Ganymed in Power: Wiederaufnahme am 1. Mai

Januar 26, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Bis dahin: Das „Museum der Träume“ virtuell besuchen

Manaho Shimokawa und Pawel Dudus. Bild: © Helmut Wimmer

Die Wiederaufnahme von „Ganymed in Power“ findet am 1. Mai statt. Die geplanten Vorstellungen von März und April werden in den Herbst verschoben. Alle Termine und Ersatztermine finden sich ganymed.khm.at. Für Rückfragen und Umbuchungen steht das Ganymed-Team unter ganymed@khm.at zu Verfügung.

Sollte inzwischen der Hunger auf große Texte und fantastische Musik über die Meisterwerke der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums zu groß werden, kann man ab sofort das Museum der Träume besuchen, sich die gleichnamige App herunterladen oder sich ein paar Highlights auf dem wenn es soweit ist Channel anschauen.

Das Museum der Träume, der literarische Museumsguide der Ganymed-Masterminds Jacqueline Kornmüller und Peter Wolf, bietet aktuelle und packende Zugänge zur Malerei, Meistererzählungen zeitgenössischer Autorinnen und Autoren, gesprochen von Stars der Theaterszene. Walter Kappacher beispielsweise dringt zu Lukas Furtenagels „Der Maler Hans Burgkmair und seine Frau Anna“ tief in das Seelenlabyrinth des Hans Burgkmaier vor, und entdeckt dabei eine feine Inschrift am Spiegelrand: „Erkenn dich selbs“, was heißt: Erkenne deine unausweichliche Endlichkeit, Widerstand ist zwecklos. Es spricht Joachim Bissmeier.

„Was ist der Mensch?“ Diese Frage stellt sich der Wiener Philosoph Franz Schuh in seinem Werk immer wieder. Der Maler Wolf Huber beantwortet die Frage mit Realismus und Würde. Es spricht Erni Mangold. Anna Kim und Maria Bill folgen Rubens´ Medusa in ihre Einöde, in einen Park voll versteinerter Kreaturen und erlösen sie von ihrer Täterschaft. Milena Michiko Flasar lässt einen Vater auf Nimmer-Wiedersehen in den Krieg ziehen und beschwört die alte Liebe ihrer Eltern. „Die Apfelschälerin“ von Gerard ter Borch scheint mit diesem Text kongenial zu verschmelzen. Es spricht Nicole Heesters.

Christian Nickel. Bild: © Helmut Wimmer

Mikael Torfason. Bild: © Helmut Wimmer

Gerti Drassl. Bild: © Helmut Wimmer

Peter Handke spaziert mit dem Bild „Der Große Wald“ von Jacob von Ruisdael im Kopf durch einen Wald im Salzkammergut und gerät in eine allgemeine ruhige Dämmerung. Der ungarische Autor Lajos Parti Nagy lässt eine Saalaufseherin des Kunsthistorischen Museums über Jahre hinweg „Die Jäger im Schnee“ von Pieter Bruegel betrachten. Sie sieht, wie merkwürdige Veränderungen an dem Bild vor sich gehen. Es spricht Mercedes Echerer.

Clemens J. Setz und Hans Dieter Knebel lassen den „Hl. Sebastian“ von Mantegna alt werden, sehr alt. So alt, dass selbst seine Pfeile nicht mehr schmerzen. Knebel denkt später gemeinsam mit Peter Esterhazy über die Abgründe hinter der Fassade der Macht nach: „Die Schwäne sind nur von weitem weiß und elegant“. Josef Winkler versenkt sich in Betrachtung des Bildes „Beweinung Christi“ von Andrea del Sarto ins nun von Peter Wolf vorgetragene Gebet. Der Schriftsteller und Arzt für Kinderpsychatrie Paulus Hochgatterer beschreibt die Entführung eines Kindes. Zu Correggios „Entführung des Ganymed“ spricht Nikolaus Habjan.

Hans Dieter Knebel. Bild: © Helmut Wimmer

Anna Kim. Bild: © Helmut Wimmer

Kurzfilme gewesener Programme wie des wiederaufzunehmenden sind auf dem wenn es soweit ist Channel nachzusehen. Unbedingt sehenswert und auch aktuell bei „Ganymed in Power“ sind der Animationsfilm „Dracophobia“ von Benni Omerzell über Leonhard Becks „Hl. Georg im Kampf mit dem Drachen“ und „The Hidden Kingdom von Trickfilmerin Shadab Shayegan zu Velázquez‘ „Infantin im weißen Kleid.

ganymed.khm.at           www.wennessoweitist.com           museumdertraeume.khm.at

Ab Herbst 2021 gibt es Ganymed auch in der St. Petersburger Eremitage.
Alle Termine und Informationen über das fantastische russische Ensemble hier: flora.hermitagemuseum.org

  1. 1. 2021

KHM: Virtuelle 3D-Tour zu Bruegels Meisterwerken

Januar 16, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Der Welt berühmteste „Wimmelbilder“

Bruegel-Saal (Saal X). In der Gemäldegalerie des KHM Wien © KHM-Museumsverband

Das Kunsthistorische Museum lädt gemeinsam mit seinem Kooperationspartner Visit Flanders zu einer virtuellen Tour durch eine der berühmtesten Gemäldesammlungen der Welt: Mit zwölf Werken von Pieter Bruegel d.Ä. beherbergt das Kunsthistorische Museum die weltweit größte und bedeutendste Bruegel-Sammlung, darunter die berühmten Meisterwerke

„Bauernhochzeit“, „Kinderspiele“, „Die Jäger im Schnee“ und natürlich den „Turmbau zu Babel“. Mit dem neuen digitalen Angebot Bruegel begegnen – Only in Vienna macht das Kunsthistorische Museum den so genannte Bruegel-Saal (Saal X) der Gemäldegalerie nun für Kunstfans auf der ganzen Welt jederzeit zugänglich und virtuell erlebbar. Mittels 3D-Technologie wird sowohl der Eindruck der Bewegung direkt im Raum vermittelt als auch die Betrachtung der Gemälde aus nächster Nähe ermöglicht. Das Besondere an der qualitativ hochwertigen Umsetzung ist eine spezielle Zoom-Funktion, die nahes Betrachten wie bei einem echten Museumsbesuch ermöglicht und sogar noch mehr Details entdecken lässt.

Der virtuelle Raum kann sowohl über mobile als auch über Desktop-Geräte besucht werden. Einen großen Stellenwert nimmt bei diesem 3D-Erlebnis die Kunstvermittlung ein: In sechs Sprachen können virtuelle Museumsbesucherinnen und -besucher viel Wissenswertes über Bruegels Werk und Leben erfahren. Die virtuelle Tour ist in den Sprachen Deutsch, Englisch, Niederländisch, Russisch, Chinesisch/Mandarin und Japanisch verfügbar. Mit diesem neuen und kostenlosen digitalen Angebot erweitert das Kunsthistorische Museum seine breiten und innovativen Online-Aktivitäten und bietet Museumsfans weltweit in Zeiten von Lockdowns und Reisebeschränkungen Kunstgenuss und Abwechslung ganz bequem von zu Hause aus.

Pieter Bruegel d. Ä.: Bauernhochzeit. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Der Turmbau zu Babel. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Die Jäger im Schnee. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Pieter Bruegel d. Ä.: Kinderspiele. Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Nur knapp mehr als vierzig Gemälde und sechzig Grafiken haben sich überhaupt von der Hand des Meisters erhalten. Dass das Kunsthistorische Museum die weltweit größte Sammlung an Bruegel-Gemälden besitzt, liegt darin begründet, dass Habsburger Sammler schon im 16. Jahrhundert die außerordentliche Qualität und Originalität der Bildwelten Bruegels zu schätzen wussten und sich bemühten, prestigeträchtige Werke des Künstlers zu erwerben. Das Werk Pieter Bruegels des Älteren, der die Landschafts- und Genremalerei revolutionierte, ruft immer noch vielfältige und kontroverse Deutungen hervor. Der Reichtum seiner Bilderwelt sowie seine scharfsinnige Beobachtungsgabe der menschlichen Spezies üben bis heute eine besondere Faszination auf die Betrachter aus … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=29718

www.khm.at/bruegel-begegnen           www.khm.at

16. 1. 2021

Kunsthalle, Kunsthaus und Kunsthistorisches öffnen

Mai 23, 2020 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zu Pfingsten gilt „Pay as you wish!“

… von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden – Marwa Arsanios: Who is Afraid of Ideology?, 2019, Filmstill. Courtesy die Künstlerin & mor charpentier gallery, Paris

 

Zum Pfingstwochenende öffnen das Kunsthistorische Museum Wien, die Kunsthalle und das Kunsthaus wieder ihre Pforten.

kunsthalle wien: … von Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden.

… ist ab 29. Mai wieder zu sehen, und auch am Pfingstmontag wird das Haus geöffnet sein.

Während des gesamten langen Wochenendes gilt punkto Eintritt: Pay as you wish! Die Ausstellung ist die erste von What, How & for Whom / WHW – Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović – kuratierte Ausstellung, seit das Kollektiv die Leitung der Kunsthalle Wien übernommen hat. Sie bietet einen Überblick über die vielfältigen künstlerischen und politischen Bestrebungen, mit denen sich WHW über die Jahre auseinandergesetzt haben. Sie stellt einige der vielen Künstlerinnen und Künstler vor, die ihre kollektive Tätigkeit im Lauf der Jahre inspiriert haben. Zugleich skizziert die Ausstellung die Orientierung des Programms, das die Direktorinnen in den nächsten fünf Jahren entwickeln wollen.

Der Titel der Schau zitiert den libanesischen Schriftsteller Bilal Khbeiz, der am Beginn der 2000er-Jahre über einige der Dinge sinnierte, die den Unterschied zwischen den Träumen der Menschen im Globalen Süden und jenen im Westen ausmachen. Mit genau dieser Aufzählung – Brot, Wein, Autos, Sicherheit und Frieden – brachte Khbeiz die Vorstellung eines „guten Lebens“ auf den Punkt, das damals für große Teile der Menschheit unerreichbar war. Fast zwei Jahrzehnte später scheint es, als sei die Befriedigung solcher Grundbedürfnisse für immer mehr Menschen auch an Orten gefährdet, wo sie einmal als selbstverständlich galt:

Der Klimawandel lässt den Fortbestand des Lebens auf der Erde fraglich erscheinen; die Zerstörung der Umwelt schreitet immer schneller voran; die Finanzkrise von 2008 hat den Glauben zerstört, dass der Kapitalismus im Kern gut sei und seine Segnungen auf lange Sicht das Leben auch der Ärmeren und Ärmsten verbessern würden. Es scheint, als ob mittlerweile alle aufgezählten Elemente einen üblen Beigeschmack haben. Die Verfügbarkeit von Nahrungsmittel ist global ungerecht verteilt und die industrielle Landwirtschaft verursacht enorme Schäden – während die, die genug haben, Brot und Wein mit Gefühlen von Schuld und Scham, mit zwanghafter Selbstoptimierung und rücksichtslosem Konsum verbinden … mehr: www.mottingers-meinung.at/?p=38710

Alec Soth: Ukraine. Odessa. 2018. Galina. © Alec Soth / Magnum Photos

Alec Soth: Arcadie. Bucharest, 2018. © Alec Soth / Magnum Photos

Alec Soth: Anna. Kentfield, California., 2017. © Alec Soth / Magnum Photos

Kunst Haus Wien: Alec Soth. Photography ls A Language

… kann ab 31. Mai wieder besucht werden. Bei freiem Eintritt und mit einem speziellen Programm steht dem Kunstgenuss am Pfingstsonntag und -montag nichts mehr im Wege. Unter anderem gibt es um 10 Uhr ein American Breakfast & Ausstellungsgespräch, Anmeldung: info@kunsthauswien.com, und um 15 Uhr im Garten die Weinprobe „Vivo Rosé“ des Weingut Mehofer-Neudeggerhof mit musikalischer Begleitung.

Der Amerikaner Alec Soth zählt seit einigen Jahren zu den wichtigsten Fotografen weltweit. Mit der Serie „Sleeping bq the Mississipi“ wurde er 2004 schlagartig berühmt: In die Fußstapfen von Robert Frank tretend, dokumentierte der Künstler auf seinem Roadtrip entlang des Mississippi das amerikanische Leben – subjektiv, mit viel Poesie und Melancholie. Soths fotografisches Werk – er ist Mitglied der renommierten Agentur Magnum Photos – findet sich seither in allen namhaften Ausstellungshäusern und Fotografie-Institutionen. Seine Personale im Kunst Haus Wien kann als Österreichpremiere bezeichnet werden:

Soths bekannteste Serien „S/eeping bg the Mississippi“  von 2004, „Niagora“  von 2006, „Broken Monuo/ (2OIO)“ und „Songbook“ von 2015 sind erstmals in Wien zu sehen, ebenso seine jüngste Arbeit „/ Know How Furious/g Your Heort ls Beating“ aus dem Jahr 2019. Mit dieser verdichteten Porträtserie hat der Künstler nach einer einjährigen Schaffenspause erneut Furore gemacht. Soths fotografisches Werk besticht durch seine poetische Bildsprache. Ihm gelingt es virtuos, vorstädtische und ländliche Gegenden in den USA, Menschen und Situationen ins Bild zu setzen. Seine groß angelegten Serien können als Fallstudien der US-amerikanischen Gesellschaft gelesen werden.

Soths Fotografien geben Einblick in das Leben gewöhnlicher wie auch manch ungewöhnlicher Menschen; sein Interesse gilt der breiten Mittelschicht abseits der Metropolen sowie Menschen am Rande der Gesellschaft. Der thematische Zugang von Soth ist von einem philanthropischen Interesse geprägt. Er bedient sich einer dokumentarischen Herangehensweise, wobei er sich von seinem poetischen Blick leiten lässt. Seine in großen Serien zusammengefassten Fotografien bewegen sich zwischen Realität und Fiktion und entwickeln eine außergewöhnliche narrative Kraft.

Manche Aufnahmen sind schon allein aufgrund ihres Sujets poetisch, wirken malerisch, sind bisweilen romantisch aufgeladen, etwa wenn Soth die Niagarafälle in all ihrer Pracht ablichtet. Aber auch den konkreten Darstellungen von Menschen und Orten wohnt stets etwas Träumerisches, Entrücktes inne. Der Blick der Dargestellten spielt dabei wohl eine ebenso gewichtige Rolle wie das Licht, in das die Schauplätze getaucht sind. In Soths Aufnahmen spiegeln sich Vorstellungen von Lebenssituationen oder Liebes-/Beziehungen wider, wie sie im amerikanischen Film, in Literatur und Musik geprägt wurden. In seinen vielfach ausgezeichneten Fotobüchern werden die fotografischen Arbeiten von Essays, Kurzgeschichten oder Auszügen aus Songtexten von verschiedenen Autorinnen und Aitoren, etwa dem Pulitzer-Preisträger Richard Ford, begleitet.

Sie tragen zur Gesamterzählung bei und unterstreichen die sehnsuchtsvolle, mitunter melancholische Tendenz, die den eigenwilligen Reiz der Aufnahmen ausmacht. Soth schafft außergewöhnlich eindringliche Porträts von Menschen und Orten. In seiner einzigartigen fotografischen Sprache erzählt er von großen Gefühlen wie Liebe und Einsamkeit und reflektiert weitreichende gesellschaftspolitische Themen, etwa wenn er Aussteiger oder Außenseiter der US-amerikanischen Gesellschaft porträtiert. In seinen Bildern widerhallen zutiefst menschliche Sehnsüchte und Bedürfnisse, sie erzählen von trivialen wie von komplexen Lebensrealitäten, von physischen und psychischen Landschaften gleichermaßen … mehr: alecsoth com/photoeraphy

Pieter Bruegel d. Ä. : Bauernhochzeit, um 1567. KHM, Gemäldegalerie. © KHM-Museumsverband

Die Meisterwerke in der Gemäldegalerie locken zahlreiche Besucher. © KHM-Museumsverband

Ägyptisch-Orientalische Sammlung des Hauses am Maria-Theresien-Platz. © KHM-Museumsverband

Benvenuto Cellini: Saliera, 1540-1543, Paris. Kunsthistorisches Museum Wien, Kunstkammer. © KHM-Museumsverband

Kunsthistorisches Museum Wien: The Best of Bruegel

Das Team von Generaldirektorin Sabine Haag freut sich schon auf die Wiederaufnahme des Museumsbetriebs am Pfingstsamstag. Das Kunsthistorische Museum wird heuer in den Monaten Juni, Juli und August täglich geöffnet haben, und von 30. Mai bis 30. Juni gilt im ganzen Haus „Pay As You Wish“. Zu sehen sind zunächst die einzigartigen Museumssammlungen und die Meisterwerken von Bruegel, Rubens, Caravaggio, Vermeer, Rembrandt, Raffael, Velázquez und vielen anderen am Standort Maria-Theresien-Platz. Die weiteren Häuser des KHM-Museumsverbands werden in den kommenden Monaten schrittweise wieder öffnen.

Die erfolgreichste Ausstellung, die je im Kunsthistorischen gezeigt wurde, war: „Bruegel – Once in a Lifetime“, sie hat inWien Ausstellungsgeschichte geschrieben. Bei der global größten Werkschau von Pieter Bruegel dem Älteren mit sensationellen Leihgaben aus aller Welt wurden 2018/2019 etwa drei Viertel aller erhaltenen Gemälde des flämischen Meisters und etwa die Hälfte seiner noch existierenden Zeichnungen und Drucke ausgestellt. Wer diese einmalige Ausstellung verpasst hat oder Bruegel neuerlich erleben möchte, kann seine bedeutendsten Gemälde jederzeit in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums erleben. Pieter Bruegel der Ältere war schon zu seinen Lebzeiten einer der begehrtesten Künstler, weshalb seine Werke bereits damals ungewöhnlich hohe Preise erzielten.

Nur knapp mehr als vierzig Gemälde und sechzig Grafiken haben sich überhaupt von der Hand des Meisters erhalten. Das Kunsthistorische Museum beherbergt mit seinen zwölf Werken die weltweit größte und bedeutendste Sammlung Pieter Bruegels des Älteren. Dies liegt darin begründet, dass die Habsburger Sammler schon im 16. Jahrhundert die außerordentliche Qualität und Originalität der Bildwelten Bruegels zu schätzen wussten und sich bemühten, prestigeträchtige Werke des Künstlers zu erwerben. Unter den Bruegel-Meisterwerken im KKHM finden sich die berühmten Gemälde „Bauernhochzeit“, „Kinderspiele“, „Die Jäger im Schnee“ und natürlich der „Turmbau zu Babel“ … mehr: www.insidebruegel.net

kunsthallewien.at           www.kunsthauswien.com           www.khm.at

23. 5. 2020

Kunsthistorisches Museum Wien: Caravaggio & Bernini

Oktober 11, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Entdeckung der menschlichen Emotionen

Michelangelo Merisi da Caravaggio: Narziss. Um 1601. Rom, Gallerie Nazionali d’Arte Antica, Palazzo Barberini. © Gallerie Nazionali di Arte Antica – Bibliotheca Hertziana, Istituto Max Planck per la storia dell’arte/Enrico Fontolan

Ab 15. Oktober zeigt das Kunsthistorische Museum Wien die Superschau „Caravaggio & Bernini“, ein großes und überwältigendes visuelles Barockspektakel. Im Zentrum stehen dabei die bahnbrechenden Werke des Malers Michelangelo Merisi da Caravaggio und des Bildhauers Gian Lorenzo Bernini. Erstmals sind die beiden weltberühmten Protagonisten, die jeweils auf ihre Art stilbildend für die europäische Kunst des 17. Jahrhunderts waren, gemeinsam in einer Ausstellung vereint. Was sie verbindet, ist eine neue Aufmerksamkeit für die wirklichkeitsnahe Naturdarstellung und für das Pathos großer Gefühle.

Die Entdeckung der menschlichen Regungen als theatralisches Anliegen des Barocks ist dann auch das zentrale Thema der Ausstellung, die – von Caravaggio bis Bernini – etwa siebzig Meisterwerke römischer Malerei und Skulptur in einen einzigartigen Dialog setzt. Obwohl das Kunsthistorische Museum den umfangreichsten und wertvollsten Bestand an Werken Caravaggios und seiner Nachfolgerinnen und Nachfolger außerhalb Italiens besitzt, hat in Österreich bislang noch keine Ausstellung zu diesem Maler und seiner Zeit stattgefunden. Werke des um eine Generation jüngeren Bildhauers Gian Lorenzo Bernini, dessen Kunst auch für den österreichischen Barock prägend werden sollte, waren hierzulande bisher ebenfalls kaum zu sehen. Die Schau spürt dem Phänomen des aufblühenden Barockzeitalters nach und stellt die revolutionäre Kunst im Rom dieser Zeit vor. Der Maler Caravaggio und der Bildhauer Bernini waren dabei die führenden Persönlichkeiten, die mit ihrer neuartigen Ausdrucksweise ebenso wie mit ihrem unkonventionellen Lebensstil in Rom für Furore sorgten.

Gian Lorenzo Bernini: Hl. Sebastian. Rom, 1617. Privatbesitz; als Leihgabe im M. Thyssen-Bornemisza. © Bild: Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid

Michelangelo Merisi da Caravaggio: Heiliger Johannes der Täufer. Um 1602. Rom, Musei Capitolini. © Sovrintendenza Capitolina, Musei Capitolini – Pinacoteca Capitolina, Roma

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In sehr kurzer Zeit wurde Rom zu einem blühenden Zentrum innovativer Ideen und Erfindungen. Die Ausstellung konzentriert sich auf die künstlerischen Umwälzungen, die in der Heiligen Stadt zwischen 1600 und 1650 stattfanden und weitreichende Auswirkungen auf ganz Europa hatten. In diesen Jahrzehnten wurde die Stadt zu einem Anziehungspunkt für zahlreiche talentierte Künstler, die aus Florenz, Neapel und der Lombardei, aber auch aus Frankreich, Deutschland, Flandern und den Niederlanden kamen. Sie alle experimentierten mit den neuen Bildthemen und kompositorischen Lösungen. Es entstanden faszinierende Werke voller Dramatik und Leidenschaft, die sich durch Darstellung exzentrischer wie starker Bewegung und Gefühlsregung sowie durch eine theatralisch inszenierte Farbregie auszeichnen.

Die Figuren zeigten jetzt in ihrer ausholenden Gestik, ihrer starken Mimik und in ihrem Handeln intensive Gefühle. Es wurde regelrecht zur künstlerischen Aufgabe, das Publikum emotional zu berühren. Nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in Dichtung und Literatur sowie in Musik und Theater kann man die fünf Jahrzehnte von 1600 bis 1650 als „Geburtsmoment“ einer Kunst der Affekte bezeichnen. Plötzliches Erschrecken, wie beispielsweise bei Caravaggios „Knabe, von einer Eidechse gebissen“, zeugen von dem regen Interesse an der Darstellung wirkmächtiger Gefühle. Charakteristisch für diese Epoche, die man später als Frühbarock bezeichnen wird, ist auch eine zunehmende Bereitschaft zur Zusammenarbeit unter den Künstlern, wie die Gründung einer gemeinsamen Akademie, der Accademia di San Luca, oder die persönlichen Freundschaften belegen.

Maler und Bildhauer arbeiteten zusammen an der Ausstattung kostspieliger Familienkapellen und großer Galeriesäle, in denen sich die Medien ergänzten, gegenseitig in der Wirkung steigerten, ja mitunter so nebeneinander erschienen, dass ihre Grenzen fließend wurden ‒ ein weiteres Merkmal barocken Ausdrucks: Skulpturen konnten geradezu malerische Qualitäten aufweisen, während umgekehrt die Malerei illusionistisch Architektur und Skulptur hervorzubringen vermochte.

Michelangelo Merisi da Caravaggio: David mit dem Haupt des Goliath. Um 1600/01. Wien, Kunsthistorisches Museum. © KHM-Museumsverband

Gian Lorenzo Bernini: Medusa. Rom, 1638–1640. Rom, Musei Capitolini, Palazzo die Conservatori. © Sovrintendenza Capitolina, Musei Capitolini – Pinacoteca Capitolina, Rom. © Bild: Andrea Jemolo

Die Ausstellung erhofft sich durch die Zusammenschau von Malerei und Skulptur neuartige Perspektiven auf die römische Kunstlandschaft des frühen 17. Jahrhunderts. Eine vergleichbar groß angelegte Auswahl herausragender Kunstwerke dieser Zeit hat es außerhalb Italiens bislang nicht gegeben. Hauptwerke des römischen Frühbarocks werden zu einem einzigartigen Schauzusammenhang verdichtet, der erstmals die „Entdeckung der Gefühle“ als künstlerische Herausforderung thematisiert und die Besucher zugleich auf eine Reise in die Ewige Stadt mitnimmt: Ganz direkt begegnen Betrachter den zentralen Impulsen Caravaggios und Berninis, die begleitet werden von einem Kaleidoskop an Meisterwerken: von Malerinnen und Malern wie Artemisia Gentileschi, Annibale Carracci, Nicolas Poussin, Mattia Preti, Guido Reni oder Pietro da Cortona und von Bildhauern wie Francesco Mochi, Giuliano Finelli, Alessandro Algardi oder François Du Quesnoy.

Zu den Highlights der Ausstellung zählen neben den Gemälden aus dem Kunsthistorischen Museum weitere Schlüsselwerke Caravaggios wie der „Narziss“, der „Knabe, von einer Eidechse“ gebissen, der berühmte „Johannes der Täufer“ und das „Porträt des Malteser Ritters Antonio Martelli“. Aus dem Œuvre Berninis werden die „Medusa“, ein Modell des „Elefanten mit Obelisk“, eine Büste des Kardinal Richelieu, eine Statue des heiligen Sebastian und ein Modell für die Skulptur der „Verzückung der heiligen Theresa von Ávila“ in Wien zu sehen sein. Vier kleine, bisher nie gezeigte Bronzeköpfe, die einst die Kutsche des Architekten zierten und sich bis heute im Besitz der Bernini-Erben befinden, sind ebenso nach Wien gereist.

Zu den weiteren Highlights der Schau zählen Guido Renis „Bethlehemitischer Kindermord“ und das erst 2011 wiederaufgetauchte Werk „Maria Magdalena“ von Artemisia Gentileschi, der einzigen Künstlerin, die es in den Kreis der italienischen Meistermaler des frühen 17. Jahrhunderts geschafft hat. Erstmals wird das Gemälde aus Privatbesitz im Zuge der Ausstellung der Öffentlichkeit zugänglich sein.

www.khm.at           caravaggio-bernini.khm.at           Video: www.youtube.com/watch?v=SuB-h8mCGI0

11. 10. 2019

Kunsthistorisches Museum Wien: Mark Rothko

März 9, 2019 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Von den revolutionären Bildern zum „inneren Licht“

Mark Rothko: Underground Fantasy, um 1940. © 1998 Kate Rothko Prizel & Christopher Rothko/Bildrecht, Wien, 2019. © Bild: National Gallery of Art, Washington, D.C.

Mark Rothko gehört zu den bedeutendsten Künstlern des zwanzigsten Jahrhunderts. Zum ersten Mal überhaupt werden nun seine Werke in Österreich gezeigt – ab 12. März im Kunsthistorischen Museum Wien. Die Ausstellung bietet mit mehr als vierzig seiner Hauptwerke einen Überblick über Rothkos gesamtes Schaffen, von seinen figurativen Anfängen in den 1930er-Jahren über die Werke, die er im folgenden Jahrzehnt in seiner sogenannten Übergangsphase schuf, bis zu den revolutionären Bildern aus den 1950er- und 1960er-Jahren.

Kate und Christopher Rothko, die Kinder des Malers, waren von Beginn an in das Projekt eingebunden und haben sich bereit erklärt, eine Reihe bedeutender Werke aus der Familiensammlung für die Ausstellung zu leihen. Den Kern der Schau bildet ein ganzer Saal großformatiger, 1958/59 entstandener Wandbilder, die ursprünglich für das Seagram Building in New York in Auftrag gegeben wurden. Abschließend folgt ein Saal mit klassischen Gemälden aus dem letzten Lebensjahrzehnt Rothkos, die vor Augen führen, wie er von den Altmeistertechniken lernte, Farben übereinanderzuschichten begann wie Tizian und zu einem an Rembrandt erinnerndes Gefühl für „inneres Licht“ fand.

Dass die Ausstellung im Kunsthistorischen Museum gezeigt wird, dessen historische Sammlungen fünftausend Jahre menschlichen Schaffens vom Alten Ägypten bis zum Barock nachzeichnen, bietet die einmalige Gelegenheit, sich mit Rothkos tiefem, lebenslangem Interesse für die Kunst der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Von seinen frühen Besuchen des New Yorker Metropolitan Museum während seiner Studienzeit, über seine ersten Begegnungen mit Rembrandt, Vermeer und der klassischen Kunst und Architektur, bis zu seinen Reisen nach Europa, wo er Kirchen, Kapellen und Sammlungen von Altmeistergemälden in Paris, London, Venedig, Arezzo, Siena, Rom, Pompeji und Florenz besichtigte, widmete sich Rothko dem Studium historischer Kunst und Architektur.

Mark Rothko vor dem Werk „No. 7“,1960. Bild: Regina Bogat zugeschrieben. © 2005 Kate Rothko Prizel & Christopher Rothko/Bildrecht Wien, 2019

Mark Rothko: Self-Portrait, 1936. © 1998 Kate Rothko Prizel & Christopher Rothko/Bildrecht, Wien, 2019

Die Schau beleuchtet auch den Einfluss bestimmter Orte auf Rothkos stilistische Entwicklung von Michelangelos Biblioteca Medicea Laurenziana und Fra Angelicos Fresken im Konvent von San Marco in Florenz zu den griechischen Tempeln von Paestum und der Taufkapelle der Basilika Santa Maria Assunta auf Torcello in der Lagune von Venedig. Als Rothko in späteren Jahren mit dieser Tradition brach, um zu einer radikal neuen Form künstlerischen Ausdrucks zu gelangen, tat er dies auf der Basis eines umfangreichen Wissens und voller Hochachtung für das, was seiner Zeit vorausgegangen war. Mit den Worten des Kritikers John Berger schaute Rothko zurück, „wie dies kein Maler zuvor je getan hatte“. Kurator der Ausstellung ist Jasper Sharp.

www.khm.at

9. 3. 2019