Kunsthistorisches Museum Wien: Tizians Frauenbild

Oktober 2, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Ein Loblied der Weiblichkeit auf Leinwand gebannt

Tizian: Nymphe und Schäfer. Um 1570/75. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Im Herbst stehen im Kunsthistorischen Museum jedes Jahr die Alten Meister im Fokus: Die Ausstellung „Tizians Frauenbild“ konzentriert sich ab 5. Oktober anhand von mehr als 60 Gemälden aus internationalen Sammlungen sowie aus dem eigenen Bestand auf die Darstellung der Frau im Œuvre des venezianischen Meisters Tizian und seiner Zeitgenossen. Hochkarätige Leihgaben kommen etwa aus dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Louvre in Paris, dem Prado in Madrid, den Uffizien in Florenz, der Eremitage in Sankt Petersburg oder den Gallerie dell’Accademia in Venedig.

Inspiriert von der damaligen Liebespoesie und Literatur schufen Tizian und seine Zeitgenossen – wie Palma il Vecchio, Lorenzo Lotto, Paris Bordone, Jacopo Tintoretto und Paolo Veronese – poetisch-erotische, idealisierte Frauenbildnisse. Sie werden wegweisend für die europäische Malerei der nachfolgenden Jahrhunderte. Die Schau beleuchtet das venezianische Frauenbild vor dem Hintergrund der Ideale und Gesellschaftsverhältnisse des 16. Jahrhunderts. In Tizians Frauenbildern geht es um die Zelebration der Frau als großartigstes Thema des Lebens, der Liebe und der Kunst.

Die Prominenz der Frau in der Malerei Venedigs im 16. Jahrhundert hat vielerlei Ursachen, etwa die politisch-soziale Struktur der Serenissima, die der Frau bezüglich der Mitgift und des Erbes eigene Rechte zugestand, oder das kulturell aufgeschlossene und internationale Klima der Stadt: Einflussreiche Verlage zogen namhafte Poeten und Humanisten an – darunter Pietro Bembo, Sperone Speroni und Ludovico Dolce , die in ihren Schriften der Frau und der Liebe besondere Aufmerksamkeit schenkten. Den entscheidenden Anstoß in der visuellen Umsetzung gab Tizian, der bedeutendste Maler, den die Stadtrepublik je hervorbrachte.

Tizian; Violante. Um 1510/14. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Tizian: Junge Frau bei der Toilette. Um 1515. Musée du Louvre, Département des Peintures, Paris © RMN-Grand Palais (Musée du Louvre) / Franck Raux

Tizian: Junge Frau mit Federhut. Um 1534/36. Eremitage, St. Petersburg © The State Hermitage Museum, 2021, Bild: Dmitri Sirotkin

Ausstellungsansicht „Tizians Frauenbild“, hi.: Raub der Europa“ von Veronese. © KHM-Museumsverband

Tizian: Venus mit Orgelspieler und Cupido. Um 1555. Museo Nacional del Prado, Madrid © Archivo Fotográfico. Museo Nacional del Prado, Madrid

Lange Zeit dachte man, dass Frauen, die Tizian mit Blick auf den Betrachter – oder noch schlimmer: mit entblößter oder halbentblößter Brust – malte, nur Kurtisanen gewesen sein können. Neu herangezogene Quellen geben ein differenzierteres Bild der Blicke und Gesten in Bildern des 16. Jahrhunderts: So sieht die aktuelle Forschung hier vielmehr die symbolische Öffnung des Herzens für den künftigen Ehepartner, mit der die Braut in die Heirat einwilligt. Solchen und ähnlichen Deutungsverschiebungen sind die Ausstellungsmacherinnen Sylvia Ferino-Pagden, Francesca Del Torre Scheuch und Wencke Deiters auf der Spur.

Die neue, erhöhte Aufmerksamkeit durch Maler, Humanisten und Poeten beeinflusste auch die Lebensbedingungen der realen Frauen Venedigs im 16. Jahrhundert, wobei die spezifische Gestalt der Stadt, die so genannte forma urbis, deren Vernetzung und den Austausch zwischen unterschiedlichen sozialen Schichten förderte. Die Schriftstellerinnen unter ihnen forderten in ihren Schriften größere Anerkennung ihrer Fähigkeiten und gleichen Zugang zu höherer Bildung wie die Männer und leisteten damit eine bedeutende Vorarbeit für die Gleichstellung der Frau: ein Thema, das global gesehen heute wieder stark in den Fokus rückt.

Die Ausstellung möchte den Facettenreichtum des Themas zeigen und die unterschiedlichen Gesten, Blicke und Attribute genauer ins Auge fassen. Vom konkreten Porträt zu idealisierten, von der Poesie inspirierten Abwandlungen werden die Themen Liebe und Begehren in historischen, mythologischen und allegorischen Darstellungen in Szene gesetzt. Bei den realen und idealen Porträts werden auch Mode, Haartracht und kostbare Schöpfungen der Goldschmiedekunst der Zeit analysiert. Die umfangreiche zeitgenössische Traktatliteratur und Liebeslyrik bieten dabei eine solide Grundlage, solche einzigartigen Darstellungen von Frauen neu zu lesen.

Die eigens erstellte Ausstellungswebsite informiert über die Themen der Ausstellung sowie über das Rahmenprogramm und die zahlreichen Angebote rund um die Ausstellung: tiziansfrauenbild.khm.at

Tizian: Clarissa Strozzi, 1542. Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie © bpk / Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Christoph Schmidt

Tizian und Werkstatt: Diana und Callisto. Um 1566. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Neu: Die kaiserliche Tizian-Sammlung als virtuelle 3D-Tour

Das Kunsthistorische Museum bietet außerdem ab sofort über die Digital-Plattform Discover Culture unter dem Titel „Die kaiserliche Tizian-Sammlung“ eine neue virtuelle 3D-Tour durch eine der berühmtesten Gemäldesammlungen der Welt an: Saal VIII der Gemäldegalerie beherbergt Werke Tizians, und wird nun mit dem neuen Angebot komplett digital erlebbar sein. Die 3D-Tour bietet Kunstgenuss in höchster Auflösung. Besucherinnen und Besucher genießen die besondere Atmosphäre in diesem Raum bequem von zu Hause aus und erleben dennoch die Kunst Tizians hautnah:

Mittels der Zoom-Funktion (+ und −) können die Gemälde auch aus nächster Nähe ausgiebig betrachtet werden. Informationen zu den Kunstwerken sowie zu deren Schöpfer finden sich direkt im virtuellen Raum. Kunstvermittlerinnen und -vermittler erzählen vom Venedig des 16. Jahrhunderts und über das Leben Tizians. discover-culture.com/de/partner/kunsthistorisches-museum-wien Preis: 4,99 Euro. Alle digitalen Touren auf der Plattform Discover Culture sind nach dem Kauf ohne Einschränkungen verfügbar und können beliebig oft und lange besucht werden.

tiziansfrauenbild.khm.at          discover-culture.com/de/partner/kunsthistorisches-museum-wien           www.khm.at

2. 10. 2021

KHM/Ganymed in Power: Wiederaufnahme am 21. Juli

Juli 18, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Es gibt noch Restkarten!

Mona Matbou Riahi und Mahan Mirarab. Bild: © Helmut Wimmer

Bereits zum siebten Mal hielt Ganymed im Frühjahr 2020 Einzug ins Kunsthistorische Museum – und wenige Tage nach der Premiere kam Corona. Zahlreiche Lockdowns und mehrere Verschiebungsversuche später kann „Ganymed in Power“ nun im Sommer 2021 endlich stattfinden: Am Mittwoch, den 21. Juli findet der erste Termin der Wiederaufnahme statt, die weiteren Termine folgen bis Ende August. „Überwältigt von der Treue und Ausdauer unseres Ganymed-Publikums, starten wir voller Lust in dieses sommerliche Abenteuer“,

so Regisseurin Jacqueline Kornmüller. Das Erfolgsformat ist diesmal dem Thema Macht gewidmet. Dem Kunsthistorischen Museum ist dieses tief eingeschrieben. Selbst Symbol der Macht birgt es Kunst, die so aussagekräftig von Machterhalt und -verlust sowie von den Verirrungen der Macht berichtet, die den gesellschaftlichen und politischen Alltag bis heute so lebhaft prägen.

„Ganymed in Power“ eröffnet neue Sichtweisen auf Alte Meister des Kunsthistorischen Museums. Die Künstlerinnen-/Künstlergruppe „wenn es soweit ist“ rund um Regisseurin Kornmüller und Schauspieler und Produzent Peter Wolf lädt zeitgenössische Autorinnen, Autoren und Komponistinnen, Komponisten ein, Auftragswerke über Meisterwerke der Gemäldegalerie zu schreiben.

Christian Nickel. Bild: © Helmut Wimmer

Mikael Torfason. Bild: © Helmut Wimmer

Gerti Drassl. Bild: © Helmut Wimmer

Jacqueline Kornmüller inszeniert diese Texte und Kompositionen und erweckt dadurch Bild und Betrachtung zu neuem Leben – diesmal mit Texten von Franz Schuh, Isolde Charim, Milena Michiko Flasar, Victor Martinovich, Stefan Hertmans und Mikael Torfason, Szenen und Kompositionen von den Strottern, Golnar Shahyar & Mahan Mirarab, Martin Eberle & Martin Ptak, Lukas Lauermann & Emily Stewart und Manaho Shimokawa & Matthias Loibner sowie Trickfilmen der Künstlerin Shadab Shayegan und des Pianisten Benny Omerzell.

Wie die CoV19-Zwangspause das Programm beeinflusst hat, zeigt am Schönsten „Something very new“ überMaria mit Kind“ von Jan Goessart, gespielt von Manaho Shimokawa und Matthias Loibner. Ursprünglich sollten die Tänzerin Manaho Shimokawa und der Drehleierspieler Matthias Loibner eine ganz andere Szene spielen, aber es kam alles anders: Die Vorstellungen wurden immer wieder verschoben und in der Zwischenzeit wurde Manaho schwanger. Nun berichtet sie darüber, wie die Menschwerdung in Zeiten der Pandemie Zweifel aber auch Stärke zu Tage fördern. Und wie Liebe entsteht zwischen Mutter und Kind.

Die Strottern. Bild: © Helmut Wimmer

Raphael von Bargen. Bild: © Helmut Wimmer

Peter Wolf und Matthias Jakisic. Bild: © Helmut Wimmer

Ulli Maier. Bild: © Helmut Wimmer

Alle bereits gebuchten Karten behalten ihre Gültigkeit, es wurden für diese bereits Ersatztermine für den Sommer 2021 angeboten. Für alle, die zu keiner der Vorstellungen im Sommer kommen können, gibt es noch zwei späte Herbstvorstellungen am 24. und 27. November. Anlässlich des Jahres für Literatur und Theater findet Ganymed diesen Herbst unter dem Titel „Flora“ auch in der Eremitage in St. Petersburg statt. Mit einem Staraufgebot an russischen Künstlerinnen und Künstlern inszenieren Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf das Wiener Erfolgsformat erstmals in Russland. Alle Informationen: flora.hermitagemuseum.org/en

Mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=44344           ganymed.khm.at           www.wennessoweitist.com           Videos: www.facebook.com/wennessoweitist/videos

18. 7. 2021

Ganymed in Power: Wiederaufnahme am 1. Mai

Januar 26, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Bis dahin: Das „Museum der Träume“ virtuell besuchen

Manaho Shimokawa und Pawel Dudus. Bild: © Helmut Wimmer

Die Wiederaufnahme von „Ganymed in Power“ findet am 1. Mai statt. Die geplanten Vorstellungen von März und April werden in den Herbst verschoben. Alle Termine und Ersatztermine finden sich ganymed.khm.at. Für Rückfragen und Umbuchungen steht das Ganymed-Team unter ganymed@khm.at zu Verfügung.

Sollte inzwischen der Hunger auf große Texte und fantastische Musik über die Meisterwerke der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums zu groß werden, kann man ab sofort das Museum der Träume besuchen, sich die gleichnamige App herunterladen oder sich ein paar Highlights auf dem wenn es soweit ist Channel anschauen.

Das Museum der Träume, der literarische Museumsguide der Ganymed-Masterminds Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf, bietet aktuelle und packende Zugänge zur Malerei, Meistererzählungen zeitgenössischer Autorinnen und Autoren, gesprochen von Stars der Theaterszene. Walter Kappacher beispielsweise dringt zu Lukas Furtenagels „Der Maler Hans Burgkmair und seine Frau Anna“ tief in das Seelenlabyrinth des Hans Burgkmaier vor, und entdeckt dabei eine feine Inschrift am Spiegelrand: „Erkenn dich selbs“, was heißt: Erkenne deine unausweichliche Endlichkeit, Widerstand ist zwecklos. Es spricht Joachim Bissmeier.

„Was ist der Mensch?“ Diese Frage stellt sich der Wiener Philosoph Franz Schuh in seinem Werk immer wieder. Der Maler Wolf Huber beantwortet die Frage mit Realismus und Würde. Es spricht Erni Mangold. Anna Kim und Maria Bill folgen Rubens´ Medusa in ihre Einöde, in einen Park voll versteinerter Kreaturen und erlösen sie von ihrer Täterschaft. Milena Michiko Flasar lässt einen Vater auf Nimmer-Wiedersehen in den Krieg ziehen und beschwört die alte Liebe ihrer Eltern. „Die Apfelschälerin“ von Gerard ter Borch scheint mit diesem Text kongenial zu verschmelzen. Es spricht Nicole Heesters.

Christian Nickel. Bild: © Helmut Wimmer

Mikael Torfason. Bild: © Helmut Wimmer

Gerti Drassl. Bild: © Helmut Wimmer

Peter Handke spaziert mit dem Bild „Der Große Wald“ von Jacob von Ruisdael im Kopf durch einen Wald im Salzkammergut und gerät in eine allgemeine ruhige Dämmerung. Der ungarische Autor Lajos Parti Nagy lässt eine Saalaufseherin des Kunsthistorischen Museums über Jahre hinweg „Die Jäger im Schnee“ von Pieter Bruegel betrachten. Sie sieht, wie merkwürdige Veränderungen an dem Bild vor sich gehen. Es spricht Mercedes Echerer.

Clemens J. Setz und Hans Dieter Knebel lassen den „Hl. Sebastian“ von Mantegna alt werden, sehr alt. So alt, dass selbst seine Pfeile nicht mehr schmerzen. Knebel denkt später gemeinsam mit Peter Esterhazy über die Abgründe hinter der Fassade der Macht nach: „Die Schwäne sind nur von weitem weiß und elegant“. Josef Winkler versenkt sich in Betrachtung des Bildes „Beweinung Christi“ von Andrea del Sarto ins nun von Peter Wolf vorgetragene Gebet. Der Schriftsteller und Arzt für Kinderpsychatrie Paulus Hochgatterer beschreibt die Entführung eines Kindes. Zu Correggios „Entführung des Ganymed“ spricht Nikolaus Habjan.

Hans Dieter Knebel. Bild: © Helmut Wimmer

Anna Kim. Bild: © Helmut Wimmer

Kurzfilme gewesener Programme wie des wiederaufzunehmenden sind auf dem wenn es soweit ist Channel nachzusehen. Unbedingt sehenswert und auch aktuell bei „Ganymed in Power“ sind der Animationsfilm „Dracophobia“ von Benni Omerzell über Leonhard Becks „Hl. Georg im Kampf mit dem Drachen“ und „The Hidden Kingdom von Trickfilmerin Shadab Shayegan zu Velázquez‘ „Infantin im weißen Kleid.

ganymed.khm.at           www.wennessoweitist.com           museumdertraeume.khm.at

Ab Herbst 2021 gibt es Ganymed auch in der St. Petersburger Eremitage.
Alle Termine und Informationen über das fantastische russische Ensemble hier: flora.hermitagemuseum.org

  1. 1. 2021

KHM: Virtuelle 3D-Tour zu Bruegels Meisterwerken

Januar 16, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Welt berühmteste „Wimmelbilder“

Bruegel-Saal (Saal X). In der Gemäldegalerie des KHM Wien © KHM-Museumsverband

Das Kunsthistorische Museum lädt gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Visit Flanders zu einer virtuellen Tour durch eine der berühmtesten Gemäldesammlungen der Welt: Mit zwölf Werken von Pieter Bruegel d.Ä. beherbergt das Kunsthistorische Museum die weltweit größte und bedeutendste Bruegel-Sammlung, darunter die berühmten Meisterwerke

„Bauernhochzeit“, „Kinderspiele“, „Die Jäger im Schnee“ und natürlich den „Turmbau zu Babel“. Mit dem neuen digitalen Angebot Bruegel begegnen – Only in Vienna macht das Kunsthistorische Museum den so genannte Bruegel-Saal (Saal X) der Gemäldegalerie nun für Kunstfans auf der ganzen Welt jederzeit zugänglich und virtuell erlebbar. Mittels 3D-Technologie wird sowohl der Eindruck der Bewegung direkt im Raum vermittelt als auch die Betrachtung der Gemälde aus nächster Nähe ermöglicht. Das Besondere an der qualitativ hochwertigen Umsetzung ist eine spezielle Zoom-Funktion, die nahes Betrachten wie bei einem echten Museumsbesuch ermöglicht und sogar noch mehr Details entdecken lässt.

Der virtuelle Raum kann sowohl über mobile als auch über Desktop-Geräte besucht werden. Einen großen Stellenwert nimmt bei diesem 3D-Erlebnis die Kunstvermittlung ein: In sechs Sprachen können virtuelle Museumsbesucherinnen und -besucher viel Wissenswertes über Bruegels Werk und Leben erfahren. Die virtuelle Tour ist in den Sprachen Deutsch, Englisch, Niederländisch, Russisch, Chinesisch/Mandarin und Japanisch verfügbar. Mit diesem neuen und kostenlosen digitalen Angebot erweitert das Kunsthistorische Museum seine breiten und innovativen Online-Aktivitäten und bietet Museumsfans weltweit in Zeiten von Lockdowns und Reisebeschränkungen Kunstgenuss und Abwechslung ganz bequem von zu Hause aus.

Pieter Bruegel d. Ä.: Bauernhochzeit. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Der Turmbau zu Babel. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Die Jäger im Schnee. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Kinderspiele. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Nur knapp mehr als vierzig Gemälde und sechzig Grafiken haben sich überhaupt von der Hand des Meisters erhalten. Dass das Kunsthistorische Museum die weltweit größte Sammlung an Bruegel-Gemälden besitzt, liegt darin begründet, dass Habsburger Sammler schon im 16. Jahrhundert die außerordentliche Qualität und Originalität der Bildwelten Bruegels zu schätzen wussten und sich bemühten, prestigeträchtige Werke des Künstlers zu erwerben. Das Werk Pieter Bruegels des Älteren, der die Landschafts- und Genremalerei revolutionierte, ruft immer noch vielfältige und kontroverse Deutungen hervor. Der Reichtum seiner Bilderwelt sowie seine scharfsinnige Beobachtungsgabe der menschlichen Spezies üben bis heute eine besondere Faszination auf die Betrachter aus … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=29718

www.khm.at/bruegel-begegnen           www.khm.at

16. 1. 2021

Kunsthalle, Kunsthaus und Kunsthistorisches öffnen

Mai 23, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zu Pfingsten gilt „Pay as you wish!“

… von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden – Marwa Arsanios: Who is Afraid of Ideology?, 2019, Filmstill. Courtesy die Künstlerin & mor charpentier gallery, Paris

 

Zum Pfingstwochenende öffnen das Kunsthistorische Museum Wien, die Kunsthalle und das Kunsthaus wieder ihre Pforten.

kunsthalle wien: … von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden.

… ist ab 29. Mai wieder zu sehen, und auch am Pfingstmontag wird das Haus geöffnet sein.

Während des gesamten langen Wochenendes gilt punkto Eintritt: Pay as you wish! Die Ausstellung ist die erste von What, How & for Whom / WHW – Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović – kuratierte Ausstellung, seit das Kollektiv die Leitung der Kunsthalle Wien übernommen hat. Sie bietet einen Überblick über die vielfältigen künstlerischen und politischen Bestrebungen, mit denen sich WHW über die Jahre auseinandergesetzt haben. Sie stellt einige der vielen Künstlerinnen und Künstler vor, die ihre kollektive Tätigkeit im Lauf der Jahre inspiriert haben. Zugleich skizziert die Ausstellung die Orientierung des Programms, das die Direktorinnen in den nächsten fünf Jahren entwickeln wollen.

Der Titel der Schau zitiert den libanesischen Schriftsteller Bilal Khbeiz, der am Beginn der 2000er-Jahre über einige der Dinge sinnierte, die den Unterschied zwischen den Träumen der Menschen im Globalen Süden und jenen im Westen ausmachen. Mit genau dieser Aufzählung – Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden – brachte Khbeiz die Vorstellung eines „guten Lebens“ auf den Punkt, das damals für große Teile der Menschheit unerreichbar war. Fast zwei Jahrzehnte später scheint es, als sei die Befriedigung solcher Grundbedürfnisse für immer mehr Menschen auch an Orten gefährdet, wo sie einmal als selbstverständlich galt:

Der Klimawandel lässt den Fortbestand des Lebens auf der Erde fraglich erscheinen; die Zerstörung der Umwelt schreitet immer schneller voran; die Finanzkrise von 2008 hat den Glauben zerstört, dass der Kapitalismus im Kern gut sei und seine Segnungen auf lange Sicht das Leben auch der Ärmeren und Ärmsten verbessern würden. Es scheint, als ob mittlerweile alle aufgezählten Elemente einen üblen Beigeschmack haben. Die Verfügbarkeit von Nahrungsmittel ist global ungerecht verteilt und die industrielle Landwirtschaft verursacht enorme Schäden – während die, die genug haben, Brot und Wein mit Gefühlen von Schuld und Scham, mit zwanghafter Selbstoptimierung und rücksichtslosem Konsum verbinden … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=38710

Alec Soth: Ukraine. Odessa. 2018. Galina. © Alec Soth / Magnum Photos

Alec Soth: Arcadie. Bucharest, 2018. © Alec Soth / Magnum Photos

Alec Soth: Anna. Kentfield, California., 2017. © Alec Soth / Magnum Photos

Kunst Haus Wien: Alec Soth. Photography ls A Language

… kann ab 31. Mai wieder besucht werden. Bei freiem Eintritt und mit einem speziellen Programm steht dem Kunstgenuss am Pfingstsonntag und -montag nichts mehr im Wege. Unter anderem gibt es um 10 Uhr ein American Breakfast & Ausstellungsgespräch, Anmeldung: info@kunsthauswien.com, und um 15 Uhr im Garten die Weinprobe „Vivo Rosé“ des Weingut Mehofer-Neudeggerhof mit musikalischer Begleitung.

Der Amerikaner Alec Soth zählt seit einigen Jahren zu den wichtigsten Fotografen weltweit. Mit der Serie „Sleeping bq the Mississipi“ wurde er 2004 schlagartig berühmt: In die Fußstapfen von Robert Frank tretend, dokumentierte der Künstler auf seinem Roadtrip entlang des Mississippi das amerikanische Leben – subjektiv, mit viel Poesie und Melancholie. Soths fotografisches Werk – er ist Mitglied der renommierten Agentur Magnum Photos – findet sich seither in allen namhaften Ausstellungshäusern und Fotografie-Institutionen. Seine Personale im Kunst Haus Wien kann als Österreichpremiere bezeichnet werden:

Soths bekannteste Serien „S/eeping bg the Mississippi“  von 2004, „Niagora“  von 2006, „Broken Monuo/ (2OIO)“ und „Songbook“ von 2015 sind erstmals in Wien zu sehen, ebenso seine jüngste Arbeit „/ Know How Furious/g Your Heort ls Beating“ aus dem Jahr 2019. Mit dieser verdichteten Porträtserie hat der Künstler nach einer einjährigen Schaffenspause erneut Furore gemacht. Soths fotografisches Werk besticht durch seine poetische Bildsprache. Ihm gelingt es virtuos, vorstädtische und ländliche Gegenden in den USA, Menschen und Situationen ins Bild zu setzen. Seine groß angelegten Serien können als Fallstudien der US-amerikanischen Gesellschaft gelesen werden.

Soths Fotografien geben Einblick in das Leben gewöhnlicher wie auch manch ungewöhnlicher Menschen; sein Interesse gilt der breiten Mittelschicht abseits der Metropolen sowie Menschen am Rande der Gesellschaft. Der thematische Zugang von Soth ist von einem philanthropischen Interesse geprägt. Er bedient sich einer dokumentarischen Herangehensweise, wobei er sich von seinem poetischen Blick leiten lässt. Seine in großen Serien zusammengefassten Fotografien bewegen sich zwischen Realität und Fiktion und entwickeln eine außergewöhnliche narrative Kraft.

Manche Aufnahmen sind schon allein aufgrund ihres Sujets poetisch, wirken malerisch, sind bisweilen romantisch aufgeladen, etwa wenn Soth die Niagarafälle in all ihrer Pracht ablichtet. Aber auch den konkreten Darstellungen von Menschen und Orten wohnt stets etwas Träumerisches, Entrücktes inne. Der Blick der Dargestellten spielt dabei wohl eine ebenso gewichtige Rolle wie das Licht, in das die Schauplätze getaucht sind. In Soths Aufnahmen spiegeln sich Vorstellungen von Lebenssituationen oder Liebes-/Beziehungen wider, wie sie im amerikanischen Film, in Literatur und Musik geprägt wurden. In seinen vielfach ausgezeichneten Fotobüchern werden die fotografischen Arbeiten von Essays, Kurzgeschichten oder Auszügen aus Songtexten von verschiedenen Autorinnen und Aitoren, etwa dem Pulitzer-Preisträger Richard Ford, begleitet.

Sie tragen zur Gesamterzählung bei und unterstreichen die sehnsuchtsvolle, mitunter melancholische Tendenz, die den eigenwilligen Reiz der Aufnahmen ausmacht. Soth schafft außergewöhnlich eindringliche Porträts von Menschen und Orten. In seiner einzigartigen fotografischen Sprache erzählt er von großen Gefühlen wie Liebe und Einsamkeit und reflektiert weitreichende gesellschaftspolitische Themen, etwa wenn er Aussteiger oder Außenseiter der US-amerikanischen Gesellschaft porträtiert. In seinen Bildern widerhallen zutiefst menschliche Sehnsüchte und Bedürfnisse, sie erzählen von trivialen wie von komplexen Lebensrealitäten, von physischen und psychischen Landschaften gleichermaßen … mehr: alecsoth com/photoeraphy

Pieter Bruegel d. Ä. : Bauernhochzeit, um 1567. KHM, Gemäldegalerie. © KHM-Museumsverband

Die Meisterwerke in der Gemäldegalerie locken zahlreiche Besucher. © KHM-Museumsverband

Ägyptisch-Orientalische Sammlung des Hauses am Maria-Theresien-Platz. © KHM-Museumsverband

Benvenuto Cellini: Saliera, 1540-1543, Paris. Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer. © KHM-Museumsverband

Kunsthistorisches Museum Wien: The Best of Bruegel

Das Team von Generaldirektorin Sabine Haag freut sich schon auf die Wiederaufnahme des Museumsbetriebs am Pfingstsamstag. Das Kunsthistorische Museum wird heuer in den Monaten Juni, Juli und August täglich geöffnet haben, und von 30. Mai bis 30. Juni gilt im ganzen Haus „Pay As You Wish“. Zu sehen sind zunächst die einzigartigen Museumssammlungen und die Meisterwerken von Bruegel, Rubens, Caravaggio, Vermeer, Rembrandt, Raffael, Velázquez und vielen anderen am Standort Maria-Theresien-Platz. Die weiteren Häuser des KHM-Museumsverbands werden in den kommenden Monaten schrittweise wieder öffnen.

Die erfolgreichste Ausstellung, die je im Kunsthistorischen gezeigt wurde, war: „Bruegel – Once in a Lifetime“, sie hat inWien Ausstellungsgeschichte geschrieben. Bei der global größten Werkschau von Pieter Bruegel dem Älteren mit sensationellen Leihgaben aus aller Welt wurden 2018/2019 etwa drei Viertel aller erhaltenen Gemälde des flämischen Meisters und etwa die Hälfte seiner noch existierenden Zeichnungen und Drucke ausgestellt. Wer diese einmalige Ausstellung verpasst hat oder Bruegel neuerlich erleben möchte, kann seine bedeutendsten Gemälde jederzeit in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums erleben. Pieter Bruegel der Ältere war schon zu seinen Lebzeiten einer der begehrtesten Künstler, weshalb seine Werke bereits damals ungewöhnlich hohe Preise erzielten.

Nur knapp mehr als vierzig Gemälde und sechzig Grafiken haben sich überhaupt von der Hand des Meisters erhalten. Das Kunsthistorische Museum beherbergt mit seinen zwölf Werken die weltweit größte und bedeutendste Sammlung Pieter Bruegels des Älteren. Dies liegt darin begründet, dass die Habsburger Sammler schon im 16. Jahrhundert die außerordentliche Qualität und Originalität der Bildwelten Bruegels zu schätzen wussten und sich bemühten, prestigeträchtige Werke des Künstlers zu erwerben. Unter den Bruegel-Meisterwerken im KKHM finden sich die berühmten Gemälde „Bauernhochzeit“, „Kinderspiele“, „Die Jäger im Schnee“ und natürlich der „Turmbau zu Babel“ … mehr: www.insidebruegel.net

kunsthallewien.at           www.kunsthauswien.com           www.khm.at

23. 5. 2020