Leïla Slimani: Dann schlaf auch du

Oktober 9, 2017 in Buch

VON MICHAELA MOTTINGER

Das Unheimliche im eigenen Heim

Dann schlaf auch du von Leila Slimani

„Das Baby ist tot“. Mit einem stärkeren, erschreckenderen, abscheulicheren Satz kann ein Buch wohl kaum beginnen. Leïla Slimani verwendet ihn für ihren jüngsten Roman „Dann schlaf auch du“. In Frankreich bereits mit dem Prix Goncourt und dem Publikumspreis Grand Prix des Lectrices de Elle ausgezeichnet, ist Slimanis Arbeit für die deutschsprachige Leserschaft die Sensation dieses Herbstes. Durchaus auch ein Aufreger. Die junge Autorin berichtet ohne Sentiment, in einem kühlen, lakonischen, reportagehaften Tonfall über eine grauenhafte Familientragödie. Den Stil muss man aushalten, jeder Satz wie mit der Rasierklinge geschrieben, in die Seiten gekratzt von einer Betrachterin, die sich nie involviert, die ihre Figuren vom Spielfeldrand aus beobachtet.

Der in diesem Fall quasi ein Spielplatz ist. Das Ehepaar Myriam und Paul nämlich sucht für die Kinder Mila und Adam ein Kindermädchen. Wie Mary Poppins landet punktgenau Louise. Eine Perle, diese Nounou. Nicht nur, dass sie Kleinen mit ihrem Mutterwitz gleich im Griff hat, sie macht Myriams und Pauls Zuhause zu einem kuscheligen Heim. Sie kommt gern früher, bleibt gern länger, putzt, kocht vor, macht die Hausfrau.

Sie nistet sich ein, macht sich das fremde Leben zu eigen, und niemand merkt es. Die Eltern – schwerbeschäftigt, zwei Workaholics, er Musikproduzent, sie Staranwältin, die sich den Nachwuchs angeschafft haben, wie ein Accessoire, das zu einem gewissen Lifestyle einfach dazugehört. Lass‘ uns Familie spielen, ist das nicht chic? Nein, sympathisch sind einem die beiden nicht. Nicht einmal die Kinder sind es. Baby Adam vielleicht noch, aber die ältere Mila ist eine anstrengende, raunzige Nervensäge. Am ehesten fühlt man mit Louise. Von der man von Anfang an weiß, dass sie zur Mörderin werden wird. Dieses Mitgefühl, das ist das Irre an diesem Buch. Dann der erste Gruselsatz: „Sie hat die stille Wohnung ganz in ihrer Gewalt, wie einen Feind, der um Gnade bittet.“ Sukzessive, so langsam wie eine Depressionen heranschleicht, deckt Slimani auf, wer diese Frau ist. Entfaltet ihre Fallstudie.

Wie zwischen den Zeilen erfährt man vom Unheimlichen, blitzt Louises Biografie in Momentaufnahmen durch – und keiner dieser Momente ist schön. Tod des Mannes, der einen nicht zu bewältigenden Schuldenberg hinterließ, Verlust des Hauses, Verlust der Tochter, die die Mutter nicht länger ertrug. Prügel von der Kindheit bis zur Ehe. An einer Stelle steht das Wort Psychiatrie. Affektive Störung. „Ihr Herz ist hart geworden. Die Jahre haben es mit einer dicken, kalten Kruste überzogen, und sie hört es kaum noch schlagen. Nichts vermag sie mehr zu berühren.“ Louises Wohnsituation wird beschrieben. Erbärmlich im Vergleich zum Appartement im 10. Arrondissement, wo Louise bald auch die Badewanne in Besitz nimmt. Herrlich, und erst die schönen Handtücher.

Myriam und Paul wollen lange nicht sehen, was ihre Work-Life-Balance aus dem Gleichgewicht bringen könnte. Doch es spitzt sich zu, die Konflikte mehren sich. Die Spannung wird von Tag zu Tag greifbarer, aufgeputscht auch durch die Diskrepanz zwischen einem selbst als wissendem Leser und den arglosen Eltern. An seinen besten Stellen ist das Buch eiskalter Suspense.

Bild: pixabay.com

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Louise übernimmt das Kommando, und duldet bald keinen Widerspruch mehr. Sie sieht nicht ein, warum man ein verlegtes Jäckchen von Mila nicht einmal ansatzweise sucht, sondern Myriam sofort ein neues kauft. Sie hat kein Verständnis für Myriams Lebensmittelverschwendung, bereitet ein bereits weggeworfenes Hühnchen als Abendessen zu und drapiert das Gerippe als Mahnung auf dem Esstisch: „Myriam nähert sich dem Tier, das sie nicht zu berühren wagt. Das kann kein Irrtum, kein Versehen Louises sein. Noch weniger ein Scherz. Nein, das Gerippe riecht nach Spülmittel mit Mandelduft.“

Der Umgang miteinander wird gezwungener. Myriam und Paul, ganz liberale Bobos, wollen nicht in Arbeitgeber-Attitüde verfallen. Ihre Gedanken kreisen zunehmend um Louise. Stößt man sie vor den Kopf, lässt man sie spüren, dass sie nur Personal für Besserverdienende ist? Man betrachtet Louise nun mit einer Mischung aus Abscheu, Mitleid und Ärger über die Abhängigkeit, in die man sich ihr gegenüber gebracht hat. Doch man nimmt die Nounou mit in den Griechenlandurlaub, teil aus schlechtem Gewissen, teils aus dem Eigennutz, abends kinderfrei zu haben. „Dann schlaf auch du“ ist ein Buch über Geben und Nehmen. Die Arbeit und die Existenz. Existenz hier auch als Synonym für Leben.

In Frankreich wurde diese politische Brisanz des Buches diskutiert. Denn Slimani hat provokant klug die Verhältnisse umgekehrt, die Klischees zur Kenntlichkeit entstellt. Bei ihr ist die erfolgreiche Myriam ein Mensch mit „Migrationshintergund“. Sie hat wie die Autorin nordafrikanische Wurzeln. Die Ur-Französin ist aus dem Kleinbürgertum ins Prekariat abgerutscht. Im Park ist sie die einzige Weiße unter „farbigen“ Kindermädchen, die reichen Pariserinnen nutzen den Spielplatz als Arbeitsmarkt: „Jeder weiß, dass bestimmte Mütter, die cleversten und gewissenhaftesten, hierher ,auf den Markt‘ kommen, so wie man früher zu den Docks oder in eine Seitenstraße ging, um ein Dienstmädchen oder einen Lagerhalter zu finden.“ Derlei Textstellen waren dem einen oder anderen Rezensenten durchaus eine Bemerkung über die Wohlstandsverlierer der Grande Nation, über den Umgang mit Migranten und einer gegenüber beiden hilflosen Politik wert …

Bild: pixabay.com

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Louise interpretiert die Feriensituation freilich als Aufnahme als Familienmitglied. Eine fixe Idee nistet sich in ihr ein: Myriam muss ein drittes Kind bekommen, damit Louise endgültig unentbehrlich ist. Atemberaubend, was sie alles unternimmt, um ihren Plan in die Tat umgesetzt zu sehen. Doch Myriam und Paul sind viel zu müde für Sex, und in Louises in „delirierender Melancholie“ versunkenem Kopf legt sich endgültig der Schalter um. Leïla Slimani lässt dem Leser keinen Ausweg, sie unterbindet alle Fluchtversuche vor diesem grausigen Wiegenlied. Sie bietet keine Erklärung, keine Er/Lösung. Unausweichlich geht es dem bekannten Ende zu. Ein Sushimesser ist zur Hand. Mila wird im Krankenhaus ihren Verletzungen erliegen, Louises Selbstmordversuch befördert sie fürs Erste ins Koma. „Das Geschrei der Kleinen geht ihr auf die Nerven, sie würde auch gern schreien. Das aufreibende Piepsen der Kinder, ihre schrillen Stimmen, ihr ewiges ,Warum?‘, ihre egoistischen Bedürfnisse spalten ihr den Schädel … ,Ich werde dafür bestraft werden‘, hört sie sich denken. ,Ich werde dafür bestraft werden, dass ich nicht mehr lieben kann.“

Über die Autorin:
Die französisch-marokkanische Autorin Leïla Slimani gilt als die aufregendste literarische Stimme Frankreichs. Slimani wurde 1981 in Rabat geboren und wuchs in Marokko auf. Nach dem Studium an der Pariser Eliteuniversität Sciences Po arbeitete sie als Journalistin für die Zeitschrift „Jeune Afrique“. „Dann schlaf auch du“ wurde mit dem höchsten Literaturpreis des Landes, dem Prix Goncourt, ausgezeichnet und erscheint in 32 Ländern. Ihr ebenfalls preisgekröntes literarisches Debüt „Dans le jardin de l’ogre“ wird derzeit verfilmt. Leïla Slimani ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie lebt in Paris.

Luchterhand Literaturverlag, Leïla Slimani: „Dann schlaf auch du“, Roman, 224 Seiten. Übersetzt aus dem Französischen von Amelie Thoma

www.randomhouse.de

  1. 10. 2017

Claudia Kottal im Gespräch

November 6, 2015 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

„Ich bin gern die Super-Tschuschin“

Claudia Kottal: "Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen" Bild: Bettina Frenzel

Claudia Kottal: „Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen“
Bild: Bettina Frenzel

Auf ORFeins ist sie jeden Dienstag als Kripo-Beamtin Leila Mikulov in „CopStories“ zu sehen, doch gerade ist Drehpause und so macht Claudia Kottal Theater. Am 10. November hat im KosmosTheater „Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen“ Premiere. In der deutschsprachigen Erstaufführung des Stücks des Australiers Robert Hewett spielt sie sieben Rollen, sieben Menschen, die einander verraten, verlassen, lieben, vermissen. Denn Chrissie, blond, wird in einem Einkaufszentrum von einer Rothaarigen brutal attackiert, Rhonda, rothaarig, ist mit Graham verheiratet, Lynette, brünett, hat Graham mit einer Blonden gesehen, und alle Frauen haben ihre eigene Wahrheit dazu. Regie führt Christine Wipplinger. Claudia Kottal gründet außerdem gerade einen Theaterverein: „Migrationshintergrund am Arsch“. Warum der so heißt und, dass sie Mitwirkende für „Kottals Kapelle“ sucht, erklärt sie im Gespräch:

MM: Sie spielen am KosmosTheater „Die Blonde, die Brünette und die Rache der Rothaarigen“. Wie sind Sie zu diesem Stück gekommen?

Claudia Kottal: Ich kenne Regisseurin Christine Wipplinger schon seit Jahren, wir haben immer wieder gesagt, wir müssten was miteinander machen, aber es kam nie dazu. Christine hat einen Bruder, der in Australien lebt, und da ist sie wohl auf den Text des Autors Robert Hewitt gestoßen. Der hatte gar nie vor, dass er übersetzt wird, und wollte ihn außerdem nicht für ein so kleines Haus wie das KosmosTheater. In Australien wird sein Stück nämlich in 800-Leute-Häusern gespielt. Aber jetzt ist er ganz glücklich und kommt sogar auf eigene Kosten zur Premiere. Für mich ist das eine Riesenherausforderung, ich hätte nie gedacht, dass ich einmal ein Ein-Personen-Stück spiele. Ich bin schon sehr aufgeregt.

MM: Das kann man sich vorstellen. Den meisten Schauspielerinnen und Schauspielern graust schon vor einem Monolog, Sie gestalten sieben.

Kottal: Der Beruf ist ja eigentlich miteinander spielen, mit einem Bühnenpartner. Ich hasse sogar die Monologe, wenn ich wo vorspreche. Und nun das!

MM: Sieben Gestalten, sieben Ausdrucksweisen, sieben Sprachen – wie sehr stehen Sie schon am Rande der Schizophrenie?

Kottal (sie lacht)Ja. Ich versuche alles zu überblicken. Ich bin zum Glück sehr gesund, aber ich verstehe, wenn Leute in unserm Job ein bisschen verrückt werden. Im Prinzip erzählen sieben verschiedene Figuren einen Unfallhergang. Ich sage das zumindest so.

MM: Ich hätte gerne, dass sich die sieben am Ende als eine entpuppen und, dass der Unfall ein Mord ist.

Kottal: Ich sage nichts mehr. Ich möchte doch nicht die Spannung ermorden. Wir lassen das eine oder andere offen, ja? Für mich ist es jedenfalls sehr spannend von so vielen verschiedenen Blickwinkeln auf eine Situation zu schauen.

MM: Entwickelt man beim Proben eine Vorliebe für eine Figur? Ich frage mich oft, wie Menschen gegen sich selber Schach spielen können ohne parteiisch für eine Farbe zu sein, jetzt frage ich, wie spielt man mit sich selbst Theater?

Kottal: Ich spiele ja mit dem Publikum, nicht mit mir selber. Beim Lesen hatte ich tatsächlich eine Lieblingsfigur, sogar zwei, aber mittlerweile sind sie’s nicht mehr. Ich hatte auch eine, die ich gehasst habe, weil ich ihre Motive nicht verstand, aber jetzt mittlerweile finde ich’s gut, dass es so viele gibt, weil ich mich abwechseln kann.

MM: Eine Frauenfrage: Wenn man sich mit den unterschiedlichsten Perücken und Haarfarben sieht, kommt man da privat auch auf eine Idee?

Kottal: Nein, um Gottes Willen. Ich wollte einmal blond sein, das hat überhaupt nicht geklappt. Das war hier gelb, dort orange. Am nächsten Tag habe ich zurückgefärbt.

MM: Theater war Ihre erste Liebe, bevor Sie mit Film und Fernsehen bekannt geworden sind. Wie kam’s zu dieser Liebe?

Kottal: Kann ich gar nicht sagen, ich wollte das immer schon machen. Aber ich war mir lange nicht sicher, ob es das Richtige für mich ist, weil ich ein sehr schüchterner Mensch bin. Ich habe schon Schultheater gespielt, ich war so ein Kind, das kenne ich auch von Freunden, das alles rausgehaut hat, dann mit 16 in der Pubertät habe ich mir gesagt: Claudia, das kannst du nicht, mach’ das ja nicht. Und dann habe ich doch am Konservatorium Wien studiert. Aber ich habe lange gebraucht, um mich freizuspielen. Die vier Jahre Studium und die ersten vier Jahre im Beruf hat mir das Spielen überhaupt keinen Spaß gemacht. Ich fand mich nicht gut, und die Leute fanden mich auch nicht gut, das war ein bisschen schwierig.

MM: Sie sind aber zäh, wenn Sie trotzdem drangeblieben sind.

Kottal: Weil ich wusste, das ich das kann. Aber ich habe mich so lange nicht getraut. Ich war total verklemmt. Ich habe mir gesagt: Claudia, lass’ es. Warum was machen, was keinen Spaß macht, noch dazu, wo man am Theater kein Geld verdient? Dann habe ich mit Hans Escher bei den Wiener Wortstätten gearbeitet, „Das Stück“ hat das geheißen, da habe ich eine serbische Nutte gespielt, und der hat mir ins Gewissen geredet. Am Anfang war es furchtbar, aber dann habe ich mit Akzent gespielt – und es ging plötzlich. Mit Akzent habe ich mich getraut.

MM: Die serbische Nutte und die montenegrinische Kommissarin sind das Figuren, die Ihnen passieren? Das biber hat geschrieben, Sie seien eine „Super-Tschuschin“.

Kottal: Ja sicher, wenn die das schreiben sowieso. Ich habe kein Problem damit, ich bin gern die Super-Tschuschin. Der Beruf ist auf eine gewisse Weise äußerlich, Fernsehen noch viel mehr. Und ich kann halt sehr gut mit Sprachen und Akzenten. Ich habe allerdings keine jugoslawischen Wurzeln, sondern bin mütterlicherseits halbe Polin. Womit ich tatsächlich ein Problem habe, ist, dass sich Drehen und Theaterspielen so schwer vereinbaren lassen. Ich mache beides gern.

MM: Gedreht wird offenbar gerade nicht, weil Sie einen heißen Theaterherbst haben. Außer dem KosmosTheater sind Sie auch noch am Volkstheater als Salerl in Nestroys „Zu ebener Erde und im ersten Stock“.

Kottal: Und in der Wiederaufnahme der „Proletenpassion 2015 ff.“ im Werk X (eben erst ausgezeichnet mit dem Nestroy-Preis in der Kategorie „Beste Off-Produktion“, Anm., Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=13411). Ja, es stimmt, wir haben „CopStories“, Staffel vier gedreht, jetzt ist Pause, also mache ich andere Sachen. Heute war erste Bühnenprobe im Volkstheater. Das ist schon was, das große Haus, der große Raum – diesbezüglich bin ich ein bisschen Anfängerin, was für mich immer schwierig ist, wieder Anfängerin zu sein. Aber die Kollegen sind alle nett und Regisseurin Susanne Lietzow sowieso, ich fühle mich also sehr gut aufgehoben. Und Anfang April mache ich dann noch „Das Spiel: Die Möwe“ mit Arturas Valudskis im TAG, da spiele ich die Mascha. Darauf freue ich mich schon sehr, weil Valudskis eine ganz besondere Art hat, Theater zu machen. Ich habe schon einige Produktionen von ihm gesehen, aber wir kennen einander noch nicht wirklich.

MM: War’s das?

Kottal: Eigentlich nicht. Soll ich noch was sagen?

MM: Bitte.

Kottal: Ich gründe gerade einen Theaterverein, der heißt „Migrationshintergrund am Arsch“. Wir machen im OFF-Theater ein Stück von István Örkény, „Familie Tót“, das ist eine Farce über einen Offizier im Zweiten Weltkrieg, der auf Urlaub zu seiner Familie ins Dorf heimfährt. Und die Familie will alles für ihn tun, damit er den Krieg gesund übersteht. Es ist wahnwitzig lustig, aber auch sehr tragisch. Regie führt der Musiker Imre Lichtenberger-Bozoki, es spielen nur Frauen, auch die Männerrollen, also ich spiele einen Mann. Mit dabei sind Julia Schranz, Suse Lichtenberger, Anna Kramer und Constanze Passin. Das Stück ist in Ungarn sehr bekannt, der Stoff ist auch ein Filmklassiker, nur in Österreich wurde es noch nie gespielt. Das ist eben das, was wir mit dem Verein tun wollen: Ich kenne so viele tolle Stücke aus Osteuropa und will noch mehr entdecken, meine Tante ist auch Schauspielerin in Polen, die will ich nach Österreich holen. Ich spreche polnisch, Imre serbisch und ungarisch, da sind wir punkto übersetzen schon ganz gut aufgestellt.

MM: Sie machen es sich gern ein bisschen schwer, oder? Sie sagen beim Theater verdient man nichts. Und kaum verdienen Sie beim Fernsehen was, pulvern Sie es in einen Theaterverein.

Kottal: Jahaha. Na ja, wie’s halt kommt. Im Sommer drehe ich hoffentlich wieder. Wir sind aber dankenswerter Weise auch vom Kulturamt der Stadt Wien subventioniert.

MM: Sie haben über sich einmal geschrieben „Jeder Muskel meines Körpers verspannt sich, wenn er beim gegenüber ein ,Du musst’ entschlüsselt. Also müssen Sie aus eigenem Antrieb?

Kottal: Klingt wie ein Problem mit Vorgesetzten, oder? Das ist der Vorteil, wenn man frei und überall zu Gast ist oder eigene Projekte macht. Dass man allein entscheiden kann, ist aber auch eine Utopie, es gibt immer einen, der einem sagt, wo’s langgeht. Früher wollte ich immer in einem fixen Ensemble sein, dort hat man ein soziales Auffangnetz, wenn was schiefgehen würde. Darüber mache ich mir schon Sorgen, keine schlaflosen Nächte, aber ich mache mir Gedanken, wie’s laufen soll, wenn es einmal nicht mehr läuft. Aber mittlerweile sage ich nichts mehr zu, was ich nicht wirklich machen will.

MM: Und mit „Migrationshintergrund am Arsch“ wollen Sie uns was sagen?

Kottal: Das ist ein Begriff, den so viele Leute hassen. Ich ja gar nicht. Ich kenne Leute, die sich aufregen, wenn sie gefragt werden, woher sie kommen; ich finde, das ist keine Beleidigung, ich finde die Vielfalt schön. Für mich soll der Name sagen, wir beschäftigen uns mit Theater aus dem Ausland, das aber eigentlich nicht aus dem Ausland ist, weil wir alle aus dem Ausland, also Migranten, sind. Falls ich das so erklären kann … Als nächstes habe ich ein serbisches, dann ein polnisches Stück im Kopf. Irgendwo muss man sich positionieren, und das ist die Position, mit der ich am besten leben kann.

MM: Zu dieser Position gehört auch, nach Traiskirchen zu fahren?

Kottal: Wir haben einfach nur Spenden vorbeigebracht. Das war Kleidung, die wir sowieso der Caritas geben wollten. Aber dann haben wir gesehen, wie viele dort frieren, also sind wir noch einmal losgefahren und haben noch mehr gebracht. Wir waren auch am Westbahnhof, weil ich gern mehr machen wollte. Die Leute in der Theaterszene sind ja sehr aktiv, und auch die „Cops“ haben einen Bus besorgt, mit dem warme Sachen hingebracht wurden. Es ist ein Wahnsinn, was da gerade in der Welt passiert …

MM: Gibt’s eigentlich schon so was wie den Kottal-Effekt? Dass die Leute, die Sie aus dem Fernsehen kennen, ins Theater Kottal-Schauen kommen?

Kottal: Das werden wir hier im KosmosTheater ja jetzt sehen. Es gab schon mit der „Laura Rudas“ in den „Staatskünstlern“ so einen Medienhype, da habe ich mir immer gesagt: Gewöhn’ dich nicht daran, gewöhn dich nicht daran … So viel mehr Rollen habe ich deswegen auch nicht bekommen, also mal sehen, wie es weitergeht. Wenn ich lese, dass eine Kollegin das oder das macht, denke ich mir, Jössas, und ich mache nichts, wenn ich nichts zu tun habe. Weil man Angst hat, die ist einfach mit dabei.

MM: Ein positives Ende? Ich mag nicht fragen, ob Sie mit Ihrem Hund polnisch sprechen und wie es Ihnen mit der Zahnlücke geht.

Kottal: Zu erstem: Ja. Zum zweiten: Meine erste Agentin wollte, dass ich sie entfernen lasse, aber ich weiß gar nicht, ob das geht, und bin mittlerweile froh, dass ich sie habe. Positiv: Eine Band wär’ cool. Ich mache gerne Musik, ich singe, und suche Musiker für eine Band. Ich habe schon einmal einen Aufruf gemacht, und niemand hat sich gemeldet.

MM: Na, dann wiederholen wir das doch!

Kottal: Ja, also bitte melden für „Kottals Kapelle“. Das hat der Wiener damals geschrieben.

Trailer: www.youtube.com/watch?v=g7Cud_uN1CQ

www.claudiakottal.com

www.kosmostheater.at

Wien, 6. 11. 2015

Frankfurter Buchmesse: Aufarbeitung der Zeitgeschichte

Oktober 13, 2015 in Buch

VON RUDOLF MOTTINGER

Fünf Lesetipps zum Gastland Indonesien

5233955935_3868b14e4e_bIndonesien ist kein Land der Leser, sagen die Indonesier. Man lasse sich Geschichten lieber vom traditionellen Schattenspiel Wayang Kulit erzählen. Oder vom Fernsehen. Werden Bücher gelesen, dann religiöse, Unterhaltungsliteratur und Lyrik. Indonesien ist ein Land mit gesellschaftspolitisch höchst aktiven Autoren. Sie wollen von Vorkommnissen erzählen, die von öffentlicher Seite verschwiegen wurden (siehe unten: „Kurze Geschichte Indonesiens“). Siebzig von ihnen kommen zur Frankfurter Buchmesse.

Die Frankfurter Buchmesse beginnt am 14. Oktober. Vorab fünf Lesetipps:

Laksmi Pamuntjak, Journalistin aus Jakarta, legt mit Alle Farben Rot ihren ersten Roman vor. Er ist ein Anschreiben gegen das Vergessen der Gräuel des Suharto-Regimes, eine wichtige Stimme im Prozess der Aufarbeitung der indonesischen Zeitgeschichte, in der, wie die Autorin sagt, „Gut und Böse schwer zu trennen sind“. Jahrzehnte nach Suhartos Sturz 1998 sucht eine Frau auf der Gefangeneninsel Buru nach den Spuren des Mannes, den sie in jenen Tagen geliebt und dann verloren hat. In den Wirren einer Straßenschlacht wurden Amba und Bhisma auseinandergerissen, und Amba wusste all die Jahre nichts über das Schicksal ihrer großen Liebe. Bis sie eines Tages eine anonyme Mail erhält, aus der hervorgeht, dass Bhisma damals nach Buru verschleppt wurde. Und so macht sich Amba auf, um endlich Antworten auf die Fragen zu finden, die sie schon so lange quälen. Entlang der Linien des indonesischen Nationalepos Mahabharata, dieser großen Erzählung von Liebe und Krieg, entfaltet Laksmi Pamuntjak das Panorama einer jungen Nation und ihres bewegten 20. Jahrhunderts. Dabei gelingt es ihr Ästhetik, Schönheit von Sprache, mit ihrem Willen zur Aufklärung zu vereinen.

Leila S. Chudoris Roman Pulong (Heimkehr nach Jakarta) besteht aus Briefen, abgeschickt aus dem Gefängnis und abgeschickt aus dem Exil in Paris. Das Buch verknüpft historische Ereignisse mit dem persönlichen Schicksal zweier Generationen. Dimas Suryo, der 1965 im Ausland war und nicht mehr nach Indonesien zurückkehren konnte, lebt als Mitbesitzer eines indonesischen Restaurants in Paris und leidet lebenslang unter seiner Heimatlosigkeit. Lintang Utara, seine Tochter mit der Französin Vivienne, reist 1998 für ihr Filmstudium nach Jakarta und begegnet auf ihre Art der Geschichte und Gegenwart Indonesiens. Sie gerät in die Studentenunruhen, die zum Ende der Ära Suharto führten. Die indonesische Gesellschaft stehe, so Chudori in einem Interview, dem Leid anderer immer noch gleichgültig gegenüber. Dies ein Erbe der Diktatur, zu sehen auch an einem staatlichen Museum, in dem bis heute den Suharto-Generälen und ihren Metzeleien gehuldigt wird. Chudori schuf im Roman eine eindrückliche Szene, in der Lintang Utara dieses Museum besucht. In den intellektuellen Kreisen des Landes wird das Buch als „Gegengift gegen die offizielle Version der Geschichte“ und gegen das allgemeine Schweigen gelobt. Der Roman ist mit seinen verschiedenen Zeitebenen und Erzählperspektiven komplex gebaut. Und weil Teile davon von einem Restaurant handeln, gibt es auch jede Menge Kochrezepte.

Andrea Hirata schrieb mit Die Regenbogen-Truppe den aktuell meistverkauften Roman Indonesiens, musste sich allerdings auch vorwerfen lassen, mit seiner verklärenden Art Armut zu schildern, huldige er einem „Disney-Stil“. Hirata selbst, auf der Insel Belitung östlich von Sumatra geboren, sieht sich als Mann mit Bildungsauftrag; als solcher müsse er „Lesbares“ zu Papier bringen. In „Die Regenbogen-Truppe“ erzählt er von seiner eigenen Schulzeit: Söhne und Töchter von Fischern und Minenarbeitern wollen nicht eine einzige Unterrichtsstunde verpassen, denn für sie ist die Schule die einzige Möglichkeit, der Armut zu entkommen. Da ist zum Beispiel Lintang, das mathematische Genie, oder Mahar, der Künstler und angehende Schamane. Und Ikal, der seinen Weg macht: von der Armenschule über das Studium in Paris und London zum gefeierten Schriftsteller. Hirata eröffnet tiefe Einsichten in ein zerrissenes Land, in dem Bildung nach wie vor ein Privileg ist. In diesem Sinne ist sein Roman auch mehr als ein autobiografisches Dankeschön an seine Lehrerin, sondern ein Plädoyer dafür, allen Kindern dieser Welt den Weg in Schulen zu ermöglichen. Das Buch wurde bereits verfilmt.

Der Journalist und Menschenrechtsaktivist Seno Gumira Ajidarma ist einer von Indonesiens profiliertesten und einflussreichsten Autoren. Sein Motto “Wenn Journalismus zum Schweigen gebracht wird, muss Literatur sprechen” spiegelt sich in seinen Werken wider, die meist gegenwärtige soziale, kulturelle und politische Zustände Indonesiens dokumentieren. In Jazz, Parfüm & Der Zwischenfall setzt sich Ajidarma mit der militärischen Gewalt in Ost-Timor während der indonesischen Besatzungszeit auseinander: Ein Journalist empfängt unzählige Berichte über Massenmorde und Folterungen in einer der indonesischen Provinzen. Er liest die Texte langsam, mit scheinbarer Teilnahmslosigkeit, und seine Gedanken driften ständig zu seinen großen Leidenschaften ab: Jazz und Parfüm. Nach und nach wird deutlich, dass seine Gedankensprünge zu Miles Davis und Dior einen bestimmten Grund haben: Er ist gezwungen, die meisten der Informationen zu zensieren. Der Journalist spielt auf Zeit – aber zu welchem Zweck? Ein poetischer Text von politischer Brisanz.

Last, but not least, und um den Kreis zu Laksmi Pamuntjak zu schließen: Pramoedya Ananta Toer. Er gilt als der große alte Mann der indonesischen Literatur, er ist das Gewissen der Nation. Der 2006 verstorbene Autor war mehrfach für den Literaturnobelpreis nominiert. Bereits von den holländischen Besatzern wegen „antikolonialem Denken“ inhaftiert, brachte ihn Suharto erneut hinter Gitter. Die Zensoren des Suharto-Regimes belegten seine Werke mit dem Bannfluch des „Marxismus, Leninismus und des Kommunismus“ und verboten sie wegen ihres „subversiven“ Gehalts. Selbst Personen, die diese Bücher nur besaßen, landeten im Gefängnis. Dennoch blieb Pramoedya der meistgelesene zeitgenössische Autor des Landes. Seine Schriften wurden im großen Stil hektographiert und unter der Hand weiter gereicht. Seine Tetralogie Bücher der Insel Buru, auf der Gefangeneninsel Buru begonnen und unter Stadtarrest vollendet, ist Indonesiens Beitrag zur Weltliteratur. „Pram“, wie die Indonesier ihn liebevoll nennen, erzählt die Geschichte seines Landes von den holländischen Besatzern bis in die Jetztzeit. Die allgegenwärtige Repression veranlasste ihn allerdings, die Handlung dieser Romane in die Zeit um 1900 zu verlegen. Der Hauptprotagonist, der javanische Adelige Minke, erlebt – sehr kurz gefasst – gesellschaftlichen Aufstieg, Diskriminierung wegen seiner dunkleren Hautfarbe und Vertreibung ins Exil. Leitmotivisch durchzieht Prams Schriften die Auseinandersetzung der einheimischen mit der europäischen Kultur und damit die Schärfung historischen und sozialen Bewusstseins. Immer geht es ihm um die Sprache als Instrument von Herrschaft und als Medium des Widerstands. Subtil vermittelt er seine Botschaft: „Bediene dich deines Verstandes und schärfe dein Erinnerungsvermögen, um die Verhältnisse erst zu verstehen und dann zu verändern“.

Kurze Geschichte Indonesiens

Mit der Ankunft eines kleinen Expeditionskorps 1596 begann die holländische Kolonialzeit in Indonesien. Noch vor dem 1. Weltkrieg entstanden die ersten nationalistisch-indonesischen Parteien. Ihre Hauptidentifikationsfigur: der spätere Staatspräsident Sukarno. Der Kampf gegen die holländische Besatzung wurde intensiver. Im März 1942 kapitulierte die kleine holländische Schutztruppe nach dem Verlust Batavias vor den ganz Südostasien unterwerfenden Japanern. Nach dem Ende der brutalen japanischen Besatzung erklärte am 17. August 1945 der erste Präsident Sukarno zusammen mit Mohammad Hatta Indonesien für unabhängig. Die wieder anrückenden Holländer reagierten mit Gewalt. Erst am 27. Dezember 1949, nach starkem internationalen Druck, erkannten sie das südostasiatische Land offiziell an.

Sukarno leistete wichtige Arbeit bei der Bildung eines indonesischen Selbstbewusstseins und der Identifikation der Einwohner mit ihrem Staat, und es gelang ihm zu Beginn möglichst viele Bevölkerungsgruppen – der insgesamt 360 – anzusprechen. Trotz dieser Erfolge verschärften sich besonders die Konflikte zwischen Kommunisten (PKI) und dem Militär. Sukarno wiederum nutzte die zahlreichen Lücken in der Verfassung und rief 1960 die „gelenkte Demokratie“ und die „gelenkte Wirtschaft“ aus, was besonders von den USA nicht gerne gesehen wurde. Am Schluss ernannte ein von ihm ausgewähltes Gremium ihn zum Präsidenten auf Lebenszeit. Während dieser Zeit wurden einzelne Parteien verboten, insbesondere jene, die sich entlang ethnischer Linien geformt hatten, auch um ein Auseinanderbrechen des indonesischen Staates zu verhindern. Sukarnos zunehmende Willkürherrschaft führte schließlich zu einem Umsturzversuch, der der mitgliederstarken Kommunistischen Partei des Landes angelastet wurde. Bis heute ist ungeklärt, was wirklich geschah. Die offizielle, das heißt von den Militärs kolportierte Version lautete, dass am 30. September 1965 Kommunistische Frauen Generäle entführt und diese nicht nur getötet, sondern zudem noch verstümmelt hätten.

Der bis zu diesem Zeitpunkt nur aus dem Hintergrund agierende Generalmajor Suharto machte die Kommunisten (PKI) für die Ereignisse verantwortlich und übernahm die Befehlshoheit. Es folgte ein erfolgreicher Gegenputsch rechtsgerichteter Armeeeinheiten. Die Welle der Gewalt, die landesweit von der Armee organisiert wurde, richtete sich vor allem gegen tatsächliche oder vermeintliche Anhänger der PKI und Chinesen und kostete mehr als einer halben Millionen Menschen das Leben, einige Quellen sprechen sogar von bis zu einer Million Toten. Ganze Dörfer wurden mitsamt ihrer Einwohner ausgelöscht, wenn sie im Verdacht standen, der falschen Seite nahe zu stehen: einer der größten politisch motivierten Massenmorde im 20. Jahrhunderts. Die Vorgänge sind bis heute nur unzureichend untersucht, daher sind genaue Angaben zur Zahl der Opfer nicht möglich. Nach wie vor gilt diese Zeit in Indonesien als Tabuthema. Darüberhinaus wurden zahlreiche regimekritische Politiker, Künstler und Schriftsteller als politische Gefangene inhaftiert und mussten Zwangsarbeit leisten. Der neue starke Mann Suharto wurde am 12. März 1967 „geschäftsführender Staatspräsident“, Sukarno blieb vorerst noch nominelles Staatsoberhaupt. Erst am 27. März 1968 übernahm Suharto formal das Amt des Staatspräsidenten, Sukarno starb 1970 nach längerer Krankheit.

Als Folge der Ereignisse wurde die kommunistische Partei des Landes nahezu ausradiert, dafür erhielt Suharto durch die USA breite militärische Unterstützung. Doch die Gewalt des Regimes richtete sich nicht nur gegen Kommunisten und Chinesen. Am 6. Juni 1975 besetzten indonesische Truppen die portugiesische Enklave in Westtimor, im Oktober desselben Jahres auch grenznahe Gebiete der Kolonie Portugiesisch Timor. Suharto befahl am 7. Dezember 1975 die militärische Invasion Osttimors. In den folgenden Wochen wurden 60.000 Menschen, 10 Prozent der Bevölkerung, getötet. Ein weiterer Massenmord, bei dem die Weltöffentlichkeit tatenlos zusah. Osttimor wurde am 17. Juni 1976 dem indonesischen Staatsverband eingegliedert. Mit der Wirtschaftskrise 1998 und zunehmenden Korruptionsvorwürfen kam es zu den ersten Protesten, in deren weiterem Verlauf der Diktator nach blutigen Unruhen in der Hauptstadt Jakarta zum Rücktritt gezwungen wurde. Während seiner 32-jährigen Regierungszeit wurden die Menschenrechte in allen Bereichen mit Füßen getreten.

1999 wurde erstmals ein Staatspräsident frei gewählt. Im selben Jahr wurde nach internationalen Protesten und der Landung einer Friedenstruppe in der zukünftigen Hauptstadt Osttimors, Dili, die Besetzung Osttimors aufgegeben. Zuvor hatten die indonesischen Streitkräfte das Land in Schutt und Asche gelegt. Am 20. Mai 2002 erhielt das kleine Land seine Unabhängigkeit. Indonesien mit seinen 17.500 Inseln ist heute der Staat mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung (ca. 200 Mio. von 240 Mio. Einwohnern). Immer wieder wird das Land von terroristischen Anschlägen erschüttert (z. B. 2002 auf Bali), die von radikalen islamischen Gruppen verübt werden. 2014 wurde Joko Widodo zum Staatspräsidenten gewählt.

Ullstein Buchverlage, Laksmi Pamuntjak: „Alle Farben Rot“, Roman, 672 Seiten. Übersetzt von Martina Heinschke.

Weidle Verlag, Leila S. Chudori: „Pulong (Heimkehr nach Jakarta)“, Roman, 432 Seiten. Übersetzt von Sabine Müller.

Hanser Berlin, Andrea Hirata; „Die Regenbogentruppe“, Roman, 272 Seiten. Übersetzt von Peter Sternagel.

Angkor Verlag, Seno Gumira Ajidarma: „Jazz, Parfüm & Der Zwischenfall“, Roman, 160 Seiten. Übersetzt von Guido Keller.

Unions Verlag, Pramoedya Ananta Toer: “Bücher der Insel Buru”, vier Romane. Übersetzt von Brigitte Schneebeli und Giok Hiang Gornik.

www.ullsteinbuchverlage.de

www.weidleverlag.de

www.hanser-literaturverlage.de

angkor-verlag.blogspot.co.at/

www.unionsverlag.com

www.buchmesse.de

Wien, 13. 10. 2105

Anne Bennent und Otto Lechner …

Mai 8, 2014 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

… erzählen die Geschichte von „Leila und Madschnun“

Anne Bennent Bild: privat

Anne Bennent
Bild: privat

Im Wonnemonat Mai – genauer gesagt ab 16. – liest die großartige Schauspielerin Anne Bennent  im „Dorf“ (Obere Viaduktgasse 2/1, 1030 Wien) die wundersame orientalische Liebesgeschichte „Leila und Madschnun“, ein großer Stoff der Weltliteratur von Nizami, in musikalischer Begleitung von Otto Lechner und Musikern aus dem Umfeld des Vienna Rai Orchester (Peter Rosmanith, Kadero Ray, Raouf Kahouli …). Die Geschichte der Liebe von Leila und Madschnun erzählt man sich in den Wüsten Arabiens seit über 1000 Jahren. Der persische Dichter Nizami hat sie im 12. Jahrhundert aufgeschrieben und man liebt, liest und spielt sie noch heute im gesamten arabischsprachigen Raum. Diese orientalische Geschichte spielt in der Welt der Beduinen und handelt von einer hohen Form der Liebe. Rudolf Gelpke, leidenschaftlicher Islamwissenschaftler, hat die Verse in deutsche Prosa übertragen.

Wie Romeo und Julia, so können auch Leila und Madschnun nicht zusammenkommen, da es die Familien nicht erlauben. Da bricht Madschnun (der Verrückte) alle gesellschaftlichen Normen und geht in die Wüste, um sich seiner unerfüllten, ihn aber ganz erfüllenden Liebe hinzugeben. So bedeutet „Madschnun“ auch Versinken in einen Gedanken und „Leila“ die Nacht der Verdunklung. Die Geschichte ist von Anfang bis Ende eine Lehre über den Pfad der Hingabe. Oder wie Otto Lechner sagt: „Die zentrale Frage des Buches ist für mich: Wer bin ich, und wer kann mich davor zurückhalten?“ „Ich glaube, ohne Poesie und Musik gehen wir zugrunde“, ergänzt Anne Bennent.

Der letzte Abend endet mit einem orientalischen Fest.

www.dasdorf.at

Wien, 8. 5. 2014