Belvedere: Max Kurzweil – Licht und Schatten

Mai 4, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Bilder vom Zwiespalt zwischen Arbeit und Müßiggang

Max Kurzweil, Liegender Männerakt, um 1900. © Ernst Ploil, Wien, Bild: © Belvedere, Wien

Max Kurzweil, Liegender Männerakt, um 1900. © Ernst Ploil, Wien, Bild: © Belvedere, Wien

Mit der Ausstellung „Max Kurzweil – Licht und Schatten“ widmet sich das Belvedere ab 11. Mai einer spannenden und vielseitigen Künstler- persönlichkeit der Wiener Secession. Hundert Jahre nach seinem Tod und fünfzig Jahre nach der letzten Einzelausstellung im Belvedere zeigt die Schau neben bekannten Hauptwerken in erster Linie bisher unbekannte oder nur selten ausgestellte Gemälde und Grafiken.

Kurzweil ist vor allem als Porträtist der Wiener Gesellschaft bekannt. Sein Bildnis der Therese Bloch-Bauer, Schwester der von Klimt gemalten Adele, wird in der Ausstellung erstmals seit 1908 öffentlich zu sehen sein. Intime Porträts seiner französischen Frau Martha bilden einen weiteren Höhepunkt, ebenso die impressionistischen Landschaften aus der Bretagne, Italien und Dalmatien. Das expressive Spätwerk, insbesondere seine Aktbilder, zeugt von einem leidenschaftlichen Temperament, das der aus wohlhabenden Verhältnissen stammende Mann nur im Privaten auslebte.

Als „im besten Sinne aristokratische Natur“ beschrieb Carl Moll seinen Freund in einem Nachruf. Kurzweil stammte zwar nicht aus einer aristokratischen, aber aus einer reichen Familie, die nach dem Verkauf ihrer Zuckerfabrik im mährischen Bzenec nach Wien übersiedelt war. Auf den wenigen Fotos, die von ihm erhalten sind, erscheint der Künstler stets elegant gekleidet im Anzug mit Krawatte. Dass sich jedoch hinter dieser Seite seiner Persönlichkeit noch eine weitere verbarg, deutete er selbst in einer der wenigen erhaltenen Schriften an. Die kleine Erzählung „Der Erfolg“, die er 1898 in „Ver Sacrum“ veröffentlichte, beschreibt einen fiktiven Maler, der lieber den ganzen Vormittag im Bett liegt, als zu malen – und dies als „argen Zwiespalt“. Weggefährten des Künstlers bestätigen diesen Zwiespalt von produktivem Studium und müßiggängerischem Lebenskünstlertum auch für Kurzweil selbst.
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Max Kurzweil, Strandlagerfeuer, undatiert. © Privatbesitz, Bild: © Belvedere, Wien

Max Kurzweil, Strandlagerfeuer, undatiert. © Privatbesitz, Bild: © Belvedere, Wien

Seine Begabung verschaffte ihm bereits in jungen Jahren Erfolge in den Ausstellungen des Künstlerhauses. Ab 1893 verbrachte er die Sommer in der bretonischen Hafenstadt Concarneau, wo er 1895 Marthe Guyot, die Tochter des Vizebürgermeisters, heiratete. Anfangs galt sein Interesse noch der Genremalerei in der Tradition des französischen Naturalismus.

Doch zunehmend wandte er sich dem Impressionismus zu. Als Gründungsmitglied der Secession beschäftigte er sich zugleich mit symbolistischen und esoterischen Ideen, lernte von Emil Orlik die Kunst des japanischen Farbholzschnitts und machte sich vor allem als Porträtist einen Namen. Sehr früh entstanden auch Bilder in der Auseinandersetzung mit dem noch jungen Expressionismus.

Kurzweil machte seine Ehefrau zum bevorzugten Motiv, jedoch verlief die Ehe nach Aussage von Freunden „unglücklich“. Die als sittenstreng beschriebene Frau wollte sich in dem unkonventionellen Wiener Milieu absolut nicht wohlfühlen. Das Paar lebte immer häufig getrennt, und Kurzweil begann schließlich eine Affäre mit seiner Schülerin Helene Heger. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs trennte den Reserveoffizier endgültig von seiner in Frankreich verbliebenen Frau. Gemeinsam mit Heger, deren Vater die Affäre entdeckt und verboten hatte, nahm Kurzweil sich 1916 das Leben.
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Wien, 4. 5. 2016