LENTOS: Paweł Althamer / Jakob Lena Knebl

Februar 3, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Künstlern aus Mali gemeinsam Holzschnitzen

Paweƚ Althamer: Modell, 2019. Courtesy the artist, Foksal Gallery Foundation, Warsaw and neugerriemschneider, Berlin

Ab 7. Februar zeigt das LENTOS Kunstmuseum Linz die Ausstellungen „Paweł Althamer. Cosmic Order“ und „Jakob Lena Knebl. Frau 49 Jahre alt“. Der renommierte polnische Gegenwartskünstler Paweł Althamer ist bekannt für seine partizipativen Kunst- projekte, figurativen Skulpturen und performativen Selbst- porträts. Er setzt häufig auf soziale Kooperationen sowie auf das Miteinbeziehen seines Umfelds und ihm naheste- hender Personen. Mit seinen Projekten hinterfragt er soziale Strukturen und Netzwerke, um sich nicht selten in diese neu

einzuschreiben. Im Rahmen der partizipativen Ausstellung werden internationale Holzschnitzkünstler an großen Plastiken arbeiten. Zugleich wird auch Platz für Beteiligung und Interaktion geboten. Hier manifestiert sich Althamers Zugang zur Kunst, bei dem den kooperativen Entstehungsabläufen mehr Bedeutung zukommt als dem fertigen Kunstobjekt. Diese Prozesse werden sich in einer, an der Dogon-Kultur inspirierten, Landschaft entwickeln und diese zugleich mitverändern. Das Setting der Schau ist in Anlehnung an die Länder der beteiligten Künstler aus Österreich, Polen und Mali, darunter Bruno Althamer, Youssouf Dara, Józef Gałązka, Piotr Grzegorek und Camille Holowka, gestaltet.

JL Knebl: #12495, Chesterfield, 2014. LENTOS Linz, © Bildrecht Wien, 2020

Ancient message of cosmic order. Credits: Paweł Althamer

Jakob Lena Knebl: Ma Poupée, 2018
Bild: Fabrice Gousset; © Bildrecht Wien, 2020

Jakob Lena Knebl inszeniert ein Environment, das Werke aus der Sammlung des LENTOS in einem neuen Licht erscheinen lässt. In sinnlicher Art und Weise präsentiert die Künstlerin beide Räume im Untergeschoss konträr und bipolar, wobei eine dunkle Seite einer Bunten entgegengesetzt wird. Durch Kombination mit eigenen Arbeiten und ihrem, als Künstlerin, stark subjektiv gefärbten kuratorischen Ansatz unterzieht Knebl die Sammlung einer politischen Neubewertung. Sie bricht den klassischen Kanon der Sammlungspräsentation auf und erprobt eine „demokratische Art“ des Ausstellens. Dieses Spiel mit unterschiedlichen Taktiken ermöglicht einen ungewöhnlichen, niederschwelligen Zugang und vermag Ernsthaftigkeit mit einem Augenzwinkern zu vermitteln.

Paweƚ Althamer: MAMA, 2016. © Pawel Althamer, Bild: Jens Ziehe, Berlin. Courtesy of the artist and neugerriemschneider, Berlin

Paweł Althamer, 1967 in Warschau geboren, lebt und arbeitet vor Ort. Er war von 2009 bis 2011 Professor für Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in Wien, seine Werke wurden an der documenta X, an der Manifesta 3 in Ljubljana, am New Museum of Contemporary Art in New York, an der Biennale in Venedig und zuletzt 2019 in einer großen Einzelausstellung am HAM in Helsinki präsentiert.

Jakob Lena Knebl lebt in Wien und arbeitet als Senior Artist an der Akademie der bildenden Künste Wien. Zuletzt verwirklichte sie verstärkt Projekte im öffentlichen Raum und nahm an einer Vielzahl internationaler Ausstellungen, etwa 2019 an der Biennale in Lyon, teil.

lentos.at

3. 2. 2020

Lentos Kunstmuseum: Lassnig – Rainer. Das Frühwerk

Februar 1, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Werden zweier großer Künstlerpersönlichkeiten

Ein Leben lang verbunden: Maria Lassnig und Arnulf Rainer während einer Ausstellungseröffnung in Wien, 1999. Bild: Heimo Rosanelli

Maria Lassnig und Arnulf Rainer zählen zu den erfolgreichsten Künstlern Österreichs. Lassnig würde heuer ihr 100. Lebensjahr begehen, Rainer feiert im Dezember seinen 90. Geburtstag. Die beiden lernten einander 1948 in Klagenfurt kennen. Ihre gemeinsam verbrachten Jahre prägten ihr künstlerisches Werk grundlegend. Die Ausstellung „Lassnig – Rainer. Das Frühwerk“ im Lentos Kunstmuseum Linz zeigt ab 1. Februar etwa 120 Werke aus den Jahren von 1948 bis 1960.

In dieser Zeit werden die Weichen für das Kunstschaffen von Maria Lassnig und Arnulf Rainer gestellt. Die verschiedenen Stilrichtungen, die sie in kurzer Zeit durchliefen, lassen sich grob mit den Begriffen Surrealismus, Informel und geometrische Abstraktion umreißen. 1945 flüchtet Arnulf Rainer vor den russischen Besatzungssoldaten aus Baden auf einem Fahrrad nach Kärnten zu Verwandten. Im Jahr 1947 besucht er eine Ausstellung in Klagenfurt, in der er Lassnigs heftig diskutiertes Gemälde „Akt Guttenbrunner“ sieht. Im April 1948 kommt es zu einem ersten Treffen mit Lassnig in ihrem Atelier in Klagenfurt. Der Beginn einer Beziehung mit der ein intensiver künstlerischer und intellektueller Austausch verbunden war . Maria Lassnig hatte, als sie Arnulf Rainer kennenlernte, bereits ihr Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste absolviert. Ihr Atelier am Heiligengeistplatz war Treffpunkt von Künstlern und Literaten wie Arnold Clementschitsch, Michael Guttenbrunner, Max Hölzer oder Arnold Wande.

Maria Lassnig: Porträt Arnulf Rainer, 1948-1949. © Maria Lassnig Stiftung

Arnulf Rainer: Selbstbildnis in den Februartagen, 1948. Courtesy Landessammlungen Niederösterreich, Bild: Christoph Fuchs, © Atelier Arnulf Rainer

In ihren frühen Zeichnungen suchte Lassnig bereits nach einer Möglichkeit, die Wahrnehmungen ihres Körpers unmittelbar darzustellen. Sie erachtete ihn als eine Realität, die mehr in ihrem Besitz war als ihre Außenwelt. Ab 1947 entstanden erste „Körpergefühlszeichnungen“, die sie „Introspektive Erlebnisse“ nannte. Arnulf Rainer arbeitete in den späten 1940er-Jahren an surrealistischen Porträts und Unterwasserszenarien. 1950 kam es zur Gründung eines Künstlerkollektivs, der sogenannten „Hundgruppe“. Sie zählte neben Lassnig und Rainer Arik Brauer, Ernst Fuchs, Wolfgang Kudrnofsky, Peppino Wieternik, Anton Krejcar und Maria Luise Löblich als Mitglieder. Die beteiligten Künstler und Künstlerinnen fanden den Art Club und seine kleinbürgerliche Bohemien-Szene als zu traditionell. Die Eröffnung ihrer einzigen Ausstellung im März 1951 wurde zum Skandal, da Arnulf Rainer das Publikum beschimpfte. Mit diesem provokanten Auftritt nahm er den Wiener Aktionismus vorweg.

Mit Lichtpausen von surrealistischen Zeichnungen reisen Lassnig undRainer 1951 nach Paris. Sie treffen sich unter anderem mit dem Kopf der Surrealistengruppe André Breton und mit dem Schriftsteller Paul Celan. In Paris konnten sie mehr über automatistische Bildtechniken erfahren. Maria Lassnig war in Paris vor allem von Yves Tanguys „Knochenmonumenten“ beeindruckt. Arnulf Rainer lernte über Paul Celan die für sein künstlerisches Schaffen bedeutsame „Lehre vom Zerfall“ von E. M. Cioran kennen. Während einer weiteren Parisreise entdeckten sie die Ausstellung „Véhémences confrontées“ in der Galerie La Dragonne. Die dort ausgestellten Kunstwerke von Jackson Pollock, Willem de Kooning, Jean-Paul Riopelle, Georges Mathieu, Sam Francis, Mark Tobey, Camille Bryen und Hans Hartung waren bereits der abstrakt-informellen Kunstrichtung zuzuordnen und beeindruckten Lassnig und Rainer nachhaltig.

Nach Paris arbeitete Lassnig an informellen Monotypien und nannte ihre Werke „Amorphe Automatik“, „Meditationen“ und „Stumme Formen“. Rainer malte zunächst abstrakte Gemälde, die er „Mikrostrukturen“ und „Atomisationen“ nannte. Sein theoretischer Text „Malerei, um die Malerei zu verlassen“ beschreibt einen Weg der permanenten Reduktion, eine radikale Loslösung von überkommenen Traditionen. Daraus resultieren seine „Blindzeichnungen“, „Zentralisationen“, „Vertikalgestaltungen“ und „Auslöschungen“. Ab 1954 entstandene Überzeichnungen und Übermalungen waren eine Folge davon. Rainer und Lassnig kuratierten 1951 eine Ausstellung im Künstlerhaus Klagenfurt. In einem Manifest zu dieser Ausstellung fordert Lassnig: „Fort mit den ästhetischen Farbassoziationen“ und „Freiheit, die sich der Mensch, der Künstler wählt“. An dieser Ausstellung nehmen auch Friedrich Aduatz, Wolfgang Hollegha, Johanna Schidlo, Johann Fruhmann und Hans Bischoffshausen teil.

Maria Lassnig: Guttenbrunner als Akt / Aktstudie M. G., 1946. © Maria Lassnig Stiftung

Arnulf Rainer: Rainer – Lassnig – Übermalung, (Fotografien: 1949, Übermalung: ca. 2004). © Atelier Arnulf Rainer

In den folgenden Jahren gestalten Lassnig und Rainer „Flächenteilungen“ und „Proportionen“. Darin loten beide Künstler die Möglichkeiten geometrischer Kompositionen aus. Arnulf Rainer lernt in dieser Zeit den Wiener Domprediger Otto Mauer kennen, der seine Kunst ab 1955 in seiner Galerie St. Stephan, später nächst St. Stephan, unterstützt. Angeregt durch Bildhauer Fritz Wotruba, kehrt Maria Lassnig schrittweise zur Figuration zurück.

Aus ihren Körpergefühlsaquarellen entwickelt Lassnig nach und nach tachistische Körpergefühlsbilder. Für Lassnig sind die Wiener Jahre  schwierige Jahre, in denen sie besonders unter fehlender gesellschaftlicher Anerkennung leidet – erst 1960 wird sie ihre erste Einzelausstellung bei Otto Mauer erhalten. Rainer verlässt 1953 Wien und zieht nach Gainfarn bei Bad Vöslau. Damit ist das Ende des intensiven Austauschs mit Maria Lassnig vorgezeichnet. Lassnigs nächstes großes Abenteuer ist ihre Übersiedlung nach Paris, wo sie von 1961 bis 1968 lebt.

Von Arnulf Rainer gab es stets Bestrebungen gemeinsam auszustellen: „Ich habe Maria in den letzten Jahren nur noch gelegentlich gesehen. Ich bin zu ihren Ausstellungseröffnungen gegangen. Ich habe sie auch eingeladen, mit mir im Badener Rainer Museum auszustellen … Es hat leider nicht mehr geklappt.“

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1. 2. 2019

Lentos – Tatiana Lecomte: Anschluss

Oktober 18, 2018 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Eine Geschichtsbefragung aus Linzer Fotoarchiven

Synagogen-Brand, 10. November 1938. Bild: Franz Mittermayr, Diözesanarchiv Linz

Ab 19. Oktober beschäftigt sich das Lentos in der Schau „Tatiana Lecomte: Anschluss“ mit der medialen Darstellung geschichtlicher Ereignisse. Die Künstlerin kombiniert in der Ausstellung das Medium Film mit eigenem und historischem Fotomaterial. Lecomte forschte für die Ausstellung  in Linzer Fotoarchiven. Ihr Interesse liegt bei Bildern, die üblicherweise verwendet wurden, um die kollektive Erinnerung an die Vergangenheit aufrecht zu erhalten.

Sie nähert sich dem Material mit der Absicht, überlieferte Festschreibungen von Bedeutungen zu hinterfragen. Lecomte arbeitet mit verschiedenen Stilmitteln der Verfremdung, um im kollektiven Gedächtnis umzurühren. Durch ihr Montageprinzip aus Alt und Neu werden die krassen Zusammenhänge verschärft, die die nationalsozialistisch geprägte Bildästhetik der überlieferten Fotos hinterfragen.

Der Fokus von Lecomtes Suche kreiste um das Jahr 1938 – das Jahr, in dem der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich erfolgte. In  einem der Archive fand sie Fotos vom Aphroditetempel am Linzer Bauernberg.

Lecomte kontrastierte diese mit dem ungeschönten Bild einer alternden Frau. Auf einer anderen Tafel wird der Brand der Linzer Synagoge am 10. November 1938 Herbert Bayers „Aspen Trees – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ gegenübergestellt. Eine weitere Tafel zeigt den Prunk und Pomp von Hitlers Zimmer im ehemaligen Hotel Weinzinger. Der „Führer“ bewohnte es, als er in Linz den „Anschluss“ verkündete. Eine reproduzierte Zeichnung eines KZ-Häftlings vermittelt im Gegensatz dazu einen vagen Eindruck, wie diese im Konzentrationslager Mauthausen untergebracht waren. Die Abbildung der „Todesstiege“ hängt unter dem Foto, das nationalsozialistische Propaganda im Stiegenhaus eines Linzer Altstadthauses zeigt. Von den historischen Fotos der Häftlinge aus Mauthausen zeigt Lecomte lediglich die Rückseiten. Sie entzieht sie dem voyeuristischen Blick. Zu sehen ist allerdings ihr eigenes von der zynisch so genannten „Fallschirmspringerwand“, von der Häftlinge in den Tod gestoßen wurden.

Tatiana Lecomte: Ein mörderischer Lärm, 2015. © Bildrecht, Wien 2018

Tatiana Lecomte: Fallschirmspringerwand 1, 2005. © Bildrecht, Wien 2018

In Lecomtes Film „Ein mörderischer Lärm“ aus dem Jahr 2015 berichtet Zeitzeuge Jean-Jacques Boijentin über seine Zwangsarbeit im Konzentrationslager Gusen, wo er beim Bau des unterirdischen Flugzeugwerks „B8 Bergkristall“ als Elektriker eingesetzt war. Dabei steht die Stille der heute zugänglichen Anlage dem unerträglichen Lärm gegenüber, von dem Überlebende berichten. Tatiana Lecomte macht sich auf die Suche nach dem Lärm. Boijentin trifft im Film auf den Geräuschemacher Julien Baissat.

Die Künstlerin nähert sich den politischen Ereignissen des Jahres 1938 aus mehreren Perspektiven. Nicht nur Oberösterreich war Gegenstand der Recherchen. Manche Fotografien schoss sie auch im ehemaligen Konzentrationslager Natzweiler-Struthof im Elsass und im ehemaligen Internierungslager in Gurs. In diesem südwestfranzösischen Lager war die jüdische Philosophin Hannah Arendt im Mai 1940 interniert.

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18. 10. 2018

Lentos Kunstmuseum Linz: Rabenmütter

Oktober 23, 2015 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Zwischen Kraft und Krise: Mütterbilder 1900 bis heute

Elena Luksch-Makowsky: Selbstbildnis mit Sohn Peter, 1901 Bild: Österreichische Galerie Belvedere

Elena Luksch-Makowsky: Selbstbildnis mit Sohn Peter, 1901
Bild: Österreichische Galerie Belvedere

Super Mom oder kinderlos. Es scheint, als gäbe es kein selbstverständliches Muttersein mehr, nur Perfektion oder Verzicht. Doch die Mutterrolle hat viele Facetten: Freude, Erfahrung, Liebesbeziehung, Lernen, Übermut – aber auch Frust, Erwartungsdruck und Versagensangst. Die Ausstellung „Rabenmütter. Zwischen Kraft und Krise: Mütterbilder von 1900 bis heute“, die ab 23. Oktober im Lentos Kunstmuseum Linz zu sehen ist, zeigt den Wandel und die Verschiebung des Blicks auf Mütter und ihre Kinder.

Im 19. Jahrhundert wurde Mutterschaft kaum in Frage gestellt, auch wenn die Überhöhung des Mutterglücks im krassen Gegensatz zur Realität stand. Erst mit Karrieremöglichkeiten für Frauen entstanden Alternativen zur Mutterschaft als Ziel eines erfüllten Lebens. Doch nicht erst die feministische Kunst der 1960er-Jahre zeichnet realistische Bilder der Mutterrolle, sondern bereits am Beginn des Jahrhunderts entstehen Darstellungen sozialer Wirklichkeit und individueller Konflikte. Die Schau stellt in weiterer Folge die „Optimierungslogik“ heutiger Lebensentwürfe zur Diskussion und macht Hoffnung auf eine Wende: Immer mehr Frauen mit Kindern widersetzen sich den komplexen, oft stressigen Anforderungen des Alltags und hinterfragen ihre Lebenswelt zwischen Karriere, Kindern und Konsum …

Schwangerschaft, Geburt, Abtreibung, das Leben mit Kindern, die Entscheidung gegen Kinder, die Auseinandersetzung der Kinder mit ihren Müttern – alle diese Themen werden von Künstlerinnen und Künstlern aufgenommen. Gezeigt werden unter anderem Werke von Louise Bourgeois, Kiki Kogelnik, Käthe Kollwitz, Maria Lassnig, Elena Luksch-Makowsky, Karin Mack, Paula Modersohn-Becker, Shirin Neshat und Anna Witt.

www.lentos.at

Wien, 23. 10. 2015

Lentos: „Reines Wasser“ und „Oliver Ressler“

Oktober 2, 2014 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Die kostbarste Ressource und deren Plünderung

Shinichi Maruyama: Water Sculpture #1, 2010 Bild: © Shinichi Maruyama, courtesy Bruce Silverstein Gallery, NY

Shinichi Maruyama: Water Sculpture #1, 2010
Bild: © Shinichi Maruyama, courtesy Bruce Silverstein Gallery, NY

Ab 2. Oktober zeigt das Lentos Linz „Reines Wasser. Die kostbarste Ressource der Welt“. Wasser ist eine lebensnotwendige Ressource, die zunehmend ökologisch und ökonomisch unter Druck gerät. Wasser hält uns am Leben, Wasser braucht Schutz als öffentliches Gut. Reines Wasser ist auch emotionale Ressource, die glücklich macht. Seit den 1960er Jahren ist Wasser in seinen verschiedenen Aggregatzuständen ein faszinierendes Material der Kunst. Wasser ist Garant für Lebensqualität. Es dient zum Reinigen, zum Baden und zum Schwimmen, und es ist Teil religiöser und spiritueller Riten. Der Kampf gegen Verschmutzung, aber auch gegen Ökonomisierung der Ressourcen ist essentiell. Künstlerinnen und Künstler – von Joseph Beuys, Louise Bourgeois bis Andreas Gursky und Roni Horn – begleiten die Auseinandersetzung, kommentieren, setzen sich ein. Eine Ausstellung über ökonomische, soziale, emotionale und ästhetische Aspekte des unverzichtbaren Elements. Gemeinsam mit der Ausstellung wird die Schau „Oliver Ressler. Die Plünderung“ eröffnet.

Oliver Ressler (geb. 1970, lebt in Wien) ist ein politisch engagierter Künstler. Er recherchiert weltweit vor Ort, um ökonomische Verhältnisse und politische Organisationsformen zu analysieren. Zahlreiche seiner Arbeiten fokussieren Widerstandsformen, die man in der sogenannten Anti-Globalisierungsbewegung findet. Charakteristisch für seine Arbeit ist die Darstellung von Alternativen zum Bestehenden, die in Filmen, Fotografien und Installationen als Handlungsoptionen vermittelt werden. Die Ausstellung versammelt Arbeiten, die aktuelle Formen von Plünderung diskutieren: die Plünderung von Rohstoffen im globalen Süden sowie von knapper werdenden Erdölreserven durch transnationale Rohstoffkonzerne. Sie berichtet von aggressiven Formen der Privatisierung in Georgien, der Ausschließung von Menschen aus ehemals öffentlich zugänglichen Räumen durch die Schaffung von Gated Communities und von der Plünderung der Staatshaushalte zugunsten der so genannten „Rettung“ von Banken. Gezeigt werden mögliche Widerstandspraxen als Antworten auf politische, ökonomische und soziale Missstände.

Tipp: Oliver Ressler führt am 9. Oktober um 19 Uhr durch seine Ausstellung.

www.lentos.at

Wien, 2. 10. 2014