Leopold Museum: Anton Kolig

September 19, 2017 in Ausstellung

VON MICHAELA MOTTINGER

Die erste große Personale seit mehr als 50 Jahren

Anton Kolig: Sitzender Jüngling (Am Morgen), 1919. Bild: Leopold Museum, Wien. © Bildrecht, Wien, 2016

Ab 22. September zeigt das Leopold Museum die Ausstellung „Anton Kolig“. Kolig zählt zu den bedeutendsten Malern in Österreich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er ist ein exponierter Vertreter einer für seine Zeit vielfach typischen dynamisierten figuralen Malerei. Seine Bilder sind von einer virtuos-schwungvollen Handschrift und einer leuchtend-schillernden Farbigkeit gekennzeichnet. Hauptthemen von Koligs Gemälden sind Porträts und figurale Allegorien.

Aus Neutitschein/Novi Jičin in Mähren gebürtig, studierte Anton Kolig an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 1911 heiratete er die Schwester seines Studienkollegen Franz Wiegele und übersiedelte in den Heimatort seiner Frau nach Nötsch im Kärntner Gailtal. Gemeinsam mit den gleichfalls in Nötsch lebenden Malerkollegen Sebastian Isepp und Franz Wiegele sowie später auch mit dem Kolig-Schüler Anton Mahringer bildete er fortan den sogenannten Nötscher Kreis.

In den Jahren 1912 bis 1914 hielt sich Kolig in Paris auf, musste aber aufgrund des Ausbruches des Weltkrieges wieder nach Österreich zurückkehren. 1928 wurde Kolig an die Kunstakademie in Stuttgart berufen, wo er bis 1943 als Professor unterrichtete.

1929 erhielt er seinen wichtigsten öffentlichen Auftrag, nämlich die Ausführung von Fresken in einem Saal des Kärntner Landhauses in  Klagenfurt, die jedoch 1938/39 von den Nationalsozialisten zerstört wurden. Bei einem Bombenangriff auf Nötsch im Dezember 1944 wurde Kolig schwer verwundet und starb 1950 an den Spätfolgen dieser Verletzungen.

Anton Kolig: Stillleben mit Schildkröte, 1913. Bild: Leopold Museum, Wien. © Bildrecht, Wien, 2016

Anton Kolig: Selbstbildnis in blauer Jacke, 1926. Bild: Leopold Museum, Wien. © Bildrecht, Wien, 2016

Die Ausstellung im Leopold Museum ist nach mehr als fünfzig Jahren die erste große Personale, die zum Werk von Anton Kolig in Wien stattfindet. Das Leopold  Museum verfügt mit mehr als 20 Gemälden über den umfangreichsten musealen Bestand von Werken  des Künstlers. Die Schau wird etwa 100 Arbeiten Koligs umfassen, davon etwa 70 Gemälde und 30 Arbeiten auf Papier.

www.leopoldmuseum.org

19. 9. 2017

21er Haus: Die Sprache der Dinge & Cornelius Kolig

Juni 7, 2016 in Ausstellung

VON RUDOLF MOTTINGER

Das Paradies aus Plexiglas und Polyester

Robert F. Hammerstiel, Made by Nature- Made in China, 2004-2006. Bild: © Belvedere, Wien

Robert F. Hammerstiel, Made by Nature- Made in China, 2004-2006. Bild: © Belvedere, Wien

Cornelius Kolig, Ohne Titel, 1972. Bild: © Belvedere, Wien

Cornelius Kolig, Ohne Titel, 1972. Bild: © Belvedere, Wien

Das 21er Haus zeigt ab 10. Juni zwei Ausstellungen: „Die Sprache der Dinge. Materialgeschichten aus der Sammlung“ mit Arbeiten unter anderem von Franz West, Herbert Brandl, Gelatin, Gerhard Richter, Robert F. Hammerstiel, Heimo Zobernig, Anselm Kiefer, Brigitte Kowanz, Daniel Spoerri, Erwin Wurm und Franz von Zülow. Die Ausstellung mit Werken aus der Sammlung zeitgenössischer Kunst und der Artothek des Bundes stellt den Umgang mit Materie, Material und Materialitäten in den Fokus.

Seit den 1960er-Jahren sind sie gleichermaßen Ausgangspunkt und Inhalt künstlerischer Produktion. Standen etwa in der Minimal Art die spezifischen Eigenschaften des jeweiligen Materials selbst im Vordergrund, zeugen aktuelle Auseinandersetzungen das Spannungsverhältnis zwischen Materialität und Immaterialität im Zeitalter der Digitalisierung. Die Schau stellt beide Positionen im Vergleich nebeneinander.

Außerdem zu sehen ist „Cornelius Kolig: Organisches“. Der 1942 in Vorderberg in Kärnten geborene Maler, Bildhauer, Installations- und Objektkünstler ist durch seine kompromisslosen Arbeiten bekannt geworden, die um den menschlichen Körper und die Psyche, Sexualität und Tod, Obsessionen und Tabus kreisen. In den 1960er- und 1970er-Jahren experimentierte er mit neu entwickelten Werkstoffen wie Plexiglas und Polyester und schuf in erster Linie Skulpturen, die der technoiden Ästhetik der Zeit verpflichtet waren.

1980 begann er mit der Errichtung seines Lebens- und Gesamtkunstwerks: einer Architekturanlage in Vorderberg an der Gail namens „Das Paradies“. Die Präsentation bietet Einblicke in unterschiedliche Werkgruppen seines umfangreichen künstlerischen Schaffens.

www.21erhaus.at

Wien, 7. 6. 2016