ORF 2 / kreuz und quer: Ein Rabbiner, ein Priester und ein Imam – drei geistliche Herren am Herd

April 5, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Speisen wie die Götter – Ein himmlisches Kochduell

Rabbiner Schlomo Hofmeister, Pfarrer Johannes Freitag, Imam Ramazan Demir und Haubenköchin Sissy Sonnleitner. Bild: © ORF/Metafilm

Treffen sich ein Priester, ein Imam und ein Rabbiner … Was beginnt wie ein Witz, ist in diesem Fall der Beginn einer interreligiösen Kochshow. Pfarrer Johannes Freitag, Imam Ramazan Demir und Rabbiner Schlomo Hofmeister treten in der neuen, von Metafilm produzierten „kreuz und quer“-Dokumentation „Speisen wie die Götter“ von Jennifer Rezny und Florian Gebauer am 6. April um 22.35 Uhr in ORF 2 gemeinsam

gegen Haubenköchin Sissy Sonnleitner in „Ein himmlisches Kochduell“ an. Ein Wettbewerb gewürzt mit zwischenmenschlicher Wärme, kritischer Auseinandersetzung und einer gehörigen Prise Humor. Die drei Geistlichen kochen gemeinsam ein selbst kreiertes, mehrgängiges Menü und messen damit ihre Künste mit denen von Sissy Sonnleitner, die die gleiche Speisenfolge zubereitet. Für die Fertigstellung der Mahlzeiten haben sie vier Stunden Zeit. Am Ende bewertet eine dreiköpfige Jury, bestehend aus Burgtheater-Schauspielerin Maria Happel, Lebensmittel-Unternehmerin Theresa Imre sowie Gastrosoph und Buchverleger Lojze Wieser, das Ergebnis und kürt einen Sieger.

Bild: © ORF/Metafilm

Bild: © ORF/Metafilm

Bild: © ORF/Metafilm

Bild: © ORF/Metafilm

Dass es zwischen der Profi- und den Laien-Köchen Unterschiede gibt, liegt auf der Hand: Die drei Herren sind zwar zahlenmäßig in der Überzahl, doch Sissy Sonnleitner hat ihnen 52 Jahre Kocherfahrung voraus. Sich dieses Nachteils durchaus bewusst, legen sich Imam Demir, Pfarrer Freitag und Rabbiner Hofmeister mit beherztem Engagement, sichtlichem Ehrgeiz und vereinten Kräften richtig ins Zeug.

Rabbiner Hofmeister kümmert sich um einen orientalischen Vorspeisenteller, Pfarrer Freitag bereitet eine steirische Erdäpfel-Pilzsuppe zu und Imam Demir widmet sich der Nachspeise nach einem Rezept seiner Frau: Dattelbällchen mit Dattelcreme. Bei der Zubereitung der Hauptspeise, Lammschulter mit Couscous und Spinat, helfen alle drei Herren zusammen. Für die erfahrene Gastronomin Sonnleitner wird dieselbe Menüfolge unter anderem auch deshalb schon ein bisschen zur Herausforderung.

Gesegnete Mahlzeit! Bild: © ORF/Metafilm

Auch wenn Wettbewerbsflair in der Luft liegt, die drei Köche und die Köchin wachsen während des Koch-Events immer mehr zusammen. Ein angeregter Austausch über Familie, Berufung, Lieblingsgerichte, Speisevorschriften wie Halal und Koscher, Fasten und über die Rolle der Frau in den drei großen Religionen entsteht nebenbei. Im Mittelpunkt steht aber die Freude. Es wird viel gelacht beim himmlischen Koch-Contest …

tv.orf.at/program/orf2

5. 4. 2021

Karfreitag: Neun Symphonieorchester musizieren vereint

März 29, 2021 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Haydns „Sieben letzte Worte“ als Zeichen der Hoffnung

Bild: pixabay.com

Sieben Sätze plus Vor- und Nachspiel, neun Orchester: Aus dieser Kombination entstand ein bis dato einzigartiges Konzertprojekt, das erstmals alle Landesorchester Österreichs sowie das ORF Radio-Symphonieorchester Wien gemeinsam auf die virtuelle Bühne bringt. Joseph Haydns instrumentale Passionsmusik „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz“ wurde von den teilnehmenden Klangkörpern jeweils in Eigenregie als Filmaufnahme produziert und anschließend

zu einem Gesamtwerk zusammengefügt, das am Karfreitag, 2. April, in ORF III ausgestrahlt und danach auf den Plattformen der Orchester veröffentlicht wird. Für alle Klangkörper, die sich als kulturelle Grundversorger der Menschen in Österreich und als musikalische Botschafter ihrer Bundesländer verstehen, ist dies ein höchst willkommenes Projekt, eines der eindringlichsten, anrührendsten und zugleich populärsten Werke Haydns miteinander in den digitalen Konzertsaal zu bringen.

Die Mitwirkenden setzen mit dieser Aktion ein Zeichen der Hoffnung und des künstlerischen Lebenswillens und signalisieren ihre Solidarität mit allen Kultureinrichtungen in Österreich. Sie verstehen diese noch nie dagewesene Zusammenarbeit als Ausdruck ihres Bestrebens, den Menschen emotionalen Halt, geistige Anregung und Freude zu schenken – besonders in Zeiten geschlossener Kultureinrichtungen.

Die teilnehmenden Orchester sind:

L’Introduzione. Maestoso ed Adagio: Mozarteumorchester Salzburg, Dirigent: Riccardo Minasi, Große Universitätsaula Salzburg. Sonata I. Largo: „Vater, vergib ihnen“: Bruckner Orchester Linz, Dirigent: Markus Poschner, Musiktheater Linz. Sonata II. Grave e cantabile: „Fürwahr, ich sag es dir“: Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, Dirigent: Wayne Marshall, Festspielhaus St. Pölten. Sonata III. Grave: „Frau, hier siehe deinen Sohn“: Symphonieorchester Vorarlberg, Dirigent: Emmanuel Tjeknavorian,  Festspielhaus Bregenz. Sonata IV. Largo: „Mein Gott, mein Gott“: Grazer Philharmoniker, Dirigent: Roland Kluttig, Oper Graz. Introduzione 2 (aus der Oratoriums-Fassung): ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigentin: Marin Alsop, Schloss Esterházy. Sonata V. Adagio: „Ach, mich dürstet“: Kärntner Sinfonieorchester, Dirigent: Nicholas Carter, Stadttheater Klagenfurt. Sonata VI. Lento: „Es ist vollbracht“: Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, Dirigent: Kerem Hasan, Haus der Musik Innsbruck. Sonata VII. Largo: „In deine Hände“. Terremoto. Presto con tutta la forza: Wiener Symphoniker, Dirigent: Andrés Orozco-Estrada, Wiener Konzerthaus.

„Instrumentalmusik über die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuz, bestehend aus sieben Sonaten mit einer Einleitung und einem Erdbeben am Ende“: So lautet übersetzt der italienische Originaltitel der Wiener Erstausgabe, die 1787 erschien und sogleich von Ensembles in ganz Deutschland gekauft und aufgeführt wurde. Joseph Haydn komponierte das neunteilige Werk 1786/87 im Auftrag der spanischen Stadt Cádiz für deren Karfreitagszeremonien. Ebenso bekannt wie die Orchesterfassung wurde Haydns Arrangement für Streichquartett. Erst um 1796 finalisierte er seine dritte, diesmal oratorische Fassung für Soli, Chor und Orchester – mit dem deutschen Text von Gottfried van Swieten.

Haydns „Andachtsmusik“ auf die letzte Botschaft Jesu, seine sieben in den Evangelien verbürgten Worte am Kreuz, umfasst die musikalische Ausdeutung der bei der Kreuzigung ausgesprochenen Sätze. Sie reichen von der innigen Bitte um Vergebung über das Sterbewort des Lukasevangeliums als Ausdruck kindlichen Gottvertrauens bis hin zum abschließenden „Terremoto“, dem Erdbeben beim Jüngsten Gericht. Die thematische Idee zu jeder der sieben Sonaten zwischen Introduktion und Erdbeben ist aus dem jeweiligen lateinischen Erlöserwort abgeleitet; beim Hören lässt sich die lateinische Deklamation in den Anfangsmotiven der Sätze mitdenken. Aufgrund seiner sprachlosen Wortgewalt, erzielt durch naturalistische Klangeffekte und enorme dynamische Polarisierung, überzeugte der Passionszyklus schon Haydns Zeitgenossen; der Komponist selbst soll ihn für eine seiner besten Arbeiten gehalten haben.

Sendetermin in ORF III: 2. April, 9 Uhr. tv.orf.at/orfdrei

Streamingtermin: 2. April, 20 Uhr, auf den Facebook- und YouTube-Kanälen aller teilnehmenden Orchester, danach on demand. www.bruckner-orchester.at     www.oper-graz.com     www.stadttheater-klagenfurt.at     www.mozarteumorchester.at     www.rso.orf.at     www.sov.at     www.tsoi.at     www.tonkuenstler.at     www.wienersymphoniker.at

29. 3. 2021

Doppelpremiere im Dschungel Wien

Mai 8, 2013 in Tipps

„Bär und Maulwurf“ und „Das siebte Kreuz“

Ein Tag, zwei Uraufführungen: Am 13. Mai ist im Dschungel Wien für Kinder und Jugendliche fast aller Altersstufen Programm.

Gestartet wird um 18 Uhr mit der Uraufführung von „Bär und Maulwurf“ für ein junges Publikum ab 5 Jahren. Dieses 60-minütige Theaterstück basiert auf den beiden Kinderbüchern „Der Bär, der ein Bär bleiben wollte“ und „Der Maulwurf Grabowski“, die von der Wiener Formation werk89 zusammengeführt werden. Bär und Maulwurf leben in einer idyllischen Welt, bis die beiden eines Tages aufwachen und feststellen, dass sich ihre Heimat verändert. Menschen vermessen mit eigenartigen Gegenständen die Landschaft. Kurz darauf folgen Bagger und Baufahrzeuge. Es entstehen Wohnhäuser und Tiefgaragen und eine riesige Fabrik wird gebaut. Wiese, Bäume, Blumen müssen dem Menschen weichen. Und Bär wird sogar verpflichtet in der neuerrichteten Fabrik mitzuarbeiten – obwohl er viel lieber seinen heiß geliebten Winterschlaf halten würde. Mit „Bär und Maulwurf“ legt Michael Alexander Pöllmann nach „Dirty Rich“ (2011) und „Katja und Kotja“ (2012) seine dritte Regiearbeit für werk89 vor. „Dirty Rich“ wurde mit dem ersten Preis des OFFSPRING.contest 2010 (Szene Bunte Wähne) ausgezeichnet und „Katja und Kotja“ mit dem Jungwild-Förderpreis für junges Theater 2012 prämiert.

Das siebte Kreuz Bild © Karl Wozek

Das siebte Kreuz
Bild © Karl Wozek

Dem folgt um 19.30 Uhr mit „Das siebte Kreuz“ (ab 14 Jahren) die neueste Inszenierung von Karl Wozek (theater-wozek) nach dem gleichnamigen Roman von Anna Seghers. Das Stück begibt sich in das Jahr 1937 und erzählt vom Schicksal Georg Heislers und sechs seiner Mitgefangenen im Konzentrationslager Westhofen bei Worms. Dieser 1942 zuerst in englischer Sprache, kurz darauf in einem mexikanischen Exilverlag in deutscher Sprache erschienene Roman, machte die Autorin weltberühmt. Er wurde zu einem Bestseller. Der aus Österreich emigrierte Regisseur Fred Zinnemann verfilmte „Das siebte Kreuz“ 1944 in den USA. Das Stück richtet sich an ein junges Publikum ab 14 Jahren.

1937 bricht Georg Heisler mit sechs Mitgefangenen aus dem Konzentrationslager Westhofen bei Worms aus. Der KZ-Kommandant Fahrenberg befiehlt, die Entflohenen innerhalb von sieben Tagen zu fangen. Er lässt die Kronen von sieben Bäumen kappen und an den Stämmen in Schulterhöhe je einen Querbalken anbringen, so dass sieben Kreuze entstehen – eines für jeden Flüchtigen. Sechs der Entflohenen werden entweder gefasst oder kommen auf der Flucht um, doch das siebte Kreuz bleibt frei. Georg Heisler gelingt die Flucht. Das theater-wozek interpretiert Seghers Werk aus dem heutigen gesellschaftlichen/globalen Kontext heraus und präsentiert eine Dramatisierung, die es dem (jungen) Publikum ermöglicht, Parallelen zu unserer Zeit zu erkennen. Auch Anna Seghers Leben fließt ein: 1900 in Mainz geboren, Jüdin, Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands und des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller. Flucht vor den Nationalsozialisten über die Schweiz nach Frankreich, schließlich Exil in Mexiko, 1947 Rückkehr nach Deutschland und 1950 Umzug nach Ost-Berlin. Gründungsmitglied der Deutschen Akademie der Künste und Präsidentin des Schriftstellerverbandes der DDR.

www.dschungelwien.at

Von Michaela Mottinger

Wien, 8. 5. 2013