Volkstheater: Komödie im Dunkeln

April 12, 2018 in Bühne

VON MICHAELA MOTTINGER

Lachen, bis der Elektriker kommt

An Stunts wird nicht gespart: Steffi Krautz, Thomas Frank, Nadine Quittner, Sebastian Pass und Sebastian Klein. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Mit der „Komödie im Dunkeln“ kann das Volkstheater einen garantierten Publikumserfolg einfahren. Regisseur Christian Brey hat Peter Shaffers Erfolgsstück auf den Punkt inszeniert, und schon bei der Premiere am Mittwoch jubelten die Zuschauer darüber lang und ausgiebig. Die fulminant komischen Darsteller wurden beinah länger beklatscht, als diese vorhatten, noch einmal auf die Bühne zu kommen. Licht wurd’s schon im Saal. Bis zum Schluss galt es also zu lachen, bis der Elektriker kommt.

Wobei der hier auch noch ein Kabinettstückchen zu bietet hat … Entstanden ist die „Komödie im Dunkeln“ Mitte der 1960er-Jahre, und Brey und seine Bühnen- und Kostümbildnerin Anette Hachmann belassen sie optisch in ihrer Zeit. Im Zentrum der Turbulenzen befindet sich der noch erfolglose Bildhauer Brindsley Miller, der am Abend den russischen Kunstsammler Godunow zum Kauf eines seiner Werke überreden will. Dazu hat er sich nicht nur unerlaubter Weise die – besseren als die eigenen – Möbel seines begüterten Nachbarn Harold ausgeborgt, sondern auch seine Verlobte Carol vergattert.

Die wiederum hat ihren gestrengen Vater im Schlepptau, doch noch bevor die beiden Gäste eintreffen, gibt es einen Kurzschluss und damit Stromausfall. Man tappt durch die Finsternis. Als unerwartet Harold in der Tür steht, eine Nachbarin durch Alkohol hochprozentig indisponiert ihren Scharfblick verliert und die noch keineswegs ausrangierte Exfreundin von Brindsley auf den Plan tritt, nimmt die Katastrophe ihren Lauf. Zu guter (?) Letzt kommt auch noch der Mann vom E-Werk, Schupanski, ein russischer Emigrant. Klar, für wen er gehalten wird …

Bei vollem Licht kann’s ganz schön finster sein: Thomas Frank und Sebastian Pass. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Exfreundin Clea neigt zu Handgreiflichkeiten: Thomas Frank, Birgit Stöger und Stefan Suske. Bild: © www.lupispuma.com / Volkstheater

Am Volkstheater wird sich in all diesen Irrungen und Wirrungen nicht geschont. Da wird gegen Wände gelaufen und über Stühle gestolpert, aneinander vorbeigehastet und -geredet. Shaffers Komik entsteht, weil man selber bei Licht sieht, wo die Schauspieler vorgeben ebendieses nicht zu tun. So entsteht Slapstick vom Feinsten. Tempo und Timing stimmen. Allen voran hat Thomas Frank als Brindsley den Turbomotor angeworfen, spielt sich außer Atem und legt regelrechte Stunts hin, sogar einen Sturz über die Treppe. Auch das übrige Ensemble agiert entfesselt, so überdreht die Handlung, so auch dessen Mimik und Gestik.

Nadine Quittner gibt eine naive Carol, Stefan Suske ihren militärisch zackigen Vater Colonel Melkett. Brillant auch Steffi Krautz als Nachbarin Miss Furnival und Sebastian Pass als mehr oder minder geheimer Brindsley-Liebhaber Harold. Mit Birgit Stöger als durchgeknallter Exfreundin Clea nimmt der Komödienkarren noch einmal mehr Fahrt auf, nun wird sich nicht nur gezankt, sondern auch gerauft, bis Sebastian Klein endlich als unerwartet kunstsinniger Schupanski auftritt. Den Cast komplettiert Mario Schober als Godunow. Unter den vielen witzigen Einfällen von Christian Brey ist der mit dem Hula Hoop Reifen besonders gelungen. Was es damit auf sich hat? Hingehen, anschauen!

www.volkstheater.at

  1. 4. 2018

Volkstheater: Zwei zusätzliche Produktionen

Januar 17, 2018 in Tipps

VON MICHAELA MOTTINGER

Der neue Zeitplan zur Generalsanierung macht’s möglich

Anja Herden spielt Milo Raus Theatertext „Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs“: Bild: © Götz Schrage / Volkstheater

Zwei zusätzliche Neuproduktionen ergänzen das Repertoire im Volkstheater: Am 8. März hat die Österreichische Erstaufführung von Milo Raus Theatertext „Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs“ im Volx/Margareten Premiere. Anja Herden verkörpert beide Rollen des Doppel-Monologs: die der Frau mit schwarzer und die mit weißer Hautfarbe.

Der Schweizer Theatermacher, Autor und Aktivist Milo Rau schrieb das Stück auf der Grundlage von Interviews mit NGO-Mitarbeitern, Geistlichen und Kriegsopfern in Afrika und Europa. Regie führt der diesjährige Max-Reinhardt-Seminar-Absolvent Alexandru Weinberger-Bara. Im Haupthaus bereichert eine Komödie den Spielplan: Am 11. April findet die Premiere von Peter Shaffers „Komödie im Dunkeln“ statt. Thomas Frank spielt in der rasanten Verwicklungskomödie die Rolle des jungen Bildhauers Brindlsey Miller, der zu einem Trick greift, um Karriere und Liebesbeziehung zugleich auf die Sprünge zu helfen.

Um Eindruck bei seiner Einladung eines reichen russischen Kunstmäzens und seinem Schwiegervater in spe zu schinden, will er kurzerhand einige stilvolle Möbelstücke aus der Wohnung seines Nachbarn entwenden. Doch dann taucht ein Stromausfall das komplette Haus ins Dunkle und das Chaos nimmt seinen Lauf … Regie führt Christian Brey, der bereits an großen deutschsprachigen Häusern inszenierte und von 2009 bis 2011 zum Team der Late-Night-Show von Harald Schmidt gehörte.

„Da wir aufgrund des neuen Zeitplans der Generalsanierung das Haupthaus doch bis Ende der Spielzeit zu Verfügung haben, ist die ,Komödie‘ eine sinnvolle Ergänzung im Spielplan“, kommentiert Volkstheater-Intendantin Anna Badora. „Unser Ensemble freut sich schon auf dieses rasante Stück. Und mit ,Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs‘ verfolgen wir unsere traditionsreiche Kooperation mit dem Max Reinhardt Seminar weiter.“

www.volkstheater.at

17. 1. 2018

Armes Theater Wien: „Die Kunst der Komödie“

August 8, 2013 in Tipps

Zaubertheater ohne Kulissenzauber

 Ensemble Bild: © Vondru


Ensemble
Bild: © Vondru

Ab 14. August spielt das Arme Theater Wien Eduardo de Filippos „Kunst der Komödie“ im Wiener Volksliedwerk („Bockkeller“, 1160 Wien, Gallitzinstraße 1). Die Kunst der Komödie ist eine der schwierigsten. Aber es gibt Experten, die diese Kunst beherrschen. Der neapolitanische Dramatiker Eduardo de Filippo war so einer. Er schrieb über Seitensprünge, Heucheleien, Missverständnisse, das ganz normale Leben also, poetisch, leicht und intelligent. Und auch über das Theater selbst: In „Die Kunst der Komödie“ behauptet ein unvorsichtiger Politiker, die Wirklichkeit komme im Theater nicht mehr vor. Darauf schickt der Theaterchef seine Schauspieler. Sie mischen sich unter die Bittsteller, und sehr schnell kann der Politiker die Realität vom Spiel nicht mehr unterscheiden. Die Wirklichkeit ist oft absurder als alles, was man sich ausdenkt. Eduardo de Filippo stellt sich mit dieser Farce, in der das Theater sich selbst thematisiert, in die Tradition von Pirandellos Komödien: Schauspielkunst vermag die Gewissheit, was Realität ist, gründlich zu verunsichern.

Eduardo de Filippo ist nicht nur einer der berühmtesten Altmeister des italienischen Theaters, sondern auch der Begründer des italienischen Neorealismus. Filmregisseure wie Fellini oder Visconti haben von seinem kargen Theater gelernt. Wie in der Tradition der alten Commedia dell`arte braucht das Arme Theater Wien für seine Aufführungen nur ein Minimum an äußerem Aufwand, um sich höchst wirkungsvoll zu entfalten. Zaubertheater ohne Kulissenzauber.
Mit Klaus Fischer, Manfred Jaksch, Krista Pauer, Markus Pol, Jörg Stelling und Daniel Tejeda. Regie: Erhard Pauer.

www.armestheaterwien.at

Trailer: www.youtube.com/watch?v=Vw_rczL5vZk

Von Michaela Mottinger

Wien, 8. 8. 2013

ZDF-Posse mit Uwe Ochsenknecht und Sigi Zimmerschied

Mai 16, 2013 in Film

„Mein Vater, seine Freunde und das ganz schnelle Geld“

Heinrich (Sigi Zimmerschied, m.) und Elfie Atzberger (Christiane Blumhoff) drohen ihrer Geisel Pauly (Uwe Ochsenknecht, r.). Sie fordern das Geld zurück. Bild: ZDF/Christian Hartmann

Heinrich (Sigi Zimmerschied, m.) und Elfie Atzberger (Christiane Blumhoff) drohen ihrer Geisel Pauly (Uwe Ochsenknecht, r.). Sie fordern das Geld zurück.
Bild: ZDF/Christian Hartmann

Profitgier, plötzlicher Finanzverlust, eine Entführung und renitente Renter als Geiselnehmer: In der ZDF-Komödie „Mein Vater, seine Freunde und das ganz schnelle Geld“ am 16. Mai, 20.15 Uhr, spielt Uwe Ochsenknecht einen Schweizer Bankberater, Sigi Zimmerschied und Gabriel Raab ein Vater-Sohn-Gespann, das sich an ihm rächt. Max Färberböck inszenierte die burleske Geschichte nach seinem eigenen Drehbuch, das er gemeinsam mit Produzent Ulrich Limmer schrieb. In weiteren Rollen sind Christiane Blumhoff, Ulla Geiger, Hans-Jürgen Silbermann, Steffen Groth und viele andere zu sehen. Gemeinsam mit einem befreundeten Ehepaar beschließen die Eltern des jungen Bankangestellten Bernie Atzberger (Gabriel Raab), ihr Geld bei dem erfolgreichen Investment-Banker Reto Pauly (Uwe Ochsenknecht) zu investieren. Die höchst erfreuliche Rendite sorgt erst einmal für gute Laune bei den vier Rentnern. Doch aufgrund internationaler Börsenturbulenzen scheinen die Ersparnisse bald verloren. Bernies Vater Heinrich (Sigi Zimmerschied) fühlt sich hintergangen. Er zwingt seinen Sohn, mit ihm nach Zürich zu fahren, um Pauly zur Rede zu stellen. Als der aber die beiden Überraschungsbesucher abwimmeln möchte, platzt dem alten Atzberger der Kragen: Er schlägt den Banker spontan nieder, und ehe sich Vater und Sohn versehen, haben sie den ohnmächtigen Schweizer im Kofferraum nach Bayern entführt. Daheim im lauschigen Eberding versuchen der zum Jähzorn neigende Heinrich und die drei anderen Betrogenen mit unkonventionellen Mitteln, ihr Geld von Pauly zurückzubekommen. Der anständige Bernie dagegen will sich nichts zu Schulden kommen lassen: Er sucht fieberhaft nach einem Ausweg aus der kriminellen Situation und hat kurz darauf einen riskanten Plan.

www.zdf.de

www.mottingers-meinung.at/sigi-zimmerschied-ist-wieder-in-wien/

Von Michaela Mottinger

Wien, 15. 5. 2013

Oliver Baier macht wieder Theater

März 1, 2013 in Tipps

Das stadtTheater Walfischgasse zeigt die

französische Komödie „Der Vorname“

„Das Thema Faschismus langweilt mich kein bisschen, aber ihr habt gar nicht über Faschismus gesprochen. Ihr macht euch einen Spaß draus. Ihr spielt damit wie Kinder. Ja, so wie man Polizei oder Kaufladen spielt. Ihr spielt mit den gesellschaftlichen Problemen wie mit Matchbox-Autos. Was spielen wir heute Abend? Abtreibung, Kopftuch, Leihräder, Streikrecht? Und eure Positionen sind austauschbar.“ (Stück-Zitat)
Der Vorname von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patelliere

Ildiko Babos, Oliver Baier, Michael Rast, Alexander Rossi und Katharina Solzbacher
© Robert Polster

Am 6. März hat in der Wiener Walfischgasse Matthieu Delaportes und Alexandre de la Patellieres Erfolgsstück „Der Vorname“ Premiere. Eine Komödie, geben die Autoren an. Aber manchmal sind die Grundpositionen der Figuren schon zum Verzweifeln …  Apropos, Grundposition: Sie erinnert ein wenig an Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“ (ebenfalls im stadtTheater in einer hervorragenden Inszenierung von Werner Schneyder zu sehen. Nächster Termin: 6. April). Erfolgreiche Mitvierziger sind unter sich: Literaturprofessor Pierre und seine Frau Elisabeth haben zum Abendessen geladen. Ein selbstgekochtes marokkanisches Buffet erwartet die Gäste. Aber alles  kommt anders, als erwartet.

Vincent, der Erfolg verwöhnte Bruder von Elisabeth und Freund Claude erscheinen gut gelaunt. Der Abend beginnt entspannt, fröhlich, vertraut. Während man auf Vincents hochschwangere Freundin wartet, macht sich die Runde über den werdenden Vater Vincent lustig. Wie soll denn das Baby heißen? Dessen Antwort? Löst einhellige Entrüstung und schlussendlich einen Eklat aus. Und entlarvt die kleinen Schäbigkeiten, die man an geliebten Menschen so nicht vermutet hätte. Eine Lawine an Gefühlsäußerungen reißt alle gepflegten Umgangsformen talwärts …

In ihrer Geschichte über einen sehr speziellen Vornamen haben die beiden Dramatiker nicht nur pointiert gute Dialoge und einen brillanten Schlagabtausch geschrieben, sondern darüber hinaus eine messerscharfe, entlarvende Gesellschaftskritik. Das ist bissig, lebhaft, böse, sogar blutig. Das Stück wurde nicht nur zu einem Pariser Theatererfolg – es wurde von den beiden Erfindern bereits verfilmt und in Frankreich, Belgien, der Schweiz, Deutschland und Österreich im Kino zum Riesenerfolg.

Im stadtTheater Walfischgasse spielen Oliver Baier (der auch im „Gott des Gemetzels“ mit einer großartigen schauspielerischen Leistung erfreut), Ildiko Babos, Michael Rast, Alexander Rossi und Katharina Solzbacher. Regie führt in bewährter Weise Carolin Pienkos.

www.stadttheater.org

Von Michaela Mottinger

Wien, 1. 3. 2013