Wie haben Sie diese Menschen getroffen?

Liedtke: Wir haben Kontakt zu entsprechenden Einrichtungen gesucht. Und – das klingt vielleicht makaber – etliche waren froh, zu unserer Arbeit etwas beitragen, etwas von sich vermitteln zu können. Es gibt wenig Material von Erkrankten selbst, wenig Aufgeschriebenes, das hat es für uns so spannend gemacht, das Gespräch zu suchen. Erwin Steinhauer hat einen Schulfreund, Dr. Dal-Bianco, der Neurologe an der Universitätsklinik ist, mit ihm haben wir zuerst geredet. Er hat das Stück gelesen und uns eine Einschätzung gegeben, wie realistisch das Thema behandelt wird. Und von ihm ging’s zu weiteren Begegnungen.

MM: Wie wurde auf die Theaterleute reagiert?

Liedtke: Da muss man differenzieren, weil die Menschen, die wir getroffen haben, in sehr unterschiedlichen Stadien waren. Es gibt die, die noch leugnen, ein Herr hat immer gesagt: Ich bin nur meiner Frau zuliebe hier, ich brauche das alles nicht, andere sehen ihre Krankheit ganz klar. Und dann gab’s welche, denen ich unterstelle, dass sie die Lage nicht mehr genau einschätzen konnten. Die waren sehr nett, sehr freundlich, aber nicht wirklich „da“. Die Beklemmung war auf unserer Seite, es ist ja nicht so leicht jemanden „auszufragen“. Aber wir waren offen und ehrlich und so wurde es ein sehr schöner Austausch. Die Begegnung mit den Patienten machte jede Überlegung, die man im Vorfeld hatte, überflüssig. Einer war ganz glücklich Erwin Steinhauer kennenzulernen, den er schon so lang von der Bühne kennt. Er hatte Erwin ein kleines Gedicht geschrieben. Es war berührend zu sehen, wie toll sich Erwin diesen Menschen gegenüber verhalten hat.

MM: Florian Zeller wendet den dramaturgischen Kniff an, die Handlung aus der Sicht des Betroffenen zu erzählen. Man hat zeitweise den Eindruck, man befindet sich in dieser Art von Psychothriller, in der ein perfider Geheimdienst den Helden völlig irre machen will …

Liedtke: Das ist sehr spannend zu inszenieren und ich hoffe, dem Rechnung tragen zu können. Tatsächlich ist das Schöne an diesem Stück, dass Zeller uns mitnimmt auf die Reise dieses Vater André. Was er als Wahrheit empfindet, wird auch dem Zuschauer als Wahrheit präsentiert. Vielleicht hat er ja recht und alles ist eine Intrige seiner Tochter, die ihn in ein Altersheim stecken will, um endlich die schöne Altbauwohnung zu erben? Wir können nicht entschieden sagen, ob und wann Andrés Problem begann. Ich kann nur so viel verraten: Wenn er einen Menschen nicht wiedererkennt, erkennt ihn der Zuschauer auch nicht mehr. Das sind dann zum Beispiel Situationen, in denen dieses Stück mit der Komik spielt.

MM: Sie haben mit Erwin Steinhauer bereits an der Josefstadt  für „Blackbird“ zusammengearbeitet. Welche Qualitäten bringt er als Schauspieler für die Figur André mit?

Liedtke: Ich kann mich absolut verlassen, dass er die Figur spürt. Man kann seinen André verstehen, man hat für ihn Sympathie, man ärgert sich über ihn, man weint um ihn. Das war auch bei „Blackbird“ so, wo sich erst in den letzten drei Minuten herausstellt, dass Rai tatsächlich ein Kind missbraucht hat. Das Publikum so vor den Kopf zu stoßen geht nur, wenn jemand so fein spielen kann, wie Erwin Steinhauer. Er arbeitet sich verlässlich in eine Rolle rein. Das ist bei „Vater“ wichtig, denn ich brauche einen älteren Schauspieler, dem man einerseits eine gewisse geistige Gebrechlichkeit glaubt, andererseits aber noch eine zarte Romanze mit der Krankenschwester zutraut. Ich brauche jemanden, der uns ziemlich lange hinters Licht führen kann, und mit der Art und Weise, dem schnellen, direkten Ton, den er spricht, tut er das. Ich weiß manchmal nicht, wann er spielt und wann er er selbst ist. Im Stück wird offengelassen, welche der Geschichten der Wahrheit entsprechen.  Und die großen emotionalen Schwankungen des André sind auch für seine Tochter, gespielt von Gerti Drassl, eine irrsinnige Herausforderung. Die beiden hier auf der Bühne zu haben ist eine große Freude.

MM: Das Stück geht einem ziemlich nahe. Ordnen Sie nach den Proben kollektives Seelenstreicheln an?

Liedtke: Nicht unbedingt nach den Proben. Aber wir reden viel. Der eine hat Angst, bei seinen Eltern fängt es an, ein anderer sagt, er hat ein Gedächtnisproblem, ob das was bedeutet. Meine Großmutter ist gerade in einer Situation, in der wir uns als Familie Gedanken machen müssen. Diese Arbeit berührt uns alle in vielen Punkten sehr. Wir haben darüber geredet, wie man mit so einer Diagnose umgehen würde, ob man das Recht hat, in so einem Fall selber entscheiden zu dürfen, wann man gehen möchte. Solche Diskussionen werden zwangsläufig geführt. Man kann nicht über das Gefühl hinweg, das Problem im Stück wäre zum eigenen Problem geworden. Ja, es gibt schon Tage, da gehen wir abends traurig raus.

MM: Sie sind dreifache Mutter. Auf einer Ebene jenseits von Alzheimer ist „Vater“ ein Stück über Verantwortung aufgebürdet bekommen, tragen, aber auch an die Kinder abgeben lernen. Wie gehen Sie damit um? Anna im Stück schwankt ja zwischen Selbstbehauptung und Selbstaufgabe.

Liedtke: Als Mutter entscheidet man sich, die Verantwortung für ein anderes Leben zu übernehmen. Für eine gewisse Zeit, bis diese Menschen für sich selbst die Verantwortung übernehmen können. Das macht den Umgang mit dem Älterwerden so schwierig, weil man weiß, die Verantwortung wird nicht mehr gelöst, außer vom Tod. Das können weit mehr als 10 Jahre sein, wo Menschen viel Hilfe brauchen, wo man weiß, dass jeder Schritt eine Verschlechterung ist. Während ich als Mutter davon ausgehen darf, dass jede Verantwortung, die ich jetzt übernehme, zu einer Stärke und Sicherheit führt, die mich irgendwann nicht mehr braucht. Bei der Betreuung eines alten Menschen muss man irgendwann loslassen und sich vielleicht eingestehen, dass man die Pflege in professionelle Hände geben muss. Ob es hier eine richtige oder falsche Entscheidung gibt, weiß ich nicht. Auch das wird im Stück besprochen. Annas Mann, Pierre, ist eine wichtige Figur bei „Vater“, die von den Ereignissen überrollt wird. Und die Frage, was man einem Partner zumuten kann, ist an diesem Abend sehr zentral.

MM: Es gibt vom Florian Zeller klare Regieanweisungen zur Optik. Er will, dass sich die Bühne leert wie Andrés Kopf. Wie werden Sie darauf eingehen?

Liedtke: In gewisser Weise so ähnlich. Wir wählen eine Metapher für ein Zurückziehen in sich selbst. Denn die Dinge, die außen passieren, sind irgendwann nicht mehr relevant. Ich habe mich über die Regieanweisungen sehr gewundert, weil sie Zellers Spiel – was ist real, was ist nicht real? – sehr konkret machen. Ich habe dann festgestellt, im französischen Original gibt es diese Anweisungen nicht, da lässt das Stück viel mehr Möglichkeiten offen, auch wenn alle diese Anweisungen sicher mit Zellers Einverständnis sind. Das Stück stellt „die Wahrheit“ infrage, und diese Verschmelzung von Realitäten bedienen wir auch im Stück. Ich werde auch in begrenztem Maße Video verwenden, weil es mir hilft, Menschen vor Andrés Augen verschwinden zu lassen.

MM: Wenn ich Arbeiten von Ihnen sehe, sind es in der Regel aktuelle Stücke. Widmen Sie sich bevorzugt zeitgenössischem Theater?

Liedtke: Wenn es spannende Themen sind durchaus, aber nicht nur. Ich habe am Salzburger Landestheater gerade „Kabale und Liebe“ und „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ gemacht, aber auch da hat mich interessiert, was an diesen Stücken heute noch Gültigkeit hat. Wenn ich erzähle, erzähle ich aus meiner Zeit, aus meiner Welt, was ist heute das Problem daran? Bei zeitgenössischen Stücken werden im Idealfall Dinge bearbeitet, die unser Leben gerade berühren, dabei geht es dann darum, dieses Thema möglichst konkret darzustellen, und nicht um die große theatralische Erzählweise, wie das vielleicht bei einer „Neudeutung“ eines Klassikers der Fall ist. Man muss immer auf den Stoff schauen und was er einem zu sagen hat. Eine der spannendsten Fragen, die nur die Zeit lösen wird, ist für mich, was an zeitgenössischen Stücken längerfristig bleiben wird.

MM: Salzburg ist nun Ihr Lebensmittelpunkt?

Liedtke: Ja. Für mich hat es sich ein bisschen gedreht. Früher bin ich von Wien aus nach Salzburg gefahren, jetzt fahre ich von Salzburg nach Wien. Früher habe ich Mozartkugeln von Salzburg nach Wien gebracht, nun bringe ich Freunde meiner Kinder übers Wochenende von Wien nach Salzburg. So versuchen wir, den Kontakt aufrecht zu erhalten.

MM: In welche Stimmung möchten Sie das Kammerspiele-Publikum mit „Vater“ entlassen?

Liedtke: Im Idealfall hole ich das Publikum dort ab, wo es ist. Ein Zuschauer, der zwischen 50 und 60 ist, nimmt aus dem Abend sicher etwas anderes mit, als einer, der um die 20 ist. Das Stück bietet viele Ebenen an, viele Personen, an die man sich heften kann. Deshalb hoffe ich, dass ich die Menschen in vielen Facetten berühren kann. Um auf den Beginn unseres Gesprächs zurückzukommen: Dieser Abend würde ganz sicher an beiden Häusern der Josefstadt funktionieren, aber die Kammerspiele ermöglichen eine Intimität und eine Nähe zum Publikum, die ohnegleichen ist. Das erlaubt eine sehr zarte, sehr feine Spielweise. Es ist mir ein großes Bedürfnis, die Zuschauer ganz nahe an dieses Stück heranzuholen und nicht die Schauspieler ganz weit zum Publikum zu öffnen. Ich hoffe, dass die Menschen auch auf eine „tragische Farce“ neugierig sind. Aber, da die Wiener an Theater jeder Art sehr viel Interesse haben, bin ich zuversichtlich … sie denkt kurz nach … Genau, dort hole ich sie ab: Bei ihrer Lust auf Theater.

www.josefstadt.org

Wien, 8. 2. 2016