Die Vereinigten Bühnen Wien im Live-Onlinekonzert

Mai 1, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Die Stars singen Hits von „Cats“ bis „Elisabeth“

Carin Filipčić, Oedo Kuipers, Milica Jovanović, Thomas Borchert, Maya Hakvoort, Lukas Perman, Drew Sarich, Mark Seibert und Dominik Hees. Bild: Bild: © Fidelio

Am 3. Mai präsentieren ORF III, Ö1 und die Klassikplattform fidelio ab 20.15 Uhr den dritten der hochkarätigen Musik- abende live aus dem Großen Sendesaal des RadioKultur- hauses. Nach dem fulminanten Auftakt mit Operngrößen wie Anna Netrebko, Jonas Kaufmann und Juan Diego Flórez und der Fortsetzung mit der Volksoper laden nun die Stars der Vereinigten Bühnen Wien auf eine Reise durch die Welt der Musicals.

Den Abend eröffnet Lukas Perman, der auch durch denselben führt, mit der Nummer „A bisserl für’s Hirn“ aus „Mozart!“. Carin Filipčić, die erst kürzlich noch als Grizabella in „Cats“ auf der Bühne stand und im Live-Konzert den Welthit „Erinnerung“ zum Besten geben wird, singt mit „Gold von den Sternen“ außerdem eine der wohl beliebtesten Balladen des Musicals „Mozart!“. Per Videogruß meldet sich Oedo Kuipers mit der bewegenden „Mozart!“-Melodie „Warum kannst du mich nicht lieben?“. Stimmgewalt braucht es für den Titelsong „Rebecca“ aus dem gleichnamigen Musical – dargeboten von Musical-Ikone Maya Hakvoort, die auch in ihrer Paraderolle als Kaiserin in „Elisabeth“ mit den Liedern „Ich gehör’ nur mir“ und „Nichts!“ glänzen wird. Drew Sarich präsentiert aus derselben Produktion in der Rolle des Luigi Lucheni „Kitsch!“ sowie in der Partie des Tods „Der letzte Tanz“.

Gänsehaut-Momente aus dem internationalen Musical-Erfolg „Tanz der Vampire“ garantieren „Die unstillbare Gier“ des Grafen von Krolock – ebenfalls gesungen von Drew Sarich – und die romantische Ballade „Für Sarah“, dargeboten von Lukas Perman. Aus dem VBW-Musical „Schikaneder“ präsentieren Milica Jovanović und Dominik Hees die Hymne des Musicals „Träum groß“. Mark Seibert schickt einen musikalischen Gruß mit der Nummer „Letzter Vorhang“. Jovanović und Hees singen außerdem „Liebe endet nie“ aus „Der Besuch der alten Dame“ und aus „Don Camillo und Peppone“ das Duett „Du und ich auf einer Insel“. Und auch Musical-Star Thomas Borchert sendet mit „36 Häuser“ in der Rolle des Don Camillo eine musikalische Videobotschaft. Zum Finale darf man sich auf die beliebtesten Hits aus „I am from Austria“ freuen – dargeboten von Lukas Perman und Carin Filipčić. Außerdem gibt es internationale Grüße aus Korea, Japan und Paris.

Konzert-Conférencier Lukas Perman und Iréna Flury in „I am from Austria“. Bild: Deen van Meer/VBW

The one and only „Elisabeth“ Maya Hakvoort. Bild: © Schloss Schönbrunn, Wien. Moritz Schell/VBW

Dominik Hees als rebellischer „Cats“-Rockstar Rum Tum Tugger. Bild: Deen van Meer/VBW

Milica Jovanovic und Mark Seibert als Eleonore und Emanuel „Schikaneder“. Bild: Rafaela Proell/VBW

Anschließend an das Live-Konzert bringt ORF III eine Aufzeichnung von „I am from Austria“. Gezeigt wird die Original-Inszenierung von Andreas Gergen, die 2017 ihre Weltpremiere im Raimund Theater hatte. Die Autoren Titus Hoffmann und VBW-Musical-Intendant Christian Struppeck kreierten aus mehr als 20 Hits von Rainhard Fendrich, darunter „Macho Macho“, „Es lebe der Sport“, „Strada del Sole“ und natürlich „I am from Austria“, ein fröhlich-freches Stück voller Romantik, Überraschungen und Situationskomik. In den Hauptrollen sind Iréna Flury, Lukas Perman, Elisabeth Engstler, Andreas Steppan, Dolores Schmidinger und Martin Bermoser zu sehen.

Für September ist dann „Miss Saigon“ mit Newcomerin Vanessa Heinz und VBW-„Mozart“ Oedo Kuipers als große Wiedereröffnungs-Premiere im Raimund Theater geplant. Trailer: www.youtube.com/watch?v=YLA-byCZT4A

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1. 5. 2020

Volksoper: Die Publikumslieblinge im Live-Onlinekonzert

April 24, 2020 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Meisterwerke der Operette und Musical-Evergreens

Bild: © Fidelio

Am 26. April präsentieren ORF III, Ö1 und die Klassikplattform fidelio ab 20.15 Uhr den zweiten von vorerst drei hochkarätigen Musikabenden live aus dem Großen Sendesaal des RadioKultur- hauses. Auf dem Programm stehen Meisterwerke der goldenen und silbernen Operettenära sowie zwei Musical-Evergreens. Johanna Arrouas, Martina Mikelić, Rebecca Nelsen, Ursula Pfitzner, Kristiane Kaiser,

Alexandre Beuchat, Ben Connor, Oliver Liebl, Carsten Süss und Vincent Schirrmacher singen Arien und Duette von Jahresregent Franz Lehár, dessen Geburtstag sich zum 150. Mal jährt, sowie aus dem Werk von Johann Strauß, Emmerich Kálmán und Ralph Benatzky. Alexandre Beuchat eröffnet den Abend mit „Da geh ich zu Maxim“ aus Franz Lehárs „Die lustige Witwe“, gefolgt von Rebecca Nelsen mit dem Vilja-Lied. Vincent Schirrmacher singt „Von Apfelblüten einen Kranz“ und „Dein ist mein ganzes Herz“ aus „Das Land des Lächelns“.

Per Videozuspielung von der Bühne der Volksoper ist Martina Mikelić mit „Ich lade gern mir Gäste ein“ aus der „Fledermaus“ zu erleben, gefolgt von Kristiane Kaiser aus dem RadioKulturhaus mit dem feurigen Csárdás der Rosalinde. Einen Ausflug ins Musicalfach macht Stefan Cerny mit „Ol’ Man River“ aus „Showboat“. Carsten Süss interpretiert „Komm Zigan“ aus Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ und gemeinsam mit Ursula Pfitzner das romantische Duett „Sag ja, mein Lieb, sag ja“.

Carsten Süss und Johanna Arrouas. Bild: © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Ursula Pfitzner. Bild: © Alfred Eschwé

Ben Connor und Rebecca Nelsen. Bild: © Barbara Pálffy / Volksoper Wien

Zwei Duette ganz unterschiedlichen Charakters aus der „Csárdásfürstin“ singen Johanna Arrouas und Ben Connor mit „Machen wir‘s den Schwalben nach“ sowie Ursula Pfitzner und abermals Ben Connor mit „Weißt du es noch“. Mit „Somewhere over the Rainbow“ aus „Der Zauberer von Oz“ träumt sich Johanna Arrouas in eine andere, bessere Welt. Und Oliver Liebl grüßt fröhlich per Zuspielung aus der Volksoper mit dem Schlager „Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin“ aus Ralph Benatzkys „Meine Schwester und ich“. Den Abend beschließen abermals Duette aus der „lustigen Witwe“, interpretiert von Johanna Arrouas und Vincent Schirrmacher mit „Wie eine Rosenknospe“ und Rebecca Nelsen und Alexandre Beuchat mit „Lippen schweigen“.

Begleitet werden die Solistinnen und Solisten von einem Streichquartett des RSO Wien mit Konzertmeister Peter Matzka, Primgeigerin Jue-Hyang Park, Bratschist Martin Kraushofer und Cellistin Solveig Nordmeyer. Am Klavier ist diesmal Volksopern-Korrepetitor Eric Machanic. Durch den Abend führt Christoph Wagner-Trenkwitz. Nach der Volksoper steht am 3. Mai das Konzert der Vereinigten Bühnen Wien an. Die Abende werden als Live-Stream und nach der TV-Ausstrahlung für sieben Tage als Video-on-Demand via ORF-TVthek kostenlos bereitgestellt.

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24. 4. 2020

Salzburger Festspiele 2016: Das Programm

November 5, 2015 in Bühne, Klassik

VON MICHAELA MOTTINGER

Eröffnung mit „The Exterminating Angel“

Florian Wiegand, Helga Rabl-Stadler und Sven-Eric Bechtolf Bild: Anne Zeuner

Florian Wiegand, Helga Rabl-Stadler und Sven-Eric Bechtolf
Bild: Anne Zeuner

Drei Neuinszenierungen im Bereich Oper, drei beim Schauspiel, eine Ouverture spirituelle, die sich mit der Musik der ostkirchlichen Christen befasst, und von Ensembles aus Russland, Armenien, Griechenland, aus dem Libanon, Ägypten und Äthiopien zum Klingen gebracht wird, das ist kurz umfasst das Programm der Salzburger Festspiele 2016.

Eröffnet werden die Festspiele am 28. Juli mit einer Opern-Uraufführung im Haus für Mozart. Diese ist jedoch immer noch nicht „Endspiel“ von György Kurtag, auf das man weiter warten muss, sondern The Exterminating Angel von Thomas Adès nach dem Buñuel-Film „Der Würgeengel“. Regie führt der Librettist Tom Cairns, der Komponist selbst dirigiert das ORF Radio-Symphonieorchester. Endspiel steht dennoch auf dem Spielplan – als Start des Schauspiel-Programms am 30. Juli im Salzburger Landestheater, mit Nicholas Ofczarek als Hamm und Michael Maertens als Clov. Regie bei dieser Koproduktion mit dem Burgtheater führt Dieter Dorn, hieß es bei der Programm-Pressekonferenz am 5. November in Salzburg, die zum letzten Mal von der „direktorialen Doppelspitze“, Präsidentin Helga Rabl-Stadler und künstlerischem Leiter Sven-Eric Bechtolf, gegeben wurde. Träume seien „kein Motto, aber eine geheime Überschrift“ des Gesamtprogramms, sagte Bechtolf, der außerdem das Auftragswerk „The Exterminating Angel“ als „ein Riesenprojekt“ und ein „großes Ensemblestück mit 21 Rollen“ ankündigte.

Die beiden weiteren Opern-Premieren sind die Liebe der Danae von Richard Strauss im Großen Festspielhaus. Alvis Hermanis inszeniert, Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker, Krassimira Stoyanova singt die Danae. Premiere ist am 31. Juli.  Sowie – erstmals bei den Festspielen – Faust von Charles Gounod. Reinhard von der Thannen übernimmt im Großen Festspielhaus Regie und Ausstattung, Alejo Pérez dirigiert die Wiener Philharmoniker, Piotr Beczala singt den Faust, Premiere ist am 10. August. Bechtolfs Da-Ponte-Zyklus wird 2016 „zu mancher Freude und zu manchem Ärger“, so Bechtolf markig, komplett gezeigt, davon die „Così“ aus dem Jahr 2013 als szenische Neueinstudierung in der Felsenreitschule. Sicher ein Highlight wird die von den Pfingstfestspielen übernommene West Side Story mit Cecilia Bartoli als Maria und Norman Reinhardt als Tony.

Auch im Schauspiel sind für 2016 zwei weitere Premieren angekündigt: Deborah Warner inszeniert Shakespeares Der Sturm auf der Perner-Insel mit Hans-Michael Rehberg als Prospero, offenbar ein Salzburger Evergreen, war doch dort erst bei Bechtolfs Amtsantritt  2012 eine Version von Irina Brook zu sehen (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=870). Die Warner-Fassung  gibt’s ab 2. August. Gerd Heinz zeigt im Landestheater Thomas Bernhards Der Ignorant und der Wahnsinnige, das 1972er-Uraufführungsskandalstück, das mit der Salzburger Notlicht-Affäre für Aufsehen sorgte. Premiere ist am 14. August, es spielen Johanna Wokalek die Königin der Nacht, Christian Grashof den Vater und Bechtolf höchstselbst den Doktor. Außerdem stehen das szenische Melodram Requiem für Ernst Jandl von Friederike Mayröcker und zwei Thomas-Bernhard-Lesungen von Hermann Beil und Tobias Moretti auf dem Programm. Wer neue Jedermann-Buhlschaft wird, wurde naturgemäß noch nicht verraten, aber immerhin, dass Eva Herzig die Rolle der Frau des Schuldknechts übernimmt. Nikolaus Rucker spielt nun Gott. Bisher war die Produktion von Brian Mertes und Julian Crouch immer sehenswert (Rezension: www.mottingers-meinung.at/?p=5043), das wird sie wohl auch bleiben.

Konzertchef Florian Wiegand lässt anlässlich der 200-jährigen Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich die Missa Salisburgensis von Heinrich Ignaz Franz Biber im Dom aufführen. Daniel Harding dirigiert zur Uraufführung des Auftragswerks Halleluja – Oratorium Balbulum von Peter Eötvös die Wiener Philharmoniker. Zu Gast in Salzburg sind außerdem das Concertgebouworkest Amsterdam, die Filarmonica della Scala, das Cleveland Orchestra und das Gewandhausorchester Leipzig. Den Komponisten Friedrich Cerha und György Kurtag, die 2016 ihren 90. Geburtstag feiern, sind Schwerpunkte gewidmet.

Insgesamt bieten die Salzburger Festspiele 2016 192 Aufführungen an 41 Tagen an 14 Spielstätten. Das Gesamtbudget liegt bei 60,54 Millionen Euro, die Kartenpreise liegen zwischen 5 und 430 Euro. Ab 2017 ist Markus Hinterhäuser als Intendant und Bettina Hering als Schauspielchefin für das künstlerische Programm verantwortlich. Rabl-Stadlers derzeitiger Vertrag endet nach den Festspielen 2017. Ob Kurtags ursprünglich schon für 2013 angekündigtes Werk bis dahin aufgeführt werden wird, steht nach wie vor in den Sternen. „Es geht ihm gut, er komponiert“, war alles, was Bechtolf weiß oder wissen ließ.

www.salzburgerfestspiele.at

Salzburg, 5. 11. 2015

Salzburger Festspiele 2014: Das Programm

November 7, 2013 in Buch, Bühne, Klassik

VON MICHAELA UND RUDOLF MOTTINGER

270 Vorstellungen in 45 Tagen an 16 Spielstätten

Jedermann: Cornelius Obonya (Jedermann), Brigitte Hobmeier (Buhlschaft) Bild: © Salzburger Festspiele / Forster

Jedermann: Cornelius Obonya (Jedermann), Brigitte Hobmeier (Buhlschaft)
Bild: © Salzburger Festspiele / Forster

Von 18. Juli bis 31. August finden die Salzburger Festspiele 2014 statt.

Das Programm:

DIE OPER

Viva la libertá! Die Eröffnungspremiere und erste Neuproduktion dieses Sommers heißt Don Giovanni. Sven-Eric Bechtolf und Christoph Eschenbach setzen ihren Mozart-da Ponte-Zyklus fort. Es singen und spielen herausragende Künstler wie Ildebrando d’Arcangelo, Genia Kühmeier, Anett Fritsch, Andrew Staples und Luca Pisaroni. Als Auftragswerk für die Salzburger Festspiele komponiert Marc-André Dalbavie die Oper Charlotte Salomon. Er dirigiert die Uraufführung in der Felsenreitschule, Luc Bondy inszeniert. Marianne Crebassa, die letztes Jahr in Lucio Silla überzeugte, interpretiert die Titelpartie der Charlotte, der 1917 in Berlin geborenen Malerin und Dichterin, die 1939 vor den Nationalsozialisten nach Südfrankreich flüchtete. Nach der Besetzung Südfrankreichs durch deutsche Truppen 1943 wurden Charlotte Salomon und ihr Mann denunziert und in Nizza verhaftet, in das Sammellager Drancy bei Paris verschleppt und in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo Charlotte ermordet und ihr Mann an den Folgen der unmenschlichen Haftbedingungen starb. Dalbavie teilt die Partie der Charlotte in eine Gesangs- und eine Sprechrolle. Die Besetzung der Sprechrolle wird später benannt. Richard Strauss, dessen Geburtstag sich am 11. Juni zum 150. Mal jährt, wird mit der 1911 uraufgeführten „Komödie für Musik“, Der Rosenkavalier, im Großen Festspielhaus Tribut gezollt. Erstmalig übernimmt Zubin Mehta die musikalische Leitung dieser Oper. Die Regie führt Harry Kupfer. Krassimira Stoyanova singt die Feldmarschallin, Sophie Koch ist als Octavian und Mojca Erdmann als Sophie zu hören. Günther Groissböck debütiert als Baron Ochs auf Lerchenau. Ein weiteres Fest für Stimmen und große Künstlerpersönlichkeiten lässt die Besetzung von Giuseppe Verdis Il trovatore mit Anna Netrebko als Leonore, Marie-Nicole Lemieux als Azucena, Francesco Meli als Manrico und Plácido Domingo als Conte di Luna erwarten. Daniele Gatti dirigiert, Alvis Hermanis inszeniert damit bei uns erstmals eine Oper des klassischen Repertoires. Franz Schuberts Oper Fierrabras in Salzburg zu produzieren war ein Herzenswunsch Alexander Pereiras, der musikalisch von Ingo Metzmacher am Pult und in der Regie von Peter Stein erfüllt wird. Besetzt ist diese wieder zu entdeckende Rarität mit Dorothea Röschmann, Julia Kleiter, Michael Schade, Markus Werba und Georg Zeppenfeld. Rossinis La Cenerentola mit Cecilia Bartoli in der Titelrolle, inszeniert von Damiano Michieletto und dirigiert von Jean-Christophe Spinosi, wird von den Salzburger Pfingstfestspielen übernommen. Elīna Garanča, Juan Diego Flórez und Ludovic Tézier geben sich dem Belcanto in einer konzertanten La Favorite von Donizetti hin. Nello Santi, der damit nach 50 Jahren wieder nach Salzburg zurückkehrt, dirigiert dabei das Münchner Rundfunkorchester. Im Projekt Tristan und Isolde bringen Waltraud Meier, Peter Seiffert, René Pape zusammen mit Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra das Vorspiel, den zweiten Aufzug und Isoldes Liebestod konzertant zur Aufführung.

DAS SCHAUSPIEL

Die Initiatoren der Salzburger Festspiele verstanden 1920, zwei Jahre nach Ende des Krieges, ihr Engagement als „Friedenswerk“. Nur wenige Jahre später mussten sie die Vergeblichkeit ihrer Bemühungen erleben. Natürlich empfinden die Festspiele die Verpflichtung, sich im Programm 2014 mit den Ereignissen zu beschäftigen, die zur Gründung der Festspiele führten. Den Anfang machen  Die letzten Tage der Menschheit von Karl Kraus. Dieses laut Kraus einem „Marstheater“ zugedachte Stück wird von Matthias Hartmann und dem Ensemble des Burgtheaters auf der Bühne des Salzburger Landestheaters gezeigt. Wo Karl Kraus mit den Mitteln der Realsatire ätzend und analytisch den Ungeist seiner Epoche entlarvt, erträumt sich Gustav Meyrink einen Einblick in die seelischen Abgründe seiner Zeitgenossen. Die alte jüdische Sage vom künstlichen, aus Lehm geformten Wesen ohne Seele wird bei Meyrink zu einer albtraumhaften Parabel über die ausweglose Fremdbestimmtheit der menschlichen Existenz. Die englische Theatergruppe 1927, mit ihrer Regisseurin Suzanne Andrade und dem für preisgekrönte Animationen verantwortlichen Paul Barritt, wird einen Golem unserer Tage auf die Bühne des Landestheaters bringen. Auf der Perner-Insel, Hallein, wird zuvor die englische Regisseurin Katie Mitchell, berühmt für ihre virtuose Verquickung von filmischen und theatralischen Mitteln,  The Forbidden Zone auf die Bühne bringen, u.a. nach Motiven aus Mary Bordens gleichnamigem Buch. Die Amerikanerin Borden arbeitete bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Krankenschwester für das französische Rote Kreuz. Später leitete sie ein eigenes Feldlazarett an der Westfront. Ebenfalls auf der Perner-Insel wird Ödön von Horváths Don Juan kommt aus dem Krieg in einer Inszenierung von Andreas Kriegenburg zu sehen sein. Horváth lässt Mozarts vitalen Verführer und Herzensbrecher krank, auf der Suche nach einer verlorenen Liebe in einer Welt der Inflation und Nachkriegswirren bleich und irrlichternd wiederauferstehen. Im YDP, dem Young Directors Project, zeigen die Festspiele in einer Koproduktion mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus Hinkemann, das expressionistische Meisterwerk von Ernst Toller, in einer Inszenierung des jungen serbischen Regisseurs Miloš Lolić. Der Salzburger Dichter Walter Kappacher hat für die Salzburger Festspiele ein Stück über den Salzburger Dichter Georg Trakl geschrieben. Es heißt Der Abschied und wird im YDP in der Regie von Nicolas Charaux uraufgeführt. Mit einem sehr humorvollen Orpheus, der Django Reinhardt verblüffend ähnlich sieht, ist das Little Bulb Theatre aus London in der Regie von Alexander Scott zu sehen. Und in einer Koproduktion mit Mozarteum werden die Studierenden der Schauspiel-, Bühnenbild- und Regieklassen der Universität Mozarteum unter der Leitung von Hans-Werner Kroesinger auf Spurensuche zwischen 1914 und 1918 gehen. Arbeitstitel: 36566 Tage. Darüber hinaus werden auch begleitende Lesungen zum Thema Erster Weltkrieg Teil des Programmes sein. Zusätzlich bereichert das Konzert mit einer Reihe von Veranstaltungen diesen Schwerpunkt. Und natürlich wird der neue Jedermann in gleicher Besetzung wie im vorhergehenden Jahr wieder auf dem Domplatz gespielt.

DAS KONZERT

Die Ouverture spirituelle steht zum dritten Mal am Beginn der Salzburger Festspiele. Den Mittelpunkt bilden geistliche Werke der christlichen Tradition verschiedener Epochen. Nach der Auseinandersetzung mit jüdischen und buddhistischen Werken in den beiden Vorjahren richtet sich im Sommer 2014 der Blick auf die vielfältigen musikalischen Ausprägungen in der Welt des Islam. Ein Sufi-Orden aus Kairo wird die Kollegienkirche mit Gesängen und Klängen von orientalischen Instrumenten erfüllen. Zu einem Dialog der Kulturen kommt es auch, wenn der Gambist und Musikwissenschaftler Jordi Savall sich in seinem Programm Bal.Kan (Honig und Blut) mit Musik dieser Region, die sich über vierhundert Jahre osmanischer Herrschaft entwickelt hat, beschäftigt. Der in Kairo geborene Komponist Hossam Mahmoud sowie der palästinensisch-israelische Komponist Samir Odeh-Tamimi stellen in ihren Auftragswerken für die Salzburger Festspiele den bekannten Sufi-Mystiker Mansur al-Hallağ ins Zentrum und schlagen die Brücke zu unserer Reihe Salzburg contemporary. In deren Zentrum stehen außerdem Marc-André Dalbavie und Wolfgang Rihm, die mit wichtigen Ensemble- und Orchesterwerken vertreten sind. Die Salzburger Festspiele haben an Wolfgang Rihm einen Kompositionsauftrag für ein Klavierkonzert vergeben, das Tzimon Barto uraufführen wird. Nach dem letztjährigen Mahler-Zyklus sind im Sommer 2014 die neun Symphonien Anton Bruckners zu hören. Die Wiener Philharmoniker spielen die dritte Symphonie und jene vier Symphonien, die das Orchester in Wien uraufgeführt hatte: die zweite, vierte, sechste und achte Symphonie. Richard Strauss, dessen Geburtstag sich 2014 zum 150. Mal jährt, ist im Konzertprogramm u.a. mit den Tondichtungen Tod und Verklärung und Also sprach Zarathustra mit den Wiener Philharmoniker unter Gustavo Dudamel vertreten sowie Ein Heldenleben mit dem Widmungsträger dieses Werkes, dem Concertgebouworkest Amsterdam unter Mariss Jansons. Die Liederabende, Solisten-  und Kammerkonzerte gestalten 2014 Pierre-Laurent Aimard, Lisa Batiashvili, Piotr Beczala, Joshua Bell, Diana Damrau, Vilde Frang, Elīna Garanča, Christian Gerhaher, Hagen Quartett. Thomas Hampson, Anja Harteros, Steven Isserlis, Evgeny Kissin, Anne-Sophie Mutter, Maurizio Pollini, Anna Prohaska, Grigory Sokolov, Jörg Widmann, Christian Zacharias, Frank Peter Zimmermann u.a. Rudolf Buchbinder setzt sich an sieben Abenden mit allen 32 Klaviersonaten von Beethoven, dem „Neuen Testament“ der Klaviermusik, auseinander.Die Mozart-Matineen des Mozarteumorchesters Salzburg werden von Manfred Honeck, Ádám Fischer, Marc Minkowski, Vladimir Fedoseyev und dem Chefdirigenten des Orchesters, Ivor Bolton, übernommen. Gemeinsam musizieren sie mit Elisabeth Kulman, Rolando Villazón  und Kristian Bezuidenhout. Die Camerata Salzburg gestaltet einen Haffner-Serenaden-Abend mit Thomas Zehetmair, die traditionelle Aufführung der c-Moll-Messe von W.A.Mozart in der Uraufführungskirche St. Peter und begleitet die „Young Singers“ in deren Abschlusskonzert. Auch in der letzten Festspielwoche treten einige der besten Orchester der Welt in Salzburg auf: die Wiener Philharmoniker unter Daniele Gatti mit Lang Lang, das Concertgebouworkest Amsterdam mit Leonidas Kavakos unter der Leitung von Mariss Jansons und Simon Rattle mit seinen Berliner Philharmonikern. Insgesamt bietet das Konzertprogramm 82 Konzerte in sieben Spielstätten, davon in drei Kirchen. Zum beliebten Ausklang des Festspielsommers entwickelte sich der Festspielball in der Felsenreitschule, der am 30. August 2014 stattfindet.

FESTSPIELREDNER  wird der 1960 in Sydney geborene Historiker und Autor Christopher M. Clark ist. Clark ist Professor of Modern European History an der University of Cambidge. Sein letztes Buch „Die Schlafwandler“ (The Sleepwalkers. How Europe went to War in 1914) dringt tief in die Entstehung des Ersten Weltkriegs ein. Die Salzburger Festspiele gedenken in diesem Jahr dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren. Eine Rezension des Buches finden Sie demnächst hier: www.mottingers-meinung.at/category/buch

www.salzburgerfestspiele.at

Rezension „Jedermann“ 2013: www.mottingers-meinung.at/salzburger-festspiele-jedermann

Wien, 6. 11. 2013