Kunst Haus Wien: Teach Nature

Juni 13, 2022 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Zur Eröffnung gibt’s ein Sommerfest in der Grätzloase

© Akademie der bildenden Künste Wien © Freja Gøtke

Das Kunst Haus Wien zeigt ab 15. Juni die Ausstellung „Teach Nature“. Für die Gruppenausstellung setzen sich Studierende der Akademie der bildenden Künste mit der Bedeutung von Natur für die Kunstproduktion auseinander. Inspiriert wurden ihre Arbeiten durch Besuche österreichischer Nationalsparks und Gespräche mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Parkbetreuerinnen und Parkbetreuern.

Ausgangspunkt der Beschäftigung der Studierenden war die sogenannte „Rote Liste“, also die stetig steigende Anzahl der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Österreichs. Simone Bader, Mona Hahn, Roland Kollnitz, Nora Schultz und Heimo Zobernig standen den Studierenden  als Lehrende der Fachbereiche Bildhauerei | Raumstrategien, Bildhauerei und Installation, sowie Kunst im öffentlichen Raum begleitend zur Seite. In regelmäßigen Treffen wurden die Zusammenhänge der in und mit der Natur gesammelten Eindrücke und deren Bedeutung für die Kunstproduktion diskutiert und Bezüge zur künstlerischen Arbeitsmethodik hergestellt.

Die künstlerischen Ergebnisse sind Interventionen im Innen- und Außenbereich der Garage des Kunst Haus Wien sowie im Café: Skulpturen, Malerei, Drucke, Videos und Performances. Zu den Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland zählen Vik Bayer, Anna Bochkova, Karolin Brägger, PYO E, Bianca Phos, Emma Hummerhielm Carlén, Kristina Cyan, Nana Dahlin, Freja Gøtke, Yoko Gwen Halbwidl,  Jusun Lee, raúl i. lima und Bob Schatzi Hausmann.

Zu sehen bis 2. Oktober.

Sommerfest im Kunst Haus Wien

© Akademie der bildenden Künste Wien © Bob Schatzi Hausmann

© Akademie der bildenden Künste Wien © Freja Gøtke

Zur Eröffnung der Ausstellung „Teach Nature“ und der neu installierten grünen Grätzloase lädt das Kunst Haus Wien zum Sommerfest am Dienstag, 14. Juni ab 18 Uhr. An diesem Abend ist auch die Fotografie- ausstellung „Wenn der Wind weht“ bei freiem Eintritt zu besichtigen. Es gibt es sommerliche Cocktails, Grillköstlichkeiten und Eis sowie feine Beats von den DJs Juliana Lindenhofer und Gerald Moser im begrünten Innenhof und der Grätzloase des Kunst Haus Wien.

Programm:

18 Uhr: Eröffnung Ausstellung „Teach Nature“
18.45 Uhr: “This basic nature” von Florian Hofer
17.30 – 20 Uhr: DJ Gerald Moser
20 Uhr: Performance/Konzert von Nana Dahlin
20.30 – 22 Uhr: „Du musst nicht alles wissen / Says the ruling class“ DJ- Set von Juliana Lindenhofer
18 -21 Uhr Ausstellung „Wenn der Wind weht“

Food & Drinks:

Lammwürste vom Grill mit Wiederkehr Brot von Ströck
Sommerliche Cocktails von der Eden Bar
Eis von Ramelle in der Grätzloase *

* Das begrünte Parklet des Kunst Haus Wien wurde von Designer Robert Rüf gestaltet und besteht aus massiver Lärche und Seekiefer-Sperrholz. Für die Bepflanzung wurde der Fokus auf essbare, Kräuter und bienenfreundliche Pflanzen gelegt. So findet sich in der Grätzloase zum Beispiel Lavendel, Salbei, Griechischer Bergtee, Minze, Petersilie und Gewürztagetes.

Der Eintritt zum Sommerfest ist frei!
Um Anmeldung wird gebeten: HIER ANMELDEN

Welttag des Windes: 1+1 gratis ins Museum

Kunst Haus Wien. Bild: © Rudolf Strobl

Zum Welttag des Windes am 15. Juni, 10 bis 18 Uhr, erhalten Besucherinnen und Besucher zu jedem Vollpreisticket ein weiteres Ticket gratis dazu. Im Kontext der Klimakrise spielen sowohl Luftverschmutzung und Stürme als auch die Windkraft als erneuerbare Energiequelle eine wesentliche Rolle. Ursprünglich als Aktionstag der Windenergie ausgerichtet, dient er nun zur Bewusstseinsbildung zu alternativer Energieformen, Ökologie und Umweltschutz. Um 17 Uhr startet eine Führung durch die Fotoausstellung Wenn der Wind weht. Die Teilnahme ist ebenfalls gratis.

www.kunsthauswien.com

13. 6. 2022

Belvedere: Lebensnah. Realistische Kunst 1850 – 1950

März 14, 2022 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Mit Blick auf soziogesellschaftliche Gegebenheiten

Wilhelm Trübner: Caesar am Rubicon, um 1878. © Belvedere, Wien

Ist alles realistisch, was lebensnah scheint? Welche Kontinuitäten finden sich im Realismus über die Jahrzehnte hinweg? Die neue Sonder- schau im Oberen Belvedere „Lebensnah. Realistische Kunst von 1850 bis 1950“ zeigt ab 18. März den Facetten- reichtum einer Kunst- auffassung, die sich von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Jahr 1950 auch als Spiegel ihrer sozialen Umwelt verstand. Bis heute begeistern Werke realistischer Strömungen durch ihre beeindruckenden Maltechniken und Themenvielfalt.

Der Ausstellung ging ein Streifzug durch die Sammlung des Belvedere voraus. Die dabei entdeckten Werke, die von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zu den 1950er-Jahren stammen, haben sich einer wirklichkeitsgetreuen Wiedergabe verschrieben und werden nun in einer erhellenden Gegenüberstellung präsentiert. Welche Merkmale und Inhalte finden sich über diesen Zeitraum hinweg in den verschiedenen realistischen Ausrichtungen?

Edouard Frédéric Wilhelm Richter: Orientalin, um 1875. © Belvedere, Wien

Jef Leempoels: Die Weinenden, um 1895. © Belvedere, Wien

Sergius Pauser: Luis Trenker mit Kamera, 1938. © Belvedere, Wien

Hierfür werden Kunstwerke unterschiedlicher Entstehungsphasen miteinander konfrontiert. Die Schau zeigt bisher kaum gezeigte Gemälde, die sich durch eine lebensnahe Darstellung auszeichnen. Diese Nähe zur realen Welt wird vielfach durch eine besondere Akribie in der Maltechnik erzielt. Der Blick auf das, was „real“ zu sein scheint, rückt auch den sozioanalytischen Inhalt mancher Werke in den Fokus: So spiegeln realistische Sujets auch soziale und gesellschaftliche Realitäten wider.

Anton Filkuka: Holzsammelnde Kinder, 1925. Bild: Johannes Stoll / © Belvedere, Wien

Erich Miller-Hauenfels: Hof zwischen Großstadthäusern, 1934. © Belvedere, Wien

 

Herbert Ploberger, Stillleben, 1926. Bild: Johannes Stoll / © Belvedere, Wien

August Eduard Wenzel: Im Museum, 1939.
© Belvedere, Wien


Von vertrauten Motivgattungen wie dem Porträt oder dem Stillleben spannt sich der Bogen zu komplexeren Themen wie der Instrumentalisierung realistischer Malerei in der Politik und sozialer Einflussnahme. Mit einigen der Bilder gibt es nach Jahren im Depot ein Wiedersehen, darunter Édouard Frédéric Wilhelm Richters „Orientalin“ (um 1875), Emanuel Baschnys „Lesender Mann“ (1905), Erich Miller-Hauenfels’ „Hof zwischen Großstadthäusern“ (1934) und Gustav Klimts „Bildnis der Mathilde Trau“ (um 1893) – seit 2019 Dauerleihgabe im Belvedere. Die Ausstellung ist kuratiert von Kerstin Jesse und Franz Smola.

Zu sehen bis 1. November.

www.belvedere.at

14. 3. 2022

Albertina modern: Online-Führungen durch „THE 80s. Die Kunst der 80er Jahre“. In fünf Sprachen

November 24, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Jungen Wilden und ihre „Heftige Malerei“

Gilbert & George: We Are, 1985. Collection Thaddaeus Ropac, London · Paris · Salzburg · Seoul © Gilbert & George / © Bildrecht, Wien 2021

Ab morgen bieten Albertina und Albertina modern Online-Führungen durch ihre aktuellen Ausstellungen. Via Zoom kann man live und digital dabei sein, wenn die Kunstvermittlerinnen und Kunstvermittler der Häuser die Highlights der Schauen präsentieren, Hintergründe erläutern und auf die Live-Fragen des Publikums eingehen. Preis für ein Online-Ticket: 5 Euro. Einen besonderen Stellenwert in diesem Lockdown-Programm nimmt der Ausstellungs-

rundgang durch „THE 80s. Die Kunst der 80er Jahre“ der Albertina modern ein, der in den Sprachen Deutsch, Französisch, Spanisch, Russisch und Italienisch mitzuerleben ist. Die Ausstellung „The 80s“ in der Albertina modern präsentiert mehr als 160 Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die nicht nur dieses Jahrzehnt bestimmten, sondern deren Schaffen weit in die Kunst des 21. Jahrhunderts vorausreicht. Die 1980er: Es ist das Zeitalter des (Neo-)Liberalismus, der nun endgültig in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft angekommen ist. Margaret Thatcher und Ronald Reagan regieren mit konservativen Kräften den anglo-amerikanischen Raum.

Das Aufkommen der ersten PCs, von Videospielen, Globalisierung, der Öffnung der nationalen Grenzen und steigende Mobilität suggerieren eine Welt in relativer Harmonie. Kino-Besucherrekorde, technischer Fortschritt und die Verlockungen des Konsums versprechen eine rosige Zukunft. Auch vom Ende der Geschichte, einem saturierten, westlich dominierten Weltbild ist da und dort die Rede. Und doch: Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist nur ein junges Menschenleben entfernt. Nach vorne drängt eine Generation, die genug vom Nachkriegsmuff hat. Eine Generation, der Wohlstand und Gemütlichkeit keineswegs genügen. Wer sich nicht zu sehr ablenken lässt, erkennt eine Welt im OstWestKonflikt, spürt den Druck der atomaren Aufrüstung oder ist durch die Friedensbewegung und die deutsche Wiedervereinigung geprägt.

Es ist ein Jahrzehnt der Rebellion, aus den Radios ertönt Elektromusik mit sinnlosen Texten, Wave und Punk zeigen der Gesellschaft offen ihren Unmut. Aus dem Untergrund erwächst eine Avantgarde, die experimentiert, in Frage stellt und einen Spiegel vorhält. Die Kunst der 1980er ist bunt und facettenreich. Sie kann alles sein, nur eines nicht: langweilig. In den Achtzigerjahren wurde plötzlich alles möglich. Die großen gesellschaftlichen und politischen Umbrüche sind auch in der Kunst deutlich sichtbar. Künstlergruppen brechen mit dem festgefahreren Kunstbetrieb, entthronen die Avantgarde: Die „Jungen Wilden“ entdecken die bildende Kunst neu und stellen ebenso selbstbewusst wie gesellschaftlich engagiert unter dem Begriff „Heftige Malerei“ aus.

Jeff Koons: Bear and Policeman, 1988. Kunstmuseum Wolfsburg © Jeff Koons. Bild: Gautier Deblonde

Izhar Patkin: Don Quijote Segunda Parte, 1987. Privatsammlung © Izhar Patkin

Mike Kelley: Estral Star #3, 1989. Sammlung Ringier, Schweiz © Bildrecht, Wien 2021. Bild: Gerhard Born

Nicht eine Geschichte, sondern viele kleine Erzählungen bestimmen die 1980erJahre. Vielfalt im Denken und Handeln, Wissen und Glauben haben Hochkonjunktur. Grenzerweiterungen in vielerlei Hinsicht und Vernetzung gehören zu den wesentlichen Kennzeichen dieser Zeit. Wie kaum ein anderes Jahrzehnt haben sich die Achtzigerjahre ins Gedächtnis derjenigen eingebrannt, die diese Dekade erlebten. Die schrillen Retrovisionen, die in zyklischen Abständen ein Revival erleben, begeistern aber auch heute noch jüngere Generationen. Nach den kargen Jahren von Konzeptkunst und Minimalismus äußern sich die Neuen Wilden nun auf bunte und vor
allem auch sehr experimentelle Weise. Entdeckung und die Freude am Neuen stehen im Vordergrund. Ein Versuchslabor, das auch vor Kitsch und Pathos keinerlei Berührungsängste mitbringt. Mehr noch: Als sicheres Zeichen von Selbstreflektion, vielleicht auch als Augenzwinkern, wird der Finger dorthin gelegt, wo sich die massentauglich inszenierte Gesellschaft etwas zu ernst nimmt.

In der bildenden Kunst macht sich das „Anything Goes“ des anarchistisch denkenden Österreichers Paul Feyerabend durch stilistischen Reichtum bemerkbar. Der sogenannte Hunger nach Bildern, der diese Dekade einläutete und sich in den expressiven Gesten der Jungen Wilden auf großformatigen Leinwänden widerspiegelt, ist nur als Gegenbewegung zu den minimalistischen und konzeptuellen Strömungen der 1960er und 1970erJahre verständlich. „Die Kunst wuchert, zeugt Triebe und Filiationen, bildet Knotenpunkte und Verästelungen“, schreibt der Herausgeber des damals angesagten Kunstmagazins „Wolkenkratzer“ Wolfgang Max Faust. Nun steht Abstraktion neben greifbarer Figuration, Emotion neben rationaler Kühle. Die neuen Medien, das anbrechende digitale Zeitalter bringen eine neue Kunst der Chiffre, Fiktion und Kopie hervor.

David Salle: Room with blue statue, 1986. Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien, 2021

Francesco Clemente: Hermaphrodite, 1985. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Francesco Clemente

Isolde Joham: Electric Rider, 1981. Privatsammlung © Isolde Joham | Bild: Olga Pohankova

Bruce Nauman: Sex and Death by Murder and Suicide,1985. Emanuel Hoffmann-Stiftung, Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel © Bruce Nauman/ Bildrecht, Wien, 2021. Bild: Bisig & Bayer, Basel

Die 1980erJahren, die von Jeff Koons und Jenny Holzer über JeanMichel Basquiat und Keith Haring bis zu Cindy Sherman und Richard Prince reichen, sind die Wiege der Kunst von heute. Fragen der Aneignung und der Autorschaft werden genauso diskutiert wie Kritik an der Konsumkultur. Das Oeuvre von österreichischen Kunstschaffenden wie Brigitte Kowanz und Erwin Wurm über Herbert Brandl und Maria Lassnig bis zu Franz West und Peter Kogler gliedert sich in der Ausstellung „The 80s.“ mühelos in den Kanon eines internationalen Staraufgebots ein. Vertreter sind unter anderem Jean Michel Basquiat, Jeff Koons, Keith Haring, Robert Longo, Cindy Sherman, Sherrie Levine und Jenny Holzer. Ihre Kunst bezeichnet einen wichtigen Wendepunkt in der jüngeren Kunstgeschichte.

Aber nicht nur die Hauptvertreter der amerikanischen Picture Generation und der Approbiation Art zeigt die Ausstellung über die 80erJahre, sondern auch die wichtigsten Exponenten der italienischen Transavantgarde wie Francesco Clemente und Sandro Chia, und auch dem bis heute einflussreichen deutschen Beitrag dieses Jahrzehnts, Martin Kippenberger und Albert Oehlen, sowie die wichtigsten österreichischen KünstlerInnen der 80erJahre, Brigitte Kowanz und Isolde Joham, daneben Brandl, Schmalix, Scheibl und Moosbacher. Als Hauptvertreter der Neuen Wilden, Rockenschaub und Peter Kogler als Vertreter des Neo Geo und der Installationskunst. Einzelfiguren wie Franz West, Erwin Wurm und Maria Lassnig werden eine herausragende Rolle spielen in diesem Überblick über das in seiner Bedeutung für die Gegenwartskunst gar nicht zu überschätzenden Jahrzehnt.

Weitere Online-Führungen gibt es unter anderem zu den Schauen „American Photography“ (www.mottingers-meinung.at/?p=47267) oder „Modigliani“ (www.mottingers-meinung.at/?p=47693).

www.albertina.at/albertina-modern/ausstellungen/digital

Online-Workshops für TeilnehmerInnen ab 14 Jahren

Wer sich selbst mit Pinsel oder Bleistift beweisen will, dem bietet die Albertina Online-Workshops, in denen unterschiedliche Techniken sowie künstlerische Themen im Mittelpunkt stehen. Bei Hands on gestaltet man ein expressives Porträt einer Hand in Acrylfarben. Vom wohl berühmtesten Hasen der Albertina (Albrecht Dürers aus der Sammlung Albertina) lässt man sich bei Aquarell & Hase inspirieren. Alles andere als leise wird ein Stillleben in Pastellkreide nach Vorbildern der Ausstellung „Monet bis Picasso“ ausfallen. Die Vielfalt grafischer Techniken lotet das Programm Schwarz/Weiß aus. Die Workshops dauern 1,5 Stunden und richten sich an alle ab 14 Jahren. Die Materialien erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einige Tage vor Termin per Post. Die Teilnahmegebühr beträgt 28 Euro. Mehr Informationen hat die Albertina Kunstvermittlung: besucher@albertina.at

shop.albertina.at/de/online-programme/workshopsonline

24. 11. 2021

Albertina modern: THE 80s. Die Kunst der 80er Jahre

Oktober 11, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Jungen Wilden und ihre „Heftige Malerei“

Gilbert & George: We Are, 1985. Collection Thaddaeus Ropac, London · Paris · Salzburg · Seoul © Gilbert & George / © Bildrecht, Wien 2021

Die Ausstellung „The 80s“ in der Albertina modern präsentiert ab 10. Oktober mehr als 160 Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die nicht nur dieses Jahrzehnt bestimmten, sondern deren Schaffen weit in die Kunst des 21. Jahrhunderts vorausreicht. Die 1980er: Es ist das Zeitalter des (Neo-)Liberalismus, der nun endgültig in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft angekommen ist. Margaret Thatcher und Ronald Reagan regieren mit konservativen

Kräften den anglo-amerikanischen Raum. Das Aufkommen der ersten PCs, von Videospielen, Globalisierung, der Öffnung der nationalen Grenzen und steigende Mobilität suggerieren eine Welt in relativer Harmonie. Kino-Besucherrekorde, technischer Fortschritt und die Verlockungen des Konsums versprechen eine rosige Zukunft. Auch vom Ende der Geschichte, einem saturierten, westlich dominierten Weltbild ist da und dort die Rede. Und doch: Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist nur ein junges Menschenleben entfernt. Nach vorne drängt eine Generation, die genug vom Nachkriegsmuff hat. Eine Generation, der Wohlstand und Gemütlichkeit keineswegs genügen. Wer sich nicht zu sehr ablenken lässt, erkennt eine Welt im OstWestKonflikt, spürt den Druck der atomaren Aufrüstung oder ist durch die Friedensbewegung und die deutsche Wiedervereinigung geprägt.

Es ist ein Jahrzehnt der Rebellion, aus den Radios ertönt Elektromusik mit sinnlosen Texten, Wave und Punk zeigen der Gesellschaft offen ihren Unmut. Aus dem Untergrund erwächst eine Avantgarde, die experimentiert, in Frage stellt und einen Spiegel vorhält. Die Kunst der 1980er ist bunt und facettenreich. Sie kann alles sein, nur eines nicht: langweilig. In den Achtzigerjahren wurde plötzlich alles möglich. Die großen gesellschaftlichen und politischen Umbrüche sind auch in der Kunst deutlich sichtbar. Künstlergruppen brechen mit dem festgefahreren Kunstbetrieb, entthronen die Avantgarde: Die „Jungen Wilden“ entdecken die bildende Kunst neu und stellen ebenso selbstbewusst wie gesellschaftlich engagiert unter dem Begriff „Heftige Malerei“ aus.

Jeff Koons: Bear and Policeman, 1988. Kunstmuseum Wolfsburg © Jeff Koons. Bild: Gautier Deblonde

Izhar Patkin: Don Quijote Segunda Parte, 1987. Privatsammlung © Izhar Patkin

Mike Kelley: Estral Star #3, 1989. Sammlung Ringier, Schweiz © Bildrecht, Wien 2021. Bild: Gerhard Born

Nicht eine Geschichte, sondern viele kleine Erzählungen bestimmen die 1980erJahre. Vielfalt im Denken und Handeln, Wissen und Glauben haben Hochkonjunktur. Grenzerweiterungen in vielerlei Hinsicht und Vernetzung gehören zu den wesentlichen Kennzeichen dieser Zeit. Wie kaum ein anderes Jahrzehnt haben sich die Achtzigerjahre ins Gedächtnis derjenigen eingebrannt, die diese Dekade erlebten. Die schrillen Retrovisionen, die in zyklischen Abständen ein Revival erleben, begeistern aber auch heute noch jüngere Generationen. Nach den kargen Jahren von Konzeptkunst und Minimalismus äußern sich die Neuen Wilden nun auf bunte und vor
allem auch sehr experimentelle Weise. Entdeckung und die Freude am Neuen stehen im Vordergrund. Ein Versuchslabor, das auch vor Kitsch und Pathos keinerlei Berührungsängste mitbringt. Mehr noch: Als sicheres Zeichen von Selbstreflektion, vielleicht auch als Augenzwinkern, wird der Finger dorthin gelegt, wo sich die massentauglich inszenierte Gesellschaft etwas zu ernst nimmt.

In der bildenden Kunst macht sich das „Anything Goes“ des anarchistisch denkenden Österreichers Paul Feyerabend durch stilistischen Reichtum bemerkbar. Der sogenannte Hunger nach Bildern, der diese Dekade einläutete und sich in den expressiven Gesten der Jungen Wilden auf großformatigen Leinwänden widerspiegelt, ist nur als Gegenbewegung zu den minimalistischen und konzeptuellen Strömungen der 1960er und 1970erJahre verständlich. „Die Kunst wuchert, zeugt Triebe und Filiationen, bildet Knotenpunkte und Verästelungen“, schreibt der Herausgeber des damals angesagten Kunstmagazins „Wolkenkratzer“ Wolfgang Max Faust. Nun steht Abstraktion neben greifbarer Figuration, Emotion neben rationaler Kühle. Die neuen Medien, das anbrechende digitale Zeitalter bringen eine neue Kunst der Chiffre, Fiktion und Kopie hervor.

David Salle: Room with blue statue, 1986. Albertina, Wien – The Essl Collection © Bildrecht, Wien, 2021

Francesco Clemente: Hermaphrodite, 1985. Albertina, Wien – The Jablonka Collection © Francesco Clemente

Isolde Joham: Electric Rider, 1981. Privatsammlung © Isolde Joham | Bild: Olga Pohankova

Bruce Nauman: Sex and Death by Murder and Suicide,1985. Emanuel Hoffmann-Stiftung, Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel © Bruce Nauman/ Bildrecht, Wien, 2021. Bild: Bisig & Bayer, Basel

Die 1980erJahren, die von Jeff Koons und Jenny Holzer über JeanMichel Basquiat und Keith Haring bis zu Cindy Sherman und Richard Prince reichen, sind die Wiege der Kunst von heute. Fragen der Aneignung und der Autorschaft werden genauso diskutiert wie Kritik an der Konsumkultur. Das Oeuvre von österreichischen Kunstschaffenden wie Brigitte Kowanz und Erwin Wurm über Herbert Brandl und Maria Lassnig bis zu Franz West und Peter Kogler gliedert sich in der Ausstellung „The 80s.“ mühelos in den Kanon eines internationalen Staraufgebots ein. Vertreter sind unter anderem Jean Michel Basquiat, Jeff Koons, Keith Haring, Robert Longo, Cindy Sherman, Sherrie Levine und Jenny Holzer. Ihre Kunst bezeichnet einen wichtigen Wendepunkt in der jüngeren Kunstgeschichte.

Aber nicht nur die Hauptvertreter der amerikanischen Picture Generation und der Approbiation Art zeigt die Ausstellung über die 80erJahre, sondern auch die wichtigsten Exponenten der italienischen Transavantgarde wie Francesco Clemente und Sandro Chia, und auch dem bis heute einflussreichen deutschen Beitrag dieses Jahrzehnts, Martin Kippenberger und Albert Oehlen, sowie die wichtigsten österreichischen KünstlerInnen der 80erJahre, Brigitte Kowanz und Isolde Joham, daneben Brandl, Schmalix, Scheibl und Moosbacher. Als Hauptvertreter der Neuen Wilden, Rockenschaub und Peter Kogler als Vertreter des Neo Geo und der Installationskunst. Einzelfiguren wie Franz West, Erwin Wurm und Maria Lassnig werden eine herausragende Rolle spielen in diesem Überblick über das in seiner Bedeutung für die Gegenwartskunst gar nicht zu überschätzenden Jahrzehnt.

Virtuelle Eröffnung: www.youtube.com/watch?v=r8kPCopiNv8           www.albertina.at

10. 10. 2021

Lilli Hollein wird die neue MAK-Chefin

April 26, 2021 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Designexpertin folgt auf Christoph Thun-Hohenstein

Lilli Hollein. Bild: © BMKÖS/HBF/Karlovits

Lilli Hollein wird mit 1. September Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin des Museums für angewandte Kunst Wien. Das gab Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer am Montagvormittag bekannt. Die 48-jährige Designexpertin war als Favoritin für die Nachfolge von Christoph Thun-Hohenstein genannt worden, dessen zweite Amtsperiode Ende August ausläuft.

Hollein hat „einerseits durch das breite Spektrum an Themen überzeugt und andererseits durch ihre klaren Ideen zur Öffnung des Hauses. Sie verfügt über die nötige Kompetenz, viel Erfahrung, Lebensfreude und eine hohe soziale Intelligenz. All diese Qualitäten sind für die Führung eines Bundesmuseums in der post-pandemischen Zeit wichtig“, so Mayer. Hollein stehe für Teamfähigkeit, ein dynamisches, mutiges Management, sei bestens vernetzt und genieße das Vertrauen der Kunstszene. Das MAK verfügt über einen Teil des Nachlasses von Holleins Vater, des Architekten Hans Hollein, angekauft von Kulturminister Josef Ostermayer, doch, so Andrea Mayer: „Ich bin der Meinung, es darf für hoch qualifizierte Töchter berühmter Väter keine beruflichen Nachteile geben“. Lilli Hollein ist außerdem die Schwester des Chefs des New Yorker Metropolitan Museum, Max Hollein.

Lilli (Karoline) Hollein wurde 1972 in Wien geboren, studierte an der Universität Wien Psychologie und danach an der Angewandten Industriedesign, wo sie mit ihrer Diplomarbeit „Variables Ausstellungssystem“ abschloss. Sie arbeitete als Fachjournalistin, war Projektmanagerin und Kuratorin für Architektur- und Designausstellungen für die Kunsthalle Krems, die Berliner Galerie Aedes und die Designzone Looshaus. 2007 war sie nach Ernennung durch Kulturministerin Claudia Schmied Kommissärin des Österreich-Beitrags auf der Architektur-Biennale Sao Paulo, wo sie die junge Architektengruppe „feld72“ präsentierte.

Sie gründete gemeinsam mit Tulga Beyerle und Thomas Geisler den Verein „Neigungsgruppe Design“ und die Vienna Design Week, die sie seit 2013 alleine leitet und die sich zu einer international vielbeachteten Initiative entwickelt hat, die zuletzt bei 200 Veranstaltungen an die 40.000 Besucherinnen und Besucher zählte. 2017 wurde sie Mitglied des Kuratoriums des Museums moderner Kunst Sammlung Ludwig/mumok, eine Funktion, die sie nun zurückgelegt, und Anfang 2020 Kuratoriumsvorsitzende des MAK, eine Aufgabe, die sie bereits im Jänner abgab. Dem Standard sagte sie dazu, mögliche Interessenkonflikte im Zusammenhang mit einer für 2022 geplanten großen Hans-Hollein-Ausstellung im MAK seien der Grund dafür.

Nächste Ausstellung des Hauses ist mit Eröffnung am 8. Mai „Erwin Wurm. Dissolution“, die erstmals die Keramik-Skulpturen der Serie im musealen Kontext zeigt und gleichzeitig der Startschuss für den neuen MAK-Ausstellungsort, das als Expositur geführte Wiener Geymüllerschlössel ist.

www.mak.at

26. 4. 2021