Hermann Nitsch spielt Orgel

November 19, 2013 in Klassik, Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

shut up and listen! 2013: END LESS NESS

Hermann Nitsch Bild: Nitsch Foundation

Hermann Nitsch
Bild: Nitsch Foundation

Um das Thema END LESS NESS geht es in der achten Ausgabe des Festivals shut up and listen!: lang andauernde musikalische und (klang-)künstlerische Konzeptionen, die möglicherweise illusorische Idee einer endlosen Musik! Wie gewohnt fühlen sich die beiden Festivalleiter Belma Bešlić-Gál und Bernhard Gál einer transdiziplinären Grundhaltung verpflichtet: SUAL 2013 beinhaltet instrumentale und elektroakustische Musik und Klangkunst, ein Architekturobjekt, einen Dokumentarfilm, eine Klangskulptur, einen Vortrag sowie einen Hörraum. Es werden Klangkontinuen bzw. repetitive und quasi-statische Klanggestaltungen wie Drones, Flächen, Cluster, Pulsationen, Stille unterschiedlichster Machart und Provenienz präsentiert. 

Hermann Nitsch, der diesen Sommer 75 Jahre alt geworden ist, wird als Auftakt zum Festival eines seiner seltenen Orgelkonzerte in der Jesuitenkirche geben. 

Hermann Nitsch, Orgel

orgelkomposition in vier sätzen – Orgelkonzert

20. November, 20.00 Uhr

Jesuitenkirche (Dr. Ignaz Seipel-Platz, 1010 Wien)

Eintritt: Freie Spende

Die geniale Echtzeit-Musique-concrète-Komposition „Mantra“ des Frankokanadiers Jean-François Laporte basiert auf einer unbearbeiteten Verklanglichung der nächtlichen Fahrt einer Eisbearbeitungsmaschine durch ein Eishockeystadion. Der Musikwissenschaftler Wolfgang Gratzer denkt laut über das Hören und Entstehen unendlicher Musik nach, Radu Malfatti verschmilzt Sinustöne mit den Klängen seiner Posaune und lässt dabei der Stille genauso Raum wie den Klängen selbst. Gunter Schneider und Barbara Romen verarbeiten das kontinuierliche Fließen von über ein Rohr in Echtzeit gefilterten Umweltklängen. „Das Rohr“ kann während des Festivals auch als Klangskulptur erlebt werden (21.11.). 

Auf die Verleihung des SUAL AWARD 2013 samt Aufführungen der prämierten Werke folgen Stücke für Violoncello von Alvin Lucier und Michael Moser, in denen sehr unterschiedliche Klangerforschungen intensive Wahrnehmungsreisen ermöglichen. Die Pianistin Manon Liu Winter bringt mit „ASLSP“ die Originalfassung jenes Werkes von John Cage in den Echoraum, welches in einer Orgelfassung seit etwa zwölf Jahren und noch für weitere, beinahe ewig anmutende, ca. 627 Jahre in einer Kirche in Halberstadt präsentiert werden soll. Die Architektin Yumi Kori fängt die Unendlichkeit in einer kleinen Schachtel ein und sendet uns aus Tokio eines ihrer „Portable Infinity Devices“ (22.11.). 

Mit „Kyema“, dem ersten Teil von Éliane Radigues opus magnum „Trilogie de la Mort“ sowie einem anschließenden Brunch findet SUAL 2013 seinen Abschluss (23.11.). 

shut up an listen! 2013: END LESS NESS

Interdisziplinäres Festival für Musik und Klangkunst

20. November, 20.00 Uhr, Jesuitenkirche (Dr. Ignaz Seipel-Platz, 1010 Wien)

21. bis 23. November 2013, echoraum (Sechshauser Str. 66, 1150 Wien) 

http://sp-ce.net/sual/2013/

Wien, 19. 11. 2013