Robert Meyer präsentiert große Namen

April 10, 2014 in Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Volksoper-Premieren 2014/15

Hello, Dolly!  Robert Meyer (Horace Vandergelder), Sigrid Hauser (Mrs. Dolly Gallagher Levi)  Bild: Dimo Dimov / Volksoper Wien

Hello, Dolly! Robert Meyer (Horace Vandergelder), Sigrid Hauser (Mrs. Dolly Gallagher Levi) Bild: Dimo Dimov / Volksoper Wien

Robert Meyer hat gut Grinsen. Der Volksopernchef erscheint zur Pressekonferenz auf der Probebühne bestens gelaunt. Die Auslastung der laufenden Saison liegt mit Stand Ende März bei beinah 84 %, in manchen Fällen sogar bei 95 %. Der neu eingeführte Musicalpass ist so erfolgreich, das es ihn erneut geben wird. Auch „Hello Dolly!“ wird wieder dabei sein – und neu „Der Zauberer von Oz“. Finanziell schreibt man im Haus am Gürtel „eine schwarze Null“, was angesichts allgemeiner Subventionskürzungen beachtlich ist. Acht Premieren kündigt Meyer für die kommende Saison an – eine Operette wird um ein Jahr verschoben. Wegen ernsthafter Erkrankung des Regisseurs. Da will Meyer fair sein, da will er lieber warten.

Los geht’s am 11. Oktober mit schwerer Kost (doch man ist mutig, hat man doch mit „Albert Herring“ einen nicht zu ahnenden Erfolg eingefahren): „Onkel Präsident“. Auf der Basis von Ferenc Molnárs Bühnenstück „Eins, zwei drei“, das 1961 von Billy Wilder verfilmt wurde, zeichnet Friedrich Cerha die Wandlung des Fahrradboten Josef Powolny (David Sitka) zum Spitzenmanager mit Adelsprädikat. Mit dem im Juni 2013 in München uraufgeführten Werk ist dem 87-Jährigen  ein vitales Lebenszeichen nicht nur seiner Kunst, sondern der verblasst geglaubten „komischen Oper“ überhaupt gelungen. Die österreichische Erstaufführung besorgt Josef E. Köpplinger, musikalische Leitung: Alfred Eschwé. Zwei Leigaben holt man sich: Renatus Mészár, der bereits bei der Uraufführung die Titelrolle sang, und Walter Fink von der Staatsoper in der Rolle des Komponisten. Die erste von drei Ballett-Premieren gibt es am 16. November:  Mit dem Doppelabend „Mozart à 2“ und „Don Juan“ stellt sich Thierry Malandain, einer der bedeutendsten Choreografen Frankreichs und Direktor des Centre chorégraphique national de Biarritz, dem Volksopernpublikum vor. Der Ballettabend zu Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Christoph Willibald Gluck wird von Jiří Novák dirigiert.

Am 6. Dezember folgt „Der Zauberer von Oz“. „The Wonderful Wizard of Oz“ von L. Frank Baum ist Amerikas wohl berühmteste Märchenerzählung, die durch die Verfilmung mit der jungen Judy Garland als Dorothy (1939) weltweit Kultstatus erhielt. Regie führt der in London geborene Henry Mason, der  2013 bei den Salzburger Festspielen sein vielbeachtetes Debüt mit Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ gab. Markus Meyer, der Salzburger Puck, wird  den Löwen spielen, der gemeinsam mit dem Blechmann (Peter Lesiak) und der Vogelscheuche (Oliver Liebl) die junge Dorothy (Johanna Arrouas) auf ihrer Reise begleitet. Christian Graf ist die Hexe des Westens. Den geheimnisvollen Zauberer von Oz spielt –  schmunzelnder O-Ton Volksoperndirektor: „Wir suchten für diese kleine Rolle einen Schauspieler, der nicht viel kostet, und haben ihn dann mit dem Schmäh geködert, dass er ja die Titelrolle ist. Als habe ich den Oz mit mir besetzt.“ Alternierend spielt Boris Eder.

Ab 17. Jänner kann man sich auf Rolando Villazón freuen. Der Startenor gibt als Regisseur von Donizettis Komödie „Viva la Mamma“ sein Volksoperndebüt, am Pult steht die junge estnische Dirigentin Kristiina Poska. Sie ist Erste Kapellmeisterin der Komischen Oper Berlin. Inhalt: In einem kleinen Provinztheater bereitet sich das Ensemble auf eine Opernpremiere vor: Die Primadonna (Anja-Nina Bahrmann) und die zweite Sopranistin (Mara Mastalir) liefern sich einen regelrechten Zickenkrieg, jeder Darsteller versucht auf seine Weise, den Regisseur und den Dirigenten zu beeinflussen, um optimal in Szene gesetzt zu werden. Agata, die resolute Mamma der zweiten Sängerin, treibt den normalen Wahnsinn des Theaters auf die Spitze. Meyer: „Das wollte ich immer schon einmal machen. Ich liebe diese Theater-auf-dem-Theater-Stücke“. Highlight: Bassbariton Martin Winkler, sonst eher von Bayreuth bis an die MET als Klingsor oder Alberich engagiert, gibt „la Mamma“ Agata. Villazón zu kriegen, war natürlich ein Coup, „doch ich denke, das Stück passt zu diesem hochformatigen Komödianten“, so Meyer. „Wir hatten schon ein erstes Gespräch auf der Probebühne. Schon dafür hätte ich Eintritt verlangen sollen. Einziger Wunsch des Weltbewunderten: Er will mit der Clownin Nola Rae www.nolarae.com zusammen arbeiten.

Die erste und einzige Operette folgt am 21. Februar: Jacques Offenbachs „Pariser Leben“, mit reiner Hausbesetzung, außer Rasmus Borkowski, den man sich nach dem Erfolg von „Catch me if you can“ von den Kammerspielen holt. Außerdem konnten  zwei ausgewiesene Offenbach-Spezialisten gewonnen werden: Der französische Dirigent Sébastien Rouland hat unter anderem am Théâtre du Châtelet „La GrandeDuchesse de Gérolstein“ und in Lyon „La vie parisienne“  dirigiert. Der niederländische Regisseur und Bühnenbildner Michiel Dijkema inszenierte bereits unter anderem „La Périchole“, „Die Großherzogin von Gerolstein“ und „Orpheus in der Unterwelt“.  Am  12. April kehrt der russische Choreograph Boris Eifman, dem Wiener Publikum bestens bekannt durch seine fesselnde Interpretation von „Anna Karenina“  mit „Giselle rouge“ an die Volksoper zurück.

Ab 15. Mai steht Mozarts „Così fan tutte“ auf dem Spielplan. Regisseur Bruno Klimek inszeniert erstmals an der Volksoper, die musikalische Leitung liegt in den  Händen von Julia Jones, die diesen Mai noch die Premiere von „Fidelio“ dirigieren wird. Die Fiordiligi singt Caroline Wenborne, die an der Staatsoper zur Pause und in nicht für sie geschneiderten Kostümen für die erkrankte Barbara Frittoli einsprang. Meyer: „Bei uns darf sie den ganzen Abend singen.“ Am 2. Juni stehen die Nachwuchskräfte der Kompanie  im Zentrum von „Junge Talente des Wiener StaatsballettS II“ unter der künstlerischen Leitung von Ballettdirektor Manuel Legris und der musikalischen Leitung von Wolfram-Maria Märtig. Letzterer wird ab nächster Saison Kapellmeister der Volksoper

www.volksoper.at

Wien, 10. 4. 2014

Die Wiener Volksoper verbindet „Kreation und Tradition“

April 26, 2013 in Tipps

Ein Abend mit dem Wiener Staatsballett am 27. April

„Kreation“ und „Tradition“ – zwei unabdingbar miteinander verbundene Begriffe jedweder künstlerischen Äußerungen – sind auch Movens für die Kunst des Tanzes. Ballettdirektor Manuel Legris erhebt diese Begriffe zum Motto eines Abends, der zweierlei aufzeigen soll. Zum einen, der Verpflichtung zur verantwortungsvollen Pflege von wertvollen Stücken aus dem so vielfältigen Reservoir tradierter Werke des klassischen Balletts nachzukommen, zum anderen, sich der noch wichtigeren Aufgabe zu stellen, den Fortbestand der Kunstgattung durch Kreation neuer Werke zu sichern.

Out of Tango Bild: Volksoper

Out of Tango
Bild: Volksoper

Das Programm:

as de six aus LAURENCIA
Choreographie: Wachtang Tschabukiani – Musik: Alexander Krein
Es tanzen: Ioanna Avraam, Denys Cherevychko, Kiyoka Hashimoto/Rui Tamai, Emilia Baranowicz, Davide Dato/Marcin Dempc, Richard Szabó/Dumitru Taran
Pas de deux aus GISELLE, 2. Akt
Choreographie: Marius Petipa – Musik: Adolphe Adam
Es tanzen: Irina Tsymbal, Robert Gabdullin/Eno Peci
WIEN WALZER WIESENTHAL
FRÜHLINGSSTIMMEN
Choreographie: Susanne Kirnbauer im Stil von Grete Wiesenthal – Musik: Johann Strauß
Es tanzt das Ensemble
WEIN, WEIB UND GESANG
Choreographie: Grete Wiesenthal, Einstudierung: Susanne Kirnbauer – Musik: Johann Strauß
Es tanzt: Ketevan Papava/Dagmar Kronberger
AN DER SCHÖNENBLAUEN DONAU
Choreographie: Susanne Kirnbauer – Musik: Johann Strauß
Es tanzen: Ekaterina Fitzka/Mila Schmidt, Patrik Hullman/Florian Hurler und Ensemble
THE WHITE PAS DE DEUX (Uraufführung)
Choreographie: András Lukács – Musik: Peter Iljitsch Tschaikowski
Es tanzen: Olga Esina/Erika Kovacová, Roman Lazik/Ryan Booth

ZEITVERSCHWENDUNG (Uraufführung)
Choreographie:Andrey Kaydanovskiy – Musik: Dmitry Cheglakov – Text: Georg Gatnar
Es tanzen: Zuzana Kvassayova, Patrik Hullman und Ensemble
Ausschnitt aus DIE BAJADERE, 3. Akt
Choreographie: Manuel Legris nach Marius Petipa – Musik: Ludwig Minkus
Es tanzen: Liudmila Konovalova/Olga Esina, Vladimir Shishov/Robert Gabdullin, Rui Tamai/Emilia Baranowicz, Alena Klochkova/Ioanna Avraam, Prisca Zeisel/Natascha Mair
HERZBLUME (Uraufführung)
Choreographie: Eno Peci – Musik: Eno Peci, Philip Glass, Aurela Gace, Ernesto Cortazar
Es tanzen: Alice Firenze, Dagmar Kronberger, Erika Kovacová, Suzanne Kertész, Mihail Sosnovschi, Masayu Kimoto, Davide Dato, Greig Matthews
MOSZKOWSKI-WALZER
Choreographie: Wassili Wainonen – Musik: Moritz Moszkowski
Es tanzen: Maria Yakovleva, Kirill Kourlaev
OUT OF TANGO (Uraufführung)
Choreographie: Vesna Orlic – Musik: Helmut Hödl
Es tanzen: Rebecca Horner, Mihail Sosnovschi/Felipe Vieira

www.volksoper.at

Von Rudolf Mottinger

Wien, 26. 4. 2013